Beiträge von EllaDrei

    Hallo Lebenskünstler,

    heute konnte ich nur kurz telefonisch mit dem Berater sprechen, haben aber persönliches Gespräch vereinbart in ein paar Tagen. Genau wie Du schreibst, xy könnte entrümpeln lassen, wenn er will. Ich hab ihm dafür früher mehrmals finanzielle Hilfe angeboten, hatte es aber schon mehr oder weniger aufgegeben..Er reagiert immer fast panisch darauf und dann mit Hinhalteaussagen a la er arbeitet dran.

    Ich seh das wie Du als Festhalten am alten Leben. Das hab ich ihm auch gesagt - und umgekehrt, dass sein Leben aus meiner Sicht davon abhängt, ob er die Sache mit der Wohnung angeht. Er wird dort nicht nüchtern bleiben, das steht für mich fest. . An meiner angekündigten Konsequenz halte ich fest - beim nächsten Rückfall bin ich weg.

    Im letzten Telefonat mit xy ging es mal wieder um seine Messie-Wohnung, in die er nach Reha-Ende wieder zurück soll. Das ist sein Untergang und irgendwie auch ein Symbol für die Sucht, in der er festhängt. Er sagt, er will so nicht mehr leben, klammert sich aber an seine Sachen.

    Auch wenn es nicht mein Problem ist, macht mir das Thema total zu schaffen. Dort stehen überall noch Schnapsflaschen rum, eine Einladung zum Rückfall. Bin ab und zu dort, um Post zu holen etc.. Ich bereue, ihm das zugesagt zu haben. Es kommt mir dann immer alles so sinnlos vor und drückt mich nieder, und ich weiß, dass ich ihn gehen lassen muss.

    Ich spreche heute mit einem Berater über die Wohnung, einfach um meine Gedanken zu sortieren. Ich will dort selbst nicht aktiv werden, bringt nichts.

    Sorry, das hat sich teils überschnitten, ich habe übersehen, dass Du auf die Frage zu dem Mietvertrag zB gerade schon parallel geantwortet hast. Aber inhaltlich passt es ja trotzdem. Genau, mit Medikamenten ein paar Wochen nach Entgiftung über Wasser halten, heimliche Rückfälle, kenn ich alles leider nur zu gut. Irgendwann sollte man als Co raus aus dieser Abwärtsspirale. Bin am gleichen Punkt...

    Hallo Tisha,

    tut mir leid für Dich, dass Du vor so schweren Entscheidungen stehst. Du schreibst, Ihr hattet eine Abmachung (an die er sich nicht hält) und möchtest dieses Leben aus nachvollziehbaren Gründen nicht mehr führen. Bereite mich zurzeit auf eine ähnliche Situation mit meinem Lebensgefährten vor.

    Ich lese heraus, dass es Deine Wohnung ist, da Du bereust, ihn wieder rein gelassen zu haben. Ein schlechtes Gewissen brauchst Du zwar nicht haben, denn er hätte es ja in der Hand, etwas dauerhaft zu ändern und verhält sich wohl auch nicht gut Dir gegenüber, wenn er trinkt. Aber ich verstehe auch, dass es Dir schwerfällt, ihm vollends den Boden - bzw die Wohnung- unter den Füßen wegzuziehen.

    Wäre es evtl. eine auch für Dich weniger belastende Alternative, wenn Du vielleicht selbst ausziehst, falls er sich nicht bewegt? Dann kannst Du auch das Tempo selbst bestimmen und bist nicht drauf angewiesen, dass er aktiv wird, obwohl er das eigentlich vermutlich gar nicht selbst will.

    So oder so wird es für ihn leider vermutlich weiter bergab gehen. Ich verstehe, dass Du das nicht hautnah miterleben, sondern nach vermutlich vielen Konflikten und enttäuschten Hoffnungen zur Ruhe kommen und ein schöneres Leben für Dich möchtest.

    Liebe Grüße

    Hey, das machst Du genau richtig mit dem Urlaub. Lass Sorgen und Mühsal der vergangenen Jahre daheim und mach Dein Ding. Dass Dein Mann keine Langzeit will, ist kein gutes Zeichen, da hast Du Recht - aber andererseits: Selbst wenn, wäre das ja keine Garantie. Hab das auch erlebt - Rückfall direkt nach zehn Monaten Langzeitreha mit viel Hoffen und Bangen meinerseits. Er ist noch am Entlasstag für Wochen vollkommen abgetaucht, als hätte es diese Zeit gar nicht gegeben. Im Nachhinein seh ich es als meinen Fehler, nicht da schon gegangen zu sein - auch wenn ich ihn mag. Hab mich selbst in Depression reingearbeitet - nicht sehr verantwortungsbewusst mir selbst gegenüber.

    Jetzt bin ich am selben Punkt wie Du, entweder er packt es, oder ich bin weg. Der Abstand der letzten Wochen hat mir gut getan, diesmal fühl ich mich gewappnet. Das wünsche ich Dir auch sehr.

    Hey Luffi,

    denk bitte auch dran, dass dieser Satz mit den guten und schlechten Zeiten eigentlich auch für Deinen Mann gelten sollte. Er hat sich leider aus seinem Teil der "Vereinbarung" verabschiedet und alles lastet jetzt auf Dir. Fair ist das nicht.

    Ich hab mich die letzten Wochen vor der Entgiftung meines xy auch so durchgehangelt wie Du.. Auf Durchzug geschaltet, versucht, Konflikte zu umschiffen, weil es nix bringt, mit einem ständig Betrunkenen zu diskutieren. Das ist kein Leben so.

    Wie lange ist der Entzug angedacht und was folgt für ihn danach, geht er in eine Langzeitreha? Ich wünsche Dir, dass Du die verbleibenden Tage so gut es geht überstehst und dann wirklich mal Luft holen kannst und zu für Dich guten Entscheidungen im "Gespräch mit Dir selbst" kommst. Er ist dann dort erstmal versorgt, so kannst Du Abstand gewinnen.

    Fährst Du in Deinem Urlaub weg? Ein Tapetenwechsel mit Hund wäre bestimmt gut. Mich hält mein Hund auch aufrecht. Ein Glück, dass wir die haben.

    Liebe Grüße

    Hallo,

    Die Geschichten die man hört, sind wirklich teils gruselig.

    ist aber immer die Frage, von wem diese Geschichten kommen - ich denke häufig auch von Leuten, die selbst Konflikte mit dem Jugendamt hatten. Ich habe wegen einer früheren Tätigkeit Erfahrungen mit mehreren Jugendämtern und kann Horrorgeschichten nicht ganz nachvollziehen. Die Mitarbeiter müssen halt in erster Linie das Kindeswohl im Blick haben, das kollidiert oft auch mit den Interessen einzelner Elternteile, die dann schimpfen. Auch sind deren Kapazitäten leider bei der Vielzahl ihrer Fälle ziemlich am Limit. Gerade deshalb würde ich erstmal davon ausgehen, dass sie um einen verantwortungsbewussten Vater, der sich kümmert, froh sind und Dich so gut es geht unterstützen werden, Sundancer . Zudem sind Deine Kinder wohl nicht mehr klein und sich teils der Erkrankung der Mutter bewusst? Dann werden sie ohnehin gehört und auch in Entscheidungen einbezogen.

    Planst Du eigentlich einen Ortswechsel, da es jetzt zur Trennung kommt oder gekommen ist? In dem Fall fände ich wichtig, den Kindern trotzdem weiterhin Kontakte zur Mutter zu ermöglichen, trotz der schwierigen Umstände. Auch um solche Kontakte in gute Bahnen zu lenken, kann das Jugendamt hilfreich sein.

    Ich wünsche Dir, dass Du gut durch diese schwierige Zeit kommst

    Liebe Schokokeks,

    in einer Selbsthilfegruppe wurde mir vor Jahren eine Trennung von meinem xy nahegelegt - verständnisvoll und einfühlsam, aber dennoch recht klar. Für mich stand damals fest, dass ich das unter keinen Umständen will, weil wir uns lieben. Hab meine Beziehung "verteidigt". Ich hab bei Dir eine ähnliche Situation herausgelesen und kann mich da gut reindenken. Jemand sagte damals zu mir: "Es ist ein Prozess" - das blieb hängen, er hatte sehr Recht. Ich kann sagen, dass ich den Prozess mit allen Tiefen durchlaufen habe und noch dabei bin. Höhen gab es immer weniger. Ich war tief in einem Gefühlswirrwarr verstrickt und gar nicht mehr in der Lage, zu unterscheiden, ob es denn wirklich Liebe sein kann, wenn jemand nicht mehr verlässlich ist, sich und das was er tut (Konsumieren) ständig vor mir versteckt, mich mal mit schönen Worten umgarnt, aber immer mehr nur noch auf sich, den Alkohol und in seinem Fall auch seine Droge fixiert ist. Liebe kommt da unter die Räder. Es sind fünf Jahre ins Land gegangen seither, die schöner hätten sein können.

    Heute muss ich sagen, dass es keinen vernünftigen Grund gibt, warum ich mir das zugemutet habe. Außer dass auch ich wie Du nicht alleine leben will und der irrigen Annahme war, dass wir uns das Leben doch irgendwann noch schön machen können. Gemeinsam alt werden. Das ist ein zentraler Punkt, mit dem es sich glaube lohnt, sich auseinanderzusetzen. Dieses Gefühl "Jetzt muss es endlich klappen" - das hatte ich nach einer zuvor gescheiterten Beziehung auch. Aber wie gemeinsam alt werden, wenn sich ein Partner langsam aber sicher um den Verstand säuft...

    Letztlich entscheidet jede und jeder von uns Co's immer selbst, wie lange man sich das antut. Für mich hat sich gezeigt: Obwohl der Partner noch da ist, wird der Kampf, den man um die Beziehung führt, immer einsamer. Mein xy ist gerade mal wieder in Langzeitreha. Falls er danach weiter trinkt, verlasse ich ihn, das habe ich ihm gegenüber klar kommuniziert. Momentan geht es mir gut mit dem Alleinsein, wir haben kaum Kontakt.

    Ich wünsch Dir - wie auch wieweiter - dass Du einen guten Weg für Dich findest, Dich in den Mittelpunkt stellst, für Dich gut sorgst und auch hinterfragst, was Dir die Beziehung wirklich gibt. Hab die Erfahrung gemacht, dass man sich viel schön redet, oft gar nicht wahrnimmt, wie diese Hilflosigkeit an einem zehrt. Das immer frustriertere Zusehen, wie sich jemand neben einem zugrunde richtet. Es ist wichtig, Warnzeichen ernst zu nehmen. Unkontrolliertes Weinen ist nur eins davon.

    Liebe Grüße

    Liebe Sonnenschein,

    kann das alles sehr gut nachvollziehen, was Du schreibst. Mein Xy ist in einer ähnlich prekären Situation, allerdings schon seit vielen Jahren, stetige Achterbahnfahrt. Du hast viele wichtige Schritte beschrieben, die in einer Ehe mit gemeinsamen Kindern doppelt schwierig zu gehen sind und deshalb gut, dass Du so weit gekommen bist. Ich für mich bin so weit, dass ich mir wünsche, mir nichts mehr für xy zu wünschen, weil mich die Erfahrungen so pessimistisch haben werden lassen. Er ist auch in der Klinik, zeigt scheinbare Einsicht, und das erzeugt nur wieder Hoffnung, die einen bindet. Besser aus meiner Sicht wäre, akzeptieren können, was auch immer kommt. Hartes Brot, ich weiß.

    Hatte gerade mit xy das vereinbarte "Sonntagstelefonat". Er hat rückgemeldet, dass er die geringere Kontaktfrequenz gut findet, ich finde sie auch positiv. Er schlug auch vor, dass wir uns nur noch bei dringenden Sachen (wichtige Post, die für ihn ankommt oder ähnliches) schreiben. Das haben wir gleich so fest ausgemacht. Ich habe bisher den - vorsichtigen - Eindruck, dass er offener an die Langzeitreha rangeht als beim letzten Mal vor sechs Jahren. Ob und was er draus macht, ist natürlich seine Sache. Ich vermisse ihn hier nicht. Das sagt viel aus.

    Ich habe ihm das heute Abend gesagt, dass ich seltener telefonieren möchte, damit wir uns beide - jeder für sich - mehr auf sich konzentrieren können. War schon zu merken, dass er sich da zurückgewiesen fühlte. Tut halt weh, wenn man endlich nüchtern und präsent ist und die Partnerin trotzdem für sich sein will. Ich musste auch dran denken, wie oft ich alleine da gehockt und mir riesen Sorgen gemacht habe, weil er eine Woche am Stück, manchmal auch länger, wie verschollen war. Aber gut, es soll keine Rache sein. Einfach den Kopf mal frei kriegen und sein stetiges Werben ausbremsen.

    Noch ein Anlauf: Xy ist nach Entgiftung jetzt in der Langzeitreha. Es geht mir besser, seit er weg ist. Ich fühle mich leichter. Er meldet sich oft, auch um die Verbindung zu halten. Da will ich ihn stärker bremsen, was mir bisher sehr schwer fällt. Mit seiner Art trifft er einfach bei mir ins Schwarze, und das weiß er natürlich. Selbst wenn er trinkt, kann er die lange aufrecht erhalten. Vielleicht mache ich mit ihm aus, dass wir nur einmal die Woche telefonieren.

    Er signalisiert auch feste Entschlossenheit, trocken und clean zu bleiben. Ich lasse das so stehen. Für mich zählt jetzt, was tatsächlich passiert.

    In den Telefonaten geht es meist um Alltägliches. Aber ich habe ihm auch schon gesagt, dass ich noch nicht weiß, ob und wie es für uns weitergeht. Als Paar, das wir schon seit zwei Jahren eigentlich nicht mehr sind.

    Hallo Poni,

    ich finde es klasse, dass Du mit der Situation so reflektiert umgehst, das ist bestimmt nicht leicht.

    Ich ärgere mich, dass ich so naiv und gutgläubig war/bin, wie ich mich in seinen Rausch, seine Selbstzerstörung mit habe hineinziehen lassen.

    Aber Du hast jetzt entschlossen die Reißleine gezogen - super gemacht! Mir und manch anderer/anderem hier steht das vermutlich noch bevor. Die Sicherheit kommt mit der Zeit. Vielleicht hilft, Dir diesen stressigen "Urlaub" immer wieder vor Augen zu führen. Entspannung geht anders... Und absolut richtig, Dich jetzt um Liegengebliebenes zu kümmern und den Fokus auf Dich zu legen.

    Hi Lebenskünstler, hast Du schon mal überlegt, ein Buch zu schreiben? Finde es total hilfreich, das so glasklar und ungeschönt von Dir zu lesen. Als Co klammern sich glaube Viele so wie ich zu lange an jeden Strohhalm. Hat aber vermutlich auch damit zu tun, dass nasse Alkoholiker das häufig nicht so klar auf den Punkt bringen (können?) und so lange es geht versuchen, ihre Partner/innen zu halten - wie Du glaube selbst weiter vorne geschrieben hast: Um die Sucht erträglicher zu machen. Eigentlich wäre Trennung zu Beginn vermutlich fast immer der richtige Schritt, weil man eh irgendwie in zwei veschiedenen Welten lebt. Und falls der Suchtverlauf gestoppt werden kann nochmal mit Ruhe überlegen, ob es noch reicht für eine gemeinsame Basis, wie bei Dir und Deiner Frau.

    Hey Sonnenschein,

    da Auf- und Abtauchen hier schon sehr lange an der Tagesordnung ist, schicke ich Dir liebe und solidarische Grüße. Ist natürlich hart für Kinder, so mit der Realität von Papas Sucht konfrontiert zu werden, aber Du bist ihr sicherer Hafen, unumstößlich, und das zählt letztlich. Vielleicht immer wieder mal möglichst ruhig und ohne Abwertung mit den Kindern drüber sprechen, warum er zurzeit keinen regelmäßigen Kontakt halten kann - und dass sie natürlich keine Schuld tragen, aber bestimmt machst Du das eh.

    Ich find das gar nicht erbärmlich, dass auch mal sowas wie Trauer, Sehnsucht hochkommt. Es gibt so Tage, da vergieße ich auch mal paar Tränen. Er ist ein Mensch, für den Du mal positive Gefühle hattest. Ich ruf mir dann die anstrengenden Situationen mit xy in Erinnerung, dann ist diese Phase oft vorbei. Oder gehe mit dem Hund, das hilft fast immer 🙂 Hast Du auch so einen "Anker" für solche Momente?

    Hey Poni,

    also trocken, so verstehe ich den Begriff zumindest, ist man nach einiger Zeit des Nichttrinkens, der Entzug aber stellt sich ja unmittelbar ein, wenn ein Alkoholiker, der täglich trinkt, seine gewohnte Dosis Alkohol nicht bekommt. Genau wie Du schreibst, kann so ein Entzug im Alleingang gefährlich werden, sofern nicht medikamentös unterstützt wird. Letzteres bieten deshalb Psychiatrien an, meist ist das erstmal nur für so ca zwei Wochen. Die hiesige Klinik zB verlangt nicht, dass man nüchtern dorthin kommt, das wäre ja eine gefährlich hohe Hürde (auch wenn man vermutlich nicht volltrunken dorthin kommen sollte). Die unterstützen die Leute während des Entzugs, geben Medis gegen die Symptome, und es gibt auch paar kurzfristige therapeutische Angebote.

    Kann natürlich sein, dass jede Klinik das unterschiedlich handhabt. Wenn er längerfristig trocken bleiben will, sollte sich möglichst eine Entwöhnung in Form einer mehrwöchigen Reha anschließen. Da geht es dann auch um Perspektivklärung etc. Das muss aber etwas aufwendiger beantragt und auch genehmigt werden.

    Ich hab mir sehr lange und sehr oft ein X für ein U vormachen lassen von meinem Freund. Will ich ihm gar nicht alleine vorwerfen , wie Du über Dich weiter vorne schriebst, wollte auch ich das Ausmaß der Probleme nicht sehen. Sucht hat viele Facetten, vor allem manipulatives Verhalten gehört leider dazu. Bei schnell präsentierten, irgendwie einfach klingenden Lösungen ist eine Grundskepsis immer angebracht...

    Hallo Poni,

    Dann brauchst Du vermutlich nur eine Regel,.... wenn Du es für Dich tust. Denn im Moment arbeitest Du eher gegen Dich und leidest seine Sucht mit. Und Du bist für ihn eine Teil, welcher seine Sucht erträglicher macht. Oder würdest Du das Beziehung nennen?

    Du baust ihn und seine Sucht noch fest in Dein Leben ein, ist so eine Art Lernprozess.

    Das finde ich sehr treffend beschrieben von Whitewolf. Ich kann mich da als langjährige Co so gut reindenken. Als ich mich noch nicht mit Sucht auseinandergesetzt hatte, in jungen Jahren, kannte ich meinen jetzigen Freund schon, war verliebt, aber dauernd auch damit beschäftigt, auf mich selbst aufzupassen. Nicht so reflektiert wie Du, vermutlich auch, weil mir solche Ansprechpartner wie hier ganz lange fehlten. Ich glaube, auf Dauer geht das nicht, Grenzen zu setzen, Regeln für eine noch frische Beziehung aufzustellen, wenn Sucht auf der einen Seite und gleichzeitig so viele Emotionen im Spiel sind. Das ist wie in dem berühmten Beispiel, als würde man versuchen, bei Tempo 200 auf der Autobahn die Handbremse zu ziehen. Lieber die Ausfahrt nehmen, auch wenn es sehr schwer ist - und natürlich nur Du entscheiden kannst.

    Ich hab's nur für einige Jahre geschafft und mir oft genug gewünscht, ich hätte sehr viel konsequenter auf mein eigenes Wohl geachtet, wäre nicht zurückgekehrt, ja wäre meinem xy gar nicht erst begegnet.

    Er hat einen Termin in der Klinik(Ende Mai). Er hat seinen Arzt angerufen und gesagt, dass es dringend ist und der Termin wurde vorgeschoben auf den 12. Mai. Er war ruhig am Telefon. Ich war sooooo erleichtert, uff, er hat sich fürs Leben entschieden.

    Warst Du bei dem Gespräch dabei? Bitte nicht falsch verstehen, aber das kann auch ein Appell an Dich sein, bei ihm zu bleiben, weil er ja damit vordegründig alles tut, um schneller in die Klinik zu kommen - auch für Dich. Aber wenn es ihm tatsächlich ernst ist mit dauerhafter Abstinenz, sollte er für sich handeln. Und leider ist Klinik (vermutlich erstmal nur Entgiftung?) auch nur ein allererster Schritt und bei seiner Leberschädigung noch lange keine tragfähige Entscheidung für das Leben.

    Gut, dass Du immer wieder so abwägst, ihm auch klar machst, dass Du Dich nicht erpressen lässt. So lange Ihr zusammen seid, wird er vermutlich alle Register ziehen. Pass gut auf Dich auf!

    Liebe Grüße

    Wenn man so lange in solch einer Beziehung ist, fällt es schwer, die eingeschliffenen Denkmuster zu verlassen, das ist verständlich. Das kostet viel Kraft. Trotzdem - jetzt ist Zeit für den Aufbruch.

    Vielleicht ist das alles nur der Schmerz einer Liebe, die vergangen ist.

    Nachvollziehbar. Aber es ist nun mal Vergangenheit - versuche, eine ehrliche Bestandsaufnahme zu machen aus jetziger Perspektive. Ganz nüchtern, ohne Dir seine Abwertungen Dir selbst gegenüber zu eigen zu machen. Momentan ist die Lage: Du würdest ihn retten wollen, obwohl er sich häufig abwertend und respektlos Dir gegenüber verhält, egal ob nun wegen der Trinkerei oder weil Ihr Euch vielleicht einfach auseinander gelebt habt wie so viele andere Paare auch. Und das Ganze würdest Du offenbar gegen seinen Willen tun - oder will er mit dem Trinken aufhören, sucht er sich professionelle Hilfe dafür? Was tut er, um langfristig auch die Situation für Dich und Eure Tochter zu verbessern?

    Dass er möglicherweise wegen des Trinkens so "mutiert" ist in seinem Verhalten Dir gegenüber, fände ich keine Entschuldigung, aber es liest sich so, als suchst Du nach einer solchen. Mal etwas provokant zusammengefasst: "Der arme Kerl säuft, da muss er dann gemein zu mir sein." Nein, das muss er nicht - wie schon andere geschrieben haben, er hätte sich trennen können, bevor sein Verhalten so abdriftet.

    Jetzt kannst nur Du Dein Glück und das Deiner Tochter in die Hand nehmen. Es geht um Euch beide.

    Das ist ja zu Beginn Eurer Beziehung bestimmt so auch nicht absehbar, gewesen. Aber ist doch ein super Ansatz mit dem Job, um rauszukommen aus dieser Situation., sofern Du Dir das vorstellen kannst - Du schiebst ja anfangs, dass es Dir psychisch nicht so gut geht. Dieses Gefühl, sich selbst ausgeliefert zu haben, kenne ich auf andere Weise auch. Muss mich da jetzt auch langsam Schritt für Schritt wieder raus arbeiten.

    Hallo Marilyn,

    Mag ihm nicht das Haus überlassen. Er hat diese Beziehung geopfert , will ihm nicht den Gefallen tun und einfach gehen, so dass er mich ersetzen kann. Sein ständig nach anderen Frauen Ausschau halten, hat mich so nachhaltig verletzt. Das kannst du dir nicht vorstellen. Das ist demütigend.

    dieser Konflikt mit Deinem Mann klingt schon sehr festgefahren. Ich kenne ihn natürlich nicht, aber wenn er so toxisch, respektlos und machohaft ist, wie Du beschreibst, kann ich mir schwer vorstellen, dass er plötzlich eine 180-Grad-Wendung macht und Dir freiwillig das Haus überlässt. Hältst Du das für realistisch?

    Wäre bestimmt gut, Dir einen anderen, schneller wirksamen Plan einfach für Dich und Deine Tochter zu überlegen, anstatt - auch aus verständlicherweise verletzten Gefühlen - auf dem Haus zu bestehen.

    Dass Du derzeit nicht berufstätig bist, lässt sich möglicherweise ändern? Deine Tochter ist in vier Jahren volljährig - wenn ihr Vater sich so schwierig verhält, nicht nur trinkt, sondern Dich immer wieder niedermacht, wie Du schreibst, fände ich wichtig, in ihrem Sinne Prioritäten zu setzen und diese für sie sicher auch sehr belastende Situation so schnell wie möglich zu beenden. Im Zweifel würde ich das Haus lieber erstmal verlassen und im Nachgang gegebenenfalls mit ihm darum streiten - dann aber aus einer für Dich und Deine Tochter weniger belastenden Umgebung heraus.

    Liebe Grüße