Beiträge von Lullaby_76

    Danke schonmal für die hilfreichen Posts. Ich hole mal ein bisschen aus wenn ich darf und schreibe nochmal was zum Thema Konsum, Outen und der Firma. Mein Alkoholkonsum ist die letzten Monate völlig außer Kontrolle geraten, sodass ich morgens schon besoffen auf der Arbeit gesessen habe. Da ich produktiv geblieben bin ist es wohl nicht jedem aufgefallen, aber sehr wohl meinen direkten Kollegen (warum lallt der plötzlich!?). Ein richtiges Geheimnis habe ich nie draus gemacht, es eher ins Witzige gezogen, einmal weil ich es selbst nicht gesehen habe wie problematisch es ist und auch um nicht aufzufallen (klar trinke ich, anders halte ich es mit euch nicht aus, will noch jemand Wodka in seinen Kaffee!?).

    Jetzt war vor zwei Wochen die Firmenfeier und es ist völlig eskaliert, ich stockbesoffen, mich permanent daneben bekommen, der Geschäftsführer von unserer Partnerfirma hat mich wegen meinem Verhalten den ganzen Abend aufs übelste beleidigt. Ging soweit bis er meine Mutter beleidigt hat, und ich ihm dann lautschreiend an den Hals gesprungen bin. Meine direkten Kollegen haben mich aus den Räumlichkeiten entfernt, denen habe ich dann gesagt wie es mit meinem Konsum steht (jeden Tag eine Flasche Wodka). Die sind aus allen Wolken gefallen, dachten wohl nie, dass es so schlimm ist, haben mich aufgefordert zurückzugehen um mich zu entschuldigen, das habe ich getan und dann vor allen gesagt, dass ich Alkoholiker bin. Nach all dem Mist den ich an dem Abend sonst noch so erzählt habe, ist die Chance allerdings da, dass viele denken das war Bullshit und der Abend war nur ein Ausrutscher. Bei den Geschäftsführern habe ich mich am nächsten Tag nochmals entschuldigt mit den Worten, dass es mir mental nicht gut geht und ich dafür sorge, dass das nicht mehr vorkommt. Demnächst werde ich nochmal mit meinem Chef sprechen und erwähnen, dass ich entsprechende Hilfe habe. Denken wird er es sowieso, er kommt die letzten Tage auch immer wieder auf mich zu und verwickelt mich in komplizierte technische Gespräche.

    Momentan sehe ich keinen Grund, mich nochmals komplett zu outen, auch wenn die momentane Situation etwas von nichts Halbes und nichts Ganzes oder Versteckspiel hat, sehe ich, wenn die Gesundheit und somit Abstinenz oberste Priorität hat, keinen einzigen Vorteil mich bei der nächsten Firmenveranstaltung nochmals vor allen offiziell zu outen. Feiern werde ich meiden sowohl privat als auch in der Firma und ich denke, bin aber hier gerne für Kritik und Anregungen offen, es ist besser in der Firma die Füße still zu halten, zu zeigen, dass ich dauerhaft nüchtern bin und einen guten Job mache.

    Die Scham über den Abend bleibt nach wie vor unerträglich, auch daran würde ein komplettes nochmaliges outen denke ich nichts ändern.

    Ich möchte hier nochmal auf den Eklat auf der Firmenfeier zu sprechen kommen, wo ich völlig besoffen und schon mit einer Flasche Wodka Vorsprung aufgeschlagen bin. Ich schäme mich im Moment zutiefst deswegen und habe ganz große Mühe den Kollegen hier gegenüber zu treten. Bei einigen habe ich mich bereits entschuldigt aber manche meiden mich natürlicherweise. Die Scham sitzt so tief, dass sie mich kaum noch loslässt. Es ist, als würde mein Kopf rund um die Uhr nur um diesen Abend kreisen. Die Gedanken hören nicht auf, ich spiele die Situationen immer wieder durch und verurteile mich dabei selbst gnadenlos.

    Besonders schwer ist für mich gerade die Angst, dass genau diese Scham und dieses ständige Grübeln meine Abstinenz gefährden könnten. Ich merke, wie sehr mich die innere Anspannung auslaugt und wie nah dieses alte Muster manchmal wieder kommt: „Mach es irgendwie weg, betäub dich, hör auf zu fühlen.“ Das macht mir große Angst. Ich will das nicht mehr, aber die Gedanken daran erschrecken mich trotzdem.

    Gleichzeitig bin ich enttäuscht von mir selbst und habe das Gefühl, mir selbst geschadet zu haben – und damit auch dem Weg, den ich eigentlich gehen will. Ich kämpfe gerade sehr darum, nüchtern zu bleiben, obwohl mein Kopf mir ständig einredet, dass ich versagt habe oder es eh keinen Unterschied mehr macht. Rational weiß ich, dass das nicht stimmt, aber emotional fühlt es sich gerade sehr real an.

    Ich schreibe das hier, weil ich ehrlich sein möchte und weil ich merke, dass ich das nicht alleine tragen kann. Ich will meine Abstinenz schützen und nicht aus Scham oder Angst wieder in alte Muster rutschen. Jede Rückmeldung, jede Erfahrung oder einfach ein paar aufmunternde Worte würden mir gerade sehr helfen.

    Vielen Dank für die Posts. Jede einzelne Nachricht, jeder kurze Satz und jedes Teilen eigener Erfahrungen hilft mir mehr, als ihr vielleicht denkt. Es macht einen großen Unterschied zu wissen, dass man nicht alleine ist und dass hier Menschen sind, die zuhören und verstehen. Danke für eure Unterstützung – sie trägt mich Schritt für Schritt weiter.

    Hallo zusammen,

    ich stehe gerade vor einer Frage, die mich sehr beschäftigt, und würde mich über eure Erfahrungen freuen.

    Ich bin alkoholabhängig und arbeite aktiv daran, nüchtern zu bleiben. Nach außen hin wissen das bisher nur sehr wenige Menschen. Nun frage ich mich: Soll, muss oder darf man sich „outen“ – und wenn ja, vor wem?

    Konkret geht es um zwei Bereiche, die mir große Angst machen:

    Arbeit:

    Ich habe Sorge vor Konsequenzen, Stigmatisierung oder dass mir langfristig geschadet wird, wenn ich dort offen damit umgehe.

    Neue Beziehung:

    Ich habe einen neuen Partner. Der Partner weiß, dass es mir gesundheitlich nicht gut ging, aber nicht die ganze Wahrheit. Meine Angst ist, dass Ehrlichkeit zu Ablehnung oder sogar zur Trennung führen könnte – obwohl ich mir eigentlich Offenheit wünsche.

    Mich würde interessieren:

    • Wie seid ihr damit umgegangen?
    • Wen habt ihr eingeweiht und wen bewusst nicht?
    • Gab es positive oder negative Erfahrungen?
    • Würdet ihr es rückblickend wieder so machen?

    Ich bin gerade sehr unsicher und schwanke zwischen Ehrlichkeit und Selbstschutz.

    Danke euch fürs Lesen und für jede Rückmeldung.

    Ich wollte mich kurz melden: Die ersten sieben Tage Abstinenz und somit der kalter Entzug liegen hinter mir. Es war extrem anstrengend und im Nachhinein muss ich klar sagen, dass es ohne Arzt keine gute Entscheidung war. Ich habe meine Grenzen gespürt und nehme das als wichtige Lektion mit. Danke, dass es dieses Forum gibt und an den Rückhalt hier.

    Es ist wichtig, dass Du Dich selbst als Alkoholikerin bekennst und nicht nur schreibst, dass Du alkoholkrank oder Epsilon Trinker bist.

    Okay, da war das Missverständnis. Bisher bin ich der Meinung gewesen Espilon ist wie eine Unterkategorie von Alkoholismus / Alkoholiker. Um es klar zu sagen, ich bin definitiv Alkoholiker, kann meine Alkoholkonsum nicht kontrollieren und ich strebe absolut eine lebenslange Abstinenz an. Ansonsten wird mein Leben sehr bald völlig den Bach runtergehen. Eine ärztliche Begleitung / Abstinenzprogramm mit wöchentlich Urin abgeben habe ich mir bereits organisiert. Heute ist Tag drei der Abstinenz.

    Was nicht gut ist, dass Du derzeit einen kalten Entzug durchmachst, von dem wir dringend abraten, weil es für Dich lebensgefährlich werden kann!

    Heute war ich bei einem Berater in einer Institution und bei einem Arzt und beide sagten, in meinem Fall ist keine Entzug nötig aber sehr wohl eine Therapie

    Siehst Du Dich denn als Alkoholikerin?

    Eher als „Epsilontrinker“, oder auf jeden Fall „Alkoholkrank“ möchte aber keine Diskussion wegen Begrifflichkeiten anstoßen. Kurzzusammenfassung: eine Flasche Wodka am Tag für eine Woche, eine Woche Pause, dann fängt es langsam wieder für mehrere Wochen an, dann wieder mehrere Wochen Pause. Ich hatte aber auch schon Phasen in denen ich monatelang keinen Schluck angerührt habe, auch mehrere sehr lange Phasen in denen es sehr kontrolliert, nur ein bis zwei Biere am Wochenende.

    Hallo zusammen,

    mir fällt es sehr schwer, diese Zeilen zu schreiben, aber ich weiß, dass Wegschauen für mich nicht mehr funktioniert. Ich trinke seit vielen Jahren Alkohol und habe mir lange selbst eingeredet, dass es „noch normal“ sei. Heute weiß ich, dass das eine Lüge war.

    Besonders auf Firmenfeiern habe ich mich wiederholt völlig danebenbenommen. Ich wurde eiskalt, respektlos und habe Grenzen überschritten, die ich nüchtern niemals überschreiten würde. Das Wissen, dass andere dieses Verhalten gesehen haben und sich daran erinnern, während ich nur Bruchstücke im Kopf habe, verfolgt mich ständig.

    Die Scham darüber sitzt tief. Es ist nicht nur peinlich – es fühlt sich an, als hätte ich mich selbst verraten. Die Gewissensbisse kommen oft schon morgens, manchmal noch während des Trinkens. Trotzdem hatte ich weitergemacht.

    In den letzten Monaten ist mein Konsum massiv eskaliert. Ich trinke häufiger, unkontrollierter und nicht mehr, um Spaß zu haben, sondern um das schlechte Gefühl überhaupt auszuhalten. Gleichzeitig wird alles nur schlimmer. Mittlerweile war ich bei mindestens einer Flasche Wodka am Tag und mehrere Bieren. Da ich zwischendurch immer mal wieder mehrere Tage und auch Wochen aufhöre, hatte ich nie wirkliche Entzugserscheinungen. Wie auch diese Woche, nachdem ich Dienstag auf Mittwochnacht in die Notaufnahme musste weil ich eine Woche lang weder gegessen oder Flüssigkeit zu mir genommen habe und kurz davor war umzukippen, war mir genug und seit zwei Tagen trinke ich absolut nichts mehr. Den ersten Tag hatte ich Herzrasen, den zweiten Tag Heiß-Kalt-Ausbrüche und jetzt geht es mir wieder „gut“. Das gab mir wohl immer wieder das Gefühl, ich habe es im Griff. Diesmal reicht es aber absolut, es ist jetzt zu viel passiert.

    Heute bin ich bereits bei zwei Hilfsorganisationen gewesen und versuche dort ebenfalls so schnell wie möglich Hilfe anzunehmen, es ist allerdings schwer da zu 100% berufstätig bin.

    Ich bin hier, weil ich Angst habe, so weiterzuleben, und weil ich mir eingestehen muss, dass ich es alleine nicht mehr schaffe. Ich hoffe auf Austausch, Ehrlichkeit und vielleicht darauf, nicht mehr alleine mit dieser Scham zu sein.

    Danke fürs Lesen.

    Viele Grüße :thumbup: