Mit mir selbst zufrieden leben

  • Guten Morgen,

    schön, dass es nun morgens beim Aufstehen wieder hell ist. Dann fällt es leichter, mich aus dem Schlaf herauszuschälen.

    Montage sind mir schon immer ein Gräuel, denn Wochenenden kann ich gut haben. Zeit, die mir ganz alleine gehört und von niemanden, außer mir selbst, strukturiert wird. Aber heute morgen geht es halbwegs. Ich bin recht zufrieden. Wobei ich immer wieder merke, dass es eine Zeit gab, in der ich mir im Leben nicht hätte vorstellen können, dass ich es irgendwann in Ordnung finde, ja sogar genießen kann, ohne einen Mann in meinem Leben – und meiner Wohnung – zu leben.

    Wenn ich hier immer wieder die Geschichten lese, in denen es heißt, ich kann nicht ohne ihn, ich will ihn nicht verlassen, fallen mir all meine schlimmen Tage wieder ein, in denen ich wie ein Junkie auf Entzug hinter „meinem Alki“ herjammerte. Na ja, Entzug war es ja auch. Schließlich ist meine „Suchtmittel“ der Mensch gewesen, mit dem ich lebte.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo Ihrs,

    dieser Tage ist mir etwas aufgegangen, was ich mit Erstaunen und Freude wahrgenommen habe.

    Früher musst ich immer und immer vorwärts, immer mehr, immer besser, immer noch einen oben drauf. Ständig im Gange, ständig in Bewegung, in Action, im Machen. Nun habe ich ein ganzes Stück zurück geschraubt. Und irgendwann in den letzten Tage plötzlich das Gefühl: es passt! Hmmmm.... keine neue Bestätigung, keine neuen Erfolge, keine neue „Rettung“. Und siehe da: ich fühl mich wohl damit, ganz einfach zu „sein“. Ohne himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Vielleicht nennen Manche es nun langweilig. Für mich ist es gut, weil ich mich aus dem „immer mehr und nie genug“ verabschieden konnte, von dem ich letztendlich meinen eigenen Wert abgeleitet hatte.

    Ich bin, wer und was ich eben bin. Der eine kann damit umgehen und der Andere eben nicht. Ich bin nicht auf der Welt, damit ich es immer jedem recht mache. xxxBitte keine Zitate verwenden.S.Käferchen Hmmm... ich glaub, dann bin ich mutig.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Guten Morgen,

    ach, es fällt mir zur Zeit so unendlich schwer, morgens aus dem Bett zu kommen. Ich glaube, mein Winterschlaf hat sich verlängert. Mürrisch und unausgeschlafen schlage ich mich so durch die Tage. Ich bin sogar zu müde, um festzustellen, ob ich zufrieden bin oder nicht. Wie hinter einer luft- und schalldichten Verpackung scheine ich durch die Welt zu geistern. Ich hoffe nur, dass es bald ein wenig freundlicher, frühlingshafter wird, denn ich habe das Empfinden, in diesem grau-nassen Wetter geradezu abzusterben wie eine Pflanze, die zu wenig Licht und zuviel Wasser bekommt.

    Ich bin froh, dass ich nur auf mich achten muss und nicht noch für Andere zu sorgen habe. Das würde mich im Moment ziemlich überfordern. Immer wieder frage ich mich, wie ich das früher geschafft habe, mit einem abhängigen Partner alles auf die Reihe zu bekommen.

    In meiner realen SHG ging es dieser Tage um Kritik. Ein weites Feld, geradezu ein Minenfeld, durch das wir uns da geredet haben. Kritik und der Umgang damit ist für Menschen, die sich selbst nicht allzu viel wert sind, schon eine mächtig schwierige Aufgabe. Da zeigt sich dann, wie weit der ein oder Andere sich entwickelt hat. Ob die zur Schau gestellte Coolness auch Substanz hat oder nur Makulatur ist, hinter der sich das kleine Ego duckt. Und ganz deutlich konnte ich sehen, dass es nicht ausreicht, dass der Abhängige aufhört zu trinken. Weder für den Abhängigen noch für den Co-Partner. Noch nicht einmal, wenn die Trockenheit schon über Jahre praktiziert wird.

    Im Grunde finde ich es spannend in den Gruppengesprächen. Und besonders spannend finde ich dann meine Empfindungen, meine Reaktionen auf das, was da passiert. Immer wieder einmal packt mich etwas an. Dann merk ich: Ettchen, da musste aber noch dran arbeiten, denn letztendlich haste hier gar keinen Grund, dich angepackt zu fühlen. Aber alte Strukturen greifen immer wieder einmal ein in mein Bemühen um die Zufriedenheit.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Guten Morgen Ette,

    Du hast also eine böse Hand. Dann wünsche ich Dir auch gute Besserung und das die schnell wieder eine Gute wird. Kannst Du denn auch mit einer Hand zufrieden sein?

    LG Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Ihrs,

    der Gips ist ab, aber die Schmerzen sind nach wie vor da. Zufriedenheit erschöpft sich in Schmerzfreiheit für Stunden durch Pillen. Einzig gut ist die Ruhe, die mir dadurch auferlegt ist. Nur lesen und denken, na gut, fernsehen auch. Aber dankbar darüber, dass ich sie wenigstens ein bisschen gebrauchen kann, die rechte Hand. Seltsam, wie selbstverständlich in der Regel beide Hände sind. Erst wenn eine verletzt ist und alles „mit links“ erledigt werden muss, wird mir bewusst, wie wichtig jedes Körperteil für mich ist.

    Zufrieden mit mir leben konnte ich aber auch mit einer verletzten Hand. Erstaunlich nur, wie antifürsorglich plötzlich sogenannte Freunde sind, wenn die Gefahr besteht, dass sie helfend beispringen müssten. Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Erfahrungen eben....

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo Ette,

    schön, daß Du Dich hier wieder meldest.

    Ich wünsche Dir, daß Du die Schmerzen einigermaßen ertragen kannst.

    Zum Thema *Spreu vom Weizen* ist mir dies auch gerade sehr vertraut, aber ich habe festgestellt, daß dies sehr befreiend sein kann, sich selbst wieder ein bißchen mehr wahrnehmen kann, was im Leben wirklich wichtig ist.

    Genese rasch, damit Du hier wieder ein bißchen *wüten* kannst. Vermisse Deien klaren Worte :wink:

    Lieben Gruß

    S.Käferchen

  • Hallo Käferchen,

    ich dank dir für deinen lieben Worte. Die Zeit, als ich nicht schreiben konnte, hat meine Geduld sehr gefördert. Schließlich hätte ich zu manchem, was ich so las, etwas zu sagen gehabt. ;)

    Hallo Ihrs,

    Wut und Glück – beides Empfindungen, die mir in den Threads hier immer wieder begegnen. Wenn ich für mich darüber nachdenke, fällt mir auf, dass ich längst keine Wut mehr auf „meinen Alki“ habe. Ich konnte akzeptieren, dass viele seiner Verhaltensweisen durch den Alkohol und die Abhängigkeit davon begründet waren. Und wie soll ich auf jemanden wütend sein, der aus seiner Krankheit heraus bestimmte Dinge tut? Ich würde auch niemanden als Mistkerl bezeichnen, der aufgrund einer Magen-Darm-Grippe den Weg ins Badezimmer nicht mehr schafft und sich in den Flur übergibt. Darüber hinaus habe ich akzeptiert, dass „mein Alki“ in etlichen Bereichen nicht dem Bild entspricht, das ich mir von ihm machte. Somit kann ich auch aufhören, ihn nach meinen Bedürfnissen zu verändern. Ich selbst aber kann meine Sichtweise ändern hin zur Akzeptanz des Andersseins des Anderen.

    Glück kommt dann von ganz allein auf mich zu. Nicht das strahlende, feuerwerksfunkelnde, das uns immer wieder in Romanen und Filmen erzählt wird. Nein, ein ruhiges, stimmiges Leben ist für mich Glück. Zufrieden sein zu können, auch wenn um mich herum nicht alles so ist, wie ich es vielleicht haben möchte. Auch hier wieder der wichtigste Punkt – Akzeptanz! Ich kann mir weder die Welt noch einen Partner so stricken, wie ich es gerne hätte. Aber ich kann aus dem, WAS ICH HABE, das Positive in den Fokus rücken und das stärkt meine Zufriedenheit und somit auch ein Glücksgefühl. Irgendwann einmal hatte ich mein Leben verglichen mit einem Fluss. Zeitweise unruhig, brausend, wenn er durch unwegsames Gelände fließt. Dann wieder ruhig und entspannt dahinfließend im Sonnenschein, der auf dem ruhigen Wasser manchmal funkelnde Akzente setzt. Kleine Glücksmoment, wie Sonnenstrahlen, die auf dem Wasser funkeln. Ich brauche keine brausenden Wasserfälle mehr, um mich lebendig zu fühlen. Das empfinde ich als Glück.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Liebe Ette,

    Zitat

    Ich brauche keine brausenden Wasserfälle mehr, um mich lebendig zu fühlen. Das empfinde ich als Glück.

    Ein toller Satz, danke Dir.
    Trifft irgendwie auch auf mich zu, nachdem mein Leben bis jetzt ein einziger Niagarafall war :roll: !
    Und die Ruhe nach dem Sturm genieße ich schon, wenn ich auch manchmal mit meiner Vergangenheit hadere.

    Schön, dass Du wieder da bist.

    LG

    Thelma

  • Guten Morgen,

    Zufriedenheit empfinden, auch wenn nicht alles "paletti" ist - hier sehe ich für mich deutliche Veränderungen zu der Zeit als ich mit "meinem Alki" lebte. Im Moment ist bei mir handtechnisch nix paletti. Trotzdem bin ich recht zufrieden, weil ich erlebt habe, dass ich auch dann gut leben kann, wenn ich körperlich eingeschränkt bin. Es ist einerseits natürlich unbequem und nicht immer einfach. Anderseits hat es mir aber auch gezeigt, dass ich in der Lage bin, auch in schwierigen Situationen meinen Alltag zu meistern und darüber hinaus Menschen ansprechen und um Hilfe bitten kann, wenn es um Dinge geht, die mir aufgrund meine Einschränkung nicht möglich sind. Das Eine empfinde ich so wichtig wie das Andere.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Guten Tag Ette!

    Das passt auch total gut für mich!!!!
    Da hast Du mir etwas geschenkt mit Deinem Entrag,Danke!
    Darf ich es mitnehmen?

    Ich wünsche Dir einen guten Greitag
    Yvonne

    ichbinda123

  • Hallo Yvonne,

    klar, nimm mit, was immer du gebrauchen kannst und alles andere - lass es stehen, denn so funktioniert Selbsthilfe.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Guten Morgen,

    meine Hand wird so ganz langsam besser. Allerdings kam gestern auch noch ein Tag Fieber dazu, sodass ich mich ziemlich daneben fühlte. Dazu Magen-Darm-Probleme aufgrund des Antibiotikums. Na ja, meine Gewichtsabnahme geht dadurch ein wenig schneller und nun trennen mich nur noch drei Kilo von meinem Wunschgewicht. So hat halt alles auch sein Gutes. Langsam wird es mir zu hause auch langweilig und ich möchte wieder arbeiten. Mal sehen, ich denke, nächste Woche kann ich wieder los. Zufrieden macht mich dieser Zustand nicht wirklich, da ich ihn aber auch nicht beeinflussen kann, versuche ich, das beste daraus zu machen, denn es nützt mir wenig, mich dagegen aufzulehnen. Es würde nur unnötig Energie kosten und mich grämlich machen. So gönne ich mir Ruhe, lese viel und harre der Dinge, die da kommen.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Guten Morgen!

    „Ette, schreib mir einfach nicht mehr“....fand ich heute morgen in einem Thread. Ich musste schmunzeln als ich das las, weil ich mich an die ersten Erfahrungen in einer realen SHG erinnerte. In die erste, die ich mir gesucht hatte, ging ich bereits nach der ersten Gruppenstunde nicht mehr, weil mir dort eine Frau gesagt hatte, sie könne nicht nachvollziehen warum ich auf biegen und brechen bei meinem Alki bleiben wolle. Sie selbst würde seit 15 Jahren versuchen, ihren loszuwerden. Es gefiel mir nicht, was sie mir sagte, denn ich war der Meinung, dass die Liebe zu „meinem Alki“ etwas ganz außergewöhnliches war und mit ihrer Situation nicht zu vergleichen. Also ging ich nicht mehr hin. Ich hatte noch nicht verstanden, dass Sucht einfach Sucht ist und ihre eigenen Gesetze hat, die durchaus in verschiedenen Situationen gleich sind. Auch in der zweiten Gruppe, die ich ausprobierte, passte mir irgend etwas nicht und ich blieb zu hause. Beim dritten Versuch kam „mein Alki“ mit. Es war eine gemischte SHG. Er hatte zwischendurch etliche Fehlzeiten, einen Rückfall und inzwischen eine eigene SHG nur für Betroffene. Ich selbst gehe seit 2002 regelmäßig in diese Gruppe und habe vor einigen Jahren dort heraus eine Co-Gruppe initiiert.

    In der gesamten Gruppe sind sehr unterschiedliche Menschen. Unterschiedlich in ihrer Persönlichkeit, ihrem Bildungsstand, ihrem Kommunikationsverhalten. Hilfsarbeiter, Hausfrau, Journalist, Ingeneuer, Doktor der Naturwissenschaften, Verwaltungsfachangestellte, alles mögliche ist vertreten. Und alle möglichen Meinungen. Die Gemeinsamkeit ist die Abhängigkeit, vom Alkohol und von Beziehungen, sprich Co-Abhängigkeit. Und eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass in dieser Gruppe durchaus kontrovers über Themen diskutiert wird. Themen, die brisant sein können, vor allem dann wenn sich abhängige Strukturen wieder einschleichen und „nass“ oder co-abhängig argumentiert wird.

    In der Natur des Menschen liegt es nun einmal begründet, dass er sich gern ein Bild von sich selbst macht, wie er es für sich als angenehm empfindet. Ich bin da keine Ausnahme. Somit werde ich immer wieder einmal mit der Tatsache konfrontiert, dass mich andere Menschen anders wahrnehmen, als ich mich selbst. Das würde ich aber nicht erfahren können, wenn ich diesen Menschen den Mund verböte, nur weil sie mir etwas sagen, was ich nicht hören mag. Weil es mich womöglich schmerzt, mich verunsichert, mein Bild von mir selbst in Frage stellt. Ich habe gelernt, diese oftmals auch unangenehmen Wahrnehmungen als Möglichkeit zu sehen, mich weiter zu entwickeln. Die Menschen lehnen mich nicht ab, weil ich Verhaltensweisen an den Tag lege, die sie an mir als negativ empfinden. Sie geben mir aber mit ihrer Rückmeldung die Möglichkeit, diese Verhaltensweisen zu überdenken. Mich selbst quasi von außen zu sehen und meine Wirkung, die ich auf andere Menschen habe.

    In meiner ersten SHG vor etlichen Jahren habe ich beleidigt den Hintern herumgeschmissen und bin nicht mehr hingegangen, als mir etwas gesagt wurde, was mir nicht gefiel. Heute kann ich es aushalten und für mich entscheiden, ob ich etwas verändern möchte oder dazu stehe, was und wie ich bin. Ich fühle mich auch dann etwas wert, wenn ich nicht jedem nach dem Mund rede oder jeder dies mit mir tut.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo Ette,

    Zitat

    „Ette, schreib mir einfach nicht mehr“....fand ich heute morgen in einem Thread.


    ich habe es gelesen, und mir ging dabei durch den Kopf, wie du dich damit fühlen würdest.
    Danke für deine Erklärung, da kann ich mir einiges mitnehmen.
    Ich schätze deine klaren Worte, und diesen Satz von dir nehme ich mir mit.

    Zitat

    Ich fühle mich auch dann etwas wert, wenn ich nicht jedem nach dem Mund rede oder jeder dies mit mir tut.


    lg Lämmchen

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • hallo lämmchen,

    ich dank dir von herzen für deine worte. meine werden erst mal wieder spärlicher fließen, weil der doc mir heut einen neuen gips verpasst hat.

    lg
    ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Liebe Ette,

    ich wünsche Dir weiterhin gute Erholung und schone Dich gut, damit zu bald wieder fit bist. Hast Du Dich ein bißchen übernommen, daß es wieder ein Gips sein muß?

    Lieben Gruß

    Käferchen

  • @ käferchen: es sieht so aus, als hätte ich mir ziemlich resistente keime eingefangen. und es will und will einfach nicht heile werden. dank dir für die guten wünsche.


    Hallo ihrs,

    im letzten jahr hatte ich viel mühe, zufrieden zu sein. Und zwar hatte es mit meinem vorgesetzten zu tun. Ich fühlte mich von ihm immer wieder nicht angemessen behandelt. Natürlich habe ich mehrfach versucht, mit ihm darüber zu reden. Er gab sich immer sehr verständnisvoll, dankte mir für meine offenheit und änderte – nix. Hmmm... und ich? Ich wurde darüber krank, ständig dagegen anzukämpfen. Etwas verändern zu wollen, was nicht in meiner macht lag. aber – das kannte ich doch von irgendwoher?

    Na ja, jedenfalls hab ich mich dann in meiner firma um einen anderen arbeitsplatz bemüht. Die wechselmodalitäten waren nicht sehr nett, was mir ein weiteres gefühl der abwertung bescherte und mich wütend und unzufrieden machte. Gefühle, die ich kannte, sehr lange schon. Von meinen eltern ausgelöst, ganz früher. Später in beziehungen und noch später von „meinem alki“ und die letztendlich doch nur mit mir ganz allein zu tun hatten. Entstehend aus dem bemühen, etwas verändern zu wollen, was ich nicht ändern kann und wofür mir einfach die gelassenheit fehlte, es zu ertragen.

    Inzwischen habe ich einen anderen arbeitsplatz, wo ich mich wohlfühle. Und – ich kann akzeptieren, dass mein ehemaliger vorgesetzter so handelt, wie er handelt. So ist er halt. Mit worten immer vorne weg, wenn es um die menschlichkeit in der arbeitswelt geht, jedoch nicht wirklich in der lage, nachfühlen zu können, was sein verhalten mit menschen macht. Ich habe in solchen oder ähnlich situationen mehrere möglichkeiten und muss für mich selbst entscheiden, was meiner zufriedenheit zuträglicher ist.

    Ich kann ständig weiter insistieren, damit der chef sich so ändert, damit ich mich an meinem arbeitsplatz wohlfühle. Ich kann mich um einen anderen arbeitsplatz bemühen oder aber ich muss ihn nehmen, wie er ist und mir womöglich seine art einfach an meinem entzückenden a.... vorbeigehen lassen. Kann mich als opfer seiner handlungsweise sehen oder aber mich aus der opferrolle begeben, in dem ich ihn sein lasse, wie er ist und für mich andere möglichkeiten suchen.

    Es hat eine weile gedauert, bis mir aufging, dass ich mich im beruf genauso gefühlt habe, wie im zusammenleben mit „meinem alki“. Und es hat mir wieder einmal gezeigt, dass, so wie der kaltblütige es immer schreibt, alles mit und in mir ist, was ich zu meiner zufriedenheit brauche. Ich sehs nur nicht immer gleich. Und der spruch über die gelassenheit fiel mir ein, der eine art leitbild einer selbsthilfe-organisation ist und der mir doch immer wieder, auch in lebenslagen, die überhaupt nix mit alkohol zu tun haben, hilfreich ist. Wenn er mir denn wieder parat ist und ich nicht, wie im letzten jahr, für eine weile außer acht lasse.

    Lg
    ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Guten Morgen Ette!

    Schön hast du das alles geschrieben! Klingt fast wie mein Lebenslauf, und unsere Eltern lebten ja auch in der gleichen Generation.
    Auch für mich war das letzte Jahr so ein Verwandlungs- und Lehrjahr, in dem ich einen großen Teil meiner Lebenseinstellung verändert habe.
    Verändert in Richtung Gelassenheitsspruch.
    Gerade heute fühle ich mich wieder einmal darin bestätigt und gehe diesen wunderschönen, sonnigen Tag GELASSEN an.

    Ich wünsche dir auch so einen herrlichen Tag, alles Gute, Gotti.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

  • Moin gotti,

    ich dank dir für das ding mit der generation. Ja, wir sind in der selben generation groß geworden und in dieser generation, ich weiß nicht, wie es bei dir ist, aber in meiner kindheit war es so außergewöhnlich nicht, dass kinder mit „körperlichen verweisen“, sprich schlägen, erzogen wurden oder mit nich beachtung, im günstigsen fall. Ich glaube nicht, dass sich zu der zeit jemand gedanken darüber machte, was das mit der seele eines kindes anstellt. Das hatte einfach mit der zeit zu tun, und in meinem fall vielleicht auch noch mit dem bildungsstand. Ich entstamme einer arbeiterfamilie. Malochen und sich vor den nachbarn keine blöße geben, das waren die wichtigsten maxime und wies drinnen aussieht, geht keinen was an. Das hat mich, und sicherlich dich ähnlich, geprägt. Heut kann ich hingucken und für mich entscheiden, ob ich das, was ich als kind und jugendliche gelernt habe, so weiterlebe und –gebe oder ob ich etwas verändere. Es ist meine entscheidung als mündiger mensch.

    Lg ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Mündiger Mensch!
    Genau das ist es, was ich auch meine, dass jeder Erwachsene sich mal ganz genau vor die Linse nehmen sollte.
    Ich sag es auch meinen Kindern gerne. Ganz egal, was in der Kindheit passierte, sie erlebten, jetzt ist ihre Zeit, alles anders, besser, richtiger zu machen. Als mündige Menschen.

    Leider waren köperliche Verweise auch in meiner Kindheit dabei. Nicht so oft, aber manchmal leider ungerecht. Was ich bei der Erziehung meiner Kinder auf jeden Fall vermieden habe.
    Alles war aber nicht schlecht, denn die Vermittlung der Werte und Ordnungen, die ich damals erlebte, empfinde ich als ungeheuer wichtig. Gerade heute lässt es immer mehr nach.
    Was dabei aber völlig irrelevant ist, ist der Bildungsstand. Da denke ich manchmal: Und das will ein gebildeter Mensch sein!!!
    Es macht mir Angst, was aus unserer Ellebogen - erst ICH - gesellschaft einmal werden wird.
    Aber dann wieder den Gelasseheitsspruch vornehmen!
    Nicht verzweifeln.
    Hoffnungsvoll mache ich mich auf den Weg - zu meinem Fest, vielen Bekannten, Freunden, Kolleginnen,...

    LG Gotti.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

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