Beiträge von Ette

    Guten Morgen,

    Zufriedenheit empfinden, auch wenn nicht alles "paletti" ist - hier sehe ich für mich deutliche Veränderungen zu der Zeit als ich mit "meinem Alki" lebte. Im Moment ist bei mir handtechnisch nix paletti. Trotzdem bin ich recht zufrieden, weil ich erlebt habe, dass ich auch dann gut leben kann, wenn ich körperlich eingeschränkt bin. Es ist einerseits natürlich unbequem und nicht immer einfach. Anderseits hat es mir aber auch gezeigt, dass ich in der Lage bin, auch in schwierigen Situationen meinen Alltag zu meistern und darüber hinaus Menschen ansprechen und um Hilfe bitten kann, wenn es um Dinge geht, die mir aufgrund meine Einschränkung nicht möglich sind. Das Eine empfinde ich so wichtig wie das Andere.

    LG
    Ette

    Hallo Karotte,

    ich kann dein Bedürfnis nach Familie nachvollziehen, habe aber das Empfinden, dass du deine Familie so haben möchtest, wie du sie für dich gut empfindest. Es liegt jedoch nicht in deiner Macht, Menschen so zu verändern, dass sie deinen Bedürfnissen entsprechen. Die Realität ist einfach, dass Menschen sind, wie sie sind. Du schreibst, dass du dich in deiner Familie aufgehoben fühlen möchtest. Ich habe für mich festgestellt, dass ich mich nur dann irgendwo gut aufgehoben fühle, wenn ich es auch alleine tue. Solange ich mich bei mir selbst nicht gut aufgehoben fühle, habe ich alle anderen Beziehungen als mangelhaft empfunden. Ich lese aus deinen Zeilen, dass du nach wie vor in deiner Familie und auch in Beziehung zu Männern ein Anerkanntsein, ein Angenommensein, suchst. Genau das ist ein Teil unserer Co-Abhängigkeit. Familie, Freunde und Partner sollen uns das geben, was wir uns selbst nicht geben können. Deshalb können wir Co´s so schlecht zufrieden sein mit dem, was uns gegeben wird. Es ist uns nie genug und nie so, wie wir es brauchen. Logisch, denn das, was wir in erster Linie brauchen, ist das Annehmen von uns selbst. Solange ich dazu nicht in der Lage war, hatte ich, genau wie du, immer das Gefühl, nicht richtig „aufgehoben“ zu sein. Das Fazit für mich ist folglich: wenn ich mich bei mir selbst nicht richtig aufgehoben fühle, ist es ein aussichtloses Unterfangen, dieses Empfinden im Außen, bei anderen Menschen zu suchen.

    LG
    Ette

    Hallo Karotte,

    richtig, die Wurzeln unserer Co- bzw. Beziehungsabhängigkeit liegen in unserer Kindheit. Unsere Eltern haben uns bekommen, manchmal gewünscht, manchmal als „Verkehrsunfall“. Sie haben uns nach bestem Wissen und Gewissen und nach ihren eigenen Fähigkeiten erzogen. Es wird wenig Sinn machen, denke ich, sie für ihre Fehlverhalten, wie wir es erlebt haben, zur Verantwortung zu ziehen. Zumal wir alle in einem Alter sind, das es uns möglich macht, selbst Verantwortung für uns zu übernehmen. Wir müssen nicht mehr so leben, wie wir es von unseren Eltern beigebracht bekamen. Als Erwachsene liegt es in unserer eigenen Verantwortung, für unser zufriedenes Leben zu sorgen. Diese Verantwortung können wir weder an unsere Eltern, noch an unsere Chefs oder die „böse Welt“ abgeben. Wir haben es selbst in der Hand, unser Leben und Erleben so zu gestalten, dass es uns gut geht. Nur leider stochern wir allzu gern dort herum, wo keine wirkliche Veränderung möglich ist, nämlich bei Anderen. Neue Partner, neue Freunde, ein anderer Job sollen uns helfen zufrieden zu sein und genesen zu können. Das funktioniert aber in der Regel nicht, weil wir nur uns selbst verändern können und nicht unsere Zufriedenheit von einer Veränderung der „Äußerlichkeiten“ abhängig machen dürfen.

    Es ist meines Erachtens schon wichtig zu gucken, woher unsere Co-Strukturen kommen. Die so gefundenen Erkenntnisse annehmen, akzeptieren und dann SELBST dafür zu sorgen, dass es vorwärts geht. Denn Teile unserer Persönlichkeit sind aufgrund unserer Geschichten nicht wirklich erwachsen geworden und somit fällt es uns schwer, unser inneres Kind so anzunehmen, wie es erforderlich ist. Wir nehmen uns nicht wirklich an, so wie wir als Kind von unseren Eltern nicht vollends und vorbehaltlos angenommen worden sind. Dieses Annehmen der eigenen Person kann niemand für uns tun. Kein Partner, kein Chef, kein Freund und erst recht niemand, der selbst abhängig ist.

    LG
    Ette

    Hallo Ayki,

    schön, dass du wieder da bist! Auch wenn der Grund dafür nicht so schön is. Aber auch unsere Abhängigkeit ist nicht vorbei, wenn wir uns trennen oder der Partner aufhört zu trinken.

    Du konntest deinen Ex nicht vom Trinken abbringen. Kannst du ihn davon abbringen, sich zu verhalten, wie er es tut und so zu agieren, wie du es dir wünschst? Welche Möglichkeiten siehst du, dass er die z. B. die Sachen der Kinder vollständig mit zurückbringt? Mir fällt eine Art Checkliste ein oder die Möglichkeit, die neue Freundin als Verbündetet ins Boot zu holen.

    Ich wünsche dir Gelassenheit *s*

    LG
    Ette

    Hallo Käferchen,

    ich dank dir für deinen lieben Worte. Die Zeit, als ich nicht schreiben konnte, hat meine Geduld sehr gefördert. Schließlich hätte ich zu manchem, was ich so las, etwas zu sagen gehabt. ;)

    Hallo Ihrs,

    Wut und Glück – beides Empfindungen, die mir in den Threads hier immer wieder begegnen. Wenn ich für mich darüber nachdenke, fällt mir auf, dass ich längst keine Wut mehr auf „meinen Alki“ habe. Ich konnte akzeptieren, dass viele seiner Verhaltensweisen durch den Alkohol und die Abhängigkeit davon begründet waren. Und wie soll ich auf jemanden wütend sein, der aus seiner Krankheit heraus bestimmte Dinge tut? Ich würde auch niemanden als Mistkerl bezeichnen, der aufgrund einer Magen-Darm-Grippe den Weg ins Badezimmer nicht mehr schafft und sich in den Flur übergibt. Darüber hinaus habe ich akzeptiert, dass „mein Alki“ in etlichen Bereichen nicht dem Bild entspricht, das ich mir von ihm machte. Somit kann ich auch aufhören, ihn nach meinen Bedürfnissen zu verändern. Ich selbst aber kann meine Sichtweise ändern hin zur Akzeptanz des Andersseins des Anderen.

    Glück kommt dann von ganz allein auf mich zu. Nicht das strahlende, feuerwerksfunkelnde, das uns immer wieder in Romanen und Filmen erzählt wird. Nein, ein ruhiges, stimmiges Leben ist für mich Glück. Zufrieden sein zu können, auch wenn um mich herum nicht alles so ist, wie ich es vielleicht haben möchte. Auch hier wieder der wichtigste Punkt – Akzeptanz! Ich kann mir weder die Welt noch einen Partner so stricken, wie ich es gerne hätte. Aber ich kann aus dem, WAS ICH HABE, das Positive in den Fokus rücken und das stärkt meine Zufriedenheit und somit auch ein Glücksgefühl. Irgendwann einmal hatte ich mein Leben verglichen mit einem Fluss. Zeitweise unruhig, brausend, wenn er durch unwegsames Gelände fließt. Dann wieder ruhig und entspannt dahinfließend im Sonnenschein, der auf dem ruhigen Wasser manchmal funkelnde Akzente setzt. Kleine Glücksmoment, wie Sonnenstrahlen, die auf dem Wasser funkeln. Ich brauche keine brausenden Wasserfälle mehr, um mich lebendig zu fühlen. Das empfinde ich als Glück.

    LG
    Ette

    Hallo Ihrs,

    der Gips ist ab, aber die Schmerzen sind nach wie vor da. Zufriedenheit erschöpft sich in Schmerzfreiheit für Stunden durch Pillen. Einzig gut ist die Ruhe, die mir dadurch auferlegt ist. Nur lesen und denken, na gut, fernsehen auch. Aber dankbar darüber, dass ich sie wenigstens ein bisschen gebrauchen kann, die rechte Hand. Seltsam, wie selbstverständlich in der Regel beide Hände sind. Erst wenn eine verletzt ist und alles „mit links“ erledigt werden muss, wird mir bewusst, wie wichtig jedes Körperteil für mich ist.

    Zufrieden mit mir leben konnte ich aber auch mit einer verletzten Hand. Erstaunlich nur, wie antifürsorglich plötzlich sogenannte Freunde sind, wenn die Gefahr besteht, dass sie helfend beispringen müssten. Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Erfahrungen eben....

    LG
    Ette

    hallo thelma,

    danke der nachfrage. wirklich gut geht es mir nicht. habe mir eine böse verletzung an der rechten hand zugezogen u. kann nur meine linke gebrauchen. da wird das single-dasein ganz schön beschwerlich und das schreiben auch. aber wie der rosarote panter werd ich wiederkommen, keine frage.

    lg
    ette

    Hallo Doro,

    nachdem, was ich gelernt habe, sind Essstörungen ebenso wie Co-Abhängigkeit süchtiges Verhalten. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass diese Verhalten nebeneinander bestehen können.

    Es kann sein, dass mit viel Essen ein Leeregefühl kompensiert wird, das vor allem dann auftritt, wenn der "Lebensinhalt" sprich Alki, nicht mehr im nahen Umfeld ist. Erbrechen und wenig Essen kann eine Art Kontrollverhalten sein. So nach dem Motto, wenn ich schon sonst nix mehr kontrollieren kann, dann will ich wenigstens meinen Körper unter Kontrolle haben.

    LG
    Ette

    Zitat von nat27


    Wir wohnen nicht zusammen..jeder hat sein Ding. Wehere mich gerade gegen das Gefühl Co zu sein.

    Das einzigste was ich getan habe...ich war zu sehr auf Ihn fixiert...mein Gefühlleben hat sich seinem angepasst...immer mehr. Habe mir mein Freiraum nicht gegönnt... :(

    Hallo nat,

    na, in meinen Augen ist das schon Co, diese Fixierung. Wenn du dich gegen das "Gefühl" Co zu sein wehrst, wie willst du dann etwas für dich verändern? Wenn sich dein Freund gegen die Tatsache Alkoholabhängigkeit wehrt, wird er mit allen Therapien der Welt nicht therapierbar sein. So ähnlich geht es uns Co´s auch. Solange wir unsere eigene Krankheit nicht akzeptieren, werden wir nichts verändern. Du hast im Moment ganz einfach Entzugserscheinungen, weil dein "Suchtmittel" für drei Wochen nicht jederzeit verfügbar ist.

    LG
    Ette

    Hallo nat27,

    hast du deinen Therapeuten schon einmal auf Co- bzw. Beziehungsabhängigkeit angesprochen? In der Regel kennen sich Therapeuten schon damit aus. Und wenn nicht, hat er sicherlichen eine/n Kollegen/In, die da besser im Thema ist.

    Im übrigen denke ich, dass eine dreiwöchige "Therapie" lediglich eine qualifizierte Entgiftung sein kann. LZTs dauern in der Regel länger. Für mich war damals die LZT-Zeit sehr hilfreich. Ich "musste" mir keine Gedanken um ihn machen und hatte jede Menge Zeit, mich mir selbst auseinander zu setzen, was ich als sehr hilfreich empfand.

    LG
    Ette

    Hallo picanha,

    ja, das kann ich so unterschreiben. Auch "mein Alki" hatte in erster Linie Menschen um sich, die auch "nicht ins Glas spukten". Nun, es hat aber eine ganze Weile, und etliches an Therapie gebraucht, dass er das so für sich angenommen hat. Ich denke aber, dass das für einen abhängig Trinkenden normal ist. Und - es sollte auch nicht deine Sorge sein, dir darüber den Kopf zu zerbrechen. Es ist SEINE Entscheidung, sich solche "Freunde" auszusuchen. Schließlich ermöglichen sie ihm, ungestört weiter zu trinken. Wenn ER für sich etwas ändern möchte, wird er auch andere Freunde suchen und finden.

    Wie geht es dir denn mit der Angelegenheit? Welche Freunde hast du?

    LG
    Ette

    Das ist mir einiger Zeit dabei in den Sinn gekommen:


    Die Meerfrau


    Versonnen saß die Frau auf einem dieser grauen Steine am Strand, die gerundet ob ihrer Wanderung durch die Ozeane, irgendwann von der Macht der Wogen und des Windes an Land gespült worden waren. Sie ließ ihren Blick über das Wasser schweifen bis zum Horizont, der Linie, an der das Graublau des Wassers in das lichtere Blau des Himmels überging. Das luftige Azur spiegelte sich in diesem Wasser, das ruhig auf und ab wogte im endlosen Kommen und Gehen. Gleichmäßig rauschend schoben sich die Wellen mit ihrem schneeig schäumenden Saum über den Sand, um sich umgehend wieder zurückzuziehen. In neuem Anlauf, wie mit feuchten streichelnden Fingern nach dem Sand greifend, kühlten sie ihn und ließen ihn duften nach Muscheln und Tang.

    In den Haaren der Frau spielte der Wind, der stetig über das Wasser wehte und am Himmel zarte Wolkengespinste dahinreisen ließ. Sie konnte ihn salzig auf ihren Lippen schmecken. In ihren Ohren gellten die Schreie der Möwen, die wie tollende Kinder durch die Luft flogen in der Hoffnung, irgendwo einen Schnabel voll Futter zu erhaschen.

    Die Frau hielt ein Kind auf dem Schoß. Geborgen in ihren Armen, wiegte sie es im Rhythmus der Wellen. Ihr ganzer Körper ein Auf und Ab wie ein Teil des Meeres. Als sie ein leises Wimmern vernahm, sie senkte ihren Blick auf das Kind, das sie mit Augen ansah, in denen alle Weisheit der Welt schimmerte. Augen, die alles zu wissen schienen, was es für ein Leben in dieser Welt zu wissen galt. Sie versenkte ihren Blick in den Augen des Kindes, dieses Kindes, das sie vor vielen Jahren einmal selber gewesen war. Sanft legte sie eine Hand unter den Kopf des kleinen Wesen und barg das Köpfchen an der Stelle, an der ihr Hals in weichem Bogen in die Schulter überging. Schmiegte ihre Wange an das zarte, lockige Kinderhaar und summte beruhigend mit weich geschlossenen Lippen eine kleine Melodie. Das Kind beruhigte sich und schloss verstrauensvoll die Augen. Und das Auf und Ab der Wellen, das Summen und Wiegen ihres Körpers ließen die Frau sich eins fühlen mit allem um sich herum und mit dem Kind. Sie spürte einen großen Frieden in sich aufsteigen, der sie mit Zuversicht und Sicherheit erfüllte.

    Ein tiefer Atemzug entrang sich ihrer Brust, jedoch war es keiner von diesen sorgenbeladenen Seufzern. Eher ein Aufatmen der Erleichterung, wenn etwas Großes, Schwieriges zu einem guten Ende gebracht ist. Sie sah um sich, als ob sie eben aus einem wunderschönen Traum erwacht wäre und fühlte sich doch ganz im Hier und Jetzt. Bemerkte, dass der Bus an der Endstation angelangt war, an der sie aussteigen musste. Als die Tür sich mit einem hydraulisch fauchenden Zischen öffnete, trat sie auf die Straße und ging mit erhobenem Kopf und geraden Schulter, sicher und geschmeidig wie eine Massaifrau unter der Sonne Afrikas, mit schwingenden Hüften durch den Regen, der den Asphalt auf den Straßen der Stadt wie Onyx schimmern ließ. Sie war auf ihrem Weg.


    Copyright einzig und allein bei mir

    Ette

    Hallo Ihrs,

    ich finde es gut, dass ihr das "innere Kind" zur Sprache bringt. Meiner Meinung nach ist dort der Dreh- und Angelpunkt zu finden. Vor einigen Jahren habe ich darüber ein Seminar mitgemacht und es kamen so viele Sachen hoch, dass ich sehr viel damit zu tun hatte, zu akzeptieren, was ich dort zum erste Mal formuliert habe. Zu begreifen, dass ich sehr lieblos aufgewachsen bin, war auch im recht erwachsenen Alter noch sehr schmerzhaft. Ich habe für mich dort viele Dinge gefunden, die mich haben werden lassen, wie ich bin. Allerdings bin ich der Meinung, dass meine Eltern dies auch nur so an mich weitergegeben haben, wie sie es selbst wussten. Ich muss nicht mehr glauben, wie sie mich gesehen haben. Ich kann mir ein eigenes Bild von mir entwickeln.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Cynthia,

    herzlich willkommen hier im Forum. Über die Krankheiten Alkohol- und Co-Abhängigkeit kannst du hier eine Menge lesen und das für dich Wichtige und Richtige mitnehmen, wenn du möchtest.

    Alkohol und Depressionen – nun, ich habe gelernt, dass dies so ähnlich ist wie die Geschichte mit dem Huhn und dem Ei. Es kann sein, dass die Depris verschwinden, wenn der Alkohol verschwindet. Ich habe das Empfinden und die Erfahrung gemacht, dass die Depris ofmals als Argument für den Alkoholgenuss dienen. Denn wenn jemand ernsthaft an seinen Depressionen arbeiten möchte, ist gerade der Alkohol kontraproduktiv. Auf jeden Fall finde ich es bedenklich, wenn Alkohol als Medizin instrumentalisiert wird. Der Weg zu Abhängigkeit ist da leicht gegeben. Das Verstecken und Vertuschen des Trinkverhaltens seitens deines Freundes stimmen mich ebenfalls bedenklich. Er wird selbst am besten wissen, wie weit er bereits ist. Ich gehe davon aus, dass das, was du gefunden hast, nur die Spitze des Eisberges ist. Mein Exfreund hat mir über Jahre den trockenen Alki gegeben – und währenddessen immer getrunken. Und ich habe nichts bemerkt, außer merkwürdigen Gefühlen diesbezüglich, die sich im nachhinein als richtig herausgestellt haben. Aber ICH WOLLTE ihn auch gern als trockenen Alki sehen und habe deshalb die Erklärungen für seltsames Verhalten gerne geglaubt. Erst als die Anzeichen nicht mehr zu übersehen waren (leere Wodkaflaschen, Führerscheinentzug), habe ich mich damit auseinander gesetzt. Inzwischen weiß ich, dass ich mich auf meine Intuition diesbezüglich verlassen kann. Aber es war teilweise schon ein schmerzhafter Weg, dies zu begreifen. Zudem ist eine Alkoholabhängigkeit nicht heilbar sondern nur zum Stillstand zu bringen. Ein Damoklesschwert also, dass ein Leben lang über einem schwebt. Wenn dein Freund also hier ein Problem hat, solltest du dir darüber im Klaren sein.

    Mir hat es auch geholfen, Klarheit über meine Beweggründe, mich auf einen abhängigen Menschen einzulassen, zu bekommen. Dabei habe ich eine Menge über mich selbst gelernt und auch darüber, dass ich eine eigene Krankheit habe, die durch den trinkenden Angehörigen erst so richtig zum Ausbruch kam.

    LG
    Ette

    Hallo Caro,

    seit mehr als 9 Jahren nehme ich immer einmal wieder psychologische Beratung in Anspruch. Zum Bearbeiten meiner Co-Abhängigkeit später auch Psychotherapie. Warum sich viele Menschen diese Hilfe nicht holen, hat sicherlich mit dem gesellschaftlichen Ansehen einer psychischen Erkrankung zu tun. Niemand würde versuchen, ein gebrochenes Bein alleine zu heilen, aber gebrochene Seelen – die möchte niemand zugegeben, weil er nicht als verrückt gelten will. Gerade in Familien mit Alkoholabhängigkeit oder Missbrauch wird nach außen das Bild der heilen Welt gezeichnet. Da passt ein „Seelenklempner“ nicht ins Bild. Zudem sind viele Angehörige der Meinung, dass lediglich der „Alki“ krank ist und sie selbst die Gesunden sind. Zudem sind psychische Probleme noch immer sehr stigmatisiert, also wird die Mehrheit versuchen, sich „selbst zu heilen“. Ich kann, genau wie du, für mich sagen, dass es gut für mich war, mich damit auseinander zu setzen. Aber dies muss eben jeder für sich selbst entscheiden.

    LG
    Ette

    Hallo Laurina,

    ja, ich verstehe, was du meinst. Mir ging es ähnlich. Die Trennung hab ich mir „schöngeredet“ und für mich weniger schmerzhaft gemacht mit der Wut auf ihn und sein Verhalten. Aber dahinter war eine Art Versagensgefühl. Immer wieder ging mir durch den Kopf, dass es doch irgendwie machbar sein müsse, miteinander klarzukommen. Meines Erachtens ging es zum Schluss längst nicht mehr Liebe, sondern darum, diese Beziehung „zu schaffen“, am Laufen zu halten bzw. in die nach meiner Meinung richtigen Bahnen zu bringen. Ich konnte nicht akzeptieren, dass unsere Vorstellungen von Beziehung zu verschieden waren. Egal, ob er trinkt oder nicht, es passte nicht. Aber es dauerte eine lange Zeit, bis ich das für mich annehmen konnte.

    LG
    Ette

    Ach Karotte,

    ich kann mich ganz gut in dich einfühlen. In den Frust der Machtlosigkeit den Ämtern gegenüber, darüber, dass die Welt nicht so tickt, wie du es dir wünschst. Und den Frust, erkennen zu müssen, dass die Träume und Visionen manchmal Träume und Visionen bleiben müssen, weil es an Möglichkeiten mangelt, sie umzusetzen. Dieses „es muss doch gehen, wie ich es mir vorstelle“ kenne ich auch nur allzu gut. Und ich habe auch gelernt, dass es Dinge, Umstände und Fakten gibt, die ich einfach akzeptieren muss, sonst reibe ich mich auf im Versuch, alles nach meiner Mütze regeln zu wollen. Gerade die Akzeptanz der Realität und meiner Machtlosigkeit in manchen Bereichen waren für mich ein schwerer, aber hilfreicher Schritt vorwärts. Auch hier hieß es LOSLASSEN, etwas, das uns Co´s sehr schwer fällt.


    LG
    Ette

    Zitat von Karotte


    ist das auch typisch Co das die gerne auf anderen rumhacken? :shock:

    Beste Karotte,

    ist das, was dem jeweiligen Menschen nicht nach dem Mund redet und kritisch hinterfragt, für dich gleichbedeutend mit "auf Anderen herumhacken"? Leben ist und bleibt nun einmal unsere eigene Verantwortung und wie wir unser Leben gestalten und es empfinden, ist nun einmal zum großen Teil Einstellungssache.


    LG
    Ette

    Zitat von Julchen148

    Hallo

    mir geht dieser Thread schon den ganzen Tag nicht aus dem Kopf.
    Ich mein, ich hab mich auch oft als Opfer gefühlt, aber mein Mann doch auch. Er hat doch trinken müssen, weil ich dies oder jenes gemacht hab. Das alles war doch Manipulieren, Machtkampf, von beiden Seiten.
    Das geht ewig so weiter, ausser einer oder beide erkennen, daß man nicht Opfer sein muss und geht.

    julchen

    Hallo Julchen,

    ich habe mir in diesem Thread nicht über die Opferrolle der Abhängigen Gedanken gemacht. Hier geht es um Co-Abhängigkeit und die begegnet mir immer wieder als Anklage gegen den Trinkenden. Aber - kein gesunder, "normaler" Mensch würde so eine Situation, wie wir sie hier alle kennne, länger als einige Monate mit ansehen. Co´s aber halten Jahre und Jahrzehnte aus und beklagen sich über Übergriffe, das Trinken und dass der Partner sie vernachlässigt. Sie zeichnen das Bild ihrer Opferschaft - hilflos ausgeliefert den bösen Trinkern. Das ist nichts anderes als die Krankheit des abhängig Trinkenden, der immer wieder Gründe findest, die ihn zum Trinken bringen. NIEMAND, außer uns selbst, ist dafür verantwortlich, dass es uns schlecht geht. Kein Alki, kein Chef, keine böse Welt. Wir selbst sind dafür verantwortlich, dass wir zufrieden leben können. Aber leichter ist es, die Verantwortung abzugeben und auf den Trinkenden zu schimpfen, "das schlechte vorzuhalten", damit wir uns gut fühlen. Jeder Co denkt, dass er der Gesunde ist und der Alki nur der Kranke und er somit das Opfer dieses Alkis ist. Neeeee, solange wir uns selbst nicht soviel wert sind, dass wir uns aus schlimmen und schlechten Beziehungen befreien, sind wir genauso krank wie ein abhängig Trinkender.

    LG
    Ette

    Zitat von morgan


    Aber man darf nicht dran denken, was gut war, wir sind ja hier um uns das schlechte vorzuhalten und uns abzuhalten weiter Co zu sein.

    Guten Morgen morgan,

    sorry, wenn das deine Einstellung ist, hast du noch nichts verstanden. Alkoholiker sind nicht schlecht, sie sind krank. Und wir sind nicht coabhängig, weil sie mit uns schlecht umgehen, sondern weil wir selbst psychische Defite haben. Solange du den Fokus auf das richtest, was du nicht verändern kannst, läufst du Gefahr, dass du weiterhin dysfunktionale Beziehungen eingehst. Bei mir bleiben, mich selbst zu reflektieren und zu hinterfragen, mich mit meinen eigenen kranken Anteilen anzunehmen, war für mich ein hilfreicher Weg, mit der Co-Abhängigkeit klarzukommen und mich zu verändern. Und das ging nur, weil ich den Blick von ihm zu mir gelenkt habe.

    LG
    Ette