Beiträge von Soapstar

    Trinken tue ich seit ca. 35 Jahren, klar wurde mir das ich Alkoholiker bin als ich mit meiner Frau den elterlichen Betrieb (Gasthaus Brauerei) übernahm.

    Hi Manni,

    ich habe vor vielen, vielen Jahren eine Ausbildung zum Brauer und Mälzer abgeschlossen. Ein eigtl wahnsinnig toller Beruf.

    Habe mir die letzten Monate oft überlegt, ob mich das erst in die Sucht getrieben hat, ob es die Sucht zumindest wahrscheinlicher gemacht hat oder ob es einfach scheißegal ist, was man beruflich macht.

    Bin für mich jetzt zu dem Schluss gekommen, dass es die 3. Variante ist, da ich während der Arbeit nie getrunken habe. Die ständige Verfügbarkeit und der Haustrunk waren natürlich schon eine angenehme Sache, Freitagnachmittag ne Kiste oder zwei in den Kofferraum (8 Kisten Haustrunk hatte ich im Monat) und fertig. Andererseits hätte ich sonst halt noch am Getränkemarkt gehalten, egal, ich wollte jedes Wochenende betrunken sein. Wurst, wo das Bier jetzt herkam.

    Wie oft haben mich Leute gefragt, wie ich dieses oder jenes Bier denn finde oder welches das beste ist. Dann hab ich mir halt jedesmal was aus den Fingern gesaugt, weil ich insgeheim schon wusste, dass meine Sauferei mir gar nicht mehr erlaubt,mich intensiv mit Bier zu beschäftigen, sondern es nur noch Mittel zum Zweck ist.

    Trotzdem würde ich den Beruf immer noch gegenüber irgendwelcher Vorurteile wie "die sind bei der Arbeit bestimmt ständig besoffen" verteidigen. Klar hat der Meister mal z.B. am Filterausgang ein Schlückchen genommen, um den Kohlensäuregehalt zu prüfen, von mir wurde das nie verlangt und mit den heutigen Analysemethoden ist das ja auch nicht mehr nötig.

    Aber in der angeschlossenen Gastro zu arbeiten, wie Du Manni, das stell ich mir dann tatsächlich schwer für jeden vor, der in diese Richtung gefährdet ist. Habe im Laufe der Jahre viele Köche und Kellner kennengelernt und kaum einer davon hatte kein Suchtproblem. Da dürfte tatsächlich die ständige Verfügbarkeit gepaart mit sonstigen Widrigkeiten (andere Arbeitszeiten als alle anderen, Stress pur am Sonntag z.B.) auch eine Rolle spielen. Und trotzde erwischt es manche hier, mache wiederum nicht. Sucht folgt wohl einfach doch keinem Muster.

    Jetzt hab ich genug geplaudert, eigtl wollte ich nur mal Hallo sagen und dir viel Kraft und alles Gute wünschen!

    VG Soapstar

    Ich bin am absoluten Tiefpunkt, so erbärmlich habe ich mich nie gefühlt.

    Hi Marc,

    das "Gute" am absoluten Tiefpunkt war bei mir und sehr vielen anderen, dass man ab dann was ändern kann! Jetzt kann es nur noch aufwärts gehen.

    Ich habe davor auch zwei Jahrzehnte lang gewusst, dass mein Trinkverhalten mehr als nur problematisch ist und dass ich "bald" oder "demnächst" oder "mittelfristig" mal was ändern sollte. Aber erst am absoluten Tiefpunkt wurde daraus ein "heute" und ein "genau jetzt", wie es offensichtlich bei Dir gerade der Fall ist!

    Ich kann nur von mir erzählen, bei mir ist dieser Tiefpunkt erst ein halbes Jahr her, bin also auch immer noch völlig unbedarft, was Trockenheit angeht. Aber aktuell geht es mir sooo gut, wie davor wohl nur als Kind oder als noch nicht trinkender Jugendlicher.

    Endlich mal wieder keine (bzw. fast keine) diffusen Ängste, zwischenmenschlichen und finanziellen Sorgen, Schlafstörungen, depressiven Verstimmungen, Antriebslosigkeit und was weiß ich noch alles, was die Sauferei und die Kater so alles mit sich bringen.

    Natürlich würde ich lügen, wenn ich sagen würde, ich habe die Trinkgelage kein einziges Mal vermisst. Das habe ich gerade anfangs an den Wochenenden wirklich sehr, kann man auch in meinem Faden nachlesen. Aber wenn ich mir heute vor Augen führe, wo mich die Sauferei hingeführt hat (Ausnüchterungszellen, Krankenhäuser, Heimfahrten in Streifenwagen morgens um 8, während die Nachbarschaft Rasen mäht), dann kann ich nur sagen, dass ich dort nie mehr hin möchte!

    Insofern möchte ich dir jetzt nicht unbedingt gleich zum Tiefpunkt gratulieren, aber ich wünsche dir auf jeden Fall, dass er dich jetzt genauso handeln lässt, wie er mich handeln hat lassen. Ich finde, du liest dich entschlossen und eierst nicht rum, darauf lässt sich ganz bestimmt aufbauen!

    Alles Gute und VG Soapstar

    Wer hart arbeitet darf auch mal genießen. Schließlich Arbeitet man und muss auch noch was vom Leben haben.

    Wessen Sichtweise ist das, wenn man fragen darf? Die deines Mannes und seiner Kumpels oder siehst du das auch so?

    Ich dachte leider über zweieinhalb Jahrzehnte auch, dass ich nur was vom Leben habe, wenn ich nach einer "harten Arbeitswoche" (selbst eingeredet) zwei ordentliche Vollräusche mit mir rumtragen darf, sonst kann ich mir ja gleich die Kugel geben.

    Auch die Sache mit dem "Bier gibt's bei allen, komm einfach vorbei" ist bei uns im Ort gleich. Wird so herrlich als "Dorfgemeinschaft" abgetan, im Grunde sind es halt tolle Möglichkeiten, sich mit anderen Alkoholikern zu betrinken, ohne seinem Problem ins Auge sehen zu müssen. "Die anderen sind genauso oder noch schlimmer", kein Grund zur Sorge, alles prima :(

    Unsere Geschichten der Alkoholiker sind irgendwie so vielfältig, aber auf der anderen Seite tatsächlich auch erschreckend gleich.

    VG Soapstar

    was war dein Tiefpunkt?Meiner Jobverlust, Gesundheit immer kaputter, Frau fast weg, Anzeigen, enorme Kosten,Entzüge und Kater ohne Ende. Einfach jeder Berich des Lebens im Arsch.

    Die Anzeigen, enormen Kosten und Kater kenne ich leider auch, aber die sind für mich tatsächlich, so blöd das klingt, schon irgendwie zur Gewohnheit geworden. Die waren halt da und haben mich leider gar nicht mehr beeindruckt. Dass ich montags total im Arsch bin, physisch und psychisch, was soll's, darum hasst man ja Montage. Dass ich ein Einfamilienhaus versoffen habe statt drin zu wohnen, war mir irgendwie auch egal.

    Mein persönlicher Tiefpunkt war tatsächlich folgender: Mir wurde auf offener Straße ein Schlagstock über den Kopf gezogen, was ich vor lauter Rausch aber nicht mehr wusste. Bin blutüberströmt in nem Krankenwagen auf der Fahrt in die Klinik zum Nähen zu mir gekommen und wusste überhaupt nicht, was passiert ist. Das erfuhr ich erst zwei Tage später aus der Zeitung bzw. von der Polizei. Da dachte ich mal wieder "es muss sich IRGENDWIE IRGENDWANN mal was ändern".

    Nun zum eigentlichen Tiefpunkt: Trotz der o.g. Geschichte habe ich es nur ein Wochenende geschafft, nichts zu trinken. 14 Tage später, die Fäden waren gerade gezogen, habe ich mich mit einem Kumpel in der Kneipe getroffen. Ich weiß noch, wie ich auf dem Weg dorthin dachte "heute endet aber alles normal", ich dachte wirklich, ich hätte da noch irgendeinen Einfluss darauf.

    Das Ende vom Lied: Kumpel ging irgendwann heim, weil er müde war. Ich war auch schon ziemlich fertig, musste aber (damals dachte ich, ich wollte, jetzt weiß ich, dass ich musste) noch weitertrinken. Schließlich wurde ich von Passanten irgendwo im Gebüsch schlafend gefunden, die die Rettung oder die Polizei gerufen haben, weil ich nicht weckbar war. Zusätzlich hatte ich mich noch von oben bis unten eingepisst.

    Da lag bzw irgendwann stand ich dann, schwankend und mit vollgepisster Hose und lauter mir fremde Leute (es waren letztendlich Polizei und Rettung da) beratschlagten, was mit mir jetzt zu tun sei, ich sei total dreckig und eingepisst und keiner wollte mich im Auto haben. Sie einigten sich schließlich drauf, mir ein Taxi zu rufen und den Taxifahrer bereits vorzuwarnen, dass er was mitbringen soll, um seine Sitze sauberzuhalten. Dies mitzubekommen, war so dermaßen entwürdigend und peinlich, dass ich noch an Ort und Stelle hemmungslos zu heulen anfing, wofür ich auch noch ein "diese Besoffenen kotzen sie so an" einer Polizistin kassierte.

    Und am nächsten Tag dachte ich zum allerersten Mal in meinem Leben, dass sich nicht mehr IRGENDWIE IRGENDWANN, sondern noch GENAU HEUTE etwas ändern muss. Habe noch an diesem Tag nach den AA gegoogelt, wo zum Glück schon am Tag darauf ein Meeting stattfand. Zum Glück, muss ich sagen, denn wenn das erst in drei oder vier Tagen gewesen wäre, hätte ich das Ganze wahrscheinlich schon wieder unter "passiert halt" gespeichert und würde heute noch trinken.

    Lange Rede, kurzer Sinn, seit diesem Tag habe ich dieses Meeting wöchentlich besucht, manchmal besuche ich noch ein zweites, wenn es zeitlich von der Arbeit her passt. Und seitdem musste ich bis heute keinen Tropfen mehr trinken. Das Ganze ist jetzt ungefähr ein halbes Jahr her.

    VG Soapstar

    Guten Morgen. Also dem Süchtigen muss erst so richtig dreckig gehen durch den Konsum, damit er die Einsicht hat aufzuhören.

    Guten Morgen Abstinenzler,

    richtig dreckig ging es mir bestimmt 1000x und selbst das hat nicht ausgereicht, an meinem Leben auch nur eine Kleinigkeit ändern zu können. Ich musste wirklich, wie in so vielen Geschichten schon gehört und gelesen, meinen sogenannten Tiefpunkt erreichen, an dem es einfach nicht mehr weiterging und ich, hoffentlich für immer, aufhören durfte zu trinken.

    Es ging auch schon längst nicht mehr darum, " das Leben zu genießen", savoir vivre oder sonstigen Schmarrn, den man sich noch jahrelang eintrichtert, um (von der Uhrzeit her) früher mit dem Saufen anfangen zu können. Es ging nur noch um Sucht, Sucht, Sucht, getarnt unter dem Deckmantel des "Feierns", des "Genusses" oder ähnlichem.

    Trigger0815 Ich bin kein Co, aber ich bin mir sicher, dass du hier nur nach dir schauen solltest! Zu meiner nassen Zeit konnte mich nichts und niemand vom Trinken abhalten. Ich konnte keine Beziehungen (nicht nur partnerschaftliche, sondern auch zu Eltern und sonstigen nahestehenden Menschen)führen und das hatte nichts mit fehlender Liebe oder Sturheit oder sonstwas zu tun, sondern weil ich als Alkoholiker trinken musste. Ich wünsche Euch auf jeden Fall viel Kraft und alles Gute, aber verliere Dich nicht in all den Dramen, die evtl. noch kommen mögen.

    VG Soapstar

    Bist Du in einem Verein?

    Hallo Alex,

    bin ich, aber genau den meide ich aktuell, da er das nasseste Umfeld überhaupt ist. Dorffußballverein in der Kreisliga, dort steht Bierkonsum über allem und da gibt es auch keine Nichttrinker.

    Im Gegenteil, dort muss man sich fürs Nichttrinken rechtfertigen und dieses ständige "warum und wieso und trink halt eins mit" würde ich dort wahrscheinlich nicht lange aushalten. Weder nervlich noch von der Abstinenz her.

    Ich engagiere mich gerade etwas in meiner realen SHG und überlege, wie das vielleicht noch etwas ausbauen könnte, ohne gleich zu übertreiben.

    VG Soapstar

    Immer wieder mal ein Thema hier.

    Am Anfang steht die Sucht. Und irgendwann kommt der Moment: Ich will da raus. Wie man dahin kommt, ist unterschiedlich , ob durch einen Tiefpunkt, eine Laune oder einfach, weil klar wird: Wenn ich so weitermache, verrecke ich.

    Dann kommt der Stopp. Entgiftung. Und das trockene Leben beginnt. Erst Euphorie, alles neu, alles besser. Aber dann knallt die Erwartungshaltung gegen die Realität .„Jetzt müsste doch was passieren!“ Nur kommt da nichts Magisches. Da ist plötzlich Alltag. Da ist nüchtern.


    wie habt ihr das erlebt ?

    Meine Antwort besteht eigentlich nur aus zwei Wörtern: genau so

    Um noch etwas auszuholen: Ich beherzige den Tipp "Meide Dein nasses Umfeld", aber da ich mir die letzten fast 25 Jahre halt ausschließlich ein nasses Umfeld geschaffen habe, habe ich jetzt halt gar keins mehr.

    Und jetzt ist da zugegeben schon sehr viel Langeweile. Ich kann mit meinen Hobbys Sport und Lesen schon 4- 5 Stunden am Samstag füllen, aber halt keine 10 - 12 wie früher beim Saufen. Der Rest ist dann eher Tristesse. Aber die Alternativen wären die berühmten 3 K's (Knast, Klapse oder Kiste) und sind somit keine wirklichen Alternativen.

    Hoffe hier tatsächlich noch auf Besserung bzw. Veränderung und bleibe geduldig.

    VG Soapstar

    Hallo 45,

    das Alkoholikergehirn (zumindest meins) ist halt leider in der Lage, wahnsinnig viel zu verdrängen oder in ein anderes Licht zu rücken.

    Natürlich habe ich nach jedem dieser beschriebenen Tage im KH oder sonstwo gedacht "so geht es nicht weiter, jetzt ist Schluss mit der Sauferei". Gehalten haben diese Vorsätze ein paar Tage (meistens ging es mir bis Dienstag richtig schlecht, Mittwoch neutral, ab Donnerstag kam jedesmal wieder die Vorfreude aufs Wochenende und den nächsten Rausch) und der Trott ging wieder von vorn los.

    Ausnüchterungszelle und KH sind jetzt schon die "Highlights", aber auch die kamen alle paar Jahre mal vor. Doch selbst die dauernd verlorenen Geldbeutel, Schlüssel, Handys, Jacken etc. hätten mir ständig eine Mahnung sein können, dass alles schon längst aus dem Ruder gelaufen ist. War es aber auch immer nur sehr kurzfristig.

    Von daher: Sei froh, dass Du diese Erfahrungen nicht machen musstest, vielleicht wären sie auch Dir nicht genug Warnung gewesen. Wer weiß das schon. Mein persönlicher Tiefpunkt zur endgültigen Kapitulation vor dem Alkohol waren sie jedenfalls nie :/

    VG Soapstar

    Hallo Paul mit der Euphorie hast du auch komplett recht , es war so toll und man fühlt sich so sehr stolz , nach 5 Wochen kam dann die Langeweile bei mir , irgendwie dachte ich immer es muss doch was aufregendes passieren , aber es kam nichts . Irgendwie suchte ich ein Hochgefühl . Ich muss mir dann auch ständig die schlimmen Situationen vorhalten wie die scham die durch den Suff kam .

    Hallo zusammen,

    in diesem Club seid Ihr auf jeden Fall nicht allein, da reihe ich mich ebenfalls mit ein ;)

    Ich erwische mich auch hin und wieder bei dem Gedanken, dass doch eigentlich jetzt alles, was vorher beschi**en war, sofort super positiv sein müsste und wenn dem nicht so ist, warum trinke ich dann nicht einfach wieder, sondern setze mich bewusst so oft der Langeweile aus?

    Aber dann denke ich auf der Stelle an "nur für heute lass ich das erste Glas stehen" und denke am besten auch noch an die hin und wieder verpisste Bettwäsche, an Vormittage, die in der Ausnüchterungszelle oder im Krankenhaus begannen, an Schuld-, Scham- und sonstige Scheißgefühle und sofort weiß ich wieder, warum ich nie mehr dorthin zurück möchte und die Kontrolle über mein Leben nie wieder abgeben möchte. Ich bin jetzt der "Herr im Haus" und das bleibt auch so, basta!!

    VG Soapstar

    Der Film ist vermutlich eine effektive Warnung für jüngere Frauen, die ihren Alkoholkonsum noch nicht ernst genug hinterfragen.

    Aus meiner Sicht wird in diesem Streifen doch eigtl vor gar nichts gewarnt... wirf deine Kolleginnen durch die Gegend und blamier dich auf der Arbeit, egal, hat keine Konsequenzen. Verprügel andere Leute (in dem Fall der Eddi), auch egal, hat auch keine Konsequenzen. Also für mich ein typischer ZDF-Spielfilm, seichte Unterhaltung, aber alles andere als eine Warnung vor dem Alkohol. "Wenn's ganz schlimm wird, kann ich ja immer noch nachmittags schnell zur Psychologin" (die auch noch krankschreiben darf?) ist da eher mein Fazit...

    VG Soapstar

    Hallo Ralf,

    für das AA-Meeting ein kleiner Tipp von mir: Solltest du nicht wahnsinnig religiös sein, lass dich von dem ganzen Bezug zu der "höheren Macht" und "Gott" nicht gleich abschrecken.

    Das kann und darf jeder so interpretieren wie er möchte. Ebenso kannst du die 12 Schritte sofort gehen oder du suchst einfach erstmal den Austausch mit anderen Betroffenen und liest, wenn du möchtest, vielleicht ein bisschen in der AA-Literatur.

    Mir kam mein erstes Meeting vor einigen Jahren zunächst vor, als wäre ich in einer Sekte oder einem Bibelkreis gelandet und dann bin ich 5 Jahre nicht mehr hingegangen. Das bereue ich bis heute, dann heute helfen mir diese Meetings enorm.

    VG Soapstar


    Es tut gerade unglaublich weh dass wir nicht wichtiger sind als die Geselligkeit, die Abstürze, die „Freundschaften“

    Das ist leider für einen Alkoholiker (da sollte es jetzt ja keinen Klärungsbedarf mehr geben) "normal". Solange keine Einsicht zur Krankheit vorliegt, werden wir uns im nassen Zustand immer für die Flasche oder das Glas entscheiden. Das ist nicht mal was Persönliches, so saublöd das jetzt klingt!

    Ich erzähle dir auch hier mal wieder von mir: Einen Streit vom Zaun brechen, um deswegen einen trinken gehen zu müssen, kam auf jeden Fall mehrmals jährlich vor, wenn es gerade mal eine Frau mit mir probieren wollte. Da saß ich dann mit meinen "verständnisvollen" Freunden und konnte mich endlich besaufen!!

    Und wenn man mich endgültig vor die Wahl gestellt hat, war das gleichzeitig das Ende jeder Beziehung, quasi der Trinkerjackpot: Wochenenden komplett durchsaufen, da man ja verlassen wurde und Trost braucht von "Freunden" (deren Frauen gegenüber war ich quasi die Ausrede) und Getränken.

    Und ich habe hier auch schon geschrieben, dass ein Verzicht auf Alkohol für mich gleichzeitig bedeutet hätte, auf wirklich jeden Spaß zu verzichten... ob Stadion, Essen gehen, an den See gehen oder oder oder, alles nur Synonyme für "ins Koma saufen". Trotzdem dachte ich, das wäre der "Spaß" in meinem Leben und solange ich diese Denkweise nicht loswerden konnte bzw immer noch dran arbeite, muss ich mich leider als beziehungsunfähig beschreiben. Auch wenn man mir durchaus gute Seiten attestiert hat, am Ende wird der Alkoholismus diese alle überdecken.

    Es tut mir so leid für Dich, Kruemel, dass ich das Gefühl habe, Du würdest hier tatsächlich über mich schreiben. Hätte gern bessere Nachrichten für Dich, aber ich möchte Dich nicht anlügen und Dir keine falschen Hoffnungen a la "das wird schon wieder" machen.

    LG Soapstar

    Wie unangenehm war es oft, wenn ich auf Partys schwankend und lallend jemandem ein Bier in die Hand drücken wollte und derjenige abgelehnt hat... da hätte ich mir ja klarmachen können, dass doch nicht alle bis zur Besinnungslosigkeit trinken und das vielleicht doch nicht ganz normal ist.

    Da habe ich mich doch lieber schnell wieder zu den exzessiven Trinkern verdrückt, wo ich mir alles schönreden und bagatellisieren konnte.

    Sorry Kruemel, dass ich das jetzt so offen sage, aber mit anderen Trinkern (wahrscheinlich) Samstagabend betrunken über sein Trinkproblem reden, das sollte man wahrlich nicht zu hoch hängen. Wenn er das nüchtern bei einer Suchtberatung macht, dann kannst Du das als einen positiven Schritt in die richtige Richtung verbuchen, vorher würde ich da nichts drauf geben.

    Ich bin selbst auch erst ein paar Monate bei der trockenen Fraktion, darum erinnere ich mich, als wäre es gestern gewesen, an derlei Gespräche. Der Effekt war wirklich jedesmal 0,0, weil die Gespräche auf die Stimmung gedrückt haben und man sich lieber wieder jahrzehntelang vergangene "Heldengeschichten" erzählt hat.

    Auch die Vergleiche zwischen Spiegeltrinkern, Wochenendtrinkern, Quartalssäufern etc. dienen m.M.n. nur dazu, für das eigene Trinkverhalten irgendwo ein schlimmeres Beispiel zu finden und sich wieder in die "nicht sooo schlimme" Kategorie einzuordnen. Wenn man aber tief drin ehrlich zu sich ist, weiß man es doch längst.

    Ich wünsche Euch wirklich das Beste, vielleicht auch für eine gemeinsame Zukunft, aber Scheuklappen sind beim Thema Alkoholismus einfach überhaupt nicht das Mittel der Wahl!

    LG Soapstar

    Liebe Krümel,

    ich kann die Trinkpausen gar nicht mehr zählen, die ich gemacht habe, um mir zu beweisen, dass ich kein Alkoholiker bin.

    Aber der angesprochene Kontrollverlust nach den ersten zwei Bier hat mich doch jedesmal eines besseren belehrt, ich wollte es nur nicht wahrhaben. Auch diese Panik und das Sturztrinken, wenn die Kneipe in 30 Minuten schließt und ich noch nicht komplett abgeschossen war, das Betteln nach einem Bier für den Heimweg, daheim natürlich noch weitersaufen... diese Zeichen hätte ich viel früher richtig deuten müssen, dann wäre mir sicher vieles erspart geblieben.

    In einem gewissen Stadium hättest Du mich vor die Wahl stellen können "500.000 Euro in bar oder noch zwei Bier" und ich hätte das Bier genommen, das schwöre ich Stein auf Bein.

    Und in deinen Geschichten über deinen Mann erkenne ich mich leider sofort wieder, auch in den jämmerlichen, vergebenen Erklärungsversuchen! Ich hoffe ja, ich täusche mich, aber es klingt leider verdammt nach mir und ich bin ganz klar Alkoholiker.

    Alles Gute für Euch, Soapstar

    Hi Bendecho,

    ich kann deine Sorge total verstehen. Ich hatte sogar anfangs das Gefühl, meine Freundschaften zu "verraten" oder zu hintergehen, wenn ich mich als Trinkpartner nicht mehr zur Verfügung stelle. Total schwachsinnig, da sich von meinen Vollräuschen außer dem Wirt keiner was kaufen kann, aber ich hatte echt Bammel vor den "Geständnissen".

    Trotzdem kann ich dir sagen, dass mir hier schonungslose Offenheit in Form von "ich möchte nicht mehr trinken müssen" am meisten geholfen hat. Ich bin fast überall auf Verständnis gestoßen (hatte besoffen auch mehr als genug Scheiße gebaut) und kann seitdem auch mal Freunde treffen und kann ohne Rechtfertigung ne Apfelschorle trinken.

    Natürlich kam vereinzelt der Kommentar "ah, mal wieder Trinkpause zwinker zwinker", da hab ich noch ein " Nein" ergänzt, um das auch für mich nochmal klarzustellen und das wars.

    Du musst es wirklich für Dich wollen. Ich bin natürlich auch froh, dass meine Lebensgefährtin von einer nüchternen Beziehung profitiert und das darf man auch sein, aber das ist nur ein willkommenes Nebenprodukt. Ganz oben in deiner Hierarchie stehst in diesem Fall Du!

    LG und alles Gute, Soapstar

    Hallo Ino,

    da schließe ich mich Nayouk an. Ich konnte die Entscheidung, trocken werden zu wollen, über zwei Jahrzehnte nicht treffen.

    Ich wusste, dass mein Trinkverhalten komplett aus dem Ruder gelaufen war und ich hatte ständig Probleme wegen der Trinkerei, aber ich konnte mich nicht bewusst dazu entscheiden, aufzuhören.

    Ich musste im Zuge einer Bewährung 6 Urinkontrollen jährlich über zwei Jahre abgeben, da habe ich rasch gemerkt, dass sich die nicht angekündigten Termine trotzdem in schöner Regelmäßigkeit wiederholen, plus minus zwei Wochen vielleicht. Und die Wochenenden dazwischen war ich noch voller als sonst, weil ich die Zwangspause schon eingerechnet hatte.

    Einen Suchtberater musste ich 1x monatlich aufsuchen. Dem hab ich das Blaue vom Himmel gelogen, damit er mir den Besuch bestätigt und mich ansonsten in Ruhe lässt. Man hat mir also eigtl die Hilfen auf dem Silbertablett serviert und ich habe sie mit Vehemenz ausgeschlagen, weil ich lieber trinken wollte.

    Wie du siehst, kann man als Alkoholiker die Entscheidung in den meisten Fällen leider nicht einfach per Knopfdruck fällen.

    LG Soapstar