Du hast ja anscheinend auch drunter gelitten, dass Du nicht aufhören konntest. Ich nicht. Ich habe drum gekämpft, trinken zu können.
Ja, Liebe vergleiche ich durchaus mit Saufdruck. Beides eine starke Emotion. Und beides bringt einen selbst dazu, Gründe zu suchen, es fortzusetzen.
Ich meine es durchaus ernst, wenn ich schreibe, ich musste zugeben, dass mir Saufen wichtiger war als die Beziehung zu meiner Frau.
Gedanken bestimmen die Gefühle, und Gefühle bestimmen die Gedanken.
Muss mich ausklinken, bin paar Tage weg. Wenn, dann später mehr.
Beiträge von Lebenskuenstler
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Darin finde ich mich höchstens in meiner allerersten Beziehung wieder, als ich noch dachte ich brauch das und muss eine Beziehung halten.
Das hatte sich nach der ersten Trennung erledigt, als ich merkte, man überlebt das.
Danach war es regelmässig so, dass mir auch Frauen, mit denen ich nicht mal zusammen war, sagten, dass sie es nicht aushalten, mir zuzugucken.
Und ich nur, hä? was geht die das an?Meine Frau hätte gar nichts müssen. Sie hätte sich trennen können und wäre ein freier Mensch gewesen.
Ja, Liebe ist für mich genau so wenig ein Argument wie Saufdruck. Entweder man tuts oder man tuts nicht.
LG LK -
In einem Coaching anlässlich unserer gemeinsamen Firmngründung wurde uns gesagt:
Ein Problem ist, dass wir beide Macher und Motivatoren sind und uns gegenseitig machen lassen müssen. Auch wenns schwierig ist, dem Anderen zuzugucken.
Das hat nichts mit Sucht zu tun, sondern mit "Lass mich mal, ich kann das besser". Beiderseits.
Das Andere, jeder hat seine eigenen "Bobbel", Punkte, die er für selbstverständlich hält, die aber nur die eigene Sicht darstellen.
Wenn zwei das gleiche Wort sagen, heisst das noch nicht, dass sie das selbe drunter verstehen.
Der große Vorteil an den Debatten: uns wird miteinander nicht langweilig.
Das passt schon. -
Hast du sie wirklich geschickt? Ernsthaft? Und das unter dem Deckmäntelchen "Ich beende die Beziehung, wenn du nicht dies oder das machst"? War oder ist sie dein Eigentum? Wie hättest du reagiert, wenn sie dich in Therapie geschickt hätte?
Was hat das mit Eigentum zu tun?
Im Übrigen war es ihr Ding, mir mit der Beziehungsbeendigung zu drohen, um mich zu irgendwas zu bewegen, das größte Problem war aber, dass ich mich drauf eingelassen hätte. Ich war vor der Beziehung überzeugter Single, ich wäre dahin zurückgekehrt. Heute sagt sie auch frei, sie hatte es auf mich abgesehen, ging absolut von ihr aus.
Meine Frau und ich sind uns in mindestens zwei Punkten einig:
Eine Beziehung ist keine Verpflichtung, sondern Verhandlungsssache.
Und Streit gehört dazu, selbst als ich damit mal zurückfahren wollte, erklärte sie mir, dass sie sich gerne streitet.
Wir haben das alles härtestens ausgefochten. Und deswegen können wir auch drüber lachen. -
Für eine Schuldumkehr müsste es erst mal eine Schuld geben.
Das würde ja heissen, ich hätte ihr die Schuld gegeben, dass ich saufe.
Ich habe vor der Beziehung schon gesoffen und es war nicht Teil unserer Abmachung, dass ich damit aufhöre.
Und es würde auch heissen, dass es irgendwo eine Verpflichtung gäbe, mit dem Trinken aufzuhören, gibts aber nicht.
Und mein Leben gehört immer noch mir und niemand Anderem. Ich beende bis heute Freundschaften kalt, wenn sich jemand was Anderes einbildet.
Ich hatte nach aussen hin noch nichts verloren, hatte Führerschein, Geld, Wohnung, Jobangebote, alles.
Und wir unter uns sind uns nicht mal ganz einig, ob sie mich velassen hat oder ob ich sie weggeschickt habe.
Jedenfalls
In Therapie habe ich sie geschickt, als ich bereits 6 Jahre trocken war und immer noch in jedem Streit der emotionale Erpressungsversuch kam, wenn ich dies oder das nicht mache, verlässt sie mich, was sie sowieso nie getan hat. Sie war überlastet von Aufgaben, die mir überhaupt nicht wichtig waren, aber ihr. Und es gab auch andere Gründe für die Therapie, sie war nämlich ziemlich fertig, weil sie auch in ihrem Job DIE Macherin war und sich alle Aufgaben gekrallt hat, bis sie einen Burnout hatte. Sie musste dringenstens lernen, loszulassen.
Dass ich sie geschickt habe, stimmt ja auch nicht ganz. Ich hab ihr die Bedingung gestellt, da ich mich sonst getrennt hätte. Denn ich hätte auch gerne eine Partnerin, mit der ich es aushalten kann. Das war ja trotzdem ihre Entscheidung, nicht anders als das Saufen bei mir.
Ausserdem haben wir erst geheiratet, als wir schon 26 Jahre zusammen waren, ich 13 Jahre trocken. Es prüfe, wer sich ewig bindet, quatsch. Ganz pragmatische Gründe, Steuern und unkomplizierte Krankenhausbesuche. Wenn wir uns nicht schon lange geeinigt hätten, wäre es dazu wohl kaum gekommen. -
Unbenommmen von unserer kleinen Unterhaltung neulich, mal ganz nüchtern betrachtet:
Die Wahrscheinlickeit, dass er das nächste Jahr trocken bleibt, liegt trotz dieses scheinbaren Tiefpunkts bei 10 bis 20 Prozent, je nach Statistik für Alkoholiker, die aufhören wollen.. Also in dem Glas ist jetzt bestenfalls ein kleiner Schluck drin, um bei Deinem Bild zu bleiben.
Konzentrierst Du Dich jetzt auf Dich oder wartest Du immer noch, dass er was ändert?
Du stehst machtlos daneben, das ist so.
Aber niemand zwingt Dich, Dir das anzutun.
Natürlich sind manche Dinge zu regeln. Wie bei jeder Trennung.
Du müsstest das ja alles nicht erleben, wenn Du Dich bereits getrennt hättest. Wenn Du jetzt weiter hoffst, dass er sich ändert, und Du dabei bleibst, weil Du es nicht verstehst, kann DIR das noch mehrmals passieren.
Meine Frau hat oft gejammert, wie schlimm es ihr geht. Aber es wurde erst so richtig schlimm für sie, weil sie sich nicht trennen wollte. Am Ende habe ich noch gesagt, wenn sie eine Spur Selbstachtung behalten will, soll sie sich das nicht länger antun.
Lass erst mal alle Hoffnung fahren. Das merkst Du irgendwann schon, ob er wirklich was ändert.
LG LK -
Meine Frau hatte sich wegen (romantischer) Liebe bei mir nicht allzuviele Hoffnungen gemacht. Ich war ein ziemliches Rauhbein und nicht an Beziehungen interessiert.
Wir waren einfach befreundet und unterhielten uns irgendwann über Bettbedürfnisse.
Ich selbst war der Meinung, wenn ich mich für eine Beziehung erst ändern muss, dann hat das sowieso keine lange Zukunft. Ich selbst hatte mich auch schon mehrmals getrennt, und sie auch.
Daraus wurde dann mehr, aber ich stand trotzdem auf dem Standpunkt, sie wusste, wie ich bin, sie wollte mich so und nun hat sie das zu akzeptieren.
Und ich hätte sie gehen lassen, wenn sie das wirklich gewollt hätte. Klammern war nicht meins.
Das ist trotzdem Liebe, mit dem Anspruch, den anderen zu lassen wie er/ sie ist. -
Lebenszufriedenheit war bei mir das zentrale Thema beim dauerhaften Trockenwerden. Früher die Trinkpausen waren immer drauf angelegt, dass ich meine inneren Spannungen irgendwann wieder durch Trinken abbaue.
Bei mir war es etwas Anders als bei Deinem Mann. Ich galt als Kind als Überflieger und kam überall durch, ohne viel dafür zu arbeiten oder mich an Regeln zu halten.
Und ich war ab dem Moment unzufrieden, ab dem ich mich irgendwo anstrengen musste, aber das war ja unvermeidbar.
Ich hatte tief drin das Gefühl, ein Leben, in dem man arbeiten muss, ist grundsätzlich kein Leben.
Ich hatte sogar schon mal den Gedanken, den ganzen Ärger damit spare ich mir und mache kurzen Prozess mit mir.
Alkohol war lange das Mittel, mit dem ich mir diese Lebenseinstellung überhaupt erträglich machte.
Und da kannst Du als Angehörige natürlich gegenreden, wie Du willst. Das ist ein Kampf gegen Windmühlen, denn einer wie ich fand immer Argumente fürs Trinken.
Und da das Leben ohne Alk ja sowieso nicht viel wert war, wo willst Du da ansetzen? -
Bei mir gab es Einige solcher Geschichten.Zwischen meinem 15ten und 40sten Lebensjahr immer wieder, phasenweise gehäuft.
Die meisten hatte ich aber gnädigerweise durch Filmrisse selbst vergessen.
Und wenn mir andere das erzählten, tat es mir nicht weh. Das bisschen Kater, ich bin ja kein Weichei...
Am Ende wurde mein Kopf nicht mehr betrunken genug, und ich konnte mich hinterher an jedes Detail erinnern.
Und ausserdem fiel mir irgendwann auf, es gibt Leute, die finden das Leben insgesamt nicht so beschixxen wie ich das fand, und komischerweise trinken die nicht so viel wie ich.
Das Problem bei mir als Säufer war zusätzlich (und ich habe ähnliches von Anderen gehört) , dass ich davon überzeugt war, nur ich verstehe, wie beknackt das Leben ist. alle anderen, die nicht trinken, sind nur strohdoof und haben sich einlullen lassen.
Als mich meine Frau nach ca. 6 Jahren Beziehung fragte, ob ich mir auch mal einen Tag ganz ohne Alkohol vorstellen kann, dachte ich erst, die hat sie nicht alle, Wie kann ein gesunder Erwachsener auf die Idee kommen, nicht zu trinken?
Ja, so. -
Ja, darfst Du fragen.
Ich habs die Tage beschrieben:BeitragRE: Lebenskuenstler - Bilanz
Die letzten Tage
Es war ein Projekt abgeschlossen, meine Frau sauer, ich hatte Zeit. Zum Saufen.
Vorfrühling, ausser zum Einkaufen musste ich nicht aus dem Haus.
Vorher, schnell, schnell, muss mit dem Projekt fertig werden, Freizeit rausschinden.
Bis da hin: mehrere Jahre gleicher Rhytmus: 4 Tage mit ansteigender Menge getrunken, 3 Tage nüchtern, das Ganze von vorn.
Tagsüber nie, aber aus der Firma raus, in den benachbarten Laden, eineinhalb Stunden mit Öffis nach Hause, Zeit zum gut vorglühen.
…
Lebenskuenstler7. Mai 2025 um 10:33 -
War anders bei uns, denn meine Frau wusste schon vorher, dass ich gerne saufe. Sie wurde auch vor mir gewarnt, da einige Leute wussten, dass ich mich um wenig scheixxe.
Für sie war das der Gegenentwurf zum bürgerlichen Elternhaus, bei mir war es zeitenweise auch Protestverhalten gegen die sogenannte Normalität.
Sie wusste nur nicht, wie extrem das ist, bevor wir das tägliche Leben zusammen verbrachten. Sie hat auch nie von mir verlangt, dass ich ganz aufhöre, nur ein bisschen weniger.
Mir gings dann irgendwann schlecht genug. Und das war kein Schaffen, denn Aufhören war zu dem Zeitpunkt schon wesentlich weniger anstrengend als trinken. -
Unfreiwillig ist da erst mal Einiges. Auch beim Alkoholiker.
Ich habe einige Jahre darum gekämpft, den Schaden durchs Trinken zu begrenzen. Also so zu trinken, dass ich einerseits trinken konnte und andererseits meine Frau mit meinem Verhalten einverstanden war.
Ist mir auch nicht gelungen. Und musste auch erst richtig weh tun, bis ich es geändert habe.
Is halt nun mal kein Wunschkonzert, das Leben. -
Moin,
konnte Dich jemand dauerhaft vom Trinken abhalten, so lange Du trinken wolltest?
Mich nicht.
Und ich schätze, so wird es Dir mit deinem Partner auch gehen.
Das angemessene Verhalten geht also drum, wie Du es mit einem Trinkenden aushältst.
Mir ist das bei meinem Vater gelungen, weil ich genau wusste, er ändert sich nicht.
LG LK -
Ich bringe mich selbst mal als gelungenes Beispiel, dass aus einem reichlich vergeigten Leben immer noch ein zufriedenes Leben werden kann.
Meine Sturheit kann nicht nur dazu verwendet werden, an ungesunden Gewohnheiten festzuhalten, sondern auch dazu, mein Leben nachhaltig zum Besseren zu ändern. Kommt auf die Ziele an, die ich mir setze.
Ich bin schon früh an den Gedanken gewöhnt worden, dass man am Ende des Lebens nichts mitnehmen kann.
Ob danach noch was kommt oder nicht, spielt in meinem Denken auch keine besondere Rolle.
Und ich habe keine Kinder, denen ich unbedingt was vererben muss.
Also, für mich die zentrale Frage, wofür arbeite ich eigentlich. Bzw, wofür habe ich gearbeitet, ist ja bereits weitgehend Vergangenheit bei mir.
Bei mir ist es so, das wichtigste am Arbeiten war letztlich doch der Lebensunterhalt. Und es sollte noch für ein finanziell sorgenfreies Alter reichen.
Ich habe auch ein paar spannende Sachen gemacht, aber nichts davon ist unverzichtbar.
Und heute, ohne tägliche Verpflichtungen, bringe ich den Tag trotzdem sehr leicht rum.
Ausser dem obengenannten lese ich sehr gerne, bin naturwissenschaftlich interessiert, und hin und wieder habe ich auch Spaß am Schreiben, so wie hier.
Ich habe auch ein Ehrenamt, aber da muss ich mich manchmal schon dagegen wehren, dass die Aufgaben nicht schnell mehr werden, als ich möchte. Grundsatz, nur so viel, wie es auch Spaß macht.
Bei mir besteht keine große Gefahr, dass mir nüchtern langweilig wird.
LG LK -
Glückwunsch zum ersten Jahr.
Nun, ein Beispiel war jemand, der nach 33 Jahren wieder rückfällig wurde. Das hat mich schon geschockt.
ich bin 24 Jahre trocken. Die letzten mindestens 15 Jahre hat sich an meiner Trockenheitsentwicklung nicht mehr viel geändert Ich lebe mein Leben. Und das heisst mit sämtlichen Unvorhersehbarkeiten, Freuden und auch Problemen, die das Leben eben so mit sich bringt.
Ich dachte anfangs mal, wenn ich in Rente gehe und es auf nichts mehr ankommt, vielleicht. Jetzt bin ich so weit, keinerlei Interesse an Alkohol.
Vielleicht mit 80? Ich glaube, auch dann wird es mich nicht interessieren.
Und wenn doch, dann nur, weil ich das so wollte. Und das müsste ich dann natürlich mit mir selbst ausmachen, denn zumindest ein innerer Zwang mit dem Trinken anzufangen wird bei mir nicht mehr kommen. Wenn ich erst mal trinke, dann würde es vermutlich seinen Gang gehen, aber das Glas muss ich immer noch selbst in die Hand nehmen, damit das passiert.
Keine Panik, es zwingt Dich keiner, nach 33 Jahren wieder anzufangen.LG LK
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was tun mit der vielen Zeit und den Baustellen im Leben
Hi stef,
ich schreibe jetzt einfach mal drauf los, weil ich Dir ausser als mit ein bisschen Brainstorming nicht weiterhelfen kann.
Fang ich mal ganz hinten an.
Am Ende seines Lebens findet fast kein Mensch, dass er zu wenig gearbeitet hat. Die Meisten hätten im Rückblick lieber andere Dinge wichtiger genommen.
Da gibts Interviews mit Sterbenden, und ich habe auch meinen Weg gesucht.Heute bin ich 65. Einige meiner Gleichaltrigen stellen gerade fest, dass sich den Plänen, was man in der Rente machen wollte, Einiges entgegenstellt. Öfter mal gesundheitliche Probleme.
Ich habe frisch trocken eine Führungsposition übernommen, aber nach einiger Zeit festgestellt, dass Geld nicht alles ist. Anfangs musste ich noch Schulden begleichen, eine meiner Altlasten, aber nach einiger Zeit wurde ich für eine Beförderung vorgeschlagen. Das hätte geheissen, für zwar noch deutlich höheres Gehalt noch länger in der Firma.
Ich habe aber auch noch andere Interessen. zum Beispiel bin ich immer so gerne in die Berge gegangen, nicht nur in den Alpen, da wars mir nie langweilig. Da hat es mich aus dem Job immer hingezogen, kein Job war mir so wichtig. Ausserdem Garten, Fahrradfahren, ein paar Leute treffen. Keine Kollegen. Und ich bin auch einer, der das heute nicht mehr so machen kann. Also bin ich sehr froh, dass ich es nicht verpasst habe.
Meine Frau ist wieder da, das machts sicher einfacher.Aber Du gehst ja erst auf 50 zu, da kannst Du schon noch was vom Leben haben. Ich will im Prinzip auf das raus: wenn Du es Dir finanziell leisten kannst, dann mach noch was Anderes ausser Arbeiten

LG LK
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Ich, zu meiner Zeit, habe gesagt, das muss ich aushalten.
Denn, wenn ich wirklich trocken werden will, dann darf es überhaupt keine Gründe zum Trinken geben.
Dann muss ich es auch aushalten, wenn es für mich schlecht läuft.
Denn sonst bin ich ja nur ein Fähnchen im Winde, das würde nichts werden.
LG LK -
Wie verlief der Prozess bis Du nüchtern wieder so sein konntest wie es einmal warst?
Bei mir gab es kein richtiges "Vorher"
Ich komme aus einem Elternhaus mit lockeren Trinksitten, ging schon als Kind an die Hausbar, wenn ich allein zu Hause war. Und da beide berufstätig waren und ich Einzelkind ohne Aufsicht...
erste längere Trinkpause, um das Abi zu machen.
Ich war schon immer ein gespaltener Typ, galt einerseits als geistiger Überflieger und war andererseits ein fauler Hund und Chaot. Einiges versemmelt, aber zu der Zeit, als ich aufhörte, galt ich als exzellenter Softwareentwickler, bei dem die Jobs schneller kamen, als mir lieb war. Ich wurde aus mir selbst nicht schlau, wie das geht.
In meinen Trinkpausen fühlte ich mich schnell wohl. Egal, was ich gesoffen hattte, es ging nie länger als bis zum nächsten Nachmittag, bis ich mich so weit gut fühlte.
Und das war definitiv Teil des Problems, dass ich Alkohol überhaupt nicht ernst nahm, obwohl in meinem Umfeld Leute sich tatsächlich totsoffen. Ich doch nicht.
Als ich das Jahr Trinkpause machte, trank ich jeden Monat genau zwei Bier, was mich weiter davon überzeugte, dass mir nie was passiert. Das endete dann fast in der Katastrophe.
Und danach, nach 4 Wochen fühlte ich mich dem Leben absolut gewachsen. Ich ging in die Suchtberatung, weil ich es ernst meinte und eventuell Therapie machen wollte. Nach ein paar Sitzungen hatte ich ein gutes Jobangebot, und ich hatte aus meiner versemmelten Jugendzeit ordentlich Schulden, da war mir das Geld erst mal wichtiger.
Es dauerte dann aber schon mehrere Jahre, bis ich mit meinem Leben zufrieden war. Denn bei den Jobs ging mir dann irgendwann auf, dass ich den Stress nur gefressen hatte, weil ich mich regelmässig ausgeknipst hatte. Saufen und Leistung waren untrennbar verbunden. Als ich dann ernsthaft trocken wurde, ging es mir ziemlich schnell um eine Art Work-Life-Balance, das viele Geld machte mich nicht glücklich. Wir nannten das Gehalt auch Schmerzensgeld.
Im Endeffekt habe ich mein Leben irgendwann komplett umgebaut, eigene Firma, in der ich dann nur noch so viel arbeitete, dass es reichte. Mit Software ging das.
Und bis es mit meiner Frau wirklich wieder gut lief, das dauerte auch.
LG LK -
Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich mein Leben mit einem Shot Wodka aufgeben werde. Tatsächlich ging es dann Abend sehr gesittet zu, der nächste Tag machte sich jedoch das schlechte Gewissen breit. Um das zu umgehen, redete ich mir wohl ein, ich sei nicht mehr abhängig und könnte wie alle anderen Normalos auch, ab und zu ein Glas trinken.
Den Punkt kann ich nachvollziehen.
Ich konnte immer Trinkpausen machen. Ich konnte nach zwei Bier aufhören, wenn etwas wichtiges anstand. Zwar mit zunehmender Mühe, aber es ging.
Und ich hatte schon mal aus Gründen fast ein Jahr Pause gemacht.
Und dann hatte ich mich auf einen sehr wichtigen Erfolg gefreut, und wenn das geschafft ist, dann hab ich aber einen Grund zu feiern. Dann gings dahin.
Ich hatte mich während meiner Trockenheit auch schon mal gefragt, ob es mir wirklich das Genick brechen würde, wenn ich eins trinke.
Weil bei mir die Abstürze ausserdem auch immer damit verbunden waren, dass ich ja aktiv saufen wollte. Mir ist das nicht so passiv "passiert". Also meine Kontrollverluste waren irgendwie beabsichtigt.Ich habe die Gründe, das überhaupt zu probieren, beseitigt, indem ich heute nüchtern besser feiern kann, als ich es früher trinkend konnte. Aus dem einfachen Grund, weil es heute nach Feiern nichts zu bereuen gibt, und weil ich ausserdem auch nüchtern, lach, ein Großmaul sein kann. Also ich kann auch nüchtern die Sau rauslassen, nur wird es nicht mehr richtig peinlich. Und auch alles Andere, wozu ich Drogen und Alkohol verwendet habe, Entspannung, Geniessen, Kochen, Urlaub, kann ich heute nüchtern besser.
Es gibt überhaupt keinen Grund mehr, das Risiko einzugehen, weil mir nichts fehlt. -
Schau her , ich kann das auch.
