Hallo liebes Forum,
die letzten Wochen sind vergangen wie im Flug. Sie fühlen sich einerseits so kurz an und andererseits wie eine so unendliche lange Zeitspanne. Seit Mitte April habe ich die Schlüssel für meine Wohnung, seit ca. 10 Tagen wohne ich jetzt hier und seit heute sind alle Möbel aufgebaut, Vorhänge angebracht und es ist richtig gemütlich, ich fühle mich wohl hier. Eine Küche fehlt noch, die kommt erst Anfang Juli. Aber ich behelfe mir bis dahin anderweitig - da ist das sich anpassen können hilfreich ![]()
Zu meinem Mann habe ich weiterhin Kontakt, tiefe Gespräche sind immer noch Fehlanzeige. Gestern war ich zum Kaffeetrinken bei ihm und es war an sich schön, ich möchte gerne auf einer freundschaftlichen Ebene mit ihm befreundet bleiben, wir haben ja auch unsere Katzen miteinander. In solchen Momenten stelle ich meine Entscheidung manchmal in Frage, frage mich, ob ich vorschnell gehandelt habe. Dann bekomme ich aber, so heute, von anderen mit, dass und wie viel mein Mann trinkt und das holt mich dann relativ schnell wieder aus diesem In-Frage-Stellen heraus. Als mich heute ein Freund, den ich zufällig auf der Straße getroffen habe, angesprochen hat auf sein Trinken, habe ich gemerkt, dass es mir schwer auf der Brust wurde und ich dann meinen Spaziergang erst mal mit einer gewissen Aufregung fortgesetzt habe. Da ist natürlich nach wie vor die Angst, dass er jetzt erst so richtig abrutscht. Ich mache mir auch Sorgen, über ... Gedächtnisaussetzer? ... die ich nicht ganz deuten kann. Ich beobachte sie schon länger an ihm, weniger in Situationen, in denen ich den Eindruck hätte, dass er betrunken war, sondern im ganz normalen Alltag. Sich nicht an Gespräche vom Vortag erinnern können, unterschiedliche Varianten von Ereignissen erzählen (ich weiß gar nicht, ob ihm letzteres bewusst ist). Neben dem Alkohol ist er auch recht starker Raucher, das hat sich in den letzten Jahren auch vermehrt. Für die Organe, auch das Gehirn, ist ja beides nicht förderlich, in Kombination schon drei Mal nicht. An der Stelle darf ich aber schauen, dass ich mich nicht zu sehr reinziehen lasse. So weh es mir tut, bei diesem Verfall zuzusehen, mein Mann leugnet und braucht natürlich entsprechend auch keine Hilfe.
Ich kann gerade nicht vorhersehen, wie mir in den nächsten Wochen der Kontakt zu meinem Mann gelingt, wenn wir uns sehen weil ich Katzenfutter bringe oder wir uns auf einen Kaffee treffen. Es wird sich zeigen, ob ich zwischenzeitlich mal mehr Abstand brauche. Heute habe ich einen für später im Jahr gebuchten gemeinsamen Urlaub storniert, bei dem er sich bis zuletzt Hoffnungen gemacht hat, dass wir da evtl. auch trotz Trennung gemeinsam hinfahren. Aber das will ich mir dieses Jahr nicht leisten bei den Mehrkosten durch die eigene Wohnung. Es hat weh getan heute zu stornieren, dieser Urlaub war ein Ritual geworden und eines der Dinge, die Lichtblicke in der Beziehung waren. Und auch das gehört dazu, die Trauer jetzt langsam zuzulassen, wenn es ruhiger wird im außen. Vielleicht sogar mal etwas von der Kontrolle abgeben, kontrollieren zu wollen, wann denn Zeit zum Trauern ist (und wann auf keinen Fall!). Wieder ein zweischneidiges Schwert - einerseits hilft sie mir sehr gut aktuell nach außen hin zu funktionieren, andererseits lassen sich Gefühle und deren Prozesse ja nur bedingt kontrollieren bzw. irgendwann nur noch mit großer Anstrengung im Zaum halten.