Beiträge von StegZumSee

    Heute hatten wir in der Gruppentherapie meine Lebenslinie ausgewertet und dabei ist mir etwas bewusst geworden, was mich gerade ziemlich beschäftigt.

    Es ging viel um meinen Vater. Ich habe gemerkt, dass ich von ihm eigentlich nie wirklich Liebe oder Zuneigung bekommen habe und dass ich oft zwischen ihm und anderen gestanden habe. Ich habe Konflikte eher vermieden und vieles runtergeschluckt, anstatt für mich einzustehen.

    Mir wurde heute gesagt, dass genau das ein großer Punkt bei mir ist. Auch in Bezug auf meine Depression und meinen Alkoholkonsum. Dass ich gelernt habe, Gefühle eher zu unterdrücken, statt sie zu zeigen.

    Jetzt stehe ich vor der Frage, wie ich damit umgehen soll. Mir wurde geraten, Abstand zu meinem Vater zu halten, weil mir der Kontakt oft nicht gut tut. Aber das fällt mir extrem schwer, weil es eben mein Vater ist.

    Kennt jemand von euch so eine Situation? Wie seid ihr damit umgegangen?

    Ich merke gerade, dass das wahrscheinlich einer meiner größten Baustellen ist.

    Ich habe heute in der Therapie meine Lebenslinie vorgestellt und dabei viel aus meinem Leben erzählt. Seitdem geht mir einiges im Kopf rum.

    Mir wurde die Frage gestellt, warum ich trotz Warnungen und Konsequenzen immer weiter Alkohol getrunken habe. Ehrlich gesagt weiß ich darauf noch keine richtige Antwort.

    Ich merke nur, dass da irgendwas in mir ist, was stärker war als der Verstand. Vielleicht zum Runterkommen, vielleicht um Gefühle nicht zu spüren. Ich weiß es noch nicht genau.

    Mich würde interessieren: Wie habt ihr für euch herausgefunden, warum ihr getrunken habt? Gab es bei euch einen Moment oder eine Erkenntnis, die euch geholfen hat, das zu verstehen?

    Ich will das wirklich verstehen, aber gerade stehe ich noch ein bisschen im Dunkeln.

    Danke dir für deine Antwort. Das mit dem Gelassenheitsspruch trifft es eigentlich ziemlich gut, aber ich merke, dass ich da noch ganz am Anfang stehe.

    In dem Moment fühlt sich das für mich einfach größer an, als es wahrscheinlich ist. Vor allem, wenn es um meinen Sohn geht, bin ich sofort emotional drin und komme schwer wieder runter.

    Aber genau das will ich ja lernen. Nicht mehr sofort hochzugehen oder in alte Muster zu rutschen. Dein Satz mit der Geduld hat mir auf jeden Fall gerade gut getan.

    Ich merke gerade, wie schnell mich bestimmte Situationen emotional wieder komplett hochfahren lassen. Heute beim Telefonat mit meinem Sohn wurde es plötzlich abgebrochen, obwohl er eigentlich noch mit mir sprechen wollte. Das hat in mir sofort Wut, Enttäuschung und Ohnmacht ausgelöst.

    Ich habe gemerkt, wie schnell ich innerlich wieder in alte Muster komme. Dieses Gefühl von Kontrollverlust und Ungerechtigkeit, was mich früher oft zum Trinken gebracht hat.Ich will das diesmal anders machen und nicht mehr weglaufen oder betäuben. Aber ehrlich gesagt fällt mir das gerade ziemlich schwer, damit umzugehen.

    Kennt das jemand von euch? Wie schafft ihr es, in solchen Momenten ruhig zu bleiben und nicht wieder in alte Gedanken oder Verhaltensweisen zu rutschen?

    Für mich ist es immer noch schwer herauszufinden, warum ich überhaupt angefangen habe, so viel zu trinken. Ich hatte eigentlich eine gute Kindheit und keine großen Probleme damals.

    Trotzdem hat sich der Alkohol irgendwann immer mehr in mein Leben eingeschlichen und ich versuche gerade zu verstehen, warum das so gekommen ist.

    Habt ihr für euch herausgefunden, welche Gründe oder Auslöser dahinter gesteckt haben? Und wie seid ihr dem auf die Spur gekommen? Zum Beispiel durch Therapie, Gespräche oder bestimmte Übungen?

    Ich merke gerade auch, dass ich noch Dinge aus meiner Vergangenheit aufarbeiten muss. Durch den Alkohol habe ich früher auch verbale Dinge zu meiner Exfrau gesagt, die mir heute im nüchternen Zustand sehr leid tun. Ich war in diesen Momenten nicht die Person, die ich eigentlich sein möchte. Das gehört für mich jetzt dazu, Verantwortung zu übernehmen und daran zu arbeiten, dass so etwas nie wieder passiert.

    Außerdem habe ich noch einen Gedanken für die Zeit nach der Reha: Ich könnte mir gut vorstellen, mich irgendwie zu engagieren und Menschen zu unterstützen, die auch mit Alkoholsucht kämpfen. Vielleicht ehrenamtlich oder im Freiwilligendienst. Ich habe das Gefühl, dass es mir helfen würde, wenn ich immer wieder sehe, wohin Alkohol führen kann und gleichzeitig anderen Mut machen kann.

    Hat jemand von euch damit Erfahrung? Gibt es Möglichkeiten oder Stellen, wo man sich als Betroffener sinnvoll einbringen kann?

    Gibt es alte Hobbies oder irgendwas , was Du schon immer machen und ausprobieren wolltest?

    Ich habe heute tatsächlich mal geschaut, ob es bei mir in der Nähe eine VHS gibt. Da werden auch Englischkurse angeboten. Ich würde nämlich gerne Englisch richtig lernen, das hat mich schon länger interessiert. Vielleicht wäre das ein gutes neues Hobby für mich und man lernt dabei auch neue Leute kennen.

    Bei mir ist das mit der Risikominimierung im Umfeld gar nicht so einfach. Ich habe leider durch den Alkohol meine Ehefrau und auch viele Menschen verloren. Familie habe ich kaum noch. Eigentlich nur noch meinen über 80-jährigen Vater und meinen Sohn. Früher hat er selbst ab und zu sein Bier getrunken, aber seit meiner ersten Therapie lässt er ihn sogar weg, um mir zu helfen. Das bedeutet mir viel. Ansonsten sind Cousinen und weitere Familie weiter weg. Im Freundeskreis ist es auch schwierig, weil einige meiner engsten Freunde schon seit Jahrzehnten zu meinem Leben gehören. Aber sie trinken eben auch. Da habe ich manchmal Angst, diese Freundschaften zu verlieren, wenn ich meinen Weg ohne Alkohol weitergehe.

    Ich versuche gerade, einen Weg zu finden, wie ich nüchtern bleiben kann und trotzdem wichtige Menschen in meinem Leben behalte. Gleichzeitig merke ich auch, dass ich neue Wege und vielleicht auch neue Kontakte brauche, die besser zu meinem neuen Leben passen.

    Ich muss erstmal sagen, dass ich 3 entzüge die letzten 6 Jahre gemacht habe. Und letztes jahr war ich 12 wochen in einer Klinik für Tiefenpsychologie. Leider bin ich wieder rückfällig geworden. Anfang Dezember musste ich ins Krankenhaus wegen Verdacht auf Magen oder Darmkrebs. Zum glück waren es nur Entzündungen. Schließlich wurde mir gesagt, wenn ich so weiter mache, lebe ich nicht mehr lange. Habe dann sofort aufgehört und habe mich mit meiner Therapeutin um ein Rehaplatz gekümmert. Bin seid fast 3 Wochen jetzt hier und mir gefällt es richtig gut. Sehr gute Psychologen, Ärzte und Schwestern sind hier, die auf Alkoholsucht spezialisiert sind. Möchtest du was spezielles Wissen? Schreib mir ruhig.