Ich schreibe mal meinen Blick und verwende andere Wörter/Wortbedeutungen:
Als Vorgesetzter, der trockener Alkoholiker ist, dürfte/sollte man ein besseres/größeres Verständnis für so einen Menschen und solche Problematik haben als ein Vorgesetzter, der selbst in der Sucht gefangen ist.
Verständnis hier im Sinne: Der Trockene hat die Erfahrung des Ausstiegs, kennt Mühen, Probleme, ggf. Misserfolge, hat sich Verdrängungstaktiken bewusst gemacht, etc.
Das "in einem Boot"-Verständnis, was Du Dir für "damals" (also vor rund 8 Monaten) vorstellst, würde ich eher als Solidarität/Komplizenverhalten bezeichnen.
Nun spielen immer auch andere Aspekte rein. Symathie/Antipathie, gemeinsame Vorgeschichte (ohne Alk), Verdienste, Wichtigkeit für die Firma und mit allem abgewogen der Delikt- und Schadensumfang. Je nach Firmengröße, Macht, Mitbestimmungsrecht und herrschendem Geist hat der Entscheider da durchaus auch einen Ermessensspielraum, der manchmal beeindruckend weit ausgenutzt oder auch knallhart abgehandelt wird.
Andererseits gibts im Firmenkontext auch objektive Kriterien/Grenzen, wann es genug ist und Konsequenzen erfolgen (müssen).
Tja und eigentlich fehlt mir noch das Wort Mitgefühl in der Betrachtung. Das lese ich bei Dir nicht. Aber das wäre dann womöglich so eine Sache wie bei den Co's.
Es ist menschlich eine sehr unangenehme Sache. Ich habe beide Seiten des Tisches erlebt (aber eindeutig noch ohne jedes Alkoholproblem, Kontext waren jeweils Strukturveränderung/Schließung).