Beiträge von Soapstar

    Puh, das ist eine gute Frage... Tatsächlich bin ich auch erst ein halbes Jahr abstinent, aber einige "Freundschaften" haben sich jetzt doch mehr oder weniger als "Zweckgemeinschaften von Trinkern" herausgestellt, sprich von den Leuten hab ich bis jetzt nie wieder etwas gesehen oder gehört.

    Zwei Freunde sind mir geblieben, die ich vorher auch schon in anderen Zusammenhängen getroffen habe (zum Sport oder auch mal auf einen Kaffee), aber auch das ist irgendwie nicht mehr das Gleiche. Sie erzählen dann halt von vorangegangenen oder bevorstehenden Festen oder Geburtstagen etc. und da bin ich tatsächlich wahlweise neidisch oder traurig, dass ich nicht mitgehen kann. Also natürlich könnte ich, aber davor wird sowohl hier als auch in meiner realen SHG gewarnt und ehrlich gesagt wüsste ich auch nicht, was ich nüchtern dort sollte.

    Mein über die letzten zweieinhalb Jahrzehnte aufgebautes Umfeld ist ausschließlich "nass" und ich weiß, wie diese Abende ablaufen.

    Und darauf muss ich aktuell einfach verzichten, wenn aus meinem Vorhaben zur lebenslangen Abstinenz nicht nur eine Trinkpause werden soll. Denn diesem inneren Kampf kann und will ich mich nicht aussetzen, da kann ich nichts gewinnen.

    VG Soapstar

    Ganz einfache, wenn wahrscheinlich auch unbefriedigende Antwort: Wegbleiben!

    Wenn ich so zurückblicke auf Feste, auf die ich mich wirklich lange drauf gefreut habe, waren sie im Nachhinein eigtl immer Mist, da ich es entweder am Vortag schon total übertrieben hatte und nur noch wie ein ferngesteuerter Zombie unterwegs war oder ich kam schon angetrunken an, weil ich es doch nicht erwarten konnte, bis "endlich alle trinken". Oder ich hab es dann einfach dort maßlos übertrieben.

    Natürlich auch zugunsten des Rauschs jedes Buffet etc links liegen gelassen, wenn mir jemand ein Wasser hingestellt hat, hatte ich drei Minuten später wieder ein Bier in der Hand usw usf.

    Zusammenfassend: Mittlerweile habe ich die Hoffnung zurecht aufgegeben, dass ich auf Festen normal trinken kann, nicht jetzt, nicht in Zukunft, einfach nie. Das steckt in dem Satz "ich bin Alkoholiker".

    Tut mir leid, dass ich keine besseren Nachrichten für dich habe.

    VG Soapstar

    Hi NikiSixx,

    das erinnert mich leider brutal an mich. 1000x die Hoffnung gehabt, dass es nicht ganz so schlimm werden möge, 1000x geschworen, dass ich heute nicht bis zum Filmriss trinke, 1000x dabei "versagt".

    Das Eingeständnis, Alkoholiker zu sein und das Abwenden von Trinkpausen, hin zu bedingungsloser Abstinenz, sind offensichtlich die einzigen Möglichkeiten, das Leben wieder in die richtigen Bahnen zu lenken.

    Aber da Du ja noch mitten in der Vorstellung bist, will ich den Moderatoren hier nicht vorgreifen.

    Alles Gute und VG, Soapstar

    Also ist Saufen und Rückfall eine Option? Und damit wäre dann die „Selbstständigkeit“ gesichert? Liegt da nicht der Denkfehler?

    Hier wird so getan, als wäre der Rückfall oder das Nichtdurchhalten der Abstinenz bereits in Stein gemeißelt durch seine Selbständigkeit.

    Klar ist der Stress ein enormes Risiko, aber ein enormes Risiko sehe ich auch im Verlust der finanziellen Sicherheit und einen Weg muss er gehen, denn Stillstand würde wohl in jeder Hinsicht große Probleme mit sich bringen.

    Dass die Vermeidung von Rückfällen oberste Priorität hat, ist klar! Aber ein bisschen Individualität sollte ja schon gegeben sein. Ein Ausflug nach Malle in den Bierkönig hilft keinem von uns und sollte für jeden tabu sein, keine Diskussion. Aber Job und Karriere bzw. die Rahmenbedingunge hierzu muss ja schon jeder für sich entscheiden können. Also das ist halt meine Meinung, aber ich kann leider auch nur aus der Sicht eines Frischlings sprechen ;)

    VG Soapstar

    Also ich verstehe Boss insofern schon, dass man eine lange geplante Selbständigkeit nicht mal eben wieder rückgängig machen kann und dem bisherigen Arbeitgeber sagt "ich muss noch ein Jahr bei dir bleiben, ich arbeite jetzt an meiner Alkoholsucht".

    Klar ist das Timing nicht perfekt, aber die Erkenntnis, dass es saufend nicht mehr weitergeht, kam bei mir nach einer vollkommen durchzechten Nacht, da war nix mit Planung o.ä.

    Und ein Jobwechsel bzw. eine Veränderung muss ja auch funktionieren, deshalb klemmt er sich gerade so dahinter. Denn wenn das Gerüst aus finanzieller Sicherheit und der 8, 9, 10 Stunden, die ich im Job "aufgeräumt" bin, wegbrechen würde, würde ich sicher ganz schnell wieder trinken, da bräuchte ich dann keine hinterlistigen Trigger, sondern da käme der Rückfall durch die offene Vordertür spaziert, um es mal bildlich zu sagen.

    Also ich frage mich da ehrlich gesagt schon, was Boss eurer Meinung nach jetzt tun soll. Die Selbständigkeit nach hinten schieben sehe ich wie er als keine Lösung.

    VG Soapstar

    Hi Living,

    auch wenn es echt unterste Schublade ist, was deine Schwiegermutter hier gemacht hat:

    Ich bin ebenfalls der Meinung, dass 6 Jahre Trockenheit alles andere als ein Grund ist, sich zu schämen! Ich habe z.B. erst 1/12 davon geschafft.

    Hier passt denke ich der Spruch " nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird" ganz gut. Und ein trockener Alkoholiker performt am Arbeitsplatz sicher besser als ein nasser, das merke ich nach einem halben Jahr bereits. Das wird dein Arbeitgeber sicher auch erkennen und darauf sollte es ihm ankommen.

    Und abschließend noch zum Thema Klatsch und Tratsch im Dorf: Ich komme selbst aus einem und dort wird im wahrsten Sinne des Wortes "jede Woche eine andere Sau durchs Dorf getrieben", also gibt es m.M.n. für dich aktuell überhaupt keinen Grund, dir Sorgen zu machen!

    VG Soapstar

    Was mir jedoch auffällt: Ich lebe jetzt seit mehr als 10 Jahren alkoholfrei und der Stoff ist in der ganzen Dekade nicht teurer geworden. Gehe ich in den Getränkemarkt, nehme ich ab- und an die Bierangebote optisch wahr. Kein Unterschied zu früher. Wo ist die Inflation geblieben? Nicht bei Bier und Schnaps.

    Hi Carl Friedrich,

    ich kann Dich insofern "beruhigen", dass Bier die letzten Jahre doch auch deutlich teurer geworden ist.

    Bei uns im Getränkemarkt gibt's keine Kiste mehr unter 20€, wenn man nicht die letzte Plörre trinken möchte.

    Bei mir spielt aber der finanzielle Aspekt im Gegensatz zu ganz am Anfang meiner Abstinenz gar keine Rolle mehr, weder positiv (im Sinne von "Juhuu ich spare was") noch negativ (im Sinne von "Scheiße, ich hab ein halbes Einfamilienhaus versoffen").

    Als ich früher noch eher bescheiden verdient habe, habe ich zum Ende des Monats immer gerechnet, wie viel Geld ich jetzt noch sparen kann und wie viel ich für zwei Abende in der Kneipe übrig habe und wenn mich das Ergebnis in puncto Kneipe nicht überzeugt hat, wurde halt weniger gespart. Also die Erziehung über den Geldbeutel hat bei mir nicht funktioniert.

    War ich früher ein Fan von bestimmten Marken, was Klamotten und Schuhe betrifft, hab ich irgendwann zu edit gewechselt, aber in der Kneipe weiterhin mit Geld um mich geschmissen. Total erbärmlich, aber das ist zum Glück für mich abgehakt und jetzt gibt's wenigstens wieder ordentliche Sneaker. 👟

    Ein weiterer, positiver Aspekt der Abstinenz: Ich bemitleide mich nicht mehr dauernd selbst, dass ich ja ach so wenig verdiene, obwohl ich doch so viel arbeite. Ich verdiene eigtl gar nicht sooo wenig und ich arbeite auch gar nicht sooo viel, es war verkatert nur immer so viel anstrengender als jetzt :D

    VG Soapstar

    Wenn ich mich mit anderen Menschen in meinem Alter vergleiche sehe ich, dass ich an die 15 Jahre geschlafen habe und jetzt da bin wo andere mit 25 sind.

    Hi Theel,

    diese Gedanken kann ich absolut nachvollziehen, aber sie bringen einen halt einfach nicht weiter.

    Klar denkt man oft an dieses "mein Haus, mein Auto, mein Boot" aus der Sparkassen-Werbung, aber das ist auch einfach nicht die Realität. Ich habe auch sehr oft in Bezug auf meine Freunde, die das alles haben, gedacht "schön für euch, dass Ihr keine Probleme habt", ich hatte ja hunderte und musste deswegen trinken (hab ich mir eingeredet)

    Auch die Menschen, die du zum Vergleich nimmst, haben sicher ihre Probleme und nirgends ist immer eitel Sonnenschein. Auch dort gibt es Probleme mit den Finanzen, mit der Gesundheit, mit den Kindern, mit dem Chef oder oder oder, aber damit geht wohl niemand gern hausieren.

    Darum versuche ich mittlerweile, so gut es geht, bei mir zu bleiben und auch mal daran zu denken, dass andere Leute viel weniger haben. Gelingt mir nicht immer, dies muss ich schon zugeben. Aber wenn es gelingt, geht es mir besser. Diese Vergleiche machen wirklich nur unglücklich, weil man sich ja doch meistens "nach oben" orientiert.

    Und mit 40 ist die Türe ja wirklich noch nicht zu, weder beziehungstechnisch noch im Job oder sonstwo. Du kannst Dich weiterbilden, vielleicht nen anderen Job mit mehr Verantwortung finden o.ä., wenn Dir das fehlt. Und wenn Du den Alkohol weglässt, ändert sich sicher auch in Zukunft was an Deiner Eifersucht und Deiner Beziehungsfähigkeit, davon bin ich überzeugt!

    Und wenn die Gedanken partout nicht verschwinden, dann einfach nochmal ne Runde ins Fitnessstudio, das mach ich auch gerade und ich merke dabei, dass mich das auch selbstbewusster macht. Nicht im Sinne von "schaut mich an, ich seh aus wie Cristiano Ronaldo", sondern einfach im Sinne von "ich kann mich tatsächlich wieder zu etwas aufraffen, das wäre vor nem halben Jahr noch undenkbar gewesen ".

    Soweit mal einen schönen Sonntag und einen guten Start in die Woche morgen!

    VG Soapstar

    Hallo Norex,

    Dein Mann ist dann jetzt quasi obdachlos, versteh ich das richtig? Wenn Du sagst, Ihr lebt auf einer Insel und dort lässt man ihn nicht mehr rein?

    Das würde ja zumindest das ausgeschaltete Handy erklären 🤔 also das bringt Dich jetzt nicht weiter in Bezug auf Deine Zukunft mit ihm oder ohne ihn, ich hab auch keinen ultimativen Tipp o.ä.

    Aber vielleicht kannst Du damit wenigstens mal 5 Minuten auf andere Gedanken kommen und etwas durchatmen, das klingt wirklich ungemein belastend! Zum Glück hast Du selbst schon erkannt, dass Dich keine Schuld trifft! Was in unseren alkoholkranken Köpfen vorgeht, wenn wir getrunken haben, wissen wir ja zu einem großen Teil selbst nicht.

    Ich wünsche Dir viel Kraft und alles Gute für eine glückliche Zukunft, wie auch immer die aussehen soll!

    PS: Dass Dein Mann ohne Krankheitseinsicht nichts ändern kann und wird, wurde Dir schon gesagt?

    VG Soapstar

    Ja, etwas unglücklich formuliert.:saint:

    Damit meine ich nicht die materiellen oder persönlichen Schäden, die Familienzerstörung oder sonstige Folgen, die die Sucht hinterlassen hat.

    Okay, dann habe ich das leider falsch verstanden. Daher können meine Beiträge natürlich gern gelöscht werden, wenn unpassend.

    Meine Antwort zeigt dann aber wohl trotzdem deutlich, dass ich zwar abstinent bin, aber noch lange nicht trocken.

    VG Soapstar

    Ich nehme an mit ohne Folgen ist ohne Sucht, körperliche Probleme, Kater etc. halt alles unangenehme.

    So habe ich Hartmuts Frage zumindest verstanden. Also quasi nach dem Schema "gegen Kopfschmerzen nehm ich ne Kopfschmerztablette", warum dann nicht die hypothetische Tablette gegen Alkoholismus. Also ich stehe dazu, dass ich 1000x lieber ein normal Trinkender wäre als ein Alkoholiker. Ich könnte dann ja jederzeit nix trinken, wenn mir danach ist, aber ich könnte auch mal ohne 100 vorige Schei*gedanken abends auf ne Party gehen.

    Ich denke, da unterscheide ich mich nicht von Diabetikern, Allergikern usw., die es auch satt haben, ständig überall aufpassen zu müssen, dass kein Unheil geschieht.

    VG Soapstar

    Diese Tablette würde alle Folgen eliminieren? Also ich würde nicht Haus und Hof versaufen, niemand Nahestehenden beleidigen, mich nicht im komatösen Zustand einpissen und auch nicht in der Zelle aufwachen?

    Dann muss ich ehrlich gestehen: Her damit, ich nehme jeden Freitag eine und kann wieder leben. Ich habe aufgehört wegen der Folgen des Alkoholkonsums. Die Geselligkeit und den Spaß, den das Trinken die ersten paar Stunden gemacht hat, habe ich bis jetzt nicht vergessen 🤷

    Warum sollte ich denn dann nicht wie bei einer anderen Krankheit auch eine verfügbare Medizin nutzen? Dass das alles rein hypothetisch ist, ist mir natürlich schon bewusst.

    Ich habe es hier etwas leichter, da meine Partnerin und ich nicht zusammenwohnen.

    Bei uns läuft das so, dass mein Zuhause alkoholfrei ist, bei ihr ist das nicht möglich, da sie in einer WG wohnt. Darum halten wir uns größtenteils bei mir auf, manchmal geht es aber nicht anders und ich bin auch mal zwei Tage bei ihr.

    Das beschränkt sich aber ausschließlich auf unter der Woche, da habe ich noch nie getrunken und die WG ist auch ausnahmslos berufstätig. Das heißt, hier wird unter der Woche nicht getrunken.

    Wenn sie jetzt am Wochenende mal "Party machen" möchte, dann schläft jeder bei sich und wir sehen uns erst am nächsten Abend wieder, was aber vielleicht 1x im Vierteljahr vorkommt.

    Hoffe, ich habe das Thema überhaupt richtig verstanden 😄

    VG Soapstar

    Also ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte das euch die zockerei am Anfang, wenn man noch so richtig nass hinter den Ohren ist, nicht hilft. Gerade am Anfang sollte man sich doch Gedanken machen, beim zocken schaltet ihr ab und denkt erst wieder über euer Ziel nach wenn die Konsole runterfährt.

    Hi R/no,

    mal blöd gefragt: das würde aber dann auch gelten, wenn ich ein Buch lese, einen Film schaue (Sachen, bei denen ich seit Jahren endlich mal wieder die nötige Konzentration aufbringen kann), Sport mache, Kreuzworträtsel löse oder oder oder...

    Natürlich ist es wichtig und richtig, achtsam zu bleiben, aber ich kann auch nicht nur arbeiten gehen und dann den Rest des Tages denken "ich bin Alkoholiker und muss vorsichtig sein"... da würde ich durchknallen.

    Und auch wenn das jetzt leichtsinnig klingen mag, ich bin ja mehr als nur der "hoffentlich stabil trockene Alkoholiker", ich bin ja immer noch ein Mensch mit anderen Bedürfnissen, Wünschen etc. Klar hat die Abstinenz Priorität 1, aber das heißt ja nicht, dass danach gar nichts mehr kommen darf. Sonst würde ich mich ja fast schon fragen, wozu ich sie dann überhaupt brauche. (Überspitzt gesagt)

    Beim Stadionbesuch und bei Konzerten bin ich ganz bei Dir, zumindest in der Anfangszeit, beim Zocken jetzt eher weniger. Auch wenn meine letzte eigene Konsole ein SNES mit Mario Kart war, ohne 3D 😅

    Soweit mal meine Gedanken dazu, das Thema finde ich echt interessant!

    VG Soapstar

    Hi Theel,

    erstmal ein Hallo und auch alles Gute für deinen Entschluss, mit dem Trinken aufzuhören! Ich bin auch erst seit Kurzem (6 Monate) bei der trockenen Fraktion dabei, aber bis jetzt ist es das Beste, was ich mir "antun" konnte!

    Allerdings möchte ich dir noch eine Art Warnung mit auf den Weg geben: In meiner realen SHG habe ich in der kurzen Zeit, die ich diese besuche, jetzt vermehrt Männer in unserem Alter (bin auch Anfang 40) getroffen, bei denen auch eine Trennung und nicht das eigentliche Alkoholproblem Grund des Besuchs war. Da hat man eigtl aus jeder Silbe rausgehört "Sobald sie mich wieder zurücknimmt, ist die SHG für mich erledigt". Und tatsächlich hab ich bereits zwei davon seit Monaten nicht mehr gesehen und gehe auch davon aus, sie erstmal längere Zeit nicht mehr zu sehen, bis die nächste Trennung im Raum steht.

    Jetzt habe ich bei dir auch häufiger die Begriffe "Beziehung" und "Trennung" gelesen und möchte dir einfach mit auf den Weg geben: Tu es für dich, nicht für deine Ex, nicht für deine nächste Beziehung und auch sonst für niemanden. Du solltest dir jetzt im Moment der wichtigste Mensch sein, gönn dir diesen Egoismus. Alles andere wird sich fügen. Habe hier mal so korrekt gelesen: Du bist die einzige Konstante in deinem Leben, Partner, Kinder und Job können wechseln oder wegfallen. So hart das im 1. Moment klingt, aber das ist einfach richtig. Also, nochmal viel Kraft und alles Gute und einen hilfreichen Austausch!

    VG Soapstar

    Habe 2 Tage gesoffen, saß in Handschellen auf der Polizeirückbank , die mich nach Hause brachten damit ich wohl kein Rad mehr fahre. Das Rad suchte ich dann im Dorf und fand es ``zufällig``. Habe mich beim Imbiss blamiert in dem ich mega Scheiße gelabert habe und wohl auch geweint habe.

    Das mit dem Rückfall tut mir sehr leid für dich. Ich gehöre ja auch zu der Kategorie Säufer, die das Blaulicht schon bei dem 1. Griff zur Flasche magisch anzieht und habe damit schon 1000x gehadert.

    Aber ich verspreche dir, dass auch diese beschissenen Gedanken an den Imbiss etc. wieder vergehen werden und Gras über die Sache wächst. Leider irgendwann sogar so viel, dass einen solche Erlebnisse gar nicht mehr vom Trinken abhalten können und man sie unter Kollateralschaden abheftet. Das wünsche ich dir natürlich nicht, sondern ein Verblassen der Scham- und Schuldgefühle bei gleichzeitiger Beibehaltung der Achtsamkeit vor dem scheiß Alkohol!

    LG und alles Gute, Soapstar

    Trinken tue ich seit ca. 35 Jahren, klar wurde mir das ich Alkoholiker bin als ich mit meiner Frau den elterlichen Betrieb (Gasthaus Brauerei) übernahm.

    Hi Manni,

    ich habe vor vielen, vielen Jahren eine Ausbildung zum Brauer und Mälzer abgeschlossen. Ein eigtl wahnsinnig toller Beruf.

    Habe mir die letzten Monate oft überlegt, ob mich das erst in die Sucht getrieben hat, ob es die Sucht zumindest wahrscheinlicher gemacht hat oder ob es einfach scheißegal ist, was man beruflich macht.

    Bin für mich jetzt zu dem Schluss gekommen, dass es die 3. Variante ist, da ich während der Arbeit nie getrunken habe. Die ständige Verfügbarkeit und der Haustrunk waren natürlich schon eine angenehme Sache, Freitagnachmittag ne Kiste oder zwei in den Kofferraum (8 Kisten Haustrunk hatte ich im Monat) und fertig. Andererseits hätte ich sonst halt noch am Getränkemarkt gehalten, egal, ich wollte jedes Wochenende betrunken sein. Wurst, wo das Bier jetzt herkam.

    Wie oft haben mich Leute gefragt, wie ich dieses oder jenes Bier denn finde oder welches das beste ist. Dann hab ich mir halt jedesmal was aus den Fingern gesaugt, weil ich insgeheim schon wusste, dass meine Sauferei mir gar nicht mehr erlaubt,mich intensiv mit Bier zu beschäftigen, sondern es nur noch Mittel zum Zweck ist.

    Trotzdem würde ich den Beruf immer noch gegenüber irgendwelcher Vorurteile wie "die sind bei der Arbeit bestimmt ständig besoffen" verteidigen. Klar hat der Meister mal z.B. am Filterausgang ein Schlückchen genommen, um den Kohlensäuregehalt zu prüfen, von mir wurde das nie verlangt und mit den heutigen Analysemethoden ist das ja auch nicht mehr nötig.

    Aber in der angeschlossenen Gastro zu arbeiten, wie Du Manni, das stell ich mir dann tatsächlich schwer für jeden vor, der in diese Richtung gefährdet ist. Habe im Laufe der Jahre viele Köche und Kellner kennengelernt und kaum einer davon hatte kein Suchtproblem. Da dürfte tatsächlich die ständige Verfügbarkeit gepaart mit sonstigen Widrigkeiten (andere Arbeitszeiten als alle anderen, Stress pur am Sonntag z.B.) auch eine Rolle spielen. Und trotzde erwischt es manche hier, mache wiederum nicht. Sucht folgt wohl einfach doch keinem Muster.

    Jetzt hab ich genug geplaudert, eigtl wollte ich nur mal Hallo sagen und dir viel Kraft und alles Gute wünschen!

    VG Soapstar

    Ich bin am absoluten Tiefpunkt, so erbärmlich habe ich mich nie gefühlt.

    Hi Marc,

    das "Gute" am absoluten Tiefpunkt war bei mir und sehr vielen anderen, dass man ab dann was ändern kann! Jetzt kann es nur noch aufwärts gehen.

    Ich habe davor auch zwei Jahrzehnte lang gewusst, dass mein Trinkverhalten mehr als nur problematisch ist und dass ich "bald" oder "demnächst" oder "mittelfristig" mal was ändern sollte. Aber erst am absoluten Tiefpunkt wurde daraus ein "heute" und ein "genau jetzt", wie es offensichtlich bei Dir gerade der Fall ist!

    Ich kann nur von mir erzählen, bei mir ist dieser Tiefpunkt erst ein halbes Jahr her, bin also auch immer noch völlig unbedarft, was Trockenheit angeht. Aber aktuell geht es mir sooo gut, wie davor wohl nur als Kind oder als noch nicht trinkender Jugendlicher.

    Endlich mal wieder keine (bzw. fast keine) diffusen Ängste, zwischenmenschlichen und finanziellen Sorgen, Schlafstörungen, depressiven Verstimmungen, Antriebslosigkeit und was weiß ich noch alles, was die Sauferei und die Kater so alles mit sich bringen.

    Natürlich würde ich lügen, wenn ich sagen würde, ich habe die Trinkgelage kein einziges Mal vermisst. Das habe ich gerade anfangs an den Wochenenden wirklich sehr, kann man auch in meinem Faden nachlesen. Aber wenn ich mir heute vor Augen führe, wo mich die Sauferei hingeführt hat (Ausnüchterungszellen, Krankenhäuser, Heimfahrten in Streifenwagen morgens um 8, während die Nachbarschaft Rasen mäht), dann kann ich nur sagen, dass ich dort nie mehr hin möchte!

    Insofern möchte ich dir jetzt nicht unbedingt gleich zum Tiefpunkt gratulieren, aber ich wünsche dir auf jeden Fall, dass er dich jetzt genauso handeln lässt, wie er mich handeln hat lassen. Ich finde, du liest dich entschlossen und eierst nicht rum, darauf lässt sich ganz bestimmt aufbauen!

    Alles Gute und VG Soapstar

    Wer hart arbeitet darf auch mal genießen. Schließlich Arbeitet man und muss auch noch was vom Leben haben.

    Wessen Sichtweise ist das, wenn man fragen darf? Die deines Mannes und seiner Kumpels oder siehst du das auch so?

    Ich dachte leider über zweieinhalb Jahrzehnte auch, dass ich nur was vom Leben habe, wenn ich nach einer "harten Arbeitswoche" (selbst eingeredet) zwei ordentliche Vollräusche mit mir rumtragen darf, sonst kann ich mir ja gleich die Kugel geben.

    Auch die Sache mit dem "Bier gibt's bei allen, komm einfach vorbei" ist bei uns im Ort gleich. Wird so herrlich als "Dorfgemeinschaft" abgetan, im Grunde sind es halt tolle Möglichkeiten, sich mit anderen Alkoholikern zu betrinken, ohne seinem Problem ins Auge sehen zu müssen. "Die anderen sind genauso oder noch schlimmer", kein Grund zur Sorge, alles prima :(

    Unsere Geschichten der Alkoholiker sind irgendwie so vielfältig, aber auf der anderen Seite tatsächlich auch erschreckend gleich.

    VG Soapstar

    was war dein Tiefpunkt?Meiner Jobverlust, Gesundheit immer kaputter, Frau fast weg, Anzeigen, enorme Kosten,Entzüge und Kater ohne Ende. Einfach jeder Berich des Lebens im Arsch.

    Die Anzeigen, enormen Kosten und Kater kenne ich leider auch, aber die sind für mich tatsächlich, so blöd das klingt, schon irgendwie zur Gewohnheit geworden. Die waren halt da und haben mich leider gar nicht mehr beeindruckt. Dass ich montags total im Arsch bin, physisch und psychisch, was soll's, darum hasst man ja Montage. Dass ich ein Einfamilienhaus versoffen habe statt drin zu wohnen, war mir irgendwie auch egal.

    Mein persönlicher Tiefpunkt war tatsächlich folgender: Mir wurde auf offener Straße ein Schlagstock über den Kopf gezogen, was ich vor lauter Rausch aber nicht mehr wusste. Bin blutüberströmt in nem Krankenwagen auf der Fahrt in die Klinik zum Nähen zu mir gekommen und wusste überhaupt nicht, was passiert ist. Das erfuhr ich erst zwei Tage später aus der Zeitung bzw. von der Polizei. Da dachte ich mal wieder "es muss sich IRGENDWIE IRGENDWANN mal was ändern".

    Nun zum eigentlichen Tiefpunkt: Trotz der o.g. Geschichte habe ich es nur ein Wochenende geschafft, nichts zu trinken. 14 Tage später, die Fäden waren gerade gezogen, habe ich mich mit einem Kumpel in der Kneipe getroffen. Ich weiß noch, wie ich auf dem Weg dorthin dachte "heute endet aber alles normal", ich dachte wirklich, ich hätte da noch irgendeinen Einfluss darauf.

    Das Ende vom Lied: Kumpel ging irgendwann heim, weil er müde war. Ich war auch schon ziemlich fertig, musste aber (damals dachte ich, ich wollte, jetzt weiß ich, dass ich musste) noch weitertrinken. Schließlich wurde ich von Passanten irgendwo im Gebüsch schlafend gefunden, die die Rettung oder die Polizei gerufen haben, weil ich nicht weckbar war. Zusätzlich hatte ich mich noch von oben bis unten eingepisst.

    Da lag bzw irgendwann stand ich dann, schwankend und mit vollgepisster Hose und lauter mir fremde Leute (es waren letztendlich Polizei und Rettung da) beratschlagten, was mit mir jetzt zu tun sei, ich sei total dreckig und eingepisst und keiner wollte mich im Auto haben. Sie einigten sich schließlich drauf, mir ein Taxi zu rufen und den Taxifahrer bereits vorzuwarnen, dass er was mitbringen soll, um seine Sitze sauberzuhalten. Dies mitzubekommen, war so dermaßen entwürdigend und peinlich, dass ich noch an Ort und Stelle hemmungslos zu heulen anfing, wofür ich auch noch ein "diese Besoffenen kotzen sie so an" einer Polizistin kassierte.

    Und am nächsten Tag dachte ich zum allerersten Mal in meinem Leben, dass sich nicht mehr IRGENDWIE IRGENDWANN, sondern noch GENAU HEUTE etwas ändern muss. Habe noch an diesem Tag nach den AA gegoogelt, wo zum Glück schon am Tag darauf ein Meeting stattfand. Zum Glück, muss ich sagen, denn wenn das erst in drei oder vier Tagen gewesen wäre, hätte ich das Ganze wahrscheinlich schon wieder unter "passiert halt" gespeichert und würde heute noch trinken.

    Lange Rede, kurzer Sinn, seit diesem Tag habe ich dieses Meeting wöchentlich besucht, manchmal besuche ich noch ein zweites, wenn es zeitlich von der Arbeit her passt. Und seitdem musste ich bis heute keinen Tropfen mehr trinken. Das Ganze ist jetzt ungefähr ein halbes Jahr her.

    VG Soapstar