StegZumSee. Hallo, ich bin neu hier

  • Meine Exfrau hat mich psychisch fertig gemacht. Deshalb bin ich immer wieder rückfällig geworden.

    Ich glaube da würde ich mal genauer hinschauen, denn letztlich ist niemand dafür verantwortlich, dass ich wieder zur Flasche greife – außer ich selbst.

    Es gibt natürlich Schicksalsschläge und Situationen, die unglaublich schwer zu ertragen sind und Menschen können sehr verletzend sein. Trotzdem ist es am Ende meine eigene Entscheidung, ob ich wieder saufe oder eben nicht.

    „Ein klarer Geist ist wie ein stiller See – jeder Tropfen hinterlässt Wellen, aber die Ruhe kehrt immer zurück.“

  • warum ich immer wieder angefangen habe zu saufen.

    Weil Du Alkoholiker bist. Da ist jeder Grund recht.

    Aus Frust, um Glück mehr zu spüren. Weil es regnet oder die Sonne scheint.

    Es gibt Millionen Männer die einen Streit mit ihrer Frau haben, aber nicht deswegen zur Flasche greifen.

    Die Sucht "sucht" sich ihre Gründe. Vielleicht heißt sie deswegen so.

    Also brauchst Du eigentlich gar nicht mehr weiter zu suchen. Außenstehende - besonders keine Alkoholiker - würden dir noch Recht geben. "Ja, deswegen wirst du getrunken haben." Das sehen sie so, weil sie die Sucht nicht verstehen.

    Jetzt geht es darum Wege durchs Leben zu finden, ohne zur Flasche zu greifen.

    Das können auch mal Umwege sein. Zum Beispiel um den Alkoholgang im Supermarkt herum.

    Wege finden. Nicht Gründe.

    Ich habe einen guten Weg gefunden. Er ist inzwischen fest und bereits ausgetreten. Dann ist es nicht mehr schwer. Schauen muss ich dennoch wo ich hin laufe. Damit ich auf dem Weg bleibe.

    Hm, ich hätte nicht gedacht als ich mich hier vor über vier Jahren hier angemeldet habe, dass mein Name mal so Programm für mich wird.

    Hast Du die Grundbausteine schon bekommen? Ich kann jetzt nicht zurück blättern. Hab Bedenken, dass dann mein Geschriebenes futsch ist. ;)

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Die Sucht sucht Gründe. Das stimmt leider sehr. Ich versuche gerade zu lernen, Wege zu finden, damit umzugehen. Das ist nicht immer leicht, aber solche Texte erinnern mich daran, warum ich den Weg ohne Alkohol gehen will.

  • Das ist nicht immer leicht,

    Es wird immer einfacher. Die Zeit arbeitet für dich. Mein erster Faden hieß noch "mein neuer Weg". Dann wurde er stabiler und wurde zu "Mein Weg". Vom Trampelpfad zur richtigen Weg. Zwischendurch kam es mir dann schon wie die Schnellstraße vor. Mein Leben hat sich von Grund auf geändert.

    Mir war nicht bewusst, wie sehr Alkohol mein Leben negativ beeinflusst hat. Erst als ich mit etwas Aufwand feststellen durfte, wie viel besser es doch sein kann.

    Nach ein paar Monaten wird es Tage geben, an denen du gar nicht mehr an Alkohol denkst. Wozu auch? Es bringt ja nichts. Es wird eh nicht gesoffen.

    Wie sieht es mit der Risikominimierung bei Dir aus? Außer jetzt natürlich. Daheim später. Umfeld und Familie.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Bei mir ist das mit der Risikominimierung im Umfeld gar nicht so einfach. Ich habe leider durch den Alkohol meine Ehefrau und auch viele Menschen verloren. Familie habe ich kaum noch. Eigentlich nur noch meinen über 80-jährigen Vater und meinen Sohn. Früher hat er selbst ab und zu sein Bier getrunken, aber seit meiner ersten Therapie lässt er ihn sogar weg, um mir zu helfen. Das bedeutet mir viel. Ansonsten sind Cousinen und weitere Familie weiter weg. Im Freundeskreis ist es auch schwierig, weil einige meiner engsten Freunde schon seit Jahrzehnten zu meinem Leben gehören. Aber sie trinken eben auch. Da habe ich manchmal Angst, diese Freundschaften zu verlieren, wenn ich meinen Weg ohne Alkohol weitergehe.

    Ich versuche gerade, einen Weg zu finden, wie ich nüchtern bleiben kann und trotzdem wichtige Menschen in meinem Leben behalte. Gleichzeitig merke ich auch, dass ich neue Wege und vielleicht auch neue Kontakte brauche, die besser zu meinem neuen Leben passen.

  • Ich versuche gerade, einen Weg zu finden, wie ich nüchtern bleiben kann und trotzdem wichtige Menschen in meinem Leben behalte.

    Das liegt nicht an Dir, sondern an ihnen. Du hälst trinkenden "Freunden" letztlich einen Spiegel vor. Ob der Anblick sie erfreut, steht auf einem anderen Blatt. Ein Nichttrinker unter Trinkern, stört ungemein und zwar die Trinker.


    Gleichzeitig merke ich auch, dass ich neue Wege und vielleicht auch neue Kontakte brauche, die besser zu meinem neuen Leben passen.

    So ist es. Mein Lebensstil passt nicht zu den früheren Bekannten/Freunden, die immer noch bechern. Das gemeinsame Bindeglied war der Alkohol. Ich habe den Kontakt zu früheren Mittrinkern komplett einschlafen lassen.

    Ich habe zu Beginn meiner Abstinenz mal irgendwo gelesen: "Und dann ist nichts mehr so, wie es mal war." Das trifft auf mich voll und ganz zu.

    Schau mal bei Alex auf dem Weg nach. Frühere Kumpels wollten sich mal melden, wenn was ohne Alkohol läuft. Läuft aber nicht.

  • Hallo StegzumSee,

    erstmal willkommen hier.
    Die Zeit des Saufens möchte gefüllt werden. Da hat jeder so seine eigenen Vorlieben. Gibt es alte Hobbies oder irgendwas , was Du schon immer machen und ausprobieren wolltest?

    Durch meine wöchentlichen Besuche in meiner realen SHG habe ich neue soziale Kontakte aufgebaut und das tollste daran, , die verstehen mich und meine Sucht.
    Außerdem engagiere ich mich ehrenamtlich in gemeinnützigen Vereinen, hab Kurse in der VHS besucht.
    Natürlich kam da keiner auf mich zu. Ich musste machen… hab mich regional im Netz informiert und los ging’s…

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    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Gibt es alte Hobbies oder irgendwas , was Du schon immer machen und ausprobieren wolltest?

    Ich habe heute tatsächlich mal geschaut, ob es bei mir in der Nähe eine VHS gibt. Da werden auch Englischkurse angeboten. Ich würde nämlich gerne Englisch richtig lernen, das hat mich schon länger interessiert. Vielleicht wäre das ein gutes neues Hobby für mich und man lernt dabei auch neue Leute kennen.

  • Außerdem habe ich noch einen Gedanken für die Zeit nach der Reha: Ich könnte mir gut vorstellen, mich irgendwie zu engagieren und Menschen zu unterstützen, die auch mit Alkoholsucht kämpfen. Vielleicht ehrenamtlich oder im Freiwilligendienst. Ich habe das Gefühl, dass es mir helfen würde, wenn ich immer wieder sehe, wohin Alkohol führen kann und gleichzeitig anderen Mut machen kann.

    Hat jemand von euch damit Erfahrung? Gibt es Möglichkeiten oder Stellen, wo man sich als Betroffener sinnvoll einbringen kann?

  • An erster Stelle und mit höchster Prio stand für mich bei meinem Ausstieg, meine eigene Abstinenz stabil, und später "alltagstauglich", zu entwickeln und reifen zu lassen. Das braucht seine Zeit und ist sicherlich individuell unterschiedlich. Volle Stabilität und Zufriedenheit begann ich bei mir zwischen Monat 7-10 zu verspüren. (ich bin alleine raus, ohne alles, ohne Therapie.)

    Als ersten Schritt kannst du dich z.B. hier im Forum einbringen - durch das Schreiben über deine Erfahrungen in deinem Thread und dann auch mal Beiträge bei Anderen.

    Bei der Hilfe gilt immer der Grundsatz: Zuerst Selbstsicherung beachten - erst dann Hilfe für Dritte.

    Bei SHG gelten deren (un)geschriebenen Regularien … meines Wissens nach für Funktion: 1-2 Jahre Abstinenz.

  • Ich merke gerade auch, dass ich noch Dinge aus meiner Vergangenheit aufarbeiten muss. Durch den Alkohol habe ich früher auch verbale Dinge zu meiner Exfrau gesagt, die mir heute im nüchternen Zustand sehr leid tun. Ich war in diesen Momenten nicht die Person, die ich eigentlich sein möchte. Das gehört für mich jetzt dazu, Verantwortung zu übernehmen und daran zu arbeiten, dass so etwas nie wieder passiert.

  • Menschen zu unterstützen, die auch mit Alkoholsucht kämpfen.

    Das ist es. Das Wort "auch" müsste zuerst mal weg. Solange Du damit kämpfst, bleib erst mal bei Dir.

    Ich hatte in meiner SHG mal versucht einem zu helfen. Da war ich ca. ein Jahr trocken. Ging nur kurz gut. Er hat wieder gesoffen und roch wie ein Schnapsladen. Es war für mich nicht auszuhalten und ich musste den Raum verlassen.

    Heute (nochmal gute drei Jahre später) würde ich immernoch den Raum verlassen. Weil ich keinen Grund habe mir das zu geben.

    Ich selbst bin nicht zimperlich und kann gut damit Leben, wenn (auch hier) jemand einen Rückfall hat. Aber schön ist das nicht. Und im Realen noch mal eine andere Hausnummer.

    Starte besser erst mal mit dem VHS-Kurs. :)

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Für mich ist es immer noch schwer herauszufinden, warum ich überhaupt angefangen habe, so viel zu trinken. Ich hatte eigentlich eine gute Kindheit und keine großen Probleme damals.

    Trotzdem hat sich der Alkohol irgendwann immer mehr in mein Leben eingeschlichen und ich versuche gerade zu verstehen, warum das so gekommen ist.

    Habt ihr für euch herausgefunden, welche Gründe oder Auslöser dahinter gesteckt haben? Und wie seid ihr dem auf die Spur gekommen? Zum Beispiel durch Therapie, Gespräche oder bestimmte Übungen?

  • Hallo Steg,

    ich wollte auch wissen, warum ich zu viel getrunken habe, weil ich dachte, dann würde mir die Alkoholabstinenz leichter fallen.

    Klar, ich fing mal an zu trinken als Jugendliche auf Partys, trank einen Sekt zu besonderen Anlässen, trank ein Bier nach der Gartenarbeit usw. Wie jeder hier fing ich irgendwann mal an und behielt es bei, aus den verschiedensten Gründen/Anlässen Alkohol zu trinken.

    (Krankhaft) zu viel wurde es aus einem einfachen Grund: ich bin süchtig geworden. Ich trank zu viel, weil mein Körper danach verlangte.
    Warum bin ich süchtig geworden? Weil ich zu viel trank. Es war einfach ein schleichender Prozess. Ich konditionierte mich.

    Für mein jetziges und künftiges Leben ist nur wichtig:
    Ich weiß dass ich Alkoholikerin bin.
    Ich weiß, dass ich mein Leben lang Alkoholikerin bleibe. Ich weiß, dass ich diese unheilbare Krankheit nur durch dauerhafte Abstinenz zumindest zum Stillstand bringen kann.

    Und ich schaue für mich, wie ich mir im Hier und Jetzt und für die Zukunft ein zufriedenes Leben ohne Alkohol aufbauen kann.

    LG Kyra

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