Beiträge von ChaosKat

    Hallo Boni und Koda,

    Schuldgefühle waren früher ein immens großes Thema. Meinem Vater gegenüber, wobei es da mit Mitleid vermischt war. Er hatte die letzten zehn Jahren seines Lebens einen langen Leidensweg und ich war immer hin und her gerissen zwischen "ich möchte am liebsten nichts mehr von ihm wissen" und diesem Verantwortungsgefühl, ihn nicht ganz alleine zu lassen, "denn er kann ja eigentlich nichts dafür, die Sucht hat das ja aus ihm gemacht". Letztendlich war sein Tod, auch wenn sich das hart anhört, eine große Erleichterung und getrauert habe ich mehr um den Menschen, der er vielleicht hätte sein können, wenn der Alkohol nicht gewesen wäre.

    Mit meiner Mutter ist es schwieriger. Ich habe lange gebraucht, um wirklich zu begreifen, dass es nicht genug war, was sie für mich getan hat. Ihre Aufopferung und teils grenzüberschreitende Liebe haben immer dazu geführt, dass ich dachte, sie täte ja alles für mich und ich bin einfach undankbar. Aber Liebe allein reicht nicht. Sie gab mir keinen Halt, hat keine Verantwortung übernommen. Es war umgekehrt, ich war dazu, ihr Halt zu geben und das ist nun einfach mal nicht die Aufgabe eines Kindes. Aber diese Liebe hat sie irgendwie unangreifbar gemacht und ich denke, meine Abneigung gegen sie war vielleicht einfach mein Weg, mich davor zu schützen. Ich mache niemandem Vorwürfe, nehme mir aber das Recht heraus, traurig und auch wütend sein zu dürfen über die Dinge und wie sie gelaufen sind. Meine Mutter sieht keinen Bedarf, sich mit all dem auseinander zu setzen und so kümmere ich mich einfach um mich selbst. Wenn ich so darüber nachdenke, kann und konnte ich die Schuldgefühle immer besser ablegen, je mehr ich dieses ganze System und meine Reaktionen von damals verstehe.

    Liebe Grüße und ich danke euch, dass ihr eure Gedanken mit mir geteilt habt!

    Liebe Helene,

    ganz lieben Dank für deine Antwort. Ich habe das Gefühl, da gibt es einige Parallelen. Objektiv bin ich auch nicht einsam. Ich habe eine Familie, Mann und zwei Kinder, genau wie du eine gute Freundin. Ich fühle mich im Hier und Jetzt nicht einsam aber das ändert nichts an diesem tiefen Gefühl, dass von damals geblieben ist. An das kam ich bisher nie richtig dran. Oft fühle ich mich auch dann am einsamsten, wenn ich nicht alleine, sondern unter Menschen bin. Das war früher noch viel ausgeprägter. Auf Feiern, mit Freunden, erst war die Stimmung gut, bis sie dann immer mehr kippte und ich mich unendlich traurig und allein gefühlt habe und schlussendlich auch aus der Situation gehen musste...

    Was die Beziehung und Abneigung zu meiner Mutter geht, kann ich das, was du schreibst, voll unterschreiben. Ich kann bis heute keine Berührungen ertragen. Umarmungen, Hand nehmen, undenkbar. Seit ich Kinder habe, ist der Kontakt wieder regelmäßig und funktioniert tatsächlich recht gut, solange diese unausgesprochen Grenzen eingehalten werden.

    Beim Lesen deines Textes kam mir aber auch wieder meine Erklärung in den Sinn, woher diese starke Abneigung und Abwehr vielleicht kam. Die Ehe meiner Eltern war seit ich denken kann nur auf dem Papier. Jeder hat in unserer Familie auf seine Weise funktioniert aber meine Eltern haben auch komplett nebeneinander her gelebt. Ich kann mich an nichts Liebevolles zwischen den beiden erinnern. Keine Umarmung, kein Kuss, keine netten Worte, nichts. Und ich glaube, dass auch meine Mutter sehr einsam war und die fehlende Nähe zu ihrem Mann versucht hat, mit mir zu kompensieren. Das ist zumindest mal meine Theorie. Es war keine Mutter-Kind Fürsorge, sondern ich hatte da eine Rolle, die für ein Kind nicht richtig war. Und vielleicht hat mein Körper das sehr deutlich gespürt, auch wenn mein Kopf es nicht verstanden hat. Auf jeden Fall hatte ich auch ständig mit meinem schlechten Gewissen ihr gegenüber zu kämpfen, denn sie hat es ja vermeintlich immer gut gemeint und ich habe sie weggestoßen...

    Keine Ahnung ob's stimmt, ich stochere da häufig im Dunkeln.

    ch finde es vollkommen normal, dass du dir als Kind Liebe und Fürsorge herbei geträumt hast. Eine andere Möglichkeit hatten wir als Kind ja nicht.

    Mit ganz viel reflektieren und nachdenken, finde ich manche Reaktionen und Verhaltensweisen heute auch nahe dran an "normal". Ich glaube, das ist die große Herausforderung, all das, was mich früher so extrem verwirrt hat, neu zu betrachten. Alleine aber auch von jemand anderem zu lesen, dass es normal oder nachvollziehbar ist, tut wirklich gut!

    Liebe Grüße

    Kat

    Mir kam gerade, während ich mich wieder durch alles durch lese, noch eine Eigenschaft auf, die ich als Kind/Jugendliche hatte und die mich extrem verwirrt hat. Und ich versuche es einfach mal hier aufzuchreiben ...

    Ich hatte den ständigen "Wunsch", dass mir etwas passiert. Dass ich mich zum Beispiel verletzte, einen Unfall habe, mir irgendetwas zustößt, so dass sich andere Menschen um mich kümmern müssten. Davon habe ich mir unendlich viele verschiedenste Storys ausgemalt, immer mit dem Resultat, dass sich eben jemand um mich sorgt.

    Manchmal beim Sport habe ich eine Verletzung vorgespielt, einfach für diesen Moment, dass sich dann jemand um mich kümmert...

    Ich habe nie verstanden, warum ich das tat und habe wirklich an meinem Verstand gezweifelt. Alle diese Gedankenspiele hatte ich nur mit fremden Menschen. Ich hätte nie etwas erdacht oder in der Realität getan, was die Fürsorge meiner Eltern hätte erregen können. Meinen Vater hätte es eh nicht interessiert, meine Mutter allerdings schon. Die war grundsätzlich besorgt und im Prinzip auch fürsorglich aber von ihr hätte ich das nie ertragen können. Im Gegenteil, ich habe eine regelrechte Abneigung (auch wenn es hart klingt, man kann auch sagen, es war Ekel...) gegen sie entwickelt, die/dem ich mir aber auch nicht erklären konnte (auch bis heute eigentlich nicht wirklich erklären kann).

    Schlussendlich blieben mir immer große Fragezeichen, was eigentlich mit mir verkehrt ist. Ich hätte alles für Fürsorge und Nähe getan. Von meiner Mutter, die es mir gegeben hätte, wollte ich es aber nicht. Und so blieb diese stetige Sehnsucht danach, die Tagträume und Flucht in Phantasien. Und wohl auch das Gefühl, eine wirklich undankbare Tochter zu sein.

    Hallo Vroni,

    danke auch dir noch für deine Antwort!

    Ich habe vor 1,5 Jahren die Diagnosen ADHS und Autismus bekommen. Nachdem ich mich lange damit beschäftigt hatte, habe ich festgestellt, dass ich unheimlich viele Symptome habe, es nur wahnsinnig gut getarnt hatte

    Das ist tatsächlich Interessant, da ich den ADHS Gedanke auch immer mal wieder habe aber immer schnell wieder wegschiebe. Wenn ich nachlesen, finde ich mich durchaus in einigen Punkten wieder, in anderen aber auch gar nicht. Wenn du magst, würde es mich sehr interessieren, welche Symptome du bei dir festgestellt hast und auch, ob und was sich nach der Diagnose verändert hat? So wie ich es herausgelesen habe, hat sich bei dir dann ja auch einiges vermischt, was du der Familienkonstellation zugeordnet hattest aber eigentlich der ADHS/Autismus geschuldet ist. Ich könnte mir vorstellen, dass es auch gar nicht so einfach oder möglich ist, das klar voneinander zu trennen bzw. zu unterscheiden?

    Danke und viele Grüße

    Kat

    Sie ist mit mir "in den Keller gestiegen" und das hat mir irgendwann geholfen, diese tief gefühlte Einsamkeit so gut wie vollständig abzulegen.

    Liebe Helene, danke noch einmal für deine Antwort, auch wenn es schon eine Weile her ist. Anscheinend fällt es mir doch nicht so leicht, in den alten Wunden zu wühlen und so habe ich hier zwar immer mal wieder rein geschaut aber es nicht fertig gebracht, etwas zu schreiben.

    Über diesen Satz von dir bin ich nun mehrmals gestolpert, dass du schreibst, dass du diese gefühlte Einsamkeit so gut wie "ablegen" konntest. Erst einmal ist es wirklich schön zu lesen, dass das überhaupt möglich ist!

    Mein Gedankenansatz ist immer der, dass ich dieses Gefühl annehmen lernen muss, damit es sich nicht mehr so stark anfühlt und nicht mehr so viel mit mir macht. Nun ist das vielleicht nur unterschiedliche Wortwahl aber "annehmen" und "ablegen" klingt nach zwei sehr gegenteiligen Herangehensweise. Aber vielleicht zerdenke ich das gerade auch zu sehr. Auf jeden Fall bin ich da nach wie vor auf der Suche, einen guten Weg zu finden. Mal geht es besser und mal zieht es mich wieder völlig runter.

    "Fühl dich ganz doll verstanden" hat mich auch sehr berührt. Vielleicht genau deshalb, weil ich diese Erfahrung bisher kaum gemacht habe. Was natürlich auch daran liegt, dass ich diesen Teil von mir weitestgehend mit mir selbst ausmache.

    Also danke dafür und ganz liebe Grüße!

    Kat

    Hallo,

    ich wollte mich für eure Reaktionen bedanken, die mich sehr gefreut haben! Und kurz Bescheid geben, dass ich mich nochmal in Ruhe melde. Wir hatten gestern Einschulung und meine Mutter ist noch bis zum Wochenende bei uns zu Besuch. Da habe ich nicht die Ruhe und Zeit, die ich zum antworten bräuchte.

    Liebe Grüße

    Kat

    Hallo Seepandarine,

    ganz lieben Dank für deine Begrüßung und Reaktion. Die kam tatsächlich zu einem guten Zeitpunkt, da ich nach meiner Anmeldung hier plötzlich doch unschlüssig oder unsicher wurde, wie ich hier jetzt weitermachen soll.

    Ich habe viel "herum" gelesen und bin auch an besagtem Threads "Merkmale für ein EKA" hängen geblieben. Es ist erstaunlich oder vielleicht auch irgendwie guttuend, wenn man sich selbst plötzlich in anderen wieder erkennt oder merkt, dass es anderen Menschen einfach ähnlich geht und man hier auf Menschen treffen kann, die einiges vielleicht gut nachvollziehen können.

    Mir fällt es schwer, die Probleme, die ich mit meiner Kindheit verbinde, konkret zu beschreiben und ich habe nach wie vor oft das Gefühl, dass es wie ein Puzzle ist, dass ich versuche zusammen zu setzen.

    Ein zentrales Thema meiner Kindheit war, denke ich, die Einsamkeit. Ich habe mich rückblickend seit ich denken kann, unendlich alleine gefühlt. Und damit gekoppelt war der zweite zentrale Punkt, "mit mir stimmt etwas nicht". Wir waren nach außen hin eine eine gut situierte Familie, großes Haus, großer Freundeskreis, meine Mutter um uns Kinder (mein Bruder und ich ) theoretisch bemüht. Und dann war da eben mein Vater und der Alkohol. Er war nicht aggressiv, nicht laut, er war, zumindest als ich jünger war, nicht so offensichtlich betrunken, dass es jeder gemerkt hätte. Aber es stimmte was nicht in unserer Familie. Etwas, dass ich nicht verstanden habe. Und jeder war irgendwie für sich allein.

    Ich weiß, dass ich so im Grundschulalter abends regelmäßig in meinem Bett lag und mir in meiner Traumwelt vorstellte, ich wäre adoptiert worden und meine richtigen Eltern würden mich finden und zu sich holen. Darein habe ich mich in allen möglichen Varianten geflüchtet und gleichzeitig mit mir gehadert, wie ich so etwas nur denken kann, denn nach außen hatte ich ja keinen Grund dafür, dass zu wollen.

    Dann habe ich mir immer wieder "gewünscht", mein Vater würde aggressiv sein und uns schlagen. Und auch das hat mich natürlich völlig an meinem Verstand zweifeln lassen. Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass ich mir damit einfach eine Erklärung gewünscht hätte, warum es mir so schlecht geht. Denn diese vermeintlich heile Welt hat einfach nicht zu dem gepasst, was ich gefühlt habe. Und so habe ich einfach immer an mir gezweifelt, an meinen Gefühlen und Gedanken.

    Es gab dann diverse Themen, selbstverletzendes Verhalten auch schon ziemlich früh, später eine Essstörung aber alles gut versteckt und mit mir selbst ausgemacht.

    Ich habe immer nach "dem einen Menschen" gesucht, der meine Not (die ich selber nicht verstanden habe) sieht. Aber ich habe gleichzeitig nach außen gut funktioniert und mich niemandem anvertraut. Was soll man denn auch sagen, wenn man keine Ahnung hat, was eigentlich los ist...

    Ich stoße immer wieder auf Themen, bei denen ich so langsam beginne zu verstehen, wo das herkommen könnte, Zusammenhänge sehe und merke, dass ich da auch nur durch dieses Verstehen weiterkomme. Ich war/bin extrem konfliktunfähig und habe den großen Drang es allen Recht machen zu wollen. Und dabei trotzdem immer das Gefühl, nichts zu können oder nicht genug oder nichts wert zu sein.

    Ich arbeite da gerade bei der Arbeit aber auch in der Beziehung wirklich hart dran, weil es mich selber so stört.

    Ich habe das Gefühl, Stimmungen sehr stark wahrzunehmen und dafür verantwortlich zu sein, es allen Recht machen zu wollen. Ich beziehe negative Stimmungen grundsätzlich erst einmal auf mich... Positive Rückmeldung kann ich eigentlich nicht annehmen, weil ich es nicht glaube, dass da was dran sein kann.

    Dieses Gefühl der Einsamkeit begleitet mich immer noch häufig, obwohl ich es eigentlich nicht bin.

    Wie gesagt, es sind so viele Bereiche und die Geschichte lang. Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen sollte. Aber ein kleiner Anfang ist ja hier jetzt einmal gemacht, daher noch einmal danke für deinen Impuls! Und dann traue ich mich einfach auch an anderer Stelle, mich mal zu Wort zu melden.


    Viele Grüße

    Kat

    Hallo,

    ich möchte mich vorstellen und beginne gleich einmal mit einer Frage...


    Ich las eben, dass keine Produktnamen als Benutzername verwendet werden sollen. Beim Auswählen meines Namens dachte ich allerdings nicht an das bekannte Produkt, sondern an etwas ganz anderes. Von daher die Frage, kann der Name so bleiben und wenn nicht, kann ich ihn ändern ohne mich komplett neu anzumelden? (Ich habe in den Einstellungen nichts finden können)


    Nun zu mir, ich bin knapp über 40 und die erwachsene Tochter aus einer Familie, in der Alkoholabhängigkeit (und Tabletten) immer ein Thema war. Also eigentlich war es kein Thema, da nicht darüber gesprochen wurde und es so lange geleugnet würde, bis irgendwann gar nichts ging.

    Sehr viele Jahre habe ich dieses Aufwachsen nicht mit den vielfältigen Problemen in Verbindung gebracht, die mich in meinem Leben begleitet haben. Erst in der Corona Zeit, als mein Vater starb, habe ich angefangen, mich damit auseinander zu setzen und und wundere mich immer wieder, wie viel man verdrängen kann... und es ist manchmal ein schmerzhafter aber auch wichtiger Prozess und Weg zu mir selbst, den ich seitdem gehe.

    Und auf diesem Weg suche ich Austausch mit Menschen, die Ähnliches erlebt haben und würde mich sehr freuen, die hier zu finden!


    Viele Grüße

    KitKat :)