Kannst du dir vorstellen, dass du auch für dich so empfindest wenn DU ausziehst?
Hu...das ist eine Frage, die ich mir tatsächlich selber oft stelle. Und ich muss mir ehrlich eingestehen, dass ich vor diesem großen Schritt, der soviel nach sich zieht, noch Angst habe. Meine Ängste da wären:
Angst davor, dass ich das Alleinsein nicht aushalte (ich mache viele Dinge alleine, gehe alleine in die Berge, war letztes Jahr sogar ein paar Tage alleine weg, gehe auch mal alleine ins Cafe, Kino, Lokal...aber da habe ich entschieden eine begrenzte Zeit alleine zu sein. Das andere wäre dauerhaft (bis man vieleicht mal wieder jemanden trifft...oder auch nicht).
Angst davor, dass die Entscheidung falsch ist und man sie bereut und nicht mehr rückgängig machen kann (da muss ich mich gleich selber daran erinnern, dass ich SO eigentlich nicht für den Rest meines Lebens leben will. Und wenn ich nichts ändere, wird sich nichts ändern. So ist die Tatsache. Aber wie so manche(r) hoffe ich halt im Geheimen, dass das Schicksal etwas für mich ändert...was Quatsch ist.).
Angst vor meiner Mutter. Ja, ihr habt richtig gelesen. Ich habe mich mal meiner Mutter anvertraut und ihr von dem Alkoholproblem meines Mannes erzählt.Und nunist es so, immer wenn sie mitbekommt, dass ich etwas alleine unternehme, bekomme ich zu hören, dass ich mich nicht wundern brauche, wenn mein Mann trinkt, wenn ich mich so abweisend benehme. Meine Mutter hat mich oft in meiner Kindheit mit Liebesentzug bestraft. Das hat mich anscheinend geprägt. Ich kann Unfrieden, Streit oder gemeine Bemerkungen nur schwer ertragen. Wenn meine Mutter so eine Bemerkung fallen lässt zieht mich das sofort runter.
Lange hatte ich auch Angst davor die Liebe meiner Söhne zu verlieren. Aber diese Ängste habe ich beiseite gelegt, da meine Söhne mich spüren lassen, dass dem nicht so ist.
Angst natürlich auch vor den finanziellen Konsequenzen.
Um nochmal auf deine Frage zurückzukommen: Ja, ich kann mir vorstellen mich dann auch frei und glücklich zu fühlen. Aber soweit bin ich noch nicht mit meinem Mut. Ich versuche das Ziel im Auge zu behalten und mit kleinen Schritten darauf zuzugehen....vieleicht ist es auch unvermeidlich mal ein paar Irrwege zu machen...wichtig sind die kleinen Schritten auf das Ziel zu. Es hat mich schon Kraft und Mut gekostet meine Grenzen zu setzen...wie oft war ich kurz davor diese wieder aufzugeben, wenn der Druck zu groß wurde. Und es hat mich letztes Jahr Mut gekostet meinem Mann zu sagen, dass ich nicht mit ihm in den Urlaub fahre,da ich keine Lust auf Urlaub habe bei dem der Tagesablauf von seinen Alkohollaunen geprägt ist (von schlecht gelaunt bis total überzogen gut gelaunt). Stattdessen war ich 2 Wochen mit meiner Freundin weg.
Das alles sind für mich Schritte in die Freiheit. Schneller geht bei mir nicht. Aber gut, dass Du mir diese Frage gestellt hast, so bin ich gezwungen wieder mal darüber nachzudenken und es hat mich bestärkt weiter auf meinen Weg zu gehen...