Beiträge von Bergdohle

    Seit Du hier bist weisst Du: Du kannst nackt im Garten Handstand machen und dabei La Paloma pfeifend Gitarre spielen, es ändert absolut nichts am Krankheitsverlauf.

    Jetzt hast Du mich zum Lachen gebracht!

    Aber Du hast vollkommen recht. Nach 6 Jahren mit einem Alkoholiker (zumindest vor 6 Jahren kam in mir erstmals der Verdacht hoch, dass er Alkoholiker ist), erst Lesen von Büchern und im Internet, später Lesen in diesem Forum, weiß ich, dass nur er das ändern kann. Dennoch keimt manchmal diese kleine dumme Wunschvorstellung auf , dass etwas von außen es ändern könnte. Aber ich sehe mich in einem Lernprozess. Und auch wenn meine Lernerfolge für Außenstehende langsam anmuten...so lerne ich doch.

    Manchmal nehme ich es ihm richtig übel, dass er seinen Kumpel Alkohol gewählt hat, anstatt mit mir über seine Sorgen zu sprechen bzw. sich professionelle Hilfe zu suchen. Er war für mich immer ein so guter Zuhörer und Ratgeber. Mir hat er diese Chance nicht gegeben und damit am Ende die Familie zerstört.

    Ja, genauso war es bei uns. Er hatte immer ein offenes Ohr für all meine Sorgen und stand mir mit Rat und Tat zur Seite. Selber hat er alles mit sich ausgemacht (mit Hilfe des Alkohols) um uns (seine Familie) damit nicht zu belasten...so hat er es immer betont. Ich habe es immer als großes Opfer von ihm an uns gesehen...natürlich ein unnötiges Opfer, da man ja auch füreinander da sein soll und seine Probleme teilen soll als Paar. Ich habe es noch nie von der Warte aus gesehen, dass er mir damit die Chance zum Zuhören genommen hat....danke für den anderen Blickwinkel

    Was Du also wahrscheinlich nicht bekommen wirst, ist Verständnis und Hilfe. Eher besteht die Gefahr, dass Du als Böse dargestellt wirst, die übertreibt und Dir als Krönung zu verstehen gegeben wird, dass es Deine Aufgabe ist als Ehefrau, Dich zu kümmern.

    Du hast so recht. All das trifft auf meine Mutter zu. Und wenn ich so darüber nachdenke könnte ich mir das bei seinen Geschwistern auch vorstellen.....Bestärkt mich darin nix seiner Familie zu sagen. Bringt mir nur weiteren Stress. Danke Dir. Ein Thema für mich abgehakt.

    Vielen Dank für all die Antworten...und Denkanstöße. Wahrscheinlich habt ihr recht, dass viele Menschen aus dem unmittelbaren Umfeld es eh schon ahnen, aber es einfach wegignorieren, weil es unbequem ist, oder sich vieleicht auch denken, man bildet sich das nur ein (so wie es der Co ja auch oft denkt). Ich kann es dennoch nicht seinen Eltern erzählen. Sie sind 90. Und es gibt seit einiger Zeit Stress und Streit mit einem seiner Geschwister und ich sehe, wie das die Eltern mitnimmt. Da will ich nicht noch was oben drauf packen.

    Was willst Du damit erreichen?

    Ich nehme mal an, es ist, dass von außen Druck auf ihn ausgeübt wird, sein Leben zu ändern. Es ist aber seine selbstbestimmte Entscheidung, weiter zu trinken.

    Gute Frage. Guter Punkt. Das mit dem Druck auf ihn ausüben, damit er was gegen sein Problem unternimmt und bei uns alles wieder okay wird, war sicher ein früherer Beweggrund.

    Mittlerweile weiß ich, dass das nix bringen würde. Jetzt würde ich ihn gerne unter Druck gesetzt sehen damit er für SICH SELBER ins Handeln kommt. Nicht für mich. Für sich selber. Ich wäre nicht solange mit ihm zusammen, wenn er nicht ein wertvoller Mensch wäre, der halt vom Weg abgekommen ist. Ich habe ihm das auch schon oft genug gesagt. Weil immer wieder die Frage kommt "wenn ich jetzt aufhöre,haben wir dann noch eine Chance?". Und ich sage ihm dann immer, dass ich das nicht weiß, weil viel passiert ist und meine Gefühle sich verändert haben und ich nicht in die Zukunft schauen kann. Und außerdem darf er nicht wegen mir aufhören, sondern muss es für sich selber machen, weil Er gesund sein möchte...nur dann kann es meiner Meinung nach gelingen.

    Und ein anderer Grund ist auch, dass ich dann einfach offen darüber reden könnte, warum ich oft so komisch/traurig/abwesend oder wie auch immer drauf war/bin. Das würde Druck von mir nehmen.

    So, nun habe ich wiedermal eine Frage auf dem Herzen. Ich habe mich lange gefragt, inwieweit ich das Alkoholproblem meines Mannes seiner Familie mitteilen darf. Ich habe für mich entschieden, dass es mir nicht zusteht ihn bloszustellen vor seinen Geschwistern und dass ich auch seine betagten Eltern nicht in Sorge stürzen möchte. Gerade die Eltern haben das nicht verdient. Im Prinzip wissen es nur meine 2 engsten Freundinnen und unsere Söhne. Naja..und meiner Mutter habe ich es dummerweise mal erzählt, was nicht gut für mich war, da ich ja nun die Böse in ihren Augen bin. Ich hoffe aber immer darauf, dass es irgendwann mal jemand von den Geschwistern auffällt,...oder Freunden,...oder Nachbarn.

    Ich unternehme nichts (mehr) um es zu vertuschen. Z.B. Termine, die er platzen läßt, weil es ihm grad wieder schlecht geht, sind sein Problem. Aber wie das so ist, fällt es nie jemanden auf. Wenn er einfach nur seinen Alkoholpegel normal hochhält kommt niemand drauf, was mit ihm los ist. Und wenn er seine Tage hat, wo er mal 1 Flasche Vodka am Tag wegkippt, dann verkriecht er sich, so dass es niemand mitbekommt. Ich muss dazu sagen, dass mein Mann seit 1 Jahr nicht mehr arbeitet, während ich weiterhin arbeite.

    Im Dezember waren wir mal bei den Eltern der Frau unseres Sohnes eingeladen. Und mein Mann war ziemlich angetrunken. Ich war darüber total glücklich (kaum zu glauben, gell), aber ich habe mir so gewünscht, dass es endlich andere Menschen erkennen. Dass ich offen reden kann über das "Problem", ohne das Gefühl zu haben ihn zu verraten, weil er sich ja selber verraten hat durch sein Verhalten. Aber, wie so oft, wurde es als gute Laune abgetan, wenn er durch den Alk so aufgekratzt ist.

    Nun meine Frage, wie habt ihr das gehalten mit dem Mitteilen an Familie und Freunden? Wie waren eure Erfahrungen? Wenn mir der ein oder andere antwortet würde ich mich freuen.

    Kannst du dir vorstellen, dass du auch für dich so empfindest wenn DU ausziehst?

    Hu...das ist eine Frage, die ich mir tatsächlich selber oft stelle. Und ich muss mir ehrlich eingestehen, dass ich vor diesem großen Schritt, der soviel nach sich zieht, noch Angst habe. Meine Ängste da wären:

    Angst davor, dass ich das Alleinsein nicht aushalte (ich mache viele Dinge alleine, gehe alleine in die Berge, war letztes Jahr sogar ein paar Tage alleine weg, gehe auch mal alleine ins Cafe, Kino, Lokal...aber da habe ich entschieden eine begrenzte Zeit alleine zu sein. Das andere wäre dauerhaft (bis man vieleicht mal wieder jemanden trifft...oder auch nicht).

    Angst davor, dass die Entscheidung falsch ist und man sie bereut und nicht mehr rückgängig machen kann (da muss ich mich gleich selber daran erinnern, dass ich SO eigentlich nicht für den Rest meines Lebens leben will. Und wenn ich nichts ändere, wird sich nichts ändern. So ist die Tatsache. Aber wie so manche(r) hoffe ich halt im Geheimen, dass das Schicksal etwas für mich ändert...was Quatsch ist.).

    Angst vor meiner Mutter. Ja, ihr habt richtig gelesen. Ich habe mich mal meiner Mutter anvertraut und ihr von dem Alkoholproblem meines Mannes erzählt.Und nunist es so, immer wenn sie mitbekommt, dass ich etwas alleine unternehme, bekomme ich zu hören, dass ich mich nicht wundern brauche, wenn mein Mann trinkt, wenn ich mich so abweisend benehme. Meine Mutter hat mich oft in meiner Kindheit mit Liebesentzug bestraft. Das hat mich anscheinend geprägt. Ich kann Unfrieden, Streit oder gemeine Bemerkungen nur schwer ertragen. Wenn meine Mutter so eine Bemerkung fallen lässt zieht mich das sofort runter.

    Lange hatte ich auch Angst davor die Liebe meiner Söhne zu verlieren. Aber diese Ängste habe ich beiseite gelegt, da meine Söhne mich spüren lassen, dass dem nicht so ist.

    Angst natürlich auch vor den finanziellen Konsequenzen.

    Um nochmal auf deine Frage zurückzukommen: Ja, ich kann mir vorstellen mich dann auch frei und glücklich zu fühlen. Aber soweit bin ich noch nicht mit meinem Mut. Ich versuche das Ziel im Auge zu behalten und mit kleinen Schritten darauf zuzugehen....vieleicht ist es auch unvermeidlich mal ein paar Irrwege zu machen...wichtig sind die kleinen Schritten auf das Ziel zu. Es hat mich schon Kraft und Mut gekostet meine Grenzen zu setzen...wie oft war ich kurz davor diese wieder aufzugeben, wenn der Druck zu groß wurde. Und es hat mich letztes Jahr Mut gekostet meinem Mann zu sagen, dass ich nicht mit ihm in den Urlaub fahre,da ich keine Lust auf Urlaub habe bei dem der Tagesablauf von seinen Alkohollaunen geprägt ist (von schlecht gelaunt bis total überzogen gut gelaunt). Stattdessen war ich 2 Wochen mit meiner Freundin weg.

    Das alles sind für mich Schritte in die Freiheit. Schneller geht bei mir nicht. Aber gut, dass Du mir diese Frage gestellt hast, so bin ich gezwungen wieder mal darüber nachzudenken und es hat mich bestärkt weiter auf meinen Weg zu gehen...

    ich bin EKA und in meiner Familie hatte ich exakt die Aufgabe, die Du für Deinen Jüngsten beschreibst.

    Danke für Deinen Beitrag, besonders weil du EKA bist und weißt wovon du sprichst. Das bestärkt mich nochmal darin, dass es vollkommen richtig war meine Jüngsten "rauszuschubsen" in die Freiheit. Er musste seine Rollen eh schon einige Jahre spielen, weil ich lange nicht kapiert habe, was ich ihn da aufbürde. Aber jetzt ist er draußen und es geht im gut.

    Heute keine Fage...ich will nur einfach vor mich hinschreiben und was loswerden. Mein Ältester hat ja den ganzen Zirkus zu Hause nie mitbekommen, da er früh zum studieren in eine andere Stadt gezogen ist. Aber mein Jüngster musste alles miterleben, da war er schon 16, als es anfing schlimm zu werden mit meinem Mann. Die ganzen Streitereien und Dramen, und vor allem so Aussagen seitens meines Mannes wie " Wer weiß ob die Kinder überhaupt von mir sind" oder " Kinder zu bekommen war der größte Fehler" oder " hättest mir ja gleich vor 30 Jahren sagen können, dass das mit uns nix auf Dauer ist", oder "Du hast mich doch nur verarscht". Einmal war mein Jüngster so sauer auf seinem Vater, weil er nebendran in seinem Zimmer alles mitbekommen hat, dass er nach dem Streit zu mir kam und meinte, er geht jetzt in Papas Zimmer und haut ihm eine rein. Mein Jüngster ist normalerweise niemand, der Gewalt anwendet, nie. Lieber geht er, wenn ihm was aufregt. Aber da habe ich ihn nicht mehr wiedererkannt. Ich habe ihm das ausgeredet. In all diesen schrecklichen 6 Jahren war mein Jüngster mein Halt, mein Tröster, Mutmacher und Verbündeter. Vor 4 Monaten ist er ausgezogen. Das war für mich so schlimm und wunderbar zugleich. Ich habe ihn ermutigt auszuziehen, aber mir ging es danach tagelang schlecht. Mittlerweile bin ich sehr glücklich darüber, dass er aus dieser shit-show raus ist. Ich habe ihm unbewußt und in meiner Verzweiflung Rollen aufgedrückt, die er eigentlich nie haben sollen. Ich freu mich darüber, dass er glücklich ist und frei sein kann...

    Danke fürs Zuhören, wer auch immer es liest.

    Hab es schon wieder nicht geschafft zu zitieren. Deshalb schreibe ich jetzt so. Die Antwort von Morgenrot gefällt mir: "Ich wußte, dass ich keinen Freund habe, also brauche ich mich nicht ständig wiederholen."

    Das ist taff und richtig! Das werde ich mir merken, danke.

    Äh Aurora...eigentlich wollte ich nur den folgenden Text von Dir zitieren und darauf antworten: "Ich hab mich nach 26 Jahren getrennt. Das war schwer und es ging nicht innerhalb von 2 Wochen". Aber irgendwie hab ich da was falsch gemacht....sorry. Kapier noch nicht, wie das mit dem Zitieren geht.

    Zu Deinem Text: Respekt...Trennung nach 26 Jahren. Ich empfinde nach, wie schwer das gewesen sein muss.

    Hey danke für all die positiven und mutmachenden Rückmeldungen. Ich bin so froh, dass man hier versteht wovon ich rede. Ich habe eine ganz liebe Freundin (sie hat mir sogar ihren Hausschlüssel gegeben, so das ich jederzeit in ihr Haus kann, wenn ich mal Ruhe brauche vor dem Wahnsinn zu Hause) und sie sagt immer " Trenn dich doch endlich". Sie versteht einfach nicht in was für einem seltsamen Geflecht aus Gefühlen und Handlungsmustern man als Co gefangen ist und dass das alles nicht so einfach ist. Deswegen bin ich sehr dankbar dafür hier sein zu können. Ich habe vieles in diesem Forum schon durchs Lesen gelernt. Nämlich, dass ich mir nicht etwas einbilde, sondern mittlerweise weiß ich, dass mein Mann Alkohoiker ist. Und ich habe gelernt, dass das Wichtigste ist, sich einfach mal auf den Weg zu machen, egal wie klein die Schritte sind. Meine persönlichen kleinen Schritte sind Grenzen setzen, die mir wichtig sind. Jetzt hätte wieder eine Frage (eine von vielen): Mein Mann wirft mir in regelmäßigen Abständen vor, dass ich einen Freund habe (eine der Grenzen war auch, dass ich keinen Sex mehr mit ihm wollte und getrennte Schlafzimmer durchgesetzt habe). Am Anfang habe ich mich heftigst gegen diesen "Freund" Vorwurf verteidigt und das Ganze ist immer in einem riesen Streit eskaliert mit Beleidigungen seitens meines Mannes unter der Gürtellinie. Mittlerweile reagiere ich darauf nicht mehr oder sage nur "wenn Du meinst". Ich habe und hatte übrigens keinen Freund! Warum nur kommt das immer wieder aufs Tapet? Glaubt er das wirklich oder will er nur eine Reaktion provozieren? Ich will das einfach einordnen können. Hat da jemand schon eine ähnliche Erfahrung gemacht?

    Danke für die Freischaltung. Mein Titel lautet Fragen über Fragen, weil ich viele habe. Ich verstehe z.B. viele meiner Handlungsweisen nicht und denke oft ich bin doch total krank im Kopf. Ist das normal immer so zwischen extremen Gefühlen zu schwanken als Co? Ist mein Mann mal paar Tage weg (bei seinen Eltern), wie vor kurzem, dann genieße ich erst die Ruhe und dann bekomme ich langsam Panik...Panik davor, dass er nicht mehr wiederkommt. Und kaum ist er wieder da und steht schwankend vor mir (eindeutig angetrunken), dann merke ich, wie ich psychisch auf Talfahrt gehe und auch körperlich fängt es mir an schlecht zu gehen (Übelkeit, Magen zieht sich zusammen). ..und ich denke mir: Nix wie weg vom dem Mann. Warum nur kann ich das nicht durchziehen? In solchen Momenten verachte ich mich selber und denke mir: Wie erbärmlich ich doch bin. Und oft fühle ich mich auch schlecht wegen meiner Gedanken. Mein Mann und ich kennen uns seit 30 Jahren, davon 26 verheiratet (2 erwachsene Söhne) und wir hatten viele gute Jahre....bis ich vor 6 Jahren realisiert habe, dass er ein Alkoholproblem hat. Und nun denke ich so Gedanken wie " Nix wie weg von dem Mann"...der Mann, dem ich viele gute und schöne Jahre zu verdanken habe. Für den die Familie immer das Wichtigste war...so wichtig, dass er seine Probleme im Job mit sich selbst ausgemacht hat und zur Beruhigung angefangen hat zu trinken. Und dann habe ich oft das Gefühl ich habe nicht das Recht zu gehen, auch wenn sich meine Gefühle in den letzten Jahren zu ihm sehr verändert haben. Ich fühle mich undankbar und egoistisch. Ich habe ihn schon oft gebeten das Problem professionell anzugehen und er will dann immer von mir wissen, ob es noch eine gemeinsame Zukunft für uns gibt. Und das kann ich ihm beim besten Willen nicht sagen, weil ich es nicht weiß, nach allem, was so vorgefallen ist. Und somit schließt sich der Kreis und er sieht keinen Grund etwas zu ändern und ich habe das Gefühl es ist meine Schuld.