Heute habe 1/6 meines ersten abstinenten Jahres hinter mir.
Am 25.11.2025 beschloss ich, ab dem nächsten Tag nie wieder Alkohol zu mir zu nehmen. Ich hatte keinen Absturz oder einen totalen Tiefpunkt. Ich mochte nur mein Leben, wie es lief, nicht mehr. Ich merkte, dass ich psychisch und physisch angeschlagen war und bekam Angst, was der weitere Alkoholkonsum auf Dauer mit mir machen würde. Ich stellte fest, dass ich nicht nur Alkoholmissbrauch betrieb, sondern Alkoholikerin geworden bin. Damit war für mich klar, dass ich nie wieder Alkohol trinken kann.
Ich hatte von vornherein nicht die Einstellung, dass ich nun auf Alkohol verzichten muss, dass ich ihn nun nicht mehr trinken darf, sondern dass Alkohol ein Gift ist, dass mir nichts, gar nichts Gutes beschert, dass Abstinenz dagegen nur positive Auswirkungen hat.
Was hat sich in den nun 2 Monaten ohne Alkohol geändert?
Ich besuche regelmäßig die Suchtberatung, eine örtliche SHG und einen Aufmerksamkeitskurs. Ich lese täglich hier im Forum.
Ich achte auf Suchtsignale. So kommt durchaus hin und wieder der Gedanke auf „Früher hättest du jetzt ein Bier getrunken.“ Dann reagiere ich unmittelbar mit „Ganz genau, früher, und jetzt hau wieder ab.“ Das klappt gut.
Mein Mann besorgt sich nun sein „Samstagsbier“ am Samstag und trinkt es später am Abend in einem anderen Zimmer. Da er normalerweise auch am Wochenende früher als ich ins Bett geht und mir lediglich - wie sonst auch - eine gute Nacht wünscht - löst es bei mir keinen Suchtdruck aus. Ich bekomme nicht mit, dass er sich Bier mitnimmt, es ist für mich eine Situation wie an anderen Abenden, wenn er sich ins Bett verabschiedet.
Ich habe meinen Notfallkoffer gepackt und halte mir regelmäßig vor Augen, was darin ist, um bei plötzlichem Verlangen nicht lange überlegen zu müssen. Ich gebe meinen eingeweihten Töchtern regelmäßig einen Sachstandsbericht und freue mich darüber, dass beide stolz auf mich sind. Auch habe ich Atemübungen in den Alltag eingebaut.
Ich bin zwar ausgeglichener geworden, habe aber noch einen langen Weg vor mir, mehr auf meinen Körper und meine Gefühle zu achten als nur auf meinen Kopf.
(So ging es beispielsweise letzten Mittwoch Morgen während des Besuchs des Achtsamkeitskurses um Körperwahrnehmung. Ich bekam bei den Übungen einen Kloß im Hals, ohne einen Grund dafür zu finden, war mit meiner Reaktion irgendwie überfordert, schämte mich deswegen und unterdrückte daraufhin aufkommende Tränen.)
Die erste Zeit habe ich abends literweise Wasser getrunken, das pendelt sich gerade auf ein wieder normales Maß ein. Ansonsten habe ich Tee und (als was besonderes) heißen Kakao für mich entdeckt. An manchen Abenden überkommt mich Knabberhunger, dem ich dann auch ohne schlechtes Gewissen nachgebe. Dennoch habe ich mehr als 3 kg abgenommen, was sogar meiner Friseurin vor ein paar Tagen auffiel.
Ok, ich gehe nun auch einmal wöchentlich zu einer Sportgruppe und bewege mich auch ansonsten mehr, bin agiler. Ach ja, und mit mir stimmt doch was nicht, ich habe die Hanteln nicht wieder weggeräumt, sondern übe weiterhin damit.
Abends, wenn ich sonst Bier getrunken habe, handarbeite ich jetzt. Es tut gut, die Hände zu beschäftigen. Das 3. Paar Topflappen ist gerade in der Produktion. Es macht mir richtig Spaß, neue Muster zu suchen und umzusetzen. Wolle zum Stricken liegt griffbereit, falls ich mal mehr Lust aufs Stricken als aufs Häkeln habe. Auch ein 1000-Teile-Puzzle habe ich im Keller gefunden, das ich nun gegen mögliche Langeweile parat habe. Ebenfalls habe ich ja noch den Sprach- und den Tanzkurs im Hinterkopf.
Mein Blutdruck, der allerdings vorher nicht erhöht war, ist gesunken und nun - wie ganz ganz früher - etwas niedrig, aber ohne das das Probleme macht.
Mein Schlaf ist ok. Zum Einschlafen benutze ich jetzt Atemübungen und autogenes Training statt Bier. Zwar kann ich damit dennoch nicht immer schnell einschlafen, aber immer öfter. Meinen anfänglichen Vorsatz, abends früher ins Bett und morgens früher raus, habe ich aufgegeben. Das widerspricht meinem Wesen - Ich war schon immer eher Eule statt Nachtigall - und hätte nur Stress bedeutet.
Ich meide alkohollastige Festivitäten. So werde ich z.B. Karneval nicht feiern gehen, da ich an solchen Tagen auf Tour mit anderen schon vormittags mit Sekt begonnen habe. Da besorge ich mir lieber Rosenmontag den leckersten Berliner in unserer Gegend und genieße ihn nachmittags mit einer Tasse Kaffee.
Insgesamt war mein Entschluss am 25.11.2025 die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.
Das ist mein (ups etwas lang gewordenes) Resumé.
LG Kyra