Beiträge von Anthurie

    Liebe Haferflocke,

    ich denke, dass die Veränderungen Deiner Kinder mit Eurem Auszug zusammenhängen.

    Ihr habt seit Eurem Umzug keinen Streß mehr, der auf den Alkoholkonsum zurückzuführen ist.

    Schweigen, Schimpfen, Streitereien, Abwertungen- also das ganze Programm ist immenser psychischer Streß, auf den das Gehirn genauso reagiert wie auf körperliche Gewalt. Wenn die Streßquelle weg ist und das Gehirn checkt, dass man sicher ist, kann man sich (im besten Fall) wieder auf die schönen Dinge des Lebens konzentrieren und das merkt das Umfeld.

    Ich bin ja EKA und hab mir oft gewünscht, dass sich meine Eltern trennen nur damit Ruhe ist und ich ohne Angst leben kann.

    Du hast Deinen Kindern einen sicheren Ort geschaffen und dass sie jetzt aufblühen, ist eine Folge davon.

    Hallo Enila,

    ein Willkommen auch von mir hier in der SHG.

    Mir gefällt Deine Art zu schreiben (auch wenn der Grund dafür traurig ist). Beim Lesen Deines Beitrages kamen mir einige Zeilen bekannt vor- ich bin auch ein EKA und bin auch auf einem Dorf groß geworden (von dem ich auch behaupte, dass es ein Alkoholproblem hat und das nächste und übernächste Dorf auch).

    Dir haben hier schon einige Leute geschrieben und ich möchte mich in folgendem Punkt meinen VorschreiberInnen anschließen:

    Stelle Deine Bedürfnisse in den Vordergrund, nicht die Deines Umfeldes. Ich denke, dass Dir Dein Körper schon sehr deutlich eine Antwort auf Deine Frage gibt.

    Und falls Du Dich für eine eigene Feier ohne Deine Familie entscheiden solltest, dann wird sich das sicher erstmal völlig falsch anfühlen. Das ist normal. Vor allem für EKA und wird mit zunehmender Übung besser.

    Von nassen Mitmenschen sollte man im eigenen Interesse viel Abstand halten, auch wenn es traurigerweise ein Elternteil ist. Aber mit jedem Kontakt wird eine neue Kerbe ins fragile Selbst geschlagen.

    Eine gute Entscheidungsfindung wünsche ich Dir.

    Hallo TochterXY,

    wie geht es Dir?

    Deinen letzten Beitrag fand ich sehr hilfreich.

    Vor allem das Zitierte hier:

    Und so möchte ich auch heute noch immer "besonders brav" sein und versuche, es allen möglichst leicht und angenehm zu machen

    Das kenne ich auch. Ist ein Anpassungsmechanismus, um zu überleben. Je braver, desto mehr kümmern sich die Erwachsenen, so die kindliche Logik, weil Kindern immer denken, dass etwas mit ihnen nicht stimmt, wenn die Erwachsenen sich unpassend verhalten. Kinder können nicht wissen, dass es nicht an ihnen liegt.

    Als Kind und jüngere Erwachsene war ich auch brav und rückblickend war ich da zum Teil echt manipulativ unterwegs- je "braver" ich war, desto mehr konnte ich meinem Gegenüber vorwerfen, dass er sich nicht so verhält, wie ich es wollte. Das Motto war "Das hab ich nur für Dich getan..." (und unausgesprochen lag ein "und Du bist so undankbar " in der Luft).

    Ich erwähne nochmal kurz, dass ich jahrelang co- abhängig war und das Manipulieren von klein auf gelernt habe. Ich wurde erst auf die Art manipuliert und hab mich dann ebenso verhalten (weil es für mich normal war). Dass ich in meinem Umfeld damit nicht unbedingt auf Gegenliebe stieß, muss ich, glaub ich, nicht weiter vertiefen.

    Diese Muster kommen zur Zeit immer mal wieder hoch. Der Unterschied ist aber, dass ich das jetzt weiß und mich anders als vorher verhalte. Ich finde das echt hart und schmerzhaft (ich löse mich ja von vertrauten Dingen, auch wenn die nicht gut für mich waren). Der Effekt ist aber toll: Ich fühle mich mit mir im Reinen und meine zwischenmenschlichen Beziehungen verändern sich zum Besseren.

    Das hätte ich jetzt auch in meinem Strang schreiben können, aber ich lasse es hier stehen, weil Dein Beitrag mir sehr geholfen hat.

    Hm, ich hab nochmal über das schlechte Gewissen nachgedacht und denke, dass es (bei mir) damit zusammenhängt, dass ich von Kind an darauf bedacht war, einen Ausgleich zu schaffen. Da die Erwachsenen mit sich beschäftigt waren und ich mich als Kind oft verlassen gefühlt habe, habe ich mich "gekümmert", um eine Verbindung zu den Erwachsenen herzustellen und zu halten. Denn sie haben es zeitweise ja nicht getan.

    Das wirkt(e) sich auf sämtliche andere Beziehungen aus. Unbewusst versuche ich, so wie Du es auch von Dir schreibst, immer auszugleichen. Das strengt wirklich sehr an.

    Aber: Die anderen Menschen sind ja schon groß und können, falls ihnen etwas quer liegt, Dinge ansprechen. Der Gedanke hilft mir. Ich bin für mich verantwortlich und die anderen für sich. Wenn ein Ungleichgewicht herrscht (oder vermeintlich), dann können das beide Parteien ansprechen und klären.

    Hab ich bei einer Freundin gemacht, wo ganz klar ist, dass sie sich meist bei mir meldet und ich mich selten bei ihr. Da ich da auch ein megaschlechtes Gewissen hatte, habe ich das Gespräch mit ihr gesucht und mich quasi "nackig" gemacht. War eine gute Sache und da sie mich und meine Familie schon lange kennt, war ihr einiges eh schon klar.

    Ich habe verschiedene Freundschaften, in denen das jeweilige Meldeverhalten ganz unterschiedlich ist und die manchmal gefühlte Unausgeglichenheit gar nix über die Qualität der Freundschaft aussagt. Das ist für mich sehr erleichternd.

    Hallo TochterXY,

    Schön, dass Du Dich entschieden hast hier zubleiben.

    Du bist nur für Dich hier und das Gefühl, nichts zurückgeben zu können, kenne ich. Ging mir am Anfang hier auch so.

    Ich hab zu meinem Vater zur Zeit keinen direkten Kontakt, aber ich werde den Kontakt nicht dauerhaft bleiben lassen. Ich nehme mir schlicht die Zeit, die ich für mich brauche, um mich zu sortieren und dann werde ich meinen Vater wieder besuchen gehen. Spätestens zu Weihnachten und nicht allein. Wie ich danach weiter mache, entscheide ich erst, wenn ich die "Nachwirkungen" meines Besuches geklärt habe. Ich schau einfach Schritt für Schritt.

    Das schlechte Gewissen kenne ich zu gut. Manchmal ist es stärker da und manchmal weniger. Bei mir ist es nie ganz weg, aber da mich das schlechte Gewissen nicht umbringt, läuft es als Hintergrundprogramm mit. Meine Prägung ist da sehr massiv und da ich das weiß, nehme ich das so hin und versuche, das schlechte Gewissen nur zur Kenntnis zu nehmen und nicht zu bewerten.

    Ein Willkommen hier auch von mir, TochterXY.

    Die Geschichten der Kinder alkoholkranker Eltern (teile) ähneln sich immer sehr.

    Beim Lesen der Geschichten erkenne ich mich selber wieder, vor allem wenn es um das schlechte Gewissen geht, das man selber hat, wenn man den Kontakt abbricht und sein eigenes Leben lebt.

    Gut, dass auch Du ins Forum gefunden hast. Hier sind Menschen, die Dich verstehen und denen gegenüber Du nicht viel erklären musst, weil sie genau wissen, wie es sich anfühlt, das Kind eines Alkoholikers zu sein.

    Seit ich hier lese und schreibe, habe ich verstanden, dass ich absolut gar nix tun kann oder hätte tun können- niemand kann einen alkoholkranken Menschen retten. Du darfst Dein Leben so leben, wie Du es möchtest.

    Dass Du die Beleidigungen Deines Vaters nicht ertragen kannst, auch wenn sie Folge der Korsakowdemenz sind, glaub ich. Ich kenne das Dilemma inklusive des schlechten Gewissens, weil ich in einer ähnlichen Situation bin. Ich entscheide mich fast jeden Tag für mein Leben ohne Beleidigung. Ich vermisse dabei auch den Vater, den ich hatte bevor er Alkoholiker wurde. Diese Ambivalenz begleitet einen leider.

    Hallo koni,

    Willkommen hier im Forum.

    Gut, dass Du hierher gefunden hast und Dich mit anderen Betroffenen austauschen kannst.

    Es ist echt hart ein alkoholkrankes Elternteil zu haben (mein Vater ist Alkoholiker)und festzustellen, wie sich das auf einen selbst auswirkt. Dass Deine Schwester jetzt auch abhängig ist, tut mir leid.

    Machen kannst Du da nix. Außer, Dein Leben nach Deinen Vorstellungen zu leben, auch wenn es echt schwer ist, weil man sich ein anderes Verhältnis zur Familie wünscht. Ich hab auch den direkten Kontakt zu meinem Vater abgebrochen und ich fühle mich wie befreit. Dem Peiniger entkommen...das trifft es gut.

    Viel Kraft für die kommende Zeit.

    . Du bist dabei, Dich daraus zu lösen und Dir ein eigenes, freies Leben aufzubauen. Darauf solltest Du den größten Teil Deiner Energie verwenden.

    Danke Dir für diese Zeilen. In letzter Zeit merke ich, wie ich mich in meiner Wut verlieren könnte. Das möchte ich nicht, eben, weil ich nix ändern kann.

    Mein Leben gestalte ich neu, ja. Der Unterschied zu sonst ist, dass ich dabei aktiv bin und mir die Dinge und Menschen nicht mehr "passieren", sondern ich überlege und entscheide.

    Das fühlt sich zur Zeit alles merkwürdig an. Ich kann den Zustand gar nicht beschreiben. Die Folgen aus meinen Entscheidungen gefallen mir.

    Kontakt zu meiner Familie habe ich wenig und zu meinem Vater gar nicht. Je weniger ich mit meinem "alten" Leben Berührung habe, desto entspannter fühle ich mich.

    Das soll nicht heißen, dass ich gar keinen Kontakt mehr haben will, aber zur Zeit brauche ich echt Abstand und Zeit.

    Wenn Dein Bauchgefühl Dir jetzt schon eine Alarmmeldung schickt, dann wäre es sicher ein Gedanke wert, erstmal allein zu bleiben.

    Bei dem Verhalten, das Du beschreibst, würde ich rennen. Und zwar ganz weit weg. Der Mann ist nicht frei und scheint, Deiner Beschreibung nach, keine klaren Verhältnisse zu haben.

    Du hast Dich vor relativ kurzer Zeit von Deinem suchtkranken Ex getrennt. Nagel Dir nicht das nächste Problem ans Knie.

    Liebe Sonnenschein CoA,

    ich verfolge Deinen Strang lesenderweise und bin schwer beeindruckt davon, was Du in der letzten Zeit geleistet hast.

    Du hast das für Dich getan und für Deine Kinder. Irgendwie tröstet mich das, auch wenn es mich nicht direkt betrifft. Aber zu wissen, dass es Menschen gibt, die für sich und ihre Kinder Verantwortung übernehmen und sich ein besseres Leben aufbauen, ist tröstlich, weil ich bei Dir lese, dass es auch anders gehen kann, als ich es erlebt habe.

    Dass ich Dir mit meinen Zeilen eine Hilfe auf Deinem Weg sein konnte, rührt mich.

    Da schreibst Du was, Seb25 .

    Ich kenne das genauso. Ab einem bestimmten Punkt drängelte mein Vater zum Aufbruch und das in einer Art und Weise (nämlich subtil aggressiv und von jetzt auf gleich), dass ich immer völlig verwirrt war. Ich fand das auch doof, dass das Beisammensein so abrupt beendet wurde und irgendwann konnte ich mich gar nicht mehr auf irgendwelche Feierlichkeiten einlassen- weil sie ja jeden Moment von meinem Vater beendet werden konnten.

    Zu Hause war er dann eine Weile verschwunden und kam dann "gut gelaunt"(also betrunken) wieder an und tat so, als ob nix gewesen wäre, während der Rest der Familie noch mit der Entscheidung meines Vater haderte. Ich hab mich oft gefragt, warum wir so plötzlich nach Hause mussten, wenn mein Vater dann gute Laune hatte und alles "in Ordnung " war?

    Ich weiß ja, dass sich die Verhaltensweisen in Suchtfamilien ähneln, aber als ich eben Deinen Beitrag gelesen habe, wurde mir wieder bewusst, wie stark die Ähnlichkeit ist.

    Kommen die Erkenntnisse bei Dir auch schubweise?

    Ich habe seit einem dreiviertel Jahr eine Berg- und Talfahrt. Mal geht es ganz gut und dann eher nicht so. Je nach Erkenntnis und Lerneffekt meinerseits. Ich bin oft erschüttert, welche Auswirkungen die Sucht hat und ich weiß ja nie im Voraus, was ich noch so kapieren werde.

    Ich hoffe, dass ich jetzt Deinen Strang nicht kapere, aber aufgrund der ähnlichen Erfahrungen denk ich gerade, dass es egal ist, ob ich das hier oder bei mir reinschreibe.

    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntagnachmittag.

    Das Leben wird immer noch leichter und langsam gewöhne ich mich dran. Das ist super. Einerseits.

    Anderseits...

    Je mehr Abstand ich habe, desto mehr wird mir bewusst, wie sehr ich von Kind an verraten wurde. Alle wussten von der Erkrankung meines Vaters und alle haben geschwiegen und so getan, als ob alles normal wäre.

    Ich habe von Kind an auf das Schweigen und die Unstimmigkeiten reagiert und wurde dafür meist auch noch bestraft oder runter gemacht. Ich musste sinnlos leiden, nur weil Erwachsene es nicht auf die Reihe bekommen haben, Verantwortung zu übernehmen und Konsequenzen zu ziehen. Das ist gerade echt hart.

    Habt Ihr das auch durch?

    Mir hilft gerade Abstand und wenig (Mutter)bis kein (Vater) Kontakt.

    Vor allem kann ich auch nicht drauf hoffen, dass seitens meiner Eltern was kommt, was mir weiter helfen würde. Sie sind zu beschäftigt mit sich und zu verstrickt in ihren eigenen Problemen.

    Wenn ich nicht dabei wäre, mir mein Leben selber lebenswert zu machen, könnte ich sagen "Alles Mist ". Ist zum Glück nicht so.

    Ich glaub, das ist wieder so eine Phase in der wieder was hoch kommt und beackert werden will?

    Wenn ich Kontakt mit meiner Mutter habe, blocke ich jegliches, was sie über ihre Ehe erzählt, konsequent ab, weil es ja nicht sein kann, dass ich als "Opfer" ihr, als "Täterin", zuhören soll, geschweige denn Absolution erteilen.

    So geht’s mir auch und tendenziell mit fortschreitender Zeit wird es immer noch besser.

    Ja, das fühlt sich gerade so irre an. Manchmal könnte ich vor Rührung heulen, weil ich kapiere, wie anders und leichter alles ist.

    Ich stelle auch fest, dass sich alte Gewohnheiten ändern. Ich hab auf vieles (was Kompensation war) keine Lust mehr und es fehlt mir nicht einmal.

    Die Stimme im Hinterkopf, die mich immer mal wieder fragt, ob ich nicht doch mal wieder meinen Vater besuchen will, ist zwar noch da, aber ganz leise. Das schlechte Gewissen hält sich sehr in Grenzen und je mehr ich mich abgrenze und mein Leben lebe, desto besser gelingt mir das.

    Die Rückschau und Neubewertung vergangener Dinge kenne ich. Mir wird so vieles nochmal klar, was ich bis vor einem halben Jahr gar nicht in einen Zusammenhang bringen konnte. Mir fehlte es schlicht an Wissen. Und Trauer. Dass ich getrauert habe und durch den Schmerz durch bin, das war essentiell.

    Danke für Eure Berichte. Die gingen mir sehr nahe, weil ich es so traurig finde, was Ihr erlebt habt und wie Ihr gerungen habt.

    Gleichzeitig hab ich mich beim Lesen so sehr drin wieder gefunden- nunja, die Geschichten ähneln sich. Ich finde es so traurig, welche Folgen eine Suchterkrankung hat. Für alle.

    Neben aller Trauer, die so da war und auch noch ist, bahnt sich aber eine noch nie da gewesene Leichtigkeit ihren Weg. Das ist ein völlig neues Gefühl und ich hab die Gewissheit, dass ich jetzt mein Leben anfange zu leben und zwar so, wie ich es will. Ich kann das alles gar nicht in Worte fassen. Dabei denke ich immer an das, was Du Seb25 mir vor einigen Monaten geschrieben hast, nämlich, dass es bei Dir nach ca einem halben Jahr deutlich besser wurde. Daran habe ich mich seitdem fest gehalten und ja, Du hattest Recht: Es wird besser :). Danke.

    Hallo Luffi,

    Glückwunsch! Das hast Du super gemacht. Klopf Dir mal ordentlich auf die Schulter- Du hast das Schweigen gebrochen und den Karren hinter Dir gelassen.

    Gib Dir Zeit und Du darfst erschöpft sein. Der Stresspegel fällt, da ist Dein Zustand völlig normal. Gut, dass Du Dir den Termin beim Arzt geholt hast.

    Auch wenn es sich gerade alles andere als toll anfühlt: Du hast Dir einen Teil Deines Lebens zurück geholt. :thumbup:

    Vor einer Woche war ich ja im Krankenhaus und jetzt werden mir einige Dinge nochmal richtig klar. Also, nicht nur vom Kopf her.

    Wirklich zu begreifen, wie egal ich meinem Vater zu sein scheine, haut heute rein. So richtig. Es schmerzt. Hört das wieder auf? Kann das überhaupt irgendwie aufhören?

    Mir fallen heute so viele Begebenheiten ein, in denen mein Vater mich verletzt hat, mich respektlos behandelt hat, mich im Stich gelassen hat- und neben dem Schmerz ist da immer der Gedanke, dass es wieder nur um ihn geht und das finde ich gerade so anstrengend.

    Dann denke ich die ganze Zeit, dass es mich nervt, dass ich mir soviele Gedanken um einen Menschen mache, der mich so oft so allein gelassen hat.

    Und dann denke ich auch, was, wenn er stirbt? Trauere ich dann? Und will ich das überhaupt? Um jemanden trauern, der mich so behandelt hat?

    Hat das jemand von Euch schon durch und kann mir sagen, dass es irgendwann besser werden wird?

    So, gestern war ich meinen Vater im Krankenhaus besuchen und habe während des Besuches im Krankenzimmer auf einen Schlag drei Alkoholiker um mich herum gehabt (Mitpatienten und einmal Besuch und nein, es ist ein stinknormales Krankenhaus, Abteilung Chirurgie). Ich fand es so übel- das Aussehen, die Verhaltensweisen, dieses großspurige Getue, die Art des Redens...wenn man einen kennt, kennt man alle.

    Dass ich meinen Vater besuche, wenn er im Krankenhaus ist, habe ich für mich so entschieden. Da ist er nüchtern und auf einer (wenn auch oberflächigen) Ebene können wir für einige Zeit zusammensitzen und reden. Da ich von meinem Vater nichts mehr erwarte, habe ich Abstand und aus diesem Abstand heraus kann ich mit der Situation recht gut umgehen. Das hab ich mir auch hart erarbeitet und gestern habe ich auch gemerkt, dass jegliches ungesundes Verantwortungsgefühl ggü meinem Vater verschwunden ist. Ich glaub, ich habe einen riesigen Schritt nach vorn gemacht.

    In letzter Zeit fallen mir immer wieder Begebenheiten aus meiner Kindheit ein, in denen mein Vater betrunken war und null Verantwortung übernommen hat. Dieses Gefühl des Ausgeliefertseins ist immer wieder so übel. Zum Glück fühlt es sich nicht mehr so vernichtend an; ich merke, dass ich mich immer besser selber reguliere.

    Meine Ambivalenz bezüglich alter und neuer Muster ist immer noch da. Irgendetwas ändert sich da zwar in Richtung Besserung, aber so richtig greifbar ist es noch nicht für mich. Ich denke dann immer an die Worte von Dir, Seb25 - Zeit lassen. Dann geht's wieder. :wink:

    Nach dem Besuch gestern ist mir glaub ich richtig klar geworden, dass ich völlig machtlos bin. Das ist ein weiterer Schritt in die Akzeptanz. So ein bisschen Hoffnung auf Einsicht schwang ja doch immer mit, auch wenn der Kopf wusste, dass das vergebliche Hoffnung ist.

    So aufwühlend (auch im Vorfeld) mein Besuch gestern war, so sehr hat er mir eine neue Klarheit verschafft und das ist gut so.

    Gleichzeitig prasseln wieder tausend Erkenntnisse auf einmal auf mich ein und ich werde wieder ein Stück klarer. Nicht sehr angenehm, aber gut und wichtig.

    Hallo Nikkik,

    ein Willkommen auch von mir.

    Ich bin Mitte vierzig und mir wird seit einem knappen halben Jahr klar, welche Auswirkungen die Suchterkrankung meines Vaters auf mich hat.

    Es ist ein schwerer Weg, sich mit damit auseinander zu setzen, aber es lohnt sich. Hier findest Du offene Ohren, Verständnis, Trost und Hilfe.

    Alles Gute auch von mir.

    Ja, genauso, wie Du es geschrieben hast, meine ich es. Du hast das treffend zusammen gefasst.

    Ein Beispiel von gestern: Ich bekam eine Nachricht, die meinen Vater betraf und sofort hatte ich mein übliches Beklemmungsgefühl. Mit dem Inhalt der Nachricht hatte es nichts zu tun (inhaltlich ging es um eine Bestätigung bezüglich einer Sache, die wir vor einiger Zeit besprochen hatten, also keine Gefahr). Im zweiten Moment (der erste war die Beklemmung) sprang mein ungesund ausgeprägtes Verantwortungsgefühl an. Und gleichzeitig hab ich gemerkt, dass dieses Gefühl für diese Situation völlig unpassend war. Und zack- da war sie wieder, diese Situation, in der das Alte aus dem Kasten sprang wie ein Teufel; das Hirn Meldung machte, dass diese Reaktion alt und unpassend ist und ich aber nicht schnell genug ins neue Muster umschalten konnte.

    Neues Muster heißt: Es gibt Leute, die sich kümmern und die machen das gut und werden dafür bezahlt. Ich bin da raus aus der Nummer.

    Nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen hatte (das kann ich zum Glück gut), ging es wieder.

    Jetzt wechseln sich Aggressivität und Entspanntheit ab. Ist eine seltsame Mischung, aber da die Entspanntheit seit heut Morgen dazu gekommen ist, seh ich das als Verbesserung.

    Wie kommst Du mit dem Zustand zurecht "alt versus neu"? Hast Du für Dich hilfreiche Strategien?