Beiträge von Vic

    Nachdem ich jetzt zwei Monate der Nüchternheit sehr wenig unternommen habe, habe ich seit 2-3 Wochen angefangen wieder mehr unter Leute zu gehen und neue Bekanntschaften zu schließen, da mein Freundeskreis in den letzten Jahren sehr geschrumpft ist.
    Wahrscheinlich kennt jeder das Phänomen, wenn einem klar wird wie verbreitet Alkohol ist. Bevor ich abstinent war, hab ich immer gedacht das Gefährlichste wird, dass ich selbst Suchtdruck und dadurch rückfällig werde. Aktuell bemerke ich aber, dass mich hauptsächlich beschäftigt wie ich mich anderen erkläre. Ich möchte nicht allen entfernten Freunden, Bekannten oder auch neuen Menschen sofort erzählen, dass ich trocken bin.
    Aber desto mehr ich unter Leute gehe, desto mehr wird es natürlich zum Thema, weil Alkohol so normalisiert ist. Ob es eine neue Bekannte ist, die meinem Balkon sieht und sagt „ach da sehe ich uns im Sommer einen Aperol trinken“, eine Freundin, die im Café um 12 Uhr fragt ob wir nicht lieber Mimosas bestellen, weil das mit mir immer so lustig ist oder meine Schwester, die es kaum abwarten kann, dass ich in die Heimat komme, weil sie sich dann so richtig abschießen will. Ich habe natürlich lange meine Persönlichkeit um den Alkohol gebaut und Leute verbinden das mit mir, aber genauso ist es allgemein so verbreitet, dass jeder davon ausgeht, dass man trinkt. Wenn ich Albträume habe, in denen ich rückfällig werde, dann nie aus eigenem Antrieb, sondern weil ich irgendwann nicht mehr Nein sagen will und jemanden nicht enttäuschen möchte.
    Kennt ihr dieses Gefühl immer Leute zu enttäuschen, weil man nicht trinkt?
    Natürlich sind es nicht die richtigen Leute, wenn man nüchtern nicht ausreicht. Aber egal, ob die Enttäuschung offen kommuniziert wird oder einfach in der Reaktion mitschwingt, spüre ich sie und mache mir darüber im Vorfeld viel mehr Gedanken, als darüber ob ich selbst trinken will.

    Hallo Vic,

    Du bist erst seit 2 Monaten abstinent, es dauert, bis sich der Körper und die Seele wieder an den Normalzustand gewöhnt hat.

    Hast Du Deiner Hausärztin erzählt, dass Du jetzt abstinent lebst?

    Ja, ich habe bei der Hausärztin auch zum ersten Mal überhaupt vor einem Arzt dazu gestanden und das Thema angesprochen. Leider gab es darauf aber fast keine Reaktion, es wurden keine Untersuchungen angestoßen um zu sehen, ob der Körper schon Schaden genommen hat und auch keine Angebote oder überhaupt Fragen gestellt inwieweit ich Unterstützung habe.

    Hallo Zusammen,

    ich bin seit zwei Monaten nüchtern und habe davor immer phasenweise mehr oder weniger getrunken - problematisch war es aber ohne Zweifel.
    Weil ich in den letzten zwei Jahren deutlich zugenommen habe, habe ich quasi mit dem ersten Tag der Abstinenz auch eine radikale Diät und Sport begonnen. D.h. deutliches Kaloriendefizit und mind. 1-2 Stunden Sport am Tag.
    Das ging drei Wochen lang gut, aber dann hat es angefangen, dass ich jede Nacht immer genau am Punkt einzuschlafen eine Art Adrenalinschub bekommen habe und es gedauert hat bis ich schlafe.
    Diese Phase ging dann ca. zwei Wochen so und danach konnte ich gar nicht mehr schlafen, jeder Reiz hat mich so gestresst, dass ich förmlich durchgedreht bin jede Nacht, Weinkrämpfe bekommen habe und aus Verzweiflung und Wut irgendwann auf die Couch eingeschlagen habe. Nach einer Woche fast komplett ohne Schlaf habe ich nachts den ärztlichen Bereitschaftsdienst gerufen, welcher mir dann Schlaftabletten für drei Tage gegeben hat. Dadurch konnte ich etwas schlafen, bin aber nicht erholt aufgewacht und diese extreme Reizempfindlichkeit wurde auch tagsüber immer schlimmer. Vermutlich durch den Stress und daher rührende Cortisolausschüttung habe ich irgendwann auch einen Juckreiz am ganzen Körper entwickelt. Ich war dann bei meiner Hausärztin, welche mir ein anderes Medikament verschrieben hat, das nicht richtig geholfen hat, aber so langsam kommt mein Nervensystem glaube ich wieder zur Ruhe. Ich habe die Kalorien dann wieder etwas hochgefahren und den Sport etwas runter, tue das allerdings sehr ungern.
    Ärzte oder mein Therapeut konnten mir aber irgendwie nicht so richtig sagen woher das jetzt kam und einen Termin beim Psychiater habe ich nicht bekommen bisher.
    Meine laienhafte und recherchierte Auffassung ist jetzt, dass ich meinen Körper, insbesondere Gehirn und Nervensystem überfordert habe mit der Abstinenz, dem gleichzeitigen Beginn von verhältnismäßig viel Sport und wenig Essen.
    Da das ja nicht im „akuten Entzug“ passiert ist und die ersten drei Wochen alles gut war, ist für mich natürlich ein bisschen schwierig einzuschätzen welcher der Faktoren jetzt vorrangig war und wie ich damit jetzt umgehe.
    Diese Übererregtheit ist bis heute nicht ganz weg, bpws. ist Haare kämmen immer noch extrem unangenehm, weil das Ziepen sich 100x stärker anfühlt als sonst. Auch der Juckreiz ist abgeschwächt, aber noch da.
    Habt jemand von euch mal ähnliche Erfahrungen gemacht oder kann besser einschätzen wieso das Nervensystem nach drei Wochen so durchdreht.
    Freue mich über eure Antworten.

    Hallo,

    wenn ich nur in meiner Vorstellung schreiben kann, aber ein konkretes Thema habe, wird ja kein Mitglied, das genau das Thema interessiert oder Antworten hat, darauf aufmerksam, wenn es nicht alle Vorstellungen durchliest?

    Ich habe genau diese Meinung oft gehört, habe aber alle möglichen Coping Strategien versucht und wenn meine „Optionen“ im akuten Druck sind Alkohol zu trinken oder eine alkoholfreie Alternative, scheint es mir doch ein besserer Weg zu sein darauf zurück zu greifen.

    Wenn man es bisher anders nicht geschafft hat abstinent zu bleiben und das im Moment funktioniert, überwiegt für mich das Positive.

    Hallo Zusammen,

    ich bin neu hier und mich interessieren eure Meinungen/Erfahrungen zu einem ganz bestimmten Thema:

    Alkoholfreien Alternativen wie 0,0 Sekt, Wein, Bier, etc…
    Ich lese oft darüber, dass diese triggern (wegen Geschmack/Geruch) und viele Abstinenten bewusst nicht dazu greifen.

    Ich habe es diesmal (noch nie zuvor probiert) aber tatsächlich als eine Art akute Lösung für mich entdeckt. In Situationen, in denen ich gerade Suchtdruck habe, schenke ich mir statt einem Glas Sekt ein Glas alkoholfreien Sekt ein und habe das Gefühl auch dadurch beruhigt sich mein Nervensystem, vllt durch den Placebo Effekt, eben weil es so schmeckt und dasselbe Ritual bedient.

    Ich habe das Gefühl irgendwie zu mogeln, aber gleichzeitig ist doch jeder Ansatz nicht zu Alkohol zu greifen besser, als mir auch das zu verbieten und dann am Ende doch schnell wieder beim Alkohol zu landen.
    Gerade in bestimmten Situationen und Emotionen, in denen ich immer getrunken habe, habe ich das Gefühl, dass es mir hilft und alles andere, das man so in seinem Notkoffer hat, mich einfach nicht herunterfahren lässt.

    Findet ihr es also eher gefährlich/schlecht, an den „Trinkgewohnheiten“ festzuhalten, wenn man sie mit alkoholisch-konditionierten Getränken ohne Alkohol ersetzt, wenn das hilft abstinent zu bleiben?

    (Mir ist bewusst, dass alkoholfreie Varianten oft Alkohol enthalten, ich achte auf 0,0)


    Danke für eure Gedanken

    Vic

    Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Vic .

    Du kannst jetzt überall schreiben, jedoch in den nächsten 4 Wochen bitte nicht im Vorstellungsbereich bei den neuen Usern. Diese erkennst du am „orangeroten“ Namen.

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    Viele Grüße
    Nayouk

    Danke! Ist der Bereich „erste Schritte für Alkoholiker“ nur zum vorstellen oder auch für weitere Themen?

    Hallo Nayouk,

    danke für deine Antwort.

    Und nein, ich trinke aktuell nicht, gerade seit 10 Tagen nicht.

    Ich glaube den Arztbesuch schiebe ich auf, weil ich gerade jetzt, wo ich nüchtern bin, Angst habe, dass beide Art von „Ausgang“ bei gesundheitlichem Check mir wieder eine Art innere Berechtigung geben doch zu trinken. Wenn ich noch keine langfristigen Schäden habe, denke ich vllt dann ist es nicht so schlimm zu trinken und wenn ich sie doch habe, kann ich vllt die Angst diesbezüglich nicht Händeln und trinke deshalb wieder.
    Ich weiß, dass ich irgendwann zu einem Arzt muss, aber gerade ist mein Ziel ein bisschen stabiler in der Abstinenz zu werden, um nicht direkt von den Emotionen, die ich wegen dem Termin habe (davor und danach) wieder umgeworfen zu werden.

    VG

    Hallo,

    ich bin 33 Jahre alt und habe eigentlich seit ich 16 bin ein ungesundes Trinkverhalten. Seit ein paar Jahren ist mir aber bewusst, dass ich süchtig bin, schaffe aber dennoch den Absprung nicht.
    Ich trinke immer wieder einige Tage bis Wochen nichts (wie auch jetzt) und hatte noch nie deutliche körperliche Entzugssymptome.
    Psychisch geht es mir allerdings schon lange nicht gut, auch das ist phasenweise schlechter oder besser und mittlerweile denke ich es ist ein Kreislauf mit der Depression und dem Alkohol und kann mir auch vorstellen, dass die psychischen Probleme bei langfristiger Abstinenz deutlich geringer werden würden.
    Aber wenn ich ca. eine Woche abstinent bin, dann geht es mir meist am 2. Tag sehr gut und dann fängt eine schlimme inner Unruhe abends an und starke Einschlafprobleme.
    Das war bisher auch fast immer der Punkt warum ich wieder zum Alkohol gegriffen habe und ich möchte es diesmal so schaffen.
    Ich habe einen Therapeuten, welcher aber kein Suchttherapeut ist und mich wegen der depressiven Symptomatik behandelt. Bis Ende letzten Jahres habe ich auch Antidepressiva genommen.
    Ich habe manchmal das Gefühl, dass ich in gewisser Weise keinen richtigen Sinn in meinem Leben sehe (aber keine Suizid Gedanken) und ich mich deshalb eher durch den Alkohol langsam kaputt mache. Andererseits habe ich aber auch große Angst davor zu einem Arzt zu gehen und mich richtig durchchecken zu lassen. Ärztlich habe ich mich bisher nicht geöffnet, aber durch ein Blutbild letztes Jahr wurde eine Makrozytose festgestellt, was schon mal ein Hinweis darauf ist, dass mein Körper Schaden genommen hat.

    Ich weiß, dass es schlecht für mich ist und ich möchte es nicht mehr, aber mein Suchthirn trickst mich gerne aus und ich habe Angst davor dem nicht standzuhalten.
    In wie weit ein stationärer Entzug sinnvoll ist, weiß ich nicht, da ich es schon oft geschafft habe mehrere Wochen nichts zu trinken, aber eher die Phase danach problematisch wurde.

    VG