Guten Morgen,
als ich heute kurz nach dem Aufwachen die Beine aus dem Bett schwang, fühlte ich mich voller Energie und freute mich darüber. Die letzten Tage nämlich hatte ich eher wie unter Wasser verbracht. Langsam und bedächtig mich bewegend, irgendwie so, als würde ich gegen große Wassermengen ankämpfen müssen. Jetzt, da die Luft wie frisch gewaschen scheint, ist sie wieder da, die mir ansonsten eigene Energie. Ich hoffe nun, dass ich sie in vernünftige Bahnen lenken kann und nicht nur, so wie gestern Abend, dazu, in der ganzen Wohnung nach Zigaretten zu suchen. Denn nach einer Woche recht zufriedener Rauchfreiheit hat mich gestern eine derartig heftige Craving-Attacke gepackt, dass ich froh war, in der ganzen Wohnung nix zu rauchen zu haben. Zum Einkaufen hatte ich mich schon verabredet, weil ich mich ganz unruhig und hibbelig fühlte. Schließlich wollte ich nicht rückfällig werden und holte mir deshalb Unterstützung.
Unterstützung brauchte ich auch immer wieder, wenn es mir schlecht ging, weil ich den Verlust „meines Alkis“ überhaupt nicht verarbeiten konnte. Ich hab mal nachgeschlagen, wie es mir vor einem Jahr ging und ich denke, dass ich für mich inzwischen schon ein ganzes Teil weiter bin als im letzten Jahr. Und Unterstützung habe ich mit hier immer wieder geholt. Manchmal bzw. sogar öfter nur dadurch, dass ich mir andere Threads durchgelesen habe. Oft aber auch dadurch, dass ich meine Gedanken formulieren und niederschreiben konnte. Wer mag, kanns ja noch mal nachlesen.
https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…8-0-asc-32.html
Auf jeden Fall habe ich inzwischen schon einige Jahr (7 oder 8?) mit der Arbeit an mir selbst zugebracht. Und doch finde ich immer wieder kleine Ecken und Winkel, in denen sich mein Suchtpotential erhalten hat und mich zum unmöglichsten Moment kontrollieren möchte. Dieser Tage haben wir in der realen SHG über Suchtgedächtnis gesprochen und all die kleinen Begebenheiten, bei denen mir MEIN Suchtgedächtnis auffiel, waren wieder recht präsent. Letztendlich sind es, im richtigen Maße gelebt, sozial anerkannte Strukturen, die wir Co´s leben. Allerdings haben wir eben durch unsere Krankheit das rechte Maß vergessen. Das Selbstbewusstsein, das zu einer Grenzziehung und zur Vertretung der eigenen Interessen erforderlich ist, hat sich in den letzten Jahren nun für mich drastisch vorwärts entwickelt und doch taucht noch immer einmal wieder das kleine Ettchen auf, das auf den Arm möchte und einfach darauf warte, dass jemand zu ihm sagt: du armes kleines Hascherl, dir geht es ja so schlecht, komm her und lass dir helfen. Aber das kleine Ettchen ist inzwischen eine ganz schön große Ette geworden und kann Vieles alleine und wo sie es alleine nicht schafft, holt sie sich Hilfe.
Und zwar für SICH und mit Bedacht, denn auch wir Co´s müssen, so wie unsere abhängigen Angehörigen, die Verantwortung für unser Leben selbst übernehmen. Viel zu lang haben wir schließlich „unsere Alkis“ dafür verantwortlich gemacht, dass es uns schlecht geht, so wie sie die böse Welt dafür verantwortlich machen, dass sie immer wieder trinken müssen.
Ich hab mich im übrigen gefreut, dass der Heiß-Kalte das gleiche Gefühl von Entwicklungschance durch die Krankheit seiner Frau empfindet. Ich denke, wenn wir das so sehen können und die Wut und den Groll aufgegeben haben, sind wir auf einem guten Weg.
@ Cari: Carina, das ist der große Vorteil von Gruppenarbeit, und hier ist ja im Grunde eine SHG, wir finden uns oft in den Geschichten der Anderen wieder und bekommen dadurch die Chance, von außen zu gucken und zu bedenken. Es ist hilfreich, sich manchmal selbst gegenüber zu stehen, um zu sehen, was wir tun und so vielleicht den Weg zu finden, es zu verändern.
LG
Ette