Beiträge von Morgaine

    Hallo Estragon,

    schön von Dir zu lesen und wie schön, dass es Dir gut geht! Weiter so!

    Das Konzept von AA wäre auch nichts für mich, aber es gibt ja noch einige andere Träger von realen SHGs, vielleicht magst Du die ja ausprobieren? Mir hilft die Gruppe sehr und ich nehme jedes Mal was davon mit…

    Ich bin ja auch noch nicht so lange abstinent- da die Abstinenz ja aber ein Lebenswerk ist, finde ich die Unterstützung einer Gruppe sehr wichtig.

    So oder so wünsche ich Dir, dass es so positiv für Dich weiter geht!

    Liebe Grüße

    Morgaine

    Ich verstehe Deine Scham, aber sie ist unnötig. Das weißt Du sicher, ich schreibe es aber trotzdem nochmal auf...

    Es gibt keinen Grund für Scham, weder für Dich noch für ihn. Alkoholismus ist eine Krankheit. Ich hab mich am Anfang auch geschämt. Das hat sich Gott sei Dank schnell gelegt, auch dank der realen und der online-Selbsthilfegruppe.

    Auch Deinen Schmerz kann ich sehr gut nachfühlen. Ich war nie verheiratet und man kann es nicht ganz vergleichen, aber als junge Frau war ich mit einem Mann zusammen, der Cannabis-süchtig war. Als ich ihn irgendwann vor die Wahl stellte: ich oder das Zeug, hat er sich für die Droge entschieden. Eine Welt fiel zusammen...

    Alles das, was Du schreibst was Du Dir wünschst ist wichtig und richtig! Gib das nicht auf!
    Ich bin Anfang 50 und würde lieber nochmal von vorne anfangen als mit einem Alkoholiker/konsumierenden Suchtkranken zusammen zu sein. Aber dass das Angst macht ist leider natürlich und nur zu verständlich. Es kommen ja auch einige Veränderungen auf Dich zu. Ich hoffe, Du hast ein gut unterstützendes Umfeld und musst da nicht alleine durch!

    Ich bin alleinstehend und habe jeden Abend alleine getrunken. Es hatte also keine Auswirkungen auf meine Beziehung oder Freundschaften. Niemand hat etwas mitbekommen. Ich weiß nicht, ob mir jemand etwas hätte sagen können, dass mir die Augen geöffnet hätte. Am Ende war es ein Artikel über alkoholkranke Frauen im Spiegel, den ich gelesen habe, der mich aufgeweckt hat. und seitdem bin ich mir auch nicht mehr egal. Aber ob diese Gleichgültigkeit mir selbst gegenüber hätte jemand durchbrechen können? Ich weiß es nicht. Ich glaube der Artikel kam einfach zum richtigen Zeitpunkt.

    Dass Deine Liebe zu ihm nicht einfach verschwindet und dass das alles furchtbar weh tut, ist so nachvollziehbar und ich empfinde ganz viel Mitgefühl, wenn ich Dich lese. Aber Liebe alleine reicht eben nicht und er, nur er hat es in der Hand.

    Mach einen Schritt nach dem anderen, hol Dir alle Unterstützung, die Du bekommen kannst und sorge gut für Dich...
    Liebe Grüße
    Morgaine

    Hallo Cassey ,

    ich habe immer wieder Deine Posts gelesen und finde Deinen Mut und Deine Geradlinigkeit toll!

    Ich schreibe Dir als Alkoholikerin (seit Ende August abstinent) und würde gerne einen Gedanken mit Dir teilen:

    Du schreibst, er ist kein schlechter Mensch, aber der Alkohol ist der Schlechte. Er ist sicher kein schlechter Mensch, aber er ist derjenige, der das Glas oder die Flasche in die Hand nimmt und trinkt. Der Alkohol wandert ja nicht von selbst in ihn.
    Will sagen: er hat doch Verantwortung für sein Handeln. Oder Nicht-Handeln. Als ich noch getrunken habe wusste ich am Ende schon eine ganze Weile, dass ich ein Problem habe. Aber es war mir egal. Mir war egal, ob ich mich ruiniere.

    Jeden Tag der innere Kampf vor dem Einkaufen. Wein holen oder nicht? Ich habe das bewusst entschieden will ich damit sagen.

    Ich wünsche Dir weiterhin ganz viel Kraft und Mut!
    Liebe Grüße
    Morgaine

    Danke Hartmut ,

    das sind sehr wichtige Gedanken und für mich ein wertvoller Hinweis!

    Ich bin gerade mal wieder sehr froh und dankbar, dass mein Umfeld nicht trinkt. Aber auch das ist natürlich keine Garantie.

    Den Gedanken: "warum eigentlich nicht" - den hatte ich heute beim Einkaufen. Dankbarer Weise ist meine Vernunft sofort angesprungen und hat die Erlaubnis nicht erteilt.

    Und mir ist schon aufgefallen, dass ich, wenn es mir gut geht, öfter denke: "bist Du Dir sicher, dass Du süchtig bist? So viel war es doch gar nicht..." Sehr trickreich, diese Sucht...

    Hallo Nadine,

    ich war auch super nervös vor meiner ersten realen SHG-Stunde... hab mich sogar von einer Freundin bis zu dem Haus begleiten lassen... und was soll ich sagen: ich bin so selbstverständlich und herzlich aufgenommen worden in die Runde, das tat sehr gut...
    Seit Ende August gehe ich wöchentlich hin und freue mich jedes Mal, dort zu sein und offen sprechen zu können. ...

    Liebe Grüße

    Morgaine

    Hallo Daniela,

    ich kenne den Drang, sich bei einem Partner zu melden, der einem eigentlich nicht gut tut, nur zu gut von früher.
    Ich habe mich konsequent abgelenkt, mich damals mit Freundinnen getroffen oder telefoniert. Habe mein nahes Umfeld geimpft, dass sie mich erinnern sollen, warum ich mich getrennt habe... Ich habe die Nummer und Nachrichten gelöscht und alles, was erinnerte, weggetan. Vor allem aber habe ich mich immer wieder selber ermahnt daran zu denken, dass es um mein Wohlergehen, meinen Selbstwert und meine Würde geht. Dass ich mich nicht mehr klein machen will.
    Das hat mir geholfen.
    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft, Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, loszulassen... ist nicht einfach, ich weiß, aber es geht.

    Liebe Grüße
    Morgaine

    Hallo Steevie,

    ich finde, es klingt ganz toll wie Du Dich auf die Reise zu Dir selber machst und das mit dem Auto ist super! Ein gar nicht kleines Stück Unabhängigkeit! Ich glaube zwar auch, dass ein offenes Gespräch mit Deinem Freund sich nicht lange wird vermeiden lassen, aber manche Dinge brauchen eben Zeit zu reifen... mach weiter, Schritt für Schritt und ja, ich bin auch jeden Tag aufs neue über die viel größere Klarheit in mir erfreut, die ich spüre, seitdem ich nicht mehr trinke...

    Liebe Grüße
    Morgaine

    Hallo Herzblatt,

    auch ich bin seit einigen Jahren Rentnerin und weiß wie schwierig es sein kann, den Tagesablauf alleine zu strukturieren.
    Bevor ich eine Weiterbildung gemacht habe, hab ich mir Tagespläne geschrieben mit Pflichten und Schönem…

    Wenn Du Dir gerade nichts Schönes vorstellen kannst, wäre evtl. das Programm der VHS was für Dich? Hast Du alte Hobbies, die Du wieder beleben könntest?

    Wenn mir komplett die Decke auf den Kopf fällt, gehe ich mitnichten oder Zeitung auch gern in ein Café… ein Kaffee-Kuchen Café ohne Alkohol… vielleicht hast Du sowas auch in der Nähe?

    Verlier den Mut nicht! Und ja, es braucht Zeit zu lernen sich mit sich selbst zu beschäftigen, nüchtern…

    Liebe Grüße

    Morgaine

    Hallo Sou,

    es gibt auch Beratungsstellen für Angehörige von Süchtigen. In meiner Stadt zB bei der Caritas…

    Ich schreibe Dir als Alkoholikerin, die lange schwere Depressionen hatte und immer wieder hat… die Kombination ist wirklich Gift, wobei natürlich Alkohol an sich schon Gift ist. Aber er verstärkt die Energielosigkeit und Hoffnungslosigkeit immens.

    Bei der Abgrenzung und dem nicht persönlich nehmen hilft Dir vielleicht das Bewusstsein, dass beides eine Krankheit ist. Das sollte aber nicht zu Mitleid führen… nur zu der Erkenntnis, dass sein Verhalten nichts mit Dir zu tun hat.

    Ich weiß nicht, wie gut ihr miteinander sprechen könnt, aber vielleicht könnt ihr ein paar Regeln zumindest bis zu seinem nächsten Termin aufstellen? Auch zur Kommunikation… Und hast Du ihm schon klar gemacht, dass auch Du nicht unbegrenzt belastbar bist?

    Längerfristig geht es aber sicher nicht darum, sich an die Umstände innerlich oder äußerlich anzupassen und die Dinge ertragbar machen- sondern um konkrete Veränderungen…

    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und Mut und Raum für Selbstfürsorge, soweit es möglich ist!

    Liebe Grüße

    Morgaine

    Meine Sucht interessiert es nämlich herzlich wenig, welche Gefühle oder Emotionen ich gerade habe. In meiner nassen Zeit waren die schließlich oft genug ein willkommener Grund, wieder zu saufen.

    (...)

    Sondern darum, die eigene Trockenheit nicht von den Reaktionen anderer abhängig zu machen.

    Moin Hartmut ,

    vielen Dank für Deine Klarstellung! Das kann ich nachvollziehen!

    Den oberen Satz finde ich sehr spannend: dass die Gefühle der Grund dafür waren, wieder zu saufen.
    Ich will jetzt keine Haarspalterei betreiben, aber ich für mich sehe das anders: mein Grund zu saufen war die Weigerung und das Unvermögen, mich mit meinen Gefühlen auseinanderzusetzen bzw sie auf gesunde Art zu regulieren...
    Wie dem auch sei, ich bin ein gefühlsbetonter Mensch und ich gewöhne mich erst noch daran, dass Du diese fiesen Dinger Gefühle in Deinen Texten öfter mal "ignorierst" - so zumindest meine Wahrnehmung.;)

    Nein, ich werde definitiv meine Trockenheit von niemandes Reaktion abhängig machen! Da wäre ich ja mit dem Klammerbeutel gepudert. Und deshalb habe ich ja auch diese meine unfeine Lösung gefunden - die jetzt dafür sorgt, dass das Thema mich nicht mehr belastet, ich entspannt damit umgehen kann und mir keine Sorgen mehr mache....

    Liebe Grüße
    Morgaine

    Hallo _Eternal_ ,
    ich danke Dir für Deinen Beitrag! Schon vor langer Zeit habe ich begriffen, dass ich meiner Familie zu nichts verpflichtet bin, deshalb habe ich ja vor 30 Jahren den Kontakt komplett abgebrochen. Ich weiß also sehr gut, wie es sich anfühlt, ohne Familie zu leben. Allerdings weiß ich auch, wie es ist, seit sehr langer Zeit weitestgehend komplett alleinstehend zu sein, nur wenige Freunde zu haben. Und da freut es mich, dass meine Schwester wieder Kontakt haben möchte. Mein Leben ist durch meine kPTBS leider sehr eingeschränkt, ich arbeite auch nicht und vielleicht kannst Du nachvollziehen, dass ich daher diesen Kontakt nicht torpedieren möchte. Es ist leicht zu sagen "Wer mich als Alkoholiker nicht akzeptiert, der kann mir mal im Mondschein begegnen" wenn man genügend Kontakte hat. Ich leide unter der Einsamkeit. Und nicht erst seit gestern.
    Meine Schwester ist auch nicht offen abwertend oder gar feindselig. Sie würde, wenn ich mich oute, ziemlich sicher leider erstmal "mitleidig geschockt" sein. Aber an den kleinen Dingen, an Blicken, an Nebensätzen und anderem würde ich merken, dass ich - wie schon oben geschrieben - in ihren Augen eben doch jemand bin, der das Leben nicht meistert. Die alten Rollen im Familiensystem zeigen sich sehr subtil und ohne gemeinsame Aufarbeitung wird sich das mit meiner Schwester nie ändern.
    Ich weiß aber auch, würde ich sie morgen wegen irgendwas um Hilfe bitten, würde sie versuchen mich zu unterstützen. Es ist eben im echten Leben oft nicht schwarz/weiß, unser Verhältnis ist ambivalent, ja, aber mir wertvoll genug, zu versuchen, es zu verbessern... die Schexxx die wir gemeinsam durchgemacht haben, verbindet ja auch...

    Natürlich mache ich weiter im Text. Ich habe mich bisher von großen Krisen nicht unterkriegen lassen, da fang ich jetzt nicht damit an. Und irgendwann werde ich meiner Schwester sagen, dass ich Alkoholikerin bin. Wenn ich gefestigter in meiner Abstinenz bin und wenn sich mein Selbstwert wieder eingependelt hat... Dann kann ich einer möglichen dämlichen Reaktion auch besser begegnen. (...) Und ich weiß jetzt nicht, wieviele Weihnachten Du schon allein verbracht hast, bei mir waren es viele.
    Ich hab langsam die Schnauze voll davon, ganz ehrlich. Aber ich werde auch dieses Weihnachten überstehen, egal wie, nur nicht mit Alkohol.

    Liebe Grüße
    Morgaine

    Hallo Nadine,
    gleich vorneweg: ich bin kein alter Hase in Sachen Abstinenz, bin seit 27.8. abstinent.

    Aber ich wollte darauf hinweisen, dass eine ambulante Suchttherapie z. B. bei der Caritas, helfen kann.

    Ich habe eine dort angefangen und finde es sehr hilfreich. Da wurde von Anfang an mit mir besprochen, wie ich mein Verhalten ändern kann… Ich stand da ganz schön auf dem Schlauch am Anfang…

    Jedenfalls wird da verhaltenstherapeutisch gearbeitet und natürlich geht es da auch ums Gedankenkreisen. Da werden dann individuelle Strategien erarbeitet. ( Mir hilft schreiben, hier, im Tagebuch… oder Lesen… anderen hilft Sport, Kochen, ein Bad nehmen usw…)

    Nicht jeder braucht eine Therapie zum Aufhören, aber wenn Du das Gefühl hast, Du kommst allein in der realen Welt nicht damit zurecht, such Dir Hilfe!

    Liebe Grüße

    Morgaine

    Hallo Mom of two,

    mich beschäftigt, dass Du schreibst, Deine Kinder würden nicht viel mitbekommen - woran machst Du das fest? Ich möchte Dir wirklich nicht zu nah treten, aber kann es sein, dass Du da was beschönigst?
    Der Vorfall mit der Toilettenverwechslung ist doch schon sehr frappierend.
    Ganz ehrlich, mir würde das reichen, um meine Kinder schützen zu wollen und das Weite zu suchen…

    Bitte lass Dich beraten und versuche, ehrlich zu Dir selbst zu sein. Ich behaupte nicht, dass Deine Situation einfach ist… für Dich nicht und für Deine Kinder erst recht nicht…

    Liebe Grüße

    Morgaine

    Bis dahin ist ja auch noch eine Weile hin. Da wird sich im Kopf durch die andauernde Nüchternheit noch einiges ändern.
    Ich denke es ist eine gute Idee etwas Zeit ins Land gehen zu lassen.

    Gerade noch mal auf Seite 1 bei dir geschaut. Du bist gerade im zweiten Monat? Das bedeutet, dass du bis dahin ja bald doppelt so lange nüchtern sein wirst.

    Im ersten halben Jahr ging bei mir im Hirn der Punk ab. ^^ Ich wurde, besonders von Leuten aus der realen SHG, immer sehr zur Geduld angehalten. Besonders im ersten Jahr sollten nicht zu weitreichende Entscheidungen getroffen werden.
    Na ja. Habe mich nicht immer daran gehalten. :saint:

    Krass, erst der Beginn des 2. Monats, das stimmt! Mir kommt es länger vor... abgefahren...
    Gut, dass Du mich darauf aufmerksam machst...

    Das mit den Entscheidungen ist ein wichtiger Hinweis... kommt auch in mein Ressourcen-Tagebuch :)

    Oder vielleicht die Erwartungen daran, wie schnell sich etwas verändern muss, ein Stück weit loslassen, dann entsteht die Geduld von ganz alleine (und trotzdem ändert sich alles) 😉

    Loslassen ist ein schönes Stichwort...
    Neulich habe ich irgendwo gelesen, dass man als Alkoholiker/Suchtkranker eine Beziehung zum Suchtstoff hat und dass es in der Abstinenz auch darum geht, diese Beziehung loszulassen. Ich finde das macht Sinn, auch mit Blick auf die Botenstoffe, die Drogen aktivieren... ich erwähne es ungern, aber auch Loslassen war bisher nie meine Stärke, aber was solls, dann übe ich das jetzt auch...

    Hallo Morgaine,

    das mit deinem Papa tut mir leid! 😢

    Denkst du, du hast wegen ihm zu trinken begonnen? Also weil er dir das vorgelebt hat?

    Danke, ist lange her...

    Warum jemand süchtig wird, dazu gibt es viele Theorien und ich maße mir nicht an, die Neurobiologie zu dem Thema genau zu kennen... aber eines weiß ich: es hat nicht geholfen, dass er jeden Abend Bier getrunken hat, Alkohol also immer präsent war, und Vollräusche auch Normalität waren... das gehörte halt dazu, war normal. Ist es aber nicht. Und dieses falsche Bild von normal hat mich sicherlich lange geprägt.
    Ich käme aber nicht auf die Idee zu sagen, dass ich deshalb süchtig geworden bin. Ich gehe davon aus, das hatte mehrere Gründe...
    Nur: ich würde jedem Kind aus tiefstem Herzen einen Vater wünschen, für den man sich nicht schämen muss und vor dem man sich nicht ekeln muss. Und Kinder bekommen mehr mit, als man gemeinhin so annimmt...
    Auch eine unzuverlässige, widersprüchliche und unangemessene Bindungsperson kann tiefe psychologische Wunden in einem Kind hinterlassen und die Bindungsfähigkeit stark beeinträchtigen... und ich gehe davon aus, dass Dein Mann bei seinem Konsum inzwischen kein zuverlässiger Vater mehr ist... aber korrigiere mich hier gerne, wenn ich da falsch liege!