Beiträge von Lebenskuenstler

    Hilfe zur Selbsthilfe ist für mich der eigentliche Sinn dieses Forums. Und eigentlich auch der Kern jeder Selbsthilfegruppe.

    Wir geben Erfahrungen weiter. Was hat funktioniert? Wo bin ich auf die Fresse gefallen? Wo habe ich mir selbst etwas vorgemacht?

    ich möchte darauf eingehen.

    Die Trinkpausen, die ich gemacht habe, um weitertrinken zu können, zählen für mich nicht als Misserfolge. Denn ich hatte das Ziel, zu trinken, und folglich habe ich auch getrunken.

    Als ich den Tiefpunkt hatte, wurde ich sehr kritisch meinen eigenen Erinnerungen gegenüber. Jeder Spaß, den ich mit dem Trinken hatte, hatte seinen Preis. Und war es wirklich jemals schön? Oder war es nur mein "Es muss ja schön sein".
    Aus heutiger Sicht gab es lustige Ereignisse, aber das war zu dem Zeitpunkt schon Jahre her. Da hatte ich es noch besser vertragen und es war noch kein Zwang. Zwang war ein furchtbares Gefühl für mich, ganz allgemein.

    Am Anfang, als ich mich dazu entschlossen habe, aufzuhören, habe ich mit sehr vielen Schwierigkeiten gerechnet, weil ich lange und viel getrunken habe und während der Zeit davon überzeugt war, dass es furchtbar sein müsste, abstinent leben zu müssen.

    Am Ende habe ich aber so lange getrunken, bis es furchtbar war, zu trinken. Meine Vorstellung von der furchtbaren Abstinenz trat ein, wenn ich getrunken habe.

    Es war mir einen Versuch wert. Ich hatte beim Trinken nichts mehr zu verlieren. Abstinent konnte kaum schlimmer sein.

    Ich habe mit 5 Jahren Schwierigkeiten gerechnet. Das war insofern gut, weil ich nicht bei der ersten Schwierigkeit enttäuscht war. Und es fühlte sich oft gut an, weil es leichter war, als ich einkalkuliert hatte.

    Sehr schnell habe ich gesehen, dass es kein Verzicht war. Ich habe mich sehr stark darauf fokussiert, was ohne Trinken alles besser ging. Sehr schnell, innerhalb von Wochen, war ich davon überzeugt, dass mein Leben ohne Alkohol besser und schöner ist.

    In den ersten Wochen hat mich das Trinken gedanklich noch stark beschäftigt. In dieser Zeit hatte ich auch zwei mal Saufdruck, weil ich Risiken eingegangen bin und es Situationen waren, in denen ich nicht damit gerechnet hatte. Wenn ich drauf vorbereitet war, passierte nichts, und das wurde zur Erfahrung.

    Ich habe mich auch auf die Gespräche in der Suchtberatung gefreut, darüber zu reden hat Druck abgebaut. Meine Frau hatte von mir die Schnauze voll, mit ihr konnte ich da nicht drüber reden. Sie wartete erst mal ab, wie sich das bei mir entwickelt.

    In der Zeit habe ich auch eine Langzeittherapie beantragt, weil ich noch nicht sicher war, ob ich das ohne schaffe. Die habe ich jedoch nicht angetreten, weil ich mich nach 3 Monaten bereits so stabil empfunden habe, dass ich lieber gearbeitet habe, um von meinen Schulden wegzukommen. Das erschien mir für meine Trockenheit entscheidender.

    Nach drei Monaten Trockenheit habe ich einen verantwortungsvollen Job angetreten. Führungsposition, viel Geld der Kunden hing dran, und ich habe es als Herausforderung gesehen, das nüchtern zu schaffen. Da musst ich mich verschiedentlich ziemlich umstellen gegenüber früher.

    Weil ich mit dem Stress nüchtern nicht richtig umgehen konnte, bin ich nach einem Jahr Trockenheit in eine Selbsthilfegruppe. Mal sehen, was die in so einer Situation machen. Es war aber keiner in vergleichbarer Situation.

    Ich habe die Gruppe nach ein paar Streitereien im Zorn wieder verlassen und habe stattdessen mit Yoga angefangen. Da habe ich zum ersten Mal was vom Recht auf Glück gehört, das war mir völlig fremd und hat mich auch eine Weile beschäftigt.
    Später habe ich Literatur zur Glücksforschung gelesen, und für mich typisch natürlich von Hard-Core-Wissenschaftlern. Null Esoterik.

    Meinen Bürokollegen habe ich erzählt, dass ich viel zu viel getrunken hatte und dass es mir nun besser geht. Deren Erzählungen von ihren Wochenenden bestätigten mich darin, dass man trinkt, damit es einem schlecht wird und man montags jammern kann, wie schlecht es einem geht.

    Ich habe mich weder trinkend noch trocken versteckt.

    Nüchtern habe ich Einiges von dem, was ich trinkend geglaubt habe, auf den Prüfstand gestellt. Insbesondere habe ich festgestellt, dass mir viel Stress für hohen beruflichen Erfolg nicht so viel wert ist, wie ich früher geglaubt hatte. Nachdem ich den Stress nicht mehr abends runtergeschluckt habe, erschien mir das schlicht Blödsinn, so viel zu arbeiten.

    Ich wollte lieber Spaß am Leben.

    Es war noch ein längerer Weg, das zu erreichen. Da ich mich nicht als Opfer betrachtet habe, sondern mir überlegt habe, was ich tatsächlich für Möglichkeiten habe, konnte ich auch das irgendwann erreiche4n.

    Sehr schnell, schon gleich beim Aufhören, wurde mir auch klar, dass Alkohol keine Probleme löst, sondern ich dann zusätzlich noch mit Entzugserscheinungen und Selbstvorwürfen zu kämpfen hätte. Saufen schwächte meine Durchsetzungsfähigkeit, weil ich dann mit mir selbst nicht im Reinen war.

    Seit dem ich nüchtern bin, überlege ich mir, was ich tatsächlich aus mir selbst heraus will. Wobei es mir schwerer fiel, die Sicht Anderer zu ignorieren als im betrunkenen Leck-Mich-Gefühl. Nüchtern lasse ich nämlich auch andere Meinungen eher zu und an mich ran. Ich wäge ab und fälle dann Entscheidungen.

    So kam ich innerhalb etwa eines Jahres dazu, dass ich nüchtern alles machen kann, was ich machen will. Seitdem melden sich bei mir keine Trinkgedanken mehr. Ich bewahre "nur" meine Trockenheit, indem ich darauf achte, es nicht ganz zu vergessen.
    Außerdem habe ich auch meinen Spaß daran, schlau daherzureden.

    Denn ich wäre, gerade weil es unproblematisch läuft, dazu im Stande, meine Sucht zu vergessen.
    Seit dem ich wirklich aufhören wollte, bin ich nicht auf die Fresse gefallen. Deswegen diskutiere ich auch nicht darüber, wie ich das mache.

    LG LK

    Hi Ihr,

    ich bin hier sicher mit am längsten trocken.
    Das hat aber nichts zu sagen für diesen Text, weil ich an dem Punkt, den ich hier darstellen will, schon relativ bald war.

    Bei mir hatte sich die Lebensqualität nach dem Aufhören innerhalb weniger Wochen um gefühlte Größenordnungen verbessert und wirklich alles ging um Größenordnungen leichter. Was natürlich auch daran lag, dass ich genug gesoffen habe, dass der Spaß eigentlich schon Jahre vorher vorbei war und ich die ganzen Probleme nicht mehr hatte, die aus den Abstürzen resultierten.

    Gleichzeitig habe ich auch absolut akzeptiert, dass es für mich keine Rückkehr zu einem entspannten Trinken mehr geben kann, weil ich einfach so bin, dass ich einen Rausch will und zwei drei Bier immer nur Antrinken sein würden.
    Heute sehe ich das als Kennzeichen der Sucht, ich bin damals mehr dem nachgegangen, wie die Gefühle tatsächlich waren.

    Es war meine innere Überzeugung, dass Saufen das Leben schöner macht, die im Nachhinein betrachtet suchtgesteuert war, und die ich beim aufhören kognitiv auseinanderargumentiert hatte. Danach konnte ich mir da nichts mehr vormachen, ich fand Alkohol dann widerlich, und deswegen ist das nie ein Kampf gewesen.

    Und ich hatte eine ausgeprägte Anfangseuphorie, sicher auch, weil es sich für mich als wesentlich einfacher herausstellte, als ich befürchtet hatte.

    Selbst das Feiern ging nüchtern besser, wobei ich damit nicht Saufveranstaltungen meine, aber lockeres geselliges Beisammensein, weil ich dann einfach einen klaren Kopf hatte, nicht mehr schlecht aufgefallen bin, am nächsten Tag noch wusste, worum es ging und kein Kater, das Gesamtfeeling. Und ich habe nüchtern oft viel Spaß mit anderen Menschen. Nicht mit allen natürlich.

    Auch in anderen Bereichen war ich zwar nicht immer rundum glücklich und zufrieden, aber ich bin es nüchtern anders angegangen. Habe Lösungen gefunden, die keine Schnapsideen waren.

    Aus Gründen, bin ich immer noch ein sehr überzeugter Trockener und würde nicht mehr anfangen, wenn ich es könnte.
    Kognitiv wie emotional.

    Im Rückblick sind die Zeiten, in denen ich wirklich mal Spaß beim Trinken hatte, einfach nicht wiederholbar. Aus Gründen des Erwachsenseins, des Kontrollverlustes, des anderen Lebensstils, und vor allem aus Gründen meines Lebensgefühls.

    Das ist für mich schlicht eine Wohlfühlfrage und im Rückblick ist die kognitive Erkenntnis, dass schon Jahre, bevor ich aufgehört habe, der Spaß vor allem in meiner Vorfreude aufs Trinken bestand, aber in Wirklichkeit nicht mehr auftrat, mit der emotionalen Erinnerung, wie schlecht es mir tatsächlich ging, untrennbar verbunden.

    Egal wie schlecht es mir in den vergangenen 26 trockenen Jahren mal ging, ich hatte nie den Gedanken ans Trinken dabei. Ich denke, das liegt daran, dass ich erstens freiwillig aufgehört habe, mir das nie verboten habe, und ich die sehr tiefsitzende Überzeugung, also mehr als nur Gedanken, habe, dass ich wirklich nichts verbessern würde.

    Ich habe schon vor vielen Jahren gesagt, wenn ich denken würde, es würde mir besser gehen, wenn ich wieder anfange, dann würde ich das machen. Bis jetzt war ich immer davon überzeugt, das würde mir nichts bringen. Und ich sehe nichts vor mir, was daran etwas ändern könnte.

    Vom Lebensgefühl her weiß ich immer und bis ins Innerste, dass es mir nüchtern besser geht als wenn ich trinken würde.

    LG LK

    Wenn sie noch arbeitet, ist sie vermutlich nicht gerichtlich als geistig unzurechnungsfähig eingestuft und weder Du noch Dein Vater seit ihre gesetzlich bestimmten Betreuer.

    Sondern sie ist ein erwachsener Mensch, der selbst entscheidet, wie er/sie lebt. Da muss viel mehr passieren, und Zwang gibt es nur mit gerichtlichem Beschluss.

    Zwingen könnt Ihr sie zu gar nichts.
    Und überreden, ich wüsste nicht, wie.

    Und wenn ihr sie überredet, oder wie man das bezeichnet, wenn ihr sie unter massiven Druck setzt, kann sie bei einem Arzt oder Therapeuten auch sagen, sie will nicht, dann schicken die sie auch wieder heim.

    Es funktioniert nur, wenn es von ihr ausgeht. Und sie muss sehr davon überzeugt sein, dass sie wirklich aufhören will, sonst ist das alles pillepalle.

    Und genau danach sieht es nicht aus, wie Du schreibst.

    Es ist ihr Leben, vergiss nicht, Dein Leben zu leben.

    Am Anfang geht es schlicht und einfach darum, trocken zu werden.
    So, wie Du es kannst.
    Für mich war ein "Was mach ich stattdessen" z.B. wichtig.
    Ansonsten kommen alle möglichen Emotionen ungefiltert hoch und dann ist nichts mehr mit Zuschütten.

    Ich habe außerdem ziemlich schnell, aber durch Beobachtung Anderer, begriffen, dass ich keinen einzigen glücklichen Rückfälligen gesehen hatte. Das galt es für mich absolut zu vermeiden. Ich hab bedingungslos aufgehört und es ernst genommen.

    Wenn ich ein Problem verstanden habe, habe ich es noch nicht gelöst. Zu wissen, warum ich getrunken habe, hindert mich ja nicht daran.
    Das hat von daher keine Priorität.

    Wenn Du länger trocken bist, wirst Du nüchtern sowieso ein wenig anders denken, vieles erst merken und das kommt dann von ganz alleine, wenn es kommen will. Das ist dann aber aus meiner Sicht nicht mehr entscheidend.
    Mit der Einschränkung, dass Du merken solltest, was Deine Trigger sind.

    LG LK

    Das ist, weil viele absolut nicht aufhören wollen, aber sich trotzdem was ändern sollte.
    Der Grundgedanke ist der, bei Einzelnen klappt es, weil die Sucht noch nicht so weit fortgeschritten ist, und die Anderen merken vielleicht, dass es mit der Kontrolle nicht klappt.

    Das Trinken zu kontrollieren ist meiner Ansicht nach eine ziemlich normale Station auf dem Weg zur Erkenntnis, dass es nur ganz ohne funktioniert. Für mich war es auf jeden Fall einfacher, gar nichts zu trinken als wenig.

    Ich war auch mal: der Watzmann hat drei Gipfel. Auf jedem Gipfel ein Bier und einen Joint. Und sonstige alle möglichen Situationen.

    Irgendwie...ich war froh über die Erkenntnis, dass mich niemand, außer mir selbst natürlich, dazu zwingt, weiter zu trinken.
    Mir hat das gut getan, dass ich es damals nicht als Krankheit gesehen habe. Ich hatte dafür vielleicht etwas mehr Schuldgefühle, aber ich habe dafür sehr leicht die Verantwortung für meine Sauferei übernommen. Und was ich aktiv tue, kann ich auch aktiv lassen. Übersetzt, wenn ich ein Glas in die Hand nehmen kann, kann ich es auch stehenlassen.

    Wenig später habe ich es dann simpel so gesehen, Trockenheit ist einfach die Medizin gegen die Sucht, wenn ich sonst krank bin, nehme ich meine Medizin ja auch.

    In einer gesunden Beziehung sollte man ansprechen dürfen, was einem belastet stört und Sorge macht und schließlich normal darüber sprechen können….das ist mit einem nassen Alkoholiker fast unmöglich

    In einer gesunden Beziehung ist ein Nein aber auch ein Nein. Da wird nicht lange rummanipuliert, ob man den anderen doch noch dazu bringt, zu tun was er nicht, sondern nur der Partner - in dem Fall Co - will.
    Und umgekehrt auch.

    Du hattest auch nach Angehörigen gefragt.

    Mein Vater sagte mir, nachdem ich trocken war, er weiß, dass er auch Alkoholiker ist. er hat ja auch reichlich getrunken und schon morgens das Bier mit auf die Arbeit genommen und Wein und Schnaps und nie ins Glas gespuckt, aber gleichzeitig sagte er mir, Aufhören rentiert sich für ihn nicht.

    Na und, OK, dann war das so.

    Warum soll ich jemanden trocken legen wollen, der trinken will?

    Wenn jemand wirklich aufhören will, es alleine nicht schafft und sich keine Hilfe sucht, verstehe ich das auch nicht ganz. Bzw. doch, denn da geht es darum, die Fassade aufrecht zu erhalten, nach außen keine Schwäche zu zeigen. Schwäche ist in unserer Leistungsgesellschaft auch nicht gerne gesehen, da musst Du nur die Nachrichten verfolgen.

    Aber dazu musst Du ja erst mal aufhören wollen, und das ist für mich keinesfalls selbstverständlich. Süchtig zu sein ist für mich jedenfalls kein Argument, weil man seinen Stoff ja überall kriegt. Da brauche ich ihn halt, dann kauf ich ihn, wo ist das Problem?

    Im Übrigen hat das Trinken mit nassem Kopf schon große Vorteile, die man nicht so einfach aufgibt.

    Ich hab einfach nicht geglaubt, dass durch professionelle Hilfe irgendwas besser wird. Da bist Du dann halt nüchtern, aber den Rest des Ganzen, was Du am leben beknackt findest, bleibt ja.

    Und das merkst Du dann ja noch mehr, wenn Du Dich nicht abschießen kannst. Nach meiner Vorstellung hätte mir die professionelle Hilfe dazu ja mindestens noch eine Million zuschießen müssen, damit ich mich nicht mit der unliebsamen Arbeit plagen müsste. Solche Überlegungen hatte ich.

    So lange der Leidensdruck nicht groß genug war, war ich einfach nicht bereit, das Leben so wie es ist, anzunehmen.
    Da gibt es auch kein Verlustgefühl, dass ich da irgendwas verpasst hätte, außer einem Leben, das mir ohne Alk sowieso nicht gefiel. Der Gedanke ist dann einfach, wenn ich früher sterbe, habe ich auch weniger Ärger.

    Nicht so viel reininterpretieren.

    Ich hab meine Frau für verrückt gehalten, als sie mit dem Ansinnen kam, dass man auch weniger trinken könnte. Meine Einstellung war, ein gesunder Erwachsener trinkt, weniger trinken nur Kranke.

    Und das war nicht dazu, sie zu manipulieren, das war ganz einfach mein Lebensstil.

    Und wozu Schuldbewusstsein, Trinken ist nicht verboten.