Hi JEB ,
hier mal meine Erfahrungen wie ich meine Abstinenz gestartet habe und inzwischen fast 20 Monate stabil abstinent bin. Ich habe, nachdem ich mich hier angemeldet habe zunächst die Grundbausteine umgesetzt.
Und danach habe ich konsequente Risikominimierung betrieben und betreibe sie noch heute. Also ich gehe auf keine Feste, Feiern, Orte und Veranstaltungen, auf denen vor allem von meinem Umfeld in meinem Beisein hauptsächlich Alkohol konsumiert wird. Ich schreibe explizit mein Umfeld, weil dies nochmal ein größerer Trigger für mich ist.
Mein privates und berufliches Umfeld weiß, dass ich jetzt abstinenter Alkoholiker bin. Und die Vereinbarung ist das, wenn ich mit Ihnen verabredet bin oder mit Ihnen Zeit verbringe das in meinem Beisein kein Alkohol getrunken wird. Wenn ich auf den oben genannten Dingen eingeladen war, habe ich bisher abgesagt und mich bei Bedarf extra und alkoholfrei getroffen. All das gab bisher überhaupt nicht das geringste Problem. Hätte es ein Problem gegeben, hätte ich die Konsequenzen gezogen.
Das alles hat dazu geführt das ich innerhalb von gut sechs Monaten ziemlich stabil abstinent war. Saufdruck hatte ich in dieser Zeit selten. Und wenn habe ich diesen ignoriert und mich auf etwas anderes konzentriert. Davon gibt es ja genug.
Auch ich habe noch andere zum Teil chronische psychische Erkrankungen. Beispielsweise chronische Depressionen. Aber diese Erkrankungen haben absolut nichts mit meiner Sucht zu tun. Und das trenne ich in meinem Kopf strikt und kappe dazu jede Verbindung, damit diese sich nicht gegenseitig begünstigen können.
Das gute ist das ich bei allen diesen Erkrankungen schon vor Jahrzehnten im Rahmen von zwei abgeschlossenen Therapien gelernt habe mir selbst zu helfen. Beide Therapien waren Verhaltenstherapeutisch orientiert.
In den letzten Jahren meiner Sauferei befand ich mich durchgehend in einer schweren Depression. Denn ich konnte mir saufend nicht mehr selbst helfen. Das ist unmöglich.
Nachdem ich abstinent wurde, waren die Depressionen für ungefähr sechs Monate kein "größeres Problem" und dann konnte ich mir auch gut helfen. Hätten meine Depressionen früher ein Problem gemacht dann hätte ich mich trotzdem zunächst darauf konzentriert stabil abstinent zu werden.
Warum schreibe ich Dir das alles? Du bist jetzt erneut abstinent und hast ein kleines Kind, für das es wichtig, ist das, die Mama clean ist und bleibt. Und mein Eindruck ist wie als Du Dich ursprünglich hier angemeldet hast das Du einige Baustellen aufmachst die aber meiner Meinung nach überhaupt noch nicht anstehen. Wie zum Beispiel das Verhältnis zu Deinem Partner oder Deiner Familie.
Ohne eine stabile Abstinenz ist alles andere Nichts. Und aus diesem Grund würde ich mich wäre ich an Deiner Stelle, die nächsten Monate zunächst nur auf eine stabile Abstinenz konzentrieren. Heißt die Grundbausteine umsetzen und konsequente Risikominimierung betreiben. Damit stellst Du sicher das Du Dich nicht gefühlsmäßig, geistig aber vor allem körperlich nicht auf Armlänge Alkohol näherst. Jedenfalls nicht, wenn Du nicht musst z. B. beim Einkaufen. Und kaum Risiko bedeutet, dass Du safe bist.
Vielleicht ist dieses Vorgehen ja eine gute Idee für Dich?