ChaosKat - Erwachsenes Kind aus Suchtfamilie

  • Wie seid ihr mit den Schuldgefühlen umgegangen?

    Diese Schuldgefühle habe ich auch. Ich bin teilweise so extrem genervt, wenn ich meine Mutter sehe (wir sehen uns einmal die Woche), dass ich manchmal weggehe, sie ignoriere und blöde Antworten gebe. Dann ist sie aber immer bemüht mit ihrer Gastfreundschaft, sie macht echt extrem viel. (Nur leider viel Materielles weil sie keine Liebe bzw Gefühle zeigen kann). Und dann kommt das schlechte Gewissen: "es ist doch deine Mutter. Sei nicht so zu ihr. Sie ist doch krank." Oder "sei nicht so, wer weiss ob du sie nochmal sehen wirst."

    Aber dann auch: warum muss ich das schlechte Gewissen haben? Warum hat sie kein schlechtes Gewissen?

    Mein Psychologe hat mir damals versucht beizubringen, die Schuldgefühle wegzulegen weil sie sich ja für das Leben entschieden hat. Aber hat sie das wirklich? Man sagt ja, dass der Mensch nicht mehr so richtig handelt wie er will, sondern der Alkohol bzw die Sucht.

    Aber die Schuldgefühle und das Schlechte Gewissen sind immer da. Weil sie mir auch unheimlich leid tut. Es ist Hass, Liebe und Traurigkeit zusammen.


    LG, Boni

  • Hallo Boni und Koda,

    Schuldgefühle waren früher ein immens großes Thema. Meinem Vater gegenüber, wobei es da mit Mitleid vermischt war. Er hatte die letzten zehn Jahren seines Lebens einen langen Leidensweg und ich war immer hin und her gerissen zwischen "ich möchte am liebsten nichts mehr von ihm wissen" und diesem Verantwortungsgefühl, ihn nicht ganz alleine zu lassen, "denn er kann ja eigentlich nichts dafür, die Sucht hat das ja aus ihm gemacht". Letztendlich war sein Tod, auch wenn sich das hart anhört, eine große Erleichterung und getrauert habe ich mehr um den Menschen, der er vielleicht hätte sein können, wenn der Alkohol nicht gewesen wäre.

    Mit meiner Mutter ist es schwieriger. Ich habe lange gebraucht, um wirklich zu begreifen, dass es nicht genug war, was sie für mich getan hat. Ihre Aufopferung und teils grenzüberschreitende Liebe haben immer dazu geführt, dass ich dachte, sie täte ja alles für mich und ich bin einfach undankbar. Aber Liebe allein reicht nicht. Sie gab mir keinen Halt, hat keine Verantwortung übernommen. Es war umgekehrt, ich war dazu, ihr Halt zu geben und das ist nun einfach mal nicht die Aufgabe eines Kindes. Aber diese Liebe hat sie irgendwie unangreifbar gemacht und ich denke, meine Abneigung gegen sie war vielleicht einfach mein Weg, mich davor zu schützen. Ich mache niemandem Vorwürfe, nehme mir aber das Recht heraus, traurig und auch wütend sein zu dürfen über die Dinge und wie sie gelaufen sind. Meine Mutter sieht keinen Bedarf, sich mit all dem auseinander zu setzen und so kümmere ich mich einfach um mich selbst. Wenn ich so darüber nachdenke, kann und konnte ich die Schuldgefühle immer besser ablegen, je mehr ich dieses ganze System und meine Reaktionen von damals verstehe.

    Liebe Grüße und ich danke euch, dass ihr eure Gedanken mit mir geteilt habt!

  • warum muss ich das schlechte Gewissen haben? Warum hat sie kein schlechtes Gewissen?

    Ich glaube, das ist eher einseitig. Also einer hats, der andere nicht. Meine Mutter habe ich zuletzt vor 2,5 Jahren gesehen. Ich denke an sie jeden Tag. Manchmal telefonieren wir. Sie sagt mir eigentlich immer, daß sie mich sehr lieb hat. Erwidern im Sinne, daß ich genauso überschwenglich und liebevoll das Gleiche zu ihr sagen kann, das bekomme ich nicht hin. Es bleibt - wenn auch viiiiel schwächer ein Gefühl der Distanz zu ihr.

    Aber was mittlerweile geht, ich kann es annehmen und ich glaube ihr. Beides ging vor ein paar Jahren noch nicht. Letztes Jahr war das glaube ich, habs aufgeschrieben, müsste ich mal nachschauen, da rief sie mich mittags an, es war ein superkurzes Gespräch. Sie hat mir eigentlich nur gesagt, daß sie gerade an mich denkt und mir einen schönen Tag wünscht. Das hatte sowas Leichtes in dem Moment und ich war unendlich gerührt, - hab ich ihr dann auch gesagt. Weil ich spürte, es ist genau gerade nur das. Keine Erwartung, sondern nur wie ein virtuelles Über den Kopf Streichen, aber dabei so sachte, eben so wie es mir guttat.

    Oft treffe ich sie (telefonisch) aber in einem anderen Zustand an. Mit einer Schwere, die sich an meiner Leichtigkeit hochziehen möchte. Vielleicht eine Unterstellung, schliesslich fühlt es sich nur so an. Aber da gibt es dann Politik (grosses Thema bei ihr) und darüber möchte ich mit ihr auch nicht reden. Aber sie ist dann meist über etwas sehr betroffen und traurig und dann fragt sie mich ob es mir einigermaßen gutgeht, und da ist die Übertragung ihres Gefühls auf mich wirklich zum Schneiden. "Einigermaßen?" Dann verbringe ich die Zeit damit sie auf Abstand zu halten, was mich sehr anstrengt. Und mir meinen Raum zu erhalten, aber es ist dann, als müsste ich die Leichtigkeit verteidigen und eigentlich ist der dringende Wunsch an mich, die Schwere zu teilen, wozu ich nicht bereit bin.

  • Das kenne ich zb überhaupt nicht. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so etwas wie Liebe von meiner Mutter gespürt oder gezeigt bekommen habe. Meine Mutter oder auch mein Vater, haben mir (seit ich zurück denken kann) noch nie gesagt, dass sie mich lieb haben.

    Ich sehe sie regelmäßig. Aber sie hat oft Desinteresse und redet viel von sich. Und gehässig, und meckert etc. Alles negativ. Sie drückt es eher materiel aus über ihre Gastfreundschaft.

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