Hallo zusammen,
mir fällt es sehr schwer, diese Zeilen zu schreiben, aber ich weiß, dass Wegschauen für mich nicht mehr funktioniert. Ich trinke seit vielen Jahren Alkohol und habe mir lange selbst eingeredet, dass es „noch normal“ sei. Heute weiß ich, dass das eine Lüge war.
Besonders auf Firmenfeiern habe ich mich wiederholt völlig danebenbenommen. Ich wurde eiskalt, respektlos und habe Grenzen überschritten, die ich nüchtern niemals überschreiten würde. Das Wissen, dass andere dieses Verhalten gesehen haben und sich daran erinnern, während ich nur Bruchstücke im Kopf habe, verfolgt mich ständig.
Die Scham darüber sitzt tief. Es ist nicht nur peinlich – es fühlt sich an, als hätte ich mich selbst verraten. Die Gewissensbisse kommen oft schon morgens, manchmal noch während des Trinkens. Trotzdem hatte ich weitergemacht.
In den letzten Monaten ist mein Konsum massiv eskaliert. Ich trinke häufiger, unkontrollierter und nicht mehr, um Spaß zu haben, sondern um das schlechte Gefühl überhaupt auszuhalten. Gleichzeitig wird alles nur schlimmer. Mittlerweile war ich bei mindestens einer Flasche Wodka am Tag und mehrere Bieren. Da ich zwischendurch immer mal wieder mehrere Tage und auch Wochen aufhöre, hatte ich nie wirkliche Entzugserscheinungen. Wie auch diese Woche, nachdem ich Dienstag auf Mittwochnacht in die Notaufnahme musste weil ich eine Woche lang weder gegessen oder Flüssigkeit zu mir genommen habe und kurz davor war umzukippen, war mir genug und seit zwei Tagen trinke ich absolut nichts mehr. Den ersten Tag hatte ich Herzrasen, den zweiten Tag Heiß-Kalt-Ausbrüche und jetzt geht es mir wieder „gut“. Das gab mir wohl immer wieder das Gefühl, ich habe es im Griff. Diesmal reicht es aber absolut, es ist jetzt zu viel passiert.
Heute bin ich bereits bei zwei Hilfsorganisationen gewesen und versuche dort ebenfalls so schnell wie möglich Hilfe anzunehmen, es ist allerdings schwer da zu 100% berufstätig bin.
Ich bin hier, weil ich Angst habe, so weiterzuleben, und weil ich mir eingestehen muss, dass ich es alleine nicht mehr schaffe. Ich hoffe auf Austausch, Ehrlichkeit und vielleicht darauf, nicht mehr alleine mit dieser Scham zu sein.
Danke fürs Lesen.
Viele Grüße ![]()