Beiträge von TochterXY

    Hallo Pia,

    Dein Text hätte auch von mir sein können. Mein Vater ist mit Korsakow in einer Pflegeinrichtung und ich kämpfe seit Jahren damit, einen für mich gesunden Umgang damit zu finden.

    Und mich hier anzumelden und zu merken, dass es so vielen ähnlich geht, hat mir schon sehr geholfen.

    Wenn Dein Vater zusätzlich zum Alkoholkonsum nicht gegessen hat, steht die Diagnose bei ihm ja eventuell auch im Raum. Das macht es dann nicht unbedingt leichter. Aber wenn er aufgrund der Erkrankung nicht mehr alleine leben kann und auch stationär untergebracht werden muss, wird Dir langfristig zumindest die Sorge genommen, dass er sich zu Hause weiter selbst schadet.

    Mein Vater war teilweise auch sehr engagiert, hat sein Möglichstes für mich getan. Aber sein persönliches Vergnügen war auch sehr oft wichtiger als ich und mein Wohlbefinden. Das musste ich doch verstehen. Als Kind. Klar. Als wir seine Wohnung aufgeräumt haben, habe ich Briefe von mir an ihn gefunden, in denen ich ihm verspreche, mehr Verständnis für ihn und seine Bedürfnisse aufzubringen. In der Schrift und mit den Schreibfehlern einer Grundschülerin. Waren ganz bestimmt meine Worte und nicht durch ihn eingeimpft *Ironie off*.

    Und genauso wie Du, habe ich mir als Erwachsene auch immer Sorgen um ihn gemacht. Dass ihm mal was passiert. Hatte ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht genug Zeit hatte, ihm hinterherzutelefonieren.

    Es ist erstaunlich, wie sich die Charakterzüge der EKA ähneln. Das wirst Du sicher merken, wenn Du hier ein bisschen liest.

    Ich persönlich war letztes Jahr nach einer erneut alles andere als schönen Begegnung an dem Punkt, an dem ich den Kontakt völlig abgebrochen habe. Und es ging mir das erste Mal seit Jahren richtig gut. Keine Angst vor dem nächsten Besuch, bei dem er in Endlosschleife hören will, dass ich glücklich bin und damals ja alles soooooo toll mit uns war. Aber mit der Zeit verfliegt der Gram. Die Wunden beginnen zu heilen und man denkt an das, was schön war. Dann meldet sich das schlechte Gewissen. Und die Angst, dass man den Kontaktabbruch irgendwann bereut. Dann versucht man es wieder. Es ist unschön. Und das Ganze fängt wieder von vorne an. Man ist gefangen in einem ständigen Wechsel aus Erleichterung, Zuversicht und schlechtem Gewissen.

    Ich hoffe, Dir gelingt es schnell, mit der Situation umzugehen und Dich auch innerlich abzugrenzen. Du bist nicht für das Glück Deines Vaters verantwortlich. Du hast dafür gesorgt, dass er (medizinische) Hilfe bekommt und mehr kannst Du nicht tun.

    Alles Gute für Dich und herzliche Grüße

    Hallo Anthurie ,

    mir geht es soweit ganz gut und es freut mich sehr, dass Du bei Deiner Reise zu Dir selbst große Fortschritte zu machen scheinst. Mit sich selbst im Reinen zu sein und der damit verbundene innere Frieden ist etwas, was ich jedem von Herzen wünsche <3 . Und wenn das mit einer Verbesserung der anderen zwischenmenschlichen Beziehungen einhergeht, umso besser :) .

    Dass Du selbst Dich im Nachhinein als manipulativ beschreibst, überrascht nach dem, was Du so über Deine Kindheit geschrieben hast nicht. Kinder lernen nicht aus dem, was ihnen erzählt, sondern von dem, was ihnen vorgelebt wird. Und wenn das manipulatives Verhalten ist, übernehmen das Kinder natürlich als "normal". Daher, glaubst Du, dass Du als Kind wirklich bewusst die "Ich bin brav und Du undankbar Schiene" gefahren bist und es nicht eher das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit (um die Du bei Deinen Eltern immer kämpfen musstest, wenn ich mich richtig erinnere) und Harmonie war und der Vorwurf der Undankbarkeit eher Enttäuschung oder teilweise gar Verzweiflung?

    Der Übergang zwischen bewusstem Manipulieren und dem Handeln aufgrund des "people plaesing", das uns ja häufig das Leben schwer macht, ist teilweise bestimmt fließend.

    Bei mir war in der Teeniezeit zwischen 14 und 19 leider genau das Gegenteil der Fall. Nachdem ich ein total "braves" Kind war, bin ich in der Pubertät zu einem totalen Egoisten mutiert. Grenzen kannte ich kaum und habe ja früh gelernt, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist. Es gab ein paar Menschen, die habe ich aus tiefstem Herzen geliebt und hätte alles für sie gegeben aber der Rest war mir völlig gleichgültig. Als ich dann erwachsen wurde und weit weg gezogen bin, hat sich das Gott sei Dank gegeben. Jetzt tendiere ich wieder zum Gegenteil und es ist furchtbar schwer, eine Balance zu finden zwischen absolutem Egoismus und völliger Anpassung mit dem Bedürfnis, alle anderen von vorne bis hinten zufriedenzustellen. Wie schwer das erst sein muss, wenn man wie Du EKA UND co-abhängig ist, kann ich mir nicht mal ansatzweise vorstellen .


    Nachdem ich die letzten Wochen wieder in einem Strudel gelandet bin, in dem ich mehr oder weniger an nichts anderes mehr denken konnte als den Umgang mit meinem Vater, was wozu geführt hat und die ganzen "Hätte", "Könnte" und "Würde"s, habe ich wieder gemerkt, dass sich das nicht nur psychisch sondern auch physisch auswirkt und versucht, die Reißleine zu ziehen.

    Ich habe mir dann wirklich selbst "STOP" gesagt, wenn die Gedanken zu dem Thema wandern wollten und bewusst an IRGENDWAS anderes gedacht (Laub an den Bäumen, ein Krümel auf dem Tisch, völlig egal was). Und das hat tatsächlich geholfen. Am Anfang war das super schwer aber man bekommt schnell Übung und es wird leichter.

    Ab und zu lasse ich die Gedanken zu und habe angefangen, sie aufzuschreiben aber ich versuche zu bestimmen, wann. Das scheint zumindest mir momentan zu helfen :) .

    Anthurie Es tut mir so leid, dass Du Dir als Kind um solche Dinge Gedanken machen musstest. Eigentlich hätten ja Deine Eltern diejenigen sein sollen, deren großes Bestreben es ist, immer den Kontakt zu ihrem Kind aufrecht zu erhalten. Da klingt das dann natürlich einleuchtend, dass das sich heute so bei Dir auswirkt, dass Du immer denkst, Du musst Dich darum kümmern, dass der Kontakt zu niemandem abreißt, der Sir wichtig ist.

    Bei mir ist glaube ich das Problem, dass ich niemanden verärgern will. Als Kind wusste ich wahrscheinlich nie, woran ich bin, da mein Vater nüchtern und alkoholisiert völlig unterschiedliche Menschen waren. Und ich wollte abends nicht allein sein (tagsüber hat mir das nichts ausgemacht) . Und dachte wahrscheinlich, wenn ich besonders brav bin, bleibt er zu Hause.

    Und so möchte ich auch heute noch immer "besonders brav" sein und versuche, es allen möglichst leicht und angenehm zu machen.

    Meine Freunde, für die ich sehr dankbar bin (ich habe nur ein paar aber die schon seit über 20 Jahren), sind da Gott sei Dank auch sehr "pflegeleicht".

    Es ist total selbstverständlich, dass sich der ein oder andere mal eine Weile ausklinkt, weil gerade viel los ist. Man macht dann einfach da weiter, wo man aufgehört hat.

    Da bin wieder ich das Problem. Ab und zu, wenn ich vielleicht am Telefon mal kurz angebunden war oder wir doch mal anderer Meinung waren, habe ich nach dem Gespräch das Bedürfnis, mich zu entschuldigen. Und höre dann ein "Alles gut, wir wissen doch beim Anderen, wie es gemeint ist" .

    Und trotzdem kann man es einfach nicht ablegen.

    Aber wie Du sagtest, die anderen sind auch schon groß. Und wenn einem etwas wichtig ist, spricht man es an. Und wenn nicht, kann man dem anderen zumindest nicht vorwerfen, dass er keine Gedanken lesen kann.

    Also sollten wir wahrscheinlich "einfach" immer davon ausgehen, dass alles in Ordnung ist, so lange uns niemand etwas anderes sagt. Und uns sagen, dass immer beide Seiten dafür verantwortlich sind, dass ein Miteinander funktioniert.

    Hallo TochterXY,

    Schön, dass Du Dich entschieden hast hier zubleiben.

    Du bist nur für Dich hier und das Gefühl, nichts zurückgeben zu können, kenne ich. Ging mir am Anfang hier auch so.

    Ich hab zu meinem Vater zur Zeit keinen direkten Kontakt, aber ich werde den Kontakt nicht dauerhaft bleiben lassen. Ich nehme mir schlicht die Zeit, die ich für mich brauche, um mich zu sortieren und dann werde ich meinen Vater wieder besuchen gehen. Spätestens zu Weihnachten und nicht allein. Wie ich danach weiter mache, entscheide ich erst, wenn ich die "Nachwirkungen" meines Besuches geklärt habe. Ich schau einfach Schritt für Schritt.

    Das schlechte Gewissen kenne ich zu gut. Manchmal ist es stärker da und manchmal weniger. Bei mir ist es nie ganz weg, aber da mich das schlechte Gewissen nicht umbringt, läuft es als Hintergrundprogramm mit. Meine Prägung ist da sehr massiv und da ich das weiß, nehme ich das so hin und versuche, das schlechte Gewissen nur zur Kenntnis zu nehmen und nicht zu bewerten.

    Dann wünsche ich dir von Herzen, dass das nächste Treffen ein gutes ist. Vielleicht finde ich auch irgendwann wieder den Mut. Wahrscheinlich muss man sich immer wieder sagen, dass nichts in Stein gemeißelt ist und man nie eine endgültige Entscheidung treffen muss.

    Das mit dem dauerhaft schlechten Gewissen kommt mir bekannt vor.

    Bei mir geht das so weit, dass ich Dinge denke wie "Ich hab heute die eine Freundin angerufen und die andere schon seit einem Monat nicht mehr? Um Himmels willen, das geht nicht, es muss ja alles immer schön ausgewogen sein, sonst behandelt man ja eine Person schlechter als die andere..." und bumms, schlechtes Gewissen. Um nur ein Beispiel zu nennen. Eigentlich völlig bescheuert. Aber trotzdem immer da. Und auch wenn es immer nur ganz leide mit einem schimpft, empfinde ich das trotzdem als sehr anstrengend und hoffe für uns beide (und natürlich auch alle anderen, die es betrifft), dass aus dem Hintergrundprogramm igendwann eines wird, das sich stoppen oder deinstallieren lässt, um bei Deinem treffenden Bild zu bleiben.

    Vielen Dank für das Teilen Deiner Erfahrung, ich werde mir das zu Herzen nehmen und das mit den Briefen noch versuchen.

    Tatsächlich war es bei mir fast genauso. Bei anderen konnte er sich anfangs IMMER gut zusammen reißen und bei mir war es tagesformabhängig. Meist war er zwar vergesslich aber der Mensch, den ich so schmerzlich vermisse und manchmal hat er mich dafür rund gemacht, wie sein Leben jetzt aussieht. Leider hat sich das Verhältnis immer mehr verschoben und jetzt ist er den anderen gegenüber völlig gleichgültig und bei mir freut er sich ganz kurz um dann ins Gegenteil zu kippen.

    Ich habe auch schon diverse "Stufen" durchlaufen, von regelmäßigem Kontakt über sporadischen (immer erst dann wieder, wenn ich den letzten Besuch verdaut hatte und mich wieder stark genug gefühlt habe, ggf. auch wieder einzustecken) bis zu dem letzten Kontaktabbruch vor einem dreiviertel Jahr. Und bis auf das schlechte Gewissen und die Angst, es irgendwann zu bereuen funktioniert das für mich bisher als einzige Variante gut. Jetzt arbeite ich mit Eurer Unterstützung am schlechten Gewissen 🙂 .

    Dir auch alles erdenklich Gute 🍀

    Ist bei mir ähnlich .. Ich lese aber tatsächlich sehr viel hier, meistens abends. Auch die Geschichten der Alkoholiker um auch zu verstehen, wieso manchmal dieser Weg eingeschlagen worden ist und wie kraftvoll sich die Menschen aus der Sucht heraus gekämpft haben.

    Das was Elly schon schrieb, ich konnte aufatmen nach dem Kontaktabbruch zu meiner Mutter. Mein Mann und meine Schiwegereltern haben mir Kraft und Rückhalt gegeben. Ich weiß, dass es ihr dort in der Einrichtung gut geht und das ist dann mein kleiner „Seelenfrieden“.

    Es freut mich, dass Du so viel Rückhalt in Deiner Familie hast . Und Du Deinen Weg gefunden hast ❤️ .

    Ich merke tatsächlich auch, dass mir das Lessn hier sehr hilft. Und dass mein Mann und mein Kind nicht müde werden mir zu sagen, dass meine Entscheidung die richtige war und ich es dabei belassen soll. Wenn nur diese Stimme in meinem Kopf nicht wäre, die immer wieder das Gegenteil flüstert...

    Aber ich hoffe, dass es mir mit der Zeit auch gelingt, zwar nicht glücklich mit der Situation zu sein aber zumindest zu akzeptieren, dass ich nichts daran ändern konnte oder kann und ich auch an mich denken muss.

    Auch ich habe den Kontakt vor Jahren zu meinem Vater abgebrochen, weil er mir nicht mehr gut tat.

    Erst war es schwierig, doch jetzt überwiegt die Erleichterung!

    Man ist nicht gezwungen auf Gedeih und Verderb den Kontakt zu halten, nur weil es Familie ist, XY.

    Du darfst da ruhig etwas egoistischer denken. Denn gedankt wird es Dir nicht, wenn Du Dich aufopferst.

    Es freut mich sehr zu lesen, dass Du für Dich den richtigen Weg gefunden hast und es sich jetzt gut und richtig anfühlt.

    Hattest Du zwischendurch Zweifel? Wie hast Du es geschafft, "durchzuhalten"?

    (Gesunder) Egoismus ist scheinbar etwas, was den meisten hier aufgrund der Erziehung schwer fällt und erst mühsam erlernt werden muss. Nicht nur aber gerade in Bezug auf die Familie. Aber dank des vielen Zuspruches bin ich optimistisch, dass das gelingen kann :) .

    Und damit, dass Aufoperung nicht gedankt wird, hast Du sicher auch Recht. Meistens wird man ja auch gleich abgekanzelt, wenn das was man sich mühsam abringt, "nicht genug" ist.

    Hallo Simsalabim ,

    mein Beileid zu Deinem Verlust. Auch wenn das Verhältnis schwierig ist, bleiben es ja die Eltern und der (erneute, diesmal endgültige) Verlust schmerzt.

    Das mit der Rebellion des Körpers kenne ich nur zu gut. Eine Woche vor dem geplanten Besuch ging es mit Kopfschmerzen los und mit einem fiebrigen Krankheitsgefühl weiter, so als würde man etwas ausbrüten. Ich wurde aber nie "wirklich" krank und ein paar Tage nach dem Besuch ist es dann wieder verschwunden. Bis zum nächsten Mal. Das war dann der ausschlaggebende Punkt.

    Wie bist Du mit der Situation umgegangen? Und wenn Du den Kontakt abgebrochen hast, bereust Du es jetzt? Das ist eine meiner größten Ängste, dass ich iegendwann da stehe und denke "Ach hättest Du doch mehr Zeit mit ihm verbracht" .

    Liebe Grüße

    Hallo Mariexy , das ist sicher eine gute Idee! Ich habe schon viel in meinem Leben geändert, habe mit 15 mit dem Rauchen angefangen und mit 26 aufgehört. Das ist jetzt 16 Jahre her. Habe meine ausgeprägte Spinnenphobie überwunden und ein paar andere Dinge radikal geändert.

    Aber das Lossagen von einem Elternteil, das einem nicht gut tut (gelinde gesagt), schafft man glaube ich auch mit dem stärksten Willen nicht ganz allein. Zumindest bin ich daran ja schon mal offensichtlich bisher gescheitert...

    Daher ist Deine Unterstützung sicher eine große Hilfe. Man kann gar nicht oft genug hören, dass es einfach Situationen gibt, in denen das okay ist. Dass man auch an sich denken kann. Dass die Entscheidungen der Eltern ja letztendlich zu der Situation geführt haben, in denen man keinen anderen Ausweg mehr sieht als den Kontaktabbruch.

    Und dass wir, egal, was die Gesellschaft sagt, nicht auf Gedeih und Verderb für unsere Eltern verantwortlich sind.

    Ich versuche mir immer vorzustellen, wie es umgekehrt wäre. Und das allerwichtigste der Welt ist für mich, dass es meinem Kind gut geht und es glücklich ist. Egal, was das für mich bedeuten würde. Und so sollte es bei JEDEM Elternteil sein. Ich weiß, das mein Vater das in seinem, in keiner Weise vom Alkohol getrübten Zustand genauso gesehen hat. Nüchtern hat er immer zu mir gesagt, ich soll auf mich achten und mein Glück solle für mich an erster Stelle stehen. Ironischer Weise sind solche Dinge gerade die, die mir ein Loslassen bisher unmöglich machen.

    Jedenfalls wünsche ich Dir und Deiner Freundin alles Gute und dass Euch die Gegenseite Unterstützung bei der Bewältigung Eurer Probleme hilft.


    Liebe Grüße

    Danke, Elly . Mir fällt das leider sehr schwer. Ich helfe gerne und wo ich kann, tu mich aber sehr schwer damit, selbst Hilfe anzunehmen. Ist vielleicht auch Teil des Problems. Jedenfalls bin ich sehr dankbar und hoffe, irgendwann auch so viel zu verstehen, dass ich das an andere weitergeben kann :-).

    Hallo Anthurie ,

    auch Dir vielen Dank für Deine Nachricht. Zu lesen, dass Du die gleichen Dinge fühlst, die mich selbst ratlos und teilweise verzweifelt werden lassen, tut mit sehr leid. Wenn ich das richtig verstehe, entscheidest Du Dich hin und wieder, Deinen Papa zu besuchen? Wenn ja hoffe sehr, dass es sich manchmal "lohnt", dass Du Deine Angst überwunden hast und Du hin und wieder der Person gegenüber sitzt, die Du erst an den Alkohol und dann an das Vergessen verloren hast. Wenn nein hoffe ich, dass Du irgendwann die Kraft hast, Dich nicht mehr zurückwerfen zu lassen und ein neues Leben ohne ihn zu beginnen.

    Ich bin ganz ehrlich, ich habe heute schon darüber nachgedacht, die Gemeinschaft hier wieder zu verlassen. Die vielen lieben und Mut machenden Nachrichten, die vielen tollen Menschen, die alle ihren Kampf mit sich selbst (im Falle des Versuches, trocken zu werden), der Vergangenheit und der Gegenwart. Und die vielen Texte, bei denen ich das Gefühl habe, jemand hat meine Gedanken, die ich selbst nicht ordnen kann - weil es einfach zu viele, zu widersprüchliche sind - aufgeschrieben. Und dann sitze ich hier und schäme mich, weil ich niemandem helfen und nichts zurück geben kann.

    Aber ich traue mich einfach mal und bleibe hier :) .

    Viele liebe Grüße

    Landliebe : Wahrscheinlich begleiten einen diese Erfahrungen und Gefühle ja das ganze Leben... Umso wichtiger, es irgendwie zu verarbeiten.

    Ich bin erst heute auf diese Website gestoßen und muss ganz ehrlich sagen, dass es wirklich schon hilft zu wissen, dass man nicht allein ist. Und dass es tatsächlich Menschen gibt, die einen nicht sofort verurteilen, wenn man an einem Punkt angelangt ist, an dem man sich dafür entscheiden möchte, dem eigenen Leben und dem eigenen Frieden Priorität einzuräumen. Überall liest man immer nur, dass man verbale Angriffe von Korsakow-Dementen nicht persönlich nehmen soll, da das Teil der Krankheit ist. Ich bewundere jeden Angehörigen der das kann sehr dafür und wünschte, ich könnte das auch. Nach 8 Jahren muss ich mir allerdings eingestehen, dass ich das leider nicht kann. Und ich denke und hoffe zu merken, dass man doch Grenzen hat ist schon mal ein erster Schritt.

    Puh, über mich selbst gibt es eigentlich nicht viel zu erzählen. Da mein Vater sehr extrovertiert und ständig auf Parties und in Discos war und meine Freundinnen damals total neidisch waren (und ich mich halb totgeschämt habe, wenn er mal wieder im Jugendclub oder so aufgetaucht ist), weil ich immer schon mit 14 so lange weg bleiben durfte, wie und wo ich wollte und auch sonst eigentlich keinerlei Regeln einhalten musste, bin ich jetzt das komplette Gegenteil (Ich bin ein pedantischer Ordnungsfreak, habe einen extrem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, halte mich an alle Regeln und bin eine strenge Glucke und habe einen tollen, super bodenständigen Ehemann :) . )

    Ich habe meine Freundinnen immer um ihre "nervigen" Eltern beneidet. Um ihre "spießigen" Zuhause. In meiner Familie gab es Gott sei Dank auch solche Vorbilder, bei denen ich sehr viel Zeit verbracht habe und auch meine Mama war relativ streng.

    Das wusste ich damals voll in der Pubertät leider nicht zu schätzen und würde ihr das heute gerne jeden Tag sagen, zumal das unser Verhältnis damals doch teilweise sehr belastet hat.

    Im Großen und Ganzen weiß ich natürlich, dass ich Glück gehabt habe und es vielen Kindern alkoholkranker Eltern viel, viel schlechter geht.

    Trotzdem habe ich das Gefühl, den für mich so wichtigen Kontaktabbruch allein nicht zu schaffen, weil ich denke, ich hätte mehr machen müssen um ihn rechtzeitig aus diesem Sumpf herauszuziehen und ihn auch jetzt wieder im Stich lasse. Und dass es ihm besser ginge und wir vielleicht doch zumindest erträgliche Treffen haben könnten, wenn ich mir einfach mehr Mühe geben würde.

    Wenn Dir der Vorstellungstext so bekannt vorkam, haben wir ja vielleicht auch hier einiges gemeinsam? Ich hoffe, Du hast tolle Menschen in Deinem Umfeld, die für Dich da sind.

    Liebe Grüße

    Vielen herzlichen Dank für die liebe Aufnahme hier im Forum!

    Landliebe : Das tut mir sehr leid zu lesen :cry:. Ich hoffe, Du hast schon gelernt, irgendwie damit umzugehen und Deinen Frieden mit der Situation machen können (soweit das überhaupt möglich ist) .


    @Linde: Auch Dir vielen Dank für Deine Worte. Das hat mich beim Lesen anderer Vorstellungstexte auch wirklich überrascht, dass man sich und seine eigenen Gedanken in vielem wiedererkennt. Und vor allem, dass man zwar vielleicht in seinem Umfeld allein mit dem Problem ist aber es so viele Menschen gibt, denen es (leider) genauso geht.


    Liebe Grüße

    Mein Vater hat so lange ich denken kann ein Alkoholproblem. Nie "harte Sachen" und nicht immer bis zum Absturz aber dafür sehr kontinuierlich. Meine Eltern haben sich getrennt als ich ein Kind war und ich habe auch bei ihm gelebt. Wie wenig er für mich da war (feiern war wichtiger) habe ich erst begriffen als ich selbst Mutter geworden bin.

    Er war ein guter Mensch - wenn er nüchtern war. Für die Person, die er unter Alkoholeinfluss war, habe ich mich immer geschämt. Später war ich dann auch ganz gerne mal der Prellbock, wenn er betrunken war und jemanden zum stänkern gebraucht hat. Etwas ändern wollte er nicht, er hatte ja schließlich kein Alkoholproblem.

    Der Kontakt wurde dann immer seltener, weil ich das nervlich einfach nicht mehr ausgehalten habe und mich um mein Kind kümmern musste. Ich habe ihn immer wieder gebeten, doch mal zum Arzt zu gehen oder sich sonst helfen zu lassen und angeboten, ihn zu begleiten. Meistens wurde er dann sehr ärgerlich und diese Konsequenz schien mir die einzig richtige zu der Zeit.

    Dann verstarb meine meine Mutter an Krebs. Kurz darauf kam mein Vater aufgrund seines Alkoholkonsums in die Psychiatrie, wo dann Korsakow diagnostiziert wurde. Nach einigen Wochen konnten wir ihn in einer guten Rehaeinrichtung unterbringen.

    Neben Beruf, kleinem Kind und Haushalt die ständige Fahrerei und die seelische Belastung (ich war kaum aus dem Krankenhaus raus, klingelte schon das Telefon, wann ich wieder käme) führten dazu, dass ich mein eigenes Leben immer weniger im Griff hatte und eigentlich nur noch gereizt war.

    Meinem Kind zuliebe habe ich mich an einen Psychologen gewandt, der eine Belastungsdepression diagnostizierte und bei dem ich eine Weile in Behandlung war. Dabei musste ich erkennen, dass die Dinge, die mir mein Leben schwer machen, durch die Alkoholsucht begründet wurden. Der extreme Perfektionismus, der Drang, es allen immer Recht zu machen, das ständige "scannen" meiner Mitmenschen auf deren Stimmung und Bedürfnisse, das Bedürfnis nach ständiger Kontrolle usw. Das ist jetzt ca. 8 Jahre her.

    Mit meinem Vater darüber sprechen, konnte ich leider nicht. Ich möchte ihn nicht aufwühlen, wenn es eh nichts bringt. Seine Wahrnehmung unserer gemeinsamen Zeit hat leider nichts mit der Realität zu tun. Ständig möchte er von mir hören, wie toll alles zwischen uns war. In der nächsten Sekunde ist er stinksauer, weil ich ja schuld bin, dass er da ist und nicht zuhause.

    Dann hatte er anfangs lichte Momente, in denen er sich entschuldigt hat, dass er mir so viel Kummer bereitet. Das hat mich durchhalten lassen. Da war er für kurze Zeit der Mensch, der er früher war, wenn er nichts getrunken hatte. Und der Mensch, den ich so vermisse und ja auch lieb habe.

    Leider hat er diese Momente schon seit ein paar Jahren nicht mehr. Und wurde immer fieser zu mir. Wenn ich ihn besucht habe, hat er sich die ersten 5 Minuten gefreut und dann hat sich sein Gesichtsausdruck und seine Körperhaltung verändert und er war nur noch gemein.

    Das führte dazu, dass es mir eine Woche vor dem nächsten geplanten Besuch schon körperlich schlecht ging und ich danach auch ein paar Tage brauchte, um wieder "hergestellt" zu sein. Letztes Jahr habe ich dann den Kontakt abgebrochen. Seitdem geht es mir so viel besser.

    Ich vermisse ihn wieder und kann mich auf die schönen gemeinsamen Dinge, die es gab, konzentrieren. Davor habe ich ihn teilweise wirklich gehasst. Und das möchte ich nicht. Das hat er nicht verdient. Aber das schlechte Gewissen fängt regelmäßig an, an mir zu nagen und je länger die letzte Begegnung her ist, desto häufiger denke ich, ich könnte es ja wieder versuchen. Weil man doch den Kontakt zu seinen Eltern nicht abbricht. Und weil er mich ja jetzt braucht.

    Das war jetzt für eine Vorstellung wahrscheinlich viel zu viel Text8| . Das war so gar nicht geplant. Aber jetzt ist er da und ich schicken das einfach mal so ab.

    Liebe Grüße in die Runde,

    XY