So, gestern war ich meinen Vater im Krankenhaus besuchen und habe während des Besuches im Krankenzimmer auf einen Schlag drei Alkoholiker um mich herum gehabt (Mitpatienten und einmal Besuch und nein, es ist ein stinknormales Krankenhaus, Abteilung Chirurgie). Ich fand es so übel- das Aussehen, die Verhaltensweisen, dieses großspurige Getue, die Art des Redens...wenn man einen kennt, kennt man alle.
Dass ich meinen Vater besuche, wenn er im Krankenhaus ist, habe ich für mich so entschieden. Da ist er nüchtern und auf einer (wenn auch oberflächigen) Ebene können wir für einige Zeit zusammensitzen und reden. Da ich von meinem Vater nichts mehr erwarte, habe ich Abstand und aus diesem Abstand heraus kann ich mit der Situation recht gut umgehen. Das hab ich mir auch hart erarbeitet und gestern habe ich auch gemerkt, dass jegliches ungesundes Verantwortungsgefühl ggü meinem Vater verschwunden ist. Ich glaub, ich habe einen riesigen Schritt nach vorn gemacht.
In letzter Zeit fallen mir immer wieder Begebenheiten aus meiner Kindheit ein, in denen mein Vater betrunken war und null Verantwortung übernommen hat. Dieses Gefühl des Ausgeliefertseins ist immer wieder so übel. Zum Glück fühlt es sich nicht mehr so vernichtend an; ich merke, dass ich mich immer besser selber reguliere.
Meine Ambivalenz bezüglich alter und neuer Muster ist immer noch da. Irgendetwas ändert sich da zwar in Richtung Besserung, aber so richtig greifbar ist es noch nicht für mich. Ich denke dann immer an die Worte von Dir, Seb25 - Zeit lassen. Dann geht's wieder. 
Nach dem Besuch gestern ist mir glaub ich richtig klar geworden, dass ich völlig machtlos bin. Das ist ein weiterer Schritt in die Akzeptanz. So ein bisschen Hoffnung auf Einsicht schwang ja doch immer mit, auch wenn der Kopf wusste, dass das vergebliche Hoffnung ist.
So aufwühlend (auch im Vorfeld) mein Besuch gestern war, so sehr hat er mir eine neue Klarheit verschafft und das ist gut so.
Gleichzeitig prasseln wieder tausend Erkenntnisse auf einmal auf mich ein und ich werde wieder ein Stück klarer. Nicht sehr angenehm, aber gut und wichtig.