Hallo,
ich kenne meinen Freund seit 5 Jahren. Er hat schon immer Bier getrunken. Kritisch fand ich das nicht, ich bin von 2 Flaschen pro Tag ausgegangen. Seit einem Jahr hat sich die Situation verändert. Ein sehr naher Angehöriger von ihm ist verstorben und rückblickend ist es seit dem irgendwie aus dem Ruder gelaufen. Waren wir in den Sommern davor häufig unterwegs und haben wunderbare Ausflüge unternommen, fehlte ihm nun irgendwie der Antrieb. Er blieb lieber Daheim und ich war allein unterwegs. Auch zwischenmenschlich fand ich ihn irgendwie so... abgestumpft. So war er früher nie. Zum letzten Jahresende verlor er den Führerschein, besoffen von der Polizei angehalten.
Zum neuen Jahr beschloss er, keinen Alkohol mehr zu trinken. Und es kam die komplette Entzugssymptomatik, die sich im Laufe von 3 Tagen steigerte. Halluzinationen, Stürze, ect... Er wollte keinen Rettungsdienst, meinte, er schaffe Das schon und Das gehe wieder vorbei.
Ab einem gewissen Punkt hatte ich einfach eine tiefe Angst um ihn und rief den Rettungsdienst. Die Situation war für ihn lebensbedrohlich, auf dem Weg zum Krankenwagen bekam er einen epileptischen Anfall.
Im wurde ihm ein Aufenthalt in der Suchtklinik empfohlen, dort ist er aktuell. In der nächsten Woche steht die Entlassung an, und irgendwie habe ich Bammel. Er sagt ganz klar, dass er nicht mehr trinken möchte, weiß, dass die Situation lebensbedrohlich war und wenn er weitergetrunken hätte, es für ihn weiter strikt Abwärts gegangen wäre.
Wir haben noch einen gemeinsamen Termin, um ambulante Hilfsmöglichkeiten nach KH zu erfragen.
Ich habe die Situation ziemlich kurz gefasst und es scheint mir beim nachlesen irgendwie von meiner Seite sehr unemotional.
Aber dem ist nicht so. Ich fühle mich, als wäre ich in einem emotionalen Ausnahmezustand. Nicht nur, dass ich anscheinend die Jahre unserer Partnerschaft die Schwere der Situation nicht erkannt habe (er trank schon immer und sämtliche alkoholindizierten Blutwerte waren katastrophal), nein, ich habe den geliebten Menschen in Situationen erlebt, die etwas in mir gebrochen haben. Die Entzugssymptome, die halluzinativen Zustände, seine Hilflosigkeit in denen, den Anfall. Das Gespräch mit der Ärztin im KH nach Einlieferung war klar: Er hätte sterben können. Es war knapp.
Irgendwie fühle ich mich so bange vor der Zukunft. Einerseits glaube ich an Ihn. Ich weiß, er will und kann es schaffen. Andererseits lese ich, wie hoch die Rückfallquote ist und ich bezweifle, dass ich Das noch einmal aushalte.
Irgendwie wollte ich Das einfach aufschreiben und freue mich auf Austausch.