Beiträge von Kyra

    Ich wünsche allen hier einen wunderschönen entspannten alk-freien Sonntag.

    Heute bin ich genau 5 Monate abstinent.

    Resumée:

    Es ist irgendwie zu einfach 😂.
    Natürlich ploppt mal der Gedanke auf, ein Bier trinken zu wollen oder dass ich sonst in der Situation getrunken habe. Aber fast immer kann ich diese Suchtstimme durch die Aufforderung zu verschwinden oder durch Lachen über ihre stümperhaften Versuche schnell wieder verdrängen.

    Von Anfang an habe ich mich nicht auf Diskussionen mit der Suchtstimme eingelassen.
    Denn das Suchthirn denkt nur an das Suchtmittel, denkt nur daran, wie die Sucht befriedigt werden kann. Daher ist eine auf Logik basierende Auseinandersetzung mit der Sucht nie möglich. Ich vergeude also nur meine Kraft, wenn ich innerlich anfange zu diskutieren, wenn meine Suchtstimme mir zuflüstert, doch was trinken zu können, zu wollen, zu dürfen, zu müssen,


    Macht es mir nun diese Einstellung, dieses kompromisslose Abwehren der Suchtstimme so leicht, keinen Alkohol zu trinken?

    Ich denke, da kommen noch weitere Faktoren hinzu.

    1. Ich kämpfe nicht gegen die Sucht an, ich habe vor ihr kapituliert.
    Wenn ich das Nichttrinken als Kampf gegen die Sucht sehe, dann kämpfe ich jeden Tag immer wieder gegen sie an. Dann ist mein restliches Leben ein dauerhafter täglicher Kampf gegen die Alkoholsucht, den ich jedoch nicht gewinnen kann, da die Sucht nicht heilbar ist, sondern mich für den Rest meines Lebens begleitet.
    Wenn ich nun vor der Sucht kapituliere, dann akzeptiere ich, dass es sie mein Leben lang gibt und verstehe, dass nur ein Leben ohne Alkohol mir ermöglicht, mit dieser Sucht weiterhin leben zu können.

    2. Die Abstinenz ist eine Notwendigkeit.
    Diese Einstellung resultiert aus 1.
    ich bin unheilbar suchtkrank. Ich kann diese Krankheit nur stoppen, wenn ich meinem Körper keinen Alkohol mehr - und zwar nie mehr - zuführe. Es gibt da keinen Kompromiss, es gibt da kein kontrolliertes Trinken, kein mal ein Bier. Es gibt nur entweder - oder, ganz oder gar nicht. Und da ich mein restliches Leben frei, selbstbestimmt und nicht in Abhängigkeit von einer tödlichen Sucht gestalten möchte, ist es für mich notwendig, nicht zu trinken. Die Einsicht in diese uneingeschränkte Notwendigkeit bewirkt wiederum, dass ich jegliche Diskussionen mit der Sucht abwürgen kann.
    Ich diskutiere ja auch nicht, ob ich einen mit Arsen angereicherten Tee trinke oder nicht.

    3. Ich sehe das Trinken von Alkohol nicht als etwas Positives, die Abstinenz damit nicht als Verzicht.
    Vielmehr ist das Nichttrinken ein Gewinn für mich.
    Es gibt keinen einzigen positiven Grund zu saufen.. Stressabbau? - Das geht auch mit Atemübungen, mit Meditation. Und so gibt es für alles, was das Suchthirn mir als Grund fürs Trinken einreden will, eine Alternative.
    Ich muss nur den Mut haben, nach diesen Alternativen zu suchen, sie auszuprobieren, also den bisherigen bequemen Weg zu verlassen. Und wenn ich Alternativen gefunden, diese eingeübt habe, dann werden die alternativen Mögichkeiten zu neuen ebenfalls bequemen Wegen.
    Aber auch, wenn ich diese neuen Wege noch nicht alle gefunden und verinnerlicht habe, gewinne ich auch so be der Abstinenz (z.B. geringerer Blutdruck, keinen Kater, kein morgendliches Trockenkotzen, keine Fahne, usw.).

    4. Ich bin ein leistungsorientierter, ehrgeiziger, perfektionistischer, verstandesgeleiteter Mensch.
    Diese Merkmale, aufgrund derer ich mir mein Leben immer wieder sehr schwer gemacht habe, die mir Depressionen und auch einen Burnout beschert haben, helfen mir nun wiederum bei meiner Abstinenz.

    Ich warte jetzt nicht darauf, dass irgendwann noch das böse Erwachen kommen müsse. Denn damit würde ich den Eintritt im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung fördern.
    Da nehme ich vielmehr an, dass die Kombination meiner Grundanschauungen/Säulen mir einfach die Abstinenz erleichtert. Und ich werde mir diese Säulen immer wieder vor Augen halten, um mein Leben lang achtsam zu bleiben und meine Alkoholabstinenz nicht durch „ich kann das nun nach xy Zeit kontrollieren“, „ein Bier nach dieser xy Zeit schadet mir nicht“ usw. aufs Spiel zu setzen.

    An dieser Stelle möchte ich vielen hier
    (stellvertretend Alex_aufdemweg , Stern , Hartmut , Nayouk24 für ihre fast mantraartig vorgetragenen Ansichten)
    danken.
    Ohne dieses Forum, ohne eure Sicht auf die Krankheit, ohne eure Rückmeldungen, ohne eure Schilderungen über euren Umgang mit der Sucht, ohne euren Einsatz hätte ich den beschriebenen Erkenntnisgewinn nie erlangt.

    Ich würde wohl jedem nicht trinken dürfenden Bier hinterherweinen und mir täglich für einen weiteren Tag mit geschafftem Kampf gratulieren (eine grauenhafte, da anstrengende Vorstellung).


    LG Kyra

    Hallo Kathrin,

    da bin ich ja gespannt, wie dein Blutdruck sich ohne Medikamente einpendelt.

    Und es wäre doch ein toller Effekt der Abstinenz, wenn du keine Blutdrucksenker oder nur noch in geringer Dosierung benötigst.

    LG Kyra

    Hallo Stephie,

    zunächst auch von mir ein herzliches Willkommen.

    Er sagt dazu weiter nichts, außer manchmal dass mich ein bisschen ja nicht gleich ‚umbringt‘.

    Mein Mann dachte auch anfangs, dass ich keine Alkoholikerin sei da ich ja noch funktionierte, nicht schon morgens trank etc.
    Er trinkt auch und sagte mir ausdrücklich, nicht auf Alkohol verzichten zu wollen.

    Ich habe ihm dann in einem längeren Gespräch von meinem ersten Besuch bei der Suchtberatungsstelle und ihrem Test erzählt. Ich erklärte ihm den Test (wenn ich mindestens 3 von 6 Fragen mit ja beantworte, bin ich Alkoholikerin) und das Ergebnis der einzelnen Fragen mit Beispielen.
    So beschrieb ich ihm meinen Kontrollverlust, dass ich nicht aufhören konnte, wenn ich erstmal angefangen hatte, dass ich schon oft versucht hatte, nur eine bestimmte Menge, nur an bestimmten Tagen Bier zu trinken, dass das aber nicht funktioniert hat.
    Ich erklärte ihm, dass ich von gesellschaftlichen Verpflichtungen ohne Alkoholangebot möglichst schnell nach Hause wollte, um endlich Bier trinken zu können, dass ich zu solchen Veranstaltungen erst gar nicht hingehen wollte, Ausreden erfand, um wegbleiben zu können.
    Ich erklärte ihm, dass ich mittlerweile wesentlich mehr trank als früher, dass ich mehr vertrug, bis ich als angeheitert bezeichnet werden konnte.
    Und ich blieb bei all diesen Beispielen bei mir, obwohl ich auch hier und da „uns“ hätte sagen können.

    Ich machte ihm im Laufe der ersten Zeit klar, dass ich keinen Alkohol mehr trinken dürfe, da ich ansonsten sofort wieder im alten Alkoholkonsum sei, dass es Situationen geben könne, in denen ich alles versuchen werde, was trinken zu können, dass deshalb unser Haus alkoholfrei sein müsse.

    Nun, er trinkt seitdem nur noch samstags Abend. Er fragte mich zwar vorher, ob es ok sei, ich nahm Rücksicht auf ihn und er trank in meiner Anwesenheit, bis ich am 3. Samstag den Raum verlassen wollte, da ich gefühlsmäßig mit seinem Trinken direkt neben mir nicht klar kam.

    Fazit mittlerweile:
    Mein Mann verabschiedet sich jetzt samstags irgendwann am Abend ins Bett (wie auch an allen anderen Wochentagen) und trinkt in einem anderen Zimmer sein Bier. Wir haben kein Bier mehr im Haus, Er holt sich seine „Portion“ samstags morgens und lässt auch nirgendwo volle oder leere Flaschen rumstehen. Es riecht auch nirgends im Haus nach frischem oder abgestandenem Bier. Im Urlaub, wenn wir wegfahren, wird er ebenfalls kein Bier trinken.


    Das wird für dich so allein aufgrund eurer räumlichen Situation nicht umsetzbar sein, aber vielleicht kannst du ihn zumindest für deine Alkoholsucht sensibilisieren, dass er wenigstens seine Fragen unterlässt.
    Ob ein Zusammenleben mit zuverlässiger Abstinenz unter den von dir geschilderten Umständen möglich ist, möchte und kann ich nicht beurteilen. Aber diese deine Worte

    Am meisten habe ich Angst, dass ich nur aus Streitvermeidung wieder was trinke!

    sind schon bezeichnend und klingen nicht gerade nach Risikominimierung.

    Ich wünsche dir, dass du einen Weg findest, der deine Abstinenz nicht gefährdet.

    Liebe Grüße Kyra

    Hallo Matcha,

    warum musst du dich begründen? Das klingt nach Rechtfertigung.

    warum sagst du nicht einfach:

    „Ich trinke keinen Alkohol mehr und möchte auch keinen Alkohol mehr bei mir zu Hause haben.“

    Und ggf. „Ich frage auch nicht, warum du Alkohol trinkst.“

    (Ich persönlich versuche mittlerweile, im Alltag mich nicht zu erklären, zu rechtfertigen, warum ich zu etwas „Nein“ sage. Eine Begründung abgeben zu müssen klingt für mich, als ob ich dem Anderen gegenüber versichern muss, dass ich stichhaltige Gründe habe, da er ansonsten denken könnte, ich lehne etwas wegen seiner Person ab. Und das ist ungesund, da ich bei solchen Gedankengängen nicht bei mir bin, sondern in dem unbedingten Wunsch nach Anerkennung durch Dritte.)

    Und wenn du diesen 4 Personen genau so wichtig bist wie sie dir, dann akzeptieren sie, dass es bei dir keinen Alkohol gibt.
    Sofern sie kein Problem mit Alkohol haben, dann haben sie auch kein Problem ohne Alkohol. Dann ist das Fehlen von z.B. Bier für sie genau so wie das Fehlen von z.B. Sprite, wobei zig andere Getränke angeboten werden. Deine Freunde würden nicht wieder gehen, nur weil du kein Sprite anbietest. Sie würden dich weiterhin besuchen, auch wenn kein Sprite da ist.

    Und wenn sie dich wegen des Fehlens von Alkohol nicht mehr besuchen, dann ist für sie das Trinken wichtiger als du als Person.
    Dann wird sich der Kontakt zu ihnen zwangsläufig ändern, wenn es dir mit deiner dauerhaften Abstinenz wirklich ernst ist.

    LG Kyra

    Hallo Kathrin,

    mein Blutdruck ist seit der Abstinenz auch runtergegangen. Hatte vorher ca 130 zu 80 und nun ca. 110 zu 70.

    Vielleicht brauchst du gar keine Blutdrucksenker mehr. Insofern ist es richtig, morgen zum Arzt zu gehen.
    Und totale Offenheit dem Arzt gegenüber hat mir vor sehr gut getan, fühlte sich befreiend an.


    LG Kyra

    Hallo Kathrin,


    ich sehe es wie Nayouk.

    Alkoholiker zu sein ist eine unheilbare Krankheit. Die Sucht wird uns ein Leben lang begleiten. Sie kann durch Abstinenz zum Stillstand gebracht werden.

    Ich stelle es mir anstrengend vor, für den Rest meines Lebens mich jeden Morgen auf einen Kampf gegen die Sucht einzustellen in dem Wissen, dass sie jeden neuen Tag wieder unbesiegt, da nicht heilbar, im Ring steht.

    Wenn ich wiederum die Sucht akzeptiere als ein lebenslanger Teil von mir, vor ihr kapituliere, dann akzeptiere ich, nie wieder Alkohol zu mir nehmen zu dürfen. Und wenn ich diese Notwendigkeit einsehe, wenn ich weiter leben möchte, dann trinke ich nicht.
    Das Einsehen dieser Notwendigkeit ist aber kein kräftezehrender Kampf.

    Gleichzeitig lasse ich mich auf keinerlei Diskussion mit der Sucht ein, denn sie ist Argumenten gar nicht zugänglich, sie denkt nur an Alkohol und die Suchtstimme versucht, mit all ihren Möglichkeiten mich zum Trinken zu bringen, zu verführen. Wenn ich diese Suchtstimme immer wieder sofort abwürge, sobald sie sich meldet, gebe ich ihr keinen Raum, sich in mir auszubreiten.

    Und ich ändere Gewohnheiten. Habe ich z.B. bisher, wenn ich abends nach Hause kam, mich zuerst auf die Couch gesetzt und ein Bier getrunken, dann trinke ich jetzt einen Tee (oder ein anderes Getränk, das ich mag) auf dem Sessel. Irgendwann hat mein Gehirn die alte Gewohnheit überschrieben und ich werde das Bier nicht vermissen.

    Schließlich achte ich darauf, nicht zu vergessen, dass die Krankheit unheilbar ist, dass das Suchthirn zwar leise, aber immer noch vorhanden ist. So helfen mir tägliche Atemübungen, meine reale SHG und auch dieses Forum, mich zu erinnern. Ich werde daher nicht nach 2 oder 3 Jahren Abstinenz damit aufhören und dann Gefahr laufen, irgendwann aus Leichtsinn oder Überheblichkeit das erste Glas Alkohol wieder zu trinken.

    Bisher lebe ich gut damit.

    Liebe Grüße Kyra

    Hallo Pantum,

    wenn jemand nicht süchtig ist, hat er keinerlei Probleme damit, nichts Alkoholisches zu trinken. Er muss es ja nicht. Wenn du kein Bier da hast, ist es für denjenigen so, als ob du keinen XY-Saft da hast, es aber ja genügend Getränkealternativen zur Auswahl gibt.

    Zu Ostern waren unsere Kinder zum Grillen bei uns und ich outete mich allen gegenüber. Auch erklärte ich ihnen, dass es nun bei uns nie mehr Alkohol zu trinken gebe. Sie freuten sich für mich, nickten zustimmend und widmeten sich wieder ihren Gesprächen, ihren Kindern, ihrem Essen.

    Für sie ist es kein Verzicht, wenn es keinen Alkohol gibt, da sie nicht abhängig sind.


    Vergiss das einfach nicht, auch wenn dir dein Suchthirn einreden will, bei einer Feier ohne Alkohol fehle etwas.

    LG Kyra

    Hallo Wilma,

    herzlichen Glückwunsch zu 3 Monaten ohne Alkohol.

    Auch wenn du heute nicht vor lauter Freude im Sechseck springst, freust du dich ja auf jeden Abend und Morgen und bist jeden Tag dankbar. Ich finde, Freude und Dankbarkeit sind doch tolle Gefühle, auch wenn sie heute bei dir nicht explodieren.

    Ich bin auch nicht bei vollen Monaten euphorisch, sondern freue mich einfach über die vergangene alkfreie Zeit, auf den aktuellen alkfreien Tag und auf meine alkfreie Zukunft.

    LG Kyra

    Darf oder sollte ich mich überhaupt als „Alkoholiker“ bezeichnen? Und in der Folge auch die Frage, ob es für mich stimmig ist, weiterhin hier im Forum aktiv zu sein oder mich einzubringen.

    Ich hatte ähnliche Gedanken.
    Mein Entzug lief ohne körperliche Probleme. Mir fällt es relativ leicht, keinen Alkohol zu trinken. Richtigen Saufdruck hatte ich bisher nicht. Im realen Leben wurde mir auch schon gesagt, dass es bei mir ja nicht so schlimm gewesen sei, ich könne daher nicht mitreden hinsichtlich der Suchtprobleme von xy.
    Da fing ich in letzter Zeit an zu überlegen, ob ich wirklich Alkoholikerin bin, ob ich in der SHG und hier im Forum richtig bin. Denn ich konnte bisher ja immer nur mitteilen, dass es mir mit meiner Abstinenz gut geht.

    Dann fragte ich mich, was passieren würde, wenn ich ein Bier trinke. Und ich antwortete mir, dass es nicht bei dem einen Bier bleiben würde, dass ich wie in der Vergangenheit meinen Konsum nicht kontrollieren kann. Ich erinnerte mich an weitere Verhaltensweisen, die eindeutig in Richtung Abhängigkeit gehen.

    Also sehe ich mich, egal was andere sagen, als Alkoholikerin. Und ich möchte dauerhaft abstinent leben, da ich meinem Körper dieses Gift nicht mehr zuführen möchte.

    Daher bin ich hier im Forum richtig, selbst wenn der regelmäßige Besuch mich bei meiner Abstinenz unterstützt.

    Du selbst siehst dich auch als Alkoholiker. Daher bist auch du hier im Forum richtig.

    LG Barbara

    Hallo Steg,

    ich wollte auch wissen, warum ich zu viel getrunken habe, weil ich dachte, dann würde mir die Alkoholabstinenz leichter fallen.

    Klar, ich fing mal an zu trinken als Jugendliche auf Partys, trank einen Sekt zu besonderen Anlässen, trank ein Bier nach der Gartenarbeit usw. Wie jeder hier fing ich irgendwann mal an und behielt es bei, aus den verschiedensten Gründen/Anlässen Alkohol zu trinken.

    (Krankhaft) zu viel wurde es aus einem einfachen Grund: ich bin süchtig geworden. Ich trank zu viel, weil mein Körper danach verlangte.
    Warum bin ich süchtig geworden? Weil ich zu viel trank. Es war einfach ein schleichender Prozess. Ich konditionierte mich.

    Für mein jetziges und künftiges Leben ist nur wichtig:
    Ich weiß dass ich Alkoholikerin bin.
    Ich weiß, dass ich mein Leben lang Alkoholikerin bleibe. Ich weiß, dass ich diese unheilbare Krankheit nur durch dauerhafte Abstinenz zumindest zum Stillstand bringen kann.

    Und ich schaue für mich, wie ich mir im Hier und Jetzt und für die Zukunft ein zufriedenes Leben ohne Alkohol aufbauen kann.

    LG Kyra

    Hallo Bingo,

    es ist doch dein Faden hier und deine SHG.
    Ich denke daher, wenn es dir selbst hilft, von deiner nassen Zeit zu schreiben, dann ist das doch genau das Richtige und niemand dürfte etwas dagegen haben. Im Gegenteil.

    LG Kyra

    Liebe Fra,

    ich habe mit dem Rauchen nicht von heute auf morgen aufgehört. Vielmehr habe ich zunächst 1 Woche lang täglich aufgeschrieben, wann ich rauchte, in welcher Situation ich rauchte, welche Stimmung ich hatte. Daraus konnte ich für mich Rauchmuster erkennen (z.B. direkt nach Mahlzeiten, bei Werbepausen während TV schauen, sog. „Wegezigaretten“, beim Nachhausekommen etc.). Im zweiten Schritt überlegte ich mir alternative Vorgehensweisen (z.B. direkt nach den Mahlzeiten Zahnzwischenräume reinigen, nach dem Frühstück Nägel pflegen mit Creme, Atemübungen, Beschäftigung der Hände mit Handarbeiten, Sport). Ich schrieb auf, welche Nachteile das Rauchen und welche Vorteile das Nichtrauchen hat.
    Im Grunde habe ich mir also wie beim Alkohol einen individuellen Notfallkoffer gepackt.
    Erst dann entschied ich mich bewusst für einen Ausstiegstag. Ich teilte allen diesen Entschluss und den Tag mit, unterstützte mich die erste Zeit durch Nikotinpflaster, bin in einer Online SHG für Raucher, besuche regelmäßig die Suchtberatung und überlege zu Beginn jeder Woche, was ich mir mit dem ersparten Geld zum Ende der nikotinfreien Woche gönnen möchte, womit ich mich also kurzfristig belohnen kann.
    Und ich passe ganz gehörig auf, horche in mich hinein, wie es mir mit Nikotinstopp und Alkoholabstinenz geht.

    Du schreibst, dass du den Rauchausstieg ausprobieren möchtest. Das klingt ja zunächst positiv. Aber ausprobieren heißt doch nur, mal zu testen, und nicht aufzuhören. Das hört sich für mich an, wie wenn ein Alkoholiker sagt „Ich probiere dieses Wochenende mal den Alkoholausstieg aus.“ Das klingt danach, dass du während des Kurzurlaubes, wenn das Rauchverlangen zu groß wird, dir eine Zigarette erlauben möchtest.
    Wenn du jetzt am WE doch rauchst, mache dir kein schlechtes Gewissen. Und rede dir dann nicht ein, dass du es nicht schaffst, vom Nikotin loszukommen.

    Vor allem bitte ich dich aber darum, nichts zu überstürzen. Deine Alkoholabstinenz steht an erster Stelle. Gefährde sie nicht durch den frühen gleichzeitigen Entzug von zwei Suchtmilleln.

    LG Kyra

    Hallo Fra,

    zum Beginn meiner Alkoholabstinenz waren meine Leberwerte erhöht und es wurde eine beginnende COPD diagnostiziert.

    Ich wusste also, dass ich mich auch um meine Nikotinsucht kümmern muss. Allerdings stand für mich fest, dass ich mit der gleichzeitigen Alkohol- und Nikotinabstinenz überfordert gewesen wäre. Mit Hilfe der Therapeutin bei der Suchtberatung vor Ort habe ich mich also zunächst um meine Alkoholsucht gekümmert und schließlich den Rauchstopp gedanklich vorbereitet. Heute ist mein 20. rauchfreier Tag. Und mein Husten (nicht nur morgens, auch immer stärker abends und nachts) ist so gut wie weg.

    Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, es war richtig, mich erst um meine Alkoholabstinenz zu kümmern und mich bei ausreichender Sicherheit mit dem Nikotin auseinanderzusetzen. Die Therapeutin, die auch ausdrücklich in Bezug auf Nikotinabhängigkeit geschult ist, selbst mal geraucht hat, war Gold wert für mich. Die gemeinsame Vorbereitung auf den Rauchstopp war die halbe Miete und sie half mir, den Zeitpunkt festzustellen, wann ich mich dem Nichtrauchen zuwenden konnte.

    LG Kyra

    Hallo Ihr Lieben,

    vor ein paar Tagen habe ich erstaunt festgestellt, dass ich mittlerweile mehr als 100 Tage abstinent lebe. Zusätzlich lebe ich heute den 19. Tag nikotinfrei.

    Das sind nicht meine ersten Versuche. Dennoch erlebe ich diese anders als bisherige Versuche.
    Nicht mehr Trinken und Rauchen sehe ich heute nicht als Verzicht auf irgendetwas Schönes, sondern als eine Befreiung von Giften. Ich akzeptiere, an 2 Süchten unheilbar erkrankt zu sein, und weiß, dass ich die Verschlimmerung dieser Krankheiten nur durch eine dauerhafte Abstinenz stoppen kann. Mein Alkohol- und Rauchstopp ist diesmal nicht einfach nur ein Versuch, ein Projekt, sondern eine Lebensaufgabe.

    Meine Alkohol- und Nikotinabstinenz sehe ich als einen lebenslangen Weg.
    Beide Süchte haben im Laufe der Jahre/Jahrzehnte in meinem Gehirn zwei gut ausgebaute Autobahnen direkt vor meiner Haustür errichtet (Dopaminausschüttung beim Trinken oder Rauchen). Eine Unabhängigkeit von den Süchten kann ich nur erreichen, wenn ich mir im Gehirn neue Wege, also neue Verknüpfungen, durch alternative Aktivitäten baue. Und je mehr neue Wege entstehen und immer stabiler werden, desto mehr werden die Autobahnen zurückgebaut zu Bundes-, Landes-, Ortsstraßen und schließlich Trampelpfaden. Trampelpfade werden aber für den Rest meines Lebens bestehen bleiben. Daher werde ich mein Leben lang achtsam bleiben, um die Pfade nicht durch Vernachlässigung wieder auszubauen.

    Was bedeutet das alles für mich in der Praxis?
    Mit einfach mal eben nicht mehr trinken oder rauchen werde ich nach meiner Meinung nicht erfolgreich sein, da ich dann keine neuen Wege gehe, sondern die Autobahnen weiterhin instand halte.
    Ich habe daher Gewohnheiten geändert - bzw. bin noch voll dabei -, unternehme mehr, bin sportlicher, entdecke vergessene und neue Hobbys, erkenne bereits jetzt schon viele gesundheitliche Verbesserungen.
    Ich mache mir das abends vor dem Schlafen bewusst, danke meinem Körper für seine Arbeit und bedingungslose Unterstützung. Denn mein Körper ist der einzige, den ich habe, und der mich als einziger von meinem ersten bis zu meinem letzten Atemzug begleitet.
    Ich freue mich über jeden abstinenten Tag, aber nicht nur, weil ich nicht geraucht oder getrunken habe, sondern vielmehr, weil ich mir an diesem Tag was Gutes getan habe.

    Mein Ziel ist es, jeden Tag zufrieden abstinent zu leben. Insofern könnte ich sagen: „Der Weg ist das Ziel.“

    Ich hoffe, ich habe verständlich erklärt, wie meine heutige Einstellung ist, und warum ich zuversichtlich bin.
    Vielleicht hilft mir diese Einstellung auch dabei, dass ich es bisher als relativ einfach empfunden habe, mir keinen Alkohol und kein Nikotin mehr zuzuführen.

    Künftig werde ich 3 Geburtstage feiern. Neben den Tag der Entbindung aus dem Leib meiner Mutter noch den 26.11.2025 als ersten alkoholfreien und den 21.02.2026 als ersten nikotinfreien Tag.

    LG Kyra