Kazik - Back to life

  • Ich bin hier im Suchtforum, und da Depressionen und Sucht häufig miteinander verbunden sind, habe ich mich eingehend mit diesem Thema auseinandergesetzt.

    Es gibt Menschen, die haben Depressionen erlebt oder haben diese immer wieder. Es gibt Therapeuten, die das studiert haben und Erfahrung gesammelt haben, indem sie bereits mehrere therapiert haben. Und es gibt solche, die sich ihr Wissen angelesen haben. Alle drei Gruppen können für jemanden mit Depressionen hilfreich sein. Jeder auf seine Art. Und trotzdem gibt es Unterschiede zwischen denen, die aus eigener Erfahrung sprechen, und denen, die das nicht persönlich erlebt haben. Wobei selbst die Personen, die selbst eine Depression erlebt haben, nicht unbedingt wissen, wie sich diese beim anderen auswirkt. Da Depressionen unterschiedlich sind.

    Daher spreche ich immer nur von mir selbst. Was ich erlebt habe und wie ich damit umgegangen bin. Und dem ich das schreibe, kann sich dann überlegen, ob das auf ihn zutrifft und ihm helfen könnte oder eben nicht. Ich würde mir nie anmassen, jemandem zu sagen, was er zu tun hat. Und ich würde mir auch nie ein Urteil über einen anderen erlauben.

    Für mich macht es einen Unterschied, ob jemand etwas ähnliches erlebt hat wie ich oder nicht. Weil ich weiss, dass jemand mit der gleichen oder einer ganz ähnlichen Erfahrung mich wirklich versteht. Wie soll beispielsweise jemand, der keine traumatische Belastungsstörung wissen, wie es sich anfühlt, wenn man seine Flashbacks einfach nicht los wird? Oder wie soll jemand verstehen, was Selbsthass bedeutet, wenn er nie welchen hatte? Oder jemand, der keine Schmerzen hat, wie es sich anfühlt, wenn jemand ständig Schmerzen hat? Oder jemand ohne ADHS nachvollziehen können, was für ein Kampf es ist, sich so zu verhalten wie Menschen ohne ADHS? Oder wie kann jemand, der nicht süchtig ist, wissen, wie es sich anfühlt, wenn man von der Sucht nicht loskommt oder warum man nichts mehr trinken darf, weil man dann wieder rückfällig wird?

    Und genauso sehe ich das auch mit Depressionen. Wobei ich auch hier nicht alles verstehe. Weil ich beispielsweise nie erlebt habe, wie es ist, wenn man nichts mehr machen kann. Ich hatte immer noch Energie, weiter zu machen, Daher bin ich an diesem Punkt auch lieber ruhig, weil ich eben keine Erfahrungen dazu beitragen kann. Aber zu den anderen Sachen kann ich mich äussern. Und mir persönlich hilft es bei psychischen Problemen schon, wenn ich sie äussern kann, mir jemand zuhört- und dann vielleicht noch sagt "hey, ich verstehe das". Dann fühle ich mich nicht mehr so abnormal und isoliert, und drehe mich weniger um mich selbst.

    "Wenn du in völliger Akzeptanz lebst mit allem was ist, dann ist das das Ende aller Dramen in deinem Leben. (Eckhardt Tolle)"

  • Es gibt Menschen, die haben Depressionen erlebt oder haben diese immer wieder.....................................................................................................................................................................


    Noch einmal in meinen Worten:

    Ich bin doch nicht bescheuert, dass ich das nicht nachvollziehen kann, und nichts anderes habe ich auch geschrieben.

    Selbst wenn sich jemand nicht hineinversetzen kann, ist das eben so und auch hier nicht erforderlich. Niemand muss selbst an Depressionen leiden oder andere Krankheiten haben um bei der Thematik Sucht mitreden zu können.

    Dies ist ein Suchtforum, und Depressionen sowie alle anderen speziellen Erkrankungen sollten in qualifizierte Hände gegeben werden. Dies habe ich bereits mehrfach betont.

    Wird das absichtlich ignoriert, wenn ich so etwas anspreche, damit ein kollektives Jammern darüber beginnt, wer mehr leidet? Oder soll ich wirklich bei jedem, der dazu etwas geschrieben hat, nochmals ausdrücklich darauf hinweisen, welches schwere Los er trägt?

    Ich muss mich nicht in jede Opferrolle hineinversetzen, sei es durch Krankheit oder bewusste Entscheidung.

    Die Sucht hat mich eines gelehrt: Je mehr ich versuche, mich in andere Menschen hineinzuversetzen, desto weiter entferne ich mich von mir selbst und gehe Kompromisse ein – in dem Glauben, eine gemeinsame Verbindung aufzubauen. Doch Sucht ist hart und gnadenlos, sie endet oft tödlich und lässt keinen Raum für Sentimentalitäten.

    Ich bin nicht hier, um eine gemütliche Plauderei zu führen – das war ich nie und werde es auch nicht sein. Das können gerne andere übernehmen, die dafür besser geeignet sind

    Ich habe mich zudem bei einem Psychologen darüber informiert, wie Sucht und Depression miteinander verbunden sind, und hinterfragt, ob wirklich jeder, der an Depressionen leidet und glaubt, alkoholabhängig zu sein, tatsächlich ein Alkoholiker ist.

    Besonders interessant war die Frage, welche Mechanismen im Gehirn ablaufen und warum jemand mit Depressionen sich alkoholabhängig fühlt, obwohl er nur zwei Gläser Wein pro Woche trinkt.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • warum jemand mit Depressionen sich alkoholabhängig fühlt, obwohl er nur zwei Gläser Wein pro Woche trinkt.

    Das hat jetzt mit Kazik wirklich gar nix zu tun ( Kazik sag bitte Bescheid wenn das verschoben werden soll), aber Hartmut, da sprichst du was an, was ich mich gar nicht getraut habe auszusprechen.

    Gibt es Menschen, die sich die Alkoholsucht nur einbilden? Ich wurde stutzig bei einer Reportage über eine ältere Dame, die in der Klinik war und wegen ihrer Alkoholsucht behandelt wurde. Die trank ein halbes Glas Wein am Abend. Ich dachte sofort ‚das klingt jetzt aber wenig‘ aber der Therapeut sagte im Interview auf die Menge komme es ja nicht an. ‚Gut‘ dachte ich ‚ich hab das jetzt nicht zu bewerten‘, aber es erschien mir eigenartig.

    An meiner eigenen Sucht zweifle ich ganz und gar nicht- um das mal gleich klar zu stellen. Sorry hat gerade so gut gepasst.

  • Selbst wenn sich jemand nicht hineinversetzen kann, ist das eben so und auch hier nicht erforderlich. Niemand muss selbst an Depressionen leiden oder andere Krankheiten haben um bei der Thematik Sucht mitreden zu können.

    Dies ist ein Suchtforum, und Depressionen sowie alle anderen speziellen Erkrankungen sollten in qualifizierte Hände gegeben werden. Dies habe ich bereits mehrfach betont.

    Wird das absichtlich ignoriert, wenn ich so etwas anspreche, damit ein kollektives Jammern darüber beginnt, wer mehr leidet?

    Zum Thema Sucht kann hier jeder etwas sagen, weil jeder (ausser den Cos) selbst Alkoholiker ist. Depressionen haben hier nicht alle. Du hast schon öfter betont, dass dies ein Suchtforum ist und kein Depressionsforum. Bedeutet das, dass man dann nicht mehr darüber schreiben darf? Wobei ich das dann nicht verstehen würde, denn über Essen, Urlaub, Pflanzen etc. darf man hier ja auch schreiben. Warum dann nicht auch über das persönliche Befinden?

    Ich muss mich nicht in jede Opferrolle hineinversetzen

    Musst du ja auch nicht. Aber deshalb muss man es den anderen hier ja nicht verbieten, wenn sie sich dazu äussern und für andere da sein möchten? Solange es die eigene Sucht nicht gefährdet, sollte das kein Problem sein, oder?

    Ich habe mich zudem bei einem Psychologen darüber informiert, wie Sucht und Depression miteinander verbunden sind, und hinterfragt, ob wirklich jeder, der an Depressionen leidet und glaubt, alkoholabhängig zu sein, tatsächlich ein Alkoholiker ist.

    Besonders interessant war die Frage, welche Mechanismen im Gehirn ablaufen und warum jemand mit Depressionen sich alkoholabhängig fühlt, obwohl er nur zwei Gläser Wein pro Woche trinkt.

    Ich verstehe den Zusammenhang nicht. Keiner von denen, die sich hier im Beitrag geäussert haben zum Thema Depressionen haben nur 2 Gläser Wein pro Woche getrunken?

    "Wenn du in völliger Akzeptanz lebst mit allem was ist, dann ist das das Ende aller Dramen in deinem Leben. (Eckhardt Tolle)"

  • Ich fühle mich tatsächlich von deiner Wortwahl angegriffen. Ich hatte eben schon bei meinem Text überlegt, ob ich wirklich so offen was dazu schreiben soll. Das war auch ein bisschen im Affekt. Normlerweise überlege ich mehr und schreibe eher nicht. Ich werde mich jetzt hier auch wieder abgrenzen.

    „Die Guten sind die gleichen Leute wie die Bösen. Es sind alles nur Menschen, die vor sich hinleben.“

  • Ich meine Hartmut. Als ich angefangen habe zu schreiben waren da noch keine anderen Beiträge unter seinem letzten Post hier.

    Ist aber auch egal. Es ist wahscheinlich auch einfach nur ein Empfänger (ich) Problem.

    „Die Guten sind die gleichen Leute wie die Bösen. Es sind alles nur Menschen, die vor sich hinleben.“

  • Naira Du befindest dich hier im offenen Bereich. Bitte darauf achten, dass keine internen Informationen aus dem geschützten Bereich hinausgetragen werden. Dies dient lediglich als Information und ist nicht als Vorwurf gemeint. Zudem bin ich hier bei den Alkoholikern und nicht bei den CO oder EKA unterwegs. Also bitte nicht alles durcheinanderwerfen.

    Aber ich wundere mich schon, was da alles hineininterpretiert wird. Einfach nur das das lesen, was tatsächlich dort steht, und nicht irgendwelche Dinge willkürlich hineininterpretieren, nur weil man sich selbst angegriffen fühlt.

    Es wurde nichts verboten, und selbst wenn du das für dich siehst, solltest du keine unnötigen Anschuldigungen aufstellen.

    Ich verstehe den Zusammenhang nicht. Keiner von denen, die sich hier im Beitrag geäussert haben zum Thema Depressionen haben nur 2 Gläser Wein pro Woche getrunken?

    Und warum äußerst du dich dazu? Für andere in die Bresche zu springen ist zwar löblich, aber wenig wert, da keiner hier im Thread damit gemeint war.;)

    Der Zusammenhang ist jedoch ganz einfach: Dies ist ein Suchtforum und kein Depressionsforum, und es ist nicht erforderlich, dass sich jeder in Depressionen hineinversetzen muss, kann oder will. Punkt. Warum wird daraus jetzt so eine große Sache gemacht?

    Wenn jemand über Depressionen schreibt, ist das in Ordnung, aber deshalb kann oder darf er nicht erwarten, dass sich jeder damit auskennt. Und wenn jemand persönliche Angriffe startet, erhält er auch persönliche Antworten.

    Und der obenstehende Text war lediglich ein Beispiel, das ich mit dem Psychologen besprochen habe. Einfach mal den Text richtig lesen und nicht jede Aussage auf sich beziehen. Da stehen auch keine Namen, denn wer mich kennt, der weiß, dass ich ihn direkt anspreche.

    Ich fühle mich tatsächlich von deiner Wortwahl angegriffen.

    Du kannst schreiben, wenn dir etwas nicht zusagt. Bleibe sachlich zum Thema, denn dies ist ein Austausch, und die Wortwahl muss dir nicht zwingend gefallen. Das ist meine und allgemein gehalten.

    Gibt es Menschen, die sich die Alkoholsucht nur einbilden?

    Als Einbildung würd ich es nicht beschreiben. . Dies kann aus einer Depression heraus entstehen, da die Mechanismen mit der Sucht ähnlich sind. Jedoch jeder, der hierher kommt und sich als Alkoholiker betrachtet, ist einer und wird auch aufgenommen.

    Doch wir befinden uns hier im Austausch, und dabei reflektiere ich auch mein Trinkverhalten. Wären es nur zwei oder drei Gläser Wein am Tag gewesen, oder nur mal eine Flasche am Tag , hätte ich niemals den Weg hierher gefunden, und niemand hätte von meinem bemerkenswerten Charme und meinen Erfahrungen profitieren können.

    Und da es vermehrt depressive Alkoholiker gibt oder sich Personen so sehen, habe ich das deshalb auch angesprochen. Oder ist jetzt irgendjemadn beleidigt, nicht als alkoholkrank angesehen zu werden?

    Kazik , Ich weiß um deine Depressionen und möchte sie weder abwerten noch in eine Ecke drängen, in der man sagt, jemand solle sich nicht so anstellen.

    Leider wird jedoch der Begriff Depression inflationär verwendet und dadurch oft nicht der Schwere der Krankheit gerecht wird, die jemand tatsächlich hat.

    Man kann mich anhand meiner Wortwahl oder Direktheit beurteilen, aber sicherlich nicht die Ernsthaftigkeit infrage stellen, wenn es um Krankheiten geht. Da werde ich schon mal energisch allergisch.;)

    Mir ist es nur da und da wichtig "Trittbrettfahrer" von wirklich Kranken zu unterscheiden.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Übrigens haben meine Polyneuropathie, meine Psoriasis-Arthritis und andere chronische Erkrankungen sowie der Umgang damit den Ruf, das Trinkverhalten zu beeinflussen. Es muss jedoch niemand persönliche Erfahrungen damit haben, wenn es ums Saufen geht, aber bei Depressionen wird das Thema oft missverstanden und unnötig dramatisiert.

    Kazik Wie war das bei dir, war dein Trinkverhalten auch mal ein Thema bei deiner Behandlung wegen deiner Depressionen? Und hat mein Psychologe auch recht damit, wenn er schreibt, dass es gewisse Mechanismen gibt, die sich auf eine Sucht auswirken oder ähnlich sind ? Hast du da Erfahrungen damit?

    Es gibt einen Grund, warum ich mich an dich wende und nicht an irgendeinen anderen Nutzer: Du beschreibst deine Depression auf sehr authentische Weise und vermittelst durch bestimmte Aussagen ein fundiertes Wissen. Meinem Eindruck nach bist du sehr reflektiert und prüfst auch im Nachhinein alles genau, was der eine oder andere in einem Beitrag gemeint haben könnte.


    PS: Wenn du etwas aus deinem Thread gelöscht haben möchtest, das nicht zu dir passt, sag Bescheid. Ich werde mich darum kümmern.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Hi Hartmut und Ihr,

    zunächst einmal möchte ich Dir danken, dass Du Dir nach gestern noch einmal die Mühe gemacht hast zu erklären, was Du meinst. Das finde ich wichtig, weil Du viele Dinge geschrieben hast, die ich für mich praktisch, aber auch für das eigene Verständnis von meinen Depressionen mitnehmen konnte. Und auch für den Zusammenhang von meiner Alkoholsucht und meinen Depressionen konnte ich Dinge mitnehmen. Das war für mich gestern zunächst schwierig, weil ich mich aktuell in einer Depression befinde und die Zahnräder in meinem Kopf in Zeitlupe drehen. Außerdem bin ich dünnhäutig und fühle mich gerade von wirklich allem sehr leicht angegriffen. Aber wie geschrieben konnte ich gestern doch daran vorbeischauen und bin zu dem eben geschriebenen Schluss gekommen. Ich persönlich würde mir wünschen, dass Menschen, denen es ähnlich wie mir gegangen ist, sich das, was Du geschrieben hast, noch einmal anschauen. Es ist es wert.

    Aber ich wundere mich schon, was da alles hineininterpretiert wird. Einfach nur das das lesen, was tatsächlich dort steht, und nicht irgendwelche Dinge willkürlich hineininterpretieren, nur weil man sich selbst angegriffen fühlt.

    Es wurde nichts verboten, und selbst wenn du das für dich siehst, solltest du keine unnötigen Anschuldigungen aufstellen.

    Für mich persönlich erfordern Deine Beiträge öfters einen hohen Grad an Abstraktion und Abstand. Und beides habe ich nicht immer zur Verfügung. Ich stehe noch am Anfang meiner Abstinenz und befinde mich aktuell in einer Depression. Mein Abstand ist gefühlt diesbezüglich zero. Und manche Dinge, die Du schreibst, sind komplex, auch wenn sie Dir einfach erscheinen mögen. ;) Zudem verboten, ich habe es nicht so verstanden, dass Du in Deinen Beiträgen irgendetwas verboten hast.

    Wie war das bei dir, war dein Trinkverhalten auch mal ein Thema bei deiner Behandlung wegen deiner Depressionen? Und hat mein Psychologe auch recht damit, wenn er schreibt, dass es gewisse Mechanismen gibt, die sich auf eine Sucht auswirken oder ähnlich sind ? Hast du da Erfahrungen damit?

    Die ehrliche Antwort auf die erste Frage ist Nein. Diese Antwort mag hier in der SHG verwundern aber mein Trinkverhalten war "lediglich" ein weiteres selbstschädigendes Verhalten von mir, zu denen ich neige, wenn ich eine Depression habe oder depressiv bin. Ich spreche jetzt allerdings von den Jahrzehnten, wo ich nicht abhängig war. Als ich dann vor ca. neun Jahren begann ernsthaft zu trinken war mir allerdings schon klar, dass ich eine Sucht entwickeln werde und dass ich dieses selbstschädigende Verhalten nicht mehr kontrollieren oder "einfach" abstellen kann. Allerdings habe ich mich in dieser Zeit auch nicht speziell wegen meiner Depressionen in therapeutische Behandlung begeben. Ich habe in dieser Zeit eine Traumatherapie abgeschlossen. In der konnte ich einiges für mich erreichen. Hätte ich dort meine Sucht thematisieren sollen? Ja. Hätte ich dort trocken mehr für mich erreichen können? Ja.

    Ich bin analog zu dem funktionierenden Alkoholiker ein weitestgehend funktionierender Depressiver. Das ist für mich notwendig, weil ich versuche mich von meinen Depressionen nicht mehr aus dem Leben kegeln zu lassen als unbedingt nötig. Da bin ich stur, ich will leben.;)

    Und hat mein Psychologe auch recht damit, wenn er schreibt, dass es gewisse Mechanismen gibt, die sich auf eine Sucht auswirken oder ähnlich sind ? Hast du da Erfahrungen damit?

    Auf beide Fragen lautet meine laienhafte Antwort Ja. Und über meine eigenen Erfahrungen habe ich hier auch schon geschrieben. Zwei Beispiele. Alkohol beeinflusst Botenstoffe im Gehirn, die bei meiner Depression gestört sind. Die gleichen Verhaltensänderungen, die geeignet sind, um meine Depression zu bewältigen, sind geeignet, um meine Alkoholsucht zu stoppen. Und das ist kein Zufall, sondern zeigt mir, dass beide Krankheiten Gemeinsamkeiten haben.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Und manche Dinge, die Du schreibst, sind komplex, auch wenn sie Dir einfach erscheinen mögen

    Dasselbe sagt mir meine Partnerin auch immer: Ich treffe zwar sehr komplizierte Zusammenhänge punktgenau, doch sie hat hin und wieder Schwierigkeiten, mir zu folgen, da ich in meinen Schritten oft zu schnell vorausdenke und annehme, dass alles sofort verstanden wird. Danke für diesen Hinweis, denn bei fast 30.000 Beiträgen, einschließlich des alten Forums, schleichen sich immer wieder Fehler ein.

    Das Gute an diesem Forum ist, dass, wenn jemand einmal nicht in der Lage ist, sei es aufgrund einer Depression oder anderer Umstände, die Beiträge nicht verloren gehen und immer wieder nachgelesen werden können.

    Was ich voraus habe und was insbesondere am Anfang bei vielen noch fehlt, ist ein dickes Fell. Dünnhäutigkeit führt sehr schnell zu Missverständnissen.

    Deshalb bin ich auch niemandem, der mir direkt und unverblümt seine Sichtweise an den Kopf wirft, böse, denn ich war es am Anfang ja auch so.

    Auf beide Fragen lautet meine laienhafte Antwort Ja

    Nun werde ich das weiter verfolgen.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Nun werde ich das weiter verfolgen.

    Hi Hartmut,

    aktuell bin ich nicht der Form dazu, aber mich würde sehr interessieren was dabei so rauskommt. Schon aus Eigeninteresse.;) Und vielleicht gibt es ja irgendeine Möglichkeit, sich darüber auszutauschen?

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Und vielleicht gibt es ja irgendeine Möglichkeit, sich darüber auszutauschen?

    Es hängt mit der Sucht zusammen, und ich noch lernfähig Wenn ich etwas dazu erfahre, schreibe ich es ins Forum.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • da ich in meinen Schritten oft zu schnell vorausdenke und annehme, dass alles sofort verstanden wird.

    Das mag jetzt etwas verwirrend klingen, aber das finde ich tatsächlich die größte Qualität Deiner Beiträge. Oder anders gesagt, gerade, wenn ich kopfmässig nicht so gut aufgestellt bin, würde mich das Wissen um die ganzen Schritte nur verwirren.;) So habe ich das komprimiert, kann mir vor allem, was das praktische angeht, mitnehmen, was für mich passt. Und das theoretische kann ich dann zusammenpuzzeln, wenn mein Kopf wieder besser funktioniert. LG Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Ich bin analog zu dem funktionierenden Alkoholiker ein weitestgehend funktionierender Depressiver.

    Ich war lange Zeit davon überzeugt, ein sogenannter "funktionierender Alkoholiker" zu sein, und habe diese Ansicht auch im Forum vertreten. In Wahrheit gibt es so etwas jedoch nicht, es war lediglich eine beschönigende Vorstellung, die ich übernommen hatte.

    Du kennst sicher den Spruch: "Wer saufen kann, kann auch arbeiten." ? Diese Denkweise mag auf den ersten Blick funktionieren, doch das ändert sich, sobald man aufhört zu trinken. Letztendlich ist diese Vorstellung ein Trugschluss.

    Das Einzige, was tatsächlich zuverlässig funktioniert hat, war das Saufen selbst und die Beschaffung von Alkohol.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hi Hartmut,

    hast Du Lust, zu dem funktionierenden Alkoholiker noch was zu schreiben?

    Für mich ist ein funktionierender Alkoholiker im Groben gesagt einer, der sein sonstiges Leben noch so weit im Griff hat, dass er keinen besonderen Leidensdruck verspürt und auch keinen Grund sieht, an seinem Verhalten etwas zu ändern.
    Und dafür fallen mir aus dem Stand mehrere Leute ein, die ich kannte oder kenne.

    Ich kenne einige Vieltrinker, die vermutlich Schwierigkeiten hätten, aufzuhören. Aber sie gehen ihren Jobs nach, sind mit Frauen zusammen, die das trinken nicht sehr stört oder die selbst gern was trinken, kommen irgendwann ins Rentenalter und bleiben zeitlebens unter der Grenze, wo es so weh tut, dass mans ändern würde.

    Wie siehst Du das?

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Ich habe mich auch immer als ‚funktionierende Alkoholikerin‘ gesehen. Aber es ist ein Label. Von außen sieht ‚man‘ nix- wer näher dran ist, sieht doch was.
    Innendrin funktionierte gar nix und wenn ich ehrlich bin, fingen auch äußerliche Risse an.

    Wenn wirklich gar kein Leidensdruck da ist, das Umfeld fein damit, die Gesundheit gut, ist man dann überhaupt Alkoholiker?

    Bei psychischen Erkrankungen wird die Grenze ja da gezogen, wo der Leidensdruck einsetzt und jemandes Leben und/oder das seiner Mitmenschen beeinträchtigt ist.

    Kann man hier reihenweise nachlesen.
    Aber das was du beschreibst LK sind ja Menschen, die niemals hier landen. Läuft ja gut, warum sollten sie was ändern?

    In irgendeiner Weise noch ‚funktioniert‘ hat jeder hier. Ich denke der Alkoholiker, den sich meine Mutter als solchen vorstellt, der ungewaschen zwischen leeren Flaschen sitzt und die Wohnung nur noch für Nachschub verlässt, falls es denn eine Wohnung gibt, ist nicht die Regel.

    Ohne ‚Kennerblick‘ wurden die meisten hier von außen nicht für Alkoholiker gehalten- was ja auch Teil der Scharade ist, die irgendwo zur Sucht dazugehört.

    Kalt duschen, starker Kaffee, Kopfschmerztablette, kaugummi und hoffen keiner merkst, ist wahrscheinlich etwas das nicht nur mir sehr vertraut ist.

  • Aber das was du beschreibst LK sind ja Menschen, die niemals hier landen. Läuft ja gut, warum sollten sie was ändern?

    Ja, das ist so.

    Mir gings um die Aussage, dass es funktionierende Alkoholiker generell nicht gibt.

    Mein Vater, der sich selbst als Alkoholiker sah. Häuser gebaut, zwar geschieden, aber das sind ja viele, und aufhören wäre mit einem Aufwand verbunden gewesen, der durch den Zugewinn der Nüchternheit für ihn nicht aufgewogen worden wäre.

    Mein früherer bester Schulfreund, mit dem ich mit 12 die erste Flasche Schnaps geköpft hatte, sagt, er will seine Abhängigkeit so weit im Griff halten, dass er vor Erreichen der statistischen Lebenserwartung nicht aufhören muss. Sein Vater war übrgens Suchtmediziner. Wir haben mit 16 eine Entgiftungsstation besucht. Also, von Unkenntnis keine Spur. Will das so.

    Säuft ja nicht jeder so uferlos wie ich. Und vo sich selbst kann man auch nicht immer ausgehen.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Ohne ‚Kennerblick‘ wurden die meisten hier von außen nicht für Alkoholiker gehalten- was ja auch Teil der Scharade ist, die irgendwo zur Sucht dazugehört.

    Guten Morgen, mir hat man auch nicht angesehen das ich trinke. Auf der Arbeit hat das 20 Jahre keiner bemerkt, man hat halt mal über die Stränge geschlagen...gegen Ende meiner nassen Zeit hab ich auch nicht mehr in Gesellschaft getrunken, wahrscheinlich um nicht aufzufallen.

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