Ich schiebe gleich mal vor, dass ich keine einfache, vielleicht gar keine Lösung für Dich weiss. Nur Denkstoff vielleicht. Ich muss ja aber auch Deine Probleme nicht lösen, Du bist ja selbst schon fast das, was wir unter uns im Scherz als alte S.cke bezeichnen. Und jeder muss seine Probleme irgendwie lösen, ist halt so.
Aber ich habe auch schon wo geschrieben, dass die Welt um mich herum hätte zusammenbrechen können, als ich aufgehört habe. Weil ich halt so lange gesoffen habe, bis es mir so schlecht ging, dass mir jedes andere Problem dagegen klein erschien.
Und dazu gehört noch, ganz egal, was ich schon erlebt habe, so schlecht, wie ich selbst mit mir umgegangen bin, konnte sonst keiner mit mir umgehen. Das wurde mir klar, als es mir über der Kloschüssel so hundsdreckig ging und ich wusste ganz genau, dass ich es mir selbst gegeben hatte. Also bei mir hätte es auch kein Frustsaufen mehr gegeben, weil ich genau wusste, davon wirds noch schlimmer.
Das aber nur mal zur Gefährdung. Mich hat saufmässig nach kurzer Zeit nichts mehr gefährdet, ganz egal, wie die Situation war. Mich hat Schnapsgeruch bestenfalls angewidert, und zumindest lässt der Saufdruck seit 24 Jahren auf sich warten. Bei mir, aber das ist keine Empfehlung. Du wirst jetzt nicht wegen Deiner heutigen Aktion zwangsläufig rückfällig werden, ausser Du willst es.
Zu der Wohnungssuche will ich was sagen.
Ich wohne in einer Gegend Deutschlands, da würde die Wohnungssuche auf jeden Fall Jahre dauern. Wir haben hier bei uns eine ausgewachsene Wohnungsnot, in anderen Gegenden soll es ja anders sein, hier gibt es praktisch keinen bezahlbaren Wohnraum und wenn, dann nur mit sehr langer Warteschlange. Und natürlich ist auch keiner, der in der Gegend bleiben will, so blöd, auszuziehen, also es wird auch nichts frei. Dafür gibt es eine Menge hochbezahlter Arbeitsplätze hier, was die Preise weiter treibt.
Wenn das bei Dir so ähnlich ist, wird das Deine Situation jedenfalls nicht so einfach lösen. Das mit dem Gartenhaus hört sich bei allen zu Recht geäusserten Bedenken zumindest machbar an und auch da gibt es Leute, die das trocken können. Es gibt sogar Obdachlose, die erfolgreich mit dem Saufen aufhören, aber das musst Du ja gar nicht werden.
Deine Frau, deren Freundin und ihr Mann sehen für mich nach Deiner Schilderung wie Saufkumpane aus, Jetzt wo Du nichts mehr trinkst, befindest Du Dich vielleicht in der Situation wie viele Andere, viel mehr Gemeinsamkeiten gibt es nicht. Ihr habt zwar Kinder, aber was habt Ihr an Gemeinsamkeiten, bei denen Alkohol gar keine Rolle spielt?
Kannst du hier oft lesen, die Saufkumpane fallen dann einfach weg. Und vielleicht hast Du, wie viele Andere auch, ausser Saufkumpanen kaum weitere Kontakte (reine Spekulation, widerspricht aber nichts von dem, was Du bisher geschrieben hast). Und natürlich bist Du mitverantwortlich für die Situation, weil Du selbst ja lange aktiv dabei warst. Jetzt hast Du es Dir halt anders überlegt, das ist sicher sehr gut für Dich, aber da können die Anderen um Dich herum ja auch nichts dafür, die leben ihr Leben eben einfach weiter, im Zweifelsfall auch ohne Dich. was noch lange nicht heisst, dass Du alles mitmachen sollst, Du hast genau so ein Recht auf DEIN Leben und DEINE Entscheidungen. Passt dann halt nicht mehr zusammen.
Jetzt kenne ich natürlich mehrere Geschiedene, ich kenne auch welche, bei denen der Kontakt zu den Kindern komplett eingeschlafen ist, und die leben trotzdem weiter. Bei mir selbst war zu meinen Eltern auch lange kein Kontakt, und ich hatte mich damit arrangiert, bei uns in der Familie sind wir ganz allgemein nicht so eng, eher Nestflüchter.
Ausserdem bin ich ein Scheidungskind und die Scheidung war nicht nur für mich, sondern auch für meine Eltern das Beste, was uns allen passieren konnte. Jemand, dem ich deswegen leid täte, würde die Situation völlig verkennen. Was ich damit sagen will, geht nicht, gibt es in dieser Form nicht. Wenn der Leidensdruck groß genug ist, gehen plötzlich sehr viele Dinge. Vielleicht willst Du das nicht, das ist aber eine Frage Deiner Prioritäten, nicht davon, ob das völlig unmöglich wäre.
Und ich bin ein bisschen ein brutales Kerlchen. Bei uns gibt es ein Sprichwort:
Schlechten Menschen geht es immer gut.
Ich hatte mir selbst mal als Losung, lieber ein glückliches Arxxloch als ein trauriges Engelchen. Wie gesagt, ich wusste und weiss, wie schlecht es mir vom Saufen ging. Bevor ich das noch mal anfange, kann ich noch viel Anderes und auch Leute, die mich an meinem Leben hindern, aus dem Weg räumen. Und ich mache das ja schon lange genug, dass ich mitreden kann.
Das Leben ist halt nun mal kein Wunschkonzert, oft geht es nur ums Machbare. Erstens könntest Du ja auch Single werden, zweitens könntest Du auch wo anders hinziehen, vielleicht sogar in ein anderes Land. Wie gesagt, ich kenne Leute, für die sind ihre Kinder kein Hindernis.
Du kannst hier bei den Cos genügend Geschichten finden, warum sie aus ihrer Situation nicht rauskönnen. Dieser Grund und jener Grund und tausend Andere Gründe. Oft verschwinden welche für längere Zeit, kommen wieder und haben nichts an ihrem Leben geändert.
Manches sind zwar tatsächlich echte Sachzwäge, wie Wohnungsnot, Unterhaltspflichten und Scheidungsrecht, aber oft werden ja ganz andere Gründe vorgeschoben, die zum großen Teil selbst konstruiert snd, weil der- oder diejenige gar keine SOOOO große Änderung will. Der Topspruch für mich in dieser Beziehung, ich kanns dem Menschen, der mir das Leben zur Hölle macht ja nicht antun, ich bin zu gut dafür
...Ich hab da harte Ansichten dazu. jeder wie er es braucht und wenn der Leidensduck nicht groß genug ist, macht man es sich in seinem Elend gemütlich (gibt hier wahrscheinlich demnächst Protest, ist aber meine Meinung) Und bei Trinkern die über ihre Trinkerleiden klagen, und die aber trotzdem tausend Gründe finden, warum dieser Schluck und jener Rückfall unbedingt sein musste, ist es keine Spur anders. Und Leute, die vorgeben, gerne zu trinken und die keine Anstalten machen, deswegen ein Problemgespräch anzufangen, kurz gesagt nicht nach Hilfe fragen, lasse ich anstandslos trinken, leben und leben lassen. Ich missioniere nicht.
(sollst du jetzt übrigens nicht auf Dich beziehen, ich glaube Dir, dass Du trocken bleiben willst).
Wenn Du sowieso Zukunftsängste hast, kannst Du ja auch mal ganz offen über Dinge nachdenken, die Du jetzt noch gar nicht denken willst. Und wenn es nur ist, um den Blick zu weiten und vielleicht aus der Ferne Möglichkeiten an Deiner jetzigen Situation erkennen, die Du nicht siehst, weil Du mit der Nase dranklebst.
Und was Du davon nehmen kannst, weiss ich nicht. Ich kenne ja auch nicht Dein ganzes Leben, nur das hier geschriebene.
Ewiger Text jetzt, wollte gesagt sein.
Was ich gelernt bzw. am eigenen Leib erfahren habe ist: wenn ich wirklich will und weiss, was ich willl, dann kann ich was ändern. Nicht alles, aber dafür verwende ich dann den Gelassenheitsspruch..den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, und die Weisheit, das eine vom Anderen zu unterscheiden. Auf den gibt es kein Copyright, der ist frei.
LG LK