Beiträge von Bibitor 66

    Kazik Ja das Leben ist nun mal kein Ponyhof.

    Mit der Umgehungsstraße, Stoppschild und Einbahnstraße meinte ich letztendlich was ich hier gelernt habe. Nämlich ablenken und dem Suchthirn keinen Raum geben. Also Wasser trinken, HALT-Regel, spazieren gehen, Stricken, mit den Katzen schmusen und spielen, scrabble spielen usw. Könnte ich noch weiter fortsetzen. Aber auch der Umgang von Alex mit dem Suchthirn finde ich genial. Anschreien, auf die Rübe klopfen usw. Ich habe verstanden. Immer mindestens 1 Armlänge weg vom Alkohol. Ich habe bis hier her alle Gefahren gemieden.

    LG

    Bibi

    Herzlich Willkommen marc01,

    schön das Du dieses Forum gefunden hast. Ich kann Dir noch gar nicht viel dazu erzählen wie man seinen alkoholfreien Weg findet, da ich auch erst seit kurzem hier dabei bin. Ich habe mehr Zeit wie Du vergeudet, mit der Annahme den Alkohol kontrollieren zu können. Auch ich habe mehrfach versucht vom Alkohol loszukommen. Aber alleine schafft man das nicht. Erstens gewinnt die Sucht immer und zweitens ohne Austausch mit Menschen, die ihren Weg schon aus dieser Scheiße geschafft haben wird es auch nichts. Lese die Geschichten der Menschen hier und Dir wird einiges klar. Zumindest ging es mir so.

    LG

    Bibi

    Hallo Bibitor,

    dazu gibt es sogar ein Buch, es heißt: "Am Meer ist es schön" Dort geht es um eine Kinderfreundschaft, die sich dort entwickelt hat.

    lg Morgenrot

    Danke Morgenrot. Das werde ich mal recherchieren. Ich lese schon immer gerne. Zur Schulzeit, als meine Schulfreunde Donald Duck und Mickey-Mouse lasen, habe ich schon wissenschaftliche Bücher gewälzt. Hauptsächlich über Psychologie und die Auseinandersetzung mit dem inneren Kind. Habe hier auch eine große Büchersammlung. Im Moment sind es Bücher zum Thema Sucht. Manche auch wissenschaftlicher Natur. Habe aber auch das Buch Saufdruck gelesen. Dieses ist ja eher ein Roman bzw. Autobiographie. Dieses Buch hatte ich in 3 Tagen durch und war erschüttert. Wie weit Alkohol einen bringen kann. Hut ab. Da war ich noch nie, aber da will ich auch niemals hinkommen.

    Hier scheint die Sonne. Es ist ein echt schöner Tag.

    LG und allen anderen auch einen schönen Tag

    Bibi

    Aber es geht mir gut. Bibi ist kein Suchthirn begegnet zum anschreien, niederknüppeln oder sonstiges. Mein Bericht zum heutigen Tag floss mir einfach aus den Fingern.

    Räumt auch auf. Immer alles schön verdrängt. Irgendwo in der Zwirbeldrüse gespeichert. Dort soll es auch bleiben. Will ich nicht drin rumrühren. Ist eine schlummernde Bombe. So wie nur mein Suchthirn gerade schlummert. Aber wegen dieses Endgegners bin ich hier. Wenn der nicht wäre, wäre vieles für mich einfacher gewesen. Trotzdem war er immer ein gutes Spülmittel. Nämlich schön alles runterspülen. Das ist jetzt und sofort vorbei.

    Dank Euch! Ich bleibe am Ball!!!!!

    Bibi

    Tag 118

    Warum und wieso hat mich Humor durchs Leben getragen

    Wenn ich nicht vieles aus meinem Leben mit Humor und Sarkasmus mit mir selbst ausgemacht hätte, wäre ich heute sicherlich in einer geschlossenen Abteilung der Psychiatrie und würde Panzer stricken. Ich wuchs in einer Familie auf die nicht gerade mustergültig war. Ich wuchs mit Mutti und Omi auf. Mein Vater war lange Zeit ein wohl gehütetes Geheimnis. Es war eine andere Zeit. Meine Omi hatte den ersten und zweiten Weltkrieg miterlebt. Meine Mutti den zweiten Weltkrieg. Da schwang auch mal der Rührlöffel oder der Teppichklopfer. Da lernte ich schon, Anpassung und bloß nicht auffallen. Was könnten denn die Nachbarn denken. Als ich 10 Jahre alt war, brauchten meine 2 Erzieher wohl mal Urlaub von mir und sie (ver-) schickten mich für 6 Wochen an die Nordsee.

    Von wegen an der Nordsee ist es schön. Das war so ein riesiges dunkles Haus mit vielen heulenden Kindern. Schwarze Pädagogik. Wir wurden nicht beim Namen sondern mit einer uns zugeteilten Nummer angesprochen. Essenszwang, nicht alleine zur Toilette gehen dürfen, bloß nicht miteinander reden und schon gar nicht lachen oder weinen. Es war die Hölle. Da ich Anpassung schon gelernt hatte, habe ich auch das überlebt. Ich kam nach 6 Wochen nach Hause und war ein komplett veränderter Mensch. Meine Mutter und meine Oma waren sehr verwundert wie verändert ich war. Ruhig und komplett in mich gekehrt. Trotzdem glaubte man mir das Erlebte von dort nicht. Da hieß es nur: "Kind, jetzt übertreibst Du aber."

    Hier fing dann auch die Phase an, das ich die Beiden über meinen Vater gelöchert und ausgefragt habe. Sie erzählten mir bruchstückhaft er wäre gestorben. Im Vietnamkrieg oder nö es war im Koreakrieg. Als wir in der Schule in Geschichte über diese beiden Kriege gelehrt wurden, fiel mir auf, hier stimmt irgendwas nicht. Was erzählen die mir da überhaupt. Meine Bohrerei und Ausfragerei wurde dann ab meinem 15 Lebensjahr für die beiden wohl unerträglich. Trotzdem hielten sie dicht. Es kam dann aber doch noch alles raus. Meine ältere Stiefschwester ließ sich nicht so lange von mir nerven und erzählte mir alles. Mein Vater war ein amerikanischer Soldat gewesen und war hier in Deutschland stationiert gewesen. Als meine Mutter schwanger von ihm wurde, war seine Dienstzeit hier zu Ende und er musste zurück in die USA.

    Erst als ich 30 Jahre alt war, machte ich mich intensiv auf die Suche nach ihm. Ich habe ihn auch gefunden. Wir haben uns viele Briefe geschrieben und wir haben telefoniert. Das ging eine Weile so. Er wollte Kontakt zu mir, aber meine Mutter hatte dies immer unterbunden. Der Kontakt schlief irgendwann wieder ein. In dem Jahr als ich 50 Jahre alt wurde, drängelten meine beiden Söhne, ich solle den Kontakt doch bitte wieder aufnehmen. Ich werde immer älter und irgendwann können wir uns überhaupt nicht mehr persönlich kennenlernen. Ich gab ihnen recht und mein jüngerer Sohn übernahm die erneute Kontaktaufnahme. Wir wollten ihn zu meiner 50´er-Feier einladen. Ich habe am Jahresende Geburtstag und mein Sohn recherchierte, er ist im Frühjahr dieses besagten Jahres gestorben.

    Ich bin niemandem aus meiner Familie böse. Es war nun mal eine ganz andere Zeit und meine 2 Erzieher wussten es einfach nicht besser.

    LG

    Bibi

    Das gefällt mir. So habe ich das auch gemacht. Ich habe es so richtig zusammen gesch...en.

    Sobald es was sagen wollte. Immer gleich drüber gebügelt. Keine Diskussion. Wozu auch? Inzwischen sagt es nichts mehr. Aber wenn es unter seinem Stein vorschauen will, gibt's eine drauf.

    Worauf ich jetzt besonders achte, sind dann die feineren, subtileren Dinge. Wie geht es mir? Fühle ich mich zufrieden. Stört mich was und was ist es?

    Ich spreche im inneren Dialog sehr viel freundlicher mit mir als früher.

    :) Gott musste ich gerade lachen. Das hast Du echt gut geschrieben. Spaß muss sein. Humor ist mir sehr wichtig. Am besten gepaart mit Sarkasmus. Auch wenn wir hier ein ernstes Thema behandeln. Humor hat mich von Kindheit an durchs Leben getragen.

    Carl Friedrich ich werde nicht auslernen. Mein Suchthirn wird auf jeden Fall keine freie Fahrt mehr bekommen. Da habe ich mir zu viele Umgehungsstraßen, Stoppschilder und Einbahnstraßen dafür einfallen lassen. Das Suchthirn muss die Fr..... halten!!!! Aber ich bin hier und lerne weiter. Das ganze Leben besteht aus Lernen. Und dieses Forum hier wird nun mein Studium. Danke für Deine Erfahrungen.

    LG

    Bibi

    Tag 117 und auf das die Server glühen

    Gefühle / Gedanken / Sortierung / Ablage / Begrifflichkeiten des Forums / das pure geschriebene Wort ALKOHOL

    Zu Beginn meiner Abstinenz wurde ich von Gefühlen und Gedanken überflutet. Gefühle und Gedanken tanzten Samba in meinem Kopf und Körper. Ich war nicht in der Lage sie zu erfassen, zu deuten, zu verstehen, geschweige denn sie zu sortieren. Ich war ein Häuflein Elend das in Selbstmitleid versank. Erst heute weiß ich, dass es Selbstmitleid war und nicht Wehmut. Auch das Wort ALKOHOL kreiste wie eine Leuchtreklame durch meinen Kopf. Was hat mich die ersten 3 Wochen davon abgehalten zur Flasche zu greifen? Wille war es sicherlich nicht. Denn mit dem puren Willen habe ich es ja auch bei meinen zahlreichen vorherigen Versuchen nicht geschafft. Wollen kann man viel. Manchmal ist es ja sogar gut, wenn man nicht alles bekommt was man will. Aber was war es denn dann? Ich habe es für mich nun einfach mal unter Vernunft abgelegt. Oder habe ich tatsächlich schon "kapituliert"? Denn auch dieses Wort ergibt für mich nun einen Sinn. Ich kann einfach nicht mit dem Alkohol umgehen und will es auch nicht. Kontrolliertes Trinken gibt es für mich überhaupt nicht. Ich glaube auch nicht das die Menschen kontrolliert trinken können. Evtl. die, die wirklich nur zum Geburtstag, Weihnachten, Silvester oder sonstigen Feiertagen nur ein Glas trinken.

    Von Tag zu Tag fühle ich mich aufgeräumter. Klarer. Tatsächlich wieder bei Verstand. Ich habe keine Leuchtreklame mehr im Kopf. Ich habe großen Respekt vor meiner Sucht und ich habe Angst vor dem Alkohol. Für mich ist dieser Urinstinkt Angst noch ganz ok. Möchte aber auch dort hin kommen, dass mir der Alkohol einfach nur noch völlig scheißegal ist.

    Guten Morgen und LG

    Bibi

    Hallo Seiltaenzerin,

    tatsächlich ist es im Berufsleben ganz unterschiedlich. Ich kenne einen Langzeittrockenen (über 20 Jahre). Er erzählte mir, er hätte bei seinem letzten Bewerbungsgespräch erzählt das er trockener Alkoholiker ist. Er wurde eingestellt und sein Vorgesetzter sagte ihm wortwörtlich, dass seien die besten Mitarbeiter. Gewissenhaft und man weiß gleich, dass man keinen Säufer einstellt.

    LG

    Bibi

    Tag 116

    ich fühle mich stark, ausgeglichen und wohl.

    Wie mein Ehemann als Nicht-Trinker und -Raucher mit mir überlebt hat:

    ich bin mit meinem Mann in zweiter Ehe seit 20 Jahren verheiratet. Er hat mich trinkend (wie auch rauchend) kennen und lieben gelernt. Er ist mein "Ruhepol". Ich bin eher die "Ausgeflippte". Ganz am Anfang unserer Beziehung hat er immer gebeten, ich solle doch bitte aufhören zu Rauchen und zu Trinken. Er machte sich berechtigte Sorgen um meine Gesundheit. Da ich ja süchtig war (bin), habe ich seine Sorgen einfach mal so hingenommen und habe versucht, mein Pensum an Alk immer so zu mir zu nehmen, dass er es nicht mitbekommt. Dann kommt hinzu, dass ich nie aggressiv, beleidigend oder erniedrigend wurde. Ich war immer nur lustig, habe komische Sachen vor mich hingebrabbelt und konnte (und kann) viel über mich selbst lachen.

    Seit ich im Krankenstand bin, steigerte sich mein Alkoholkonsum. Da kam es vor, dass mein Mann gerade das Haus verlassen hat um zur Arbeit zu gehen und ich schon um 6:00 Uhr morgens das erste Bier öffnete. Ohne zu frühstücken. Wahnsinn. Das waren dann die Tage, wo ich auch pennend und besoffen auf dem Sofa lag, wenn er zwischen 17:00 - 18:00 Uhr von der Arbeit kam. Da hing dann natürlich auch der Haussegen schief. Mein Mann wurde auch nie ausfallend zu mir, aber gab mir auch zu verstehen, dass er das so nicht mehr mitmacht. Da fielen dann so Sätze von ihm: "Lass mich in Ruhe. Geh und sauf Deinen Alkohol." Da ich ja mein harmonisches Zuhause beibehalten wollte, kam dann mit so Argumenten: "Ach lass mich doch. Du gönnst mir auch gar nichts. Du weißt doch das ich viel um den Kopf habe und bla bla bla". Da musste ich mich immer mal kurz "Blitztrocknen" um ihn nicht schmollend um mich rum zu haben. Verrückt alles.

    Mein Mann ist sehr glücklich über meinen gestarteten neuen Weg und hofft das ich ihn beibehalte. Gestern haben wir mittags schön gemeinsam gekocht und es war einfach ein schöner harmonischer Tag. Ohne Versteckspiele, ohne hibbelig zu sein und vor allem, ohne an Alkohol zu denken. Es muss einfach mein neuer Weg sein!!! Und ich werde ihn wie ein "Löwe" verteidigen.

    LG

    Bibi

    Hallo Bibi,

    Das will ich hoffen, dass Du hier bist um zu bleiben.;) Auch über den OP Termin hinaus.;);)

    Oha, klingt fast wie eine Drohung. Ich habe in meinem Leben schon vieles erlebt und mir bluten nicht so schnell die Augen.;) Insofern bin ich gespannt.

    Auf der anderen Seite, um auch den Druck herauszunehmen. Du bist hier nicht bei der Beichte. Erzähle das, was Du erzählen möchtest. Und wenn etwas nicht oder noch nicht passt, dann behältst Du es für Dich. Am Ende des Tages kommt es darauf an, dass Du ehrlich zu Dir selbst bist und Deinen sicheren Weg für Deine Abstinenz findest, der trägt.

    Für mich ist diese SHG mit weitem Abstand der Hauptteil meines Hilfesystems. Ich habe hier über alles geschrieben, was mich jetzt abstinent beschäftigt hat. Wichtig, unwichtig, schwierig, leicht, egal. Das hat mich entlastet und mir dabei geholfen, mich zu sortieren. Und gleichzeitig lerne ich hier einen schlichten und einfachen Weg und das zugehörige Mindset, um stabil abstinent zu sein. Wichtig war, bei mir zu bleiben.

    Morgääääähn Kazik,

    ja ich möchte auch nach der OP noch hier sein. Lebendig! :) Auch für mich ist dieses Forum eine riesige Bereicherung um meinen trockenen Weg zu finden und zu halten. Ich finde diese Art des Austausches besser, als in einer SHG die nur 1x die Woche stattfindet. Hier kann ich rund um die Uhr jemanden erreichen und durch meine Neugier wie es Euch denn so geht; schaue ich auch regelmäßig hier rein. So wird mir mein Problem immer wieder vor Augen geführt und ich fühle mich sicherer.

    Und außerdem, wenn ich bleibe, können wir uns ja mal wieder waschen und föhnen. :)

    LG

    Bibi

    Hallo miteinander,

    ich sehe es ähnlich wie einige meiner Mitstreiter hier. Ich habe es in meinem mir näher stehenden Umfeld erzählt. Familie und Freunden. Das reicht für mich. Bei der Arbeit wäre mir dies niemals in den Sinn gekommen. Dafür sah ich an meiner Arbeitsstelle einige die auf stationärer Alkoholtherapie waren, danach Hamburger Model zusätzlich ein Wiedereingliederungsverfahren innerbetrieblich. Die waren unter ständiger Beobachtung. Wurden an Stellen versetzt, wo sie überhaupt nicht hin wollten und im schlimmsten Fall auch gekündigt. Zumindest wenn sie wieder rückfällig wurden.

    LG

    Bibi

    Hi Bibi,

    nur mal ein Gedanke, innere Unruhe muss nicht perse die Folge Deiner Abstinenz sein. Oder etwas zugespitzter, ich wäre sehr vorsichtig damit, etwas mit Alkohol zu verbinden. Denn das birgt die Gefahr, das sich der Gedanke weiter festsetzt, innere Unruhe, na klar, dann trinke ich mal wieder, dann geht das weg. Ich weiß nicht, ob Du verstehst, was ich meine.

    Ich persönlich verbinde mit meiner Sucht nur, das, was ich unbedingt muss. Nicht ein Fitzelchen mehr.

    Und zum Schluss ich finde es sehr gut, dass Du Dich trotz Waschung weiter austauscht.;)

    Hi Kazik,

    ja ich bin trotz Waschung noch hier. Aber diese Waschung hat mir trotzdem zugesetzt. Muss ich jetzt schreiben, denn vielleicht bin ich ja gestern auch deshalb so hibbelig gewesen. Ihr habt ja mit allem recht, aber ich habe berechtigte Gründe für mein Vorgehen. Gerne würde ich Euch die Hintergründe erklären. Das werde ich in ein paar Wochen tun. Ich bin hier um zu bleiben und die OP findet frühestens im März 2026 statt. Euch werden die Augen bluten. :) Nicht wegen der Hintergründe, sondern weil ich dazu etwas ausholen muss. Und wahrscheinlich auch wegen der Hintergründe.

    So long

    Bibi

    Ich bin kein alte Häsin, bei mir war das nach ein paar Monaten vorbei. Ich hatte das oft zu meinem Trinkzeiten, also am Wochenende. Jetzt genieße ich die Mehrzeit am Wochenende sehr.

    Danke Rina. Ja ich genieße die "Mehrzeit" und vor allem "die innere Ruhe-Zeit" sehr. Wenn das bei Dir nach ein paar Monaten weg war, beruhigt mich das sehr. :) Ich werde mich jetzt auch nicht mehr reinsteigern, sollte dieses Gefühl wieder auftauchen.

    LG

    Bibi

    Tag 115

    Heute bin ich schon früh wach geworden. Gestern war einfach nicht mein Tag. Es kann ja auch nicht jeden Tag "eitel Sonnenschein" herrschen. Zu meinen Unruhegefühlen habe ich gestern noch sehr lange nachgedacht. Ich kam dann darauf, dass ich diese Unruhegefühle auch in meiner Saufzeit hatte. Nämlich dann, wenn ich gehetzt und saufend versucht habe mein Tagespensum zu erfüllen. Aber durch das Feierabendbier, Belohnungsbier, Frustbier, Schlecht-Wetter-Bier usw. konnte ich meine Gefühle ja überhaupt nicht richtig wahrnehmen. Das übergeordnete Gefühl war immer RAUSCH. Nun mit dem trockenen Kopf muss ich lernen mit den Gefühlen umzugehen. Und das werde ich. Dann ist mir gestern auch noch klar geworden, dass wenn man seine Geschichte hier in "Stein meißelt" und das selbst wieder liest, merkt man wie unbarmherzig man mit sich und seinem Leben umgegangen ist. Jahrelanger Selbstmord auf Raten. Man hat sich saufend dies alles ja nicht vor Augen geführt. Aufgeschrieben hat man erst recht nichts. Außer den nächsten Strich auf dem Bierdeckel.

    Dann dachte ich auch noch, hier kommen so viele jüngere Menschen an. Das ganze Leben noch vor sich. Hoffentlich bleiben sie und lernen von den langjährig Trockenen. Ich habe darüber nachgedacht, warum ich das Forum nicht schon viel früher für mich genutzt habe (gibt es ja schon einige Jahre). Ganz einfach, weil ich nicht nach Hilfe gesucht hatte. Ich hatte meine vermeintliche Hilfe ja in einer Flasche. Leider musste ich einen so langen saufenden Weg auf mich nehmen, um an einem Punkt anzukommen, wo mir klar wurde, entweder weiter Saufen oder Sterben.

    Das war nun sozusagen mein "Wort zum Sonntag."

    Heute geht es mir gut. Die Sortierung meiner Gedanken und Eure Beiträge gestern haben mir sehr geholfen.

    LG

    Bibi

    Elly   Hartmut Ja Elly ich kenne den Notfallkoffer. Bei mir ist es wirklich ein kleiner silberner Koffer wo ich für mich wichtige Dinge reingepackt habe. Oft schon gebraucht, heute nicht. Trotzdem vielen Dank nochmal.

    Danke Hartmut. Das Forum hilft mir sehr. Und ich bleibe stark. Wenn nicht jetzt, wann dann? Ich und meine Gesundheit zählen.

    Ich melde mich morgen wieder.

    Gute Nacht Euch allen + auch morgen trinke ich nichts!!!! Es geht mir gut.

    Spürst du echten Saufdruck oder ist es eher "nur" eine innere Unruhe?

    Manchmal ist es nicht der direkte Drang zu trinken, sondern eher diese innere Unruhe, die sich ausbreitet. Kennst du das vielleicht auch noch von früher? Manchmal hilft es einfach, dagegenzuhalten. Auf die Zähne zu beißen. Mit dem Wissen: Der Saufdruck ist temporär. Er geht vorbei.


    Ich selbst hatte nur einmal eine richtig schwere Phase, im ersten Jahr. Sonst war es das Übliche: Die Suchtstimme meldet sich, ich halte dagegen, tausche mich aus und blieb trocken.

    Es ist nur so eine innere Unruhe. Hibbelig. Als ob ich eine Kanne Kaffee getrunken hätte. Unangenehm einfach. Im Vergleich zu der totalen inneren Ruhe die ich inzwischen empfinden kann, ist dies das krasse Gegenteil davon. Mir kommt auf keinen Fall in den Sinn Alkohol zu trinken, aber das Gefühl nervt. Es ist schon weniger geworden. Manchmal tritt es 2 Tage nicht auf und dann wieder 2x am Tag.