Beiträge von Mango

    Hallo Aurora,

    deine Fragen bewegen mich. Ich weiß, dass er ein herzensguter Mensch ist, aber im zwischenmenschlichen ist er nicht einfach. Ich war tatsächlich der Annahme, dass die Verbindung zwischen uns tiefer ist. Wir haben so viel gemeinsam durchgemacht, geschafft. Im Krankenhaus, als er zur Entziehung war, hatte ich den Eindruck, jetzt wird vieles besser. Aber seine nun vorhandene Emotionsloslosigkeit hat mich erst erschüttert und nun resigniert gemacht. Und seine strikte Ablehnung, über zwischenmenschliches zu reden verletzt mich tief.

    Aktuell hänge ich in dieser Lebenssituation, weil unsere räumliche Trennung ein Riesenpaket Arbeit für mich bedeutet. Organisatorische Dinge, die etwas Zeit brauchen. Ein neuer Job, weil ich in meinen vorherigen Ort zurück möchte. Dort habe ich noch eine Wohnung, die zur Zeit mein Sohn bewohnt. Für ihn wäre es gar kein Problem, wenn wir erst einmal wieder zusammen wohnen. Und noch einige andere Hürden, für die ich eine Lösungsidee entwickeln muss.

    Aktuell ist mein Kopf entweder total voll mit vielen Fragen oder einfach leer.

    Heute hatte ich auch wieder eine Situation, in der ich nur innerlich den Kopf schütteln konnte. Zum reden habe ich keine Kraft mehr. Weil es einfach nichts bringt.

    Der Urlaub ist für mich so wichtig, weil ich den Kopf komplet frei bekommen möchte und auch kann. Zu Fuß im geliebten Land, nur ich, gibt unheimlich viel Raum für Strategien.

    Hera : deine Frage bewegt mich grad sehr. Ob ich weiter leide weiß ich aktuell nicht. Ich weiß nur, dass ich Abstand brauche um zu mir zu kommen. Diesen Abstand nehme ich mir im Alltag so gut es geht. Das tut mir gut. Irgendetwas fühlt sich für mich nicht gut an an dieser Gesamtsituation. Früher bin ich relativ schnell aus Partnerschaften, wenn ich mich nicht mehr wohlgefühlt habe. Jetzt ist es anders, weil die Grundsituation anders ist. Erstens wegen ihm. Wenn ich gehe, bin ich weg.

    Und vielleicht flammt so ein kleines Fünkchen Hoffnung in mir. Wenn ich mit mir wieder klarkomme kann es auch zwischen uns anders laufen. Im Moment habe ich das Gefühl, dass ich soviel Ballast der vergangenen Monate mitschleppen, dass ich die Situation gar nicht richtig einschätzen kann. Ihn nicht richtig sehen kann, unsere Beziehung nicht richtig sehen kann.

    Manchmal ist Alles so fordernd und ich so müde... Äußerlich scheint Alles gut, er trinkt nicht, ihm geht es gut, er hat Energie. Und dann sehe ich mich. Irgendwie dauermüde, Dinge sagend, die irgendwie nicht zu mir gehören, mich weiter abgrenzend. Ich schaue mir dann realistisch mein Tagespensum an und weiß, dass es eigentlich kein Wunder ist. Richtig abschalten geht nur fern von zu Hause, also wo er nicht ist. Bei der Arbeit also oder wenn ich allein draußen unterwegs bin. Einerseits finde ich es gut, weil es MIR einfach gut tut. Andererseits pocht so ein leises Gefühl. Wenn ich mich in der Partnerschaft, mit dem Partne nicht wohl fühle, nicht entspanne, ist es ein Zeichen. Oft denke ich, dass es mit seiner Verschlossenheit zu tun hat. Er hält irgendwie hinterm Berg. Kürzlich habe ich ihm erzählt, wie es mir geht. Das ich als eine Möglichkeit in meinen weiteren Leben sehe, dass ich gehe. Er meinte darauf sinngemäß, dann müsse ich halt gehen wenn ich mich mit ihm nicht mehr wohl fühle. Einfach so kam Das aus ihm raus. Manchmal habe ich tatsächlich den Eindruck, dass ich eine Option bin bis er wieder komplett auf den Beinen ist.

    In wenigen Monaten habe ich Urlaub und werde mich alleine auf einen Roadtrip in mein Lieblingsland begeben. Ich hatte vor einigen Jahren schon 2 dieser Reisen und beide haben mir unheimlich gut getan, mental. Dafür gehe ich Laufen, dafür trainiere ich, weil eine gewisse Fitness erheblich von Vorteil ist. Das ist jetzt erst einmal mein innerer Anker.

    Veränderungen... ich betrachte seine persönlichen Veränderungen mit Abstand und stelle fest, dass mich einiges nervt bzw. dass ich es einfach nicht gut finde. Im Hinterkopf habe ich, dass das Empfinden ohne Alkohol anders ist als mit Dauerpegel... Dennoch erscheint mir ein Mensch, der mir fremd ist. Wo er früher superentspannt war, wenn zum Beispiel irgendetwas nicht geklappt hat ist er nun oft aufgebracht. Passiert ihm ein Mißgeschick hat er früher über sich gelacht. Nun löst so etwas einen Aufruhr aus in ihm. Früher war er sehr entspannt, wenn ich zum Beispiel meine Sachen rumliegen lassen habe wird nun mit zunehmender Häufigkeit kritisiert. Mmmhhh...

    Prinzipiell ist er viel zuverlässiger geworden, Absprachen werden eingehalten. Er kümmert sich viel mehr.

    Ein anderer Mensch im selben Körper. Irgendwie kann und will er nicht nachvollziehen, dass Dies für mich fordernd ist. Oder er redet einfach nicht drüber. Wo früher Wärme war ist es nun mittellau bis kalt.

    Manchmal wache ich Nachts auf, ehrlich gesagt jede Nacht und kann nicht mehr einschlafen. Ich bin nun dazu übergegangen, regelmäßig dann ins Wohnzimmer zu gehen, mich aufs Sofa zu legen und eine Einschlafmeditation zu hören. Das hilft mir glücklicherweise zuverlässig und ich bekomme so meinen benötigten Nachtschlaf. Ich glaube nicht, dass es eine Dauerlösung ist. Aber im Moment achte ich sehr auf meine Bedürfnisse (Schlaf, Bewegung, gesund Essen) und denke, dass sich die Dinge fügen, in welche Richtung auch immer...

    Gedanken... ich war eben eine Runde laufen, mit jedem Tritt bemerke ich einerseits, wie bekannt dieses Gefühl ist. Wenn der Körper zu spüren ist, eine wohlige Wärme von innen.

    Vor einigen Jahren war Das immer mein Punkt beim laufen, wo ich das Tempo etwas erhöht habe. Mit dem etwas erhöhtem Tempo Strecke gelaufen bin. Nie außer Atem, aber etwas erhöhtem Puls. So konnte ich kilometerweit laufen, immer die Umwelt, die Umgebung, aufnehmend und dennoch bei mir bleibend. Es gab auch Tage nach längeren Läufen, an denen ich nur sehr sehr langsam vor mich hingejoggt bin. Mich irgendwo in die Wiese gesetzt habe, die Sonne oder den Wind genossen habe um dann entspannt und aufgetankt wieder an mein tägliches Tun zurückzukehren.

    Heute ist der Punkt, an dem die Wärme in meinen Körper kommt der, an dem ich eine körperliche Grenze spüre. Meine Vernächlässigung spürbar wird. Der Körper wird schwerer, ein Bein vors andere anstrengend. Also reduziere ich das Tempo, fast schon Schritt und laufe 30 Minuten langsam weiter. Am Ende der Laufeinheit spüre ich Zufriedenheit. Erstens weil ich mich spüre, ohne mich verausgabt zu haben. Und weil ich mich vom täglichen Tun befreit habe, für diese Stunde. Nur für mich, meinen Geist, meine Gesundheit. Es tut mir so gut, wieder regelmäßig draußen unterwegs zu sein.

    Die Idee, dies wieder in meinen täglichen Ablauf zu integrieren ist da. Also werde ich es tun.

    Liebe Simsalabim, du triffst es. Ich habe einige Zeit überlegt wie sich unser Zustand anfühlt. Und ja, Parallelexistenz trifft es. Die Verbundenheit ist abhanden gekommen. Wobei ich unser vorheriges Verbundenheitsgefühl nun auch mit anderen Augen sehe. Was war echt? Was war alkoholgeschwängert?

    Ich habe tatsächlich auch den Eindruck, dass ich mich bewusst innerlich von ihm abgrenze.

    Aktuell unterstütze ich ihn, wo es in meine zeitliche und persönliche Kapazität passt. Aber immer öfter stelle ich fest, dass ich zu manchem einfach auch keine Lust (mehr) habe. Er ist aktuell führerscheinlos und auf dem Dorf ist es schwierig, zur nächsten Stadt zu kommen. Einige Dinge sind von ihm noch zu regeln, in seiner Alkoholzeit hat er vieles schleifen lassen. Meine Unlust, ihn mit dem Auto zu Termine zu bringen wächst. So kenne ich mich nicht.

    Ich habe den Eindruck, dass ich in einem Prozess der Wandlung bin und Das ist gut und notwendig.

    Ob ich diese Partnerschaft weiterführen möchte weiß ich ehrlicherweise im Moment überhaupt nicht. Aktuell kümmere ich mich weiter um mich und denke, dass die Zeit es bringen wird. Es ist ein Prozess.

    Update: unsere Beziehung hat sich geändert. Ich habe eine andere Zeitrechnung. Es gibt ein davor und es gibt ein danach. Unsere Beziehung wurde quasi auf Null gestellt. Wobei Das auch nicht korrekt ist. Langsam zieht in mir Ruhe und Realitätssinn ein. Der Mann mit Alkohol war liebevoll, häufig überschwänglich. Und er brauchte irgendwie häufig viel und gab auch viel. Der Alkohol hat die Fühlgrenze so hoch gesetzt. Ich habe nun einen Menschen an meiner Seite, der mich sehr selten umarmt. Der irgendwie viel ruhiger wirkt, viel entspannter. Wo früher körperliche Nähe, auch jenseits des Bettes, reichlich war, ist heute Anwesenheit. Er redet nicht über Das, was in ihm vorgeht. Seine Zuneigung zeigt er durch Unterstützung, also im Tun. Er hat Energie . Und ich? Ich knabbert körperlich und mental noch an den vergangenen Monaten. Ich bin innerlich und äußerlich irgendwie durch. Als würde das Ergebnis der Vergangenheit, die Art, wie ich mit mir umgegangen bin, jetzt das Ergebnis liefern. Ich nehme mir zwar Zeit für mich, mache wieder Sport, bin mehr unterwegs, auch alleine, ernähre mich gesünder. Aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass meine Heilung Zeit benötigt. Ich weiß leider nicht genau, ob ich mit ihm an meiner Seite heilen kann. Wie sehr mein Leben aus den Fugen geraten ist bemerke ich jetzt. Die Veränderung in unserer Beziehung bringt einerseits Ruhe in mir, andererseits ist es einfach ein anderer Mensch, mit dem ich zusammen bin. Kürzlich sprach er mich auf eine Sache an, die im Januar erledigt werden musste. Ich hatte es einfach nicht geschafft. Er in der Klinik, ich pendelnd zwischen Arbeit, Hofversorgung, Klinik. Da hatte ich den Eindruck, dass er die vergangene Zeit einfach wegretuschiert haben will. Er konnte nicht erkennen, dass ich es einfach nicht geschafft habe. Und da war ich zum ersten Mal sauer, richtig sauer.

    Ich kann einfach dieses tiefe Gefühl der Zuneigung für ihn nicht mehr empfinden.

    Ein Update, einfach für mich... Jetzt ist die Klinikentlassung einige Tage her, und im Nachhinein, unsere Beziehung von außen angeschaut, war/bin ich die typische Co-Abhängige. Ich habe mir gestern Abend Bilder von kurz vor unserer Beziehung angeschaut. Ich war superfit, liebte mein im Jahr davor neu entdecktes Hobby, hab mich rundherum wohl gefühlt. Und jetzt, nach dieser Beziehungszeit: ich schreibe es mal so wie ich es empfinde, ich fühl mich ziemlich runtergerockt. Er hat da keinen Anteil dran. Ich habe beschlossen, mit ihm zusammen zu sein und habe mich in den Jahren sehr hinten angestellt. Vor einigen Tagen war ich bei einem lieben Verwandten, wir waren gemeinsam einkaufen. Und irgendwie war ich ziemlich geplättet von der Produktvielfalt, von den Variationen. Ich hab mich vor unserem Zusammenkommen sehr gesund ernährt, so wie ich es gefühlt habe. Hab neue (gesunde) Sachen gern probiert, gern entsprechend gekocht. Irgendwie ist mir Das abhanden gekommen. Wenn es jetzt zum einkaufen geht husche ich durch die Gänge und werfe das Notwendige fix in den Korb oder warte gleich im Auto oder er geht gleich allein rein.

    Irgend etwas für mich (innerlich) Wichtiges ist mir abhanden gekommen. Eine Zeit lang habe ich es nicht einmal gemerkt. Dann habe ich festgestellt, dass ich mich verändert habe. Und jetzt stelle ich fest, das ich mein altes Ich, meine innere Zufriedenheit, meine Motivation, meine Power, meine Abenteuerlust vermisse. Und finde nicht wirklich den Ansatz. Eben ist mir eingefallen, dass ich anscheinend "einfach" zu Beginn unserer Beziehung meinen Fokus von mir auf ihn gezoomt habe.

    Das liest sich ziemlich ungesund und fühlt sich auch so an.

    Guten Morgen,

    wir leben zusammen, ich kümmere mich in seiner Abwesenheit um Alles zu Hause (Tiere, ect...). Das ist für mich ziemlich fordernd, aber notwendig. Ich funktioniere halt.

    Zwischen Arbeit, Krankenhaus und dem zu Hause fühle ICH mich tatsächlich manchmal irgendwie verloren. Gestern war ich eine Stunde im Wald, das hat so gut getan.

    Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll... Für mich ist klar, wenn er den Weg aus der Sucht herausfindet, kann und will ich diesen Weg gemeinsam gehen. Aber ebenso klar ist für mich, dass ich Das nicht noch einmal erleben möchte. Ich kenne meine Grenze.

    Und ja, die Bilder, wie er bei Eiseskälte auf dem Boden draußen lag und gekrampft hat, die Sanitäter hatten ziemlich zu tun, ihn in den RTW zu bekommen, sind noch präsent. Und ihn dann im Entzugsdelir in der Klinik zu erleben...

    Für ihn ist klar, dass er nicht mehr trinken wird. Er sagt, er will noch gut weiterleben. Und ihm ist auch klar, dass das Die Chance zum Absprung ist und er diese nutzen will. Und ich glaube ihm das auch genau so.

    Die Zeit wird es bringen. Ich bin aktuell dabei, genau in mich zu fühlen, was mir gut tut, dies auch umzusetzen.

    Vielen Dank für eure Rückmeldungen, ich nehme sie sehr ernst.

    Hallo,

    ich kenne meinen Freund seit 5 Jahren. Er hat schon immer Bier getrunken. Kritisch fand ich das nicht, ich bin von 2 Flaschen pro Tag ausgegangen. Seit einem Jahr hat sich die Situation verändert. Ein sehr naher Angehöriger von ihm ist verstorben und rückblickend ist es seit dem irgendwie aus dem Ruder gelaufen. Waren wir in den Sommern davor häufig unterwegs und haben wunderbare Ausflüge unternommen, fehlte ihm nun irgendwie der Antrieb. Er blieb lieber Daheim und ich war allein unterwegs. Auch zwischenmenschlich fand ich ihn irgendwie so... abgestumpft. So war er früher nie. Zum letzten Jahresende verlor er den Führerschein, besoffen von der Polizei angehalten.

    Zum neuen Jahr beschloss er, keinen Alkohol mehr zu trinken. Und es kam die komplette Entzugssymptomatik, die sich im Laufe von 3 Tagen steigerte. Halluzinationen, Stürze, ect... Er wollte keinen Rettungsdienst, meinte, er schaffe Das schon und Das gehe wieder vorbei.

    Ab einem gewissen Punkt hatte ich einfach eine tiefe Angst um ihn und rief den Rettungsdienst. Die Situation war für ihn lebensbedrohlich, auf dem Weg zum Krankenwagen bekam er einen epileptischen Anfall.

    Im wurde ihm ein Aufenthalt in der Suchtklinik empfohlen, dort ist er aktuell. In der nächsten Woche steht die Entlassung an, und irgendwie habe ich Bammel. Er sagt ganz klar, dass er nicht mehr trinken möchte, weiß, dass die Situation lebensbedrohlich war und wenn er weitergetrunken hätte, es für ihn weiter strikt Abwärts gegangen wäre.

    Wir haben noch einen gemeinsamen Termin, um ambulante Hilfsmöglichkeiten nach KH zu erfragen.

    Ich habe die Situation ziemlich kurz gefasst und es scheint mir beim nachlesen irgendwie von meiner Seite sehr unemotional.

    Aber dem ist nicht so. Ich fühle mich, als wäre ich in einem emotionalen Ausnahmezustand. Nicht nur, dass ich anscheinend die Jahre unserer Partnerschaft die Schwere der Situation nicht erkannt habe (er trank schon immer und sämtliche alkoholindizierten Blutwerte waren katastrophal), nein, ich habe den geliebten Menschen in Situationen erlebt, die etwas in mir gebrochen haben. Die Entzugssymptome, die halluzinativen Zustände, seine Hilflosigkeit in denen, den Anfall. Das Gespräch mit der Ärztin im KH nach Einlieferung war klar: Er hätte sterben können. Es war knapp.

    Irgendwie fühle ich mich so bange vor der Zukunft. Einerseits glaube ich an Ihn. Ich weiß, er will und kann es schaffen. Andererseits lese ich, wie hoch die Rückfallquote ist und ich bezweifle, dass ich Das noch einmal aushalte.

    Irgendwie wollte ich Das einfach aufschreiben und freue mich auf Austausch.