Beiträge von Ette

    @ käferchen: es sieht so aus, als hätte ich mir ziemlich resistente keime eingefangen. und es will und will einfach nicht heile werden. dank dir für die guten wünsche.


    Hallo ihrs,

    im letzten jahr hatte ich viel mühe, zufrieden zu sein. Und zwar hatte es mit meinem vorgesetzten zu tun. Ich fühlte mich von ihm immer wieder nicht angemessen behandelt. Natürlich habe ich mehrfach versucht, mit ihm darüber zu reden. Er gab sich immer sehr verständnisvoll, dankte mir für meine offenheit und änderte – nix. Hmmm... und ich? Ich wurde darüber krank, ständig dagegen anzukämpfen. Etwas verändern zu wollen, was nicht in meiner macht lag. aber – das kannte ich doch von irgendwoher?

    Na ja, jedenfalls hab ich mich dann in meiner firma um einen anderen arbeitsplatz bemüht. Die wechselmodalitäten waren nicht sehr nett, was mir ein weiteres gefühl der abwertung bescherte und mich wütend und unzufrieden machte. Gefühle, die ich kannte, sehr lange schon. Von meinen eltern ausgelöst, ganz früher. Später in beziehungen und noch später von „meinem alki“ und die letztendlich doch nur mit mir ganz allein zu tun hatten. Entstehend aus dem bemühen, etwas verändern zu wollen, was ich nicht ändern kann und wofür mir einfach die gelassenheit fehlte, es zu ertragen.

    Inzwischen habe ich einen anderen arbeitsplatz, wo ich mich wohlfühle. Und – ich kann akzeptieren, dass mein ehemaliger vorgesetzter so handelt, wie er handelt. So ist er halt. Mit worten immer vorne weg, wenn es um die menschlichkeit in der arbeitswelt geht, jedoch nicht wirklich in der lage, nachfühlen zu können, was sein verhalten mit menschen macht. Ich habe in solchen oder ähnlich situationen mehrere möglichkeiten und muss für mich selbst entscheiden, was meiner zufriedenheit zuträglicher ist.

    Ich kann ständig weiter insistieren, damit der chef sich so ändert, damit ich mich an meinem arbeitsplatz wohlfühle. Ich kann mich um einen anderen arbeitsplatz bemühen oder aber ich muss ihn nehmen, wie er ist und mir womöglich seine art einfach an meinem entzückenden a.... vorbeigehen lassen. Kann mich als opfer seiner handlungsweise sehen oder aber mich aus der opferrolle begeben, in dem ich ihn sein lasse, wie er ist und für mich andere möglichkeiten suchen.

    Es hat eine weile gedauert, bis mir aufging, dass ich mich im beruf genauso gefühlt habe, wie im zusammenleben mit „meinem alki“. Und es hat mir wieder einmal gezeigt, dass, so wie der kaltblütige es immer schreibt, alles mit und in mir ist, was ich zu meiner zufriedenheit brauche. Ich sehs nur nicht immer gleich. Und der spruch über die gelassenheit fiel mir ein, der eine art leitbild einer selbsthilfe-organisation ist und der mir doch immer wieder, auch in lebenslagen, die überhaupt nix mit alkohol zu tun haben, hilfreich ist. Wenn er mir denn wieder parat ist und ich nicht, wie im letzten jahr, für eine weile außer acht lasse.

    Lg
    ette

    Hmmmm.... ist es jetzt nur ein neues modewort, das fast inflationär benutzt wird? Oder chic, weils ja doch so einen gebildeten touch vermittel? Auf jeden fall KANN es auch abwertend verwendet werden – dann muss allerdings ein NICHT dabei sein. so wie in der äußerung „du bist ja nicht empathisch“. schlecht kindheit gehabt? zu lange kein s.. oder was?

    Hmmm.... wo steht eigentlich, dass empathie nur das nachfühlen kann, was dem ursprünglich fühlenden in den kram passt? Kann ich mich nicht auch in etwas einfühlen, also empathisch sein, für nicht so positive empfindungen und verhaltensweisen?

    Hmmm... aber – dann ist empathie ja gar nix tolles mehr. Dann merkt mein empathisches gegenüber ja womöglich meine schwächen. Na – und da arbeite ich doch heftigst dran, die selber zu übersehen. Wenn sich da jetzt einer einfühlt – empathisch ist....??? Nä.....dann sag ich lieber, der ist nicht empathisch.

    Hmmm....was ist denn nun eigentlich empathisch? Mitfühlend? Einfühlsam? Postiv, negativ? Menschlich, seelenverwandschaft, übersinnlich? Oder – vielleicht doch nur ein modewort?

    Hmmm....auf jeden fall war ich in der rückschau am empatischsten, als „mein alki“ noch mit mir lebte und trank. Da war ich so empathisch, dass er gar nicht zu reden brauchte. Ich war so empathisch, dass ich immer viel besser wusste als er selbst, was gut für ihn war. Hat ihn zwar nicht vom trinken abgehalten, mir aber das gute gefühl der einfühlsamen seele gegeben. Die natürlich undankbarst behandelt wurde dafür. Weil – „mein „alki“ war schließlich alles andere als empathisch.

    Hmmm.... irgendwie komm ich mit der empathie nicht weiter. Isse nu gut oder nicht gut? Merk ich mit empathie bloß die netten empfindungen beim andern oder auch die weniger netten? Ich komm allein nicht weiter....

    Kann mir von euch einer helfen?

    Lg
    Ette

    hallo caro,

    ja, es ist schwer, seiner mutter gegenüber grenzen zu setzen. vor allem, wenn diese nicht gesund ist. aber es oftmals die einzige möglichkeit, selbst gesund zu werden. ich versteh dich gut.

    lg
    ette

    Zitat von Weitsicht


    Schade, dass Du Dein inneres Kind und Deine Jugendliche in Dir, die so schlecht und gewaltvoll von ihren Eltern behandelt wurde, noch immer so verraten und im Stich lassen musst.

    das sehe ich ganz anders, weitsicht. ich muss mein inneres kind nicht verraten, weil ich es in seiner ganzen bedürftigkeit angenommen habe. so kann ich mich selbst liebevoll behandeln ohne mein leben lang die bedürfniserfüllung durch meine eltern einzufordern. du täuscht dich auch, wenn du mir unterstellst, dass ich meinen prügelnden vater verherrliche. sorry, das ist wirklich daneben.

    meine eltern sind wie sie sind. ich habe keine anderen gehabt und werde keine anderen mehr bekommen. verändern kann ich sie auch nicht, so wie ich keinen anderen menschen verändern kann. nur mich selbst. und für mich war es wichtig, meine eltern so zu akzeptieren, wie sie nun mal sind. sicherlich hätten sie sich auch anders verhalten können. haben sie aber nicht. was würde mir also das gejammer darüber nützen?

    kierkegaard sagt, dass wir das leben nur rückwärts verstehen und vorwärts leben können. für meine zufriedenheit und meine genesung war es wichtig, mit der vergangenheit, wie schlimm sie auch gewesen sein mag, abzuschließen, damit ich vorwärts leben kann. das heißt auch, die verantwortung für mich (und mein inneres kind) selbst zu übernehmen und nicht immer und immer wieder verantwortung dahingeben, wo sie nicht übernommen wurde und auch nicht mehr übernommen werden kann.

    lg
    ette

    Zitat von Weitsicht


    Und Ette, was ist irreal daran, wenn Kinder die Erwartungshaltung an ihre Eltern haben, dass diese sie nur "lieben" und annehmen sollten, mit ihrem Wesen wie Gott (Liebe) sie geschaffen hat.


    hallo weitsicht,

    kinder kommen mit dem urvertrauen zur welt, dass sie geliebt und angenommen werden. Viele eltern können dieses urvertrauen nicht erfüllen, weil sie es womöglich selbst nicht erleben durfte, vielleicht krank sind, süchtig oder aber aufgrund anderer tatsachen einfach nicht in der lage sind, ihr fehlverhalten zu erkennen. Sie erziehen ihre kinder nach ihrem empfinden nach bestem wissen und gewissen. Kein elternteil, und da bin ich mir sicher, quält sein kind um der tatsache des quälens willen.

    Erwartungshaltung sehe ich bei dir. Du bist eine erwachsene frau, hast eine tochter, die im berufsleben steht, folglich auch keine ganz junge frau mehr. Jedoch beharrst du wie ein kleines, bockiges kind darauf, dass deine eltern ihr fehlverhalten einsehen sollen – bis über deren tod hinaus. Was, wenn sie dazu gar nicht in der lage waren? Und was bringt es dir, in dieser, in meinen augen irrealen, erwartungshaltung zu verharren? Es gibt viele dysfunktionale familien und somit viele verletzte kinderseelen. Möchtest du, dass niemand mehr kinder bekommen darf, der nicht seine „liebesfähigkeit“ bewiesen hat?

    Wer sagt dir, dass deine art, deine kinder zu erziehen die richtige ist? Was, wenn deine kinder dir irgendwann sagen, mama, du hast uns falsches mit auf den weg gegeben? Du hast uns gesagt, wenn wir alle menschen liebevoll behandeln, funktioniert die welt. Mein chef hat mich nicht befördert, obwohl ich ihn liebevoll behandelt habe?

    Weitsicht, ich lese in deinen zeilen immer wieder den hass auf dein eltern, obwohl du dich so liebevoll zeigen willst. Wie unter einem dicken zuckerguss gärt der modder dieses hasses und bahnt sich immer wieder den weg durch die vordergründig süße deiner worte.

    Weißt du, ich wurde als grundschulkind losgeschickt von meiner mutter, um meinen vater vom frühschoppen aus der kneipe zu holen, damit er rechtzeitig zum essen zu hause war. Ich wurde von meinem vater noch als 16-jährige so verprügelt, dass meine mutter dazwischen ging, weil sie angst um mein leben hatte, nur weil ich anderer meinung war als er. Meine mutter hat tagelang nicht mit mir gesprochen, wenn ich in ihren augen ungezogen war. Sie hatte keinen heilen kochlöffel mehr, weil sie alle an mir und meinen geschwistern abgeschlagen hatte. Wir bekamen dann prügel mit dem teppichklopfer oder dem handfeger. Meine mutter hat mir, solange ich denken kann und solange ich mit ihr kontakt hatte, vorgehalten, dass ich ein „zufallstreffer“ sei, weil in ihrer jugend keine vernünftigen verhütungsmittel vorhanden waren. Sie hat mir deshalb ihre unterschrift verweigert, die in meiner jungend bei minderjährigen erforderlich war, um ein rezept für die pille zu bekommen. Das sind nur so ein paar beispiele.... ich kann also nicht von mir behaupten, eine behütete, liebevoll kindheit und jugend gehabt zu haben. ABER ALL DIESE TATSACHEN MUSS ICH AKZEPTIEREN. Und ich habe auch gelernt, ihnen zu verzeihen, denn der hass und das einfordern, von etwas, wozu sie nicht in der lage waren, hätten mich zerfressen. Wie ein dorn, der immer wieder anfängt, im fleisch zu schwären, hätte dieser hass mein leben unfzufrieden gehalten. Ich musste den dorn entfernen und das geht nun mal nur mit akzeptanz und verzeihung. Jedenfalls für mich.

    du schreibst immer wieder, dass du über deine eltern nicht richtest und dies einer höheren instanz überlässt. Doch weitsicht, du richtest. du verurteilst deine eltern für unrecht, das sie dir angetan, von dem aber sie sicherlich gar nicht wussten, dass sie es taten.
    Gruß
    ette

    Hallo weitsicht,

    ich wünsche dir von ganzem herzen, dass du irgendwann in der lage bist, das, was du durch deine eltern erfahren hast, hinter dir zu lassen. Denn so sehr du es auch möchtest, die liebe, die du bei deinen eltern vermisstest, WIRST DU NICHT MEHR BEKOMMEN! Solange du das nicht akzeptieren kannst, glaube ich nicht, dass du zufrieden und liebevoll leben kannst.

    Hast du eigentlich schon einmal den Brief in der Bibel über die Liebe im neuen Testament gelesen? Und zwar mit dem fokus auf dich selbst und nicht mit der irrealen erwartungshaltung an deine eltern?

    Gruß
    ette

    Zitat von Melinak

    die wut ist in mir darauf, das die meinen nicht gesund werden zu müssen, weil sie sich im kranken zustand noch wohl fühlen. es schaffen andere menschen zu verheizen.

    hallo meli,

    ausmeiner realen gruppe weiß ich, dass die meisten betroffenen lange bevor sie etwas unternehmen, sich bereits im klaren darüber sind, dass ihr verhalten problematisch ist und sie etwas dagegen unternehmen müssten. sie fühlen sich in der regel alles andere als wohl in ihrer krankheit. scham und ein schlechtes gewissen sind immer mit dabei. und zum verheizen gehören immer zwei. einer der verheizt und einer, der sich verheizen lässt. sucht und abhängigkeit haben eben ihre eigenen gesetze. das kannst du auch an unserem co-verhalten sehen. unser suchtmittel ist der trinkende partner. ich habe in acht jahren noch keinen angehörigen getroffen, der oder die einfach ihr suchtmittel "absetzen" kann. auch hier unterscheiden wir cos uns überhaupt nicht von einem betroffenen.

    lg
    ette

    Mir ist vorhin im bus noch was zur wut eingefallen. Meine wut ist in der regel nur das vordergründige gefühl. Dahinter versteckt sich oftmals ganz viel. Z. b. verlassensangst, machtlosigkeit, verletzter stolz, das gefühl ausgenutzt zu sein, hilflosigkeit, überforderung, das gefühl, die kontrolle zu verlieren, ausgeliefert und benachteiligt zu sein zu sein, sind nur einige der empfindungen, die ich bei wut immer wieder bei mir ausmachen kann. auch als es um die wut auf "meinen alki" ging.

    Lg
    ette

    dank dir, käferchen, für diesen thread.

    ich kann die wut nachvollziehen, hab sie zu anfang selbst empfunden. und im grunde war es die wut auf mich selbst, die eine große rolle spielte. je mehr ich mich mit dem thema alkohol- und vor allem co-abhängigkeit auseinandersetzte, desto besser konnte ich die wut loslassen. dies wiederum war für mich die voraussetzun bei mir selbst etwas zu verändern und zu genesen.

    lg
    ette

    Hallo hartmut,

    ich danke dir für diesen thread. Die ganze diskussion war mir nämlich zu feindbild-alki-lastig.
    Wenn ich mich an meine kindheit erinner, habe ich meine mutter als sehr viel präsenter erlebt als meinen vater. Der kam abends angeschickert von der arbeit und ist meist nach dem essen auf dem sofa eingeschlafen. Meine mutter hat mich emotional viel mehr missbraucht und verletzt – nüchtern!

    Allerdings ist es ja in der regel viel offensichtlicher, dass sich der trinkende elternteil falsch verhält. Der co-elternteil macht dies sehr viel subtiler, aber mindestens genauso wenn nicht noch nachhaltiger. Ich bin froh, wenn ich lese, dass mütter die alk-zeit zusammen mit ihren kindern in therapien aufarbeiten. Viel zu viele kinder werden sonst nämlich einfach ihrem schicksal überlassen und bis ins erwachsenenalter leben sie mit dem feindbild alki-vater oder –mutter.

    Leicht ist es für kinder auf gar keinen fall. Aber so, wie eine beziehung nicht nur von einem partner beeinflusst wird, wird auch ein kind nicht nur von einem elternteil erzogen. Es ist aber eben deutlich einfacher, auf den alki zu zeigen, weil er offensichtlich der „böse“, der kranke ist.

    Und irgendwann sind kinder dann keine kinder mehr und für ihr leben, das u. U. wirklich unter erschwerten bedingungen begonnen hat, selbst verantwortlich. Dann ist es nicht mehr wirklich relevant, zu gucken, wer was falsch gemacht hat, weil sich rückwärts nix mehr ändern lässt. Dann hilft nur verzeihen und selbst die verantwortung für sich und seine entwicklung zu übernehmen.

    Aus dem, was ich in 8 jahren suchtkrankenarbeit erfahren habe, kann ich allen müttern nur empfehlen, selbstkritisch ihre eigene rolle im system zu hinterfragen. Kinder in alkoholiker-familien haben eltern, die BEIDE hilfe brauchen. Das wird leider allzu oft vergessen.

    Ich lese hierzu oftmals gute ansätze, das problem mit professioneller hilfe zu lösen. Aber oft auch die „der-böse-alki-diskussion“ und das finde ich nicht gut. Vielleicht, hartmut, hilft deine initiierung dieses threads, auch zu einer selbstkritischen reflexion mancher schreiberinnen hier.

    Lg
    Ette

    Puuuuh... von wegen – mach ich mit links! War jetzt ganz schön kompliziert. Aber das thema brennt mir auf der seele.

    Hallo Weitsicht,

    Zitat von Weitsicht

    Liebe Ette, als EKA müssen und können wir nicht alles verzeihen, was trinkende Elternteile uns angetan haben. Das überlasse ich einer anderen Stelle.

    Die Krankheit kann ich ihr verzeihen, nur ihr Handeln uns Kindern (Schläge, emotionaler Missbrauch) gegenüber, nicht.

    Das habe ich für mich anders erfahren. Ich konnte nur anfangen gesund zu werden, indem ich meiner Mutter die Schläge und den emotionalen Missbrauch verziehen habe. Vergessen werde ich diese Tatsachen nie. Aber durch das Verzeihen habe ich mich selber soweit befreit, dass ich mich auf eigenes Wachstum konzentrieren konnte indem ich die Verantwortung dafür selbst übernehme.

    Ich empfinde es auch als einen großen Widerspruch, dass du deiner Mutter ihre Krankheit verzeihen kannst, jedoch nicht ihre daraus resultierenden Verhaltensweisen. Vereinfacht dargestellt kommt bei mir an: Ich verzeih dir zwar, dass du dir den Magen verdorben hast, dass du mir deshalb in den Flur k....., verzeih ich dir aber nie.

    Ich weiß nicht, wie alt du bist, Weitsicht. Du hast selber Kinder, also bist du kein Kind mehr, bist aber nach wie vor auf Mama und Papa böse. Ich weiß nicht, ob du so die Liebe leben und an deine Kinder weitergeben kannst, wie du dir wünschst.

    Du hast ohne Zweifel viel ertragen in deiner Kindheit. Damit stehst du sicherlich nicht alleine. Als Mutter würde ich jedoch verzweifeln, wenn mein Sohn mir immer und immer wieder erzählen würde, was ich in seiner Jugend mit ihm falsch gemacht habe. Ich hätte keine Möglichkeit mehr, es zu ändern, sondern würde nur immer wieder auf mein defizitäres Verhalten hingewiesen werden, das ich noch nicht einmal aus bösen Willen an den Tag legte, sondern weil ich es nicht besser wusste. Das wäre, glaub ich für mich ein Punkt, wo ich ernsthaft darüber nachdenken würde, welchen Sinn es machte, den Kontakt mit ihm zu halten. Ich sähe dann für mich nur zwei Alternativen: keinen Kontakt mehr zu meinem Sohn oder mich dahin zu begeben, wo nach deinen Worten alles verziehen werden kann.....

    LG
    Ette

    Hallo Andrea,

    ich kenne dieses immer wieder Hoffnung schöpfen. Und ich kenne es auch, Vorkehrungen für den worst case zu treffen. Ich erinnere mich z. B., als ich mit "meinem Alki" zusammen zog, dass ich bei der Wahl der Wohnung darauf achtete, sie im Notfall auch eine Weile allein finanzieren zu können. Es hat mich jedoch nicht davor bewahrt, dem worst case aus dem Weg zu gehen. Ich musste ihn durchleben.

    Es ist im übrigen irrelevant, welche Art von Alkoholiker dein Mann ist. Wobei ich "nur" Quartalssäufer so nicht formulieren würde. Es ist eine der Formen der Alkoholkrankheit. Wichtig ist doch viel mehr, dass DICH der Alkoholkonsum stört und somit hier der Ansatzpunkt für dich ist. Dass du hier schreibst, egal in welchem Zeitmodus, ist der erste Schritt, etwas für dich zu verändern. Und das ist gut so.

    Wie sieht es bei dir denn mit professioneller Unterstützung aus? In Hannover gibt es ja etliche Beratungsstellen und auch SHGs von verschiedenen Organisationen. Im Internet kannst du hier gute Infos finden.

    LG
    Ette

    Guten Morgen!

    „Ette, schreib mir einfach nicht mehr“....fand ich heute morgen in einem Thread. Ich musste schmunzeln als ich das las, weil ich mich an die ersten Erfahrungen in einer realen SHG erinnerte. In die erste, die ich mir gesucht hatte, ging ich bereits nach der ersten Gruppenstunde nicht mehr, weil mir dort eine Frau gesagt hatte, sie könne nicht nachvollziehen warum ich auf biegen und brechen bei meinem Alki bleiben wolle. Sie selbst würde seit 15 Jahren versuchen, ihren loszuwerden. Es gefiel mir nicht, was sie mir sagte, denn ich war der Meinung, dass die Liebe zu „meinem Alki“ etwas ganz außergewöhnliches war und mit ihrer Situation nicht zu vergleichen. Also ging ich nicht mehr hin. Ich hatte noch nicht verstanden, dass Sucht einfach Sucht ist und ihre eigenen Gesetze hat, die durchaus in verschiedenen Situationen gleich sind. Auch in der zweiten Gruppe, die ich ausprobierte, passte mir irgend etwas nicht und ich blieb zu hause. Beim dritten Versuch kam „mein Alki“ mit. Es war eine gemischte SHG. Er hatte zwischendurch etliche Fehlzeiten, einen Rückfall und inzwischen eine eigene SHG nur für Betroffene. Ich selbst gehe seit 2002 regelmäßig in diese Gruppe und habe vor einigen Jahren dort heraus eine Co-Gruppe initiiert.

    In der gesamten Gruppe sind sehr unterschiedliche Menschen. Unterschiedlich in ihrer Persönlichkeit, ihrem Bildungsstand, ihrem Kommunikationsverhalten. Hilfsarbeiter, Hausfrau, Journalist, Ingeneuer, Doktor der Naturwissenschaften, Verwaltungsfachangestellte, alles mögliche ist vertreten. Und alle möglichen Meinungen. Die Gemeinsamkeit ist die Abhängigkeit, vom Alkohol und von Beziehungen, sprich Co-Abhängigkeit. Und eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass in dieser Gruppe durchaus kontrovers über Themen diskutiert wird. Themen, die brisant sein können, vor allem dann wenn sich abhängige Strukturen wieder einschleichen und „nass“ oder co-abhängig argumentiert wird.

    In der Natur des Menschen liegt es nun einmal begründet, dass er sich gern ein Bild von sich selbst macht, wie er es für sich als angenehm empfindet. Ich bin da keine Ausnahme. Somit werde ich immer wieder einmal mit der Tatsache konfrontiert, dass mich andere Menschen anders wahrnehmen, als ich mich selbst. Das würde ich aber nicht erfahren können, wenn ich diesen Menschen den Mund verböte, nur weil sie mir etwas sagen, was ich nicht hören mag. Weil es mich womöglich schmerzt, mich verunsichert, mein Bild von mir selbst in Frage stellt. Ich habe gelernt, diese oftmals auch unangenehmen Wahrnehmungen als Möglichkeit zu sehen, mich weiter zu entwickeln. Die Menschen lehnen mich nicht ab, weil ich Verhaltensweisen an den Tag lege, die sie an mir als negativ empfinden. Sie geben mir aber mit ihrer Rückmeldung die Möglichkeit, diese Verhaltensweisen zu überdenken. Mich selbst quasi von außen zu sehen und meine Wirkung, die ich auf andere Menschen habe.

    In meiner ersten SHG vor etlichen Jahren habe ich beleidigt den Hintern herumgeschmissen und bin nicht mehr hingegangen, als mir etwas gesagt wurde, was mir nicht gefiel. Heute kann ich es aushalten und für mich entscheiden, ob ich etwas verändern möchte oder dazu stehe, was und wie ich bin. Ich fühle mich auch dann etwas wert, wenn ich nicht jedem nach dem Mund rede oder jeder dies mit mir tut.

    LG
    Ette