Ein letzter Tipp: speicher diesen Dialog zwischen uns und diskutiere ihn im Rahmen einer Supervision. Das Ergebnis wird dich überraschen. Ich habe nämlich selber durchgeführt in meiner Berufswelt. Aus der von mir formulierten Vorbildfunktion abzuleiten, ich wolle mich auf einen Thron setzen, ist das absurdeste , was ich je gehört hab. Hast du ein Autoritätsproblem, machst du kontinuierlich Supervision in deiner Rolle hier? Warst du jemals in einer realen Gruppe? Ich habe diesen Dialog mal drei Menschen gezeigt, die über 30 Jahre trocken sind. Hier wird nur mit dem Kopf geschüttelt. Dann schmeiß mich raus.
Beiträge von tottie68
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Hey, wenn jemand das letzte Wort unbedingt haben muss, dann bin ich es.
Natürlich habe auch ich von Anfang an gelernt, von Tag zu Tag zu leben. Diese Grundregel kennt jeder alk schon seit den 1930.
Aber es ist ja wohl ein Unterschied, ob man das 19 Jahre lang geschafft hat oder 40. Da gibt’s kein wenn und aber und darüber diskutiere ich jetzt nicht mehr.
Du musst noch den Beweis bringen, dass du dieses von Tag zu Tag leben, noch weitere 21 Jahre zu schaffst.Deshalb hin oder her: auch für dich gilt: mehr Respekt, gegenüber jemanden, der das schon länger drauf hat als du.
Der Respekt wird mir in anderen Gruppen ob online oder nicht auf jeden Fall viel mehr gezollt, als in diesem Forum.
Klar bin ich ein Vorbild für sehr vielen andere süchtigen Menschen und immer sehr oft bekomme ich von der anderen Seite zu hören: wenn du das 40 Jahre Tag für Tag geschafft hast, dann schaffe ich das auch.Ich habe eine ganz klare Vorbildfunktion, und die nehme ich auch wahr. 19 und 40 Jahre Trockenheit haben definitiv eine andere Außenwirkung, von der man auch ganz bewusst gebrauchen machen sollte.
Vorbilder wie ich sind extrem selten und zeigen ganz klar der Welt dass solange Trockenzeiten überhaupt möglich sind und nicht auf Zufall oder Glück beruhen
Es ist schon fast absurd, überhaupt darüber überhaupt zu reden. -
Ja, genau jetzt haben wir uns abgeklopft.
Wir sollten uns erst in 21 Jahren, falls wir dann noch Leben, wieder sprechen.
Wenn wir bis dahin beide trocken unseren eigenen Wege gegangen sind, dann hat sich dein Weg 40 Jahre lang bewährt, und ich gehöre zu den wenigen 10 trockenen Alkoholikern der Welt, die das 61 Jahre oder länger geschafft haben und deren Echtheit dokumentiert ist.Wenn…

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Genau darum geht es: Nach diesem, nennen wir es mal Test, bin ich nie wieder alleine in eine Kneipe. Kneipen eines bestimmten Typs, meide ich noch heute, selbst wenn ich dort mit einer ganzen Gruppe trockener Alkoholiker rein könnte.
Was ich zum Ausdruck bringen will anhand meiner Bio: hätte ich zb in der Phase nach acht Monaten geschlossener Psychiatrie wieder getrunken, dann hätten Aussenstehende (meinetwegen nichtbetroffene Aussenstehende) irgendwie auch zu Recht sagen können: Irgendwie kann ich den verstehen, 15 Jahre trocken und immer noch kein Land in Sicht.
Aber aufgrund dieses einen Satzes habe ich das nicht gemacht, ohne zu wissen, ob es mir jemals besser wird. Entgegen aller Hoffnungslosigkeit trotz totaler Abstinenz.
Von hinten her gesehen, vom Erfolg nach 38 Jahren, ist es immer leicht zu sagen, es hat sich doch gelohnt. Aber mach es mal, wenn es Dir nach über 38 immer noch nicht besser geht und Du aus ganz anderen Gründen als Suchtdruck oder ähnlichem leidest.
Und hat es sich gelohnt, die 38 Jahre Abstinenz, in seelischer Finsternis, verkannt und übersehen? Natürlich!
Hätte ich meinetwegen nach 37 Jahren wieder getrunken, dann wäre im 38ten Jahr niemals die Fehldiagnose aufgefallen.
Und ich hatte zehn Jahre, wo ich mich der Psychiatrie entziehen konnte und die Medikamente abgesetzt habe. Da habe ich dann all das gestemmt. Ich habe meinen Master während meines Jobs gemacht. 4 Kinder großgezogen, die mich so nehmen, wie ich bin. Die Ehe hat gehalten. Niemand hat letztendlich einen gravierenden Schaden genommen. Keiner meiner Kinder mußte mich trinkend oder depressiv sehen, sondern leider sehr lange fehldiagnostiziert.
Der Satz:"Es gibt nie einen Grund zu trinken" ist mehr als nur ein Satz oder eine Methode oder ein widersprüchlicher psychologischer Kniff.
Es ist ein Satz der Hoffnung.
Er bedeutet: Gib niemals die Hoffnung auf. Ja es klingt lächerlich, aber mir hat mal eine Ergotherapeuten, die in
der geschlossenen ein Leben lang gearbeitet hat (und da sind natürlich auch Süchtige, ich war ja mitten unter ihnen) und vor der Rente stand, das folgende gesagt:
Thorsten, eines kann ich Ihnen versprechen: Es wird besser.
Deshalb habe ich schon eine Botschaft:
Wenn Du fällst, dann steh wieder auf. Egal ob einmal oder hundert Mal. Aber spiele nicht dieses Spiel.
Du wirst es verlieren.
Teste nicht die Wahrheit dieses Satzes aus, sondern lass es einfach sein.
Und zwar selbst, wenn Du nicht abhängig bist.
Meine große Tochter schickte mir mal ein Bild mit ihren Freundinnen aus dem Hofbräuhaus:
Alle hatten ein Glas Alkohol in der Hand, nur sie nicht.
Uns Sie hat mich nie trinkend gesehen.
Abstinent zu leben, selbst wenn man nicht süchtig ist, kann eine Lebenshaltung sein.
Ein Statement an sich selbst. Denn wer weiss schon, ob man nicht doch eines Tages dazugehört, zu den Trinkern?
Es ist ein, nicht der Weg, zur echten Freude und echtem Leid ohne jegliches Dazuwirkens durch irgendeinen Stoff.
Und wer kann dagegen etwas haben?
Aber das braucht Zeit und Geduld. Nicht gleich nach einem Jahr Trockenheit, die ganze Welt "trockenlegen" wollen.
Ich denke aber, nach 40 Jahren, darf man schon ein bißchen die falsche Bescheidenheit ablegen.
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Es ist so: Wenn man mit zwölf anfängt und das Gehirn noch in der Entwicklung ist, dann geht die Abhängigkeitsentwicklung wirklich extrem schneller vonstatten, als wenn du mit 19 anfängst. Es zerschießt dir komplett die Reifeentwicklung deines Gehirns.
Deswegen war damals meine Therapie vor 40 Jahren eher ein militärisches Camp. Durch Disziplin und Unterordnung unter fast militärische Regeln wurde man wie „umprogrammiert“. Aber der Erfolg spricht für sich.
Einerseits diese Härte, und andererseits wurde der Erfolg dieser Härte innerhalb der Therapie den Süchtigen selbst bewiesen – und zwar während der sogenannten Entlassphase, die einen Monat dauerte. Jeder Erfolg wurde aber auch belohnt.
Jetzt mal konkret: Man musste – ich betone: musste – alleine in die Stadt gehen, sich in eine Kneipe setzen und dort ein Glas Wasser bestellen. Ich kenne Alkoholiker, die nach einer solchen Therapie Jahrzehnte hinter dem Tresen ihrer eigenen Kneipe standen und Alkohol ausgeschenkt haben, ohne einen Rückfall zu bauen.
Und ich saß dann in der Kneipe und habe mir immer wieder gesagt: Es gibt keinen Grund zu saufen.
Man macht es heute auch mit Leuten mit Panikattacken oder Höhenangst: Die müssen dann auf einen 100‑Meter‑Turm und es so lange aushalten, bis die Panik weg ist – selbst wenn sie dabei schreien. Hab ich übrigens auch durch, aber das ist hier nicht das Thema.
Wenn ich richtig Suchtdruck hatte, dann wurde das in der Selbsthilfegruppe mit einem müden Lächeln quittiert – mit dem Hinweis, dann doch einfach auf den Knien sitzend den Boden mit der Zahnbürste zu schrubben. Ohne Wenn und Aber. Klar haben wir das gemacht.
Wir mussten beweisen, beweisen, beweisen, dass wir nur einen Satz verstanden hatten. Und an dem hängt für mich hinsichtlich Alkoholismus alles: Es gibt keinen Grund zum Trinken.
Wer von mir persönlich den einzigen Tipp haben will, wie man 40 Jahre trocken bleiben kann: Es gibt keinen Grund zum Trinken. Niemals. Oder andersherum: Niemals wird durch Trinken etwas besser. Fertig.
Und nicht rumreden, sondern zeigen, zeigen, zeigen. Das ist die härteste, aber meines Erachtens effektivste Methode.
Und jedem Co‑Abhängigen sage ich dasselbe: Sag deinem Gegenüber: „Es gibt keinen Grund zu trinken.“ Und dann verlass ihn.
Es gibt keinen Grund zu trinken.
Aber wie heißt es so schön am Tisch – und das sehe ich genauso: Das sind nur meine Erfahrungen.
Aber bitte: Wer kontrolliert trinken will – nur zu. Ich werde ihn nicht aufhalten. Du willst alkoholfreies Bier trinken, obwohl du weißt, dass da 0,5 % Alkohol drin sind? Tu es. Du willst um dein Leben zocken? Mach es.
Aber bevor du es tust, schreib dir auf einen Zettel diesen Satz: „Es gibt keinen Grund zum Trinken.“
Dann lies ihn dir – und am besten auch noch einen zweiten Satz – laut vor und trink kontrolliert oder ein alkoholfreies Bier oder ein Schnäpschen oder einen Sekt am Abend.
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Der Lebensweg, ganz kurz? Also so kurz wie es mir möglich ist.
- Jahrgang 68
- Mutter, Vater, Alkoholiker und Benz abhängig, beide daran gestorben. Eine Schwester heroinabhängig, jetzt clean.
- Von 1,5 bis 2,5 Heim Aufenthalt
- Ab da, massive körperliche Gewalt mit heute noch sichtbaren sichtbaren Knochbrüchen und Narben im Gehirn im MRT) durch Stiefvater.
- Mutter gestorben, also sechs Jahre war, an ihrer eigenen Kotze im Alkoholrausch zusammen mit Benzos
- Von der Fürsorge wieder zum leiblichen Vater, wie bekannt auch Alkoholiker.
- Vom sechsten bis zum neunten Lebensjahr vollkommene Verwahrlosung, weil der Vater gesoffen hat. Zum Schluss bin ich betteln gegangen, bin ohne Schuhe oder Oberbekleidung durch die Straßen gelaufen, bis ich ein Balkon in Brand gesteckt habe und endlich die Polizei aufmerksam geworden ist.
- Mit neun von Berlin einfach nach Hessen geschickt zu einer Pflegemutter später Adoptivmutter., einfach nach Hessen geschickt zu einer Pflegemutter später Adoptivmutter
- Jahrzehntelange psychiatrische Fehldiagnosen und erst seit anderthalb Jahren gesichert: schwerste, traumatische Amnesie (Gedächtnisverlust wegen massiver Gehalt in der frühen Kindheit) und schon immer ADHS. Alles behandelt und gut.
- Sexueller Missbrauch durch Adoptivmutter
- Mit zwölf das Trinken angefangen und mit 19 in Therapie.
- Mit 16 Selbstmordversuch
- Ich macht’s nicht, aber: zum Schluss bin ich erst nach einer Flasche Weinbrand überhaupt erst in die Kneipe
- Wendepunkt, ein schwerer Verkehrsunfall mit 19, den ich wie ein Wunder überlebt haben
- Damals war ein psychologischer Behandlung, und nach dem Unfall hat der mich zu einem Suchtberater geschickt
- Dem habe ich mein Trinkverhalten beschrieben und fröhlich weiterlaufend bin ich in die Gruppe (Freundeskreis Diakonie) ich wollte Hilfe, aber dachte: ich erreichen.
- Um zu testen ob ich meinen Tiefpunkt schon erreicht habe und Alkoholiker bin, hab ich mal soeben einen kalten Entzug gemacht, mit Endergebnis Notaufnahme
- Dann bin ich doch mal in die Therapie und seitdem 40 Jahre kein Schluck getrunken.
- Nach der Alkoholtherapie kam das nächste Drama. Die Alkoholsucht hatte eine schwere Depression verdeckt, die bis ich 25 war, unentdeckt blieb.
- Diese habe ich dann eigentlich mit den selben Mitteln wie bei der Sucht,ohne Medikamente, weil die nichts geholfen haben, überwunden. Noch mal weitere sieben Jahre Hölle, Depression und nicht getrunken.
- Und jetzt hör ich mal auf, denn ADHS und Trauma Folgeschäden gingen ja auch nach dem 25. Lebensjahr weiter und wurden bis vor anderthalb Jahren auch nicht erkannt. Noch einmal 32 Jahre Hölle, ADHS plus Trauma Folgeschäden, die 32 Jahre lang als schizophrenia diagnostiziert wurden. Die Ärzte haben sich nachher bei mir entschuldigt.
- Auch in diesen schweren 32 Jahren nichts getrunken
- Und jetzt hör ich mal auf, weiter zu erzählen und genieße den Blick in die Natur, denn ich bin gerade draußen im Wald spazieren.
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Hallo Hartmut,
ich bin der Auffassung, dass wir einander vorbeireden.
- Deine Sicht über die von Dir genannten Ansätze ist verkehrt. Mit dieser Ansicht, könnte ich damit auch nichts anfangen.
- Euer Forum, Eure Regeln, Eure Sicht, aber auch für Euch gilt: Nicht "die" einzig möglichen, Regeln, Sichten und nicht dass einzige Forum. Und vor allen Dingen nicht der einzige Weg zur Trockenheit. Das akzeptiere ich sofort.
- Aber eine Bitte: Du beurteilst zu schnell, was Du da auf Grundlage des wenigen was ich sage, beurteilst, ist einfach respektlos. Lese Dir Deine Nachrichten an mich noch mal selber durch: Glaubst Du ehrlich, ich hätte die Eure Bausteine nicht sofort gelesen? Ich hätte Sie allerdings auch nicht lesen müssen, die hatte ich bereits mit 19 gelernt.
- Du beurteilst zu schnell: Wo habe ich zb gesagt, dass "Demut" mit "sich klein machen" auch nur im Ansatz zusammenhängt. Wir können das hier mit der Demutsdebatte beenden. Aber wie wäre es gewesen, erst mal nachzufragen: was verstehst Du unter Demut? Warum ist Dir die wichtig? Und kann dieses Verständnis auch für dieses Forum fruchtbar gemacht werden, denn jeder kann doch vom anderen lernen.
- Du erzählst Deinen Weg. Aber Du weisst schon, dass Du den nicht alleine gegangen bist? Glaubst Du 19 Jahre trocken zu sein, basiere auf Deiner, nur auf Dich zurückführenden "Leistung"?
- So und nun lassen wir mal den Begriff Demut weg. Und auch "höhere Macht". Die beide bei den AA etabliert sind. Ich hatte ja gesagt, es ist eine Haltung. Und nun konzentriert man sich nicht auf die Begriffe, sondern auf das Ergebnis beim Süchtigen die damit einhergeht zb bei mir: Warum bin ich 40 Jahre trocken? Weil ich mit 19 in der Therapie (nicht religiös / nichts mit AA zu tun) folgendes in mein Herz gebrannt habe. Alles, das was Du mir gesagt hast (und vieles mehr) plus das folgende: Ich schaffe das nicht allein, es braucht mindestens einen zweiten (und wenn es ein treuer Hund ist).
- Und man muss dass nicht wissen: Aber bei den AA (bei denen ich nicht trocken geworden bin, ich habe mich einfach damit beschäftigt aus Verantwortung: Denn die könnten ja etwas wissen, was mir hilft) ist die "höhere Macht" im minimalsten Fall eine Gruppe aus zwei Menschen. "Demut" ist bei den AA, eine Haltung, die genau aus dieser Erfahrung stammt. Das ist schon alles. Die Gründer der AA haben zu zweit oder dritt angefangen.
- Bei denen zwei oder drei von den AA fing alles an. Dort ist die Geburtsstunde "Deines" Forums. Wenn ich nur ein bißchen Eigeninteresse habe, setze ich mich damit konsequent auseinander. Wie kommst Du darauf bei den AA oder bei mir ginge es um etwas spirituelles? Oder bei mir oder den AA ging es auch nur im entferntesten um ein Über- und Unterordnungsverhältnis?
- Ich war glaube ich, 5 Jahren trocken, als ich mich mit den AA beschäftigt habe. Ich bin komplett a-religiös trocken geworden.
- Worauf ich die ganze Zeit hinaus will ist das, was ich in der (a-religiösen) Therapie mit 19 gelernt habe: Du selbst, Thorsten, musst Dich selbst als das höchste Rückfallrisiko erkennen lernen. Dazu brauchst Du mindestens einen zweiten (in meinem Fall anfangs täglich 4 Stunden Gruppentherapie und das 6 Monate lang). Und es wurden "rote Alarmleuchten" gemeinsam mit dem Therapeuten erarbeitet.
- Zum Beispiel: Gehe nie alleine in eine Kneipe; gehe in die Selbsthilfe und alle Klassiker, die hier ja auch bekannt sind.
- Aber mir wurde auch das gesagt: Bleibe (jetzt tausche ich mal das Wort Demut aus) besonnen und bescheiden. Denn wenn Du das nicht tust, kann es passieren, dass Du Dich wie aus dem Nichts trinkend in der Kneipe wiederfindest (und das gibt es tatsächlich / Menschen können nachher nicht mehr angeben, warum Sie plötzlich trinkend in der Kneipe sassen).
- Worin zeigt sich diese Besonnenheit und Bescheidenheit ganz praktisch? Wie kann ich erkennen, ob ich sie habe oder nicht? Mir wurde folgendes gesagt: "Wenn Du, Thorsten, meinst Du hättest "den" Weg zur Trockenheit gefunden, egal worin er besteht, dann hasst Du diesen Weg zur Trockenheit schon verloren."
- Ich habe gelernt (und wie heißt es schön am "Tisch"?: Ich rede ja "nur" von mir): Immer schön vorsichtig sein mit beurteilen, verurteilen, einsortieren. Es müssen bei Dir alle Alarmglocken klingeln, wenn Du es auch nur für "möglich" erachtest entweder etwas hinsichtlich Sucht komplett verstanden zu haben; denn Du könntest etwas für Dich wesentliches übersehen.
- Du beurteilst meine Texte hier als philosophisch, aber bist kein Philosoph. Ich bin Philosoph und sage Dir: niemals schreibt ein Philosoph solche Texte hier wie ich (ich war Doktorand am Philosophischen Institut 2 an der FU Hagen). Das gibt es nicht. Ja, es "erscheint" Dir philosophisch, ist es nicht. Ich kenne mich da aus. Wie wäre es mit folgender Frage: Du bist doch Philosoph, meinst Du das, was Du hier schreibst philosophisch? Das macht jemand, der besonnen, bescheiden und achtsam ist. Der versichert sich erst mal beim anderen, bevor er irgendwas beurteilt. Denn Du verhältst Dich mir gegenüber (und zwar als Philosoph) absolut respektlos. Denn aus Deiner Unkenntnis heraus, gehst Du einfach davon aus, dass ich irgendwie philosophisch schreibe und ich irgendwie einen philosophischen Überbau hinsichtlich Alkoholismus habe.
- Ich hatte Dir doch gesagt, alles was ich meine, meine ich im Sinne von Grundhaltungen, die man als süchtiger haben muss, wirklich muss. Als Beispiel hatte ich Dir Dein eigenes Motto genannt: Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe! Was ist dieses Motto? Philosophie, Religion, Spiritualität? Die Frage kannst Du selber am besten beantworten.
- Hier eine "Haltung", die ich mir mit 19 angeeignet habe (ohne AA, ohne Philosophie, ohne Religion) und zwar mit Hilfe anderer: "Wenn Du meinst, Deinen Weg hinsichtlich des eigenen Umgangs und des Umgangs mit anderen hinsichtlich Sucht gefunden zu haben, dann könnte das ein Weg in die Sucht sein" Nicht nach einem Jahr Trockenheit, vielleicht nach 19 oder 40 Jahren.
- Ganz praktisch umgeht man diese Gefahr wie?: Lernend bleiben, zu hören, nicht zu schnell urteilen (ist psychologisch bewiesen, dass Süchtige auch gedanklich und im urteilen, den "schnellen und einfachen Weg" suchen), fragend bleiben, in den Antworten gegenüber den anderen Flexibel bleiben. Sich mal eher als den begreifen, der dazu lernen muss (auch, wenn es sich nachher herausstellt, dass Du recht hattest). Deinen Weg, nicht als "den Weg" begreifen, niemals. Hören, ganz viel hinhören und verstehen "wollen".
- Das alles habe ich mit 19 gelernt, als Haltung eingeübt (über kognitive Verhaltenstherapie) und zwar mit Hilfe anderer. Und ich habe in 40 Jahren noch niemanden gesehen (Ausnahmen gibt es immer), der mit Deiner Einstellung weiter kommt. Weisst Du viele Süchtige ich in meinem Leben begegnet bin, denn ich bin da sehr aktiv. Die Zahl tausend reicht bei weitem nicht. Kannst Du Dir vorstellen, mit wie vielen Ich gesprochen habe, die lange trocken war und Deine Haltung hatten ("Ich habe meinen Weg aus der Sucht gefunden") und denen was passiert ist? Ist selbstsprechend.
- Bin ich ein Suchthelfer? Ich habe Sozialwesen studiert. Die Hilfstrukturen in der Suchthilfe mit allen Verzahnungen sind mir wohl bekannt. Was ich Dir versichern kann: Was heute ein Suchthelfer kann und tut, haben wir vor 19 Jahren gelernt. Und zwar unabhängig vom Bildungsstand und natürlich nicht im Rahmen einer Ausbildung, sondern ganz unbewusst über die Therapie angeeignet. Deshalb kann natürlich der Eindruck entstehen, ich könnte in diesem Forum eine Art Einbahnstraße sehen, wo ich der Helfende, Belehrende und der Allwissende bin und mich so aufführe.
- Aber wegen Punkte 12 bis 14 ist das mir unmöglich.
- Und wenn ich zb hier einer Person, die sich selbst als Co Abhängig beschreibt (ist ja nicht meine Diagnose), dass Sie selbst nach dem Kirchenrecht ihre Ehe annullieren könnte, dann sage ich das nicht als Suchthelfer, Philosoph, Katholik oder Jurist, sondern weil ich aus eigener Erfahrung weiss, dass das schon ganz vielen Co-Abhängigen geholfen hat. Und wüsste ich, dass diese Person bekennende Atheistin ist, dann würde ich ihr sagen, dass selbst der Atheist Sartre sagen würde: kümmer Dich um Dich selbst. Weil ich aus eigener Erfahrung mit Co-Abhängigen (es gibt ja gemischte Gruppen aus Co A und Abhängigen) weiss, das das atheistischen Menschen hilft. Und wenn diese Person, Lastwagenfahrerin wäre, dann würde ich aus eigener Erfahrung zu ihr sagen: Habe den Mut und trenne Dich vom Mann mit der Sicherheit wie Du Deinen Hänger abstellst.
- Wie bin ich auf dieses Forum gestossen? Per "Zufall" über Google, ich weiss gar nicht mehr denn Suchbegriff.
- Beurteile und Verurteile ich hier selber? Diese Frage nehme ich mal proaktiv aus vierzig Jahren Reaktionen auf mich vorweg. Nein, ich rede "nur von meinen Erfahrungen". Diese Erfahrungen sind kein Weg, auch nicht mein eigener, den ich gefunden habe und hier verdeutlichen müsste. Es sind Erfahrungen, die sich natürlich im Laufe von 40 Jahren zu gewissen, sehr vorsichtig zu formulierenden Erkenntnissen, verdichten. Ich muss mich ja nicht absichtlich blöder stellen als ich bin.
- Kann ich jetzt hier selber Unterstützung geben und erhalten, um besonnen und bescheiden zu bleiben oder geht diese ständige Beurteilen und die Rechtfertigungsmachenerie weiter? Dann bitte mich hier entfernen und vierzig Jahre Erfahrung zum Fenster rausschmissen.
- Ansonsten würde ich gerne hier weiter machen darin, auch nach 40 Jahren noch meinen Weg zu finden, zu lernen, zu lesen, zu verstehen und mich für andere und mich selber fruchtbar zu machen. Denn das ist der beste Schutz vor dem Rückfall: Immer aktiv im Lernen bleiben.
- Und Eure Prinzipien: Sind die ohne Sinn? Sind sie diese Bausteine nicht Antworten auf die Frage: Wie werde ich nüchtern? Kamen die aus dem nichts? Macht es keinen Sinn, sich als Betroffener mit den eigenen Wurzeln auseinanderzusetzen und zu verstehen, woher diese Bausteine herkommen?
- Ist es gut, wenn man sich nur an Prinzipien hält, aber sich nicht verdeutlicht? Alles ganz praktische Fragen.
- ZB die Verhaltensänderungen: Ich kann einfach mein Verhalten auf Anraten von anderen ändern. Es macht aber absolut Sinn zu wissen, dass dahinter ein Menschenbild steckt und ein Prinzip. Natürlich muss man sein Verhalten ändern, das erste Glas stehen lassen. Auf dieser Ebene ist alles gleich. Und gerade am Anfang macht das Sinn.
- Aber irgendwann, fragt man warum diese Verhaltensänderung oft funktioniert. Ohne jeglichen philosophischen Überbau und Religion: Die Verhaltenstherapie gründet auf dem Prinzip der "Abrichtung" durch Belohnung und/oder Bestrafung. Warum dieses Prinzip funktioniert, interessiert einen Verhaltenstherapeuten nicht (ich selbst habe ein musiktherapeutische Ausbildung). Das "innere des Menschen" ist für Verhaltenstherapeuten eine "Black Box", eine schwarze Box, völlig uninteressant. Hauptsache es funktioniert.
- Ich wollte irgendwann mal nicht nur "abgerichtet" sein und funktionieren, nur weil es mir dann besser geht. Am Anfang ja, das ist das egal. Natürlich lasse ich auch hier und überall mein Wissen einfliessen, warum auch nicht. Eines meiner Spezialgebiete in der Philosophie war und ist die Neurowissenschaft. Damit beschäftige ich mich bis heute aktiv. Da muss man sehr viel auch über Neurowissenschaften wissen (also völlig fachfremden) und wie unser Gehirn funktioniert. Ich saß da mit Neurologen und Hirnforschern zusammen in einer Forschungsgruppe. Das mit dem "Suchtgedächnis" ist nur ein einfaches Bild. Da gibt es keinen Ort, wo das Suchtgedächnis sitzt und macht was es will. Auch der Begriff "Trigger" ist nur ein Bild.
- Aber klar, gibt die Wissenschaft solche Bilder weiter und für den Anfang reicht das auch. Aber es gibt nicht das "Standardgehirn"; jeder hat sein eigenes, individuelles Gehirn. Menschen, denen Hirnmasse an den Orten fehlt, wo man mal vermutet hat, das dort das Bewusstsein sitzt, haben Bewusstsein wie alle anderen Menschen auch.
- Wir sind keine Maschinen, die sich und andere auf etwas hin "abrichten". Es ist mittlerweile bewiesen, dass wir mehr sind, als die Neuronen unserer Gehirne. Wir sind geistige Wesen.
- Deshalb ist eine "geistige" (wie auch immer es versteht) Auseinandersetzung mit Sucht nicht nur möglich, sondern zwingend notwendig, um langfristig nüchtern zu bleiben oder zu verhindern, dass man nur abstinent ist, aber nicht nüchtern.
- Ohne dieses naturwissenschaftliche Wissen, wussten dass schon meine Therapeuten vor über 40 Jahren.
- Das wie, ist eine andere Frage. Aber man muss dass verdeutlichen dürfen.
- Aber man darf darauf durchaus hinweisen und ich habe es in noch keiner Selbsthilfegruppe erlebt, dass das nicht möglich ist oder das jemand gesagt hat: das habe ich nicht nötig und brauche ich nicht. Seit 40 Jahren treffe ich zum erstem Mal Menschen, die meinen, diese Bausteine und um nichts mehr geht es in der "Selbsthilfe".
- Und die "psychologische Aufladung" des Demutsbegriffs, wie Du es nennst, kommt von denjenigen, die sich nicht damit beschäftigt haben. Ich bin kein AA ler. Aber ich würde die Begriffe an deren Stelle beibehalten. Es ist Sache der Aussenstehenden ins Verstehen zu kommen, eben weil die AA ler nicht "missionarisch" sind und keine Aussenwirkung erzielen wollen.
- Und ich auch nicht. Ich missioniere eben nicht und auch Dein Augenzwinkern bewirkt da nichts bei mir. Was meinst Du denn wie viele Süchtige sich schon an mir abgearbeitet haben?
- Das ist doch keine Sekte hier, mit "einem" einzig möglichen Weg?
- Aber gelernt habe ich schon sehr viel hier.
- Euer Forum, Eure Regeln. Eure Prinzipien. Diese "wir" Betonung mit Zertifikat.
- Das mutet schon etwas seltsam an.
- Könne wir es dabei belassen?
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Hallo, ich habe auch sehr früh angefangen. Mit 12. Und auch diese Interesselosigkeit. Gab es nie etwas vor dem 13 Lebensjahr, was Du als spannend empfunden hast? Also bei mir war es immer die Musik. Und auch Sport. Daran knüpfe ich heute an.
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Nass war mein Leben immer nur "Voll" schön, am nächsten Morgen, Kater, Peinlichkeiten, Entüchterungszelle etc. , das war doch immer ein Kreislauf.
Am Anfang meiner Abstinenz hat die Sucht es mir natürlich schon schwer gemacht, das Leben ohne Alk ist öde, ich konnte meine neue freie Zeit auch noch gar nicht richtig sinnvoll nutzen, das dauert halt seine Zeit wie ich gemerkt hab bis der letzte Nebel oder nasse Gedanke ins Abseits geschoben wurden.
Die Sucht hat mir nicht vorgegaukelt daß das Leben schön sein muss, sie hat mir vorgegaukelt daß es nur mit Alk schön ist.
Die Abstinenz oder so wie ich mich jetzt endlich fühle hat mir gezeigt das es auch ohne Alk schön sein kann, das hat natürlich gedauert. Das Leben ist schön, natürlich nicht immer aber so ist halt das Leben. Jedenfalls sitz ich gerade nicht mehr rum und trauere der nassen Zeit nach oder bin gelangweilt und weiß nichts mit mir anzufangen, gerade das Gegenteil ist der Fall, ich bin voller Tatendrang und Energie 🤸 ich freue mich meines Lebens und das auch mit allen Höhen und Tiefen.
Ich würde, wenn ich gefragt werden würde antworten das dass Leben für mich erst so richtig ohne Alk schön ist. Warum soll man darauf verzichten? Jeder Mensch nass oder trocken will doch ein schönes Leben.
Dem ganzen Stimme ich voll und ganz zu. Aber wir dürfen nicht vergessen, wieviele Trinker noch andere Leiden haben, wie Depression, ADHS. Nach meiner Therapie gegen Alkohol zeigte sich die Depression und der Ansatz von Demut und Selbstverantwortung haben auch hier mir und vielen anderen geholfen. 30 bis 60 Prozent der Menschen, die hier Hilfe suchen haben Depressionen, oft mit der selben Genetik für beide Leiden. Die kann man nicht auseinanderdividieren und herausfiltern, durch die Frage: Bist Du Alkoholiker? Hör mal auf zu saufen und danach nichts als seelische Finsternis. Dann muss man auch nach der Alkoholtherapie noch mal hinsichtlich der Depression lernen: Es gibt keinen Grund depressiv zu sein. Niemand zwingt Dich zu sagen, das Glas ist halb leer. Medikamente helfen da auch. Aber mit Verhaltenstherapie und Medikamenten alleine wird das nichts. 30 Prozent der Menschen mit Depressionen reagieren weder auf Medikamente noch auf Verhaltenstherapie. Aber Selbstverantwortung und Demut helfen. Nach der Alkoholtherapie noch mal insgesamt 2 Jahre in der Psychiatrie, davon 8 Monate in der geschlossenen. Und kein Rückfall, dank Demut. Zuvor gelernt mit 19 Jahren in der Suchttherapie. Abstinenz ist für mindestens 30 Prozent der Trinker nicht das einzige Lernfeld. Und Demut bringt auch diese Menschen in die Sicht.
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Hallo Hartmut,
ich kann Dich sehr gut verstehen. Jetzt steht da auch noch dass ich Soz.Päd. studiert habe und Philosophie. Das war lange nach der Therapie. Aber ich erzähle aus der Zeit während der Therapie. In der gab es keine Konzepte und wenn stammten Sie aus der Selbsthilfe (vor allen Dingen den AA) Es wurden einem Sachen "frei in das Gesicht gesagt", dafür erntet man heute Kopfschütteln. Aber war das hilfreich. Es war damals die mit am Abstand erfolgreichste und nachhaltigste Suchteinrichtung in ganz Deutschland. Dort wurde man sozusagen auf den Boden der Tatsachen geholt.
Die Standardantworten hier zur Sucht innerhalb der Selbsthilfe liegen tiefgreifende Konzepte und Ideen zugrunde, sie sind aber so etabliert, dass sie nicht mehr sichtbar sind. Du bist 19 Jahre trocken ohne Konzepte? Ich bin auch sehr direkt. Diese Aussage basiert auf einem Konzept der Selbsthilfe. Diese ganzen neuen Konzepte der Selbsthilfe stammen überall her, bloss nicht aus der Selbsthilfe. Das sage ich nicht als Besserwisser, sondern als jemand der die ganze Selbsthilfe seit 40 Jahren von Innen her kennt.
Der Selbst- und Fremdanspruch an uns ist gesunken, weil das billiger ist. Die Konzepte, die Du vermeinst nicht zu haben, nennen sich Selbstedukation, kognitive Verhaltenstherapie, Selbststeuerung. Der sogenannte "Goldstandard". Schnell und billig.
Das wissenschaftlich nachweislich erfolgreichste Konzept gegen Sucht überhaupt stammt aus der Selbsthilfe von den AA aus den USA. Eine Mischung aus Selbstverantwortung und Demut (!). Dieses Konzept haben einmal weltweit Staaten wegen "des Erfolges" übernommen. Es wurde übrigens von Synanon übernommen. Aber Selbstverantwortung und Demut zu lernen ist ein langer Prozeß und keiner will das mehr zahlen.
Deshalb ist das billigere, weniger erfolgreiche Konzept in der staatlichen Therapie zu etablieren und diese in die Selbsthilfe zu übertragen.
Was ich hier in diesem Forum möchte. Keine Ideen reaktivieren. Sondern den nachweislich erfolgreichsten Ansatz Leben. Dazu wird die KI keine Statistik liefern, aber die Wissenschaftsgeschichte.
Und Demut ist keine Philosophie, keine Idee, keine Religion, kein Bewusstseinszustand, es ist eine Lebenseinstellung, die nur zu einem führt: Bodenhaftung, der Mut am Boden zu bleiben. Etwas was süchtigen wie mir scheinbar sehr oft fehlt. Wenn das hilft, warum nicht weitersagen?
Demut verhindert folgende, moderne Idee: Kontrolliertes Trinken. Die Idee stammt woher: Aus der Verhaltenstherapie.
Ich bin gespannt, in wieviel Jahren sich dieser Unfug in der Selbsthilfe etabliert hat.
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Hallo R/no,
ich verstehe die Frage und möchte konkretisieren.
Ich meine das so: Viele Menschen, die ich kenne, wollen immer "frei sei von x". Wenige wollen "frei sein für x". Meine Erfahrung ist, das es gerade am Anfang sehr wichtig ist vom frei sein von Alkohol zum frei sein für etwas zu kommen. Es gibt viele Ratschläge von Selbstbetroffenen dahingehend, wie man "frei vom Alkohol" wird, aber eher wenige Ratschläge zu was hin man ungebunden und frei wird. Meines Erachtens reicht keine rein physiologische Beschreibung der Sucht. Mir wurde in der Therapie sehr schnell die Frage gestellt: Du willst frei sein von der Sucht (zb wegen Leidensdruck), aber wofür bist du dann frei? Und das ist nicht religiös gemeint. Auch wenn es nur wie ein Wortspiel erscheint: Im Wort Sucht steckt das Wort Suche und Sehnsucht. Nicht nur: Was versteckst Du im Rausch und willst Du kaschieren? Sondern zusätzlich auch: Was hast Du darin gesucht und letztendlich nicht gefunden? Von der Sucht wegzukommen kann (muss aber nicht) sinnstiftend sein. Mir wurde das gleich zu Anfang gesagt: Mit dem "Ende der Sucht" kann eine Suche aufhören und man wird "frei für etwas". Das ganze gleich mit dem Hinweis eben nicht in das Religiöse abzugleiten. Wie viele, hat mir einst mein Suchthelfer gesagt, haben den Schnaps gegen irgendeine Idee ausgetauscht. Seit Anfang an wurde ich angehalten mich zu fragen: Was hast du in der Sucht gesucht und was hattest Du dort zu suchen. Vielleicht klingt das etwas schräg oder schwer nachvollziehbar. Aber vor 40 Jahren hat das jeder in der Therapie, egal welchen Bildungsstand, durchaus begriffen. Bei jedem fällt die Antwort natürlich etwas anders aus. Aber in meinem Fall: Ich suchte den ultimativen Rausch, die ultimative emotionale "Befreiung", "Freiheit" vom Leid. Ich sah ein: Das gibt es nicht und wird es niemals geben. Ich konnte die Suche nach dem alles befreiende Glück dann endlich loslassen und wurde frei, frei mich gesund zu binden. In meinem Fall frei für das Du, frei für die oft grausame eigene und fremde Realität. Frei dafür von mir weg zu sehen und nicht mehr Sklave meiner selbst zu sein. Endlich ging es mal nicht um mich. Endlich war ich frei von der Sucht und mir selbst und diesem ständigen Starren darauf, wie es mir ging, geht oder in Zukunft gehen wird. Ich dachte mal Sucht wäre das mit das schlimmste was es gibt. Auch so eine Illusion von mir. Was ist heute oben auf meiner "Rangliste" der "schlimmen Leiden" (bildlich gemeint). Wenn ein "anderer" stirbt, wenn ein "Kind verhungert", wenn ein "anderer leidet". Mein Vater und meine Mutter sind am Alkoholismus gestorben, meine Schwester war auf Heroin. Ich musste wirklich wegen Essen betteln gehen. Das alles ist schlimm. Aber nicht mehr für mich. Aber wenn ein anderes Kind hungert, ein anderer trinkt, ein anderer leidet, das tut mir in einem gesunden Maße leid. Durch die Sucht wurde ich befreit dazu endlich mal mein sklavisches Ich loszulassen. Ja, Sucht ist schlimm, aber garantiert nicht das schlimmste Ding der Welt. Und wenn man sich dem bewusst wird, dann kann (ich betone kann) es passieren, dass der Suchtdruck kommt und man denkt:"Na und? Ist das wirklich das schlimmste Ding der Welt? Steht dieser Suchtdruck jetzt im Zentrum des Universums? Vielleicht gerade wegen des Suchtdrucks für jemanden da sein, dem es noch schlechter geht? Vielleicht die Party des eigenen Leids mal beenden? Die Musik ausschalten und zur Tagesordnung übergehen? Ist es wirklich immer wichtig, ob ich mich frei fühle oder nicht, gibt es irgendein Thema auf dieser Welt, dass ich einmal nicht in Bezug auf mich setze?" Es ist nur ein Wortspiel: Es heißt Alkoholismus, verstehst Du, -ismus. Und das ist es auch für viele: Eine Lehre, an der es ganz wichtig ist, dran festzuhalten. Ich sage - zu mir selbst - nicht mehr: Ich bin Alkoholiker, sondern ich habe Alkoholismus. Ich hab das. Na und? So und jetzt zu etwas, was wirklich wichtig ist. Ich weiss nicht, ob ich mich verständlich ausdrücken konnte. Entscheidend ist, dass mir das von Anfang an mitgegeben wurde.
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Hi, Poldy,
wie geht es Dir mittlerweile? Was mich interessiert: Hattest Du die Probleme mit Struktur schon bevor Du getrunken hast?
Ich bin Alkoholiker und habe ADHS auch noch im Erwachsenenlter. Und wer ADHS hat, hat Probleme mit Struktur, Ordnung und Reizüberflutung. Oft fangen Menschen wie ich dann auch noch das Trinken an und wenn alles schief läuft, landen Sie zusätzlich noch in der Sucht. Deshalb meine kurze Nachfrage. Leider wird dieser Zusammenhang oft übersehen.
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Ich bin jetzt seit 3 Monaten komplett abstinent. Das Forum war und ist für mich sehr nützlich. Deshalb danke ich allen, die hier sind und mit ihren Beiträgen geholfen haben. Allen wünsche ich viel Kraft.
Hallo Advokatus, Du hattest ja gesagt, dass Du lange Zeiten der Abstinenz bereits hattest. Das klingt nach meiner Erfahrung nach dem, was man allgemein "Quartalstrinker" nennt. Mir steht keine Diagnose zu, aber dennoch zur Sicherheit ein Tipp, den ich von denjenigen haben, die es sind: Ins Leben zurückschauen ganz konkret aufschreiben, wie der Rhythmus von Trinken und Nichttrinken war und einmal in die Erinnerung rufen, in welcher Lebenssituation Du jeweils warst. Das könnte hilfreich und präventiv für die Zukunft sein. Denn für jemanden, der gewissen Intervalle hat, können 3 Monate alles oder auch nichts sein. Ich habe am Anfang auch "nur" am Wochenende getrunken. Sehr lange dachte ich, die Zeit dazwischen, wäre ich abstinent allein deswegen, weil ich "nichts" getrunken habe. Es ist gar nicht so einfach, wenn man lange Trinkpausen hat, zu ermitteln, ob man dann auch wirklich abstinent war. Früher hat man zu mir gesagt:"Du trinkst zwar nicht, Du bist aber noch "nass im Kopf"", will sagen: Hat sich mit der Abstinenz mehr geändert, als nur die Tatsache, nichts zu trinken oder zu "wissen", dass man Alkoholiker ist? Und hier hat es sich auch für mich bewährt, einen Vergleich zur Vergangenheit zu machen und zu schauen, welche Einstellungen sind gleich geblieben, welche haben sich geändert? Was Eindruck haben meine Angehörigen, Bekannten, Freunde hinsichtlich meiner Person im Gegensatz zu den anderen Zeiten langer Abstinenz? Hat sich da was geändert?
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Hallo Zusammen,
ich bin neu hier und mich interessieren eure Meinungen/Erfahrungen zu einem ganz bestimmten Thema:
Alkoholfreien Alternativen wie 0,0 Sekt, Wein, Bier, etc…
Ich lese oft darüber, dass diese triggern (wegen Geschmack/Geruch) und viele Abstinenten bewusst nicht dazu greifen.
Ich habe es diesmal (noch nie zuvor probiert) aber tatsächlich als eine Art akute Lösung für mich entdeckt. In Situationen, in denen ich gerade Suchtdruck habe, schenke ich mir statt einem Glas Sekt ein Glas alkoholfreien Sekt ein und habe das Gefühl auch dadurch beruhigt sich mein Nervensystem, vllt durch den Placebo Effekt, eben weil es so schmeckt und dasselbe Ritual bedient.
Ich habe das Gefühl irgendwie zu mogeln, aber gleichzeitig ist doch jeder Ansatz nicht zu Alkohol zu greifen besser, als mir auch das zu verbieten und dann am Ende doch schnell wieder beim Alkohol zu landen.
Gerade in bestimmten Situationen und Emotionen, in denen ich immer getrunken habe, habe ich das Gefühl, dass es mir hilft und alles andere, das man so in seinem Notkoffer hat, mich einfach nicht herunterfahren lässt.
Findet ihr es also eher gefährlich/schlecht, an den „Trinkgewohnheiten“ festzuhalten, wenn man sie mit alkoholisch-konditionierten Getränken ohne Alkohol ersetzt, wenn das hilft abstinent zu bleiben?
(Mir ist bewusst, dass alkoholfreie Varianten oft Alkohol enthalten, ich achte auf 0,0)
Danke für eure GedankenVic
Hallo Vic, ich bin zu einer Zeit trocken geworden, da gab es den Begriff "Suchtgedächnis" gar nicht. Aber selbstverständlich gibt es das, das kann ich aus eigener Betroffenheit bestätigen. Einmal aus Versehen etwas in der Mensa zu mir genommen und dann ein Jahr "Suchtdruck". Aber auch unabhängig vom Suchtgedächnis, habe ich folgendes in der Therapie gelernt und halte mich streng dran: Im Zweifel - immer Nein! Und bei den heutigen Möglichkeiten durch Internet, Google und KI kann man sich zuvor darüber informieren. Ich habe darüber hinaus gelernt: Gibt es nur einen bekannten Rückfall eines Alkoholikers in Zusammenhang mit irgendeinem "Stoff", dann stelle Dir die folgende Frage: "Warum riskierst Du der oder die Zweite zu sein?
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Ob du das mit oder ohne Groll siehst, ist natürlich deine Sache, aber es gibt hier eigentlich nichts zu grollen. Es spricht nichts dagegen, dass du dich hier austauschen kannst
Nur zur Erklärung: Wir haben hier im Forum einen festen Ablauf. Bevor jemand richtig mitschreibt, schauen wir im Vorstellungsbereich . Was ist die Motivation? Ist jemand trocken oder auf dem Weg dorthin? Oder möchte jemand nur über Konsum reden?
Die, die nicht aufhören wollen, kommen hier nicht rein. Das Forum ist für trockene und trockenwerden wollende Alkoholiker, die eine lebenslange Abstinenz anstreben, entgiftet oder gerade in Entgiftung. Wer nicht aufhören will, kann sich am Stammtisch austauschen.
Hier ist ein Link, über den du dich freischalten lassen kannst. Schreib einfach kurz „Biitt freischalten“ hinein, und der nächste Moderator wird dich freischalten und dich an die passende Stelle im Forum verschieben.
Vielen Dank, aber das mit dem Link funktioniert nicht (mangelnde Berechtigung)
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moin tottie
bitte nicht falsch verstehen, darf ich mal nach deinem alter fragen?
um die 60 und in Rente
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Hallo Hartmut,
nein nicht "missionieren". Dann hätte ich ja gar nichts begriffen und würde den von mir genannten Punkten selbst widersprechen. Immer dieses retten wollen. Nein nicht retten und missionieren, sondern "etwas verdeutlichen", so wie es Dein Motto "Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!" Im Laufe der Jahrzehnte habe ich einfach folgende Erfahrungen gemacht: Eben nicht immer dem anderen etwas vorgeben und nur reden, sondern "zeigen". Das ist schriftlich sehr schwer. Aber so ein Motto, wie Deins, das "zeigt etwas" über Worte.
Ich meine das nicht von oben herab, überhaupt nicht. Nach 40 Jahren habe ich dann doch viele Rückfällige gesehen, auch Rückfälle nach 25 Jahren oder länger, wo nicht ich, sondern "die Betroffenen" "eigene" Gründe für die Rückfälle angegeben haben, die immer, nach Angaben der Betroffenen (nicht von mir) bereits beim Entschluss zum Trinkenaufhören schon vorlagen. Zumeist waren es nicht hilfreiche "Einstellungen". Und es ist schon meine Motivation, diese "Einstellungen" zu verdeutlichen. Einige davon, aber nicht abschließend, habe ich angegeben. Aber rein statistisch gesehen, gibt es nicht viele, die überhaupt 25+ Jahre trocken sind. Man sieht sie nicht oft. Deswegen bin ich nicht deren Wortsprecher hier, sondern will einfach nur für die anderen sozusagen die statistische Wahrscheinlichkeit erhöhen, von "nicht besonders geeigneten" Einstellungen zu hören, von denen man nur selten hört. Nicht mehr und nicht weniger. Und jeder kann damit auf seine Weise umgehen oder nicht. Alles was darüber hinausgeht, gehört nicht in die Selbsthilfe.
Falls das hier nicht hingehört, bin ich der erste, der freiwillig dieses Forum verlässt. Ohne jegliches Murren und Grollen.

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Hallo,
ich bin seit fast 40 Jahren trocken. Wie geht das? Gar nicht!
Aber folgendes ist zielführend:
- Totales eingestehen der Ohnmacht gegenüber der Sucht.
- Ohnmächtig Sein heisst, in Bezug auf Sucht etwas nicht zu können.
- Deshalb ist alles, was man kann aus Gnade, d.h. weder im Zufall, noch in dem eigenen Vermögen begründet.
- Darüber hinaus eine Regel: Es gibt niemals, absolut niemals, einen Grund zum Trinken.
- Niemand hat versprochen, dass das Leben ohne Alkohol schön ist, noch dass es tragisch ist.
- Rückfälle können passieren, aber sie sind kein Merkmal eines Heilungsverlaufes.
- Alles ist geeignet zum Objekt der Sucht zu werden, auch die Suchtgruppe.
- Aber es ist niemals verkehrt in die Suchtgruppe zu gehen.
- Das Suchtgedächnis ist kein Organ im Gehirn, sondern ich.
- Sucht ist eine Krankheit und selbst, wenn vererbt: Es ist "meine" Krankheit.
- Wer kämpft hat das Wesen der Sucht nicht erkannt. Sie will, dass Du kämpfst, denn nur dann kannst Du auch verlieren.
- Wenn Du den Suchtdruck nicht aushältst, hältst Du Dich nicht aus.
- Niemand ist Schuld an Deiner Sucht. Schuld ist kein Thema von Sucht. Aber Verantwortung ist es.
- Vergesse niemals: Du bist ein Held, in jeder Sekunde, in der Du nicht trinkst, selbst wenn Du noch nicht trocken bist.
- Ich habe erkannt: Ich "bin" süchtig und werde es immer sein, auch trocken.
- Da ich süchtig "bin" kann ich mich nicht von der Sucht "befreien", denn sie gehört alleinig mir. Und ich möchte nicht von mir befreit werden, sondern ich sein. Aber trocken. Unfreiheit ist der Preis der Sucht, ob trocken oder nicht. Denn entweder bin ich unfrei durch Verzicht oder unfrei durch die Qual der Sucht.
- "Freiheit" ist die Kernillusion des Süchtigen. Beseitige sie und Du wirst wahre Bindung erleben.
- ...
Eckdaten:
- 6 Monate Therapie
- Nach 5 Jahren Trockenheit, nochmals 1 Jahr sogenannter "psychischer Entzug"
- ADHS im Erwachsenenalter (derzeit noch in der Ergotherapie)
- Dipl. Soz.Päd (FH), Philosoph (MA), 10 Jahre Projektmanager für Hochrisikoprojekte in der IT bei - edit -
- Mit 1 1/2 Jahren für ein Jahr im Kinderheim
- Opfer von psychischer und körperlicher Gewalt in der frühesten Kindheit
- Straßenkind in den 1970er ohne Versorgung (musste betteln gehen)
- Sexueller Missbrauch durch Adoptivmutter
- 4 volljährige Kinder (sind alles was geworden) und seit über 25 Jahre verheiratet
- Psychiatrisch, mit über 50 Jahren, diagnostiziert, behandelt und "überwunden": Generelle dissoziative Amnesie
Stimmt das alles und ich könnte es nachweisen (werde ich oft gefragt)?: ja, auf jeden Fall, alles schriftlich nachweisbar.
Werde ich auch oft gefragt: War Dein Leben auch ohne Alkohol und anderen Süchten schön?
Meine Antwort darauf ist zumeist, aber nicht immer: Warum fragst Du das, muss das Leben schön sein? Ist es nicht genau
das, was Dir die Sucht vorgaukeln will: Dass das Leben schön sein muss. Verzichte darauf und alles wird besser.