Beiträge von Blizzard

    Hallo Spedi,

    die Suchterkrankung verläuft individuell sehr unterschiedlich. Während einer sich mit Ende 20 tot gesoffen hat, trinkt ein anderer ein halbes Jahrhundert süchtig vor sich hin, ohne dass sich sein Pensum merklich verändert. Das Trinkverhalten eines Alkoholikers ist genauso individuell, wie sein Krankheitsverlauf. Und was Joe mit den Reizen geschrieben hat, die verschiedene Situationen im Suchtgedächtnis auslösen, ist natürlich auch zu berücksichtigen, wenn wir von einer Individualität der Sucht sprechen.

    Nichtsdestotrotz berührt das natürlich nicht die Tatsache, das die "Grundbausteine der Trockenheit" für JEDEN ein richtiger Weg sind. Es ist ein Weg der sich bewährt hat - und mit dem man nichts falsch machen kann. Wer von der Grundphilosophie der hier vertretenen Trockenheitsarbeit individuell abweicht geht ein gewisses Risiko ein - aber das ist eben bei jedem individuell. Ich z.B. habe mich im ersten Jahr meiner Trockenheit auch nicht immer 100 % an die allgemein empfohlene Distanz zu alkoholtrinkenden Mitmenschen (v.a. im familiären Umfeld) gehalten - weil es für mich o.k. war und ist und ich das Restrisiko vor mir selbst vertreten konnte.

    Im Unterschied zu manch anderem vielleicht, versuche ich aber nicht durch diese individuellen Abweichungen Aufmerksamkeit zu erregen, oder gar Grundsatzdiskussionen im Forum zu beginnen, ob die Grundbausteine der Trockenheit alle notwendig seien, und ob das nicht alles zu eng gesehen wird. Denn ich weiß, das hier auch viele neue Mitglieder surfen, die eben nicht wissen, was richtig und was falsch ist, und die am besten und am sichersten aufgehoben sind, wenn sie Grundbausteine zur Trockenheit 1:1 umsetzen. Und im Interesse dieser Mitglieder würde ich mir heute nicht mehr anmaßen, Grundbausteine infrage zu stellen und das mit meiner Individuellen Suchtgeschichte zu rechtfertigen.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Joe,

    nur Mut, wer sich ehrlich und aufrichtig bemüht, wird irgendwann Erfolg haben - anders gehts gar nicht! Irgendwann wird sich irgendwo ein Türchen auftun.

    Wünsche dir alles Gute!

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Leute,

    nachdem es in letzter Zeit ja fast nur bergauf gegangen ist, musste ich heute einen kleinen Dämpfer einstecken! Ich habe eine Absage bekommen - und zwar bezüglich einer Stelle auf die ich mich beworben hatte. Wer meinen Thread verfolgt hat, weiß wovon ich spreche: Ich war Ende März für einen Tag in München zum Vorstellungsgespräch, was meiner Meinung nach auch gut verlief. Tja, offensichtlich nicht gut genug. :twisted:

    Auf jeden Fall hat man sich also für einen anderen Bewerber entschieden. Tja, that's life. Man kann nicht immer gewinnen. Aber ich denke (und da wären wir wieder beim Thema "positives Denken"), dass das schon seinen Sinn haben wird. Das Schicksal wird mich schon zu der Stelle hinführen, die das richtige für mich ist. Und da ich mich ja weiter kräftig anstrenge und in viele Richtungen bin, gebe ich dem Schicksal auch viele Möglichkeiten mich zu lenken - denn von nix kommt ja bekanntlich auch nix.

    Bin also weiter gut drauf. Als ich heute nach der Absage am schmollen war, hat meine Frau gemeint, ich soll mich nicht wie eine Diva aufführen.... :roll:

    Viele Grüße,


    Blizzard

    Na, dann möchte ich jetzt auch mal meinen Senf dazu geben. :D

    Ich persönlich bin mit meinem Outing auf keine allzu extremen Reaktionen bisher gestoßen. Meine Eltern wussten seit Jahren, dass ich mit Alkohol nicht umgehen kann und sind höchstens überrascht (positiv) darüber, dass ich es dieses mal ernst meine mit dem Aufhören und freuen sich für mich über meinen guten Start in ein trockenes Leben.

    Meine Freunde hatten damit nun überhaupt gar kein Problem, einer war nur ein bisschen verwundert, weil er dachte, das man - wenn man ein paar Tage nichts getrunken hat - kein Alkoholiker mehr sein könne. :wink: Ansonsten sind meine Freunde sowieso keine besonderen Alkohol-trinker. Uns verbindet vor allem der Sport und eine auch ansonsten sehr bewusste Lebensweise.

    Eine Kollegin, die ich letztens über meine Krankheit unterrichtet habe, reagierte sehr interessiert. Bei meinem Bruder habe ich den Verdacht, dass er gerne selber diesen Schritt gehen würde, aber eben noch lange nicht so weit ist, es zu tun.

    Um es kurz zu machen: Ich kann nicht bestätigen, irgendwo gemieden worden zu sein, nachdem ich ehrlich über mein Problem rede, bzw. ansonsten jeden Alkohol rigoros ablehne (z.B. bei Betriebsgeburtstagen ect.). Wenn dann ist es eher Anerkennung und Bewunderung. Apropos Betrieb: Ich muss jetzt aufhören zu schreiben und mich für die Arbeit fertigmachen.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo zusammen,

    die Woche verlief wieder ganz gut. Ich habe wieder viel trainiert, wobei mir allerdings das Wetter einigermaßen dazwischengepfuscht hat. Da es mit den frühlingshaften Temperaturen diese Woche im Berliner Raum noch nicht so weit her wahr und es ständig zwischendurch regnete, musste ich meine Ausflüge auf die Tartanbahn im nahegelegenen Sportstadion verschieben. In die Leichtathletikhalle komme ich momentan nicht rein, weil da die Profis die Anlage für sich haben wollen um sich in Ruhe für Peking vorzubereiten. Nun ja, ich bin dann diese Woche 2 mal laufen gewesen, einmal Kugelstoßen am Bolzplatz vor unserem Balkon und gestern und heute habe ich mich dann doch ins Stadion bequemt...

    Arbeitsmäßig war alles ok. Ich merke aber, das sich meine Gedanken immer mehr jetzt auf München richten. Mehrmals pro Tag checke ich die E-Mails und warte nach der Arbeit immer ganz gespannt auf das Öffnen des Briefkastens. Ich erwarte noch einige Rückmeldungen. Bin weiter zuversichtlich, das es was wird, aber das Warten ist echt nervtötend. Ich hätte jetzt gerne eine Zusage, dann würde ich mich mit aller Kraft (und auch mit viel Freude) auf die Suche nach einer geeigneten Wohnung machen usw. - so dass halt alles Form annimmt. Aber ohne Arbeitsplatz-Zusage befinde ich mich irgendwie in einem Vakuum, kann ich ja nichts konkretes planen. Vielleicht wirds ja nächste Woche etwas. Um zum Beginn des Absatzes zurückzukommen: Ich bemerke, das ich bei meiner jetzigen Arbeit momentan nicht mit dem letzten Einsatz bei der Sache bin, wie ich es eigentlich sein sollte und wie ich es auch meinem Anspruch an mich selber ist. Für die Jugendlichen, die ich betreue, beginnt jetzt die "heiße Phase" der Ausbildungsplatzsuche. Und da brauchen Sie auch meine volle Präsenz und Unterstützung. Dafür werde ich bezahlt und das mache ich auch gerne. Ich werde mir also ab Montag selber wieder etwas in den Hintern treten müssen! :twisted:

    Morgen habe ich meinen vorletzten Termin im Suchtberaterseminar. Es geht nochmal um harte Drogen. Letzte Woche haben wir Beratungssettings geübt. Einmal war ich der Berater und bekam es mit einer Frau zutun, die vermutete, dass ihr Mann sexsüchtig sei. Ich bekam danach gute Kritiken für meinen Beratungsstil, was mich unheimlich freute! :D

    Alles in allem ist meine Welt also weiterhin in Ordnung. In meiner Freizeit lese ich weiterhin sehr gerne hier im Forum und habe gerade in der letzten Woche hier einiges grundsätzliches noch gelernt, bzw. ist mir einiges jetzt wesentlich klarer geworden, was den Stil des Forums und die Motivation des oft kritisierten rigiden "Durchgreifens" anbelangt. Ich freue mich immer wieder hier zu sein, wo auch eine klare Linie vertreten wird, die vielfach erprobt ist und bei so vielen Leuten auch schon langanhaltenden Erfolg erzeugt hat. Mir hat die Offenheit hier v.a. gelehrt, mit deutlichen Worten zu seiner Krankheit zu stehen - v.a. in Situationen, wo dies angezeigt ist. Ich habe jetzt kein Problem mehr damit, mich irgendwo als Alkoholiker zu outen. Wobei ich auf das Adjektiv "trockener" allerdings großen Wert lege. 8)

    Herzlichst,

    Blizzard

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Joe,

    vorneweg: Keine Sorge, ich werde nicht wieder den gleichen Fehler machen, wie in dem von dir angesprochenen Thread von Kelli, indem ich mich von meinen Emotionen habe leiten lassen und die von dir angesprochene Grundsatzdiskussion (mit-)ausgelöst habe.

    Trotzdem möchte ich zu dem von dir gesagten eine kritische Anmerkung machen, die mir wichtig erscheint: Es geht dabei um die grundsätzliche Ablehnung von Verantwortung, die uns Alkoholiker (nasse natürlich noch weit mehr als trockene, letztere sind damit aber trotzdem oft noch später behaftet - vielleicht einfach aus Angewohnheit) betrifft - und von der ich mich selbst gar nicht ausklammern will. Ich glaube, das es ein grundsätzliches Problem ist, als trockener Alkoholiker wieder zu lernen Verantwortung zu übernehmen und Verantwortung vor allem auch anzunehmen, wenn man vor eine so fundamentale Entscheidung gestellt wird, wie du und deine Freundin es nun worden seit. Gut, wenn jemand sagt, er möchte per se keine Kinder, weil er diese nicht ausstehen kann - dann ist das die eine Sache. Wenn aber jemand sagt, er möchte keine Kinder, weil er aus diesem und jenem Grund die Verantwortung nicht übernehmen wolle oder könne, dann bin ich skeptisch. Für mich steht dann die Vermutung im Raum, ob man sich nicht unzulässig aus der Verantwortung stehlen möchte.

    Gleiches gilt übrigens auch für andere Bereiche im Leben. Wenn z.B. im Arbeitsleben jeder Verantwortung ausweicht, die mit höherer Verantwortung einhergeht, aus der Befürchtung, man könne eventuell der Verantwortung nicht gerecht werden, dann ist das meiner Meinung nach ebenso eine falsche Antwort.

    In solch gearteten Scheuen vor Verantwortung, vor Fragen die uns das Leben stellt, sehe ich auch einen Grund, warum viele von uns Alkoholikern in einer Phase ihrer Trockenheitsarbeit stecken bleiben. Ich weiß, ich begebe mich jetzt vielleicht in den Augen des einen oder anderen auf ein hohes Roß, aber das sind einfach meine Gedanken. Ich bin auch nicht gefeit, davor, von so einem Roß runterzufallen. Aber ist das ein Grund, sich gar nicht erst auf ein Roß draufzusetzen? Auch bitte ich dich, lieber Joe, mich nicht falsch zu verstehen. Was ich hier schreibe, meine ich ganz allgemein - und nicht jetzt speziell auf dich gemünzt.

    Ich glaube, die beste Trockenheitsarbeit, die es gibt, ist es, zu lernen, Verantwortung für sich und für andere zu übernehmen, wo dies angezeigt ist.

    Aus all dem gesagten, und aus meiner ganz persönlichen Meinung, wirst du daher verstehen, dass ich dir zur Fehlgeburt deiner Lebensgefährtin mein Beileid ausdrücken will - und nicht meinen Glückwunsch, dass du keine Verantwortung übernehmen musst.

    Viele Grüße,

    Blizzard

    Hallo Leute,

    ...und schon wieder ist eine Woche vorbei. War sehr arbeitssam und ich habe heute den 7. Tag am Stück trainiert. Ich merke, wie langsam die Form kommt. Am 17./18. Mai ist Wettkampf. Da möchte ich voll angreifen können.

    Ich habe diese Woche noch eine weitere Bewerbung für München geschrieben und abgeschickt. Insgesamt warte ich jetzt auf 4 Rückmeldungen. Von der Stelle, wo ich schon ein Vorstellungsgespräch hatte, kam bisher keine weitere Meldung. Hm...mal sehen.

    Ich habe mich diese Woche viel mit der Frage des Glücks beschäftigt. Vor einem Jahr hatte ich davon kaum eine Vorstellung - kannte ich doch hauptsächlich das "Glück", mich regelmäßig zu betrinken. Was man unter tiefgehenden Glück verstehen kann, lag für mich damals im Dunkeln. Nun ist es ja so, dass es mir seit etwa 7 Monaten richtig gut geht - besser, als ich mich jemals zuvor erinnern kann. Ich bin also "glücklich". Aber was ist Glück?

    Meine Erkenntnis: "Glück" als Gefühlszustand ist die Folge von etwas, das passiert ist. Das kann ein punktuelles Ereignis sein - dann sind wir auch nur "vorübergehend", für einen gewissen Zeitraum glücklich, dass kann aber auch ein tiefergehendes, dauerhaftes Gefühl von "Glück" sein - als Folge eines "gelingenden Lebens". In diesem Zustand sagt uns unser Gewissen "du bist auf dem richtigen Weg" - und es sagt uns das mit dem Glückszustand der einsetzt.

    Dieser Glückszustand steht u.a. im vollkommenen Kontrast zum kurzlebigen Schein-Glück des betrunken-seins, welches ein nasser Alkoholiker empfindet. Dieser sehnt sich ja auch nach Glück. Er weiß aber nicht, wie ein "Leben gelingen" kann (oder traut es sich nicht zu) und kennt oftmals das "tiefergehende Glück" nur vom Hören-Sagen. Er bleibt also bei dem, was er kennt: Dem schnellen Glück im Besäufnis. Es dauert zwar eine Zeit lang, aber irgendwann meldet sich dann doch sein Gewissen. Dieses Mal sagt es aber: "Hör mal, du bist auf dem falschen Weg - ändere was". Die Stimme wird lange negiert. Der Glückszustand gerät in immer weitere Ferne, von "gelingendem Leben" keine Spur mehr. Und so geht es weiter. So lange, bis die Stimme des Gewissens übermächtig wird - und den Betroffenen zum Handeln bringt, oder bis der geschundene Körper aufgibt - und der Betroffene stirbt.

    Es ist schon seltsam: Wir Menschen wissen nicht, wozu es die Erde, ja wozu es das Universum gibt. Wir kennen den Ursprung aller Dinge nicht und wissen auch nicht, wo wir bzw. die Erde und das Universum hintreiben. Aber irgendwo wissen wir doch, was "richtig" und was "falsch" ist. Wir wissen es durch die Stimme unseres Gewissens, die uns immer wieder Hinweise gibt (z.B. auch in Form von "glücklich sein" und "unglücklich sein", ob wir uns auf dem richtigen, oder falschen Weg befinden.

    Mit diesen Gedanken verabschiede ich mich für heute und wünsche noch allseits einen geruhsamen Sonntag-Abend.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Pauli,

    ich habe jetzt zwar nicht deinen ganzen Thread durchgelesen, aber ich denke schon, deine Gedanken ein gutes Stück weit nachvollziehen zu können. Auch ich habe in den ersten Monaten meiner Abstinenz solche Gefühlszustände erlebt und mich dabei genauso beschi...en gefühlt....Gott sei dank habe ich einen Weg da raus gefunden. Dinge die mir geholfen haben, und die dir vielleicht auch helfen könnten:

    1. Der Weg zum Psychiater/Verschreibung eines Anti-Depressivums.
    2. Nachdenken über den persönlichen Sinn im Leben und sich als Folge dessen Aufgaben suchen und Visionen zurechtkleistern, die herausfordernd, aber nicht unrealistisch, v.a. aber SINNVOLL sind, d.h. nicht in erster Linie zum Eigennutz durchgeführt werden. Da draußen in der Welt gibt es eine Menge Aufgaben, die darauf warten, dass sie jemand durchführt. Da ist unter Garantie auch was für dich dabei. Man muss nur danach suchen.
    3. Sport, Sport und nochmals Sport. Reinigt den Körper und den Geist, beruhigt die Seele.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Kommal,

    eine gute Entscheidung. Auch das macht erfolgreiche Trockenheitsarbeit aus. Sich bewusst die Zeit nehmen (bzw. einfordern), die man braucht. Seine eigenen Grenzen akzeptieren und sich danach richten.

    Wünsche dir gute Erholung und viel Sonne im Emsland.

    Gruß,

    Blizzard

    Hallo zimmerer,

    in Anbetracht dessen, dass du bereits 5 Therapien gemacht hast - und dich dann trotzdem noch regelmäßig mit deinen Bier trinkenden Kumpels zusammensetzt und beim Saufen zusiehst, kann ich nur mit dem Kopf schütteln.

    Entweder du bist

    a) völlig lernresistent oder willst
    b) hier nur provozieren.

    Besonders verinnerlicht hast du den Ernst unserer Krankheit offenbar noch nicht.

    Du machst scheinbar alles so, wie man es nicht machen sollte. Der nächste Rückfall (und davon hast du ja sicher schon eine Menge gehabt) ist bei dir wohl nur eine Frage der Zeit.

    In der Hoffnung, dass bei dir auch noch mal der "Groschen fällt", wünsche ich dir noch viele trockene Tage!

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Leute,

    will mich heute mal wieder zu Wort melden.

    Die bisherige Woche war sehr ereignisreich und durchwachsen. Am Montag war ich - wie angekündigt - für ein Vorstellungsgespräch in München. Morgens um halb elf von Berlin-Schönefeld nach München, dann dort versucht, Wohnungsvermietungsgesellschaften aufzusuchen. Leider vergeblich. Aber ich habe daraus gelernt. Z.B. das Gemeinnützige Wohngesellschaften keinen Wohnraum für Zureisende zur Verfügung stellen und das Wohnbaugenossenschaften nur äußerst knapp bemessene Geschäftsöffnungszeiten haben. :roll: Ich war zweifelsohne schlecht vorbereitet.

    Egal, der Hauptgrund meiner Reise war ja ein anderer. Ich hatte ja ein Vorstellungsgespräch - und zwar um 16:00 Uhr. Pünktlich war ich da - und das Gespräch war sehr nett. Mir saßen insgesamt 3 Mitarbeiter gegenüber und interviewten mich. Sie stellten mir die ganzen Fragen, die ich in meinem jetzigen Job spielerisch versuche, meinen arbeitslosen Jugendlichen beizubringen bzw. sie darauf vorzubereiten. Tja, vielleicht hätte ich mir auch selber mal Gedanken machen sollen, was ICH denn auf diese Fragen antworten würde :roll: . Nun ja, ich kam aber trotzdem ganz gut zurecht und denke, einen passablen Eindruck hinterlassen zu haben. Jedenfalls hat man mir zugesagt, mir einen weiteren Vorstellungstermin zuzuschicken in den nächsten 2 Wochen, an dem dann der Vertrag gemacht werden soll.

    Abends flog ich dann nach Berlin zurück. Von Flugangst mittlerweile übrigens (fast) keine Spur mehr. :wink:

    Zu Hause angekommen war ich erst mal ziemlich geplättet und mir war ein bisschen übel. Es war kurz vor Mitternacht, als ich zu Bett ging - und der Gedanke, in 5 Stunden wieder aufstehen und arbeiten gehen zu müssen, war alles andere als einschlaffördernd.

    Am Dienstagmorgen hatte ich dann auch noch mir einen richtig heftigen Schnupfen eingefangen - sozusagen ein Mitbringsel aus München. Ich überlegte mir kurz, ob ich mich für einen Tag krank melde - verwarf den Gedanken aber umgehend wieder. Nein, ich wollte mit sowas erst gar nicht wieder anfangen. Objektiv war ich einfach nicht krank, sondern nur erschöpft und verschnupft. Ich legte mich dann schon um halb fünf in die heiße Badewanne, nahm einen Aspirinkomplex und eine Koffeintablette und noch ein anderes prophylaktisches rezeptfreies Anti-Erkältungsmedikament - und schon gings mir besser.

    Die darauffolgenden Arbeitstage quälte mich mein Schnupfen auf der Arbeit aber doch sehr. Alle paar Minuten musste ich mich schneuzen. Verbrauchte eine Packung Taschentücher nach der anderen und musste dann sogar auf Toilettenpapier zurückgreifen, was meiner Nase nun gar nicht gefiehl. :(

    Heute nachmittag wurde es besser. Dafür aß ich dann bei einem verspätetem Geburtstagsessen in der Firma viel zu viel Kuchen. Als ich dann nach Hause kam, war mir richtig schlecht. Jetzt gehts wieder einigermaßen.

    Tja - und was wird nun aus dem Job in München? Eigentlich habe ich noch Montag Nacht die Entscheidung getroffen, das Angebot abzulehnen, weil der Job nicht 100 % in dem Arbeitsgebiet war, dass ich anstrebte. Mittlerweile tendiere ich aber eher wieder dazu, doch zuzusagen. Die Bezahlung ist einfach sehr gut - mehr als 60 % mehr als bei meinem jetzigen Job. Unbewusst fürchte ich wohl einfach die Verantwortung, die mit der Übernahme des Jobs einhergehen würde. Immerhin wäre ich dann für 500 Hauptschüler zuständig - kein Zuckerschlecken für einen 28-jährigen Sozialarbeiter.

    Mal sehen, ob noch weitere Rückmeldungen auf meine Bewerbungen kommen. Ich lasse mich überraschen.

    Während all dem was da letzte Woche geschah, merke ich, dass ich mich wirklich gut von jeglichem Alkohol-Einfluss entziehen konnte. Die Schärfung meines Bewusstseins für meine Krankheit über das letzte Jahr hinweg trägt die Früchte, die ich mir erhofft hatte.

    Nun ja, das solls erstmal gewesen sein. Wünsche allseits noch einen geruhsamen Abend.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Zitat von dorothea

    hallo andreas

    hm... jemand anderem die schuld geben ist ja nun doch nasses denken.


    doro

    Hallo doro,

    ich kann dir nur voll und ganz zustimmen und möchte dir gleichzeitig danken, dass du in diesem - aber in der Vergangenheit auch schon bei vielen ähnlichen Postings - die Selbstverantwortung anmahnst. Denn Verantwortung für sich selbst zu übernehmen sehe ich als DEN zentralen Trockenheitsbaustein überhaupt an. Das geht oft vergessen oder wird in irgendeiner Weise relativiert.

    Die ungesunde (und längst wiederlegte) Theorie, das wir Menschen durch unsere Genetik und Umwelt vollends in unseren Entscheidungen determiniert seien, als "gar nicht anders können" als so oder so zu handeln - was zum Schluss führt, dass der Mensch keinen eigenen Willen habe - steckt auch in vielen von unseren Köpfen noch sehr tief drinnen.

    Ja, es gibt eine Freiheit des Willens und damit auch eine Freiheit der Entscheidung. Dieser Umstand erst gibt dem Menschen seine Würde. Denn wenn alle seine Entscheidungen determiniert wären, er also keine Entscheidungsfreiheit hätte, wäre er nur ein willen- und würdeloser Spielball seiner Biologie und Umwelt.

    Herzlichst,

    Blizzard

    Der letzte Satz sagt alles. Ich frage mich, wie man 10 Jahre lang mit einer Illusion leben kann - es war tatsächlich nur eine längere Trinkpause.

    Die Frau hat ihre Krankheit offenbar nie verstanden bzw. verinnerlicht. Das ist natürlich haarsträubend.

    Von Ihrem inkompetenten Arzt mal ganz zu schweigen....aber das kennen wir ja. Ein Arzt bei dem ich mal war, schrieb auf eine Überweisung von mir "Patient war früher Alkoholiker", - nachdem ich informiert hatte, das ich Alkoholiker bin, aber seit 2 Monaten abstinent lebe.... :roll:

    Hallo,

    also ich persönlich finde diese Frage sehr interessant. Es kann viele Gründe geben. Bei mir vermute ich eine genetische Disposition, in Verbund mit einer verfehlten und unerfüllten Sinnsuche im Leben. Die Ursachen-Aufarbeitung interessiert doch irgendwie jeden, weil jeder sich irgendwann mal gefragt hat: Warum gerade ich? Und ausserdem ist die Aufarbeitung der Ursachen/Vorgeschichte der persönlichen Suchterkrankung ein zentraler Baustein jedes Therapieansatzes - gleich ob bei Psychoanalyse, Verhaltenstherapie oder bei der (von mir bevorzugten) Logotherapie.

    Gleichwohl bleibt die Frage nach dem "Warum" nur eine der zu beantworteten Fragen - quasi um ein Minimum an Verständnis für die eigene Krankheit zu gewinnen - und sie daher auch besser annehmen zu können!!

    Hat man die Krankheit dann voll und ganz angenommen und akzeptiert, sollte sich der Blick nach vorne richten. Und da gehe ich z.B. mit Karsten völlig konform, wenn er darauf hinweist, wie man selbst aus so etwas bitterem wie der Alkoholkrankheit noch eine menschliche Leistung machen kann - und damit sich selbst und anderen zeigen kann, dass selbst eine durchgemachte nasse Karriere ihre positiven Seiten hat. Ich bin zwar jetzt gerade mal ein Jahr trocken - aber in dieser Zeit hat mein Leben sich um 180 Grad geändert und in so vielen Bereichen so intensiviert und positiv verändert, das auch ich behaupten möchte, das ich viel intensiver lebe als viele Menschen um mich herum.

    Das ist das, was Viktor Frankl als zutiefst menschliche Eigenschaft bezeichnet hat: Menschliches Leid in einen persönlichen Triumph zu verwandeln!

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo Andrea,

    ähnlich wie Doro hatte ich nach deinem ersten Posting doch auch den einen oder anderen Zweifel, wie ernst du es meinst mit deiner Abstinenz. Aber gut, nachdem was du jetzt geschrieben hast, hört sich die Sache schon etwas besser an.

    Du siehst es schon richtig, dass du mit deiner Trockenheitsarbeit genau dort ansetzen musst, wo du bisher deine Zeit mit Trinken ausgefüllt hast, und wo nun ein nicht unerhebliches Vakuum zurückbleibt. Dieses gilt es schnellstmöglich und vor allem SINNVOLL! zu füllen. Denn sich die Zeit mit Dingen zu vertreiben, die einem vielleicht ein vorübergehendes Vergnügen oder Ablenkung versprechen mögen vielleicht im Augenblick besser sein, als nichts - ihre Substanz reicht aber selten aus, um dauerhaft etwas an seinem Lebensstil zu ändern. Um es auf den Punkt zu bringen: Ich bin der festen Überzeugung, das Alkoholiker, die trocken werden wollen (und ich bin ja selber einer) ihr Leben mit sinnvollen, produktiven Aufgaben füllen müssen, die auf gewissen Werten basieren, und die zielgerichtet sind. Für mich ist eine dieser Aufgaben mein Sport (den ich nicht nur zum Zeitvertreib und oder Ausgleich betreibe, sondern eben auch leistungsorientiert), eine andere die Alkohol-Selbsthilfe, eine weitere meine berufliche Entwicklung, bei der ich anderen und mir selber einen produktiven Dienst erweisen kann.

    Wer keine Werte hat, die einem Leben Sinn und Richtung geben, der wird alsbald wieder beim Alkohol oder anderen psychotropen Substanzen landen, die ihm/ihr eine Wirklichkeit und eine vorübergehende Zufriedenheit und Entspanntheit vorgaukeln, die es nicht gibt, bzw. die nicht auf äußeren Umständen basiert.

    Überlege dir also, wie du deine Freizeit am besten gestalten könntest. Jeder Mensch hat irgendwelche Talente, Interessen, Hobbys usw. Jeder Mensch kann sich in irgendeiner Art und Weise sinnvoll und produktiv in die Gesellschaft einbringen - zu deren Nutzen und zum eigenen Nutzen - sinnvoll eben.

    Viel Glück bei deiner Suche und bei deiner damit verbundenen Trockenheitsarbeit!!

    Herzlichst,

    Blizzard

    Hallo liebe Forumsgemeinde,

    nachdem ich die Osterfeiertage in München zugebracht habe, bin ich nun wieder zurück in Berlin. Gemeinsam mit meiner Frau habe ich mir in der bayrischen Landeshauptstadt diverse Wohnviertel angesehen. Wir wollen nämlich jetzt fix im Sommer nach München ziehen. Dann läuft mein Vertrag hier in Berlin aus und meine Frau wird ihr Studium beendet haben - derzeit knabbert sie noch heftig an ihrer Diplomarbeit, aber das wird schon.. :wink:

    München ist eine tolle Stadt und wir freuen uns beide schon sehr. Ich habe gerade mal eine Bewerbung bisher nach München versendet - und bekam sofort eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, welches ich nun nächsten Montag wahrnehmen werde. Danach habe ich vielleicht schon eine Stelle zum 1.9.2009. Am Montag fliege ich also vormittags nach München, habe dann erst einen Termin bei einer Wohnungsverwaltungsgesellschaft zwecks Wohnungsbesichtigung, danach den Vorstellungstermin und fliege abends wieder zurück nach Berlin...und am nächsten Tag um 7 Uhr wie gewohnt Dienst. Puhh...wenn mir das einer heute vor einem Jahr gesagt hätte....

    Ausserdem habe ich mich im Internet nach Leichtathletikvereinen umgesehen und bin prompt fündig geworden. :)

    Die Sache ist also richtig ins Rollen gekommen und nimmt nun Konturen an.

    Was mich ein wenig nachdenklich stimmt, ist der Umstand, das ich mich in letzter Zeit weniger der Alkoholkrankheit und dem Forum hier widme - man kann ja auch nicht alles gleichzeitig machen und haben. Trotzdem möchte ich keinesfalls zuviel Abstand zwischen mich und die tödliche Krankheit kommen lassen. Ich habe sie nun mal - und der Umstand, das ich mir dessen stets, zutiefst bewusst bin schützt mich besser als alles andere.

    Viele Grüße an euch alle da draußen und bleibt oder werdet trocken! Das Leben ist so unendlich viel lebenswerter (und das sagt einer, der sich vor etwas mehr als einem Jahr noch nicht vorstellen konnte, das man ohne Alkohol Spaß haben kann....)

    Herzlichst,

    Blizzard