Hallo Karsten,
ich wollte nicht kritisieren, nur spekulieren.
Am Beispiel der Kapitulation vor dem Suchtmittel: Wie Du ja von Dir berichtet hast, war Dir an Deinem Tiefpunkt Deine Machtlosigkeit schon sehr deutlich bewusst. Für jemanden, der sich dieser Machtlosigkeit in dieser Form noch nicht so bewusst ist, ist es vielleicht etwas schwieriger sich unter der Aufforderung Kapituliere vor dem Alkohol! etwas vorzustellen. Ich habe mir dazu auch erst nach meiner Abstinenz meine Gedanken gemacht und stelle jetzt fest, dass sich hinter diesem Begriff doch sehr viele Vorstellungen verbergen: So manch einer personifiziert den Alkohol, gibt ihm unsagbar böse Eigenschaften und leitet daraus die eigene Machtlosigkeit ab. Da komme ich beispielsweise gar nicht mit klar, aber trotzdem wage ich mich zu behaupten, diese Kapitulation vollzogen zu haben - die dahinterliegende Vorstellung ist jedoch eine andere. An solch einem Punkt wird es sicher immer Raum zur Diskussion geben.
Ähnliches gilt für den Begriff "Wille". Eine einheitliche Definition fehlt und so kommt es, dass man zwar nicht über den Willen trocken werden kann, aber ein Ich darf nicht trinken doch viel kritischer als ein Ich will nicht trinken gesehen wird. Da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich.
Vor diesem Hintergrund finde ich Diskussionen (auch diejenigen, die Erfahrungen von LZT hinterfragen) völlig legitim. Erst darüber kann sich doch erst persönlich brauchbares Wissen entwickeln.
Wenn ich jetzt also sage, dass einem Frischling der Stil und der Weg am Anfang vielleicht noch nicht so ganz klar sind, dann meine ich eben vor allem auch, dass solche Diskussionen und Hinterfragungen hier eben nicht so gerne gesehen werden, und manchmal auch nur mit einem Du hast nasse Gedanken - Geh in Dich! abgewürgt werden. Ob das dann wirklich hilfreich ist, weiß ich nicht.
Ich habe persönlich auch kein Problem damit, aber immer wieder kommen von Seiten der LZT oder der Forenleitung Fragen auf, warum Menschen sich hier wieder zurückziehen und nicht dauerhaft an sich arbeiten ... und vor diesem Hintergrund eben meine Gedanken zum Thema.
@Rose2:
Ich habe gar keine Vorstellung von einem eigenen, individuellen Weg - Ich glaube sogar, dass ich ziemlich 'straight' meinen Weg mit Arzt, Entgiftung, Suchtberatung, Gruppe, Forum und auch Vertrauen gehe. Dennoch hinterfrage ich auch gerne - nicht, um meine Individualität zu unterstreichen (die haben wir alle doch so oder so!), sondern um angenommenes Wissen auch zu verstehen. Finde ich grundsätzlich nicht verkehrt
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Liebe Grüße
J.