Guten Morgen,
das Trinken kam in der Beziehung hoch, ja.
Wie gesagt, davor hatte ich es sogar ausgeblendet. Ich habe weder Lebensmittel vermieden, noch kam sofort ein Rückfall. In einem Sommer war ich mit Freunden unterwegs, es war heiß und außer Bier war nichts mehr zu trinken da. Ich hatte so einen Durst, die Kehle klebte schon. Hab einen großen Schluck genommen, mich gewundert wie bitter und eklig das eigentlich ist, das war es dann aber auch schon. Hatte nicht mal Gedanken daran, dass ich es nicht darf oder noch mehr will. Ich hatte es damals nicht mal als Rückschlag verbucht. Alkohol spielte keine Rolle mehr für mich. Ich war damals aber auch sehr stabil und seelisch mit mir im reinen.
Das Suchthirn geht bei mir meistens an wenn:
-Tiefe Einsamkeit und Lustlosigkeit
- Stress in Beziehungen, wenn es kein Versöhnen gibt
- innere Leere
- Eifersucht/ Hilflosigkeit
Da das Craving Recht kurz ist, lenke ich mich meist ab. Am besten hilft körperliche Betätigung.
Ich bin auch kein Mensch, der völlig allein sein kann und damit glücklich. Klar ich hab meine Hobbys und davon auch nicht weniger, aber eine Partnerin an meiner Seite ist für mich soooo wichtig.
Da ich jetzt auch kein Supermodel bin, der ohne Aufwand gleich Frauen abschleppt, fiel mir das immer schwer, auch die richtige Partnerin zu finden.
Mit der besagten Person war das wie ein 6er im Lotto.
Nur wenn ein sachlicher, liebevoller Mensch auf eine Löwin mit Temperament trifft, wird das eine Herausforderung. Wir haben uns daher gut die Waage gegeben. Irgendwann war ich aber auch überfordert und habe nie mit der Faust auf den Tisch gehauen.
Vielleicht auch, weil wir nicht gemeinsam in eine neue Wohnung gezogen sind, war immer das unterbewusste, was sie auch sagte, es sei ihre Wohnung.
Es gab einige Situationen, als der Alkohol wieder Einklang fand: auf ner Geburtstagsfeier usw. Aber das waren alles Tage, ohne, dass ich wieder Verlangen hatte. Nur ich merkte, dass es nicht mehr so meins war, eher gesellschaftlich. Auch das abendliche Bier wollte ich nicht, da mir klar war, dass ich eben nur trocken bin, es aber keine Heilung gibt. Hatte das damals also noch gut steuern können, indem ich es weiterhin unterlassen habe.
Da mein Kopf an nichts anderes denken kann als an sie, und wie es dazu kam (wieder: was hätte ICH) ändern können, kommt mir eins hoch: nach Monaten des abendlichen alleinseins, mit Streit und schlechter Laune ist sie in die Nachtschicht, saß ich abends allein da und wollte mich nur runterfahren. Ich kam mir wie in einem Käfig vor, oben Fluchtmöglichkeit. Wir reden hier nicht über 2 oder 3 Abende, wir reden über JAHRE der Launen. Wir haben sie dazu gebracht, dass sie wieder in den Tagdienst geht, in der Hoffnung, sie wird ruhiger und entspannter. Das war im April 25 seitdem war es auch besser, bis sie anfing, nach Feierabend zu Hause noch 2 Stunden mit ihren Kollegen zu quatschen, dann Badewanne und allein ins Bett. Wieder saß ich da allein. Ich hab ihr auch gesagt, so lieb wie sie mit ihrem Kollegen redet, so lange und so viel lacht, das würde ich mir auch mal wieder wünschen.
Ich ging im Sommer so viel allein wandern, weil sie entweder arbeitete, schlief, oder bei ihrer Familie war, wenn wir endlich mal frei hatten. ich war keine Priorität für sie, so kam es mir vor. Und dann hab ich mir Wegbiere gepackt, weil's mir fast schon egal war. Ich sah keine Zukunft mehr, hab einfach diesen herrlichen Wald genossen und dabei Bier getrunken. Ich war dann in diesem Moment echt gücklich. Das war mein Partner-Ersatz. Rest steht alles oben, wie wir uns nochmal versuchten.
Irgendwie war alles schon kaputt, weil es eine toxische Liebe war. Ich hätte gehen müssen, und zwar nach einem Jahr, als ich merkte, du suchst Flucht im Alkohol.
Aktuell bin ich stabil, kein Verlangen aber seelisch kaputt. Ich kann es immer noch nicht so wahrhaben, Klammer mich gedanklich an sie und bedauer meine Sucht. Mir ist bewusst, dass ich wieder von neu Starte, mit mehr Problemen, für mich allein und trotzdem mit dieser Krankheit. Deswegen diese Depressionen. Ich bin neidisch auf ihr Leben, weil sie nicht süchtig ist und nur Action mit vielen Freunden machen kann. Sie hat einen Job, den sie liebt. Und dieses Jammern und Selbstmitleid muss ich ablegen, weil von allein kommt es nicht. Das Aufraffen fällt schwer, weil ich über die Jahre (Scheidung, zwei Kinder, Finanzen usw.) so vom Leben ausgesaugt wurde. Die Energie ist gerade nicht da. Okay, der Alkohol verursacht Depressionen und Selbsthass, das wird noch Wochen/ Monate dauern, bis das Hirn wieder einigermaßen arbeitet.
Mein Ziel ist einfach wieder abstinent bleiben und das Glück wieder finden. Mit mir und meiner Tochter.
Ich hoffe, dass bald auch der Abstand zu dem Mädel kommt. Solange ich noch ihr nachtrauer ist mein Selbstwert halt nicht da, es ist jämmerlich und "unmännlich".