Beiträge von Johanna89

    Mich erreichte eben die erste Nachricht, seit dem er heute Mittag weg war.

    Zitat:

    „Darf ich meinem Sohn nicht sagen was er träumen soll?
    Oder macht das wer anders?“

    Ja, ich gebe zu, ich bin sprachlos. Irgendwie hatte ich erwartet dass als erste Kontaktaufnahme sowas kommt wie „Wie geht es euch?“ „Tut mir so leid“ irgendwie sowas.

    Ich weiss, das ist reine Provokation und deshalb öffne ich die Nachricht gar nicht erst.

    Hätte er das wirklich gewollt hätte er sich doch auch um 20 oder 21 Uhr freundlich und respektvoll melden können.

    Ja, sie nagt an mir, die Verunsicherung.

    Liebe Linde, du hast völlig recht, sorry!

    Ich habe mich bei der Polizei zu diesem Thema Türschloss beraten lassen und bin zumindest diesbezüglich jetzt schlauer.

    Ich weiss nicht wo er untergekommen ist. Er hat sich auch nicht gemeldet und das ist auch ok so. Ich habe keine Lust auf Krieg. Ich will einfach nur Ruhe für mein Kind und mich. Und dass sein Vater sich nicht nach und nach umbringt.
    Das Auto habe ich durchgesehen und meine persönlichen Sachen rausgeholt. Falls er es heute Nacht oder morgen holen sollte.
    Ich stehe noch total unter Schock. Kann immer noch nicht fassen dass ich es wirklich getan habe.
    Bis jetzt fühlt es sich auch noch richtig an.

    Ich hoffe das bleibt so.

    Leute. Ich habe es getan. Ich habe ihn heute morgen nach einem weiteren Vorfall gesagt dass er HEUTE ausziehen wird. Falls er das nicht tut, werde ich gehen.

    Er packt gerade. Hat gelacht als ich gesagt habe dass ich nicht weiter zusehen werde wie er sich umbringt. Dass das total übertrieben ist. Habe gesagt Dass das noch nicht das Ende der Ehe bedeuten muss, dass es jetzt an ihm liegt wie es weiter geht. Hat wieder gelacht. Und gesagt dass es dann wohl besser ist wenn andere mit mir reden (er meint vermutlich Anwälte?) Mein Bruder holt ihn gleich ab.

    Habe ihn ein Zimmer in einer Pension für eine Nacht reserviert. Alles was dann passiert obliegt seiner Verantwortung.

    Sitze im Bad auf dem Klodecke, habe so einen Puls.

    Ich danke euch.

    Die Gelegenheit habe ich beim Schopfe gepackt und heute schon mal nach dem U-Heft, Impfausweis, den Ausweisen der Hunde, den KFZ-Briefen (Auto+Anhänger), … geschaut habe. Beim grossen A habe ich mir eine geräumige Dokumententasche bestellt. Da werde ich dann alles einsortieren. Dann habe ich mit einem Handgriff zumindest die Papiere parat.

    Mein grober Plan hat sich vermutlich ohnehin zerschlagen.

    Mein Kater ist plötzlich sehr krank geworden, und nun werde ich den geplanten Aufenthalt nächste Woche drastisch kürzen auf maximal 1 Übernachtung und mich auf die wichtigen Arzttermine beschränken. Das jetzt noch obendrauf, da wäre ein fernbleiben für länger (falls mein Mann nicht kooperiert) ohnehin ausgeschlossen. Und die nervlichen Reserven sind auch direkt wieder futsch.

    Die ganze Situation macht so unfassbar müde.

    Ach ihr Lieben, lieber Co-Pilot ,

    ihr habt natürlich recht. In der Tat wäre ich, zumindest was Papiere angeht, nicht optimal vorbereitet.

    Finanziell ist die Lage einfacher, ich habe ein eigenes Konto, Kindergeld usw. geht auch zu mir. Darauf hat er auch keinen Zugriff.

    Und ich hätte dann natürlich aus der Ferne meine Entscheidung kommuniziert. Vielleicht ist das auch ziemlich naiv von mir zu glauben dass er sich kooperativ zeigt?

    Wisst ihr was das doofe ist? Gefühlt drängt einen jeder zu diesem Schritt, und da hat man einen (nicht fertig gedachten Plan), ist sowieso völlig unsicher, und dann merkt man: lieber doch nicht. Ich bin jedenfalls froh dass ich ausser hier noch niemandem von dem Plan erzählt habe… das erhöht dann irgendwie den Druck es dann auf Teufel komm raus durchzuziehen.

    Deshalb bin Ich zugegebenermaßen froh, mein Vorhaben hier geschildert zu haben und eure Meinungen dazu zu hören.

    Ein rationaler Blick (vor allem ein ITler-Blick :-)) kann da extrem hilfreich sein wenn man emotional völlig durch den Wind ist. (Sagt die, die ganz stolz ist dass sie mittels Installation von einem Switch das im Haus verlegte Lan-Netzwerk nutzen kann). Manchmal wünsche ich mir auch mehr Rationalität. Besonders in dieser Lage.
    Ach so, vielleicht noch als Randinfo: das Haus ist zur Miete und wir stehen beide im Mietvertrag. Das Auto ist auf ihn zugelassen.

    Halt Stop, nur zur Klarstellung:

    Die Tage in der anderen Stadt (das ist unsere alte Heimatstadt, wir sind kürzlich umgezogen) sind schon lange genau so geplant und mit meinem Mann abgestimmt. Und die Termine sind bei unserem bisherigen Zahnarzt und Besuche von Freunden. Wir schlafen eben nur im Hotel, das sehr Kinderfreundlich ist, und das auch nicht zum ersten mal und selbstverständlich ist mein Kind rund um die Uhr bei mir.
    Ich wollte eigentlich nicht so sehr ins Detail gehen, irgendwie habe ich immer Angst dass irgendwann jemand mich erkennt.

    Mir erschien die Gelegenheit für den Absprung bzw. den beginn der räumlichen Trennung eben sinnvoll, weil ich nicht da bin und mein Mann einige Tage Gelegenheit hat ein paar Sachen zusammenzupacken. Aber zugegebenermaßen bin ich jetzt wieder total verunsichert und habe das Gefühl alles ist falsch.

    Liebe Linde, in diesen Momenten wird klar warum es sinnvoll ist sich hier auszutauschen.
    Auf die Idee, das aus der Ferne zu kommunizieren, bin ich noch gar nicht gekommen.

    Aber ich habe so Angst. Dass ich mein gerade erst eingerichtetes Häuschen nicht wiedersehe. Ich kann überhaupt nicht einschätzen inwieweit er sich kooperativ zeigen wird. Wenn er dann einsieht dass es vor allem für den Kleinen das beste ist, wenn er das Feld räumt, würde ich meinen Bruder bitten ihn abzuholen und zu der Ferienwohnung zu fahren. Und wenn er darauf besteht stelle ich ihm gerne das Auto nach meiner Rückkehr vor die Tür. Das wäre noch das kleinste Übel. Alles andere, vor allem die finanzielle Situation, kläre ich dann. Ich fürchte, dass ich den Berg des „klärens“ sonst so lange vor mir herschieben würde, dass ich nicht ins handeln komme.

    Heute möchte ich mich mit einem aktuellen Stand melden.

    Vorab, ich bin absolut ängstlich, wie wahrscheinlich alle Frauen in dieser Lage.

    Ich fahre am Montag für 4-5 Tage in eine andere Stadt ins Hotel wegen einiger Termine dort. Mit meinem Sohn, ich nehme meine Hunde mit, und natürlich das Auto.

    Und ich habe einen Plan:

    Bei einer günstigen Ferienwohnung habe ich bis dahin vorab reserviert.

    Ich werde ihm kurz vor der Abreise sagen, dass ich eine räumliche Trennung möchte, weil die Situation für mich, und vor allem meinen Sohn nicht mehr tragbar ist. Und er sich bis Donnerstag überlegen soll, ob er das Haus verlässt oder ich.

    Wenn er es nicht möchte, werde ich nicht zurückkommen.

    Davon hängt maßgeblich der weitere Verlauf unserer Ehe ab: ist er einsichtig und packt im Sinne unseres Sohnes seine Sachen, holt sich Hilfe und regelt seine Probleme, haben wir vielleicht mittelfristig noch eine Chance. Stellt er auf Stur, wird trotzig und lehnt sich zurück in dem Glauben dass ich das eh nicht durchziehen werde, werde ich direkt von dem Hotel in die Ferienwohnung gehen. Und im Zweifel über das Familiengericht die Zuweisung der Wohnung beantragen. Mein Sohn hat sich hier gerade eingelebt, ich möchte das so unkompliziert wie möglich für ihn machen.
    Wie denkt ihr darüber? Schaffe ich das? Ich habe so Angst. Es ist alles so viel.

    Lieber LK, wow, danke für deine Offenheit. Ich kann mir vorstellen dass das nicht einfach ist und schätze das sehr.

    Das ist ja der Punkt der so irritierend ist für mich:

    - ich meide Konflikte
    - ich ignoriere Provikationen
    - ich kommentiere NIE wenn/ob/was er trinkt. Habe insgesamt zweimal gefragt oh er was getrunken hat, weil er angeboten hat, zu fahren. Beide male hat er mich angelogen. Zum Glück hatte ich da schon die Vorräte gescannt und wusste dass er was getrunken hat. Ich beobachte das still und leise um für mich eine Einschätzung der Lage zu haben
    - ich halte ihm alles vom Hals, was irgendwie anstrengend sein könnte. Auch aus Selbstschutz. Er muss nicht mal auf unseren Sohn ein Auge haben, ich nehme ihn mit wenn ich das Haus verlasse. Vor allem wenn er getrunken hat, das kann ich nicht verantworten.
    - ich bin (typisch Co) auch die Beschafferin. Frage ob ich was mitbringen soll. Tue es teilweise auch unaufgefordert wenn ich kistenweise Altglas entsorgt habe und dadurch weiss, dass seine Vorräte zur neige gehen. Bin sogar an Heiligabend vormittags noch zum Getränkehändler meines Vertrauens gefahren um ihn für die Feiertage zu versorgen.

    Das ist alles nicht richtig. Weil ich damit seine Sucht unterstütze, und damit auch seine Erkrankung, ich weiss. Und ich schäme mich unendlich dafür. Aber ja, ich habe Angst. Und ja, es ist leichter wenn er was getrunken hat. Entzügig ist es noch schlimmer.

    Lieber Hartmut, lieber LK, danke euch für diese tiefen Einblicke! Ich weiss auch nicht warum das wichtig für mich ist, die Zusammenhänge zu verstehen. Vielleicht versuche ich damit die Gesamtsituation irgendwie vorhersehbarer zu machen?! Den Punkt „Ich brauche Hilfe“ hat er jedenfalls noch lange nicht erreicht. Ich war es, die heimlich in der Suchtberatungsstelle war.

    wäre ein Super-Saufgrund. Ich bin so schlecht, um mich ist es ja nicht schade, wenn ich weitersaufe.

    Das macht absolut Sinn. Ich denke schon das er der Typ ist für Trinken um nichts aushalten zu müssen. Merkt man eigentlich immer wenn von irgendwo Gegenwind kommt (nicht mal in Bezug auf Alkohol) dann wird es immer extrem.

    Aber wieso folgen dann auf die Tage (Nächte) in denen er es so richtig übertreibt, immer Tage in denen er bemüht ist „normal“ zu wirken? Also wie gesagt er trinkt dann natürlich trotzdem. Aber anders ist es dann schon.

    Und woher kommt dieser Hass und die Verachtung gegen mich?

    Lieber Hartmut, danke für deine Worte. Ja vermutlich ist es das, was so verwirrt: man kennt diese Situativen Spannungen, aus denen jeder lernt, auch wenn man keine grossen Worte mehr verliert. Ich denke der Unterschied bei nassen Alkoholikern, speziell meinem Mann ist: die spirale dreht sich immer wieder im Gegenteil: es passieren viele Dinge, die verletzen, und er wird sicher im Nachgang in irgendeiner Form ein schlechtes Gewissen haben oder?! Nur, dass eben keine Veränderung auftritt. Es fühlt sich eher an wie Gleichgültigkeit. Oder „war halt Betrunken, kann ich ja nix für“, irgendwie in dieser Art. Natürlich schwingt da auch eine grosse Portion Mitleid bei mir mit. Und vermutlich ist das einer der vielen Gründe die mich halten. Das Gefühl, ihn sonst im Stich zu lassen. Aber gleichzeitig spüre ich deutlich dass ich momentan eigentlich hauptsächlich mich, meine Grenzen und Ressourcen und damit automatisch auch mein Kind im Stich lasse. Und eines habe ich hier schon oft gelesen: er ist erwachsen und für sich verantwortlich. Ich bin für mich und mein Kind verantwortlich.

    Eine Sache ist passiert die mich ziemlich irritiert: wir waren zusammen unterwegs im Auto, er witzelte über die Probefläschchen mit Obstler, die am Doppelkorn befestigt waren. „Das Zeug geht ja gar nicht, und das sage ich, wo doch Alkoholikern der Geschmack eigentlich egal ist!“ Ich war kurz etwas geplättet und fragte dann ob er das ernst meinen würde, dass er sich Alkoholiker nennt. Denn das war neu. Er sagte, eher zynisch: „Ja klar, was bin ich denn sonst?!“ Und das war es dann auch wieder. Komischerweise fühlte ich hauptsächlich ein Gefühl: Entwaffnung.

    Als wäre die Tatsache, dass er es ausgesprochen hat, nun gekoppelt an Verantwortung, im Sinne von „Ich habe es gesagt, sie weiss es jetzt, dann soll sie doch schauen dass sie es für mich regelt“. Oder „Ich habe es ausgesprochen, dann kann sie mir nicht vorwerfen ich würde mein Problem nicht anerkennen“. Oder „Ich habe es ausgesprochen, da wird sie mich doch nicht verlassen/im stich lassen“

    Auf alle Fälle wieder totale Verwirrung.
    Das ist schon ein paar Tage her, aber beschäftigt mich immer noch. Konsequenzen bzw Verhaltensänderungen sind natürlich keine Feststellbar. Im Gegenteil.

    Kennt ihr Cos dieses Verhalten, dass nach einer heftigen Trunkenheit/durchgezechter Nacht ein paar Tage der „aufgesetzten Normalität“ folgen? Und wieso tut ein Alkoholiker so, als sei gar nichts gewesen? Wissen sie das alles wirklich nicht mehr? Was sie gesagt haben? Wie abwertend sie waren? Wie können sie erwarten, dass ihr Umfeld dann auch so tut als sei nichts gewesen? Ich möchte das ja auch wirklich verstehen. Diese Verwirrung und kalt-warm Spielchen können einen wirklich verrückt machen. Es ist keine Konstante. Und das lähmt mich so sehr. Raubt mir Kraft. Macht mich unfassbar müde. Und was am schlimmsten ist: es lässt mich glauben das ja alles gar nicht so schlimm ist. Das er es vielleicht doch einsieht. Und ich habe ein schlechtes Gewissen wegen meiner „Exit-Pläne“. Bis zur nächsten Eskalation. Und mein Verstand weiss, dass es nicht von alleine besser wird. Schließlich erlebe ich dieses „vertraute“ Muster schon lange. Habe es nur noch nicht verstehen können WARUM er dann so „normal“ ist. Vielleicht kann mir das einer aufdröseln? Vielleicht liest es ja sogar ein Betroffener und kann es aus Sicht des Alkoholikers schildern? Hach es ist alles so anstrengend. 😥

    Meine berufliche Situation ist etwas komplexer, würde ich das hier aufschlüsseln könnte man mich erkennen. Fakt ist aber, ohne externe finanzielle Hilfe (Unterhalt/Wohngeld) könnte ich mir die Miete alleine nicht leisten. Und das ist ja auch alles wieder so kompliziert.

    Ach ihr Lieben. Danke für eure Worte. Es tut so gut, verstanden zu werden! Am Anfang, wenn ich im Bekanntenkreis mal angedeutet habe dass er schon viel trinkt, wurde ich eher belächelt. Im Sinne von „Ach, der gönnt sich das mal! Ist doch nichts bei! Wir haben doch alle schon mal Zuviel getrunken!“ Erst als einer seiner besten Freunde im gemeinsamen Campingurlaub 2024 hautnah mitbekam wie es so läuft mit dem Alkohol (….und da war es noch LANGE nicht so schlimm wie heute!!) war die Betroffenheit ziemlich gross.
    In den letzten 6-8 Monaten habe ich dann auch meine Mama und meine Schwester eingeweiht. Sie sorgen sich, aber wissen natürlich auch nicht alles. Die Scham ist dann doch noch ziemlich gross.
    Liebe Aurora , paradoxerweise hatte ich heute genau diesen Gedanken: ich verliere Zeit.

    Zeit, die mein Kind verdient hätte. Zeit, in der ich nicht völlig erschöpft und wie gelähmt und überreizt den Tag irgendwie meistere, sondern die Mama sein kann, die er verdient.

    Mich hält die Angst vor der finanziellen Unsicherheit und vielleicht auch Angst vor Konsequenzen die ich noch nicht auf dem Radar haben könnte. Angst, etwas nicht bedacht zu haben. Und Angst das mein Kind dann wegen Umgangsrecht bei ihm ist, auch nachts, auch wenn er betrunken ist. Er ist ein Meister der Manipulation.
    Und Veränderung macht ja immer Angst… ach es ist zum verzweifeln. Ich drehe mich im Kreis.