Hallo Pia,
Dein Text hätte auch von mir sein können. Mein Vater ist mit Korsakow in einer Pflegeinrichtung und ich kämpfe seit Jahren damit, einen für mich gesunden Umgang damit zu finden.
Und mich hier anzumelden und zu merken, dass es so vielen ähnlich geht, hat mir schon sehr geholfen.
Wenn Dein Vater zusätzlich zum Alkoholkonsum nicht gegessen hat, steht die Diagnose bei ihm ja eventuell auch im Raum. Das macht es dann nicht unbedingt leichter. Aber wenn er aufgrund der Erkrankung nicht mehr alleine leben kann und auch stationär untergebracht werden muss, wird Dir langfristig zumindest die Sorge genommen, dass er sich zu Hause weiter selbst schadet.
Mein Vater war teilweise auch sehr engagiert, hat sein Möglichstes für mich getan. Aber sein persönliches Vergnügen war auch sehr oft wichtiger als ich und mein Wohlbefinden. Das musste ich doch verstehen. Als Kind. Klar. Als wir seine Wohnung aufgeräumt haben, habe ich Briefe von mir an ihn gefunden, in denen ich ihm verspreche, mehr Verständnis für ihn und seine Bedürfnisse aufzubringen. In der Schrift und mit den Schreibfehlern einer Grundschülerin. Waren ganz bestimmt meine Worte und nicht durch ihn eingeimpft *Ironie off*.
Und genauso wie Du, habe ich mir als Erwachsene auch immer Sorgen um ihn gemacht. Dass ihm mal was passiert. Hatte ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht genug Zeit hatte, ihm hinterherzutelefonieren.
Es ist erstaunlich, wie sich die Charakterzüge der EKA ähneln. Das wirst Du sicher merken, wenn Du hier ein bisschen liest.
Ich persönlich war letztes Jahr nach einer erneut alles andere als schönen Begegnung an dem Punkt, an dem ich den Kontakt völlig abgebrochen habe. Und es ging mir das erste Mal seit Jahren richtig gut. Keine Angst vor dem nächsten Besuch, bei dem er in Endlosschleife hören will, dass ich glücklich bin und damals ja alles soooooo toll mit uns war. Aber mit der Zeit verfliegt der Gram. Die Wunden beginnen zu heilen und man denkt an das, was schön war. Dann meldet sich das schlechte Gewissen. Und die Angst, dass man den Kontaktabbruch irgendwann bereut. Dann versucht man es wieder. Es ist unschön. Und das Ganze fängt wieder von vorne an. Man ist gefangen in einem ständigen Wechsel aus Erleichterung, Zuversicht und schlechtem Gewissen.
Ich hoffe, Dir gelingt es schnell, mit der Situation umzugehen und Dich auch innerlich abzugrenzen. Du bist nicht für das Glück Deines Vaters verantwortlich. Du hast dafür gesorgt, dass er (medizinische) Hilfe bekommt und mehr kannst Du nicht tun.
Alles Gute für Dich und herzliche Grüße