Beiträge von Schleifchen

    Du kannst nur etwas für dich und dein Kind tun, damit es euch besser geht, denn auch schon die kleinen Kinder spüren, das etwas nicht stimmt.

    Das stimmt... Aber häufig bin ich diejenige, die die Konflikte "provoziert". Wenn ich merke, dass er wieder getrunken hat, stürtze ich mich auf Kleinigkeiten und habe so viele negative Gefühle in mir, dass ich schnell und hart urteilend werde (das aber bei uns beiden nicht vor unserem Kind). Was ist, wenn eine Trennung meinem Kind mehr schaden würde, als wenn ich einfach nicht auf das Angetrunken sein anspringe? Es fühlt sich falsch an, wenn ich das schreibe, aber dieser Gedanke beherrscht mich. Ich habe mich in die Geschichten einiger anderer hineingelesen und eigentlich alle beschreiben viel schwierigere Zustände. Was ist, wenn ich mich nur in diesen Gedanken hineinsteigere und letztendlich selbst diejenige bin, die alles kaputt macht und meinem Kind eine unbeschwerte Zukunft nimmt? Mein Mann hat definitv ein Alkoholproblem, aber ist das Ausmaß so, dass ich in die Richtung einer Trennung gehen sollte, in der mein Kind ein Stück seines Vaters und des Familienlebens verliert? Wenn ich diejenige bin, die meistens die eigentlichen Konflikte in der Partnerschaft auslöst?

    Hallo an alle!


    Tatsächlich habe ich mich heute das erste Mal auf dieser Website umgeschaut und mich dazu entschieden, mich direkt vorzustellen.

    Mein Mann trinkt regelmäßig Alkohol. Meistens sind es 3-5 Bier täglich und ich merke es ihm recht schnell an, auch wenn Außenstehende oder Freunde nichts bemerken. Trotzdem enttäuscht es mich jedes Mal und ich empfinde eine sehr starke Abneigung ihm gegenüber. Er hat schon häufiger versucht, weniger zu trinken, was aber nie von Dauer war. Der letzte Versuch startete vor einer Woche, als er mir sagte, dass er sich selbst Sorgen über seinen Alkoholkonsum mache, nachdem er in zwei Tagen einen Kasten geleert hatte. Eine Woche kein Bier, heute wieder 5. Es ist der Todestag eines gemeinsam geliebten Menschen und er meinte, er würde heute Abend gern auf ihn anstoßen und morgen wieterhin nichts trinken. Für mich fühlte sich das aber nicht richtig an, da ich das Gefühl hatte, er würde den Todestag nutzen, um eine Gelegenheit zum Trinken zu haben. Er trank dann auch schon den Tag über mit dem ständigen Kommentar, dass das eigentlich nicht richtig ist und ihn das selbst ankotzen würde. Am Abend sagte ich ihm dann, dass ich das Anstoßen nicht machen möchte. Er meinte dann, dass er davon super genervt ist, weil er ja sonst heute den Tag über nichts getrunken hätte.

    Es ist nicht das erste Mal, dass ich darüber nachgedacht habe, ob eine Trennung sinnvoll wäre. Eher das 400ste Mal. Seit kurzem bin ich wegen einer anderen Sache in Therapie. Hier fragte mich meine Therapeutin nach einigen Geaprächen über mein Verhalten, ob ich mir vorstellen könnte, Co zu sein und ob ich mich schon an Hilfsangebote der Suchtberatung gewendet habe. Seitdem bin ich noch viel mehr mit diesen Gedanken beschäftigt. Allerdings habe ich große Angst davor, dass mein Kind nach einer potenziellen Trennung manchmal über einen längeren Zeitraum allein mit meinem Mann sein könnte. Er kümmert sich zwar jeden Vormittag und zu Terminen auch nachmittags um unser Kind und das mit viel Liebe, aber ich weiß auch, wie er sein kann, wenn er nicht mehr ganz Herr seiner Sinne ist - emotional nicht vorhersehbar, unbedacht, schnell gereizt, ich würde fast sagen toxisch. Ich habe einfach Angst, dass das noch schlimmer wird und ich dann gar keine Möglichkeit mehr habe, einzugreifen. Ich sehe auch die Verbesserung über die Jahre hinweg, wie zum Beispiel die schrittweise Annäherung an die Einsicht, ein Alkoholproblem zu haben. Aber ich habe Angst, dass sein Weg so lang dauert, dass es letztendlich meinem Kind psychisch bereits geschadet hat. Keine Ahnung, ob das hier eher nach mimimi klingt, als nach einem richtigen Problem, aber ich halte die Entäuschung und die Sorge um einen psychischen Schaden bei meinem Kind bald nicht mehr aus. Andererseits weiß ich auch, dass eine Trennung großen Schaden anrichten kann. Um dieses "Dilemma" drehen sich eigentlich ständig meine Gedanken. Und gleichzeit fühle ich mich, als würde ich überdramatisieren, ungerecht sein und meine eigene Familie zerstören. Ich weiß noch nicht genau, welche Antworten ich suche, aber es fühlt sich irgendwie richtig an, diesen Schritt hier zu gehen und mich anzumelden. Vielen Dank fürs Zuhören.


    Freundliche Grüße,

    Schleifchen