Guten morgen crevette,
du schreibst, dass du nicht verstehst, was die Schreiberinnen hier dir sagen wollen. Ja, das kann ich gut nachvollziehen, da es mir genauso ging. Ich war doch bloß die heftig Liebende, die wollte, dass ihr Freund aufhört mit der Sauferei. Er war doch schließlich der Kranke. Und mir gings schlecht. Tu was für dich, bleib bei dir.... das, was du als eingängige Phrasen bezeichnest, waren Ratschläge, die gut und richtig waren, die ich zu der Zeit aber nicht in der Lage war anzunehmen, weil ich meine eigene Krankheit nicht realisiert hatte. Ich weigerte mich geradezu, diese anzuerkennen. Denn – ER war ja krank und es wäre alles gut gewesen, wenn ER endlich aufgehört hätte zu trinken.
Gut. Ich versuch es jetzt mal mit Klartext, auch auf die Gefahr hin, dass ich hier wieder als herzlos, wenig einfühlsam und überfallartig bezeichnet werde. Dein Freund trinkt und zwar so lange, wie ER das will. Ob du daran stirbst vor Kummer, ob du dich auf den Kopf stellst und mit den Beinen wackelst, DU WIRST DARAN NICHTS ÄNDERN. Punkt!
Du bist traurig, müde, ausgepowert und beklagst die schlechten Aussichten für die nächsten Jahrzehnte. Hallo? Wer, außer DIR, hat denn Einfluss auf DEIN Leben? Du machst dein Wohlbefinden und deine Zukunft davon abhängig, ob er aufhört zu trinken oder nicht. Wohlgemerkt, DU KANNST dich ausruhen, erholen und dafür sorgen, dass deine Zukunft wieder besser aussieht, ganz alleine dadurch, dass DU DEINE Situation veränderst. Das würde vielleicht bedeuten, dass du sowohl seine als auch DEINE Krankheit anerkennen musst als etwas, was sich durch deinen Willen nicht beeinflussen lässt. Die Krankheiten sind da. DEINE kannst du in Angriff nehmen und dafür sorgen, dass du gesund wirst. SHG, Therapie und dich selbst wichtig nehmen. Für dein Befinden selbst sorgen und nicht davon abhängig machen, ob er trinkt oder nicht.
Du fühlst dich schlecht. Guck mal genau hin, warum du dich schlecht fühlst. Seine Trinkerei ist es, um die sich alles dreht. Ja, wenn das so ist, warum machst du dann nicht den Abflug? Dann hast du seine Trinkerei aus DEINEM Leben und kannst anfangen, daran zu arbeiten, warum du in deinen Gefühlen derartig von ihm abhängig bist. Sicherlich sind es DEINE Gefühle. Aber sie hängen ursächlich nur mit IHM zusammen. Du lässt dich durch sein Verhalten leben. Es ist eine Illusion, dass du ihn vom Trinken wegbringst und dann euer Leben eitel Freue und Sonnenschein ist. Das ist ein massiver Realitätsverlust.
Aber dieser Realitätsverlust bewahrt dich davor, endlich hilfreiche Schritte für dich zu unternehmen. Ein gesunder Mensch würde sich das nie solange angucken. Der hätte schon lange gesagt, sieh zu wie du mit deiner Sauferei klarkommst, ich mach das Spielchen nicht mehr mit. Ich bin raus.
Du aber erzählst hier immer etwas von Liebe, von Gefühlen und findest seit einem Jahr tausend Argumente, warum du die Verantwortung für dich selbst nicht übernehmen kannst. Du versteckst dich hinter den Lamenti über seine Sauferei. Denn ansonsten müsstest du ja für dich etwas verändern. Und davor haben wir Co´s ganz schön Angst. Aber solange der Andere die Schuld an unserem schlechten Gefühl hat, müssen wir selber nix tun. So, wie du es hier immer wieder schreibst. Du schreibst du kannst uns nicht verstehen, was wir schreiben, was wir dir sagen wollen. Ich denke, du WILLST es nicht verstehen. Weil dir dann womöglich jemand sagen könnte, ja, wenn du so nicht leben willst, dann jammer hier auch nicht rum, sondern tu was. Du schreibst, du KANNST nicht. Zeigst uns also ein hilfloses, Opfer-crevettchen, das der Sauferei und schlechten Behandlung seines Alkis ausgeliefert ist. Bist du aber nicht, wenn du es nicht willst. Aber das würde ja bedeuten, DEINE eigene Abhängigkeit von ihm anzuerkennen und etwas dagegen zu tun. Aber du hast das ja alles im Griff und bist auch nicht abhängig. Schuld hat ja nur dein Alki. Hmmm.... irgendwie kenn ich das....(ich bin doch kein Alkoholiker, ich trink einfach nur gern, kann jederzeit aufhören, du bist doch selber krank mit deiner ewigen Rummeckerei, würdest du nicht immer meckern, würde ich nicht trinken). Nicht anders lese ich dein Verhalten. Du bist ja nicht abhängig, du fühlst dich nur so schlecht, weil er trinkt usw., usw. .
Du zeigst dich hier als absolut abhängig und realitätsverleugnend. ES LIEGT NICHT AN IHM, DASS ES DIR SCHLECHT GEHT. ES IST GANZ ALLEIN DEIN DING, DAFÜR ZU SORGEN, DASS ES DIR BESSER GEHT. DEINE VERANTWORTUN! Egal, ob er trinkt oder nicht.
LG
Ette