was war dein Tiefpunkt?Meiner Jobverlust, Gesundheit immer kaputter, Frau fast weg, Anzeigen, enorme Kosten,Entzüge und Kater ohne Ende. Einfach jeder Berich des Lebens im Arsch.
Die Anzeigen, enormen Kosten und Kater kenne ich leider auch, aber die sind für mich tatsächlich, so blöd das klingt, schon irgendwie zur Gewohnheit geworden. Die waren halt da und haben mich leider gar nicht mehr beeindruckt. Dass ich montags total im Arsch bin, physisch und psychisch, was soll's, darum hasst man ja Montage. Dass ich ein Einfamilienhaus versoffen habe statt drin zu wohnen, war mir irgendwie auch egal.
Mein persönlicher Tiefpunkt war tatsächlich folgender: Mir wurde auf offener Straße ein Schlagstock über den Kopf gezogen, was ich vor lauter Rausch aber nicht mehr wusste. Bin blutüberströmt in nem Krankenwagen auf der Fahrt in die Klinik zum Nähen zu mir gekommen und wusste überhaupt nicht, was passiert ist. Das erfuhr ich erst zwei Tage später aus der Zeitung bzw. von der Polizei. Da dachte ich mal wieder "es muss sich IRGENDWIE IRGENDWANN mal was ändern".
Nun zum eigentlichen Tiefpunkt: Trotz der o.g. Geschichte habe ich es nur ein Wochenende geschafft, nichts zu trinken. 14 Tage später, die Fäden waren gerade gezogen, habe ich mich mit einem Kumpel in der Kneipe getroffen. Ich weiß noch, wie ich auf dem Weg dorthin dachte "heute endet aber alles normal", ich dachte wirklich, ich hätte da noch irgendeinen Einfluss darauf.
Das Ende vom Lied: Kumpel ging irgendwann heim, weil er müde war. Ich war auch schon ziemlich fertig, musste aber (damals dachte ich, ich wollte, jetzt weiß ich, dass ich musste) noch weitertrinken. Schließlich wurde ich von Passanten irgendwo im Gebüsch schlafend gefunden, die die Rettung oder die Polizei gerufen haben, weil ich nicht weckbar war. Zusätzlich hatte ich mich noch von oben bis unten eingepisst.
Da lag bzw irgendwann stand ich dann, schwankend und mit vollgepisster Hose und lauter mir fremde Leute (es waren letztendlich Polizei und Rettung da) beratschlagten, was mit mir jetzt zu tun sei, ich sei total dreckig und eingepisst und keiner wollte mich im Auto haben. Sie einigten sich schließlich drauf, mir ein Taxi zu rufen und den Taxifahrer bereits vorzuwarnen, dass er was mitbringen soll, um seine Sitze sauberzuhalten. Dies mitzubekommen, war so dermaßen entwürdigend und peinlich, dass ich noch an Ort und Stelle hemmungslos zu heulen anfing, wofür ich auch noch ein "diese Besoffenen kotzen sie so an" einer Polizistin kassierte.
Und am nächsten Tag dachte ich zum allerersten Mal in meinem Leben, dass sich nicht mehr IRGENDWIE IRGENDWANN, sondern noch GENAU HEUTE etwas ändern muss. Habe noch an diesem Tag nach den AA gegoogelt, wo zum Glück schon am Tag darauf ein Meeting stattfand. Zum Glück, muss ich sagen, denn wenn das erst in drei oder vier Tagen gewesen wäre, hätte ich das Ganze wahrscheinlich schon wieder unter "passiert halt" gespeichert und würde heute noch trinken.
Lange Rede, kurzer Sinn, seit diesem Tag habe ich dieses Meeting wöchentlich besucht, manchmal besuche ich noch ein zweites, wenn es zeitlich von der Arbeit her passt. Und seitdem musste ich bis heute keinen Tropfen mehr trinken. Das Ganze ist jetzt ungefähr ein halbes Jahr her.
VG Soapstar