Beiträge von Halbmond02

    Hallo ihr Lieben, es gibt Neuigkeiten. Mein "Partner" kam in die Küche während ich mir einen Kakao gemacht habe und hat mich gebeten, ihm eine handschriftliche Adresse sauber aufzuschreiben, die er nicht lesen konnte. Es war ein Zettel von unserer Ärztin mit der Adresse und Nummer vom Zentrum für integrative Psychiatrie - dazu ein Überweisungsschein mit zwei Diagnosen. Ich war total überfordert, es kam aus dem Nichts. Habe ihm die Adresse sauber aufgeschrieben und dann gesagt, dass ich stolz auf ihn bin, dass er endlich etwas für sich tut. Er hat zum ersten Mal so richtig doll geweint und ich musste ihn einfach in den Arm nehmen. Er hat sich weinend wiederholt entschuldigt und gesagt, dass es ihm Leid tut, was ich wegen ihm alles aushalten musste. Ich habe nur gesagt, er muss das alles für sich selber machen. Kein "Danke, dass du das sagst", kein "Okay", kein "schon gut" - der Drang war so groß, aber ich habe mein Befinden nicht relativiert. Danach sind wir beide wieder in unsere Zimmer gegangen.

    10min später kam die Frage, ob ich Milch mitbringen kann, wenn ich zum Supermarkt gehe und das habe ich auch gemacht - einfach weil ich selber eine seiner Diagnosen hatte und weiß, wie schwer es ist, damit zu funktionieren, vorallem wenn es so frisch und roh ist. Danach kam eine weitere Nachricht: Ob ich kuscheln möchte. Das ist mir sehr sauer aufgestoßen und ich musste erstmal weinen. Habe ihm eine klare Nachricht zurückgeschickt, dass ich das nicht möchte und mir das zu viel ist. Dass ich nicht ignorieren kann, was in den letzten Monaten alles passiert ist und gesagt wurde. Dass es mir Leid tut, dass es ihm so schlecht geht und es mir aber auch schlecht geht.

    Jetzt sitze ich in meinem Zimmer, habe zum Glück schriftliche Unterstützung von einer Freundin und meinem Papa. Das muss ich erstmal verdauen. Und vorallem muss ich sehen, dass er es durchzieht. Ich weiß nicht, ob er überhaupt in der Lage ist, sich jetzt eine neue Wohnung zu suchen und umzuziehen, aber mit der Diagnose wohl eher nicht. Ich hätte es damals nicht gekonnt. Keine Ahnung, was das jetzt für mich bedeutet. Freitag habe ich endlich wieder eine Therapiestunde und werde mich hoffentlich besser sortieren können.

    Danke fürs Lesen und liebe Grüße,

    Halbmond

    Update bei mir: Nachdem er am 31.12 den Schlussstrich gezogen hat,hat er heute angerufen und gefragt, wann wir wieder heimkommen! Er hat das nicht so gemeint. Er wollte mir nur zeigen, wie es kommen kann (mit Kontosperrung usw). Er liebt uns so und kann nicht ohne seine Familie. Es ist ein Psychsospiel und es saugt mir die Energie raus. Man zweifelt wieder einen Moment, aber letztenendes ändert es ja am ursprüngliche Problem nichts.

    Er macht dir Angst, damit du bleibst. Das ist keine Beziehung mehr. Bleib stark!

    So denke ich auch gerade. Selbst wenn mein Partner sich dazu entscheiden würde, Langzeittherapie, Entzug etc durchzuziehen, so gibt es keine Wiederumkehrung der Dinge, die bereits geschehen sind. Das Risiko eines Rückfalls spielt immer mit und meine Erfahrungen und Erinnerungen an die schlechte Zeit sind für immer da. Mein Vertrauen ist so erschüttert, dass es wahrscheinlich nicht mehr wiederkommen wird, erst Recht nicht so wie es früher einmal war.

    Hallo ihr Lieben, ich wollte mich auch mal wieder in meinem Faden melden.

    Mein Weihnachten war absolut furchtbar, da mein Hamster zwei Tage vorher sehr krank geworden ist und ich zwei Tage lang zwischen Notfallkliniken hin- und herchauffiert werden musste und letztendlich ist er morgens am 24.12. verstorben. Das hat mich hart getroffen, denn er war mein "letzer Verbündeter" zuhause, habe mich immer zu ihm gesetzt, geredet, tschüss gesagt wenn ich aus dem Haus gegangen bin und jetzt fühlt sich alles noch leerer an. Habe die Weihnachtstage bei meiner Familie verbracht und meinen Hamster dort auch begraben. Am 27.12. kam dann heraus, dass meine komplette Familie inklusive mir Corona hat und nun sitze ich zuhause, kann nichts machen an Silvester. Einerseits denke ich mir: Wann hört diese heftige Pechsträhne endlich auf und andererseits bin ich dankbar, dass ich mir keine Silvesterplanung einfallen lassen muss und das Hamsterzimmer noch so lassen kann wie es ist. Jetzt habe ich wenigstens etwas Zeit alles einigermaßen zu verarbeiten.

    Während mein Hamster krank war, musste ich ihn alle 2 Stunden päppeln, tagsüber und nachts, konnte nicht schlafen etc. und mein "Partner" ist in der Nacht vor der Einschläferung sturzbesoffen nach Hause getragen worden und ich habe fast einen Notarzt gerufen. Er konnte nicht mehr reden, musste ihn in die stabile Seitenlage bringen. Ich war so sauer und so enttäuscht und erschöpft. 2 Stunden später hat er mich geweckt und gefragt ob ich kuscheln möchte - er lebt in einer anderen Realität. Habe ihm von meinen Eltern aus einen saftigen Text geschrieben, natürlich kam keine Antwort. Seit ich Corona habe, fragt er mich ob er mir etwas mitbringen kann vom Einkaufen und ich lehne alles konsequent ab. Ich bin von dieser einen Nacht endgültig traumatisiert, es kam alles zusammen und es war einfach zu viel Schmerz auf einmal. Ich habe so viel geweint und ich merke, ich schließe ab. Er sieht mich einfach nicht. Das habe ich nicht verdient.

    Morgen werde ich zu meinen Eltern fahren, denn wir haben sowieso alle Corona und ich bin lieber dort als noch einmal ungewollt einen weiteren Saufabsturz mittragen zu müssen. Während ich das hier schreibe, höre ich wieder Flaschenklimpern.

    Ich hoffe, ihr habt ein schönes Silvester. Liebe Grüße, Halbmond

    Uff, du hast nichts falsch gemacht, Kaa. Du hast seinen Psychoterror so lange ausgehalten und jetzt wird sich etwas verändern. Vielleicht nimmt er den Rausschmiss zurück um dich zu halten, aber dann musst du bitte stark bleiben. Du hast jetzt die Chance dich zu lösen. Erstmal über Wasser halten - kannst du zu deinen Eltern oder ist das komplizierter? Hast du vielleicht sonst Freunde, bei denen du dich heute ausheulen kannst? Ich wünsche dir ganz viel Kraft, du bist stark! Fühl dich gedrückt.

    Bislang habe ich von ihm noch keine Veränderungen gehört - außer dass er den Alkohol entsorgt hat und Tabletten nimmt. Aber einen Dauererfolg wird es nicht bringen. Es ist so so schwer dieses Familienbild aus dem Kopf zu streichen :(

    Ich fühle mich nicht mehr wie ich selbst. Ich bin jetzt fast 2 Wochen weg - es ist bei ihm noch nicht angekommen, dass es vorbei ist und je mehr Zeit vergeht umso unsicherer bin ich. Ich weiß selber nicht mehr was ich will. Ich kann nicht mehr essen , nicht mehr schlafen,...Ich bewundere alle, die diesen Absprung geschafft haben ;(

    Hallo releaseme, du bist schon so weit gekommen, du kannst stolz auf dich sein! Mein Partner versucht mir immer noch Geschenke zu machen oder schreibt mir mitten in der Nacht, dass er friert und bei mir schlafen möchte, obwohl ich ihm die Wohnung gekündigt habe und wir eine Beziehungspause ausgemacht haben. Die Bedingung dass wir es nochmal versuchen mit uns, war dass er sich Hilfe holt und regelmäßig dort hin geht, er wolle es auf jeden Fall machen etc - er macht gar nichts. Diese Ambivalenz tut weh, es wird versucht Normalität zu erzwingen auf Kosten unserer psychischen Gesundheit. Dieses Ignorieren des status quo bewirkt bei mir das Gegenteil von dem was es bei dir auslöst - dass ich mir mit der Zeit immer sicherer werde, dass ich das nicht will. Vielleicht hilft dir mein Blick auf die Sache. Bis er sich wirklich ändern kann, muss eine sehr lange Zeit vergehen, in der er sich intensiv mit seinem Leben auseinandersetzt bevor er auf dich schauen kann. Und da muss er überhaupt erstmal hinkommen, er muss es wirklich wirklich wollen. Nicht weil du sonst weg bist, sondern weil er es will.

    Fühl dich gedrückt,

    Halbmond

    Ich bin emotional gerade wirklich so weit, dass ich mir schon fast selbst Hilfe suchen möchte.

    Hallo Karlotti. Als ich meinen Partner das erste Mal mit seinem Konsum konfrontiert habe, war ich danach emotional so überfordert, dass ich mir Hilfe gesucht habe. Die Therapie ist mittlerweile fast unverzichtbar für mich, denn sie ist ein Ort, an dem es nur um mich, meine Gefühle und meine Zukunft geht. Natürlich rede ich auch viel über meinen Partner, aber die Therapeutin schaut auf mich, will MEIN bestes. Das war anfangs ein komisches Gefühl, denn ich habe eher auf meinen Partner geschaut, wollte für ihn da sein, ihm helfen etc., habe aber nicht gemerkt, dass ich mich verloren habe. Damit will ich dir Mut machen, du kannst glaube ich gerade jeden gebrauchen, der in "deiner Ecke" steht und für dich da ist!

    Liebe Grüße, Halbmond

    Danke Seepandarine .

    Heiligabend werde ich bei meinen Eltern verbringen und dann wahrscheinlich bei meinem Bruder übernachten, der wohnt um die Ecke. Für die Tage danach habe ich noch keinen Plan gemacht. Ich bin hin- und hergerissen. Ich könnte eine Woche bei meinem Bruder bleiben, aber ich weiß, dass ich meine Wohnung und mein Zimmer dann sehr vermissen werde. Mein Zimmer ist mein safe space, da fühle ich mich 100% wohl, alle meine Sachen sind hier, etc. Wahrscheinlich werde ich spontan entscheiden wie lange ich dort bleibe.

    Ich weiß auch nicht, was mein Partner vor hat, denn wir reden nicht miteinander und meiden uns in der Wohnung - er bleibt in seinem Zimmer, ich in meinem. Die Vorstellung, dass mein Partner über Weihnachten alleine ist, macht mich ehrlich gesagt ziemlich fertig, denn seine Familie lebt im Ausland und ich weiß nicht wie es bei seinen Freunden aussieht. Die letzten Weihnachten waren es immer wir zwei. Ich weiß, dass das nicht "mein Problem" ist, aber irgendwie ist es das doch. Keiner von uns beiden hat sich diese Situation ausgesucht. Ich finde es sehr schwer zu navigieren. Vielleicht hat hier jemand ein paar Ratschläge oder Erfahrungen zu diesem Thema explizit?

    Liebe Grüße, Halbmond

    Hallo releaseme, meiner hat auch gesagt, er würde zum Arzt gehen und er sieht ein, dass er ein Problem hat etc, ist dann zum sozialpsychiatrischen Dienst gegangen und hat sich eine Broschüre geben lassen und das wars. Es ist quasi nur bei Worten geblieben. Als ich ihm den Untermietvertrag gekündigt habe, war er total reumütig und sagte, dass er sich kümmern wird, aber das ist jetzt auch schon 2 Wochen her und es ist rein gar nichts passiert außer dass er weitertrinkt- jetzt sogar noch mehr, weil er frei hat.

    Nur Worte bringen dich nicht weiter, sondern lassen dich gefangen in der Situation. Falls er Taten sprechen lässt und dran bleibt, kannst du die Situation für dich ja neu evaluieren, aber so wie es ist, geht es für dich einfach nicht.

    Ich weiß, dass es schwierig ist, bestimmt zu bleiben. Dein Kopf spielt dir die schönen Erinnerungen ab und du trauerst über einen Menschen, der vor dir steht, aber eigentlich weg ist. Das ist schwer zu verarbeiten, aber es wird mit der Zeit besser. Gehe deinen Weg, lass dich nicht veräppeln. Du schaffst das!

    Liebe Grüße, Halbmond

    Hallo Halbmond, ich fühle mich ausgelaugt und irgendwie etwas verloren. Dieses Gefühl von vorne starten zu müssen mit neuer Wohnung, irgendwann neuem Partner etc. macht mich ehrlichgesagt traurig. So hab ich mir mein Leben nicht vorgestellt. Ich hab das Gefühl, dass ICH gescheitert bin. Ich habe mich in den letzten Monaten nach seeeehr vielen Wohnung umgeschaut, aber nur nach Eigentumswohnungen. Jetzt erst fange ich an nach Mietwohnungen zu suchen, weil bei Eigentum doch schon mehr stimmen muss (Lage z.B.). Ich habe außerdem noch eine Freigängerkatze und brauche eigentlich eine Erdgeschosswohnung. Das gestaltet sich etwas schwerer als gedacht. Wie geht es dir denn?

    Das kann ich verstehen - ich, und du ja auch, sind jeden Tag mit diesem Verhalten konfrontiert und können nicht davon flüchten, außer vielleicht in unsere Zimmer oder bei Freund/innen. Ich habe meinem Partner die Wohnungskündigung gegeben (er hat bei mir nur einen Untermietvertrag) und ich versuche mir nun die Wohnung hübsch zu machen. Wenn er dann raus ist, kann ich endlich wieder mein zuhause genießen. Ich glaube, wenn du den Schritt wagen kannst in eine neue Wohnung zu ziehen, dann fällt dir schon ganz viel Last ab und du hast ein Projekt, mit dem du dich ablenken kannst und dir gleichzeitig gut tun wird - es für dich und deine Katze schön machen. Durch die räumliche Trennung bist du auch nicht mehr dem ständigen Druck deines Partners ausgesetzt und ich glaube, dann wird vieles noch klarer. Dass du schon aktiv nach Wohnungen suchst, ist stark und zeigt, dass du endlich auf dich achtest. Die ersten Schritte sind sehr schwer.

    Liebe Grüße, Halbmond

    Hallo Kaa, wie sieht es denn mittlerweile bei dir aus, hast du dich nach einer Wohnung umschauen können? Und wie fühlst du dich generell? Wir sind circa im gleichen Alter und ich weiß wie schwer das gerade für dich sein muss, erst Recht wenn du dazu noch einen Kinderwunsch hast. Nur weil sich bis jetzt nicht viel geändert hat, heißt das nicht, dass du schwach bist.

    Liebe Grüße, Halbmond

    Danke Boss und Sonnenschein CoA . Das gute an der SHG hier ist ja, dass Mitgefühl und Verständnis genauso Berge bewegen können wie praktische Tips und Einschätzungen.

    Mein Kater ist heute friedlich beim Tierarzt verstorben, meine Eltern waren bis zum Ende bei ihm. Mir geht es dementsprechend schlecht, ich trauere heute und gehe morgen nicht zur Arbeit.

    Gleichzeitig habe ich es irgendwie geschafft, meinem Partner (wir sind immer noch in einer Beziehungspause, aber ihn so zu nennen fällt mir einfacher) zu schreiben, dass ich keine Geschenke bekommen und geben will zu Weihnachten. Er wollte es. Ich habe genau gesagt warum und bin bei meiner Grenze geblieben. Er hat es verstanden und sagt, er wünschte er könnte mich trösten wegen meines Katers und dass er weiß wie sehr er mir bedeutet hat und wie traurig ich gerade sein muss. Darauf habe ich nicht geantwortet.

    Ich bin froh, dass ich das klären konnte und irgendwie, so dämlich es klingt, hat der Gedanke an meinen Kater dabei geholfen. Der will bestimmt nicht, dass es mir schlecht geht. Ich vergrabe mich nun in meiner Kuscheldecke neben einem Berg Taschentüchern.

    - Halbmond

    Hallo ihr Lieben, ich muss mich mal kurz "auskotzen" - die letzten beiden Tage waren sehr schlimm für mich.

    Gestern ist mein Kühlschrank kaputt gegangen und ich habe kein Geld einen neuen zu holen, das hat mir gerade noch gefehlt. Viel hin und her überlegt, kurz Existenzangst bekommen, aber durch Unterstützung von außen konnte ich mir nun einen neuen bestellen. Heute kommt heraus, dass mein Kindheitskater wahrscheinlich morgen eingeschläfert werden muss und das trifft mich sehr hart.

    Dazu kommt, dass ich irrational Angst habe, Weihnachten nicht mit meinem Partner zu verbringen. Irrational, weil ich weiß, dass es absolut furchtbar wäre, in seinem Zustand mit allem was passiert ist, zusammen etwas feiern zu wollen. Ich will ihn nicht hängen lassen und fühle mich als wäre ich ihm etwas schuldig, aber das bin ich nicht. Es ist schwer gegen mein Co-Ich anzukämpfen und es zerreißt mich gerade.

    Ich bin einfach alle, es kommt immer wieder mehr, ich weine wieder ständig, auch auf der Arbeit und ich will einfach nur in mein Bett und alles verschlafen. Ich weiß, dass diese Phase gerade sehr schwer ist und dass es besser wird. Mein Herz hat das noch nicht ganz begriffen.

    - Halbmond

    Hallo Bergdohle - immer wieder erschreckend zu hören, wie ähnlich sich die Muster von Alkoholikern sind. Ich empfinde es auch gerade so, dass er sich einen Grund versucht zu basteln warum unsere Beziehung scheitert, sodass er keine Verantwortung übernehmen muss. Gleichzeitig denke ich mir, dass er Angst haben muss alleine zu sein und das trifft natürlich mitten in mein Herz. Davon muss ich mich besser lösen. Bei dir klingt die Beschuldigung deines Mannes/Exmannes fast schon manisch, das war bestimmt sehr schwer auszuhalten.

    Schon wieder so ein schöner Text, danke Boss ! Ich mag, dass du den Begriff "Kinderzimmer" benutzt, so fühlt es sich an - wie ein bockiges Kind. Was für eine Ironie, dass mein Beruf mit kleinen Kindern zu tun hat. Was du schreibst, ist wieder wahr und macht Sinn. Der ganze Prozess ist so lang und schwer, aber mein Ziel ist es wieder Dinge losgelöst von ihm zu machen und Spaß daran zu haben. Erfüllt sein. Das geht immer besser. Ich glaube was mich immer wieder runterzieht, ist diese tägliche Konfrontation damit, dass er nichts tut. Ich sehe es, ob ich will oder nicht, da wir zusammen leben. Ich bin froh, dass ich ihm schon die Kündigung geben konnte und jetzt muss ich mich "einfach" noch drei Monate lang durchboxen. Ich glaube, es wäre sehr viel einfacher für mich gewesen, wenn wir die räumliche Trennung von Anfang an gehabt hätten, aber hätte hätte Fahrradkette. Ich bin übrigens eben eine Runde um den Block gejoggt, das erste Mal seit 20 Jahren und es hat sich gut angefühlt. Selbstbestimmt.

    Ich hoffe, ihr könnt euren Abend noch genießen!

    Halbmond

    Hey Boss , wollte gerade ein kleines Update geben, das passt ja mit deiner Nachfrage. (:

    Freitag habe ich den ganzen Abend unser Gefrierfach abgetaut, da war ich stolz auf mich. Schiebe ich schon lange vor mir her.

    Von Samstag auf Sonntag bin ich zu meinem Bruder gefahren, um etwas abzuschalten und spazieren zu gehen. Samstagabend erreicht mich dann eine Nachricht von meinem "Partner", ob ich noch wiederkommen würde und ob ich bei Familie oder wem anderes sei. Mich hat die Frage sehr irritiert und er hat dann explizit gesagt, dass er "paranoid" sei, dass ich wen anderes gefunden haben könnte und dass das sein Problem sei, aber das gerne wissen möchte. Ich habe ihm eine saure Nachricht zurückgeschickt, in der ich ihn daran erinnert habe, dass der einzige Grund warum ich nicht zuhause sei, sein Trinkverhalten und seine Untätigkeit sind. Danach kam nichts mehr. Ich hatte ja schon damit gerechnet, dass er versucht jegliche Verantwortung an sich abprallen zu lassen, aber ich war nicht darauf vorbereitet, dass er sich zusammenspinnt, ich würde jemand anderes gefunden haben. Mich hat das wirklich schockiert. Er versucht in seinem Kopf die "Schuld" auf mich zu schieben und gleichzeitig sehe ich wie sehr Angst auch er hat. Es ist ein schlimmes Gefühl. Seit Monaten weine ich um ihn und unsere Beziehung, weil ich ihn so sehr liebe und im Gegenzug verdächtigt er mich. Ich habe das Gefühl, er lebt in einer Parallelwelt und nichts was ich sage, dringt richtig zu ihm durch.

    Als ich heute wieder nach Hause kam, lag ein Strauß Rosen in der Küche, das hat mich so sauer gemacht. Direkt an seine Tür geklopf und gefragt, was die Intention dabei sei. Er fing wieder an zu sagen, er wüsste es nicht (das ist sein Lieblingssatz in letzter Zeit) und kam dann damit heraus, dass er dachte, es wäre eine schöne Geste und sich dann umentschieden habe nach meiner Nachricht. Habe erwidert, dass es unter anderen Umständen auch so wäre, aber momentan die einzig schöne Geste sei, dass er sich endlich Hilfe sucht. Er wollte, dass ich die Rosen dann wegschmeiße, aber ich habe sie ihm in die Hand gedrückt zum Wegwerfen. Ich habe das Gefühl, er hat absolut gar keine innere Haltung und macht alles aus einem Impuls heraus und denkt nicht weiter nach. Ich sehe wie emotional unreif er ist und es tut einfach nur weh. Ich erlebe vor meinen Augen immer und immer wieder, dass die Beziehung so nicht funktionieren wird. Ich möchte so gerne, dass alles in Ordnung ist und wir so sein können wie früher und ich sehne mich immer noch danach. Und das alles während er sonst kein einziges Wort zu mir sagt und sich jeden Tag in seinem Zimmer einschließt. Wenigstens muss ich nicht mehr jeden Tag weinen.. Oh und ich habe mir gestern Laufschuhe besorgt, damit ich (hoffentlich) einfach loslaufen und meinen Kopf frei bekommen kann, wenn es mir hier zu viel wird.

    Heute bin ich nicht besonders gut im Schreiben, es liest sich alles etwas wirr, seht es mir bitte nach.

    Liebe Grüße, Halbmond

    Hallo ihr Lieben, ich wollte mich nochmal melden nach meinem turbolenten Wochenende.

    Ich weine endlich nicht mehr und heute habe ich einer lieben Kollegin von meiner Situation erzählt, das hat mich direkt entlastet. Gerade reden auf der Arbeit alle von den schönen Adventskalendern, die ihre Partner für sie gemacht oder gekauft haben und tauschen sich über potenzielle Weihnachtsgeschenke aus und ich sitze hier und weiß, dass ich kein Weihnachten mit meinem Partner haben werde. Das lastet zwar schwer auf mir, aber ich gewöhne mich langsam daran, dass ich Dinge alleine machen und unternehmen muss. Manchmal bekomme ich kleine Panikmomente, aber die halten nicht lange an. Ich muss allerdings noch daran arbeiten, nicht so genau hinzuhören, was mein Partner macht - bei jedem Türöffnen oder Poltern geht das Gedankenkino an.

    Ich denke immer mal wieder an deinen letzten Beitrag hier Boss - ich bin gar nicht darauf eingegangen, aber er ist sehr wertvoll für mich. Du schreibst ganz klar und es macht total Sinn. Wie ein kleiner Pep-talk. Danke.

    _Eternal_ Danke dir, ich hoffe du hattest auch einen schönen 1. Advent! Du hast Recht, mehr kann ich nicht machen. Vielleicht hier und da kleine Reminder setzen, aber das geht auch nur, wenn ich wieder mehr zu mir selber gefunden habe. Ich habe ja schließlich auch an mir zu arbeiten.

    Liebe Grüße, Halbmond

    Hallo Sonnenschein CoA , ich bin irgendwann vor Erschöpfung eingeschlafen und habe dann zum Glück auch sehr lange geschlafen. Aufgewacht und zack wieder geweint. Habe es geschafft einer Freundin zu schreiben und wir waren 3 Stunden lang spazieren und haben geweint, denn sie hat sowas ähnliches vor kurzer Zeit auch durchgemacht.

    Ich komme immer noch nicht damit zurecht, dass es das jetzt quasi gewesen sein soll. Was wir alles zusammen aufgebaut haben, wie wir uns entwickelt haben, was wir alles teilen und erlebt haben, erleben wollten und wie das alles zerfällt. Ich muss mich konstant selber zurückhalten, nicht mit ihm zu reden oder an seine Zimmertür zu klopfen. Gestern Abend hatte ich ihm beim Spazieren noch geschrieben und gefragt, ob er zuhause ist - einfach weil meine Gefühle so stark sind - ich weiß aber, dass mir das nichts bringt. Heute morgen hat er mich gefragt, ob ich Brötchen haben will, ich habe abgelehnt und danach wieder geweint. Ich bin konstant damit konfrontiert, wie sehr ich ihn vermisse und wie sehr er versucht, dass alles wieder "normal" wird, ohne etwas richtiges zu unternehmen. Ich bin wirklich zerrissen.

    Ich weiß ja, was ich tun muss, aber es kommen trotzdem Selbstzweifel. Was ich mit der Forderung eines Arztbesuchs bezwecken wollte, war ja, dass er sich Hilfe sucht und das hat er ja eigentlich schon damit angefangen, dass er stattdessen zum Sozialpsychiatrischen Dienst gegangen ist. Ich bin mir unsicher, ob ich zu hart zu ihm bin. Er hat gestern so viel eingestanden und der eine Satz von ihm geht mir auch nicht mehr aus dem Kopf - dass er dankbar ist, dass ich so lange versucht habe, ihm zu helfen. Das triggert mich enorm. Ich will ihm helfen und ich will ihn beschützen, aber es funktioniert nicht, wenn er das nicht annimmt. Ich möchte einfach alles versucht haben.


    Liebe Grüße,

    Halbmond

    Liebe Seepandarine , Sonnenschein CoA und Cathy - da kullern schon wieder die Tränen bei mir. Danke für eure warmen Worte, das fühlt sich tatsächlich ein bisschen wie eine Umarmung an. Danke. Wirklich.

    Ich bin ein bisschen spazieren gegangen, das sah bestimmt befremdlich aus, so mit verweintem Gesicht und schluchzend, aber ich bin stolz auf mich, dass ich nicht heulend im Bett versunken bin - auch wenn das ebenfalls okay gewesen wäre. Am schlimmsten ist gerade das Vermissen. Ich vermisse meinen Partner so sehr und obwohl er direkt vor meiner Nase ist, ist er nicht er selbst. Das sagt auch eine alte Freundin von ihm, sie erkenne ihn nicht wieder. Es ist schwer damit umzugehen und ich hoffe, es wird irgendwann leichter und tut nicht mehr so furchtbar weh.

    Liebe Grüße, Halbmond