Beiträge von Ette

    Hallo Mimster,

    Sinn von Selbsthilfe ist es aus meiner Sicht und meiner Erfahrung, dass ich vorwärts gehe aus meiner Sucht heraus. Die „nette Ansammlung“ des ganz normalen Wahnsinns mit einem nassen Alkoholiker kannst du hier überall lesen. Nur sind diese Erfahrungen nicht immer so „nett“ wie deine. Ich habe für mich auch festgestellt, dass es mich überhaupt nicht vorwärts bringt, wenn ich mich über diesen „ganz normalen Wahnsinn“ aufrege. Ich würde mich schließlich auch nicht darüber aufregen, dass ein Masernkranker rote Flecken hat. Bestimmte Verhaltensweisen sind einfach Teil dieser Krankheit und das kann ich akzeptieren und dafür sorgen, dass diese Krankheitssymptome nicht meine Gefühle bestimmen. Und die Scham akzeptieren, die sicherlich in jedem Alki darüber da ist, dass er trinkt. Ich denke auch nicht, dass es ihn weiterbringt, wenn du die Finger in die Wunden legst. Es ist in seiner Verantwortung aus seiner Sucht zu kommen, nicht in deiner.

    Wenn ich mich ständig damit auseinandersetzen würde, was „er“ alles getan hat in seiner nassen Zeit, hätte ich keine Zeit und keine Energie, mein Leben eigenverantwortlich und zufrieden zu gestalten. Ich würde mich weiter in meinem Co-Kreis drehen. Aber – das ist nur meine Erfahrung. Du wirst sicherlich deine eigenen Erfahrungen machen.

    Du kannst nur die Verantwortung für dein Leben übernehmen. Warum willst du ihn dazu bringen, dass er über etwas spricht, von dem er nicht sprechen will? Er ist erwachsen und du meinst, zu wissen was gut für ihn ist als wäre er ein Kind, dem du sagen musst, wo es lang geht.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Emma,

    dein letztes Posting finde ich ziemlich heftig. Aber ich habe gelernt, dass Menschen sich immer am meisten darüber aufregen, wenn sie bei anderen etwas entdecken, was sie an sich selbst nicht wahrhaben wollen. Oder aber, wenn es etwas ist, zu dem die anderen Menschen stehen und man selber dazu nicht in der Lage ist.

    „..diese Flut an psychisch kranken Menschen...“ sorry, aber dies Aussage empfinde ich als Menschen verachtend. Sowohl Alkohol- als auch Co-Abhängigkeit haben nun mal psychische Ursachen. Die Tatsache, dass dich das annervt, ändert daran nichts. Du selbst wirst auch deine inneren Gründe dafür haben, dass du dich nach wie vor auf deinen Alki einlässt und er einen großen Raum in deinen Gedanken einnimmt. Denn den hat er auch, wenn du dich über sein Verhalten aufregst. Aber so lange du dieses tust, musst du dich auch nicht mit den Gründen für dein eigenes Verhalten auseinander setzen. Co halt........

    LG
    Ette

    Hi Schneggsche....

    ne, nicht krass, aber abhängig - meiner Meinung nach. Was dem Trinker seine Pulle, ist dir dein Typ. Dein "Suchtmittel" geht auf zwei Beinen und muss sich rasieren. Gefühle sind sicherlich dabei. Die Frage ist jedoch, ob du dich einmal damit auseinandergesetzt hast WELCHE Gefühle das sind. Wenn du sie Liebe nennst, nun, dann würde ich sagen, dass die illusorisch ist. Jedenfalls empfinde ich das so, wenn ich deinen Thread lese.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    immer wieder, wenn ich hier lese, begegne ich den Illusionen. Der Illusion, etwas zu verändern, zum Beispiel. Dabei ist es oftmals nur ein Drehen. Ein Drehen in den immer gleichen Kreisen. Vorwürfe, Wut, Vergeltung, Rache..... lese ich zwischen den Zeilen und immer wieder die Hoffnung, dass alles gut wird. Es ist eine Illusion, dass alles gut werden kann, wenn nur darauf geguckt wird, was der trinkende Abhängige macht.

    Viele, die hier schreiben, geben sich der Illusion hin, dass wenn der Trinkende aufhört zu trinken, alles in Ordnung ist. Weit gefehlt! Aber dafür muss „frau“ auch einmal ihre eigenen Gedankenkreise verlassen und anderer Leute Gedanken lesen und reflektieren. Nicht sich kuschelig einrichten im „Jammertal“, sondern diese Grenzen überschreiten. Von der Illusion in die Realität gehen. Denn die Realität ist ganz anders, als sich Co´s das in der Regel selbstverleugnerisch vormachen.

    Die Illusion, dass ICH daran etwas ändern kann, die habe ich schon lange aufgegeben. Ich kann nur von meinen Erfahrungen schreiben. Davon, dass ich lange in der Illusion gelebt habe, dass „sein“ Trinken nur mit ihm zu hat. Meinen Teil am System habe ich schön ausgeblendet. Illusion eben.....

    LG
    Ette

    Guten Morgen ihr beiden,

    was macht ihr denn sonst noch so? Außer euch an euere Männer zu erinnern und ihnen hinterher zu schmachten? Denn so lange ihr euch noch immer als die armen Mäuschen fühlt, die von den ach so bösen Alkis beschimpft und belogen werden, solange seid ihr keinen Schritt vorwärts gegangen. Die Jungs sind krank und das, was sie tun, gehört zu diesem Krankheitsbild dazu. Ihr seid nur solange die Opfer, als ihr nicht selbst etwas unternehmt, um diese Opferrolle zu verändern.

    Sorry, aber ihr beiden kommt mir vor wie zwei Alkis, die sich gegenseitig erzählen, wie toll Saufen ist und welchen Kater sie sich wieder mal angetrunken haben. Um vom Alk loszukommen, bedarf es der Abstinenz. Auch in Gedanken. Was ihr hier macht, ist sich gegenseitig den „Saufdruck“ zu pflegen. Auch Co-Abhängigkeit bedarf der Abstinenz. Erst ist sie mit dem Kopf gesteuert, so kenne ich das von mir. Irgendwann begann dann mein Gefühl zu folgen.

    So lange ihr euch dauernd wieder auf Kontakte, wie auch immer gestaltet, einlasst und euch daran geradezu hochzieht, was die Jungs so alles veranstalten, so lange kommt ihr nicht davon los. Aber es ist euer Leben. Einen Alki kann ich nicht von der Flasche kriegen, wenn er es nicht will. Und Co´s bekommt niemand außer sie selbst, aus diesem Teufelskreis aus Sehnsucht, Verleugnung und Verstrickung, wenn sie es nicht wollen. Wollt ihr eigentlich gesund werden?

    LG
    Ette

    Hallo Castor,

    wir sind hier keine Ärzte, dass wir eine Erklärung hätten dafür, dass deiner Frau die stationäre Therapie nicht genehmigt wurde. Genau wie Elfriede vermute ich jedoch, dass es mit dem desolaten Gesundheitszustand deiner Frau zusammenhängt. Wahrscheinlich wäre sie körperlich gar nicht in der Lage, die Therapie durchzustehen. Genaueres kann euch sicherlich ihr Arzt dazu sagen.

    Was die Kontrolle betrifft, die du aufgrund deiner Nachtschicht nicht ausüben kannst - es ist auch gar nicht deine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass deine Frau nicht trinkt. Dafür ist sie ganz alleine verantwortlich. Ebenso wie dafür, sich eine Selbsthilfegruppe zu suchen, die sie unterstützt bis sie in die Therapie gehen kann. Es ist auch hier nicht in deiner Macht, etwas für sie in Gang zu bringen, das sie selbst in Gang bringen muss.

    Dir wünsche ich, dass du Hilfe für dich selbst findest. Warst du schon einmal bei einer Beratungsstelle und hast dort ein Gespräch über DEINE Probleme gesucht? Dies ist nämlich der einzige Weg, den DU einschlagen kannst, um mit der Situation umzugehen.

    LG
    Ette

    Guten Morgen,

    vorhin, als ich ein paar der Postings in diesem Bereich hier las, wurde mir wieder einmal bewusst, dass wir uns in unserer Abhängigkeit von den Alkis gar nicht so sehr unterscheiden. Als mein Ex trank, war er immer voll des Selbstmitleides. Die Welt war schlecht und er hatte keine Chancen darin. Klar, wenn „mann“ jeden Tag nur spritig übersteht, ziehen Chancen logischerweise ungenutzt an einem vorbei. Ich sah mich dann als die arme Helferin, die hoffte und liebte und sich aufrieb im Hoffen und Helfen wollen.

    Wenn ich dann lese, wie sich Gedanken und Gefühle nur um den Alki drehen, bekomme ich wieder ein ähnliches Gefühl, wie damals ihm gegenüber. Für ihn war die Welt schlecht, weil sie ihm schlimme Dinge antat. Und für Co-Abhängige ist es der Alki, der schlecht mit ihnen umgeht. Der sie zum Opfer macht und dafür sorgt, dass ihr Leben aus den Fugen gerät. Nichts anderes als das Arme-Sau-Syndrom, nur in nüchtern. Keiner und Keine von uns Co´s ist dazu verurteilt, sich alles bieten zu lassen, was einem nassen Alki so einfällt. Aber es wird zu gern gelitten, als dass „frau“ oder „mann“ die eigene Situation, das eigene Leben in die Hand nimmt und Nägel mit Köpfen macht – sprich, etwas verändert.

    Zu gern werden dann die Menschen, die die Dinge beim Namen nennen, als herzlos verschrie(b)en. Klar, wieder sind die Leidenden die Opfer. Doch solange wir uns nicht aus unserer Opfermentalität lösen und UNSER „Arme-Sau-Syndrom“ kultivieren, wird sich für uns auch nichts ändern.

    Ette

    Guten Morgen Onyx,

    du schreibst, dass du weißt, dass dein Freund im Grunde seiner Seele leidet. Das mag sein, jedoch ist sein Leiden noch nicht groß genug, um effektive Maßnahme einzuleiten, etwas gegen seine Krankheit zu tun.

    Was ist denn eigentlich mit deiner Seele? Leidest du auch? Es scheint, du hungerst nach jedem „Zuckerl“, das er dir hinwirft. Ihn wirst du jedoch weder verändern noch retten können. Aber dich selbst. Ayki hat schon recht, lies das Buch von den Frauen, die zu sehr lieben. Vielleicht verstehst du es diesmal. Oder versuch es mal mit „Verstrickt in die Probleme anderer“ von Pia Mellody. Es ist auch sehr hilfreich dabei, das eigene Zutun bei solchen Konstellationen zu erkennen.

    Co-Abhängigkeit zeit sich im übrigen nicht nur darin, dass man für den Abhängigen lügt oder ihm Unangenehmes abnimmt. Wenn du sein Wohl über dein eigenes stellst, finde ich das schon bedenklich. Wenn ich deine Postings lese, frage ich mich, was dieser Mann für dich ist. Was machte und macht ihn für dich so interessant, dass du dich so für ihn aufreibst? Was mag der Grund dafür sein, dass du dich selbst so wenig achtest und respektierst, dass du eher um ihn und seine Gesundheit Angst hast als um deine eigene? Hast du vielleicht Angst, dass du ansonsten keinen Mann mehr abbekommst? Alleine für sich verantwortlich zu sein und alleine zu leben, kann sehr entspannend und zufriedenstellend sein. Dann finden sich von ganz alleine Menschen, damit du nicht vereinsamst.

    Mach dir um dich Sorgen, statt um ihn. Oder, wenn er sich zu lange nicht gemeldet hat und du denkst, er sei suizidgefährdet, schalte die Polizei ein. Du wirst sehen, wie schnell die Suizidgedanken weg sind, wenn da ein paar Beamte auftauchen, die ihn notfalls in die Psychiatrie schaffen.

    Solange er sich in seinem „Arme-Sau-Dasein“ suhlt, hast du keine Chance. Wenn er SELBST den Willen hat, aus seiner Sucht zu kommen, wird er den Weg finden, dies zu tun. Selbst wenn du ihn in eine Klinik oder zur Therapie tragen würdest, wäre es mehr als fraglich, ob es ihm nützen würde und er diese Chance wahrnähme. Es liegt nicht in deiner Macht, etwas für IHN zu verändern. Das kann nur ER für sich und du für DICH.

    LG
    Ette

    Zitat von kaltblut


    Irgendwann muß der Kopf klar sein, Ende mit dem Weglaufen vor dem beschädigten Ego...

    Meine Kolibris zwitschern, dass man im Ruhen viel Kraft finden kann.

    LG kaltblut

    Bester Kaltblütiger,

    ich gehe, weiß Gott, nicht immer mit deinen Gedanken konform. Hier tue ich es jedoch absolut.

    LG
    Ette

    Zitat von Emma P


    Das ist eine schauspielerische Glanzleistung, glaube mir.

    Allerdings gehts mir damit besser als ebenfalls zur Flasche greifen (mal ausprobiert - Kolibris im Kopf gehabt) Tranquillizer einwerfen (auch mal ausprobiert - ganzen KolibriSCHWARM im Kopf gehabt ) oder Nasepudern mit weißem Pulver (auch ausprobiert - GAR nichts mehr im Kopf gehabt )

    also lieber das ganze Co-leiden wegtanzen, wegflirten, wegvö.., weglachen, wegoffenfahren, wegindeisaunagehen, wegedelessen, wegfreundetreffen, oder halt wegAFRIKAREISEN :lol:

    In diesem Sinne.
    Emma


    Guten Morgen Emma,

    nicht nur, dass Alkis die besten Schauspieler sind, nein, auch Co´s sind große Illunsionisten. Da werden Tranqulizer und Vögeleien eingeworfen, sich an Alkohol und fremder Haut berauscht und dies als Lebensfreude deklariert. Letztendlich ist das Mittel egal, mit dem die eigenen Gefühle übertüncht werden. Aber das sehen Co´s ziemlich lange nicht. Der volle Bauch vom Edelessen ist aber kein Ersatz für ein leeres Leben. Aber jeden Tag eine Unternehmung hilft schließlich, dass du nicht mit dir alleine sein musst.

    Als mein Leben völlig unspektakulär ruhig wurde, ich begann, mich mit mir selber wohlzufühlen, erst da begann ich gesund und zufrieden zu werden. Weder Afrika noch Madagaskar, wo der Pfeffer wächst, halfen mir dabei, sondern die Ruhe eines Waldspaziergangs oder das Träumen in die Wolken hinein. Dann trat ich die aufregendste Reise überhaupt an, die Reise zu mir selbst. Mit all meinen Ecken und Kanten und wunderschönen Facetten. Dabei hatte ich auch überhaupt keine Zeit mehr, mich mit dem, meiner Meinung nach, Fehlverhalten „meines Alkis“ auseinander zu setzen.

    Bei dir ist er noch sehr präsent. Wenn ich deine Postings lese, gibt es kaum eines, in dem du dich nicht über ihn auslässt. Bringt dich das in irgendeiner Form weiter? Nicht nur ihn loslassen und dich trennen, auch die Wut, Enttäuschung und Vorwürfe loslassen, denn sie hindern nur, dich selbst zu sehen und zu spüren.

    LG
    Ette

    Hallo Lenjana,

    bestimmt kannst du auch eine ambulante Therapie machen. Mir hat es damals aber sehr geholfen, dass ich einen Raum zur Verfügung hatte, in dem ich von den Alltäglichkeiten freigestellt war und mich nur mit meinen Problemen und mir befassen konnte. Auch hatte ich zu dieser Zeit keine Kraft, mich mit der Suche eines Therapeuten zu befassen. So war die Klinik für mich die beste Lösung.

    Ich weiß nicht, wo du wohnst, aber bei uns ist es zum Beispiel möglich, in einer Tagesklinik eine Therapie zu machen und abends wieder nach hause zu fahren. Auf jeden Fall ist der Besuch bei deinem Hausarzt der erste Schritt. Er kann dir dann verschiedene Möglichkeiten aufzeigen.

    LG
    Ette

    Hallo Sternderl,

    dein Mann stellt dich ruhig. Er reduziert sein Trinken, damit du Ruhe gibst, so nach dem Motto: Schau her ich tu doch was. Das ist doch nichts halbes und nichts ganzes! Irgendwann wird er wieder mehr trinken und es ändert sich nichts. Er will nicht aufhören und das wirst auch du nicht ändern können. Du musst für dich entscheiden, ob du so leben möchtest. So wie ich das von ihm gelesen habe, reicht es meines Erachtens nicht aus, wenn er nur reduziert. Es ist noch niemand gesund geworden durch kontrolliertes Trinken.

    Dass er keine Paartherapie machen möchte, kann ich verstehen. Da würde ja sein Umgang mit Alkohol Thema werden und ihm womöglich auch noch von außen bestätigt, was er selbst sicher lange weiß. Nämlich, dass sein Trinkverhalten schon abhängige Züge hat. Folglich wird er dich einlullen mit seinen Reduzierungsvorschlägen und munter weitertrinken.

    Es ist deine Entscheidung, wie du damit umgehst.

    LG
    Ette

    Hallo Lenjana,

    Elocin hatte vor einiger Zeit eine Klinik ausfindig gemacht, in der speziell auf Co-Abhängigkeit eingegangen wird. Ansonsten kannst du auch in jede psychosomatische Klinik gehen, um an dir zu arbeiten.

    Die Suche eines Therapeuten außerhalb einer Klinik ist immer mit Zeit verbunden. Über die Ärztekammer kannst du dir in der Regel eine Auflistung besorgen und dir dann den für dich passenden aussuchen.

    Der erste Schritt ist sicherlich ein Besuch beim Hausarzt, um ihm dein Problem zu schildern und ggfs. eine Kur zu beantragen.

    LG
    Ette

    Hallo Bärbel,

    ich kann nichts berichten, weil ich dein Leben nicht kenne. Du kannst dir die aufgeworfenen Fragen selber beantworten, wenn du ehrlich mit dir umgehst. Ich habe dir vor einigen Tagen drei Fragen gestellt. Beantworte sie dir EHRLICH. Ach, mir fällt gerade noch eine ein. Was würde dir bleiben, wenn die Sorge um deine Mutter, Horst und den Verein wegfiele?

    LG
    Ette

    Guten Morgen Bärbel,

    wenn ich deine letzten Postings lese, habe ich den Eindruck, dass du irgendwann große Verletzung in Bezug auf Menschen erlitten haben musst. Nur so kann ich es mir erklären, dass du zig Gründe findest, dich nicht wirklich auf andere Menschen einzulassen. Denn das wäre gegeben, wenn du dich in eine Paar- oder Familienbeziehung geben würdest.

    „Richtige“ Co-Abhängigkeit – nun, der Begriff Co-Abhängigkeit wird in erster Linie in Zusammenhang mit einer Abhängigkeitserkrankung des Partners oder eines nahestehenden Menschen gebraucht. Die Strukturen, die diese Co-Abhängigkeit aufweist, tauchen jedoch in vielerlei Bereichen auf. Immer dort nämlich, wo es darum geht, sich für Andere einzusetzen und zwar dergestalt, dass das eigene Leben sich in erster Linie darum dreht. Das kann in pflegerischen, helferischen Berufen sein oder, wie in deinem Beispiel, dass gemeinnützige Arbeit, sprich Vereinsarbeit, zum Lebensinhalt wird. Zugrunde liegt meines Erachtens immer die Bestätigung von außen, die geradezu lebensnotwendig erscheint.

    Wenn ich heirate und Kinder bekomme, muss ich mit dem Risiko leben, verlassen zu werden, dass Kinder flügge werden und aus dem Haus gehen. Nähe birgt nun mal das Risiko, dass ich verlassen werde. Diese Nähe kann ich umgehen, wenn ich mir Menschen und Einrichtungen suche, denen ich mein Engagement zuteil werden lasse, die entweder keine wirkliche Nähe zulassen, wie z. B. Alkis oder aber wo ich „gebraucht“ werde. Vereine, pflegerische und helferische Berufe sind da ein hervorragendes Wirkungsfeld. Hier kann ich mich über meine Leistung definieren und wichtig und unverzichtbar machen. Und darüber hinaus eine gewisse Distanz bewahren, die das Risiko minimiert, dass ich gefühlsmäßig verlassen werde.

    Seit du hier angemeldet bist, drehen sich deine Gedanken nur um Horst. Und wenn du überlegst, im geschlossenen Bereich zu posten, dann mit dem Hintergrund, noch näher darauf eingehen zu können. Hast du dir schon einmal überlegt, warum du dieses große Engagement an den Tag legst?

    Wie gesagt, das sind meine Gedanken, die mir dazu einfallen, wenn ich lese, was du schreibst. Ich habe den Eindruck, du reflektierst ganz, ganz stark im Außen und übersiehst dein Inneres. Ich kann dies gut nachvollziehen, weil ich selbst eine ganz Weile gebraucht habe, bis ich ähnliche Verhaltensweisen für mich annehmen und daran arbeiten konnte. So gesehen war für mich die Beziehung zu „meinem Alki“ die Chance, mich selber weiterzuentwickeln, quasi erwachsen zu werden. Und das nach einem halben Jahrhundert gelebter Zeit. Jeden Tag bin ich inzwischen dankbar dafür, dass ich diese Erfahrung machen konnte und die Chance darin für mich gesehen habe. „Meine Alki“ hat immer noch einen sehr wichtigen Platz in meinem Leben, aber er IST nicht mehr mein Leben. Mein Leben besteht inzwischen aus ganz unterschiedlichen Facetten, sodass es nicht mehr die Katastrophe bedeutet, wenn eine Facette wegbricht. Inzwischen habe ich auch gelernt, dass es gefährlich ist, nur im Außen zu reflektieren. Aber – wie gesagt – sind das nur meine Erfahrungen.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Bärbel,

    lange hab ich hier nicht mehr gelesen. Und als ich es heute morgen einmal wieder tat, fielen mir so ein, zwei Fragen ein.

    Was ist deinem Leben, außer Horst, sonst noch wichtig? Worum drehen sich deine Gedanken, wenn sie sich nicht mit Horst beschäftigen? Und was würde sich für dich ändern, wenn du es erreicht hättest, dass Horst nicht mehr trinkt?

    LG
    Ette

    Hallo Apfel,

    deine Worte kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich habe damals in der Illusion gelebt, dass ich der Mensch bin, mit dem "mein Alki" trocken werden und bleiben kann. Dabei habe ich vollkommen ausgeblendet, dass mein Verharren im System mit meinen ganz eigenen Verlassensängsten zu tun hat. Diese Illusion wird ja auch ganz oft von außen bestätigt. "Du bist ja so geduldig!", "Dass du das alles mitmachst, du musst ihn sehr lieben...." und "...dass du dir das auflädst - Hut ab!" Solche Äußerungen ließen mich aufblühen, mich toll fühlen. Tja, Illusionen halt.....aus einem kleinen "Selbst" heraus.

    LG
    Ette

    Guten Morgen!

    Klar genieße ich, jeden Tag genieße ich – auch wenn das Wetter die letzten Tage nicht gerade genussvoll war. Und doch waren die ersten Atemzüge an der frischen Luft beim morgendlichen Gang ins Büro ein Genuss. Luft, die schon mild an Frühling erinnert, Vogelgezwitscher und erste blühende Erlen und Birken. Herrlich!

    Auch ein Genuss war für mich die Tatsache, bestätigt zu werden in meinem Gefühl, bestimmte Dinge zu können, die ich noch nicht ausprobiert hatte. Als ich es dann tat und gute Rückmeldungen bekam, war ich stolz. Der Genuss daran war jedoch, wie gesagt, die Tatsache, dass ich mich selbst und meine Fähigkeiten, die dafür erforderlich sind, richtig eingeschätzt hatte.

    Mir fällt auf, dass sich die letzten Postings mit Essen befassen. Essen ist zwar ein Genuss, jedoch auf Dauer ein sehr einseitiger und dazu noch rund machender Genuss. Genuss ist vielseitig, wenn wir es zulassen.

    Emma : Ja, auch kochen ist ein Genuss. Kreativität entdecken, Farben, Formen und Konsistenzen der Lebensmittel. Unterschiedliche Geräusche, wenn sie verarbeitet werden und Aromen die sich im Laufe des Prozesses verändern. Zum krönenden Schluss dann das Ergebnis! Am liebsten koche ich ohne Rezept, einfach rein in die Pfanne, was der Kühlschrank so hergibt. Ein Genuss! Ohne Kochen würde mir wirklich etwas fehlen.

    Am Wochenende war ich weg und hatte die Möglichkeit, mich zu den Mahlzeiten an einen gedeckten Tisch setzen zu können. Auch das war mir Genuss, den ich jedoch nur wahrnehmen und genießen konnte, weil es nicht jeden Tag so ist.

    Genuss ist so vielfältig, dass er sich für mich nicht nur aufs Essen beschränkt. Es ist eine Art Philosophie, jeden Tag einen kleinen Genuss zu entdecken. Genuss ist alltäglich, will sagen, er ist jeden Tag zu finden, wenn wir nur aufmerksam genug sind.

    LG
    Ette

    Zitat von sawly


    denn wer macht den dreck weg wenn die getrunken haben damit die kinder davon nicht´s merken?

    wer räumt auf ,putzt,wäscht die klamotten die nach bier stinken?

    wer muß sie im suff ertragen?

    auf alles gibt es nur eine antwort:"WIR FRAUEN"

    Hallo und guten Morgen,

    niemand "MUSS", aber wenn wir in dem System stecken, dann WOLLEN wir. Weil wir der Illusion nachjagen, wenn wir nur lieb genug sind, wird er irgendwann aufhören mit dem Trinken. Ich wollte damals überhaupt nicht sehen, dass ich nichts bewegen kann und habe mich einlullen lassen von seinen Versprechungen. Die hat er in dem Moment, in denen er sie gab, wahrscheinlich auch so gemeint. Jedoch funktioniert Sucht so nicht. Sie ist stärker als alle Versprechungen und setzt sich durch. Aber wir hören solche Versprechungen gern, weil sie uns in unserer Hoffnung bestärken und uns darüber hinaus keine Entscheidung abverlangen. Wir brauchen uns nicht zu bewegen - der Andere muss etwas ändern. Wir nicht! Denken wir und deshalb hoffen wir so lange - manchmal bis hinein in eigene, körperliche Beschwerden, von den Kindern ganz zu schweigen.

    lenjana, es ist dein Leben und natürlich das deiner Kinder. Wenn dir dein eigenes Leben so wenig wert ist, dass du nach wie vor nicht wirklich etwas verändern magst, ist das deine ganz eigene Sache. Allerdings trägst du auch die Verantwortung für deine Kinder. Und dies, scheint mir, ist dir nicht so recht bewusst, denn ansonsten hättest du sicherlich längst etwas unternommen. Aber das ist nur meine Meinung. Deine Meinung und deine Entscheidungen sind dein Ding. Irgendwann wirst du aber vielleicht in die Situation kommen, in der du daran gemessen wirst, welche Verantwortung du übernommen, welche Meinung du vertreten und welche Entscheidungen du getroffen hast. Lies dir mal die Geschichten von den erwachsen Kindern von Abhängigen durch. Vielleicht verstehst du dann besser, was ich meine.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Tihaso,

    solche „Durchhänger“ kenne ich auch zur Genüge. Irgendwann habe ich dann mit fachlicher Hilfe heraus gefunden, warum es mir so schwer fiel, ihn loszulassen. Ich stellte für mich fest, dass alles besser war, als alleine zu sein. Nachdem dies klar war, habe ich mir mit einem ganz schlichten Satz die Durchhänger-Tage erträglich gemacht. „Ich sterbe nicht mehr, wenn ich alleine bin.“ Es hört sich verrückt an, aber für mich war dies eine große Hilfe, mir dann diesen Satz immer wieder zu sagen. Und natürlich das 24-Stunden-Mantra. Diesen Tag schaffe ich und morgen kommt ein neuer. Während all dieser Zeit habe ich gemerkt, dass ich meine Gefühl annehmen muss und mit ihnen umgehen kann. Sie quasi mit dem Kopf erst einmal in Zaum halten kann, wenn sie sich allzu sehr verselbständigen wollen. Mich nicht in das Loch fallen lassen, sondern mir eine „Strickleiter“ schaffe, an der ich wieder heraus komme.

    Pitato schreibt ganz richtig, dass es in solchen Zeiten erst recht gut ist, den Kontakt möglichst einzustellen. Denn in solchen Zeiten war ich zum Beispiel sehr, sehr anfällig für schöne Worte, die ich dann allzu gern geglaubt habe. Tihaso, es ist schon Art Kampf, aus den Verstrickungen, in denen wir gefangen sind, heraus zu kommen. Und zwar ein langer, gegen unsere eigenen, vor langer Zeit manifestierten Verhaltensweisen und Empfindungen. Es erfordert Konsequenz, nicht nur dem trinkenden Partner gegenüber, sondern vor allem auch uns selber. Ich habe für mich festgestellt, dass ich mir meine Gefühle immer wieder mit dem Verstand ansehen muss. Dann kann ich mir erklären, worauf sie fundieren, was sie auslöst und wie ich jetzt, als erwachsener Mensch, mit ihnen anders umgehen kann als zu der Zeit, in der ihre Basis gelegt wurde.

    LG und gute 24 Stunden

    Ette