Beiträge von Seepandarine

    Hallo liebes Forum,

    die letzten Wochen sind vergangen wie im Flug. Sie fühlen sich einerseits so kurz an und andererseits wie eine so unendliche lange Zeitspanne. Seit Mitte April habe ich die Schlüssel für meine Wohnung, seit ca. 10 Tagen wohne ich jetzt hier und seit heute sind alle Möbel aufgebaut, Vorhänge angebracht und es ist richtig gemütlich, ich fühle mich wohl hier. Eine Küche fehlt noch, die kommt erst Anfang Juli. Aber ich behelfe mir bis dahin anderweitig - da ist das sich anpassen können hilfreich ;)

    Zu meinem Mann habe ich weiterhin Kontakt, tiefe Gespräche sind immer noch Fehlanzeige. Gestern war ich zum Kaffeetrinken bei ihm und es war an sich schön, ich möchte gerne auf einer freundschaftlichen Ebene mit ihm befreundet bleiben, wir haben ja auch unsere Katzen miteinander. In solchen Momenten stelle ich meine Entscheidung manchmal in Frage, frage mich, ob ich vorschnell gehandelt habe. Dann bekomme ich aber, so heute, von anderen mit, dass und wie viel mein Mann trinkt und das holt mich dann relativ schnell wieder aus diesem In-Frage-Stellen heraus. Als mich heute ein Freund, den ich zufällig auf der Straße getroffen habe, angesprochen hat auf sein Trinken, habe ich gemerkt, dass es mir schwer auf der Brust wurde und ich dann meinen Spaziergang erst mal mit einer gewissen Aufregung fortgesetzt habe. Da ist natürlich nach wie vor die Angst, dass er jetzt erst so richtig abrutscht. Ich mache mir auch Sorgen, über ... Gedächtnisaussetzer? ... die ich nicht ganz deuten kann. Ich beobachte sie schon länger an ihm, weniger in Situationen, in denen ich den Eindruck hätte, dass er betrunken war, sondern im ganz normalen Alltag. Sich nicht an Gespräche vom Vortag erinnern können, unterschiedliche Varianten von Ereignissen erzählen (ich weiß gar nicht, ob ihm letzteres bewusst ist). Neben dem Alkohol ist er auch recht starker Raucher, das hat sich in den letzten Jahren auch vermehrt. Für die Organe, auch das Gehirn, ist ja beides nicht förderlich, in Kombination schon drei Mal nicht. An der Stelle darf ich aber schauen, dass ich mich nicht zu sehr reinziehen lasse. So weh es mir tut, bei diesem Verfall zuzusehen, mein Mann leugnet und braucht natürlich entsprechend auch keine Hilfe.

    Ich kann gerade nicht vorhersehen, wie mir in den nächsten Wochen der Kontakt zu meinem Mann gelingt, wenn wir uns sehen weil ich Katzenfutter bringe oder wir uns auf einen Kaffee treffen. Es wird sich zeigen, ob ich zwischenzeitlich mal mehr Abstand brauche. Heute habe ich einen für später im Jahr gebuchten gemeinsamen Urlaub storniert, bei dem er sich bis zuletzt Hoffnungen gemacht hat, dass wir da evtl. auch trotz Trennung gemeinsam hinfahren. Aber das will ich mir dieses Jahr nicht leisten bei den Mehrkosten durch die eigene Wohnung. Es hat weh getan heute zu stornieren, dieser Urlaub war ein Ritual geworden und eines der Dinge, die Lichtblicke in der Beziehung waren. Und auch das gehört dazu, die Trauer jetzt langsam zuzulassen, wenn es ruhiger wird im außen. Vielleicht sogar mal etwas von der Kontrolle abgeben, kontrollieren zu wollen, wann denn Zeit zum Trauern ist (und wann auf keinen Fall!). Wieder ein zweischneidiges Schwert - einerseits hilft sie mir sehr gut aktuell nach außen hin zu funktionieren, andererseits lassen sich Gefühle und deren Prozesse ja nur bedingt kontrollieren bzw. irgendwann nur noch mit großer Anstrengung im Zaum halten.

    Liebe Schnatterente,

    Die Aussage der Suchtberatung wundert mich auch (arbeite selbst im Suchthilfesystem), aber wie Aurora schon schrieb, ist es letztlich egal, denn entscheidend ist, dass für dich etwas nicht passt in der Beziehung. Es muss nicht erst das Label "Sucht" erhalten, bis du darauf reagieren kannst/darfst. Ich möchte dich gerne ermutigen dich selbst und deine Empfindungen ernst zu nehmen!

    Ich habe mich hier als erwachsene Tochter eines (verstorbenen) Alkoholikers angemeldet, in der Zwischenzeit hat sich meine Situation so entwickelt, dass ich auch nicht mehr mit dem Alkoholkonsum meines Mannes klar komme bzw. mir das jetzt endlich offen eingestehe und mir zugestehe, dass ich danach auch handeln darf. Ich weiß nicht, ob mein Mann abhängig ist oder nicht. Spielt aber auch keine Rolle, denn die Dinge, die ich beobachte an ihm und erlebe mit ihm lösen in mir aus: "So will ich keine Beziehung mehr führen" und da darf ich mich ernst nehmen. Einsicht ist bei ihm auch nur begrenzt vorhanden. Nach dem letzten Vollsuff war er einsichtig, seither kam er auch nicht mehr so heim. Dennoch hat er recht munter heimlich weiter getrunken und/oder mich bezüglich der Trinkmenge angelogen.

    Wo ist denn deine eigene Grenze, wenn es um Umgang mit dir in der Beziehung geht? Du schreibst dein Mann verhält sich verbal aggressiv und respektlos dir gegenüber.

    Herzlich,
    Seepandarine

    Hallo Moni,

    herzlich Willkommen hier!

    Mir hat ein zeitweiliger Kontaktabbruch zu meinem Vater sehr gut getan. Ich war damals deutlich belastet, er hat regelmäßig betrunken angerufen. Ich habe es nicht geschafft, mich selbst von ihm zu distanzieren, er hat dann den Kontakt abgebrochen und ich habe dann erst gemerkt, wie gut mir das tut und wie wichtig das für mich war. Wir hatten dann nach ca. 1 Jahr wieder oberflächlichen Kontakt (Karten und Anrufe zu Geburtstag und Weihnachten, vielleicht 1-2 Mal im Jahr treffen, alle paar Wochen mal kurz telefonieren). Mein Vater hatte allenfalls Trinkpausen, wirklich stabil abstinent war er in meinen Augen nie. Es kann auch gut sein, dass er bei manchen unserer oberflächlichen Kontakten angetrunken war (er war vom Trinkmuster her eher Spiegeltrinker), wir hatten jedenfalls keinen Kontakt mehr, wenn er völlig betrunken war, das wollte ich nicht mehr und habe ihm das auch so gesagt.

    Mein Vater wusste und hat sich das auch eingestanden, dass er alkoholabhängig ist. Eine tiefgreifende Änderung in seinem Leben hat es aber nicht gegeben, auch wenn er die letzten ca. 10 Jahre seines Lebens überwiegend in Einrichtungen des Suchthilfesystems verbracht hat (Suchtreha, Adaption, soziotherapeutische Einrichtungen).

    Herzlich,
    Seepandarine

    Hallo ihr Lieben,

    Zeit für ein neues Update. Ich sitze gerade an meinem Computer, hinter mir die ersten drei gepackten Umzugskartons. Es ging seit dem letzte Beitrag nun sehr schnell mit einer eigenen Wohnung. Ich kann eine wundervolle kleine Wohnung fußläufig zu meiner Arbeit anmieten.

    Ich bin außerdem sehr dankbar für die große emotionale Unterstützung, die ich von allen Seiten erhalten - Freundinnen, Freunde, Weiterbildungskolleginnen, Arbeitskolleginnen, meine Familie. Jede*r dem oder der ich der bisher davon erzählt habe, reagiert mit Verständnis.

    Mit meinem Mann ist es derweil so, dass wir im Alltag weiter nebeneinander her funktionieren, in den letzten Wochen aber auch sehr wenig Zeit miteinander verbracht haben, weil immer jemand am arbeiten war, oder wir uns im Haus dann doch aus dem Weg gegangen sind. Tiefere Gespräche finden nicht statt, das letzte hat mein Mann abgelehnt, weil es ihn zu sehr runterziehen würde.

    Ich habe mir heute Gedanken gemacht, was ich mir aktuell eigentlich von einer Partnerschaft wünsche (ganz losgelöst von meiner aktuellen Partnerschaft). Mir ist wichtig, dass ich mich mit meinem Partner über das Austauschen kann, was mich im Inneren bewegt, meine Gefühle und Gedanken. Dass mein Partner mir dabei zuhören kann, ohne eine Lösung zu suchen oder das Gespräch gleich an sich zu reißen. Umgekehrt wünsche ich mir auch von meinem Partner zu erfahren, was ihn bewegt. Und überhaupt: mehr Reden und Austausch mit Fokus darauf, was einen bewegt. Eine Überschneidung in den gemeinsamen Interessen, nicht komplett, aber doch zu einem Anteil, sodass es gemeinsame Unternehmen gibt, aber auch jede*r sein/ihr eigenes Ding machen kann. Bei beidem hapert es für mich in meiner aktuellen Beziehung stark. Wenn die Sache mit dem Alkohol nicht wäre, könnte ich mir sogar vorstellen, dass es eine realistische Chance geben kann, dass wir wieder zueinander finden. Allerdings habe ich, trotz ausgesprochenem Auszug, keine Veränderung bei meinem Mann wahrgenommen. Gestern hatte ich wieder den Eindruck, er hat getrunken. Heute war der erste Abend seit langem, an dem ich nicht den Eindruck hatte. Und damit auch ein Moment, in dem Trauer bei mir hochkommt. Trauer über die schönen Seiten der Beziehung, die verloren gegangen sind im Laufe der Jahre.

    Mir ist heute auch aufgefallen, dass ich immer noch viel Verantwortung für meinen Mann übernehme, zum Teil auch ganz unbewusst. Beispiel: ich suche nochmal das Gespräch abends, halte es aber bewusst kurz, weil ich mir denke: "Er ist ja ganz kaputt von der Arbeit, da will ich ihm jetzt kein langes Gespräch zu dem Thema zumuten". Dabei ist er ja alt genug und könnte Verantwortung für sich übernehmen und das Gespräch vertagen, wenn es ihm zu viel ist. Stattdessen bevormunde ich ihn quasi und halte das Gespräch meinerseits kurz, obwohl ich eigentlich schon Redebedarf hätte...

    Kürzlich habe ich auch mit meiner besten Freundin telefoniert. Wir sind nicht regelmäßig in Kontakt, aber unsere Verbindung ist so tief, dass wir auch nach Monaten der Funktstille sofort wieder anknüpfen. Sie sagte mir, dass sie sich schon ganz zu Beginn meiner Beziehung dachte: "Oh, na der trinkt aber gerne" und auch Ähnlichkeiten zwischen meinem Partner und meinem Mann wahrgenommen hat. Ähnlichkeiten, die ich mittlerweile selbst ja auch immer klarer sehe, die eine Vertrautheit für mich waren.

    Hallo Farfalla,

    Wie kann man mit dieser Wut und Verachtung umgehen? Unsere Familie ist sehr eng miteinander vernetzt, einen Kontaktabbruch will ich nicht

    Ich sehe es so, dass Wut mir zeigt, wo eine Grenze von mir überschritten wurde und mich dann ermuntern aktiv zu werden, diese Grenze zu meinem eigenen Schutz und Wohlergehen wieder zu ziehen. In mir sträubt sich daher viel, Anregungen zu geben, wie du deine Wut runterkochen und wegmachen könntest (wonach du ja auch nicht explizit gefragt hast).

    Du hast ja weiter oben schon von der Einsicht geschrieben, dass du/ihr deine Mutter nicht ändern könnt. Was kannst du machen, damit es dir etwas besser geht? Mir fällt da ehrlich auch grade nicht viel anderes ein, außer Distanz. Distanz kann natürlich auch "nur" innerlich stattfinden. Für mich war es damals sehr wichtig eine Zeit lang keinen Kontakt zu meinem trinkenden Vater zu haben.

    Herzliche Grüße,
    Seepandarine

    Ein neues Update:

    Das WG Zimmer habe ich mir angesehen und habe mich auch wohlgefühlt. Leider hat es nicht geklappt. Ich habe aber mittlerweile die Einstellung im Leben, dass alles schon so kommen wird, wie es kommen soll. Als ich einer Freundin von der WG erzählt habe, meinte sie, dass dort wohl regelmäßig Parties gefeiert würden, anders als die Darstellung der WG vermuten lässt. Aus der Perspektive bin ich froh, dass es doch nichts wird.

    Jetzt schaue ich mich nach Wohnungen um, der WG Markt ist hier quasi nicht existent. Die Freundinnen, denen ich mich gestern neu anvertraut habe, werden die Augen und Ohren offen halten und haben mich auch bestärkt, dass der Weg der zumindest räumlichen Trennung absolut passend ist aktuell.

    Heute hat mich ein weiterer guter Freund meines Mannes angesprochen, das er sich große Sorgen wegen seinem Trinken macht. Wir werden uns nächste Woche treffen und austauschen. Mir tun diese Offenbarungen gut, weil ich dadurch meine eigene Wahrnehmung stärken kann, mir vertrauen kann. Und es tut mir auch gut zu hören, dass er und auch andere Freunde meines Mannes, nach einer Trennung auch weiter im Kontakt mit mir bleiben wollen, weil sie mich schätzen 💚

    Mit meinem Mann ist es eher zäh. Gespräche über unsere aktuelle Situation und wie es weiter gehen kann, kommen aktuell nur von meiner Seite aus, er stellt auch keine Fragen zu meinen Beweggründen oder dem was wir ändern müssten, damit wir beide noch gut in der Beziehung leben könnten.

    Danke für deine Erfahrungen, liebe Floralia <3

    Ja, das stimmt. Ein Zurück kann es letztlich ja immer geben. Das mit dem Zimmer muss ich eigentlich nur schnell entscheiden, wenn ich speziell in diese WG möchte. Oder aber ich warte, bis da mal wieder ein Zimmer frei ist. Ich merke aber schon, dass ich es mir zumindest gerne anschauen würde und mein Bauchgefühl bei dieser WG Besichtigung erleben will.

    Ich habe gestern dann doch noch mit meinem Mann gesprochen und wir haben auch verabredet heute weiter zu sprechen. Wie erwartet, hat er das mit dem Alkohol runter gespielt und ging auf die Schiene: "Ich saufen doch nicht, ich finde es Schade, dass ich nicht einfach 1-2 Bier trinken kann.". Das heimlich Trinken habe ich wieder angesprochen, dem ist er aber ausgewichen. Er hat allerdings das erste Mal angesprochen, dass er aktuell auch nicht mehr glücklich in der Beziehung ist, ihm gemeinsam verbrachte Zeit fehlt, gemeinsame Unternehmungen. Das geht mir ähnlich, den Punkt hatte ich in der Vergangenheit auch immer mal wieder angesprochen. Und gestern habe ich gemerkt, dass sich der Gedanke daran, wieder mehr Energie in die Beziehung zu investieren einfach nur anstrengend angefühlt hat und ich keine Lust drauf habe aktuell. Die Überlegung einer räumlichen Trennung habe ich auch angesprochen und er schien nicht komplett überrascht davon.

    Insgesamt habe ich mich in einem Beziehungsgespräch selten so auf Augenhöhe gefühlt mit meinem Mann, mal abgesehen vom Alkoholthema, aber da kommen wir glaube ich auch diskutierenderweise nicht weiter.

    Ich bin heute Morgen deutlich ruhiger. Vielleicht liegt das daran, dass ich gestern den Eindruck hatte, mit meinem Mann im Gespräch verbunden zu sein und sich gerade der Gedanke entwickelt: "Vielleicht passt es einfach wirklich nicht mehr in der Beziehung und wir können so auseinander gehen, dass wir uns noch gut um unsere Katzen kümmern können. Ohne Rosenkrieg oder ähnliches, darauf haben wir beide so gar keine Lust."

    Hallo zusammen,

    in meine Kraftlosigkeit mischt sich Traurigkeit, eine Abschiedstraurigkeit. Gedanken daran, unsere Katzen nicht mehr täglich um mich zu haben, die schönen gemeinsamen Momente, die mein Mann und ich mit den Katzen haben, nicht mehr teilen zu können.

    Ich sitze hier und prokrastiniere das klärende Gespräch mit meinem Mann. Stelle meine Entscheidung in Frage. Wenn ich es ausspreche mit (räumlicher) Trennung, wird es real, dann gibt es kein Zurück mehr im Moment. Ich merke auch, wie wenig Gefühl ich für meine eigenen Grenzen habe. Ich spüre keine Empörung über die Lügen und Heimlichkeiten meines Mannes, wahrscheinlich würde es mir das ansonsten leichter machen den nächsten Schritt zu gehen. Und es erinnert mich grade so sehr an die Dynamik mit meinem Vater, gegenüber dem ich auch nicht empört war, obwohl er mich als seinen seelischen Mülleimer benutzt hat (ich mich habe benutzen lassen...so wie ich mich die letzten Monate habe belügen lassen).

    In meiner Vorstellung herrschen doch in der Familie grundsätzlich erstmal gewisse Muster vor und können ggf weiter Bestand haben auch wenn der Betroffene trocken ist?

    Absolut, das würde ich sofort so unterschreiben bzw habe ich auch so gelesen. "Nur" nichts mehr Trinken verändert diese Muster nicht. So kann es sein, dass es ein Elternteil noch vor der Geburt der Kinder aufhört zu trinken, die zugrundeliegenden Muster aber nicht ändert. Die Kinder können dann trotzdem EKA Merkmale aufweisen.

    Danke Rennschnecke , meine Gedanken gingen beim Lesen in eine ähnliche Richtung. Klingt für mich so, als hätte die Coaching den trinkenden Angehörigen im Sinn und würde dich dafür instrumentalisieren wollen, ihn zu verändern.

    Bitte hör weiterhin auf dich und dein Gefühl, liebe Floralia . Wenn du merkst, dass dir die Funkstille gut tut, ist das dein Weg, den du selbstbewusst und standhaft vertreten und gehen darfst! Ich schreibe das grade vor dem Hintergrund, dass ich aktuell selbst merke, wie schwer es mir fällt, meinen eigenen Wahrnehmungen zu vertrauen und mich ernst zu nehmen.

    Hallo liebes Forum,

    ein abendliches Update. Es geht um meinen Mann und seinen Alkoholkonsum.

    Vor ein paar Wochen habe ich ihn dabei "erwischt", wie er draußen im/am Auto schnell ein Bier getrunken hat. Ich habe ihn später darauf angesprochen, dass es mehr die Heimlichkeit ist, die mir zu schaffen macht, diese permanente Unsicherheit ob beobachtete Veränderungen jetzt an Alkohol liegen oder nicht. In meiner Erinnerung haben wir vereinbart, dass er offen trinkt. Gestern finde ich wieder einen (halbherzig) verstecken Kasten, an einer Stelle, an der ich normalerweise staubsauge, er kann maximal erst 2 Wochen dort gestanden haben.

    Am Freitag wurde ich außerdem von Freunden angesprochen und informiert, dass sie sich schon länger Sorgen um meinen Mann und sein Trinkverhalten machen. Die geschilderten Situationen sind nicht ganz aktuell, beziehen sich auf einen Zeitraum von vor 1/2 Jahr bis vor 1,5 Jahren. Lässt aber auch meine Wahrnehmung und Zweifel von "Er hat doch getrunken, oder?" in einem anderen Licht erscheinen.

    Ich fühle mich sehr kraftlos, wenn ich daran denke. Auch wenn ich daran denke, ihn zu konfrontieren, dass es absolut respektlos ist, trotz Vereinbarung weiter heimlich zu trinken. Aber das zeigt mir eigentlich das Ausmaß seines Problems. Und in mir ist immer noch der Satz: "Aber vielleicht übertreibst du und tust ihm Unrecht." Gruselig.

    Um nicht in meiner Starre festzukleben, tausche ich mir Freunden aus, gehe bewusst aus der Wertlosigkeit und Schwere und das tut mir gut. In der nächsten Stadt ist auch ein sehr interessantes WG Zimmer ausgeschrieben, das will ich mir ansehen. Ich glaube zumindest eine vorübergehende räumliche Trennung würde mir gut tun. Und aus einer gewissen Perspektive will ich diese Beziehung nicht mehr und glaube auch nicht an eine Änderung bei meinem Mann. Und gleichzeitig bin ich wie abgeschnitten von meinem inneren Feuer, meiner Kraft, wenn es da an die Umsetzung geht, an die Konsequenz. Also versuchen ich es grade Stückchen für Stückchen.

    Hallo liebe Menschen hier im Forum,

    jetzt sind einige Wochen ins Land gegangen, in denen sich viel in mir bewegt hat. Bezüglich meiner Paarsituation hat es mir sehr geholfen, mich mit einer Freundin auszutauschen. Sie ist auch EKA, über dieses Thema tauschen wir uns auch immer mal wieder aus. Ich war sogar innerlich so aufgebracht und so weit, dass ich mir eine Wohnung angeschaut habe - da lief relativ viel, was ich wieder mit mir ausgemacht habe bzw. nicht gegenüber meinem Mann angesprochen habe, obwohl es ihn betroffen hat. Letztlich habe ich für mich in meiner Therapie an der Kommunikation in meiner Partnerschaft gearbeitet und konnte meine Perspektive auch etwas weiten/verändern. Ich war zwischen den Jahren sehr fokussiert auf "Ich habe Recht! Mein Partner macht etwas falsch!". Meine Therapeutin hat mir sehr wohlwollend gespiegelt, dass in mir, aufgrund der Geschichte mit meinem Vater, etwas abläuft, wenn mein Mann trinkt. Statt in meinem Recht-haben-wollen zu verharren, ist es hilfreicher für mich und die Beziehung, wenn ich neugierig auf meine Reaktionen schauen kann und diese dann vor allem auch meinem Mann mitteilen kann. Und tatsächlich habe ich den Eindruck, dass ich mich in den letzten Woche besser mitteilen kann ihm gegenüber und auch Gehör finde. Ich fühle mich ihm wieder verbundener. Und das hat jetzt viel mehr von Verbindung auf Augenhöhe als ein Geschmack von "Kind, das eigentlich einen Vater zum Anlehnen sucht".

    Wenn ich hier so während dem Schreiben nochmal nachdenke und revue passieren lasse, ist für mich wirklich der Game Changer aus diesem Recht-haben-wollen auszusteigen. Nicht meine Sichtweise als die richtige zu sehen, sondern als eine Sichtweise der beiden in der Beziehung beteiligten Personen. Spannend finde ich auch die Frage, wo diese eingefahrenen Sicht- und Verhaltensweisen denn heigentlich herkommen, wer dafür früher mal mein Modell war, von dem ich gelernt habe. Beim Recht haben musste ich ziemlich schnell an meinen Opa väterlicherseits denken. Ein lieber Mann, ein lieber Opa. Der aber manchmal sehr deutlich klar macht, dass sein Handlungsplan jetzt der richtige ist und umgesetzt wird ("Dunnerkeil nochemol!" wäre da der passende Ausdruck aus meinem Heimatdialekt um dem ganzen Nachdruck zu verleihen ;) ). Ich erinnere mich noch, dass mein Opa mich einmal, als es meinem Vater sehr schlecht ging und er mit akuter Bauchspeicheldrüsenentzündung im Krankenhaus lag, unbedingt mit zum Landratsamt nehmen wollte, um eine Betreuung für meinen Vater anzuregen. Ich habe zu dem Zeitpunkt ca. 60 Kilometer entfernt studiert, es war Vorlesungszeit. Mein Opa hat das nicht akzeptiert, er hatte sich in den Kopf gesetzt, dass ich mitkomme. "Wenn du heute stirbst müssen die an der Uni ja auch irgendwie klarkommen" - ich glaube das in etwa war der Satz, der mir signalisieren sollte, dass ich jetzt gefälligst machen soll, wie er sagt. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich groß etwas gesagt hätte im Landratsamt, ich bin halt einfach nebenher gedackelt.

    Gesundheitlich hat sich bei mir in den letzten Wochen auch eine Baustelle aufgetan, die eine Magen- und Darmspiegelung erforderlich macht. Ich hatte bisher großes Glück in meinem Leben gesundheitlich fit zu sein. Ich musste noch nie stationär im Krankenhaus behandelt werden, hatte auch noch nie eine Untersuchung mit Sedierung. Von daher habe ich etwas Bammel vor diesen Spiegelungen. Ich habe mich auf der Heimfahrt von der Hausärztin bei dem Gedanken ertappt, dass irgendwie alleine durchstehen zu müssen. Den Gedanken konnte ich aber gleich noch im Auto als alte Prägung erkennen und mir selbst freundlich zulächeln :saint: Mein Mann fährt mich zur Untersuchung, eine liebe Freundin hat mir das auch schon angeboten. Ich werde da nicht alleine durchgehen (mal abgesehen davon, dass ich danach ja gar nicht mit dem Auto fahren darf).

    Aktuell lese ich zum zweiten Mal ein Buch, das sich um EKAs dreht: "Gestalttherapie mit erwachsenen Kindern aus Alkoholiker-Familien" von Josta Bernstädt. Ich finde mich in vielem wieder, was die Autorin beschreibt, vor allem zu Regeln in Alkoholiker-Familien und zu Merkmalen von EKAs. Vielleicht auch etwas für die Literaturliste? :/ Das Buch richtet sich an Betroffene und Therapeut*innen.

    Soweit mein aktuelles Update :)

    Liebe Floralia,

    wow, wenn ich deine Updates so lese, kommt bei mir ein richtiges Aufblühen bei dir! Das ist richtig schön <3

    Nachdem ich frisch nach dem Break irgendwie davon ausgegangen war, dass sich relativ zügig ein vernünftiges Gespräch ergibt, eine Entschuldigung kommt oder ähnliches, denke ich nun in größeren Zeiträumen und frage mich, wie ich dann wohl mit Sachen wie Weihnachten oder zum Geburtstag gratulieren umgehen soll. Man weiß ja nicht, wie viele Geburtstage womöglich noch bleiben, auf der anderen Seite hat er darauf nie sonderlich Wert gelegt. Vielleicht habt ihr ja Anregungen? :saint:

    Ich glaube als ich zu meinem Vater keinen Kontakt hatte, haben wir uns auch nicht zum Geburtstag oder zu Weihnachten gratuliert. Das war aber nicht wirklich mehr als ein Jahr. Danach fing die Annäherung mit eben solchen Gratulationen an - eine Geburtstagskarte, eine Karte zu Weihnachten. Mein Vater hat die erste Karte geschickt. Für mich war das ein Einstieg in einen oberflächlichen, freundlichen Kontakt, den wir dann bis zu seinem Tod hatten. Das war in Ordnung so für mich.

    Liebe Grüße,
    Seepandarine

    Guten Morgen Floralia,

    Sorry für den backflash. Ich frage besser nicht, wie man es in einer Stationären Therapie fertigbringt, wieder an Alkohol zu gelangen.:shock:

    Da gibt es überhaupt nichts, wofür du dich entschuldigen müsstest :) Die Szene hatte ich nie ganz vergessen und mein "Ach herrje" war ein Ausdruck von "Schau an, da kommt das 'Ich kann halt nicht anders, das MUSST du verstehen' in einem anderen Gewand daher". Und daher steckt Ärger auf meinen Vater und das ist gut so, den könnte ich lange nicht spüren.

    Zu Rückfällen in stationärer Reha noch kurz: das ist nicht weiter schwer, die Rehabilitanden sind nicht im Gefängnis, haben also auch im Lauf der Reha Freizeit und könnnen die Klinik verlassen. An Alkohol kommt man überall hin. Daher kann auch die beste Reha nur wenig bringen, wenn ein Betroffener nicht für sich den Wunsch hat, etwas zu verändern.

    Hallo Floralia,

    herzlich Willkommen!


    Mein Angehöriger, der sich trotz der Grenze, die ich gezogen habe, betrunken gemeldet hat, ist jedenfalls der Meinung, dass mein Verhalten genau falsch ist, ich Verständnis haben müsse für seine Situation und ihn doch so akzeptieren müsse, wie er sei und noch weitere Erklärungen und Schuldzuweisungen, auf die ich hier aber nicht weiter eingehen möchte.

    Ach herrje, bei dem Verständnis haben und akzeptieren fiel mir eine Szene mit meinem Vater wieder ein. Er war zur stationären Therapie, ich wollte dort mit ihm am Angehörigenseminar teilnehmen und er war just vor dem Termin rückfällig, sodass ich als einzige Angehörige alleine (also ohne den Betroffenen) am Seminar teilnahm. Ich habe meinen Vater im Krankenhaus besucht (er musste entgiften) und dort hat er mir allen ernstes die Geschichte vom Skorpion und vom Frosch erzählt. Ein Skorpion bittet einen Frosch ihn über den Fluss zu tragen, auf seinem Rücken. Der Frosch tut das, der Skorpion sticht ihn auf halbem Wege und der Frosch fragt, warum er das denn getan hat, jetzt würde ja beide ertrinken. Und der Skorpion sagt: "Weil es in meiner Natur liegt". Und analog läge es in der Natur meines Vaters zu trinken. Ja, Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit und nicht frei ausgesucht und entbindet die Betroffenen doch nicht von der Verantwortung für das eigene Verhalten.

    Du darfst auch dich schauen, was dir gut tut und deine Grenzen auch schützen! Kannst du etwas zu , dass dein Betroffener dich nicht mehr betrunken kontaktieren kann bzw. ist es für dich machbar das Gespräch ohne großen Kommentar zu beenden?

    Liebe Grüße,

    Seepandarine

    Meistens erlebe ich es so dass, wenn ich früher abhaue von feiern oder ähnliches, immer jemand sauer oder genervt von mir ist und mich als Spielverderber hinstellt da man es schlecht nachvollziehen kann wenn man diese Abneigung nicht selbst fühlt. Ich möchte mich natürlich auch nicht vor jedem rechtfertigen müssen und den Leuten die Papa Geschichte aufrücken.

    Das kenne ich leider auch, dass solche Reaktionen vorkommen. Bei mir ist das länger her, die Freunde meines Mannes haben das irgendwann akzeptiert bzw. nur noch proforma "Schade" gesagt, ohne böse zu sein. Ich finde es eigentlich traurig, wenn ich mich überhaupt rechtfertigen muss, wenn ich gehen möchte. Ich hab z.B. einen Schlafrhythmus der so ist, dass ich meist deutlich vor 0 Uhr richtig müde werde und daher heim möchte. Wobei das dann meist akzeptiert wird, wenn ich das so sage. Und ich mich immer auch gefragt habe: was hat denn er andere davon, wenn ich noch hier bleibe und hundemüde am Tisch hänge oder grumpy vor mich hinsäure, weil der Großteil schon so weit betrunken ist, dass ich genervt davon bin und für mich auch kein schönes Miteinander mehr möglich ist. Da hätten alle mehr davon, wenn ich ohne Drama gehe :)

    Hm, es kommt mittlerweile eigentlich nicht mehr vor, dass ich "hineingerate", weil ich da mittlerweile sehr drauf achte und mich selbst ernst nehmen und dann nicht zwinge etwas mitzumachen, das mir nicht gut tut. Für mich war in dem Zusammenhang ein Augenöffner, als ich realisiert habe, dass es tatsächlich auch Freundeskreise gibt, in denen wenig bis nichts getrunken wird und Alkohol nicht glorifiziert wird. Das war der Punkt, an dem es bei mir langsam von "Mit mir stimmt was nicht" gewechselt ist zu "Ich bin in einem Umfeld, das ich sehr gut kenne, das aber nicht mehr zu mir passt.".

    Was ich in der Vergangenheit in solchen Situationen, wo ich weiß, das viel getrunken wird, gemacht habe:

    • Mir eine Person in der Gruppe gesucht, die auch wenig bis nix getrunken hat und mich dann an die gehalten
    • Heim fahren, wenn es mir gereicht hat (auf Feiern)

    Im Skiurlaub kannst du natürlich nicht einfach heim fahren, vermute ich. Bietet eure Unterkunft die Möglichkeit, dass du dich am Abend früh zurückziehen kannst? Das würde ich wahrscheinlich machen, wenn es mir die Freunde und der Spaß am Skifahren wert wären mitzufahren und den Alkohol in kauf zu nehmen.

    Hallo MarysaurusRex,

    Willkommen hier im Forum, schön, dass dich dein Weg hierher geführt hat.

    Bei mir war es auch mein Vater, der alkoholabhängig war und vor fast 7 Jahren am Alkohol gestorben ist.

    Das was du beschreibst, dass du mit alkoholisierten Personen nicht klar kommst, kenne ich auch. Bei mir hat sich das erst in den letzten Jahren entwickelt. Ich merke jetzt stark meine körperliche Anspannung, teilweise auch schon vor Treffen, wenn ich weiß, dass da viel getrunken wird (daher gehe ich heute auch meist nicht mehr zu solchen Treffen). Das Muster, in das ich dann falle ist, dass ich äußerlich ruhig werde und oft auch ungeduldig, passiv aggressiv, vor allem meinem Mann gegenüber.

    Ich habe Freundinnen, die das verstehen, die selbst auch Erfahrungen mit trinkenden Elternteilen haben. Ansonsten ernte ich da auch wenig Verständnis, vor allem von trinkenden Freunden meines Mannes.

    Danke liebe Anthurie !

    Ja, ich glaube, dass dieses Nähebedürfnis kommt, weil ich die Beziehung so hinterfrage. Die Beziehung zu beenden würde heißen, meinen sicheren äußeren Hafen aufzuheben, das macht mir Angst. Vor dem Hintergrund macht das Nähebedürfnis Sinn.

    Was mir noch aufgefallen ist: in meinem Elternhaus gab es abrupte Stimmungswechsel. Nicht nur schlechte Laune von jetzt auf gleich, sondern auch umgekehrt, dass die am nächsten Tag einfach wieder weg war und mein Vater dann so getan hat, als wäre nie was gewesen. Mein gedankliches "Ist doch vielleicht alles nicht so schlimm in meiner Beziehung" fühlt sich ein bisschen so an wie dieser abrupte Wechsel auf die "guten" Tage.