• Hallo,

    ich bin w, 56 und seit 4 Jahren verheiratet. Wir sind seit 12 Jahren zusammen und kennen uns aber aus Teenagertagen wo wir mal zusammen waren. Eine romantische Geschichte aber alles umsonst.

    An meiner Situation gebe ich mir selbst die Schuld. Es war mir schnell bewusst, dass er trinkt. Aber ich habe es mir "schön geredet". Das wird schon. Er liebt mich und ich ihn, wir packen das. Aber packen kann man nur etwas, wenn beide wollen.

    Er trinkt heimlich und denkt immer ich weiß nichts, sehe nichts und rieche nichts. Ich denke ich muss es nicht erklären. Natürlich bin ich immer Schuld! Ausnahmslos.

    Ich will gehen und finde die Kraft nicht. Ich warte auf meinen Reha Termin (ist bewilligt) und nach den 3 Wochen will ich ernsthaft eine neue Wohnung suchen. Auch bekomme ich eine neue sehr verantwortungsvolle Stelle auf die ich mich freue aber vor der ich auch Angst habe. Und mit all dem neuen und dem alten versuche ich irgendwie Kraft zu finden zu gehen. Ich kann mit niemanden reden, weil ich mich so schäme und privates auch nicht gerne nach außen trage. Unsere erwachsenen Kinder möchte ich nicht belasten und ansonsten habe ich niemanden mehr. Seine Familie sieht kein Problem, da wird es eher gefördert.

    Ach alles xxxxxx

    Traurige Grüße

    Einmal editiert, zuletzt von Cassey (11. Oktober 2026 um 10:38)

  • Hallo Cassey,

    herzlich willkommen.

    Was du beschreibst habe ich ähnlich erfahren. Gerade auch die Scham darüber, dass mir sowas passiert war, dass ich einen alkoholabhängigen Mann hatte. Und ich hatte Schuld oder das Wetter war es oder Stress oderoderoder. Diese Ausreden kennen wohl die meisten Angehörigen.

    Dabei hat keiner Schuld außer die Sucht.

    Der Austausch hier kann dir gut dabei helfen, alles loszuwerden ( natürlich unter Berücksichtigung der Anonymität). Unsere Angehörigenabteilung ist groß und voller Erfahrungen. Hier ist der Link für den Austausch:

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Du klickst einfach drauf, bittest um Freischaltung und dann verschieben wir dein Thema von hier in den Bereich für Angehörige und Coabhängige.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Aurora 11. Oktober 2026 um 10:53

    Hat den Titel des Themas von „Mut finden“ zu „Cassey - Mut finden“ geändert.
  • Hey Cassey,

    schwups und schon bist du angekommen. Du kannst dich hier überall austauschen, mit einer Ausnahme, schreibe bitte die ersten 4 Wochen noch nicht im Vorstellungsbereich bei den neuen Usern. Du erkennst sie daran, dass die Nicknamen noch in roter Schrift erscheinen.

    Ich wünsche dir einen guten Austausch, wir lesen uns.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Danke für das verschieben.

    Ich sitze gerade in meinem Büro, im obersten Stockwerk. Wir haben das Glück Platz zu haben uns aus dem Weg zu gehen. Gestern (Samstag) kam ich nach dem Friseur nach Hause und hatte direkt das Gefühl "gibts doch nicht, er hat schon wieder Adleraugen". So nenne ich das, wenn er angestrengt versucht normal zu wirken aber ich es trotzdem merke aber nicht belegen kann. Beweise gibt es selten aber auch nur, weil ich nicht suche sondern sie mir auf die Füße fallen. Von Anfang an habe ich nicht gesucht, wozu auch? In einem Streit hat mir vorgeworfen das zu tun, meine Antwort war, dass ich nicht beweisen muss was ich sehe und rieche. Er ist mir so peinlich, wenn er getrunken hat. Diese Aussprache, dieser Ekel in mir.... jetzt wo ich es benenne, steigen mir die Tränen auf. Er zerstört alles mit dem Trinken und ich bin die, die alles verliert. Nicht materiell, das auch, sondern meine Träume und Sehnsüchte, die Liebe, mein Zuhause, meinen Mann. Das kann ich ihm nicht verzeihen.

    Wir gehen viel Essen etc. Klar. da kann er trinken. Wie gestern auch. Wie gesagt, ich kam heim und wir sind erstmal einkaufen gefahren. Ich wurde immer mürrischer. Dann hat er erstmal bis Abends auf der Couch geschlafen und dann gingen wir essen. Natürlich hat er nicht zugegeben, dass er eigentlich nicht mehr fahren konnte. Meine Wut steigerte sich und als er dann in der Besenwirtschaft mit der Wirtin sprach, hatte die volle Wirkung eingesetzt und er konnte sein "blau" sein nicht mehr verstecken. Ich habe es nicht mehr geschafft mich mit ihm zu unterhalten, so habe ich gekocht innerlich. Zuhause schlief er fast sofort und ich war wieder allein.

    Ich bin so allein. Unsere Töchter sind erwachsen und haben eigene Probleme und dieses kennen sie zwar, glauben aber es wurde besser. Wir sind gut im Schauspielern. Ich möchte nur noch schreien.

    Nachher werde ich das Gästezimmer für mich richten. Ich habe ihm gesagt, dass ich jetzt nach oben ziehe und nach der Reha (bewilligt aber Termin fehlt noch) werde ich mir eine Wohnung suchen. Ich hoffe ich schaffe es. Mir fehlt die Kraft. Aber ich habe fest vor wieder glücklich zu werden.

    Vor 1 Woche hatten wir noch einen Riesenstreit wg. Sex. Ich bin in den Wechseljahren und habe damit auch Probleme aber das größte Problem ist der Ekel vor dem Geruch und seine Art. Das Gegrabsche von dem er glaubt es ist sexy, wenn er getrunken hat. Nüchtern fasst er mich nicht an.

    Ich könnte so viel schreiben aber ich denke ihr wisst alle von was ich spreche. Ich muss von vorne anfangen. Es macht mir Angst

  • Hallo Cassey,

    Ich könnte so viel schreiben aber ich denke ihr wisst alle von was ich spreche.

    Ja, ich weiß es...

    Er zerstört alles mit dem Trinken und ich bin die, die alles verliert. Nicht materiell, das auch, sondern meine Träume und Sehnsüchte, die Liebe, mein Zuhause, meinen Mann.

    So in der Art habe ich mich auch lange gefühlt. Dass er mit der Sauferei alles kaputt macht, dass wir es doch so schön hätten haben können. Da war ganz viel Traurigkeit und irgendwann mehr und mehr Wut und zum Schluss nur noch Ekel, Hass.

    Ich bin so allein.

    Dieses Gefühl hatte ich auch sehr oft. Als die Kinder noch kleiner waren hat er sich schon nicht viel gekümmert. Er war der Typ " Herr im Haus, der das Geld verdient und damit genug getan hat". Im Laufe der Jahre wurde es durch das Trinken, irgendwann durch die Sucht immer schlimmer.

    Sex... auch so ein Thema. Ich hatte so viel Ekel und Wut in mir, das ging garnicht mehr.

    Ich hab mich nach 26 Jahren getrennt.

    Ich hoffe ich schaffe es. Mir fehlt die Kraft. Aber ich habe fest vor wieder glücklich zu werden.

    Du kannst das auch schaffen. Na klar kostet das Kraft. Aber mit jedem Schritt den du machst wirst du merken, wie es besser wird.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Liebe Cassey, gut, dass du hier bist und dir damit Unterstützung suchst!

    Mir sind viele Dinge vertraut, von denen du schreibst. Das Leben mit einem nassen Alkoholiker, der nichts verändern will, ist einfach sehr belastend.
    Es ist schrecklich mitanzusehen, wie der vertraute Partner sich verändert und zur schlechten Kopie wird.

    Deswegen finde ich deinen Entschluss richtig!
    Ich kann dir nur Mut machen.

    Was brauchst du, um deinen Weg zu gehen? Wie können wir dich am besten unterstützen?

    LG

  • Was brauche ich? Wenn ich das doch nur wüsste. Mut vor allem aber das ihr mitlest, Antwortet... das hilft schon mal. Danke euch allen!

    Er will heute Abend mit mir reden, sich erklären aber es wird ja dann wie immer. Versprechungen, Beteuerungen und dann..... alles wieder von vorne.

    Heute in meiner Nähe gibt es ein Al Anon treffen. Ich habe mir vorgenommen hinzugehen. Ich habe mir auch vorgenommen ihn anzuhören. Keine Vorwürfe zu machen sondern einfach hinzuhören. Aber wenn meine Reha vorbei ist und er nicht in Behandlung oder zumindest bei Treffen war bzw. ist, werde ich die Wohnungssuche intensivieren oder mich im Umfeld outen und meine Freundin bitten mich aufzunehmen.

    Gott ist das alles Scheiße. Ich fühle mich grundlos bestraft. Ich fange wieder von ganz vorne an. Ich könnte gerade schreien vor.... vor was eigentlich? Wut, Enttäuschung?

  • Puh, kaum hatte ich fertig geschrieben kam er heim und wir haben geredet. Ich habe nichts zugelassen. Kein Schreien, weinen, diskutieren, nichts. Er ist nüchtern. Er gab zu Samstag eine Flasche Wein tagsüber getrunken zu haben. Ich hatte um 11:45 Uhr meinen Friseurtermin und war um 13 Uhr wieder daheim.... wann hat er da getrunken? Wie schnell? Egal, wegwischen, ist unwichtig.

    Er wollte mir wieder die Schuld zuschieben. Ich habe es nicht akzeptiert. Boah ich bewundere mich gerade selbst.

    Ich sagte nur, die Verantwortung liegt bei dir. Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, ich suche mir Hilfe und wenn ich von der Reha zurück bin, suche ich mir eine Wohnung. Er wollte mir unterstellen und erklären was ich alles tue damit er trinkt. Ich blieb weiter ruhig und sagte ihm, dass seine Exfrau nach 20 Jahren (sie trinkt nicht, raucht nicht etc) gegangen ist wg. dem Alkohol und da war ich noch nicht da. Auch sind wir seit 12 Jahren zusammen, habe ich ihn dann von Anfang an verführt? Habe ich ihn gezwungen, im Auto die Flasche heimlich zu trinken?

    Nein, ich darf das nicht an mich ran lassen.

    Also wiederholte ich wie ein Mantra, ich suche mir Hilfe und wenn du es willst, suchst du dir Hilfe. Er meinte soviel ist es nicht. Nur weniger Ausrutscher und wie vorher ja erklärt, ich habe ja...... und warum ich ihn für alles verantwortlich machen würde, wir haben so ein schönes Leben.......

    Nicht ihn, den Alkohol mache ich verantwortlich sagte ich und das ich es satt habe mich zu schämen, zu ekeln, die Augen zu rollen, ihn zu hassen. Ich habe es satt.

    Er holt sich jetzt was zu essen da ich nicht koche (ich böse). Ich bin so froh, wenn ich nachher weg bin beim Treffen.

  • Hallo Cassey,

    wow, das finde ich klasse, wie klar du bei diesem Gespräch warst.

    Diese Vorwürfe habe ich auch zu hören bekommen, immer wieder. Ich hab mich dann immer gerechtfertigt und er hat dadurch immer wieder Angriffspunkte gehabt. Das war nicht toll, es hat Energie gekostet und mich verunsichert. Es hat lange gedauert bis ich so klar und deutlich war, Grenzen setzen konnte usw. Ab da ging es gewissermaßen aufwärts.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Hallo Cassey,

    Ich finde, Du hast das Gespräch gut gemeistert. Du bist dem Schreiben nach ruhig und bei Dir geblieben.
    Du bist auch schon ein Schritt weiter. Viele Co‘ s kommen hier an und sind noch der festen Überzeugung, den Partner ändern zu können.
    Du kannst nur für Dich sorgen und das tust Du mit der Reha und indem Du konsequent bleibst.
    Natürlich macht so ein Neuanfang Angst. Ich habe vor 9 Jahren wieder bei Null angefangen und es war das Beste, was mir passiert ist.
    Bleib auf Deinem Weg.🍀

    _______________________________________

    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Immer dran denken.

    „Ein Kranker kann dich nicht kränken“

    Dem kann ich nicht zustimmen.

    Es kann auch andere Familienmitglieder krank machen.
    Allein die Schuldzuweisungen des anderen verfälschen oft das eigene Selbstbild und die eigene Wahrnehmung.
    Pflege und Fürsorge von hilfsbedürftigen Angehörigen gehen oft zu Lasten der eigenen Gesundheit und Kräfte.

    _______________________________________

    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Guten Morgen an alle, Danke für eure Antworten, das hilft so ungemein!


    Du bist auch schon ein Schritt weiter. Viele Co‘ s kommen hier an und sind noch der festen Überzeugung, den Partner ändern zu können.

    Ja, ich war ja 12 Jahre der Meinung ich könnte das. Wäre ich nur hilfsbereiter, verständnisvoller etc.

    Gestern Abend war ich also bei meinem ersten Treffen von angehörigen. Ich kam an und eine Traube von Menschen stand da und bevor ich fragen konnte, ob ich überhaupt richtig bin fing ich schon zu heulen an. Von Ruhe war da nichts mehr. Ich heulte wie ein Wasserfall.

    Drinnen wurde mir erstmal alles erklärt und zu meinem Glück, denn so fühle ich das wirklich, war gestern das Treffen von Süchtigen mit Angehörigen. Ich durfte mir anhören, was die Sucht mit ihnen gemacht hat, ob die Frau noch da ist oder nicht und die Sicht der Frau. Ich habe das erste Mal erlebt wie es ist, wenn keiner unterbricht, keiner verteilt oder in Frage stellt was du erzählst. Alle hörten zu. Nach dem 4ten Bericht konnte ich endlich erzählen was los ist. Natürlich nicht ohne viel zu heulen.

    Zuhause legte ich mein Infomaterial offen hin, er wußte ja wo ich gewesen bin und dann bin ich ins Bett. Ich bin so froh, dass wir ein Gästezimmer haben.

    Ich weiß nicht ob ich das durchhalte. Ich weiß nicht, ob ich das schaffe aber ich will es. Ich habe gestern soviel gehört und auch verstanden aber ob ich das trotzdem durchhalte? Ich zweifle an mir, weil ich ihn liebe und mein Leben auch aber wie sagte der eine im Treffen zu mir "du glaubst nicht welche Freiheit du spüren wirst, wenn du durchhälst".

    Also mache ich das, was ich einer Freundin bei einer Trennung geraten habe. 1 Schritt nach dem anderen, 1 Gedanke nach dem anderen. Heute ist mein Schritt - arbeiten gehen.

  • du glaubst nicht welche Freiheit du spüren wirst, wenn du durchhälst".

    Ich kann dem nur zustimmen.

    Ich bin so froh, dass wir ein Gästezimmer haben.

    Ich weiß nicht ob ich das durchhalte. Ich weiß nicht, ob ich das schaffe aber ich will es. Ich habe gestern soviel gehört und auch verstanden aber ob ich das trotzdem durchhalte? Ich zweifle an mir,

    Ich bin damals auch in die obere Etage unseres Hauses. Habe aber den ständigen Kontakt und Druck nach 14 Tagen nicht mehr ausgehalten, bin zu einer Freundin und zwischenzeitlich in FeWo bis ich zur Reha gegangen bin. Der Abstand und der Fokus nur auf mich, tat mir gut.

    Ich habe das erste Mal erlebt wie es ist, wenn keiner unterbricht, keiner verteilt oder in Frage stellt was du erzählst. Alle hörten zu.

    Supi, auch hier kannst Du 24/7 schreiben. Gut, dass Du es raus lässt und DIr Hilfe suchst. Nur für Dich!
    Er darf sich selbst kümmern, denn Du bist nicht verantwortlich für sein Leben.

    Ich zweifle an mir, weil ich ihn liebe

    Wirklich? Du hattest bereits von Ekel geschrieben.

    Jahrelang habe ich mein eigenes Bauchgefühl unterdrückt, weil „ alles“ rundherum hat ja funktioniert.
    Ich dachte auch, ich bin falsch… Schuld war immer ich… das wurde mir auch so suggeriert. Hinterher habe ich erkannt:

    Es gibt immer einen der „macht“ und einen der mit sich machen lässt.

    Viel zu lange war ich in meiner Opferrolle gefangen.

    Ich wünsche Dir einen ablenkenden Arbeitstag.

    _______________________________________

    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Hallo Cassey,

    das Gefühl von Freiheit im Laufe der Zeit kann ich von mir bestätigen. Freiheit aber auch Selbstsicherheit, das hab ich immer mehr gespürt. Und tatsächlich muss ich irgendetwas ausgestrahlt haben.

    Damals, ich war noch berufstätig, sagte eine Kundin zu mir ob ich was verändert hätte. Ich sähe so anders, besser aus. Neue Frisur?

    Nö, ich meinte, das wäre alles noch wie vorher. Das, was ich verändert hätte wäre, dass ich mich endlich getrennt hätte.

    Also mache ich das, was ich einer Freundin bei einer Trennung geraten habe. 1 Schritt nach dem anderen, 1 Gedanke nach dem anderen.

    Aus jedem Schritt wird ein Stück mehr Weg.

    Das, was du gestern in der Gruppe erlebt hast hab ich damals hier so empfunden. Endlich Menschen die mich ernstgenommen haben, die wussten, wovon ich schrieb. Das ist echt eine große Hilfe um den eigenen Weg zu finden.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Vergesse ich alles um mich zu schützen? Ja, ich glaube das tue ich. Aber diesmal schreibe ich alles auf!

    Here we go again, wieder ein Abend mit Frust. Als er heim kam war er sofort wütend, denn ich war im Büro. Ich kam runter um Hallo zu sagen und wurde sofort angeraunzt warum ich nicht Hallo sagen kann..... durchatmen, nicht drauf einlassen.

    Warum ich ihm das antue? Das Gespräch schwankte zwischen Fragen wie es gestern war und Wut weil ich darauf beharre zu gehen. Also, warum tue ich "ihm das an"? Möchte ich, dass er alles verliert? Den Ruf, die Freunde, die Arbeit?

    Ich hätte doch gesagt er habe Zeit bis nach der Reha, warum ich jetzt ausziehen will........ Als wir uns etwas beruhigt hatten erzählte ich ihm von gestern und wie anonym es ist und wie gut es tat mit Menschen zu reden die nicht verurteilen.

    Es liegt mir fern meinen Mann irgendwo bzw. bei irgendwem schlecht zu machen, denn er ist nicht schlecht. Wenn er normal ist, ist er der beste Mann der Welt. Aber der Alkohol, der ist der Schlechte. Ich habe es versucht zu sagen, merkt selbst ich komme wieder in die Rolle und wollte schon gehen aber er bat mich doch nochmal runter. Ob ich eine Eheberatung mit ihm machen würde.

    Ja, aber er muss den Termin machen. Sofort wieder Zorn auf seiner Seite (er war nüchtern, ist das Wut weil was fehlt?). Er war den ganzen Tag auf Arbeit wie soll er jetzt einen Termin machen..... am liebsten hätte ich eine Trillerpfeife gehabt.....

    Ergebnis? Ich warte ob er einen Termin macht. Ich werde nicht tätig.

  • Hallo Cassey ,

    ich habe immer wieder Deine Posts gelesen und finde Deinen Mut und Deine Geradlinigkeit toll!

    Ich schreibe Dir als Alkoholikerin (seit Ende August abstinent) und würde gerne einen Gedanken mit Dir teilen:

    Du schreibst, er ist kein schlechter Mensch, aber der Alkohol ist der Schlechte. Er ist sicher kein schlechter Mensch, aber er ist derjenige, der das Glas oder die Flasche in die Hand nimmt und trinkt. Der Alkohol wandert ja nicht von selbst in ihn.
    Will sagen: er hat doch Verantwortung für sein Handeln. Oder Nicht-Handeln. Als ich noch getrunken habe wusste ich am Ende schon eine ganze Weile, dass ich ein Problem habe. Aber es war mir egal. Mir war egal, ob ich mich ruiniere.

    Jeden Tag der innere Kampf vor dem Einkaufen. Wein holen oder nicht? Ich habe das bewusst entschieden will ich damit sagen.

    Ich wünsche Dir weiterhin ganz viel Kraft und Mut!
    Liebe Grüße
    Morgaine

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • Danke Margaine!

    Du hast Recht und ich wollte nicht seine Verantwortung klein reden. Es IST seine Verantwortung aber ich habe gestern etwas verstanden. Scham. Ich habe mich sooooo geschämt hier zu schreiben und zur Gruppe zu gehen. Zuzugeben, dass ich nicht die Kontrolle über mein Eheleben habe. Dass das glückliche Bild von uns 2 nicht glücklich ist. Und dann wurde mir klar, er schämt sich auch! Das macht mich weniger wütend auf ihn aber umso ruhiger.

    Ist es nicht so, dass man irgendwann einen Punkt erreicht und dann wie beim Marathon einfach weiter läuft?

    Der Weg ist noch so weit. Jedesmal, wenn ich mir online Wohnungen ansehe fange ich an zu heulen. Der Gedanke mit 56 wieder anzufangen. Mit nichts. Das macht mir Angst.

    Aber er hat auch Angst.

    Als ich noch getrunken habe wusste ich am Ende schon eine ganze Weile, dass ich ein Problem habe. Aber es war mir egal. Mir war egal, ob ich mich ruiniere.

    Das denke ich immer, wenn ich ihn betrachte. Es ist im egal. Aber mir nicht. Ich lasse mich nicht ruinieren oder lebe neben ihm her und ignoriere es. Ich will ein schönes Leben. ich will Liebe und Vertrauen und Zärtlichkeit und kein Misstrauen, kein vorsichtiges schnüffeln, kein leises laufen damit er weiter schläft und ich nicht realisieren muss er ist betrunken. Es liegt doch immer an einem selbst, oder?

    Klar, meine Worte hören sich stark und geradlinig an aber glaub mir, meine roten Augen sagen etwas anderes. Ich muss mich beherrschen und nicht runter rennen und ihn ganz festhalten. Heute wo er nicht riecht und nichts ekelig ist. Das tut weh. so weh

  • Ich verstehe Deine Scham, aber sie ist unnötig. Das weißt Du sicher, ich schreibe es aber trotzdem nochmal auf...

    Es gibt keinen Grund für Scham, weder für Dich noch für ihn. Alkoholismus ist eine Krankheit. Ich hab mich am Anfang auch geschämt. Das hat sich Gott sei Dank schnell gelegt, auch dank der realen und der online-Selbsthilfegruppe.

    Auch Deinen Schmerz kann ich sehr gut nachfühlen. Ich war nie verheiratet und man kann es nicht ganz vergleichen, aber als junge Frau war ich mit einem Mann zusammen, der Cannabis-süchtig war. Als ich ihn irgendwann vor die Wahl stellte: ich oder das Zeug, hat er sich für die Droge entschieden. Eine Welt fiel zusammen...

    Alles das, was Du schreibst was Du Dir wünschst ist wichtig und richtig! Gib das nicht auf!
    Ich bin Anfang 50 und würde lieber nochmal von vorne anfangen als mit einem Alkoholiker/konsumierenden Suchtkranken zusammen zu sein. Aber dass das Angst macht ist leider natürlich und nur zu verständlich. Es kommen ja auch einige Veränderungen auf Dich zu. Ich hoffe, Du hast ein gut unterstützendes Umfeld und musst da nicht alleine durch!

    Ich bin alleinstehend und habe jeden Abend alleine getrunken. Es hatte also keine Auswirkungen auf meine Beziehung oder Freundschaften. Niemand hat etwas mitbekommen. Ich weiß nicht, ob mir jemand etwas hätte sagen können, dass mir die Augen geöffnet hätte. Am Ende war es ein Artikel über alkoholkranke Frauen im Spiegel, den ich gelesen habe, der mich aufgeweckt hat. und seitdem bin ich mir auch nicht mehr egal. Aber ob diese Gleichgültigkeit mir selbst gegenüber hätte jemand durchbrechen können? Ich weiß es nicht. Ich glaube der Artikel kam einfach zum richtigen Zeitpunkt.

    Dass Deine Liebe zu ihm nicht einfach verschwindet und dass das alles furchtbar weh tut, ist so nachvollziehbar und ich empfinde ganz viel Mitgefühl, wenn ich Dich lese. Aber Liebe alleine reicht eben nicht und er, nur er hat es in der Hand.

    Mach einen Schritt nach dem anderen, hol Dir alle Unterstützung, die Du bekommen kannst und sorge gut für Dich...
    Liebe Grüße
    Morgaine

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

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