Seb25 :
Das stelle ich mir so schwer vor, einen Weg zu finden, mit der Erkrankung auch im Nachhinein umzugehen. Für mich klingt das so (bitte korrigiere mich, falls ich falsch liegen sollte), dass Du einen versöhnlichen Weg gehen möchtest. Die Trauer ist so oder so da und will bearbeitet werden. Ich stelle es mir nur so schwer vor einen Weg zu finden, wenn die Chance, etwas zu klären, nicht mehr da ist.
Danke für Deine Einschätzung, dass ich auf dem Weg bin. Das tut gut zu lesen.
Ich habe Deine Antwort in dem anderen Strang gelesen; hätte von mir sein können. Es kommt mir alles so bekannt vor.
releaseme :
Das klingt so hart, was Du schreibst und das ist es auch. Bitte versuche den Gedanken beiseite zu legen, dass Du im Fall einer Trennung den Kindern die Familie nimmst. Dein Mann macht das schon, weil er trinkt. Ich glaube, dass ist ein Dilemma, das viele (Ehe)Partner haben- dass sie den Kindern etwas wegnehmen. Nur ist mit einem abhängigen Vater kein normales Familienleben möglich. Es fühlt sich vielleicht so an, weil man es gewohnt ist, aber normal ist es nicht. Und gesund gleich gar nicht.
Ich verstehe auch, dass Du versuchst, alles Mögliche für Deine Kinder zu tun,um Ihnen das Leben leichter zu machen.
Nur: Kinder spüren die Anspannung beider Elternteile. Ich habe das von klein auf gespürt. Die Gereiztheit, das "Wir tun so, als ob alles in Ordnung wäre";die subtilen Verhaltensänderungen, wenn mein Vater anfing zu trinken (so subtil, dass ich heute noch kaum Worte finde, das zu beschreiben) und diese Spannung, wenn mein Vater sich immer wieder ohne Vorwarnung aus Aktivitäten rausgenommen hat, eine zeitlang verschwunden war und dann mit verändertem (weil betrunken) Verhalten wieder auftauchte. Sorry, war ein langer Satz. Meine Eltern haben sich beide nicht authentisch verhalten (können) und das hat mich so nachhaltig verstört.
Die Stimmungsschwankungen. Usw...Ich habe mich nie sicher gefühlt. Ich wusste, dass mein alkoholisierter Vater mir keine Sicherheit geben konnte, weil ich nie wusste, woran ich war. Kinder sind drauf angewiesen, dass ihnen Erwachsene jederzeit Sicherheit geben und sie spüren das sofort, wenn dem nicht der Fall ist. Das kann der andere Elternteil nicht ausgleichen. Gleichzeitig schaffen es viele Kinder (denke ich), so zu tun, als ob alles in Ordnung wäre. Erstens, weil sie es ja so lernen und zweitens als Strategie, um es sich mit den Erwachsenen nicht zu verscherzen- sie sind ja von den Erwachsenen abhängig und würden alles tun, um nicht aus der Sippe geworfen zu werden. Weil sie dann ja allein wären und das bedeutet Gefahr.
koda :
Ich habe als Kind das "betrunkene" Verhalten meines Vaters als erwachsenes Verhalten abgespeichert. Die Großspurigkeit, das Übertriebene beim Reden, das plötzliche Verschwinden aus zwischenmenschlichen Beziehungen (und den daraus abgeleiteten Anspruch, wieder die Beziehungen aufnehmen zu können, wenn mir es passt), die Empathielosigkeit anderen gegenüber, keine Verantwortung übernehmen und Flucht in Phantasiewelten.
Ich dachte bis vor Kurzem, dass es Kompensationsverhalten meinerseits war, aber das passte irgendwie nicht so richtig. Bis mir auffiel, dass ich das Verhalten imitiert habe. Das passte dann.
Später bekam ich Angst- und Esstörungen und depressive Episoden. Da fing dann auch das überangepasste Verhalten zusätzlich mit an; das war dann meine Co-Abhängigkeit.
Matrix :
Das hast Du treffend beschrieben. Immer diese Angst nach Hause zu gehen. Auch die Zerrissenheit kenne ich. Kinder lieben ihre Eltern, auch wenn sich Eltern nicht gut kümmern.
Im Grunde genommen wollte ich nicht, dass sich meine Eltern trennen. Welches Kind will das schon. Ich wollte gleichzeitig doch, dass sich meine Eltern trennen, damit Ruhe ist. Damit ich in Ruhe schlafen kann, nicht nebenbei am Abend die Streitereien anhören muss, nicht Verantwortung für meine Eltern übernehmen muss, ich in Ruhe lernen kann usw. usf.
Ich wusste, dass es durchaus entspannt sein konnte- wenn mein Vater auf Dienstreise war. Da war meine Mutter entspannt(er) und das hat sich aufs Kind übertragen.