• Hallo zusammen,

    ich möchte mich im folgenden kurz vorstellen. Ich bin 27 Jahre, derzeit arbeitslos, und habe seit meinem 15 Lebensjahr ziemlich viel gesoffen. Spätestens mit 18 habe ich gemerkt, dass ich süchtig bin, habe es aber leider nicht allzu ernst genommen, da ich mich in Sicherheit wog, weil ich mein Leben trotz meiner Sucht ganz gut in den Griff bekommen habe. Habe Abitur gemacht, Zivildienst abgeleistet und mein Studium in der Mindeststudienzeit absolviert. In meiner Jugend hatte ich v.a. Probleme mit dem Alkohol, weil ich mich in besoffenem Zustand oft unmöglich benahm. Seit ich ungefähr 20 bin mache ich mir vor allem gesundheitliche Sorgen. Zuerst hatte ich Schiss um meine Gehirnzellen - jetzt ist es mehr die Leber selber. Ich habe 2004 eine Fettleber diagnostziert bekommen und habe trotzdem bis vor kurzem weitergesoffen. Ich war zwar kein Spiegeltrinker, aber es war trotzdem beängstigend.

    Ich schaffte es zwar (verbunden mit einiger Anstrengung) immer wieder, zwischen 2 und 5 Monaten völlig abstinent zu leben (in den letzten 5 Jahren "gönnte" ich mir jedes Jahr so eine Phase), danach hatte ich dann oft das Gefühl "es jetzt im Griff zu haben", und begann wieder langsam mit dem Trinken. Spätestens nach 3 Wochen hatte ich dann aber wieder ein sehr ungesundes Level (5 halbe Bier an Wochentagen, zwischen 6 und 10 am Wochenende) erreicht. Dadurch, dass ich sportlich sehr aktiv bin (auch in meinen Trinkphasen) bin ich zwar in ziemlich guter körperlicher Verfassung, aber mir ist natürlich klar, dass das nicht auf meine Leber zutrifft.

    Bin jetzt wieder seit 9 Tagen trocken, hatte keine Entzugserscheinungen (wie immer), aber merke (wie immer), dass es schwer werden wird, die emotionale Lücke zu schließen, die der Alkohol hinterläßt. Vieles macht weniger Freude, man ist nie so entspannt, wie nach ein paar Bier usw. Naja, bin gespannt, wie es weitergeht und was andere zu meiner Geschichte sagen. Ich freue mich auf Antworten.

    Grüße,

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • hallo blizzard

    willkommen hier bei uns.

    du hast also immer wieder trinkpausen gemacht und dann wieder weitergesoffen. das hat, denke ich, jeder alki durch.

    es reicht eben nicht, einfach nicht mehr zu trinken, du mußt die leere die der alk hinterläßt sinnvoll ausfüllen, sonst wird das nichts. ich weiß das das nicht einfach ist, aber es muß eben sein, sonst wird es wieder nur ne trinkpause.

    überlege dir was du in der zeit machen könntest in der du sonst gesoffen hast, möchtest du deinen sport intensivieren? oder was ganz anderes wenn auch der sport mit alk assoziiert wird.

    du mußt erst mal einen bogen um alles machen was für dich mit trinken in verbindung steht. du mußt dein leben auf den kopf stellen und bereit sein sehr viel zu verändern, dann wird aus der trinkpause eine wirkliche trockenheit.

    wir begleiten dich gern dabei, aber wollen mußt du es.

    gruß doro

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Hallo Dannilein,

    vielen Dank für Deine Antwort.

    Doch, ich habe einen starken Willen, mit dem Alkohol endlich schlusszumachen. In den ersten Tagen meiner Abstinenz ist dieser Wille auch weitergewachsen. Langsam wird mir immer mehr bewusst, wie zerstörerisch ich mich gegenüber mir selber verhalten habe.

    Als ich noch trank, wachte ich oft mitten in der Nacht auf (nachdem der Rausch sich quasi "gelegt" hatte) und konnte stundenlang nicht schlafen. Das war immer am schlimmsten, weil ich dann die ganze Zeit darüber nachdachte, was ich meinem Körper zumutete, und wie ich mit dieser Trinkgewohnheit meine Zukunft gestalten und meine Ziele erreichen soll. Irgendwann bin ich dann nach Stunden wieder eingeschlafen und habe dann an freien Tagen bis zum Nachmittag gepennt, was mich weiter aus dem Gleichgewicht brachte.

    Das ich nach meinen "Trinkpausen" wieder angefangen hatte, hatte wohl v.a. einen Grund: Ich nahm mir von Anfang an nicht vor, aufzuhören, sondern nur "auszusetzen". Wahrscheinlich um mich selbst zu beruhigen, um mir selbst zu zeigen, dass ich dazu noch in der Lage bin.

    Diese Trinkpausen in den vergangenen Jahren waren einerseits durchaus schön - wenngleich ich mich aber auch sehr zurückgezogen hatte. Kino oder mit Freunden Essen gehen ging noch - aber z.B. auf Geburtstagsparties fühlte ich mich ohne Bierflasche in der Hand völlig fehl am Platz.

    Rückblickend kann ich dutzende Beispiele nennen, wie der Alkohol mein Leben schwer beeinträchtigt und mir vieles kaputt gemacht hat, wenngleich ich auch eben nie völlig abgestürzt bin. Aber das wäre zweifelsohne irgendwann gekommen. Um das zu verhindern, war es jetzt wohl der richtige Zeitpunkt aufzuhören. Und ich habe fest vor, nie mehr etwas anzurühren.

    Gruß,

    Johannes

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

  • Danke für deine Nachricht.

    Ja, derzeit intensiviere ich meinen Sport. Da dort auch mein Freundeskreis liegt, und meine Partnerin so gut wie nie trinkt, habe ich auch kein Problem, einen "Bogen" um den Alkohol zu machen. Und ich steh eigentlich sowieso nicht auf Partys. Meine Sucht tritt eher im psychischen als im sozialen Bereich zutage. In der Vergangenheit habe ich entweder aus Langeweile getrunken oder v.a. um innerlich ruhig zu werden.

    Jetzt muss ich erst wieder meine Gedanken ordnen, die wie wild auf mich einströmen, jetzt wo ich ständig nüchtern bin. Aber ich denke dass ich gute Chancen habe. Ich will es jetzt packen.

    Gruß,

    Blizzard

    Erst unter den Hammerschlägen des Schicksals, in der Weißglut des Leidens an ihm, gewinnt das Leben Form und Gestalt. (V.E. Frankl)

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