Hallo _Eternal_ ,
ich danke Dir für Deinen Beitrag! Schon vor langer Zeit habe ich begriffen, dass ich meiner Familie zu nichts verpflichtet bin, deshalb habe ich ja vor 30 Jahren den Kontakt komplett abgebrochen. Ich weiß also sehr gut, wie es sich anfühlt, ohne Familie zu leben. Allerdings weiß ich auch, wie es ist, seit sehr langer Zeit weitestgehend komplett alleinstehend zu sein, nur wenige Freunde zu haben. Und da freut es mich, dass meine Schwester wieder Kontakt haben möchte. Mein Leben ist durch meine kPTBS leider sehr eingeschränkt, ich arbeite auch nicht und vielleicht kannst Du nachvollziehen, dass ich daher diesen Kontakt nicht torpedieren möchte. Es ist leicht zu sagen "Wer mich als Alkoholiker nicht akzeptiert, der kann mir mal im Mondschein begegnen" wenn man genügend Kontakte hat. Ich leide unter der Einsamkeit. Und nicht erst seit gestern.
Meine Schwester ist auch nicht offen abwertend oder gar feindselig. Sie würde, wenn ich mich oute, ziemlich sicher leider erstmal "mitleidig geschockt" sein. Aber an den kleinen Dingen, an Blicken, an Nebensätzen und anderem würde ich merken, dass ich - wie schon oben geschrieben - in ihren Augen eben doch jemand bin, der das Leben nicht meistert. Die alten Rollen im Familiensystem zeigen sich sehr subtil und ohne gemeinsame Aufarbeitung wird sich das mit meiner Schwester nie ändern.
Ich weiß aber auch, würde ich sie morgen wegen irgendwas um Hilfe bitten, würde sie versuchen mich zu unterstützen. Es ist eben im echten Leben oft nicht schwarz/weiß, unser Verhältnis ist ambivalent, ja, aber mir wertvoll genug, zu versuchen, es zu verbessern... die Schexxx die wir gemeinsam durchgemacht haben, verbindet ja auch...
Natürlich mache ich weiter im Text. Ich habe mich bisher von großen Krisen nicht unterkriegen lassen, da fang ich jetzt nicht damit an. Und irgendwann werde ich meiner Schwester sagen, dass ich Alkoholikerin bin. Wenn ich gefestigter in meiner Abstinenz bin und wenn sich mein Selbstwert wieder eingependelt hat... Dann kann ich einer möglichen dämlichen Reaktion auch besser begegnen. (...) Und ich weiß jetzt nicht, wieviele Weihnachten Du schon allein verbracht hast, bei mir waren es viele.
Ich hab langsam die Schnauze voll davon, ganz ehrlich. Aber ich werde auch dieses Weihnachten überstehen, egal wie, nur nicht mit Alkohol.
Liebe Grüße
Morgaine