butterweich und steinhart zugleich

  • Hi Ihr Lieben,

    es stand da was von Gummiband, abflitschen, zurückkommen, ich weiß heute nicht mehr so richtig wer eigentlich immer geflitscht wird, die Co´s, die andere Partei, die Männer, die Frauen oder wir uns selbst. Gelegentlich packt mich dann ein Windchen und rüttelt mich abgeflitscht durch. Passiert, kann man nichts dran machen, aufstehen und weiter.

    Als ich hier hin kam, da war mein Verständnis für mich und meine Situation, für das was da so alles passierte ungefähr so ….. groß und es drehte sich alles um meine Frau. Ich habe zwar dazu gelernt, ungefähr so…………………………………viel und ich weiß auch, wenn ich sage: meine Frau ist doof, ich mich dann eigentlich selbst meine, meinen Unverstand, aber wenn so ein Stürmchen durchs Hirn zieht, dann schrumpft mein Verständnis auf Stecknadelkopfgröße.

    Es gibt so viele Parameter in uns, im Partner, in Beziehungen und die ändern sich permanent, immer wieder und ich kann sie annehmen oder ablehnen. Jetzt habe ich mit so vielem Frieden geschlossen, meine Kriege eingestellt, kapituliert, aber es fliegen immer neue Parameter durch die Luft. Parametergleiter, das wäre mal was Neues, unbeschadet von Stecknadelkopf zu Stecknadelkopf gleiten.

    Dumm, wenn ich mal auf der falschen Stecknadelseite landen würde, da hat es sich dann ausgegleitet, da könnten sogar die Geländeskater noch was lernen.

    Wenn der Schrumpfkopf zu groß wird, dann kann ich immer noch den Notfallschirm ziehen und mich mit meinen Gedanken abgeben, im größere Hände fallen lassen. Muß man manchmal, sonst geht vielleicht was am Ar…. und nicht vorbei. Wie auch immer, das bleibt alles und für immer eine ziemlich flutschige Sache.

    LG kaltblut.

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Ihr Lieben,

    ich habe den Überblick verloren, wie Co ich bin, aber ich denke einiges zu tun, was mich gesund hält. Ich mache das ich für mich und für meine Ehe, damit auch wieder was für sie. Ist das gut, ist es falsch, ist das Co, weiß nicht, ich möchte mit meiner Frau leben. Wir führen eine Gelegenheitsehe, alle 14 Tage komme ich nach Hause, Fahrtkosten, 2 Wohnungen, das ist teuer und kostet Zeit. Dabei entfremden wir uns und haben gelegentlich kalte Begrüßungsküsse. Sie denkt dann muffig, der Kerl bring den Rhythmus durcheinander und ich denke dann grantig, was mache ich eigentlich hier.

    Ich habe ein großes Verlangen nach Nähe zu meiner Frau, nach Nähe im Sinne von da ist jemand, der mich versteht, den ich spüren und fühlen kann. Klar habe ich auch noch Paarungsgedanken im Kopf, aber die sind irgendwo, vielleicht vom Geläut in die Verse gerutscht oder hinterm Ohr, muß ich mal suchen gehen. Wenn die Bikersaison beginnt, brauche ich vielleicht einen neuen Helm, das wird eng. Ich habe neulich gesehen, es ist auch Paarungsverhalten, sich anzumachen bis man lichterloh brennt, feurig wird, um dann mit dem Wassereimer abzulöschen. Zumindest habe ich noch Phantasien, BKK, Brandmeister Kalli Kaltblut mit den dicken Ohren.

    Sie fühlt Dinge, die nicht OK sind, ich fühle Dinge, die nicht OK sind. Mit meinem Kleinhirndenken bleibt da nur eine Erkenntnis: da stimmt was nicht, ich mache mich zum Affen, wozu das alles. In ihrem Großhirn heißt es da: finde ich nochmals Vertrauen, Sicherheit, kann ich auf meinen Mann bauen? Die Gehirne zu ordnen, es ist nicht einfach, zumal wir beide dummes Zeugs denken und reden, grundlos die Nackenhaare hochgehen oder nicht geredet wird. Wir harmonieren, wir verbalieren, egal, das ist wir Schalten ohne Kupplung. Das geht, bei der Streichelguzzi ist mir im schwarzen Wald die Kupplung verreckt, bin ich ohne gefahren, mit Zwischengas. Ist aber doof, dann war se hin. Neulich habe ich gesagt: ich brauche dich nicht, ich kann auch auf eigenen Beinen stehen ohne dich, zieh aus, such dir einen Job oder ich ziehe aus, nehme mir eine eigene Wohnung in Berlin, ja das gibt Vertrauen. Unserer Gefühle stimmen nicht, hätte ich ihre, suppi, hätte sie meine obersuppi, irgendwas ist in unserer Suppe.

    Bei einer Gelegenheitsehe, kann was auf der Strecke bleiben, ich wünsche mir sehr, daß wir das wieder hinbekommen. Wir haben eine ganz schön dicke Haut bekommen. Da vergißt man dieses „sowohl als auch“ und denkt gleich mal wieder in einem männlichen „entweder oder“. Ich denke eh zu viel dummes Zeugs.

    Ich habe Regeln und Anker, mir ein Denkmuster angeeignet, das mir zu überleben hilft. Wenn es soweit ist, muß ich aufstehen, sonst komme ich zum Stillstand. Vielleicht wird ja auch vieles zu meinem Alibi der Unfähigkeit, es muß also wieder was in mir passieren, Mut zur Veränderung, um gelassen abzuwarten grrrrrr, ich hasse das. Ich brauche dann ein bißchen Spedismus, das ist ein Valentin mitten zwischen die Hörner oder die Ohren, aber dann ist der Helm versaut.

    Da heißt es: „Du kannst nur glücklich und zufrieden leben, wenn Du Dich von Deiner Frau trennst.“ Habe ich damals gemacht und tausend Dinge an mir festgestellt, was sich da alles änderte, Wahnsinn, geile Zeit.

    Bei meiner Frau passierte damals auch was, sie wurde trocken, ein wahnsinniger Traum. Damit stand für mich fest: alles ist möglich, warum also nicht und da sie ihren Weg ebenfalls mit mir gehen wollte, versuchten wir es neu. Erstmal getrennt aber mit der klaren Ansage: asap löse ich hier alles auf und dann gehen wir gemeinsam weiter. Ich habe mich verändert, mich losgelöst, gestärkt. Aus Loslassen sollte jetzt langsam wieder Einlassen werden.

    Als ich gefragt wurde, warum ich das eigentlich alles mache und was mich mit meiner Frau wirklich verbindet, mußte ich nachdenklich eingestehen, daß ich ziemlich ratlos bin. Es kommen bei mir Gedanken an Versorger, an geduldet und an ertragen hoch. Einiges funktioniert nicht richtig und überhaupt, es wächst da was um meine Hüften, die Kombi geht nicht zu. Ich mag nicht wieder die „Rechtfertigungsposition“ einnehmen und ich spüre, ich ziehe mich zurück, aber ich will daß nicht. Meine Frau hat Gewaltiges geleistet, ich habe genauso Gewaltiges geleistet. Warum beginnen wir nicht endlich das Leben zu genießen, statt die Orientierung, den Mut, das Vertrauen, die Sicherheit zu verlieren?

    Wenn ich was mache, bin ich Co.
    Wenn ich nichts mache, bin ich nicht Co., muß aber trotzdem für vieles gerade stehen.
    Wenn ich mache und hinterher trotzdem für alles gerade stehen muß, dann bin der Dumme.
    Wenn ich mich ärgere, wütend bin, neueste Erkenntnis: bin ich Co. , also im Rückfall

    Sie kann meine Bedürfnisse nicht erfüllen, so lange es in meinem Kopf nicht stimmt.
    Nach neuester Erkenntnis hilft zur Stabilisierung nur die Trennung. Klasse. Vielleicht jedes Jahr neu, Oberklasse oder jeden Monat, Sonderklasse, auf zum Co-Speziallehrgang.

    Da aber doch alles nur in meinem Kopf ab geht, warum kann man das nicht einfach reparieren? Kaputt, neu, einfach, neue Kupplung, neue Frau.

    Ich kenne Menschen, mit denen komme ich blendend aus, wir können reden, wir verstehen uns einfach, das ist toll, fühlt sich gut an. Mit meiner Frau war das auch mal so und das ging noch weit über dieses Verstehen hinaus, da haben wir geheiratet. Wird das je wieder so sein? Je mehr ich jetzt darüber nachdenke kommen neue Fragen.

    War für diese Beziehung das bedingungslose Einlassen entscheidend, wo ist es hin?
    War es, weil wir so viele Gemeinsamkeiten fanden, die wir jetzt nicht mehr sehen, warum? oder
    Hatten wir nie Gemeinsamkeiten und gerade deshalb, weil der andere das hatte was dem anderen fehlte, was er begehrt? Ist das jetzt fort?

    Was macht mich beziehungsfähig bzw. unfähig? Ich stelle mir die Frage, was mich bindet? Wenn ich jedes Muttermal, jedes Erlebnis, jedes Gefühl, jeden Gedanken aufschreiben würde, wäre es ein ganz kleiner Bruchteil von den erfaßbaren Gedanken, den Gefühlen dahinter, also ist da ein bedingungsloses „ich will“, ohne viele Gedanken. Ich will meine Frau, die „gerade“ nicht anders kann als neu zu leben, ihr Lebensgeschenk auspackt und anstatt hinter ihr zu stehen, will ich. Punkt.

    Was sie will ist Sicherheit, Vertrauen, Respekt, Liebe, Glück, Geborgenheit, Zufriedenheit, ohne Ängste leben, wie ich auch. Paßt das da noch? Klar, man muß immer beide Seiten betrachten, als normaler Mensch, das bin ich aber nicht, ich bin co-abhängig und meine Frau muß mir sch… egal sein und ihr genauso.

    Loslassen – alles was mir nicht gut tut. Meine Frau tut mir oft nicht gut, ich lasse alles los, ihre Krankheit, ich kann nicht helfen. Viel häufiger ist sie in meinen Gedanken und tut mir einfach nur gut. Sie kann der beste Mensch auf Erden sein, unmöglich sein oder mich schwer belasten. Ich habe gelernt radikal s/w zu denken und zu handeln. „Den letzten Weg gehen wir zusammen“ habe ich mal gesagt. Das stimmt längst nicht mehr. Hätte sie einen Rückfall, ich müßte damit umgehen lernen, es wäre nicht einfach aber möglich. Würde sie saufen, müßten wir uns trennen, weil sie mein Leben gefährden würde, also weg.

    Zur Normalität gehört Radikalität wieder abzulegen. Ich kann mich nicht fortsperren, ich muß auch nicht fortlaufen, aber aktiv am Leben teilhaben. Der Alk ist nicht das Problem. Suchtmittel sind nicht das Problem. Der Partner ist nicht das Problem. Ich bin mein Problem, in mir ist etwas sich veränderndes Unfaßbares, das auf vieles reagiert. Das was mich stört, kann ich unendlich hoch puschen oder verschwinden lassen, sein lassen als wäre es nie gewesen. Was mir fehlt: mein Gleichgewicht durch die Einhaltung meiner Grundregeln.

    Was heißt das jetzt für mich? Ich muß nicht mit meiner Frau zusammen leben, ich kann, ich muß nicht mit ihr klar kommen, ich kann, nur mit mir da steht ein MUSS. Da muß was passieren. Zeitlos zufrieden sein mit etwas was nicht ist. Da schüttelt es mich und die Ohren baumeln sinnlos rum.

    Wenn meine Frau mir nicht gut tut, dann muß ich tatsächlich gehen, weil das dann nicht paßt. Ist das nur vorübergehend in meinem Kopf, ist es richtbar? Ich habe meine Entscheidung getroffen, bei ihr zweifele ich noch. So kann ich nicht zeitlos zufrieden sein. Da wir aber nie wissen was in uns passiert, passiert wieder was.

    Ihre Unsicherheit, Abneigung, fehlende Nähe, Vertrauensverluste, Ängste, Motzereien, übertragen sich auf mich – nur, von mir hat sich schon lange etwas auf sie übertragen. Huhn oder Ei? Für was ist das wichtig, es muß was passieren mit dem was uns durch den Kopf wandert, was nicht wirklich ist.

    Wir haben Samstag lange intensiv telefoniert, es ist erstaunlich, was Menschen, die einst eins waren, für Unverstand entwickeln. Wir sind unterschiedlich, anders, Mann und Frau, das werden wir immer bleiben, aber ob wir „in guten wie in schlechten Zeiten“ zufrieden sind, mit etwas was nicht ist, hängt davon ab, welche Bedeutung es für uns bekommt, dieses Nichts, diese unerfüllten Gedanken. Vielleicht ist das bei Euch so, diese Gedanken über den Gedanken, es macht auch kribbellig, das kommt aber nicht vom Frühling, sondern von der Hilflosigkeit keine Antworten zu finden. Das einfach abschalten zu können oder zum Kühlschrank gehen und das Hirn mit den dicken Ohren gegen ein anderes zu tauschen, das wäre schon was Schönes.

    Da passiert aber tatsächlich etwas Gewaltiges bei uns, ich empfinde das als spannend:

    Ich habe gelernt, abzugeben, gelassener, konzentrierter zu sein, weniger zu machen, anzunehmen (jaaaah- und mich selbst zu verwirren).
    Sie steht gerade vor der Frage auszubrechen, die Warteschleife des Lebens zu verlassen (überhaupt, so was gemeinsam zu erleben, das Größte).

    Das mag sich ja jetzt blöde anhören, ich habe aber kein anderes Wort für dieses Gefühl, ich liebe meine Frau immer noch so wie an dem Tag, als ich hier auflief. Über 80 möchte ich werden, da haben wir ja noch was Zeit das rauszubekommen.

    Heute gönne ich mir ne Pizza, die esse ich ganz alleine, habe ich hier gelernt. Danke.

    LG Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Lieber Markus,

    wenn wir im Prinzip alle gleich sind, sind wir dann nicht alle

    "unbeugsame Gebeugte"

    Ansonsten geht es mir gut, Gefühle kommen und gehen, ich bin heute zum TÜV gefahren, mein 126Nm Riemenantrieb wurde eingetragen, ich hatte keinen Nierengurt an, es zwickt was, ich habe ne Pizza drin und Frauen bleiben Frauen, ich finde sie einfach klasse, sie gehören einfach mit auf unser Karussell.

    LG Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Guten Morgen Herr Brandmeister,

    dein langes Posting von gestern – es hat mir wieder ganz deutlich die Zeit in Erinnerung gebracht, zu der ich mir hier anmeldete. Zu dem Zeitpunkt habe ich bereits seit einem Jahr nicht mehr mit meinem Ex gelebt, aber die Liebe war immer noch. Sie ist es heute noch, denn wie auch du tausende kleiner Dinge findest, warum du bei ihr bleiben möchtest, finde ich sie auch. Es gab aber immer auch Dinge die mir fehlten, auf die ich beständig gewartet habe. Ich denke, ich war in einer ganz ähnlichen Situation wie du heute. Dieses Warten, dass sich etwas verändert, dass er sich so verhält, wie ich es mir wünsche, war im Endeffekt nicht anders als zu der Zeit als er trank. Erst habe ich darauf gewartet, dass er aufhört zu trinken, dann habe ich darauf gewartet, dass er mit mir Beziehung so leben möchte, wie ich sie mir vorstelle. Nur – meine Vorstellung deckt sich nicht mit seiner. Irgendwann habe ich dann aufgehört zu warten, mit Rückfällen, wie du in meinem Thread nachlesen kannst. Manchmal waren die Rückfälle in meine abgrundtiefe Traurigkeit so schlimm, dass ich Mitleid erregte und mich jemand durch Weltgeschichte kutschieren wollte, damit es mir den Kopf frei bläst. Genau wie du glaubte ich ungebeugt daran, dass irgendwann alles gut wird. Stellte meine Vorstellung von Leben und Beziehung zurück, weil ich – wieder einmal – hoffte, dass irgendwann alles gut wird, er sich so verändert, wie ich es mir wünsche. Rückfall – denn ich alleine kann mich ändern, um zufrieden zu sein. Und für mich gehörte es dazu, zu akzeptieren, dass wir beziehungstechnisch nicht zusammen passen. Ich, die ich Nähe und Wärme in einer Beziehung suche und er, der ein absoluter Näheflüchter ist, das kann nun mal nicht gut gehen.

    Also habe ich irgendwann schweren Herzens akzeptiert, dass es nicht gehen kann, auch wenn ich es mir noch so sehr wünsche. Meine Bedürfnisse sehen ganz anders aus als seine, deshalb muss ich sie aber nicht wegpacken, nur um mit ihm klarzukommen. Sie sind rechtens und gesund. Nähe und Wärme sind Bedürfnisse, die letztendlich nicht unangemessen sind, aber mit ihm eben nicht zu leben. Trotzdem haben wir zig Dinge, in denen wir uns gut verstehen. Wir habe wahrscheinlich die beste Freundschaft, die man sich nur wünschen kann. Er leiht mir sein Ohr, sein handwerkliches Geschick und seine Ruhe, wenn ich sie brauche. Aber er kann sich nicht auf meine Nähe einlassen. Vielleicht weil sie ihm Angst macht, vielleicht weil er sein Leben lang zuviel davon hatte, vielleicht, vielleicht, vielleicht..... Mir blieb nichts, als mich irgendwann dieser Tatsache zu beugen. Ich kann es nicht bewegen, dass es so wird, wie ich es mir vorstelle. Ich musste akzeptieren, dass er nicht der Mensch ist, mit dem ich meine Vorstellung von Beziehung leben und meine Bedürfnisse ausleben kann. Er war für mich der Mensch, mit dem ich alt werden wollte. Ich denke, das werden wir auch – uns nicht aus den Augen verlieren im Laufe der Jahre, jedoch nicht als Paar. Es war für mich alles andere als leicht, das zu akzeptieren, glaube mir. Aber es war für mich der einzige Weg, aus einer Art ständigen Warte-Schleife in ein eigenes Leben zu gehen. Im nachhinein sehe ich diese Zeit nämlich fast so wie seine Trinkzeit. Er ist nicht und agiert nicht so, wie ich es möchte und ich dachte, wenn ich nur lange genug geduldig genug bin, wird er irgendwann merken, dass ich die Liebe seines Lebens bin und sich auf meine Art Beziehung einlassen. Co, denke ich jetzt. Er kann nur so sein, wie er ist und selbst sein möchte. Nicht wie ich es gerne hätte und für mich war es dann an der Zeit, den Absprung zu schaffen. Ich habe die Hoffnung auf eine Paarbeziehung mit ihm aufgegeben. Seither bin ich ruhiger, kann mich besser auf mein eigenes Leben konzentrieren.

    Es mag für dich ganz anders sein. Nichtsdestotrotz kann ich gut nachfühlen, was zur Zeit in deinem Kopf und deinem Herzen passiert. Uns anzustrengen um geliebt zu werden, haben wir schließlich unser Leben lang gelernt. Deshalb nehmen wir uns zurück, strengen uns an, „ihnen“ die Partner zu sein, mit denen „sie“ klarkommen in der Hoffnung, dass „sie“ irgendwann diese unsere Anstrengung anerkennen und uns so lieben, wie wir es gerne hätten.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Liebe Ette,

    ich habe gestern beim Pizzabäcker im „dabei“ Blättchen geblättert, da stand: 700 Sportfischer sind irgendwo in einem Russischen Eismeer vom Festeis getrennt worden und trieben hilflos im Meer. Die Meisten haben nichts gemerkt, sprechen wir nicht mehr drüber warum, alle wurden gerettet, die Fischerausrüstungen, Eisbohrer, alles mußten sie zurücklassen.

    Frühjahr, alles muß raus, weg, aus dem Kopf. Dieses wenn und aber, dieses hin und her, ob ich was implantiere, implodiere, ignoriere, kapituliere, was da auch immer in meinem Kopf abgeht, oder mir, manchmal brauche ich, für mich, meinen persönlichen Betonpfeiler zurück. Wenn ich da paarmal gegengeknallt bin, dann stehe ich wieder ganz gerade. Habe ich gemacht, abgegeben, soll sich mein Big Boss plagen.

    Wenn ich beim Biken in solche Gedanken verfallen würde, dann stimmt es, Co kann schnell auf den Acker führen, kann ich mir nicht leisten, weg damit, mit dem ganzen Sumpf. Wie ich das gerne hätte, ganz einfach die Natur etwas verändern, aber da müßte ich jetzt wieder in den Sumpf. Als Krötenmännchen auf Wanderschaft gehen und die ganzen Kröten fallen über die Männchen her, da hätten wir eine ganz neue Situation und könnten von morgens bis abends – meckern, über die Kröten.

    LG Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Zitat von kaltblut

    Als Krötenmännchen auf Wanderschaft gehen und die ganzen Kröten fallen über die Männchen her, da hätten wir eine ganz neue Situation und könnten von morgens bis abends – meckern, über die Kröten.

    LG Kaltblut

    Guten Morgen Kröterich,

    ists nicht genau das, wovon "Männchen" so oft träumen? Dass "Weibchen" über sie herfallen? Aber du hast schon recht - dann wäre das Gemecker ob der Überforderung vorprogrammiert. Ein gesundes Mittelmaß ist es, denke ich, was uns zufrieden macht. Nicht "ohne" und auch nicht mit zuviel.... und plötzlich ist Mittelmaß erstrebenswert, obwohl wir in unserem Leben oftmals den Thrill des Extremen suchen. Ich glaube, wenn Mittelmaß für uns erstrebenswert gworden ist, sind wir auf einem guten Weg.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Zitat von Ette

    ….scheint es, müssen wir uns immer wieder anstrengen und bekommen doch nicht das, was wir uns wünschen.

    Liebe Ette,

    Naturerlebnisse finde ich nicht ungut, aber da gab es noch Spinnen, die packen die Kerle und weg, gefressen, was die so schnell davon haben, da bekommt der Begriff „Todesstoß“ wieder eine ganz neue Bedeutung. Kerle gehortet, eingesponnen in Reserve für schlechte Zeiten, hat auch was oder diese prächtig gewachsenen Blümchen, kommt eine Ziege und weg, alles Natur, kompliziert, aber passt scho.

    Gestern habe ich nach Herzenslust scharfe Zwiebeln gebraten, heute ist ganz schön windig. Das ist nicht einfach, da ruhig zu bleiben, da muß ich gegen den Wind angehen. Auch die Natur haut oft ganz schön auf die Kacke, davon leben dann wieder Dachdecker, alles hat seinen Sinn. Maßvoll durch die Mitte, passt scho.

    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Da frag ich mich doch die ganze Zeit, in welchen Nest sich der Kaltblütige versteckt hat. Kalt genug wird es für ihn ja sein. Allerdings - kein Motorradwetter.

    Auf jeden Fall wünsche ich dir, lieber Karl, fröhliche Ostern - mit allem, was dazu gehört.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo Ihr Lieben und frohe Ostern,

    heute war ich wieder laufen, Gehlaufen, Tag 5, im leichten Schneeregen, schön kalt. Es gibt Langsamere als mich, mit weniger Puste und einige vom Winde verwehte Windhunde im Designeroutfit, da werde ich schon was neidisch, denn ich laufe im Bronxbrückenstil, ältere Leute gehen manchmal zur Seite und Hunde klemmen den Schwanz ein, zumindest die kleinen frechen. Meine Frau regt sich was auf, weil ich nicht im Park laufe, nicht mit dem Auto zum Schloss fahre, ins Grüne, sondern mitten durch die Stadt auf dem Beton laufe, ich fahre doch nicht zum Laufen, habe ich was am Kopf? Ups.

    Die große Stadt und ich, wir werden uns immer intimer. Heute habe ich einen antiken Hundesalon gefunden, hier gibt es Dinge, ich muss oft anhalten und staunen, das ist gut für meine Puste. Manchmal werde ich frech und gehe einfach in ein Haus, in einen Hof und dann sehe ich mir die prunkvollen Eingänge und die urigen Innenhöfe an. Vorderhaus, Hinterhaus, Seitenflügel, Gartenhaus, bei uns ist sogar noch ein Querhaus, Immis müssen das so benannt haben. Geile Ecke. Einige Häuser haben Markierungen der Zeitgeschichte, berühmte Menschen haben dort gelebt. Einige Häuser haben sogar in die Straße eingelassene Messingquader, mit den Namen ehemaliger Bewohner, viele Namen, aus einer vergangenen Zeit, wie Henriette .. Freitod vor der Deportation, über diese Steine des Grauens könnte ich immer fallen, wenn ich sie entdecke, dann stoppe ich, gefriert es mich, dann sehe ich sie mir genau an und bin dankbar in einer anderen Welt zu leben, wo ich mich galgenfrei bewegen, denken und schreiben darf, denn das ist noch lange nicht normal, ups.

    Dann entdecke ich wie unbedeutend meine Steine sind, die auf meinem Weg liegen. Für mich sind sie oft groß und unbeweglich, rumpeln in mir herum, in meinem Kopf, hängen mit rasselnden Eisenketten an meinen Gliedern, weil ich zulasse dass sie so gewaltig werden. In dem Maße wie ich sie links liegen lasse, sind sie unbedeutend klein und ich kann gelassen über sie hinweg springen, sie wie Kieselsteine ins Aus schießen, denn sie sind ohne Messingbeschlag.

    Alles Liebe Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Guten Morgen Kaltblütiger,

    schön, dass du dich wohlfühlst. Ich werde es dir jetzt mal gleichtun und mich auf die Laufschuhe machen. Das Wetter ist auch zu schön! Ich hoffe, dass dir in der großen Stadt auch die Sonne scheint. Und wenn nicht, dass du sie dir im Herzen bewahrst.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo Ihr Lieben,

    Ostern, das Fest der Auferstehung, der Gaumenfreuden und Filme. Madagaskar, Alex der Löwe, das Kuscheltier auf einem Fels, das sich verändert und explodiert, fletschend nur Steaks sieht. Meine Frau und ich, wie können uns an solchen Tagen auf wundersame Weise verwandeln, jeder kann im anderen saftige Kobe-Steakstücke sehen, sie werden größer und größer bis die Krallen ausfahren und es von den Reißzähnen tropft. Sie sieht nur irgendwas und ich sehe nur das genaue Gegenteil von irgendwas, wir sehen uns als Steaks und sind hungrig.

    Ich bin ein Löwe und kann mich gewaltig aufbauen und mein Gebrüll kann durch die Stadt hallen. Meine Frau ist aber auch gut, es halt dann in meinem Kopf bis zum Wahnsinn. Es ist müßig über die Folgen und Konsequenzen und Verbalattaken und Reißzahnfletscher nachzudenken, purer Vandalismus an unseren guten Gedanken.

    Wenn ich drin bin, in der aufkeimenden Gedankenwelt eines Co-Rückfalls, wenn meine anerzogenen Minderwertigkeiten ausschlagen, kann ich nicht einfach fortlaufen, umkehren, aufhören, abschalten, Hebel umlegen, es ist ein erdrückender Prozess, weit entfernt von allen Schaltern. Wenn es mich zerreißt bin ich noch nicht frei, dann bin ich weiter gefangen in mir, in meinen Gefühlen, immer wieder, Material, Orts- und Person ungebunden. Nicht der Tiefpunkt macht mich frei, das Loslassen, das liebevolle Annehmen des Loslassens, denn der Tiefpunkt an sich wird schnell wieder zur Apportation blühender dummer Gedanken in den nächsten Absturz. Überhaupt, was für ein Tiefpunkt? Nach jedem Tiefpunkt stehe ich erholt und kräftig auf. Es bleibt ein weiter, nicht endender Weg, kein Tiefpunkt, viele Tiefpunkte.

    Es liegt in meiner Hand, bewusst dagegen zu steuern, anzunehmen, das Unvermeintliche, anzunehmen und los zu lassen. Eigentlich ganz einfach, dann ist alles wieder gut. Wenn es nur so einfach wäre, dann wäre es wieder gut.

    Frauen und Männer sind schwierig, Beziehungen sind schwierig, Höhe- und Tiefpunkt gesteuerte Beziehungen sind krank, stimmt ja, wir sind krank und manchmal meine ich, meine Frau wäre trocken noch kranker oder bin ich es? Irgendwie ist das wieder ein überflüssiges geistreiches zerkleinern der Gedanken oder ein geistloses Zusammenfügen.

    Manchmal wünsche ich mir die Hebelstellung nimmt mir die Gedanken, aber für was wäre ich dann noch da, wenn es so einfach wäre?

    LG Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Guten Morgen Kaltblütiger,

    schön, dass du wieder da bist.

    Hier zeigt sich grad ein wunderschöner Sonnenaufgangshimmel mit frostig überhauchten Zweigen, die sich im dunklen Wasser spiegeln. Ein Bild, das ich mir mit meinem Kopf fotografiere, denn alles andere würde nur zu einer halb so schönen Widergabe führen. Diese wunderschöne Welt, auf der wir leben, von der wir ein Teil sind, macht mir an solchen Morgen Mut und gibt mir Kraft.

    Du schreibst vom Annehmen des vermeintlich Unvermeidlichen. Karl, wir selbst sind das Unvermeidliche, das wir annehmen müssen. Denn wir sind auch das Steak, wenn der andere Vegetarier ist und auf uns überhaupt keinen Appetit hat. Wir sind etwas wert, auch wenn andere versuchen, uns abzuwerten, weil sie es für sich brauchen, sich über uns zu stellen, damit sie ihre eigenen Defizite aushalten können. Und an uns selber liegt es, diese Rolle anzunehmen oder abzulehnen. Es hat in erster Linie damit zu tun, was du dir selber wert bist. Denn wenn du selbst dir nicht genug wert bist und dich Situationen aussetzt, die dir nicht behagen, wie soll dann der Andere Respekt vor dir haben?

    Deine Frau ist, wie sie ist. Vielleicht hat sie früher ihr „so sein“ nur zu zeigen wagen, wenn der Alk ihr die Maske heruntergerissen hat und sie hat sich lediglich mit bestimmten Verhaltensweisen ihre Lizenz zum Weitertrinken und zum Versorgt werden erhalten. Sie IST ganz einfach und vielleicht ist sie ganz einfach nicht so, wie du sie gerne sehen möchtest. Wenn du es jetzt bemerkst und für dich feststellst, dass dich Dinge stören, weil du dich nicht respektiert fühlst, dann hast du dich doch ein ganzes Stück weiterentwickelt. Du bist nicht mehr blind vor Liebe, sondern siehst deine Rolle in diesem Spiel. Es ist deine Entscheidung, ob du sie einnehmen und weiterspielen willst oder nicht.

    Ich wünsche dir einen sonnigen Tag. Lauf dir den Kopf frei, überlasse die schweren Gedanken der frischen, kalten Märzenluft. Der Frühling steht für Neuanfang. Fang einfach mit dem Denken noch mal von vorne an, leg nicht die Hebel um, sondern sieh genau hin, was DU willst.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo Ette,

    verstehe ich nicht, ich im Theater, ich bin doch das Theater. Vielleicht verdenke ich mich ja zu viel, aber im Prinzip sehe ich schon meine Funktion als Kasperl, zum Schluß ist das der, der dem gefräßigen Krokodil eins mit der Klatsche auf die Mütze gibt, das ist jetzt dumm, weil das wäre ich dann auch, Doppelklatschmarsch.

    Ich habe mir in einem Osteranfall 6 Schokoeier reingeknallt, in meiner Theaterwelt, weg waren sie. Ich hatte den Drang alles hinzuwerfen und alle möglichen Suchtostereier knallten mir mit Speichelfluß durch die Birne, ein geistiges Kleinod. Hoffnungslos, nein, der Unterschied ist die Besinnungslosigkeit, ich besinne schneller, bin nicht mehr hilflos, finde immer schneller meine Selbsthilfe, im mir, in meinem Theater, mein leichtes Selbsthilfekopftheater, es spielt jenseits alter Muster.

    1. Akt: Trockenheit im Kopf
    2. Akt: trocken im Kopf leben
    3. Akt: trocken im Kopf weiter leben

    Alles andere wird sich finden und ich vergesse oft, daß „alles andere“ nur Komparsen sind, wenn das Theater im Kopf nicht mehr richtig spielt, egal auf welcher Seite wir stehen. Ich muß da mal den Regisseur fragen, ich habe oft den Eindruck, daß ich die bewußten Veränderungen bei mir weniger wahrnehme als bei meiner Frau.

    Gefüllte Theaterüberraschungseier, das wäre doch mal eine echte Alternative zu Glückskeksen.

    LG und freudige Sonne Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Kaltblütiger,

    Theater ist gut. Ist Theater nicht die reale Fiktion? Oder eher die fiktive Realität? Passt ganz gut zum Thema Sucht, Sucht in jeder Beziehung...wirklich in JEDER? Oder doch nur ein meiner?

    Wenn ich das mal herausgefunden habe, stehe ich bei Dir um ein paar Glückskekse oder sonstwas an...

    LG
    Spedi

    P.S.: Die Aalsaison 2008 ist eröffnet! 97 cm, 1.320 Gramm. Wird nicht geräuchert, sondern landet nachher in der Pfanne. Ohne Haut, dafür mit viel Ingwer und Kräutern.

  • @Spedi, „Ist Theater nicht die reale Fiktion? Oder eher die fiktive Realität?“
    Für mich ist das sowohl als auch. Vor zwei Jahren wußte ich nichts von Sucht in jeglicher Beziehung und heute weiß ich, daß ich und meine ganze Beziehung verseucht waren.

    Nun, die Wortwahl verwirrt mich gerade was, theatralisch betrachtet, habe ich damit seit langem nichts mehr am Hut. Ganz schön kompliziert, da mußt Du mal Ette fragen, sie weiß so komplizierte Sachen und Kompliment zum Aal.

    Ein verdammt gut schmeckender fetter Apparat, dieser Aal. Übrigens, meine Frau nimmt was gegen zu hohen Fettanbau, die Dinger heißen Cholesterinsenker oder so. Steigen die Werte, steigt die Dosis, komisches Zusammenspiel, weil irgendwann kommt da eine Fettleber raus, steht sogar so in der Anleitung, hat aber noch kein Arzt was von gesagt, sie experimentieren, irgendwie, bis sie zappelt. Ganz toll fand ich den anderen Arzt, hat ihr was gegen den Husten verschrieben, ein Aerosol, da gibt es auch eine Anleitung zu, in der steht, das man es auf keinen Fall verwenden darf, wenn Herzrisiken bestehen. Ostermontag von 2 Jahren, da zappelte sie. Das sind zwar traurige Gedanken, aber wer weiß wie es sonst heute wäre.

    LG Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Ihr Lieben,

    ich habe mal anfangs so was geschrieben: „Entfremdungen, Beziehungsprobleme, die sind schwer ohne und überhaupt nicht mit Alkohol lösbar. Ehen gehen auch ohne Alkoholprobleme hinüber.“ Manchmal verstehe ich immer noch nicht, was in bald 2 Jahren mit mir passiert ist. Frau – Infarkt – Alkohol – Co – Trocken – Entzug – Trocken – was bleibt ist Unglaubliches, das alles was war nur aus mir kam, spritunabhängig.

    Es gibt da einen Bekannten, der war Entwickler für einen Nasen-Flügelhersteller, heute spielt er „nur“ noch Musik und zieht mit seiner Band durch die Landen. Als wir in einer Angelegenheit zusammen arbeiteten, ging mir der Typ fürchterlich auf den Keks, keiner hielt es mit dem aus, weil er so schnell dachte, jedesmal die Sätze halb verschluckte, daß ich nichts verstand und das noch in englisch, mit Akzent. Irgendwann verstand ich sein System, das war irre wie schnell der verarbeitete. In der Zeit wo ich mich abrackerte sein englisch zu verstehen und unausgesprochene Brocken einfügte, da hatte er schon die tollsten mathematischen Verbindungen geknüpft, aufgemalt und die weiße Kreide wieder mit dem nassen Schwamm abgewaschen, auf der Schiefertafel in seinem Hirn. Irgendwann habe ich sein DDD, daß ist Doppel D Denken, halbwegs verstanden, da habe ich ihn mit ganz anderen Augen gesehen.

    Da fällt mir meine Frau ein, manchmal hüpfe ich auch durch die Gegend und springe von Charlo über Friedl zum Kufü, etwas weiter links, um die Trümmer, zurück. Dann sehe ich manches auf dem Weg und jetzt erkläre das mal einem intelligenten, intellektuellen, klar strukturierten, analytisch denkenden Menschen, meiner geliebten Frau. Für mich ist ihr oberanalytisches Verhalten ihre Sache, nicht meins. Mit einer lidllischen Akribischkeit nimmt sie alles auseinander und kann erst verstehen tun und machen, wenn sie verstanden hat, Stück für Stück. Es gibt Dinge die brauche ich nicht zu verstehen, ich mache sie einfach, die sind instinktiv da, mein Gefühl sagt es mir, dabei läuft sie an. Klare Struktur OK, aber oberanalytisch, das ist zu viel.

    Das fängt dann schon so an, daß ich, als Kölner, meine Mundart Problemzonen habe, die Schs, die Ms und die Ns, so präzise zu setzen, das auswärtige Unverständige das 100% korrekt dudiert aufnehmen. Es geht einfach nicht, denn in der Zeit wo ich in der deutschen Sprache rum hampele habe ich vergessen wo ich war, vielleicht sogar wer ich bin und dann sitze ich irgendwo, nur nicht bei meiner Frau.

    Das Gespräch mit ihr könnte dann ungefähr so sein (dialektunabhängig): wer bitte ist Charlo, nah hier Türe raus, das ist Charlottenburg. Dann sage auch Charlottenburg und nicht Charlo, jaja. Die Friedl links. Die Friedrichstr., wo soll das sein, Mensch, es gibt hier hundert Friedrichstraßen, die Friedrichstr. ist in Mitte, das hier ist die Kaiser Friedrich Str., ach, für mich der Friedl. Was ist der Kufü? Nah der Kurfürstendamm, das heißt Kudamm und nicht Kufü. Wann lernst du das endlich verständlich auszusprechen. Weiß nicht, für mich ist der Kuhdarm da hinten links, also Wohnzimmer halbrechts und ich brauche keine 15 Minuten, wenn ich nicht stehen bleibe und gucke. Kuurrrfüüürstendaaamm. Wo bitte sind denn da noch Trümmer? Beim Kaiser, das ist aber dann der Wilhelm, der steht in Köln auch und nicht der Friedrich, die Gedächtniskirche, da sind se dann alle, auch die Streiker, die aber nur Sonntags und dann wieder zurück. Du machst mich echt wahnsinnig, kannst du nicht einmal so reden, daß normale Menschen dich verstehen?

    Das belastet mich und dann frage ich manchmal Passanten extra platt: Morjen, hür ens, wie kumm ich dann fun he zo de Friedrichstroß.? Pestalozzi ganz runter…., oder Leibnitz, dann links die Kant runter…, Kant ganz runter. Da hat mich noch niemand nach Mitte geschickt oder nicht verstanden. Einmal meinte jemand, mit dem Auto oder der U-Bahn, ich habe auf meine Schuhe gezeigt, hat er gelacht. Übrigens nur nette Menschen habe ich bisher getroffen, egal welcher Nation. Vielleicht waren die ja auch alle bei der Nasenflügelfirma, wer weiß das oder sind nur nicht so naseweis. Auf jedem Fall bin ich froh, daß es von mir kein Schild gibt, obwohl da könnte dann stehen: Karl Kaltblut Allee, geil, eingebettet im Baumpflaum und mit Dung belegt oder Karl Kaltblutdamm, wäre schwierig, Buchstabenverschlucker aus der Heimat kämen auf Kdarm, Wurststraße wäre da angebrachter, aber das zu erklären, eh wurscht.

    Das, was in mein Hirn reinkommt, ist nicht immer das was rauskommt, aber es zu erleben, ist das Schönste was ich erleben kann. Vielleicht lache ich eines Tages dankbar mit meiner Frau über das, was mit mir hier passierte und über uns, über die Jahre, die wir haben, so oder so, gleich denken, das werden wir nicht erleben, aber erleben, das werde ich noch viel.

    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hi Karl,
    wo ich deinen Text hier gerade so lese frag ich mich doch glatt: Was macht eigentlich dein Buch?? ;)

    LG, Ayki

  • ja Karl, so Wortgewand ...da wäre ein Buch doch was...könnte mir vorstellen das so was gut ankommt. machst Du eigentlich auch Poetryslams oder so???

    Grüße Mitleserin Karotte

    Das Leben ist Widerspruch: Das eine ist und das andere auch.

  • Lieber Karl,

    wenn du schreibst, dass dich die Passanten immer verstanden haben, liegt es vielleicht daran, dass sie dich verstehen wollten...

    Mit Sicherheit haben wir alle unsere eigene Realität. Fiktiv ist sie dann nur für die anderen, denn für uns ist sehr real, selbst wenn sie illusorisch ist. Die Illusionen erhalten wir uns schließlich ganz schön lange. Sie helfen uns, dass wir nicht an dem zerbrechen, was um uns herum ist. Manchmal halten sie uns aber auch so fest, dass wir uns nicht zu verändern wagen oder eine Veränderung einfach nicht in Betracht ziehen mögen und unsere Kreise ziehen - wieder und wieder..... Kein anderer Mensch kann dir deine Illusionen nehmen, wenn du nicht selbst bereit bist, sie loszulassen. Aber manchmal ist uns eine Illusion lieber, weil sie uns den Alltag und uns und unser Leben mit einer Art Weichzeichner erträglich macht. Dazwischen blitzt manchmal die Erkenntnis durch, aber gerne heißen wir sie schweigen... Die Erkenntnis zuzulassen würde unter Umständen heißen, dass wir etwas verändern müssten. Und davor haben wir einfach Angst.... egal wie stark wir sind, wenn es darum geht, für andere zu sorgen.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hi Ihr Lieben,

    ich brauche mal was Ruhe, aber Poetryslams, was ist das denn? Karotte, da kommen mir tolle Knabbergedanken, mußte ich gleich mal googlen, kannte ich noch nicht. Wieder was gelernt.

    Sieh mal Ayki, da war zuerst meine Frau, dann der Alk, dann ich, dann der Co, dann der Alk, dann der Co und jetzt stehe ich noch hier und halte mich am Händchen. Ich verstehe oft was Du sagst, was Ette meint, was Spedi schreibt oder was Currlinger macht oder was ich von den Anwesenden hier lesen darf und jeden Tag mache ich neue Erkenntnisse, vor allem aber lerne ich mein Unverständnis. Ich könnte tolle Bücher schreiben, Kochbücher, Liebesbücher, Tränenbücher, Rabattmärkchenbücher, Taschentücher. Damals verweigerte es mir meine Frau, heute verweigere ich mich, weil ich nicht über Dinge schreiben kann, die ich nicht bin. Ich habe alle Zeit die mir zur Verfügung steht und der Tag wird kommen, an dem ich begriffen habe was mit mir passierte. Es läuft mir nichts fort.

    Weißt Du Ette, seitdem ich hier gelandet bin, dreht sich die Welt immer langsamer und ich werde immer gelassener, ich mache Kappes und kann oft erkennen warum das so ist. Es gibt Menschen, die haben das gelernt, ich nicht, dafür habe ich anderes gelernt, was die nie lernten. Jetzt ist gerade eine Zeit das eine und das andere zusammenzusetzen, was daraus wird, ich weiß es nicht, aber ich weiß, das weder das eine noch das andere alleine meine Mitte ist.

    Aber vielleicht können wir ja mal darüber nachdenken, ob die Zukunft des Cos nur in der geraden Konsequenz liegt, also wie der Alkoholiker nicht nach rechts, nichts nach links blicken, sondern nur ein Ziel verfolgen: 24h trocken zu bleiben, um zu überleben, also nicht im Rumeiern und Händchenhalten, sondern im freiwilligen Zwang zu leben. Da frage ich mich schon, welche Dosis freiwilligen Zwanges ist für den Co angebracht und wie bekommt er seine Medizin zwanglos verpaßt, denn er hat weder einen offensichtlichen Tod vor Augen, noch spiegelt ihm das Umfeld die Situation und wenn, wird er zum zauberhaften Meister der Ignoranz, zum Großmeister oder zum Familientrottel, je nachdem aus welcher Perspektive man das sieht. Ich habe mich oft nicht nur verrannt, ich habe mich verzaubert vertrottelt, da ich dabei oft weit reiste, bin ich also ein Globetrottel oder in der Steigerung des Großmeisters ein Globalglobetrottel. Womit wir wieder beim Spinner wären, beim Betonspfeiler köppen, beim Unverstand. Dabei fällt mir etwas rot werdend ein, daß ich als ich auf die Seiten hier kam, ja schon genau wußte was für meine Frau das Richtige war, bißchen Sport, einen Job, dann klappt das schon und mein rot angelaufener Unverstand, der hatte schon oft Weiberpsychogefühlsduseleigedanken.

    Wenn ich die „warum nicht“ der vergangenen Zeit aufaddiere, dann stehe ich plötzlich ziemlich helle da, weil praktisch greift die Industrie bei mir in ein riesiges Loch brauner Masse, es gab kein Mittelchen gegen Alkohol und es gab keines gegen Co, nur mich, nur meinen Unverstand, womit ich der Großmeister der Globaltrottelei im doppelten Sinne wurde. Krank unbrauchbar für die Gesellschaft, für die Industrie unbrauchbar. Also, „warum nicht“, warum soll nicht ein unbeholfener Bauernglobaltrotteltanz, in ein anmutiges, filigranes synchron Ballett übergehen? Warum sollen nicht zwei Unverstande auf einem ganz geraden neuen Weg wieder eine gemeinsame Richtung finden? Alles ist möglich so oder so.

    Ich nehme mir einfach die Freiheit, noch einige Monaten oder Jahre oder Jahrzehnte zu üben.

    Bis dann Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

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