Beiträge von Ette

    Zitat von kaltblut

    Als Krötenmännchen auf Wanderschaft gehen und die ganzen Kröten fallen über die Männchen her, da hätten wir eine ganz neue Situation und könnten von morgens bis abends – meckern, über die Kröten.

    LG Kaltblut

    Guten Morgen Kröterich,

    ists nicht genau das, wovon "Männchen" so oft träumen? Dass "Weibchen" über sie herfallen? Aber du hast schon recht - dann wäre das Gemecker ob der Überforderung vorprogrammiert. Ein gesundes Mittelmaß ist es, denke ich, was uns zufrieden macht. Nicht "ohne" und auch nicht mit zuviel.... und plötzlich ist Mittelmaß erstrebenswert, obwohl wir in unserem Leben oftmals den Thrill des Extremen suchen. Ich glaube, wenn Mittelmaß für uns erstrebenswert gworden ist, sind wir auf einem guten Weg.

    LG
    Ette

    Karl,

    ich glaube, dass das ein Teil der Zufriedenheit ist. Die Aufmerksamkeit für die kleinen Schönheiten des Lebens. Natur ist mir da auch eine große Hilfe, weil sie einfach da ist. Ich muss mich überhaupt nicht anstrengen dafür, um aus ihr Kraft zu schöpfen. Mit unseren Beziehungen ist es anders. Dort, scheint es, müssen wir uns immer wieder anstrengen und bekommen doch nicht das, was wir uns wünschen.

    LG
    Ette

    Guten Morgen bokins,

    schön, dass du dich entschlossen hast, einen eigen Thread aufzumachen. Ich denke, das Erzählen über sich selbst ist in einer SHG das „Geben“, das solch eine Einrichtung ausmacht. Denn die Reflektion der Empfindungen und Erlebnisse anderer hilft uns, Parallelen zu unserer eigenen Geschichte zu sehen und dadurch vielleicht andere Ansätze des Umgangs damit zu finden, d. h. aus der SHG zu „nehmen“.

    Alkohol und Depression – das kommt mir sehr bekannt vor. Mir wurde auch oftmals erzählt, dass das schlechte Gefühl, das „er“ an den Tag legte, eine Depression sei und nicht die Folge eines Intermezzos mit der „gläsernen Geliebten“. Zumal die Verhaltensweisen, jedenfalls war es bei uns so, sich bis zu einem gewissen Grad ähneln.

    Nicht ganz konform gehe ich mit deiner eigenen Einschätzung deiner Co-Abhängigkeit. Ich denke, das ist allen Co-Abhängigen gemeinsam – den Splitter im Auge des Anderen sehen wir sehr deutlich während wir den Balken im eigenen Auge gnädig ignorieren.

    Vielleicht zweifelst du an der Alkoholsucht deines Partners, weil er, wenn er sich davon nun wirklich befreien möchte, eigenständiger agieren wird und du somit etliche „Aufgaben“ weniger hast, dich wieder mehr mit dir und deinem eigenen Leben beschäftigen musst. Wobei ich denke, wer sich heimlich Wodka ins alkoholfreie Bier kippt, ist schon ganz schön weit. Im Grunde ist es für DEINE Gesundung jedoch nicht wirklich relevant, ob dein Mann an Depressionen oder Alkoholabhängigkeit leidet, denn in beiden Fällen gibt er dir die Möglichkeit mehr für ihn als für dich zu sorgen. Wenn er eine Therapie andenkt – hast du diese Möglichkeit auch schon einmal für dich in Betracht gezogen? Dazu wäre es jedoch erforderlich, dass du deine eigene Krankheit anerkennst. Noch jedoch sagst du, dass dein Umgang mit deinem Mann mehr von Liebe als von Co-Abhängigkeit geprägt ist. Das sehe ich ein wenig anders, wenn ich dein Posting auf mich wirken lasse. Aber da kommt halt wieder die Geschichte mit dem Splitter und dem Balken ins Spiel.

    Du schreibst, dass du dich wie von einem Zug überrollt fühlst, weil er angefangen hat, etwas für sich und gegen die Sucht zu tun. Das kann ich gut nachempfinden. Das macht schließlich noch mehr Angst als all die Panikattacken, wenn es ihm schlecht ging. Mit schlechten Phasen hast du inzwischen gelernt, umzugehen. Wenn er jetzt aber selbst Verantwortung für sein Leben übernimmt, bist du viel mehr auf dich selbst zurückgeworfen. Ich denke, dass das mit dem „Zuggefühl“ zu tun hat. Vielleicht hast du es verlernt, auf dich zu achten, dein Leben ohne die ständige Sorge um ihn zu führen. Deine Aussage um euere geradezu symbiotische Beziehung legen mir diesen Eindruck nahe. Du scheinst kein Bedürfnis zu haben, dich abzugrenzen und alles unter der Überschrift „Liebe“. Ich habe für mich gelernt, dass gerade Liebe ganz viel mit Eigenständigkeit zu tun hat.

    Abgrenzen kann frau sich übrigens auch in einer Beziehung. Jedoch ist es ungleich schwerer, als in einem gewissen Abstand. Wenn hier oftmals von Trennung geschrieben wird, dann wirst du auch immer wieder das Wort Liebe finden. Meine Liebe zu meinem Ex ist nicht weggegangen, obwohl ich nicht mehr mit ihm zusammen lebe. Aber für uns beide war es einfach wichtig, dass wir den Abstand haben, um uns – ein jeder für sich – weiter zu entwickeln. Stell dir zwei Blumen vor, die eng nebeneinander gepflanzt sind. Wenn sie nicht genug Raum haben, zu wachsen, werden sie nur halb so gut entwickelt und blühend sein, wie die gleichen zwei Blumen, die du mit einem gewissen Abstand in die Erde setzt, damit sie genug Licht, Luft und Raum haben sich in all ihren Facetten und ihrer Schönheit zu entfalten.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    manchmal kann sogar ein Regenschauer Genuss sein. Grad eben zum Beispiel – wenn ich aus dem einen Fenster sehe, geht dort die Sonne feurig-golden auf, während ich aus dem anderen Fenster dräuend graue Wolken über den Himmel fegen sehe. Der Regen trommelt gegen die Scheiben und – ein zarter Regenbogen entsteht vor der bleigrauen Wolkenwand. In den Genuss des Anblicks eines Regenbogens komme ich also nicht ohne Regen. Alles weniger Gute beinhaltet immer noch etwas Schönes – das will ich heut nicht vergessen.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Herr Brandmeister,

    dein langes Posting von gestern – es hat mir wieder ganz deutlich die Zeit in Erinnerung gebracht, zu der ich mir hier anmeldete. Zu dem Zeitpunkt habe ich bereits seit einem Jahr nicht mehr mit meinem Ex gelebt, aber die Liebe war immer noch. Sie ist es heute noch, denn wie auch du tausende kleiner Dinge findest, warum du bei ihr bleiben möchtest, finde ich sie auch. Es gab aber immer auch Dinge die mir fehlten, auf die ich beständig gewartet habe. Ich denke, ich war in einer ganz ähnlichen Situation wie du heute. Dieses Warten, dass sich etwas verändert, dass er sich so verhält, wie ich es mir wünsche, war im Endeffekt nicht anders als zu der Zeit als er trank. Erst habe ich darauf gewartet, dass er aufhört zu trinken, dann habe ich darauf gewartet, dass er mit mir Beziehung so leben möchte, wie ich sie mir vorstelle. Nur – meine Vorstellung deckt sich nicht mit seiner. Irgendwann habe ich dann aufgehört zu warten, mit Rückfällen, wie du in meinem Thread nachlesen kannst. Manchmal waren die Rückfälle in meine abgrundtiefe Traurigkeit so schlimm, dass ich Mitleid erregte und mich jemand durch Weltgeschichte kutschieren wollte, damit es mir den Kopf frei bläst. Genau wie du glaubte ich ungebeugt daran, dass irgendwann alles gut wird. Stellte meine Vorstellung von Leben und Beziehung zurück, weil ich – wieder einmal – hoffte, dass irgendwann alles gut wird, er sich so verändert, wie ich es mir wünsche. Rückfall – denn ich alleine kann mich ändern, um zufrieden zu sein. Und für mich gehörte es dazu, zu akzeptieren, dass wir beziehungstechnisch nicht zusammen passen. Ich, die ich Nähe und Wärme in einer Beziehung suche und er, der ein absoluter Näheflüchter ist, das kann nun mal nicht gut gehen.

    Also habe ich irgendwann schweren Herzens akzeptiert, dass es nicht gehen kann, auch wenn ich es mir noch so sehr wünsche. Meine Bedürfnisse sehen ganz anders aus als seine, deshalb muss ich sie aber nicht wegpacken, nur um mit ihm klarzukommen. Sie sind rechtens und gesund. Nähe und Wärme sind Bedürfnisse, die letztendlich nicht unangemessen sind, aber mit ihm eben nicht zu leben. Trotzdem haben wir zig Dinge, in denen wir uns gut verstehen. Wir habe wahrscheinlich die beste Freundschaft, die man sich nur wünschen kann. Er leiht mir sein Ohr, sein handwerkliches Geschick und seine Ruhe, wenn ich sie brauche. Aber er kann sich nicht auf meine Nähe einlassen. Vielleicht weil sie ihm Angst macht, vielleicht weil er sein Leben lang zuviel davon hatte, vielleicht, vielleicht, vielleicht..... Mir blieb nichts, als mich irgendwann dieser Tatsache zu beugen. Ich kann es nicht bewegen, dass es so wird, wie ich es mir vorstelle. Ich musste akzeptieren, dass er nicht der Mensch ist, mit dem ich meine Vorstellung von Beziehung leben und meine Bedürfnisse ausleben kann. Er war für mich der Mensch, mit dem ich alt werden wollte. Ich denke, das werden wir auch – uns nicht aus den Augen verlieren im Laufe der Jahre, jedoch nicht als Paar. Es war für mich alles andere als leicht, das zu akzeptieren, glaube mir. Aber es war für mich der einzige Weg, aus einer Art ständigen Warte-Schleife in ein eigenes Leben zu gehen. Im nachhinein sehe ich diese Zeit nämlich fast so wie seine Trinkzeit. Er ist nicht und agiert nicht so, wie ich es möchte und ich dachte, wenn ich nur lange genug geduldig genug bin, wird er irgendwann merken, dass ich die Liebe seines Lebens bin und sich auf meine Art Beziehung einlassen. Co, denke ich jetzt. Er kann nur so sein, wie er ist und selbst sein möchte. Nicht wie ich es gerne hätte und für mich war es dann an der Zeit, den Absprung zu schaffen. Ich habe die Hoffnung auf eine Paarbeziehung mit ihm aufgegeben. Seither bin ich ruhiger, kann mich besser auf mein eigenes Leben konzentrieren.

    Es mag für dich ganz anders sein. Nichtsdestotrotz kann ich gut nachfühlen, was zur Zeit in deinem Kopf und deinem Herzen passiert. Uns anzustrengen um geliebt zu werden, haben wir schließlich unser Leben lang gelernt. Deshalb nehmen wir uns zurück, strengen uns an, „ihnen“ die Partner zu sein, mit denen „sie“ klarkommen in der Hoffnung, dass „sie“ irgendwann diese unsere Anstrengung anerkennen und uns so lieben, wie wir es gerne hätten.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Lütze,

    ich finde deine "Gedankenspiele" gut. Denn sie verhindern genau das, was uns oft das Leben schwer macht und uns aus der Ruhe bringt. Denn meistens sind die Dinge und Situationen um uns herum nur so schlimm, weil wir in unseren Gedanken die Super-Gaus vorausdenken. Notorische Bedenkenträge sind wir allzu oft. Dagegen helfen Gedanken, wie du sie formulierst. Für mich ist das ein guter Weg, vorwärts zu gehen. Ich wünsche dir, dass er es auch für dich ist.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Hannes,

    herzlich willkommen hier im Forum. Die Männerriege wird sich freuen, Verstärkung zu bekommen.

    Es hat mich erschreckt, dass da drei Kinder seit Jahren bei ihrer alkoholabhängigen Mutter leben. Wenn du im Bereich der erwachsenen Kinder liest, wirst du erkennen, was das mit den Kindern macht. Da werden die nächsten 3 Co´s erzogen.

    Du schreibst vom Spagat, den es bedeuten würde, Beruf und Kinder unter einen Hut zu bringen. Ein Spagat, den Millionen von Frauen tagtäglich hinbekommen, weil sie nicht sagen, es geht nicht, sondern fragen, wie kann es gehen. Ich würde kämpfen wie eine Löwin, um die Kinder aus diesem Umfeld heraus zu bekommen. Sie können sich nicht wehren und selbst deine räumliche Nähe wird sie nicht vor Verletzungen ihrer kleinen Seelen schützen.

    Du schreibst, dass du Ferien hast. Da ich nicht annehme, dass du noch im Schulalter bist, gehe ich davon aus, dass du unterrichtest. In der Regel ist hier ein Teil der Arbeitszeit zu hause abzuleisten. Ein Vorteil, der in vielen anderen Jobs nicht gegeben ist. Ich weiß, dass es anstrengend ist, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen. Aber es ist machbar. Vor allem angesichts der Tatsache, was die Alternative für die Kinder wäre. Ich wünsche dir Kraft, Wege zu finden, diesen Spagat hinzubekommen. Deine Kinder werden es dir irgendwann danken.

    Deiner Frau kannst du nicht helfen. Die muss das ganz alleine wollen und schaffen. Ja, du wirst vor ihrem Trinken kapitulieren müssen, denn du kannst sie nicht verändern. Für dich kannst du Möglichkeiten schaffen, zufrieden zu leben – mit deinen Kindern, denn die haben keine Wahl. Sie können nicht einfach wegziehen, um sich aus dem Dunstkreis der Abhängigkeit zu lösen. Ich denke, hier stehst du in der Verantwortung.

    Eine recht sprachlose
    Ette

    Moin, moin!

    Zitat von kaltblut

    Zeitlos zufrieden sein mit etwas was nicht ist.

    LG Kaltblut

    Kalli, neee, nicht unbedingt! Und nicht mit allem, was nicht da ist. Es gibt schon Dinge, die im Moment nicht da sind, ohne die ich im Moment zufrieden sein kann, auf die ich jedoch nicht auf Dauer verzichten möchte. Mit meinem Ex waren sie nicht möglich und doch weiß ich, dass sie möglich sind und keine unangemessenen Erwartungen von mir. Die Zeit wird auch das richten. Ich musste nur akzeptieren, dass sie mit meinem Ex nicht machbar waren. Denn da hat es mich unzufrieden gemacht, immer darauf zu warten, dass sich etwas ändert. Seitdem ich nicht mehr mit ihm zusammen bin, sind die Dinge zwar auch nicht da, und wenn, dann nur sporadisch, aber ich weiß, dass sie mit zu MEINEM Leben gehören und es gibt mit Sicherheit einen Menschen, mit dem ich diese meine Vorstellungen leben kann. Das beeinflusst zur Zeit nicht meine Zufriedenheit, aber ich werde nicht zeitlos zufrieden sein, mit etwas, das nicht da ist. Weil ich sicher bin, dass es irgendwann wieder in mein Leben tritt.

    So, und jetzt geh ich laufen.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    na, hier wird ja mächtig diskutiert! Schön, wenn ich ein Thema gefunden habe, das auch anderen im Kopf herumgeht.

    Zitat von kaltblut


    Ich hatte mal ne Guzzi, geiles Ding, aber immer was dran, da habe ich sie weggeben. Da war ich zufrieden, geiles Gefühl.
    LG Karl

    Kaltblütiger, das ist auch relativ einfach, da es sich um ein „Ding“ handelt. Trotzdem ist dies auch manchmal im Zusammenhang mit Menschen erforderlich.


    Ich habe in diesen Tagen immer mal wieder Dinge entdeckt, die mich unsicher werden lassen, ob mein Ex, den ich ja immer noch mal treffe, wirklich noch trocken ist. Verhaltensweisen, Dinge, Situationen, in denen ich mich an früher, an seine nasse Zeit, erinnert fühle. Sie kratzen jedoch nicht mehr an meiner Zufriedenheit. Eher betrachte ich mit einer Art Interesse und Neugier das Szenario. Es berührt mich nicht mehr emotional, höchstens dergestalt, dass ich denke, schade, ich wünschte ihm, er schafft es.

    Zitat von kaltblut

    Alkohol ist kein Bestandteil mehr meiner Person.
    Nikotin ist kein Bestandteil mehr meiner Person.
    LG Karl

    Damit magst du recht haben, Karl, aber die Suchtstrukturen sind Teil unserer Persönlichkeit. Und wenn wir deren Ursache nicht ausmachen, dann werden wir immer in unserer Co-Abhängigkeit gefangen bleiben. Sicher werden wir immer noch mal rückfällig. Aber ich kann die Rückfälle dann ansehen und wahrnahmen, denn das sind für mich die wichtigsten Schritte, um sie dann loszulassen. Mir darüber klar zu werden, dass ich Verhaltensweisen und Reaktionen, die ein halbes Jahrhundert zu mir gehören, nicht von heute auf morgen loslassen kann, ist der nächste Schritt. Aber mir meine Suchtstrukturen und –verhaltensweisen klar machen und wahrnehmen, damit ich lerne, anders zu reagieren und meine Zufriedenheit nicht von SEINER Trockenheit abhängig mache, das muss ich schon.

    Wir selbst tun uns eben oftmals schwer, diese unsere Verhaltensweisen so wahr zu nehmen, dass wir das Co-Verhalten erkennen. Am Sonntag war ich in einer Situation, dass mich jemand anrief und ich spürte, dass er Stress hatte. Jedoch wollte ich mich in dem Moment davon distanzieren. Ich weiß genau, dass ich früher gesagt hätte, komm her, wir reden drüber und meine anderen Pläne einfach ad acta gelegt hätte. Erst hatte ich ein schlechtes Gewissen, dann aber dachte ich, dass dies ein Zeichen dafür war, dass ich nicht mehr so in den alten Strukturen feststecke. Ich habe nach MEINEM Bedürfnis gehandelt, auch wenn ich den Anderen vielleicht in diesem Moment verletzt habe. Das heißt nicht, dass ich nicht helfen mag, aber nicht in jeder Situation. Früher hätte ich das getan.

    @ Spedi: Ich weiß nicht, ob es ein Zuviel an Selbsthilfe gibt. Ich weiß für mich nur, dass ich aufmerksam mit mir umgehen muss, mehr agieren als reagieren. Denn meine Reaktionen sind noch zu oft co-abhängig geprägt. Egal, ob es meinen Ex betrifft oder Menschen in meinem privaten oder beruflichen Umfeld. So, wie du zu Anfang sicher vermehrt darauf achten musstest, wie du mit Gedanken und Gefühlen bezüglich des Trinkens umgehst, so muss ich darauf achten, wie ich mit Situationen umgehe, in denen ich Gefahr laufe, meine Bedürfnisse dem Gefühl des Helfen zu müssens unterordne. Ich muss aufmerksam mir und meinen unbewussten Verhaltensweisen sein. Mag sein, dass hier, von außen gesehen, manchmal eine Art Übertreibung vorliegt. Es ist auch immer ein Abwägen, ein Lernprozess, der sicherlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. „Umprogrammieren“ geht nur bei PCs relativ fix. Menschen brauchen da so ihre Zeit. Und es besteht natürlich die Gefahr, das Verhaltensweisen, die vorher unangemessen in eine Richtung gingen, nun im Umlernprozess erst einmal zu sehr in die andere Richtung ausschlagen, aber ich denke, das reguliert sich auch im Laufe der Zeit.

    LG
    Ette

    Hallo Hartmut,

    mir gehts ähnlich wie Spedi, allerdings im Co-Bereich. Auch dort habe ich oftmals das Empfinden, dass in anderen Threads herumschwadroniert wird, angelesene Weisheiten verbreitet werden und kluge Ratschläge erteilt, jedoch nicht wirklich von sich selbst erzählt wird. Wenn ich dieses Forum als eine virtuelle Selbsthilfegruppe betrachte, dann kann sie nur so gut sein wie das, was ihre Mitglieder, sprich die Poster, einbringen. In der realen SHG sind das in erster Linie eigene Erfahrungen. Hier habe ich oftmals das Gefühl, dass ich eeine Art Bühne betrachte, auf der so manche die Vorzeige- oder Ausnahme-Co´s oder -Abhängigen mimen. Die werden auch relativ schnell wieder verschwinden, wenn es nicht genügend Claquere gibt, die ihre Besonderheit zu würdigen wissen. Solche Menschen gibt es auch immer wieder in realen SHGs, jedoch begünstigt die Anonymität des Internets solche "Profilneurosen" noch um einiges.

    Diejenigen, die wirklich an sich arbeiten wollen, bleiben länger.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    wenn ich die Frage von bonny lese, ob man Co-Abhängigkeit besiegen kann, denke ich: ja! Denn co-abhängige Verhaltensweisen wurden uns anerzogen, haben wir erlernt. Und zwar in einem recht frühen Stadium unserer Existenz, denke ich. Darum dauert es sicherlich lange, derart manifestierte Strukturen zu verändern. Mit Konsequenz ist dies aber sicherlich möglich, auch wenn es kein einfaches Unterfangen ist.

    Meine Zufriedenheit nicht mehr davon abhängig zu machen, dass ich womöglich, wenn ich meine eigenen Interessen vertrete, von Anderen abgelehnt werde. Meine Augen öffnen für all die schönen Momente, die auch der noch so graueste Tag für mich bereit hat. Mich dem Gefühl hingeben, für meine Befindlichkeit selbst verantwortlich zu sein und auch in der Lage, sie positiv zu beeinflussen. Selbst zu entscheiden, wie mein Tag, mein Leben, meine Gefühle aussehen sollen.

    Gestern, in den letzten Ausläufern von „Emma“ ist mir dies wieder sehr bewusst geworden. Es ist nämlich meine Entscheidung, wie ich etwas wahrnehme. Sturm und Regenschauer werden ja in der Regel als „Sch.....wetter“ bezeichnet. Als ich jedoch gestern ein Lücke zwischen zwei Schauern nutzte, um einen Spaziergang zu machen, hat mich in erster Linie die Macht des Windes fasziniert. Wie er große Äste einfach knicken kann, die mächtigen Bäume zum Ächzen bringt und auf dem Wasser quirlige Welle erzeugt. Wie er an meiner Kleidung zerrt und mir durch die Haare fährt, sich mir entgegenstellt, dass ich um jeden Meter vorwärtskommen kämpfen muss! Unsichtbar und doch ganz gegenwärtig, lässt er mich durch seine Kraft auch meine eigene spüren, denn die ist notwendig, um von ihm nicht davon geweht zu werden. Und Geschichten bringt er mit – von der Weite des Meeres, von der Unendlichkeit des Himmels und von Kühle des ewigen Eises. Und immer wieder von der Kraft der Natur. Und – da ich auch ein Teil dieser Natur bin, habe ich auch einen Teil dieser Kraft in mir und die hilft mir, vorwärts zu gehen. Wenn ich sie wahrnehme, annehme und für mich nutze. Ganz ohne alles äußere Drumherum.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Diandra,

    nein, 29 Jahre kann niemand einfach abschütteln, egal, was der Andere für Macken hat oder auch angestellt hat. Ich kann gut nachempfinden, was du fühlst. Diese Vertrautheit lässt sich nicht einfach ad acta legen. Mir geht es da sehr ähnlich. Wenn ich mit meinem Ex irgendwo bin, brauchen wir uns in bestimmten Situationen nur anzugucken und jeder weiß, was im anderen grad vorgeht. Von daher war es für mich auch recht schwierig, mich von ihm zu trennen. Aber genauso gut weiß ich auch, dass er aufgrund seiner Alkoholkrankheit eben bestimmte Dinge nicht oder noch nicht kann. Und der Abstand ist hier für uns beide erforderlich.

    Mach dir nicht so viele Gedanken, was bei ihm gerade abgeht. Wie Ayki schon sagt, mach dein Ding und falls er doch endlich den Absprung schafft, wird sich das im Laufe der Zeit herausstellen. Niemand von uns weiß, was die Zukunft bringt und wer weiß, vielleicht lernt ihr euch irgendwann ganz neu kennen. Für mich ist es immer wieder faszinierend, festzustellen, wie sich bei meinem Ex, trotz aller Vertrautheit, wieder ganz neue Facetten zeigen. Und ich muss sagen, die finde ich nicht schlecht. Trotzdem – wir sind kein Paar mehr und ich denke auch nicht, dass sich das jemals wieder ändern wird. Ich musste einfach akzeptieren, dass wir uns nicht gut tun, wenn die Nähe zu groß ist. Mit genügend Abstand kommen wir recht gut klar und können auf eine recht liebevolle Weise miteinander umgehen. Mir tut der Abstand im übrigen genauso gut wie ihm. Ich habe meine Leben inzwischen ganz anders gestaltet und kann es mir nicht mehr recht vorstellen, dass da immer jemand ist, wenn ich nach hause komme. Ich genieße es ungemein, meine Wohnung als meinen Rückzugsort, meine „Energietankstelle“ zu sehen. Hier will niemand etwas von mir und ich brauche nicht dauernd auf meine Grenzen zu achten, da sie hier nicht überschritten werden.

    Hast du eigentlich auch festgestellt, dass dich die Geschichte mit „deinem Alki“ auch für andere Bereiche stärker gemacht hat? Ich wundere mich in manchen Situationen immer noch, dass ich meine Bedürfnisse offen und ohne Angst formulieren kann. Sei es im Beruf oder im privaten Umfeld. Hier habe ich mich deutlich verändert. Dies hätte ich ohne diese ganze Sucht-Geschichte sicherlich nicht.

    LG
    Ette

    Zitat von sabine.S

    Es ist mehr ein Programm, das man selbst erarbeiten muss.
    Schau mal im Netz unter "10 Schritte Programm Kontrolliertes Trinken Dr. Körkel."


    Hallo Sabine, es gibt auch ein 12-Schritte-Programm. Allerdings nicht von einem einzigen Menschen sondern von einer Organisation. Diese 12 Schritte gibt es sowohl für Abhängige als auch für Co-Abhängige. Immer wieder setze ich mich damit auseinander, mit diesem 12-Schritte-Programm für Angehörige alkoholkranker Menschen. Denn das sind die einzigen 12 Schritte, die ICH gehen kann und die helfen mir und können auch den trinkenden Angehörigen helfen. Gehen muss ich sie selbst. Nicht unbedingt alleine, aber aus eigenem Antrieb. Mich selbst zu verändern, ist in einer Beziehung zu einem Alkoholiker die einzige Möglichkeit, die ich habe.

    "Mein Alki" ist seinen Weg gegangen und ich meinen. Diese Wege kreuzen sich immer wieder einmal und vielleicht gehen sie irgendwann wieder parallel. Aber wenn, dann nur, weil jeder von uns die Möglichkeit wahrgenommen hat, sich selbst weiter zu entwickeln. Ohne Gedanken an den Anderen. Nicht lieblos fallen gelassen, sondern Freiraum gegeben - losgelassen.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    richtig, Currlinger, es ist immer gefährlich, sich seine Zufriedenheit von außen zu holen. Es kann in zuviel Arbeit, zuviel Sport, zuviel Einkaufen, zuviel gute Ratschläge geben oder in noch ganz, ganz anderen Bereichen liegen. Ich denke, immer dann, wenn wir uns mehr mit dem Außen beschäftigen als mit dem, was in uns selbst passiert, halten wir uns in unseren eigenen Suchtstrukturen. Und die Ehrlichkeit, dieses „Zuviel“ als ein solches wahrzunehmen, erlangen wir nicht dadurch, dass wir sagen, wir haben unsere Co-Abhängigkeit im Griff. Aber dabei hat eben jeder seinen eigenen Zeitplan.

    Vielfältigkeit der Interessen hilft mir dabei, meine Zufriedenheit zu erlangen. Aber auch mal einfach eine halbe Stunde aus dem Fenster träumen oder mit ganz wachen Sinnen durch die Natur gehen. Ohne Sinn und Zweck, wie es von außen scheint. Ohne Leistungsanspruch, einfach nur weil es MIR gut tut und in diesem Moment Spaß macht. Genießen, was die Welt und das Leben mir bietet – ohne dass ich Leistung dafür erbringen muss, und ohne dass ich dafür von Anderen gebauchpinselt werde.

    So, und jetzt gehe ich in den Wochen-Endspurt und freue mich auf von außen unstrukturierte Zeit. Mein ist das Wochenende – sagt Ette ;)

    LG
    Ette

    Guten Morgen Matze,

    ich musste mehrmals lesen, bis ich nachvollziehen konnte, was du meinst. In erster Linie geht es dir wohl darum, dass du nichts machen kannst. Richtig! "Man" kann nichts machen, auch wenn "man" noch so gerne möchte. Ich habe früher alles darauf abgestellt, "ihm" keinen Grund zum Trinken zu geben und er hat trotzdem getrunken. Erst als er es selbst wollte und die Energie für die ersten Schritte aufbrachte, kam er auf den trockenen Weg.

    Die Mutter deiner Freundin und du, ihr habt eine Meinung darüber, was deine Freundin machen sollte und was gut für sie sei. Wie ist denn ihre eigene Meinung darüber? Sie ist erwachsen und muss für sich selbst Entscheidungen treffen und auch die Tatsache, dass sie sich noch nicht für das Trockensein entscheiden kann, ist eine Entscheidung. Es bleibt dir nichts, denke ich, als abzuwarten bis sie selbst den Willen hat, trocken zu werden. So schwer das auch ist. Das Einzige, was du beeinflussen kannst, ist nun einmal der Umgang damit. Ich weiß, dass Co´s das ganz schwer können. Sich mit sich und den eigenen Problemen und Verhaltensweisen zu beschäftigen und nicht mehr sich so sehr um die Belange der Mitmenschen zu kümmern. Aber es ist, nach meiner Erfahrung, der einzige Weg, wie sowohl dem Alki als auch dem Co´s geholfen ist.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Heinrich,

    ich danke dir für "die Blumen". Dass du meinen Beitrag gut findest, impliziert mir, dass hier Co´s und Alkis so weit auseinander gar nicht liegen. Vielleicht, weil Abhängigkeit, egal ob stoffgebunden oder auf Menschen bezogen, schon ihre Gemeinsamkeiten haben.

    LG
    Ette

    Zitat von Lütze

    In jedem Fall fühle ich,das ich etwas verpasst habe...in meiner Entwicklung.
    Lütze

    Guten Morgen Lütze,

    das finde ich einen ganz wichtigen Satz! Denn, so habe ich gelesen, Sucht verhindert, dass sich die Persönlichkeit entwickeln kann. Aber nicht nur Alkoholsucht, sondern auch Beziehungssucht. Denn auch für mich habe ich festgestellt, dass ich die letzten zwei, drei Jahre erwachsener geworden bin als die 48 Jahre vorher insgesamt. Ich denke, wenn wir unsere Persönlichkeit weiterentwickeln, schaffen wir eine gute Grundlage, ohne Suchtmittel auszukommen. Egal, ob das Suchtmittel in einer Flasche steckt oder Hosen trägt und sich rasieren muss.

    Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und Durchhaltevermögen auf deinem Weg.

    LG
    Ette

    Hallo und guten Abend,

    stimmt Ayki, ich muss mich zuallererst selbst annehmen, um meine Zufriedenheit zu erreichen. Dazu gehört auch, dass ich mich mit mir auseinandersetze und meine Ecken und Kanten kennen lerne. Die, die ich akzeptabel finde, na, die lasse ich so, und die, die mich stören, an denen arbeite ich. Damit habe ich genug zu tun, ohne im Außen allzu viel mitmischen zu müssen.

    In meiner realen Selbsthilfegruppe erlebe ich immer wieder, ich nenne sie so, Vorzeige-Co´s. Frauen, die von sich behaupten, ihre Co-Abhängigkeit abgelegt zu haben. Letztendlich hat sich aber nur das Trinkverhalten ihrer Partner geändert – sprich, sie sind trocken geworden. Als ich dort einmal die Zufriedenheit zum Thema machte, bekam ich mehrfach die Rückmeldung, dass manche Frau sich als zufrieden bezeichnet, weil ihr Mann nicht mehr trinkt. Für mich zeigt sich dann, dass es hier mit der Lösung aus der Co-Abhängigkeit noch nicht so recht geklappt zu haben scheint. Dies sind dann auch diejenigen Gruppenmitglieder, bei denen ich immer wieder einfordern muss, dass sie bei sich bleiben, wenn sie erzählen. Und es sind diejenigen, die neuen Gruppenmitgliedern allzu gerne jede Menge Ratschläge und Verhaltenstipps mit auf den Weg geben. Das halte ich für nicht sehr sinnvoll und es zeigt mir, dass Co-Strukturen noch recht wirksam sind. Für andere wissen, was gut ist und nicht so sehr selbst zu reflektieren, ist ein Symptom der Co-Abhängigkeit, das sogar vollkommen losgelöst von einem trinkenden Angehörigen auftreten kann.

    In meiner tiefsten Co-Zeit hatte ich für mich selbst weder ein rechtes Ziel noch eine richtig eigene Meinung. Entscheidungen waren immer davon abhängig, wie mein Ex sich damit gefühlt hat. Wie auf dünnem Eis eierte ich herum, nur um ihm keinen Grund zu geben, womöglich wieder zu trinken. Dadurch habe ich verlernt, für mich selbst zu bestimmen und Entscheidungen zu fällen. Ja selbst meine eigenen Gefühlen wurden mir dadurch fremd.

    Wenn ich hier lese, lese ich oftmals Ratschläge. Ewas jedoch, das für mich richtig war, muss es für eine andere Frau noch lange nicht sein. Ich finde es für mich hilfreicher, wenn ich lesen kann, was andere wie gemacht haben. Dann kann ich selbst entscheiden, ob ich meinen Weg ähnlich gestalte oder ob ich ihn ganz anders gehen muss. Ratschläge entbinden Co-Abhängige wieder davon, eigene Entscheidungen zu treffen, ihre eigenen Wege zu suchen. So habe ich es für mich empfunden und es hat sehr zu meiner Zufriedenheit beigetragen, dass ich meine Entschlüsse selbst gefasst habe ohne viele Ratschläge. Ich weiß, dass es mich zu Anfang immer sehr genervt hat, wenn mir in der Beratungsstelle der Diakonie jemand gesagt hat, ich solle etwas für mich tun. Ich habe mir zu der Zeit gewünscht, dass ich eine genaue Anleitung bekommen hätte. Im nachhinein weiß ich erst zu schätzen, dass ich dieses „etwas für mich tun“ für mich selbst erarbeiten musste. Denn nur so kann ich nun sicher sein, dass es das ist, was ICH will und nicht das, von dem jemand denkt, dass es gut für mich sei.

    @ klarerkopf: Das Hinterfragen meiner eigenen Reaktionen erachte ich genauso sinnvoll wie du. Auch ich halte oftmals inne, wenn ich merke, etwas bringt mich auf die Palme oder aber ich reagiere unangemessen. Denn in der Regel sind die Situationen, die mich jetzt aus der Ruhe bringen, irgendwo ganz hinten in meinem Kopf abgespeichert und kommen durch irgendeine Ähnlichkeit mit früheren Erlebnissen und Empfindungen wieder hoch. Ich lerne dadurch mehr über mich und auch, in Situationen ruhig zu bleiben, in denen ich es früher nicht geschafft habe. Heute zum Beispiel hat mir jemand gesagt, dass er sich gar nicht vorstellen könne, dass ich hibbelig und unruhig werden kann. Dem war, weiß Gott, nicht immer so. Und es ist auch nicht jeden Tag gleich. Manchen Tag muss ich mich an die Kandare nehmen und selbst reflektieren, warum mich etwas aus der Ruhe bringt. Zufriedenheitsarbeit hört eben nie ganz auf.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Sandra,

    als ich meinen Ex kennen lernte, erzählte er mir viel von seiner gescheiterten Ehe und wie ihm sein damalige Noch-Frau mitspielt. Bei mir kam dann das Gefühl auf, dass der Arme unter diesen Umständen ja nun wirklich keinen Grund gehabt hätte, mit dem Trinken aufzuhören. Er hat es damals trotzdem getan und währenddessen mich kennen gelernt. Mich, die ich dachte, wir wären seelenverwandt, wir würden uns ohne Worte verstehen und sicherlich würde es ihm mit mir so gut gehen, dass er nie mehr auf die Idee kommen würde, zu trinken. Schließlich liebte ich ihn so, wie ihn, da war ich mir sicher, noch nie eine Frau geliebt hat. Ich war mir sicher, dass unsere Verbindung etwas ganz, ganz Besonderes sei. Inzwischen habe ich gelernt, dass mein Verhalten typisch Co war und das ganz ohne, dass er mich dahingezogen hat.

    Denn da widerspreche ich bonny ganz entschieden. Der Abhängige kann uns nicht in die Co-Abhängigkeit ziehen. Seine Verhaltensweisen, seine Manipulationen, entspringen einfach der Tatsache, dass er nichts ändern möchte. Er möchte sein Umfeld so gestalten, dass er ungestört weitertrinken kann. Die Disposition zur Co-Abhängigkeit ist in uns schon vorher da und wird auch nach ihm da sein. Denn in uns selbst ist der Hang dafür da, uns aufzugeben und ganz und gar auf den anderen einzulassen. Wir fühlen uns ihm so nah und verbunden und haben das Empfinden, dass wir eins mit ihm sind, weil wir irgendwann unsere eigenen Grenzen verloren haben. Uns geht es gut, wenn er gut drauf ist und wir hängen durch, wenn er trinkt, depressiv ist und sich einfach so benimmt, wie es seiner Krankheit entspricht. Mit Liebe hat das in der Regel wenig zu tun. In der Beziehung zu einem Abhängigen haben wir so viel mit ihm zu tun und über ihn nachzudenken und für ihn zu agieren, dass wir nicht über uns selbst nachdenken müssen. Spätestens dann, wenn der Abhängige selbst wirklich an seiner Trockenheit arbeitet, wird uns das bewusst, denn dann sucht er den Abstand, den wir meiden. Wir brauchen die Nähe, die Symbiose, weil in uns selbst keine Selbstvertrauen ist, keine Substanz. Wir brauchen ihn, um uns lebendig zu fühlen, nützlich und liebenswert. Helfen und für Andere da zu sein, ist einfach ein Teil unseres Lebens, damit wir uns etwas wert fühlen. Sicherlich macht dies niemand von uns bewusst, aber die Verbindung zu einem Alki gibt uns das, was wir selbst in uns nicht finden. Bestätigung unseres „etwas wert sein“. Wenn wir ihn aus den Armen der Sucht retten können, fühlen wir uns gut. Nur liegt es nicht in unserer Hand, ihn zu retten. Nur an uns selbst können wir etwas tun. Und wenn dein Freund nun den Abstand sucht, aus welchen Gründen auch immer, dann nutze die Zeit, dich mit dir selbst auseinander zu setzen. Frage dich, was deine eigenen Wünsche und Ziele sind und beschäftige dich damit, warum du so auf ihn reagierst. Als Denkanstoß sei dies gedacht, weil es mir geholfen hat und mich vorwärts gebracht hat.

    Für mich war die Alkoholkrankheit meines Ex im nachhinein ein Glücksfall, denn durch sie habe ich angefangen, mein eigenes Leben auf den Prüfstand zu stellen. Ich habe mich weiterentwickelt und inzwischen eine große Zufriedenheit gefunden darin, mein Leben alleine und nur für mich zu gestalten. Dadurch, denke ich, werde ich vielleicht irgendwann wieder eine Beziehung eingehen können und zwar eine, in der ich mich nicht aufgeben werde und nur durch den Anderen lebe.

    LG
    Ette