Beiträge von Lebenskuenstler

    KaDett, was hat dich an meiner Story verwirrt?
    dass ich von Trinkpausen bis zum Schluss geschrieben habe?
    Hatte ich. Aber es war in dieser letzten Phase nur noch wie das Torkeln von Straßenlaterne zu Straßenlaterne (und auch da weiss ich, wie es sich anfühlt)

    Kennst Du den Begriff Retraumatisierung? Wenn man das Erlebte zwanghaft immer wieder erlebt oder es durch Input von aussen wieder geweckt wird?

    Mir ist grade vorhin aufgefallen, wenn ich meine eigene Geschichte so erzähle, dass ich nichts weglasse, dann muss sogar ich mich nach dieser langen Zeit wieder aus diesem Film herausholen. Das ist jetzt nichts, was mich direkt gefährdet, und ich hole mich dann in die heutige Wirklichkeit zurück und bin dann wieder hier, aber früher war ich auch ziemlich zerrupft, wenn ich das erzählt habe.

    Vielleicht sollte ich selbst mal drüber nachdenken, ob ich das überhaupt erzähle.

    Alkoholismus führt unweigerlich zum Tod – dies ist eine harte, aber notwendige Wahrheit, die jeder für sich verinnerlichen sollte.

    auf diesem Satz habe ich gerade herumgekaut. Nicht zum ersten Mal, denn früher habe ich diesen Satz auch mehreren Leuten um die Ohren gehauen.

    Warum ich drauf rumkaue, hat aber einen anderen Grund.
    Die Angst vor dem Tod hat mich nicht geschreckt, mir ist zu klar, dass sowieso alles endlich ist.

    Es war etwas Anderes. Es war die Angst vor dieser abgrundtiefen Verzweiflung über ein total abgefucktes Leben, was auch in dem Film Rückfälle vor dem Fenstersturz kommt. Ich war genau so ein Kandidat. Bisschen anders vielleicht, aber die Situation mit seiner Frau, nachdem er nach der Therapie wieder angefangen hattte...und diese etikettfreien Schnapsflaschen, Hauptsache haut rein, ich hatte das zwar ohne Thera und aus einer Trinkpause heraus, aber beim nächsten Rückfall hätte es sehr leicht so etwas werden können. Ich weiss noch, nach meiner letzten Trinkpause, die lange dauerte und in die ich und meine Frau Hoffnung setzten - obwohl mein und auch ihr Ziel war, dass ich es endlich lerne, "vernünftig" zu trinken und ich nicht das Ziel hatte, abstinent zu werden -, war mir nach zwei Wochen klar, es war ein Riesenfehler von mir, wieder anzufangen. Edit: und dann dauerte es noch Monate, bis ich den Absprung wieder gefunden habe. Monate voller Panik, und ich auf der Suche nach dem Ausgang.
    Das war der Höhepunkt des Dramas. Danach hätte ich mir eher die Kugel gegeben, um das abzukürzen, statt mich mit dem Elend des Rückfalls langsam umzubringen.

    Die Anfangseuphorie ist vorbei.
    Jetzt beginnt die Arbeit, Dir ein Leben einzurichten.

    Du merkst jetzt alles, nicht nur die Vorteile des Aufhörens, sondern auch den Schmerz, der in Dir steckt.

    Ich hatte zwar nie Saufdruck, aber ich wurde dann zum Rumpelstielzchen...diese Seiten an mir zu akzeptieren, hart und lang.
    Du hast keinerlei Ahnung, wie wütend ich sein kann.

    Saufen ist keine Option.
    Du musst da durch.
    Einen hohen Berggipfel zu erreichen, ist auch nicht nur der reine Spaß. Und Trocken ist halt Lebenslang. Ich hatte gestern von 5 Jahren geschrieben, die ich auch unter härtesten Bedingungen ausgehalten hätte (war dann aber doch nicht ganz so schlimm, ich hatte auch Spß, sogar viel. aber eben auch Unzufriedenheit vom Feinsten.)

    Ich höre jetzt auf, in diesen Zeiten habe ich nie verstanden, was das reden darüber hilft. Ich musste alleine durch meine inneren Keller.

    Das einzige, worauf ICH aufpassen musste, war, dass ich trotzdem aus der Trockenheit eine Lebenseinstellung mache und eben nicht wie bei meinen Trinkpausen dachte, nach einem Jahr kann ich wieder....und dann darauf hingefiebert habe, jetzt hab ich das geschafft, jetzt darf ich wieder/jetzt erlaube ich mir aber wieder was, habs ja verdient (ich habs probiert, bevor ich meine letzten 8 Monate Suff hinter mich brachte).
    Also das Ziel war trotzdem, trocken zu bleiben, nur handlich portioniert. Keine Überforderung, Du sagst es.

    Nehme ich mal das Thema "für immer" zu mir

    Das Eine ist, dass ich weiss, was sehr wahrscheinlich passieren würde, wenn ich wieder anfange (ich verweigere das Argument "mit Sicherheit").

    Das Andere ist, dass es mein Leben ist, und dass ich damit praktisch machen kann, was ich will. Wie hier im Forum öfter gelesen, jeder darf sich zu Tode saufen, also auch ich.

    Dann tatsächlich das Wissen, dass manche Dinge ihre Zeit brauchen.

    Wie Saufen sich anfühlt, wusste ich. Wie es sich FÜR MICH anfühlt, länger trocken zu sein, wusste ich nicht. Spoiler, wenn ich nicht damit glücklich geworden wäre, wäre es schwierig geworden. Einwurf: mit meiner Vorgeschichte habe ich mir 5 Jahre gegeben, um das zu entscheiden. So lange traute ich mir aber zu, es auch bei Unzufriedenheit zu schaffen.)

    Und das letzte, wenn ich doch lieber saufe, kann ich jederzeit wieder damit anfangen, auch übernächstes Jahr. Heute halte ich es erst mal nüchtern aus.

    Warum schreibe ich das? Es hat mich vor dem energieraubenden Hirnfi** bewahrt, mich an dem " Nie wieder" festzufressen.

    Und es schuf Raum, meine Trockernheit erst mal zu gestalten und eine Lebenseinstellung draus zu machen.

    Gut. Und jetzt, brandaktuell, vor 2 Minuten.

    Kam der Lieferant, den ich im Haus hatte, und sagte" sie laufe ja noch schlechter als ich, was haben Sie, Knie, Hüfte?"

    Weder, noch. Er war platt.

    "Da geht es mir doch gleich wieder besser sagte er, nur den Kopf nicht hängen lassen"

    Ich bin fast ein medizinisches Wunder. Da ist leicht hypomanisch sein. Hätte schlechter laufen können.

    Hallo LE, danke für deine Rückmeldung. Dann hast du, wie es aussieht, eine abgemilderte Form von Manie(quasi Hypomanie)? Das läuft ja denn auch darauf hinaus, den Alkohol als Selbstmedikation gegen die extremen Stimmungsschwankkungen einzusetzen. Da beißt sich dann die Katze in den Schwanz! Gut,das es dir anscheinend "relativ " leicht gefallen ist, den Alkohol sein zu lassen.Eine Frage hätte ich noch.Bist du medikamentös eingestellt und machst du Therapie? Must du nicht beantworten bzw.hast du vielleicht schon geschrieben!? Ich hab nicht alles in deinem Faden gelesen. Gruß BO

    Ich hole das mal zu mir.

    Hypomanie, genau.

    Ich habe aber noch andere Baustellen eher körperlicher Art, wegen denen mir die Reha genehmigt wurde. Wegen denen bin ich beim Neurologen. Dass er auch Psychiater ist, ist ein zufälliges Schmankerl.

    Therapie kann man das nicht nennen. Wir haben darüber gesprochen, mein Neurologe und ich, und sind zu dem Schluss gekommen, dass ich klar komme, was die "Bipolare Störung Typ 2" angeht...so ist die korrekte Bezeichnung. Ich muss wegen der anderen Baustellen sowieso alle zwei Monate hin und da haben wir uns darauf geeinigt, dass er mich da anguckt und befragt. Sollte etwas sein, werde ich mich behandeln lassen, aber nicht für nix.

    LG LK

    Kazik,

    ich interpretiere Dein Traurig-Smilie so, dass Du es traurig findest. Ob es das ist, wie ich schreibe, oder ob Du die Situation als solche traurig findest. ist nebensächlich.

    Es ist nichts passiert, was man nicht wieder richten konnte. Meine Frau braucht das zwar nicht nochmal und ich auch nicht, aber wir sind alle, und zwar alle, die daran beteiligt waren, unbeschadet aus der Situation herausgekommen.

    Mein Neurologe/Psychiater sagte, in mir steckt wohl ein guter Mensch. Der auch in kritischen Situationen darauf achtet, nicht zu viel zwischenmenschlichen oder materiellen Schaden anzurichten. Wer sagt, dass es einfach sein muss?

    Ich habe gelesen, dass Du keinem Schwächeren was antun willst. Dito.

    Und jetzt, bin ich zwar noch nicht ausgebrannt, aber ich habs gelernt. Wenns wärmer wäre, würde ich sagen, Liegestuhl. Mir fällt was ein.

    LG LK

    Ja, ich antworte schnell.

    in Hochphasen habe ich wenig Kritiker. Meine Frau sagte in meinem Beisein einem anderen Bipolaren, dass dann die Leute auf mich abfahren.
    Und sie kennt sich aus, ganz früher war sie mit einem echten Bipolaren zusammen, der sein Leben an de Wand fuhr.

    Das endet, wenn ich leer bin. Müde, faul, ausbebrannt.

    Richtige Depris hatte ich zuletzt vor 40 Jahren. Über den Unterschwied zwischen dem und depressiven Verstimmungen hattet Ihr es schon hier in diesem Thema.

    Vor 4 Jahren hatte ich einen fast manischen Schub, aber ohne Realitätsverlust (ich hab mich selbst eingeliefert und die Protokolle habe ich hier.) Ich konnte mich halt nicht mehr bremsen.

    Jetzt kann ich es:)

    Moin

    Ich kann mich ehrlich gesagt garnicht mehr erinnern wann ich überhaupt kein Blues gespürt habe.

    Als ich aufgehört habe, stand ärztlicherseits noch die Frage im Raum, ob ich Antidepressiva brauche. Will sagen, den Dauerblues kenne ich, den Weltschmerz (meine Bezeichnung). Und natürlich war verschiedenes Kacke, als ich aufgehört habe, psychischer Entzug, Baustellen in meinem Leben, Schutt.

    Dann bekam ich ziemlich schnell die Anfangseuphorie. Hielt einige Monate voll, dann kam der Blues zwischendrin.

    Dann wurde der Blues wieder stärker, bis ich diverse Dinge geändert hatte und auch im Aussen Einiges passiert war.

    Also nichts von Heute auf Morgen, Jahre. Sagen wir, 15. So genau kann ich es nicht sagen, habe nicht mitgeschrieben.
    das schwierigste war, mich selbst zu ändern. Da gab es noch was, meine Cholerik, das war das Härteste.

    Ich bin schwach bipolar und hatte früher Anzeichen von Borderline, wurde nie richtig diagnostiziert weil ich, Indianer kennt keinen Schmerz, nicht zum Arzt damit gegangen bin. Erst später, als ich es rückwirkend einem Neurologen und Psychiater in Personalunion erzählt habe. Für die schwache Bipolarität habe ich die Diagnose.

    Jetzt bin ich schwach untermanisch, also oft bestens gelaunt. Ich achte auf die Rückmeldung aus meiner Umgebung, ob ich richtig ticke. Passt schon.