Liebe Schokokeks,
in einer Selbsthilfegruppe wurde mir vor Jahren eine Trennung von meinem xy nahegelegt - verständnisvoll und einfühlsam, aber dennoch recht klar. Für mich stand damals fest, dass ich das unter keinen Umständen will, weil wir uns lieben. Hab meine Beziehung "verteidigt". Ich hab bei Dir eine ähnliche Situation herausgelesen und kann mich da gut reindenken. Jemand sagte damals zu mir: "Es ist ein Prozess" - das blieb hängen, er hatte sehr Recht. Ich kann sagen, dass ich den Prozess mit allen Tiefen durchlaufen habe und noch dabei bin. Höhen gab es immer weniger. Ich war tief in einem Gefühlswirrwarr verstrickt und gar nicht mehr in der Lage, zu unterscheiden, ob es denn wirklich Liebe sein kann, wenn jemand nicht mehr verlässlich ist, sich und das was er tut (Konsumieren) ständig vor mir versteckt, mich mal mit schönen Worten umgarnt, aber immer mehr nur noch auf sich, den Alkohol und in seinem Fall auch seine Droge fixiert ist. Liebe kommt da unter die Räder. Es sind fünf Jahre ins Land gegangen seither, die schöner hätten sein können.
Heute muss ich sagen, dass es keinen vernünftigen Grund gibt, warum ich mir das zugemutet habe. Außer dass auch ich wie Du nicht alleine leben will und der irrigen Annahme war, dass wir uns das Leben doch irgendwann noch schön machen können. Gemeinsam alt werden. Das ist ein zentraler Punkt, mit dem es sich glaube lohnt, sich auseinanderzusetzen. Dieses Gefühl "Jetzt muss es endlich klappen" - das hatte ich nach einer zuvor gescheiterten Beziehung auch. Aber wie gemeinsam alt werden, wenn sich ein Partner langsam aber sicher um den Verstand säuft...
Letztlich entscheidet jede und jeder von uns Co's immer selbst, wie lange man sich das antut. Für mich hat sich gezeigt: Obwohl der Partner noch da ist, wird der Kampf, den man um die Beziehung führt, immer einsamer. Mein xy ist gerade mal wieder in Langzeitreha. Falls er danach weiter trinkt, verlasse ich ihn, das habe ich ihm gegenüber klar kommuniziert. Momentan geht es mir gut mit dem Alleinsein, wir haben kaum Kontakt.
Ich wünsch Dir - wie auch wieweiter - dass Du einen guten Weg für Dich findest, Dich in den Mittelpunkt stellst, für Dich gut sorgst und auch hinterfragst, was Dir die Beziehung wirklich gibt. Hab die Erfahrung gemacht, dass man sich viel schön redet, oft gar nicht wahrnimmt, wie diese Hilflosigkeit an einem zehrt. Das immer frustriertere Zusehen, wie sich jemand neben einem zugrunde richtet. Es ist wichtig, Warnzeichen ernst zu nehmen. Unkontrolliertes Weinen ist nur eins davon.
Liebe Grüße