Hallo Seepandarine,
ganz lieben Dank für deine Begrüßung und Reaktion. Die kam tatsächlich zu einem guten Zeitpunkt, da ich nach meiner Anmeldung hier plötzlich doch unschlüssig oder unsicher wurde, wie ich hier jetzt weitermachen soll.
Ich habe viel "herum" gelesen und bin auch an besagtem Threads "Merkmale für ein EKA" hängen geblieben. Es ist erstaunlich oder vielleicht auch irgendwie guttuend, wenn man sich selbst plötzlich in anderen wieder erkennt oder merkt, dass es anderen Menschen einfach ähnlich geht und man hier auf Menschen treffen kann, die einiges vielleicht gut nachvollziehen können.
Mir fällt es schwer, die Probleme, die ich mit meiner Kindheit verbinde, konkret zu beschreiben und ich habe nach wie vor oft das Gefühl, dass es wie ein Puzzle ist, dass ich versuche zusammen zu setzen.
Ein zentrales Thema meiner Kindheit war, denke ich, die Einsamkeit. Ich habe mich rückblickend seit ich denken kann, unendlich alleine gefühlt. Und damit gekoppelt war der zweite zentrale Punkt, "mit mir stimmt etwas nicht". Wir waren nach außen hin eine eine gut situierte Familie, großes Haus, großer Freundeskreis, meine Mutter um uns Kinder (mein Bruder und ich ) theoretisch bemüht. Und dann war da eben mein Vater und der Alkohol. Er war nicht aggressiv, nicht laut, er war, zumindest als ich jünger war, nicht so offensichtlich betrunken, dass es jeder gemerkt hätte. Aber es stimmte was nicht in unserer Familie. Etwas, dass ich nicht verstanden habe. Und jeder war irgendwie für sich allein.
Ich weiß, dass ich so im Grundschulalter abends regelmäßig in meinem Bett lag und mir in meiner Traumwelt vorstellte, ich wäre adoptiert worden und meine richtigen Eltern würden mich finden und zu sich holen. Darein habe ich mich in allen möglichen Varianten geflüchtet und gleichzeitig mit mir gehadert, wie ich so etwas nur denken kann, denn nach außen hatte ich ja keinen Grund dafür, dass zu wollen.
Dann habe ich mir immer wieder "gewünscht", mein Vater würde aggressiv sein und uns schlagen. Und auch das hat mich natürlich völlig an meinem Verstand zweifeln lassen. Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass ich mir damit einfach eine Erklärung gewünscht hätte, warum es mir so schlecht geht. Denn diese vermeintlich heile Welt hat einfach nicht zu dem gepasst, was ich gefühlt habe. Und so habe ich einfach immer an mir gezweifelt, an meinen Gefühlen und Gedanken.
Es gab dann diverse Themen, selbstverletzendes Verhalten auch schon ziemlich früh, später eine Essstörung aber alles gut versteckt und mit mir selbst ausgemacht.
Ich habe immer nach "dem einen Menschen" gesucht, der meine Not (die ich selber nicht verstanden habe) sieht. Aber ich habe gleichzeitig nach außen gut funktioniert und mich niemandem anvertraut. Was soll man denn auch sagen, wenn man keine Ahnung hat, was eigentlich los ist...
Ich stoße immer wieder auf Themen, bei denen ich so langsam beginne zu verstehen, wo das herkommen könnte, Zusammenhänge sehe und merke, dass ich da auch nur durch dieses Verstehen weiterkomme. Ich war/bin extrem konfliktunfähig und habe den großen Drang es allen Recht machen zu wollen. Und dabei trotzdem immer das Gefühl, nichts zu können oder nicht genug oder nichts wert zu sein.
Ich arbeite da gerade bei der Arbeit aber auch in der Beziehung wirklich hart dran, weil es mich selber so stört.
Ich habe das Gefühl, Stimmungen sehr stark wahrzunehmen und dafür verantwortlich zu sein, es allen Recht machen zu wollen. Ich beziehe negative Stimmungen grundsätzlich erst einmal auf mich... Positive Rückmeldung kann ich eigentlich nicht annehmen, weil ich es nicht glaube, dass da was dran sein kann.
Dieses Gefühl der Einsamkeit begleitet mich immer noch häufig, obwohl ich es eigentlich nicht bin.
Wie gesagt, es sind so viele Bereiche und die Geschichte lang. Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen sollte. Aber ein kleiner Anfang ist ja hier jetzt einmal gemacht, daher noch einmal danke für deinen Impuls! Und dann traue ich mich einfach auch an anderer Stelle, mich mal zu Wort zu melden.
Viele Grüße
Kat