Beiträge von Blizzard

    Hallo Nobby,

    ich bin 27 Jahre und teile deine Alkohol-Geschichte mehr oder weniger. Ich denke daher schon dass du ein Alkohol-Problem hast. Eine dieser teuflischen Eigenschaften dieser Krankheit ist es ja, dass wir, die Patienten, erst meist dann vollkommen überzeugt sind, dass wir ein Problem haben, wenn wir einen absoluten persönlichen Tiefpunkt erreicht haben.

    Ich z.B. wusste spätestens mit 18, dass mein Trinkverhalten äußerst ungesund und gefährlich ist, und dass ich schwerlich aufhören kann. Aber wie lange hat es gebraucht, bis ich ernsthaft beschlossen habe, mein Problem als solches anzuerkennen und etwas dagegen zu tun!

    Auch ich habe viele der von dir zitierten Trinkpausen gemacht: 2000 - 7 Wochen; 2001 - 6 Wochen; 2003 - 6 + 11 Wochen; 2004 - 12+5 Wochen; 2005:23 (!) Wochen - 2006 - 6+4 Wochen; Immer am Stück. Und immer wollte ich eigentlich noch länger durchhalten - aber eben mit dem Gedanken, sowieso nachher wieder zu beginnen. So ist aber kein trockenes Leben möglich, weil man sich ja geistig kein bisschen von der Droge entfernt, und im Grunde nur den "großen Moment" abwartet, wieder anfangen "zu dürfen" mit dem Gesaufe.

    Jetzt, wo ich mich seit diesem Jahr intensiv mit dem Thema Alkoholismus auseinandersetze und die Angebote einer Suchtberatungsstelle in Anspruch nehme, merke ich erst, wie schwierig es ist, trocken zu werden und vor allen Dingen auch zu bleiben. Zu einem trockenen Leben gehört eben viel mehr dazu, als einfach nur "nicht mehr zu trinken".

    Ich hoffe für dich, dass du nicht erst die nächsten Jahre weitere leidvolle Erfahrungen mit dem Alkohol machen musst, um für dich selber die Entscheidung zu treffen, etwas dagegen zu tun. Je früher desto besser!

    Gruß,

    Blizzard

    Hallo Gerrit,

    du hast meiner Meinung nach sicht typisch "entwickelndes" Alkoholproblem. Dein Umgang mit dem Alkohol ist gefährlich, wenngleich die negativen Auswirkungen bei dir aufgrund deines jungen Alters natürlich noch nicht sehr ausgeprägt sind.

    Du fragst, ob du ein Alkoholproblem hast? Das kann man aus der ferne natürlich schwer beurteilen. ABER: Alleine, dass du dir tiefer gehende Gedanken zu dem Thema machst, dir im Internet dieses Forum gesucht hast usw., deutet darauf hin, dass dir dein Unterbewusstsein irgendwo sagt "Junge, pass auf, da stimmt was nicht!".

    Ich kann dir ein kleines Experiment empfehlen: Versuche einfach mal 4 Wochen nichts zu trinken wenn du mit deinen Freunden ausgehst oder Karten spielst. Beobachte dich, wie du dich dabei fühlst. Wenn es dir dabei schlecht gehen sollte, wenn du ohne Alk in diesen Situationen keinen Spass empfinden kannst usw., dann beherrscht der Alkohol schon sehr deutlich dein Gefühlsleben. Dann sollte schon die eine oder andere Alarmglocke schrillen.

    Hallo Ulrike,

    ich denke, die Gedanken, die du hast sind vielen hier wohl bekannt (ich meine jetzt grundsätzlich Ängste, Depressionen, Zweifel und Rückfallgedanken - was du genau denkst, weiß ich natürlich nicht).

    Ich leide selbst unter der gleichen Problematik - und bin in der Vergangenheit auch schon öfters in solchen Situationen gescheitert, nachdem ich ein paar Monate durchgehalten habe.

    Auch das mit der Selbsthilfegruppe kann ich nachvollziehen. Ich besuche momentan eine "Tagesgruppe" die von einem Psychologen geleitet wird, und an der man täglich eine Stunde teilnimmt. Ich komme dort mit den anderen Leuten auch nicht so leicht zurecht - es fehlt einfach die gleiche Wellenlänge. Auch das Alter (ich bin 27, die anderen fast alle über 40) spielt hier wohl eine Rolle.

    Unser Psychologe ist aber klasse und hat uns schon einige wertvolle Denkanstöße gegeben. Er erklärte uns auch, was da so im Hirn abläuft, wenn man rückfällig wird. Dazu machte er uns darauf aufmerksam, dass der Alkohol ja nicht von Beginn an unser "Feind" war, sondern dass wir viele glückliche und zufriedene Momente mit ihm erlebt haben. Das wir es toll fanden, berauscht zu sein, uns leicht und ungehemmt fühlten usw. Zu dieser Zeit sah keiner von uns im Alkohol ein Problem oder gar einen Gegner. Später kamen dann langsam Probleme durch den Alkohol dazu (z.B. Führerschein weg, Stress in der Beziehung, Stress auf der Arbeit, Entziehung des Sorgerechts für Kinder, Obdachlosigkeit u.v.a. - bei jedem Menschen halt anderes). Und als die Probleme überhand nahmen kommt man dann irgendwann zu dem Punkt, an dem man erkennt, dass die Nachteile des Alkoholkonsums für einen persönlich die Vorteile bei weitem überdecken. Dort entscheiden sich dann viele aufzuhören.

    Nach einer gewissen Phase der Abstinenz passiert es dann aber oft, dass man sich an den Alkohol zurückerinnert - und es ist eben eine Eigenschaft unseres Unterbewusstseins, sich zuerst wieder (chronologisch eben) an die schönen Seiten des Alks zu denken. Deswegen - so das Fazit unseres Psychologen - ist es so wichtig, sich in der Entwöhnungsphase täglich mit seiner persönlichen Geschichte auseinanderzusetzen und dabei von Anfang an auch die schönen Seiten nicht wegzulassen ( die es ja bei jedem hier mal gab), da verdrängte Gedanken die Eigenschaft haben sich irgendwann wieder umso heftiger zurückzumelden.

    Möglicherweise wird dir das alles jetzt in deiner konkreten Situation auch nicht weiterhelfen, aber mir hat es geholfen, über diese Dynamiken des Unterbewusstseins Aufklärung zu erhalten.

    Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute und hoffe, dass du diese schwierige Zeit überstehst und gestärkt daraus hervorgehst.

    Zitat von Alexej07

    Hallo Blizzard,

    deine eine Bemerkung gefällt mir gar nicht.
    Und zwar: " - und kein Penner mit Schnapsnase, der unter der Brücke haust."

    Hallo Alexej07,

    ich fürcht du hast mich falsch verstanden. Keinesfalls wollte ich irgendjemanden beleidigen. Für mich haben alle Menschen den gleichen Status und dieselbe Wertigkeit, unabhängig von Religion, Hautfarbe, Nationalität oder eben sozialem und finanziellem Status.

    Ich habe die vorliegende Formulierung verwendet, um damit auszudrücken, dass ich allen möglichen Menschen Leberkrankheiten "zutraue", aber eben nicht mir selbst! Wenn du da draussen jemanden sagst, er soll dir einen Alkoholiker mit Leberschaden beschreiben, dann wird vielen Menschen "der Penner mit der Schnapsnase" als erster vor das geistige Auge treten, und nicht ein junger, ziemlich sportlicher Student.

    Also: Nichts für ungut.

    Hallo Verybitter,

    ich weiß zwar nicht, in welchem Alter du bist, aber ich nehme an du gehörst - wie ich - zur jüngeren Generation.

    Ich bin (noch) 26 Jahre und habe natürlich lange Zeit ähnliche Erfahrungen gehabt wie du, bzw. Gedanken und Gefühle die damit verbunden sind. Man nimmt sich immer wieder vor, mit dem Trinken aufzuhören, oder wenigstens mal auszusetzen. Und abends fehlt dann halt irgendetwas. Das kann über Jahre so hingehen. Alkoholismus nimmt bei dem Menschen sehr verschiedene Formen an. Der eine trinkt sich innerhalb kürzester Zeit um den Verstand, der andere lebt Jahrzehntelang mehr oder weniger unbeschadet mit seiner Sucht (z.B. mein Vater). Gemeinsam haben alle Krankheitsverläufe nur eins: Den Tod, der früher oder später kommt, wenn man nichts unternimmt.

    Eines meiner einschneidenden Erlebnisse war ein Besuch beim Leberultraschall, wo man mir sagte, dass ich - wenn ich so weitersaufe - keine 35 Jahre alt werde. Man zeigte mir das vernarbte Gewebe auf dem Bildschirm und dunkelviolett verfärbte Anzeigen auf dem Bildschirm, die den Zustand meiner Leber darstellten.

    Damit hätte ich niemals gerechnet. Ich war jung und gesund, sportlich und voller Elan - und kein Penner mit Schnapsnase, der unter der Brücke haust.

    Diese Sache hat mir Angst gemacht. Mehr Angst als alles andere. Ansonsten hätte ich wahrscheinlich noch jahrelang so weitergemacht wie bisher, und mich dabei so gefühlt wie du. Doch der Schock war heilsam (aber natürlich gab es noch genug andere Gründe trocken zu werden, aber das ist eine andere Geschichte).

    Hallo zusammen!

    Vielen Dank auch für deine Meinung, Teufelchen.

    Gestern war ich dann doch nicht beim psychologischen Psychotherapeuten, weil ich - naiv wie eh und je - gedacht habe, da kann man jederzeit vorbeikommen. Tja, war dann aber nicht so - man musste einen Termin telefonisch vorher ausmachen.

    Habe ich dann heute mittag gemacht, und saß bereits eine Stunde später im Büro von einer Psychotherapeutin. Ich schilderte ihr die Symptomatik meines "Anfalls" und die Gefühle die damit verbunden waren, und die mich schon die letzten Wochen immer wieder beschäftigten und besorgt machten.

    Sie beruhigte mich, und erklärte mir, dass es bei mir noch nicht wirklich "schlimm" sei, weil ich z.B. auch keine körperlichen Symptomatiken mit der Angstsituation verbinde - und ich glaube ihr das auch, wenn ich die anderen Leute in ihrem Wartezimmer ansah, die teilweise sehr zerfahren und gequält wirkten.

    Ich bekam schließlich einen Überweisungsschein zu einer Psychologin, die mir Entspannungstechniken beibringen soll. Ich halte das für mich für den richtigen Ansatz, da ich - zumal ohne Alkohol - derzeit nicht in der Lage zu sein scheine, mich völlig losgelöst und gelassen zu entspannen. Das muss ich erst wohl wieder lernen.

    Ich habe mir in einer Reihe von Selbstversuchen probiert Yoga-Techniken, Autogenes Training usw. autodidaktisch beizubringen, was aber irgendwie immer scheiterte. Unter Anleitung werde ich da wohl mehr Erfolg haben.

    Mal sehen. Ich hoffe, dass es besser wird und betrachte die ganze Sache irgendwie auch als eine Prüfung für das trockene Leben. Das positive an der ganzen, an und für sich traurigen Angelegenheit, war, dass ich keine Sekunde daran dachte, mir wieder Alkohol zu besorgen - was ich früher in solchen Situationen definitiv getan hätte.

    Grüße an euch alle.

    Hallo zusammen,

    vielen Dank für die Antworten, v.a. an Jeanny.

    Ich denke auch, dass die Angst vor der Angst das größte Problem für mich momentan darstellt.

    Ich war vorhin beim Allgemeinarzt und habe mir eine Überweisung zu einem psychologischem Psychotherapeuten geben lassen, bei dem ich mich morgen mal vorstellen werde. Ich denke das ist ein erster Schritt.

    Wenn ich ehrlich bin, hat sich diese ganze Sache irgendwie angebahnt. Nicht die konkrete Situation gestern, aber die Tatsache, dass das irgendwann mal passieren könnte. Wahrscheinlich hätte ich schon vor Jahren mir Hilfe holen sollen.

    Hallo zusammen,

    seit 40 Tagen bin ich nun wieder nüchtern und verspüre auch keinerlei Saufdruck. Was mir aber Sorgen macht, sind die psychischen Probleme, die bei mir in den letzten Wochen immer stärker wurden.

    Ich fühle mich zur Zeit äußerst unwohl, und bin deshalb für heute auch erst mal krankgeschrieben. Wie gesagt, war da die letzten Wochen schon immer so ein schwer-definierbares Unwohlsein - dass sich aber in Grenzen hielt, gepaart mit ständigen Grübeleien über Sinn und Unsinn usw. Gestern hat es mich dann aber so richtig erwischt. Ich saß auf meinem Arbeitsplatz im Büro, alles lief wie immer (eigentlich sogar ziemlich gut) bis plötzlich eine richtige Angst in mir aufstieg. Es fällt mir schwer, diese Angst zu definieren, da sie in keinem Verhältnis zu irgendwelchen äußeren Umständen stehen würden, die sie erklären könnten. Die Angst kam völlig unvermutet und mit jedem Gedanken, den ich an sie verwendete wurde sie schlimmer. Abends wurde es dann nochmal kurzzeitig so schlimm, zwischendurch entspannte sich die Sache wieder.

    Mein Gefühl sagt mir, dass die Angelegenheit in Richtung depressive Verstimmung geht, aber ich ich weiß es nicht genau.

    Als ich darüber nachdachte, merkte ich, dass ich in den vergangenen Jahren solche Momente einfach mit ein paa Flaschen Bier vorübergehend hinwegspülte. Meine Freundin erklärte mir, dass ich deshalb nie gelernt habe, mit traurigen Momenten und Gefühlslagen umzugehen. Das klingt ja auch plausibel. Aber das was gestern passiert ist, war nicht einfach nur eine traurige Gefühlslage. Es war Angst, fast schon Panik. Und ich habe die Sorge, dass sich dies in Zukunft immer wieder wiederholen könnte.

    Hat jemand von euch Erfahrungen mit solchen Dingen?

    Gruß,

    Blizzard

    Hallo Franki,

    erstmal ein freundliches "Hallo" von mir. Ich habe diesen Strang fast vollständig durchgelesen und finde es gut, wie du hier von deinen Erfahrungen schreibst.

    Die Sache die dir da heute passiert ist, war sicherlich sehr unglücklich. So wie du dich anhörst, und wie ich dich einschätze, glaube ich aber nicht, dass du derzeit ernsthaft rückfallgefährdet bist (aber dass kann dir natürlich nur dein eigenes Gefühl am besten sagen).

    Ich würde die Sache nicht überbewerten, da du eine festverankerte und richtige Sichtweise zum Thema Alkohol und Alkoholkrankheit hast. Du hast auch den notwendigen Respekt vor dieser Droge, verbunden mit einer gewissen Angst, wenn man so will.

    Deshalb finde ich, dass du morgen genauso weitermachen solltest, wie bis gestern abend. Du hast die richtige Einstellung und du hast einen freien Willen. Es gibt keine fremde Kraft mehr in deinem Leben, die dich morgen, wie ferngesteuert, in irgendeine Kneipe führen wird.

    Zeig Selbstbewusstsein!

    Grüße und alles Gute!

    Hallo zusammen,

    ich kann die Sorgen und die Verzweiflung derer verstehen, die gerne arbeiten würden, aber keine Anstellung finden. Mir geht es momentan aber eher umgekehrt. Im Oktober habe ich meine letzte Arbeitsstelle wegen unüberbrückbarer Zerwürfnisse mit meinem Vorgesetzten gekündigt und war die letzten Monate arbeitslos. Danach hatte sich mein Alk-Problem bis Jahresende wieder verschärft, bevor ich Anfang diesen Jahres endgültig beschlossen habe, die Finger davon zu lassen. Seitdem bin ich trocken und arbeite intensiv daran, es auch zu bleiben, meine geistige Einstellung zu den Dingen zu überprüfen und zu ändern, meine Verhaltensweisen zu ändern (die, die mich immer in die Nähe des Alkohols brachten) usw. Dafür hätte ich gerne mehr Zeit, muss aber eben auch schauen, wo ich finanziell bleibe. Da mein ALG ziemlich mickrig ist, musste ich schauen, möglichst schnell wieder in Arbeit zu kommen - was mir nun auch gelang.

    Nächste Woche trete ich eine neue Stelle an. Neben der Freude über diese neue Chance, tritt aber auch eine gewisse Sorge. Ich hätte gerne noch etwas mehr Zeit gehabt, um diese intensiv für meine "geistige Genesung" vom Alk zu nutzen.

    Trotzdem bin ich 100 % überzeugt davon, dass ich auch weiterhin erfolgreich nüchtern bleiben werde.

    Grüße an euch alle!

    Zitat von marlon

    Hey Dragon, die Euphorie hat recht schnell den Ängsten Platz gemacht, die vorher schon da waren und die ich immer ertränkt habe. Ich habe einen generalisierte Angststörung und das war einer der vielen Gründe zu trinken( Betrunken = keine Panikattacken). Aber genau das war auch einer der Gründe aufzuhören, denn natürlich hat der Alkohol nie gehofen, jedenfalls nie länger als einen Rausch lang.
    Gruß nach München Marlon

    Kannst du das mit der "generalisierten Angststörung" mal ein wenig erläutern. In mein Hirn drängen sich nach einigen Tagen der Nüchternheit auch immer völlig absurde Gedanken. Entweder habe ich Angst, einen Angehörigen zu verlieren (z.B. durch Unfälle, Verbrechen usw.) oder ich habe Angst einfach irgendwann durchzudrehen, ohne dass ich das jetzt hier näher erläutern könnte.

    Wie sieht das bei dir aus?

    Zitat von marlon

    Ein schwieriger Schritt den ich als nächstes in Angriff nehmen will ist zur Einsicht eigener Krankheit zu kommen und darüber auch Hilfe annehmen zu können, das fällt mir noch sehr schwer, ich bin immer noch sehr in der Vorstellung von Schwäche und Schuld verhaftet.

    .

    Ich befinde mich momentan im gleichen Stadium. Habe früher auch immer wieder mal für einige Monate mit dem Trinken ausgesetzt - allerdings nicht verbunden mit der Absicht, dass es für immer sein soll. Das ist diesmal anders. Ich will jetzt endgültig einen Schlussstrich unter den Alkohol setzen - und ich denke du auch.

    Auch mir fällt es momentan schwer, mir Hilfe zu suchen, da es sich mit meinem bisherigen Selbstverständnis nur schwer verbinden lässt. Als ersten Schritt habe ich angefangen dieses Forum zu nutzen und durch das Durchlesen vieler Beiträge, habe ich schon einige Einsichten gewonnen. Als nächstes werde ich mir in den nächsten Tagen eine SHG suchen und nehme mir fest vor, diese dann auch aufzusuchen.

    Ich denke wir beide - und jeder andere Alkoholiker - kann einen Schlussstrich unter seine nasse Karriere setzen, wenn er will. Ich glaube fest an die Existenz des freien Willens.

    Grüße an Dich verbunden mit meinen "kollegialen" Wünschen.

    Zitat von Kampflaus

    Such Dir eine Beschäftigung, nur im Bett hin und her wälzen bringt auch ni´cht viel, der Körper holt sich schon seinen Schlaf wenn er ihn braucht.

    Diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Deshalb sitze ich jetzt hier, anstatt im Bett zu liegen.

    Am wichtigsten ist es, tagsüber kein Schläfchen zu halten. Immer das selbe "Schlaffenster" zu nutzen (z.B. 0-7:30 Uhr) und sich fest vornehmen, niemals ausserhalb dieser Zeit zu schlafen. Wenn man sich daran hält, ist der Rhythmus innerhalb von etwa einer Woche bei den meisten völlig im Lot.

    Danke für deine Nachricht.

    Ja, derzeit intensiviere ich meinen Sport. Da dort auch mein Freundeskreis liegt, und meine Partnerin so gut wie nie trinkt, habe ich auch kein Problem, einen "Bogen" um den Alkohol zu machen. Und ich steh eigentlich sowieso nicht auf Partys. Meine Sucht tritt eher im psychischen als im sozialen Bereich zutage. In der Vergangenheit habe ich entweder aus Langeweile getrunken oder v.a. um innerlich ruhig zu werden.

    Jetzt muss ich erst wieder meine Gedanken ordnen, die wie wild auf mich einströmen, jetzt wo ich ständig nüchtern bin. Aber ich denke dass ich gute Chancen habe. Ich will es jetzt packen.

    Gruß,

    Blizzard

    Hallo Dannilein,

    vielen Dank für Deine Antwort.

    Doch, ich habe einen starken Willen, mit dem Alkohol endlich schlusszumachen. In den ersten Tagen meiner Abstinenz ist dieser Wille auch weitergewachsen. Langsam wird mir immer mehr bewusst, wie zerstörerisch ich mich gegenüber mir selber verhalten habe.

    Als ich noch trank, wachte ich oft mitten in der Nacht auf (nachdem der Rausch sich quasi "gelegt" hatte) und konnte stundenlang nicht schlafen. Das war immer am schlimmsten, weil ich dann die ganze Zeit darüber nachdachte, was ich meinem Körper zumutete, und wie ich mit dieser Trinkgewohnheit meine Zukunft gestalten und meine Ziele erreichen soll. Irgendwann bin ich dann nach Stunden wieder eingeschlafen und habe dann an freien Tagen bis zum Nachmittag gepennt, was mich weiter aus dem Gleichgewicht brachte.

    Das ich nach meinen "Trinkpausen" wieder angefangen hatte, hatte wohl v.a. einen Grund: Ich nahm mir von Anfang an nicht vor, aufzuhören, sondern nur "auszusetzen". Wahrscheinlich um mich selbst zu beruhigen, um mir selbst zu zeigen, dass ich dazu noch in der Lage bin.

    Diese Trinkpausen in den vergangenen Jahren waren einerseits durchaus schön - wenngleich ich mich aber auch sehr zurückgezogen hatte. Kino oder mit Freunden Essen gehen ging noch - aber z.B. auf Geburtstagsparties fühlte ich mich ohne Bierflasche in der Hand völlig fehl am Platz.

    Rückblickend kann ich dutzende Beispiele nennen, wie der Alkohol mein Leben schwer beeinträchtigt und mir vieles kaputt gemacht hat, wenngleich ich auch eben nie völlig abgestürzt bin. Aber das wäre zweifelsohne irgendwann gekommen. Um das zu verhindern, war es jetzt wohl der richtige Zeitpunkt aufzuhören. Und ich habe fest vor, nie mehr etwas anzurühren.

    Gruß,

    Johannes

    Hallo aa_seeb,

    ich stelle fest, dass wir wohl ziemlich viele Gemeinsamkeiten haben. Ich bin 27, trinke ebenfalls seit ich 15 bin, habe auch eine Freundin (die ich im Sommer heiraten werde) und plane ebenfalls in den nächsten Jahren Nachwuchs und Wohneigentum.

    Mit dem Alkohol habe ich jetzt vor kurzem wieder aufgehört (hatte übrigens Anfang 2005 ebenfalls eine fast 6-monatige Alk-Pause; 165 Tage um genau zu sein) und will es diesmal endlich abschließen. Genau wie du merke ich einfach, dass es so nicht weitergehen kann, schon gar nicht, wenn man solche Ziele wie Familiengründung ect. verfolgt.

    Ich wünsche dir alles Gute für deinen Weg, vielleicht hören wir ja hier nochmal voneinander.

    Hallo zusammen,

    ich möchte mich im folgenden kurz vorstellen. Ich bin 27 Jahre, derzeit arbeitslos, und habe seit meinem 15 Lebensjahr ziemlich viel gesoffen. Spätestens mit 18 habe ich gemerkt, dass ich süchtig bin, habe es aber leider nicht allzu ernst genommen, da ich mich in Sicherheit wog, weil ich mein Leben trotz meiner Sucht ganz gut in den Griff bekommen habe. Habe Abitur gemacht, Zivildienst abgeleistet und mein Studium in der Mindeststudienzeit absolviert. In meiner Jugend hatte ich v.a. Probleme mit dem Alkohol, weil ich mich in besoffenem Zustand oft unmöglich benahm. Seit ich ungefähr 20 bin mache ich mir vor allem gesundheitliche Sorgen. Zuerst hatte ich Schiss um meine Gehirnzellen - jetzt ist es mehr die Leber selber. Ich habe 2004 eine Fettleber diagnostziert bekommen und habe trotzdem bis vor kurzem weitergesoffen. Ich war zwar kein Spiegeltrinker, aber es war trotzdem beängstigend.

    Ich schaffte es zwar (verbunden mit einiger Anstrengung) immer wieder, zwischen 2 und 5 Monaten völlig abstinent zu leben (in den letzten 5 Jahren "gönnte" ich mir jedes Jahr so eine Phase), danach hatte ich dann oft das Gefühl "es jetzt im Griff zu haben", und begann wieder langsam mit dem Trinken. Spätestens nach 3 Wochen hatte ich dann aber wieder ein sehr ungesundes Level (5 halbe Bier an Wochentagen, zwischen 6 und 10 am Wochenende) erreicht. Dadurch, dass ich sportlich sehr aktiv bin (auch in meinen Trinkphasen) bin ich zwar in ziemlich guter körperlicher Verfassung, aber mir ist natürlich klar, dass das nicht auf meine Leber zutrifft.

    Bin jetzt wieder seit 9 Tagen trocken, hatte keine Entzugserscheinungen (wie immer), aber merke (wie immer), dass es schwer werden wird, die emotionale Lücke zu schließen, die der Alkohol hinterläßt. Vieles macht weniger Freude, man ist nie so entspannt, wie nach ein paar Bier usw. Naja, bin gespannt, wie es weitergeht und was andere zu meiner Geschichte sagen. Ich freue mich auf Antworten.

    Grüße,

    Blizzard