Beiträge von Ette

    Hallo Elle,

    wer mit meinem inneren Selbst nicht zurecht kommt, geht mich nichts an – jau! Aaaaber, wie viel unseres inneren Selbstes leben wir denn in der Regel? Vor allem in der tiefsten Co-Phase sind wir eher in einer Art Symbiose mit „unserem“ Alki verschmolzen. Fühlen uns gut, wenn er nicht trinkt und uns nüchtern das Bild zeigt, das wir lieben und fallen in das tiefe Loch, wenn er oder sie wieder trinkt. In dieser Phase sind wir doch gar nicht in der Lage, zu spüren, wer oder was wir selber sind.

    Und ich glaube, dass das die Schwierigkeit ist. Unser inneres Selbst überhaupt zu erkennen, zu wissen, was oder wer wir selber sind, was wir wollen, wie wir unser Leben gestalten wollen. Ich kann mich gut an die Zeit erinnern, in der der Feierabend davon geprägt wurde, wie die Stimmung meines Ex war. Kam ich nach hause und er war schlecht drauf, konnte ich Entspannung vergessen, weil der Tagesstress einfach weiterging. Zwar anders als im Büro, aber genauso anstrengend.

    So, wie er trinken musste, musste ich anscheinend auf seine Stimmungen reagieren. Ich selber war mir so etwas von nebensächlich, dass es mich irgendwann dahin gebracht hat, dass sich mein ganzes Leben um ihn und darum drehte, wie es ihm besser gehen konnte. Das „Atom Ette“ bestand nur aus Sorgen, sich ängstigen, hoffen, reden, überzeugen wollen, helfen und nach außen entschuldigen. All das, was mich ausmacht, wurde dahinter verborgen. Es jetzt so langsam immer mehr zu leben, Elle, das sind Schritte ohne Ende. Und da hast du recht, richtig in Kontakt mit anderen komme ich jetzt viel mehr und immer besser.

    Ich musste mir aber erst bewusst werden, was ich selber will. Und jeden Tag muss ich es wieder. Meine Co-Abhängigkeit kann ich abstreifen, umlernen, wenn ich den Willen und den Mut dazu habe. Ich muss sie nicht als von Gott gegeben annehmen und klein halten. Ich kann sie auch wieder verlernen, so wie ich sie, teilweise bereits in der Kindheit, gelernt habe. Allerdings ist das Lernen jetzt sehr viel anstrengender und langwieriger. Aber sehr lohnend, wie ich es empfinde.

    Die Geschichten hier gleichen sich oft alle so sehr, dass mir dabei das Murmeltier einfällt, das täglich grüßt. Die Namen und Orte erscheinen mir dann so austauschbar, dass ich manchmal den Eindruck habe, es wurde nur der Nick gewechselt und die gleiche Geschichte noch mal erzählt. Das Lieben, das Hoffen auf Einsicht, das nicht Loslassen wollen, es ähnelt sich so. Co-Abhängigkeit unformiert, so empfinde ich, Individualität besteht scheinbar nur in ein paar äußeren Umständen. Aber vielleicht bin ich da in meinem Empfinden einfach zu radikal.

    LG
    Ette

    Zitat von kaltblut

    ...Kerle haben ihre Berechtigung, sie werden gebraucht und da könnt Ihr Euch jetzt auf den Kopf stellen wie Ihr wollt, wir sind wichtig, ohne uns sieht es ganz schön düstern aus...

    Stimmt, Kaltblütiger, das hat nie eine bestritten. Wer soll zum Beispiel schwere Sachen tragen? Oder mir den Kaffee ans Bett bringen? Oder liebevoll den Rücken eincremen? Na ja, und so ein Gesichts-Peeling das durch ein unrasiertes Männerkinn beim wilden Küssen vorgenommen wird, ist ja auch viel angenehmer als son olles Peeling aus der Tube.

    Wobei ich immer noch der Meinung bin, dass Männer Manches etwas pragmatischer sehen, eher die bequemeren Wege gehen, sich leichter arrangieren. Aber das sind, wie immer, halt nur meine ganz eigenen Erfahrungen. Wobei - so ganz ohne fände ich schon recht eintönig, schließlich reizt mich schon immer der Gegensatz, der Widerspruch. Von daher mag ich Männer schon. Aber manchmal ist es auch ganz entspannend, keinen zu haben.

    LG
    Ette

    Zitat von kaltblut


    ...weil einige gute Bräute keinen Kerl ersetzen oder Jungs?

    Einspruch, Euer Kälte! DEN find ich so was von "Mann". Da kann ich nur sagen: Mann, ooooh Mann!

    Ansonsten muss ich jedoch Sammy recht geben, deine Art zu schreiben finde ich schon gut, auch wenn ich mit den Inhalten nicht immer konform gehe. Aber ein wenig Reibung hat ja noch nie geschadet, ganz im Gegenteil, nicht wahr?

    LG
    Ette

    Moin, moin,

    seltsam, wenn ich mich absolut rund und zufrieden fühle, habe ich weniger Bedürfnis, hier zu schreiben. Aber trotzdem tut es mir gut, mich einige Minuten am Tag mit dem, was mich beschäftigt, schriftlich auseinander zu setzen, weil es mir hilft, Gedanken, die Worte und Taten werden sollen, besser zu manifestieren, zu verinnerlichen.

    Ich lese im Moment sehr viel. Ein Buch in dem es um den Sinn des Lebens geht. Und in dem finde ich immer wieder Stellen, die bei mir eine Art Wiedererkennungseffekt hervorrufen. Ja, genau, möchte ich dann sagen, so empfinde ich das auch und so versuche ich zu leben. Und es ist ein schönes Leben, ohne große Reisen, ohne teuere Klamotten, na gut, bis auf das ein oder andere Paar Schuhe. Aber im Großen und Ganzen ein Leben, in denen Konsum und Dinge nicht die große Rolle spielen. Eine große Zufriedenheit habe ich trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb, für die ich dankbar bin und die mein Leben rund macht.

    Ein ständiges Spannungsfeld ist es im Grunde, dieses Leben. Zwischen dem, was ich will, was mir gut tut und dem, was ich machen sollte, was von mir erwartet wird. Ich glaube, dass ich die Balance hier immer besser hinbekomme. Und zwar so, dass ich nicht egoistisch und Ich-bezogen erscheine. Ich kann liebevoll mit Menschen umgehen, sie lassen wie sie sind. Sicherlich komme ich nicht mit allen Menschen klar, aber das muss ich auch gar nicht. Denn dann würde ich mich verbiegen, mich verleugnen müssen und das habe ich in der Vergangenheit oft genug getan.

    Ich habe einen Text gelesen, in dem stand, dass wir uns oft davor fürchten, unsere Individualität zu leben, weil wir Angst davor haben, dass wir dann einsam sind. Na klar, können manche Menschen nicht damit umgehen, dass wir sind, wie wir sind. Deshalb kommen vielleicht weniger Menschen mit uns zurecht und brechen den Kontakt ab. Aber ich habe für mich festgestellt, dass die Menschen, mit denen ich trotz meiner Individualität den Kontakt nicht verliere, für mich die wichtigeren Menschen sind. Wenn jemand nur mit mir klarkommt, weil ich bin, wie er mich haben will, dann ist das sein Problem und das möchte ich nicht für ihn lösen, indem ich mich seinen Wünschen entsprechend verhalte. Nicht Quantität von zwischenmenschlichen Beziehungen sondern Qualität sind mir wichtig.

    Selbst darüber klar werden muss ich mir aber erst, was mich ausmacht als Individuum. Meine Wünsche, meine Bedürfnisse, Stärken, Schwächen, Leidenschaften und Abneigungen – all das ansehen und annehmen als zu mir gehörend. Dann entscheiden, was kann so bleiben oder woran möchte ich noch arbeiten.

    Aber vielleicht bin ich auch ein wenig irre - verrückt, was diese ganze Geschichte betrifft. Ich habe aber immer wieder festgestellt, so verrückt ich auch bin, ich treffe immer wieder auf Menschen, die genauso verrückt sind und mich verstehen.

    LG
    Ette

    Moin, moin,

    ja Musik kann schon etwas wunderschönes sein! Rhythmus, Poesie, Töne, die mich wie auf sanften Wellen tragen oder Beats, die mir durch alle Fasern meines Körpers gehen. Schön einfach! Gestern habe ich mir endlich einen Traum erfüllt, den ich schon jahrelang hatte und es ist genauso schön, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich lerne trommeln auf einer Djembe, weil dies ein sehr archaisches, ursprüngliches Instrument ist. Ehe ich mich versah, war eine Stunde vorbei und ich hätte noch lange weitermachen können. Aber nun freue ich mich schon auf die nächste Stunde.

    Jetzt, wo es draußen kühler und herbstlicher wird, brauche ich einen Ausgleich zu den schönen sonnigen Momenten, die der Sommer trotz all des Regens in diesem Jahr hatte. Heute morgen ist es endlich einmal wieder trocken draußen, aber laufen werde ich erst heute Mittag. Sich den Stress weglaufen, das Adrenalin, dass im Büro ausgeschüttet wird, ist gut. Genauso gut, wie morgens wach zu werden und den restlichen Schlaf mit Schritten, Schritten, Schritten vollends aus dem Körper zu traben.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Apfel,

    das Argument mit der Partnerschaft kenne ich aus meiner realen Gruppe. Da heißt es auch immer: Ja du, du lebst ja alleine, du kannst machen, was du willst. Stimmt, ich lebe alleine und trotzdem bin ich keine Insel in der Gesellschaft, weil ich auch ohne Beziehung jeden Tag mit Menschen zu tun habe. Und da ist es genauso wie in einer Partnerschaft erforderlich, meine Bedürfnisse zu formulieren. Ich für mich habe das Gefühl, dass ich mit Menschen besser zurecht komme, wenn ich sage, was ich will. Ambivalenz ist etwas, was den Anderen verunsichert und unter den Druck des Zugzwangs setzt und das mag, glaube ich, niemand. Klarheit des Gegenübers ist hilfreich in Beziehungen, egal, ob es Partnerschaften, berufliche Beziehungen oder Freundschaften sind.

    Apfel, ich denke, wenn es dein Ziel ist, zu sein, wie du bist und für deine Bedürfnisse zu sorgen, dann schaffst du es auch. Und das fängt in der Gegenwart an. Jeden Tag ein kleines Bisschen. Ich glaube, das ist so ähnlich wie mit dem Trinken. Die nächsten 24 Stunden werde ich achtsam mit mir und meinen Bedürfnissen umgehen. Und dann wieder 24 Stunden und immer so weiter. So wird aus der Gegenwart Zukunft. Ich glaube, das Geheimnis liegt in den kleinen Schritten. Dann werden mit der Zeit auch die größeren Schritte, die größeren Ziele, die vielleicht Veränderung erfordern, klarer und die Zufriedenheit kommt. So habe ich es jedenfalls empfunden für mich.

    LG
    Ette

    Kalli Kaltblut,

    genau wie du, vertraue ich darauf, dass es ein höhere Macht gibt, die viel besser als wir weiß, wie es für uns gut ist. Wenn wir selber wissen, was wir wollen, können wir uns ganz entspannt zurücklehnen und den Boss, die höhere Macht, Shiva, Buddha oder wie sie alle heißen, einfach machen lassen.

    Ich denke, wenn wir uns vorstellen und es formulieren können, was wir in einem oder zwei oder drei Jahren haben möchten, wie wir dann leben möchten, dann haben wir auch die Gelassenheit, das Tun und Drehen loszulassen und uns dieser höheren Macht, wie immer sie auch heißen mag, anzuvertrauen.

    LG
    Ette

    Ich muss doch noch mal – was loswerden.....

    @Spedi: Give me five! Du immer mit deinen voll auf die zwölf- Sprüchen – genial!

    @ Karl Drahthaar: wuschich – tz! Ich bin dauernd an der Leine und das hält mich überhaupt nicht davon ab, mich zu bewegen, ohne Ziehen und Zerren, weil ich inzwischen weiß, was ich will. Und ich halte es da mit einem von den alten Philosophen – Ich denke, also bin ich. Hab nur vergessen, wer es war. Schließlich ist das Lernen von Z(ahlen), D(aten), F(akten) nicht unbedingt ein Zeichen von Intellekt, sondern unter Umständen nur ein Beweis dafür, dass jemand gut auswendig lernen kann. Verstand, emotionale Kompetenz und Intelligenz sind meines Erachtens nicht unbedingt von einer schulischen Ausbildung abhängig. Mir sind schon Doktoren begegnet, die die soziale Kompetenz eines Kleinkindes haben. Ich versuche einfach, meine grauen Zellen zu nutzen und dies nicht nur dazu, um zu überlegen, wie ich ihr Behältnis auf dem kürzesten Weg zum Friseur tragen kann, sondern um mir eine zufriedene Gelassenheit anzueignen.

    @ lavendel: stimmt! Er mäandert hier hinter seinem Fatalismus gedanklich in Schleifen, Kurven und Spiralen, will alle Nase lang etwas Anderes wech und gut iss haben und uns, die wir klar in eine Richtung denken, erklären, dass wir ihn wuschich machen! MÄNNER halt! :roll::wink:

    LG und guts Nächtle
    Ette

    Boa eyyy.... das finde ich jetzt mal gut, dass ihr mir darüber so tolle Rückmeldung gegeben habt.

    @ Smilla, ich finde nicht, dass du negativ geschrieben hast. Und wenn, dann ist es dein Empfinden, für das du kein schlechtes Gewissen haben musst. Das sind einfach unsere „Gebote“ die uns von klein an eingetrichtert werden und die uns dann unbewusst bremsen in unserer Selbstbestimmung. Meine „Glaubenssätze“ diesbezüglich sind den deinen ganz ähnlich. Dazu noch so ein paar „Bewertungen“ über mich, die ich immer wieder zu hören bekam und schon wurde ich ganz kleinlaut und brav und habe „funktioniert“. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich diese „Über-Ich-Botschaften“ ad acta gelegt habe. Und noch immer kommen sie aus den Tiefen meiner Gefühle, wenn ich mich kaputt und schlapp fühle und nicht genug Kraft habe, ihnen entgegen zu wirken.

    lavendel , genau, es ist ein Lernprozess, zu spüren, was ICH ganz persönlich will, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, was die Leute um mich herum darüber denken. Aber das trauen wir uns ja ganz oft nicht, weil wir denken, dass wir dann abgelehnt werden. Unser „Kopfkino“ spielt uns Filme ab, die nichts Positives zeigen, weil wir es gewohnt sind, dass wir bzw. das, was wir tun einfach zu oft negativ bewertet wurde.

    kaltblut , mag sein, dass zu viel zu ergründen dazu führt, dass wir etwas verpassen. Aber ich habe noch mehr verpasst, als ich mich damit noch nicht auseinandergesetzt habe. Wenn du die letzten Tage etwas verpasst hast, warum denn? Hast du die Prioritäten anders gesetzt? Oder hat das jemand für dich getan? Wenn ich mir nicht im klaren darüber bin, was ICH will, wie soll ich es denn dann bekommen? Also..... ich finde, das ist ein ganz elementarer Schritt, mir Gedanken darüber zu machen, was ICH selber will und mich nicht nur nach Konventionen, Moralvorstellungen und Erwartungen meines Umfeldes zu richten. Deine beiden Männer aus der Geschichte haben ja auch ihre Träume verwirklicht, weil sie wussten, was sie wollten.

    Ich glaube auch, dass dieses Nichtwissen über unsere eigenen Bedürfnisse ein ganz wichtiger Punkt bei der Co-Abhängigkeit ist. Wir stellen uns leichter auf den Anderen ein, da wissen wir seltsamerweise, was er braucht, was ihm gut tut. Nur mit uns selber tun wir uns schwer. Wenn ich hier so lese, finde ich immer wieder die Hinweise darauf, dass sich Angehörige Kopf darüber machen, wie der abhängig Trinkende gesund werden kann. Aber – was wollen wir selber?

    LG
    Ette

    Hallo,

    gestern habe ich mich mit ein paar Leuten darüber unterhalten, dass wir immer viel besser wissen, was wir nicht wollen, als das, was wir wollen.

    Und wenn wir dann schon mal wissen, was wir wollen, machen wir uns meistens nicht daran, es auch umzusetzen. Von Prioritäten war dann die Rede und davon, dass es immer wieder Gründe im Außen gibt, Wünsche, Vorstellungen und Bedürfnisse nicht zu formulieren bzw. das Leben so zu gestalten, dass es so ist, wie wir es uns wünschen.

    Ist es wirklich nur eine Frage von Prioritäten oder gibt es vielleicht noch ganz andere Hintergründe, die uns davon abhalten, das zu tun, was wir für uns als gut erachten? Wie seht ihr das?


    Fragt
    Ette

    Kaltblütiger,

    ich wollte, ich könnte immer die Ruhe bewahren. Oft kann ich es, stimmt, aber doch nicht immer. Und dann „redet“ bzw. „schreibt es mich“ schon mal. Ganz ohne Kopf, einfach aus dem Bauch heraus. Vor allem, wenn ich ganz doll müde bin, sind die Reaktionen recht, nun ja, kindischer Natur. Wie ein bockiges Kind könnte ich dann mit dem Fuß aufstampfen und rummaulen.

    Gestern Morgen hatte ich ihn, den dicken Trubel. Ich musst morgens kurz nach Sieben mit Bahn und Bus zur Arbeit fahren. Da war mir einmal mehr bewusst, wie gut ich es ansonsten habe. Kein Gerenne und Gehaste um mich herum, keine schlechten Gerüche oder Ellbogen im Kreuz, sondern bewusstes Wahrnehmen der Natur auf dem Weg zur Arbeit. Geradezu meditativ im Gegensatz zu diesem Tohuwabohu in der U-Bahn. Drei Kreuze habe ich gemacht, dass ich das nicht jeden Morgen habe.

    Ansonsten hat mich der Regen wirklich nicht sehr lange gestört. Mittags schien auch schon wieder die Sonne. Aber ich hatte mir halt morgens ein paar Minuten Niedergeschlagenheit gegönnt. Allerdings habe ich nicht zugelassen, dass sich diese manifestiert und mir den ganzen Tag vermiest. Dazu sind Tage nun wirklich zu schade. Und heute morgen regnet es schon wieder, also das ganze Spiel von vorne.

    Über Wortgewalt habe ich gestern gelesen und darüber, wie Worte auf uns wirken können. Gerade bei mir haben Worte, wohlgesetzte, außergewöhnliche Worte eine große Wirkung, weil ich eine Wortmenschin bin. Ich muss sehr vorsichtig sein, wenn ich Worte höre oder lese und vergesse diese Vorsicht manchmal, weil die Worte einfach zu schön sind und mit ihnen wunderschöne Bilder gemalt werden. Genau hinspüren muss ich, ob die Worte mit dem übereinstimmen, was hinter ihnen ist, denn das ist nicht immer der Fall. So manches Mal lässt sich der Kopf betören und der Bauch wird ignoriert. Die kleine innere Ette, die ist manchmal ganz schön klug, das vergisst die Große nur hin und wieder.

    Doch beide haben ein Faible für Gute-Nacht-Geschichten und können nach einem Gespräch, kurz vor dem Einschlafen, schön ins Bett gekuschelt, den Hörer fast mit unter der Bettdecke, richtig gut einschlafen.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Ayki,

    ich hoffe, du konntest doch noch etwas schlafen. Ich kenne solche schlaflosen Nächte von früher zur Genüge. Und auch das Ärgern über sein Verhalten zeigte mir, dass er mir noch sehr nah war. Es hat mir nur geholfen im Laufe der Zeit, dass ich mir klargemacht habe, dass solch ein Verhalten Symptom seiner Krankheit ist. So, wie rote Flecke zu Masern gehören, gehört solches Verhalten zur Alkoholabhängigkeit. Eine Zeit lang hing bei mir deshalb an jeder exponierten Stelle in der Wohnung ein Zettel „Ein Kranker kann mich nicht kränken“, um mir dieses Tatsache zu verinnerlichen.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Ihr Lieben,

    na, heute wird es wohl schwer, dem Tag einen positiven Moment abzugewinnen. Draußen hört es sich nach Dauerregen an, ich habe nicht ausgeschlafen, Kopfweh und eigentlich das Bedürfnis, mich wieder in meiner Schlafhöhle zu verkriechen.

    Gestern Abend habe ich noch lange nachgedacht. Habe, als ich die Beiträge von Elfriede und Kaltblut gelesen habe, das Empfinden gehabt, zurückzublicken und mich in ihnen wie in einem Spiegel zu sehen. Mit all der Freude und der Hoffnung, weil es gute Fortschritte macht, das Leben mit dem Anderen. Fälscherweise habe ich dann meine weiteren Erfahrungen zugrunde gelegt, wie es womöglich weitergehen wird. Auch das sind nur MEINE Erfahrungen. Das war wohl wieder ein kleiner Rückfall, wollte Anderen klarmachen, dass ich wüsste wo es lang geht. Dabei suche ich jeden Tag selber noch den richtigen Weg und die Kraft, auf ihm zu bleiben. Vielleicht klappt es bei den Vieren ja wirklich. Ich wünsche es euch von Herzen, Elfriede und Kaltblut, dass es wieder gut wird.

    Ich hatte auch am Wochenende viel Zeit nachzudenken. Lange Strecken fahren, Geschwindigkeitsrausch, rosenstolzes, große Leben rauf und runter hören und laut mitsingen. Ganz viele schöne Momente, die ich mir im Gedächtnis bewahren möchte und deshalb noch einmal schriftlich fixieren möchte, aber erst heute Abend. Es war ein wildes Wochenende und heute merke ich, dass mir die Ruhe gefehlt hat und ich nun eine Art Nachholbedarf habe. Mein Körper zeigt es mir deutlich. Aber leider liegt es nun nicht in meiner Macht, diesem Ruhebedürfnis Rechnung zu tragen. Mein Chef würde es nicht wirklich verstehen.

    Also werde ich jetzt mit viel Wasser den Schlaf, der irgendwie nicht weichen will, von der Haut und aus den Augen spülen und mich auf den Weg in den Tag machen. Mit viel Elan sicherlich nicht, aber auch solche Tage gibt es eben.

    LG
    Ette

    Ayki...

    irgendwo steht was mit goldenen Zungen reden und hätten der Liebe nicht...

    Er muss da jetzt selber durch. Keiner und Keine kann ihn mit IHREN Erfahrungen überzeugen. Er muss seine eigenen sammeln, der heißblütig Kaltblütige.

    Aber eins haste richtig geschrieben Kalli Kaltblut: bisher sind nur die Birnen eingestellt.

    LG
    Ette

    Da hab ich doch glatt noch was vergessen....

    Den Co, Kaltblütiger, den Co kann dir keiner nehmen. Auch wenn deine Frau nicht mehr trinkt und ihr Krams selber auf die Reihe bekommt, DEN hat sie nicht mit nach Berlin genommen. Den Co kannst nur du ganz alleine zum Schweigen bringen.

    Ette

    Moin Kaltblütiger,

    ich bin der gleichen Meinung wie Ayki, dass der Co noch recht präsent ist. Er wird aber immer weiter weggehen, je mehr du guckst, was du selber möchtest. Normalität, die du sehr genau formulieren kannst oder Achterbahnen, die das Kind in dir jauchzen lassen und die Liebe und das Leben in kindlicher Form erleben lassen. Wie Ayki schreibt, ist es hilfreich, sich mit dem inneren Kind auseinander zu setzen, weil es für unsere Gefühle steht. Lass den erwachsenen Kaltblut mal schön dafür sorgen, dass sich Klein-Kalli wohlfühlt, dann wird schon alles werden. Dann weißt du auch, was sowohl als auch sein kann und wo genau du loslassen musst. Du schreibst, dass dein Glaube ein Teil deines Lebens ist bzw. dich überhaupt erst richtig sein lässt. Das Gefühl kenne ich und ich bin zufriedener geworden, je mehr ich meinem Glauben Raum ließ. Nicht dass ich mir den gütigen alten Mann im Himmel vorstelle, aber glauben daran, dass etwas Größeres meine Weg lenkt, kann ich trotzdem.

    So, wie in den 22 Jahren, seitdem du das erste Mal geheiratet hast, manches passiert und gut geworden ist, auch ohne dein Zutun, so wird auch mit der Berlinfahrerin manches gut werden, wenn du nichts tust. Wenn du schreibst, sie fährt heim, dann hast du sie ja wohl kennen und liebengelernt, als sie dort wohnte. Warum sollte euere Liebe nicht wieder kommen, wenn sie nun wieder dort lebt? Du schriebst irgendwo nicht gerade positiv über Fernbeziehungen. Ich meine, Nähe ist keine Frage von Kilometern. Du bist komplett genug, dir die Ruhe anzutun und flexibel genug, mit Entfernungen umzugehen. Aber zulassen und dir über den Umgang damit klar zu werden, das musst du schon.

    Allerdings, ich habe damals den Fehler gemacht, zu warten und zu warten und zu hoffen. Das hab ich losgelassen und es hat mich befreit. Jetzt lebe ich MEIN Leben und freue mich über alles, was trotzdem, ohne dass ich etwas bewegen will, so läuft, wie ich es mir wünsche. Karl, ich denke, du hast die Tatsache Co-Abhängigkeit im Kopf ganz richtig verstanden und dort ausgemerzt. Aber das Fühlen, das Empfinden, das ist das, was uns davon weitestgehend frei macht und das dauert seine Zeit. Jeden Tag ein paar Minuten in das Lernen investieren und den Rest all das tun, erleben und leben, so wie es dir gut tut. Ayki hat geschrieben, wir können uns auch selbst gesund machen. Stimmt! Selbsthilfe – mit der Unterstützung von gleichfalls Betroffenen. Hier ist unsere Gruppe dazu.

    LG
    Ette

    Innocent,

    richtig, der Zeitraffer bricht uns immer wieder das Genick. Im Zeitraffer kommt die Erkenntnis nur in den Kopf und wir müssen es fühlen lernen, dass es nicht gesund ist, was da mit uns und unseren Partnern passiert. Das ist die Krux. Das Fühlen lässt sich viel, viel langsamer verändern. Da ist nix mit Zeitraffer.

    Deine Angst davor, alleine zu leben, getrennt zu leben – ich kann sie so gut nachfühlen, weil es mir ganz genauso ging. Immer und immer wieder habe ich deshalb den Kontakt zu meinem Ex gesucht und das Hoffnungspflänzchen genährt, dass irgendwann doch wieder alles gut wird. Ne, ne, das waren meine Scheuklappen, meine Verdrängungs-Kuscheldecke, die mich hoffen ließen. Die Liebe, die ich immer sah, war nur eine Illusion, die ich brauchte, um mich geliebt zu fühlen. Jetzt geht es schon ganz gut ohne Beziehung, mich als liebenswerten Menschen zu betrachten. Rückfälle gibt es natürlich immer wieder, schließlich haben sich in meiner „Gefühlsbank“ viele Ängste angesammelt, die da gut verwahrt ein Leben lang darauf warten, durch irgendwelche Schlüssel wieder zum Leben erweckt zu werden.

    Irgendwo hat der Kaltblütige etwas von einem Tape geschrieben. Erfahrungen und daraus entstehende Gefühle speichern sich ab wie auf einem Tape, ganz hinten in unserem Kopf, wo wir bewusst wohl keinen Einfluss nehmen können. Aber wir können neuere und bessere Erfahrungen machen, die uns andere, schönere Gefühle erleben lassen. Und damit zum Teil die alten, schlechten Erfahrungen überschreiben. Aber es dauerte seine Zeit.

    Die Büchse der Pandora, ja, ich habe manches Mal gedacht, mein Gott, was kommt denn noch alles! Und immer noch kommt das ein oder andere hoch, was mir ein ganz besch..... Gefühl macht. Allerdings weiß ich inzwischen, dass ich da dann einfach durch muss, es aushalten muss, damit es weggehen kann.

    Hab Geduld mit dir selbst. Der Zeitraffer ist nur zu Anfang, irgendwann wird die Geschwindigkeit erträglicher, weil du erste Ergebnisse siehst.

    LG
    Ette

    Lieber Radi-Karl,

    ich wollte, ich wäre so komplett, wie du mich siehst! Weit gefehlt! Ich bin vielleicht ein, zwei Schritte weiter als du, weil ich früher angefangen habe, zu gehen. Das ist alles. Und dafür hat mir kein Therapeut die Schalter umgelegt. Mir wurde höchstens geholfen, die Schalter zu sehen. Umlegen, drehen, arbeiten, tun, verändern, das musste ich ganz alleine. Dabei zu entscheiden, was ich verändern kann oder will oder auch nicht, war mit die schwierigste Angelegenheit und ist es noch heute. Und überall, wo es nur geht, das Wollen oder nicht Wollen über das Sollen oder nicht Sollen zu stellen, das war und ist für mich wichtig.

    Deine verdachten Gedanken kenne ich, schließlich waren es ganz lange meine eigenen. Ich habe lange Zeit den Glauben gehabt, dass alles funktioniert, wie ich es mir wünsche, wenn ich nur den Glauben daran nicht aufgebe. Ich habe aber nie daran geglaubt, dass ich ein Recht auf Zufriedenheit und Glück ohne Anstrengungen meinerseits habe. Und DAS war MEIN verdachtester Gedanke. Spedi zitiert da zu gern Herrn Valentin. So habe ich es für mich im nachhinein auch empfunden und manchmal heute auch noch. Mögen würd ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich lang nicht getraut. Allerdings arbeite ich dran ;) und es wird immer besser mit dem Trauen.

    Du magst meinen kantigen Spruch nicht. Aber er ist mir immer eine wichtige Stütze gewesen und ist es noch immer. Wenn ich erkenne, was ich tun muss, damit ich zufrieden bin und es auch sein will, dann kann ich auch die entsprechenden Schritte gehen. Wenn sie auch manchmal saumäßig schwer und unangenehm sind und überhaupt nicht angesehen und geachtet von Außenstehenden.

    Du hast aber recht damit, manchmal einfach stehen zu bleiben. Nichts mehr bewegen wollen, die Kontrolle über das Verfahren dem Boss überlassen, der weiß mehr als wir. Wir können nur uns bewegen, in die Richtung, die wir für uns für gut erachten. Für mich war das eine Geschichte, die ich nur konnte, weil ich wollte, nachdem ich erkannt hatte, was ich tun musste. Und dann kommen von ganz alleine die guten, die richtigen Sachen auf mich zu und zwar ohne mich zu überrollen und ohne mich himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt zu machen. Sondern zufrieden, ausgeglichen, sodass sogar die Arbeit runder läuft und ich mich selbst rund fühle, ohne ein einziges Gramm zugenommen zu haben. Aber so hats halt nur bei mir funktioniert. Wie es bei dir gut geht, das musst du selber ausprobieren.

    LG
    Ette

    Guten Morgen Ihr Lieben, hallo Elle,

    Also das mit der Verdrängung – sie als Kuscheldecke zu bezeichnen ist leider nicht von mir. Mir hat nur das Bild so gut gefallen, deshalb hab ich es übernommen. Die Funktion der Verdrängung, das habe ich bei mir selbst festgestellt, funktioniert schon so. Und es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich mich traute, die Schmusedecke wegzutun, ohne dass ich mich ganz jämmerlich fühlte. Ich glaube, dass dies auch ein typisches Co-Phänomen ist. Wir wollen so gerne etwas sehen und ignorieren die Fakten, um uns unsere Illusion zu erhalten. Schließlich haben wir unseren Partner lieb, haben die Vorstellung, dass alles gut wird, wenn er nicht mehr trinkt. Dabei habe ich zum Beispiel übersehen, dass wir absolut unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie dieses „gut“ aussehen sollte. Heute kann ich ihn mit seiner Unterschiedlichkeit viel besser annehmen, weil ich nicht mehr den Anspruch habe, dass er so sein soll, wie ich ihn mir vorstelle. Einfach so, ohne ihn als Partner haben zu wollen.

    Träume – heute nacht habe ich anscheinend gar nicht geträumt. Dafür hatte ich gestern Abend traumhafte Bilder. Vielleicht weil es das erste Erlebnis dieser Art bzw. bei solch einem Wetter war. Musik – bekannte, unbekannte, rockige, sanft-balladige und Regen. Jeeeede Menge Regen! Wenn mir einer erzählt hätte, ich würde bei so einem Wetter zu einem Open-Air-Konzert gehen, hätte ich diesen Menschen für verrückt erklärt. Aber ich habs getan und es war einfach einmalig.

    Wetterfest verpackt, mit Gummistiefeln, Regenhose und dicht verkapuzt, saß ich da und war wie verzaubert, denn der Regen gab eine wunderschöne Kulisse ab. Wie ein Perlenvorhang schimmerte er im Scheinwerferlicht und veränderte seine Farbe mit den bunten Strahlen, die von der Bühne über die Zuschauer schweifte. Als es noch hell war, kunterbunt die Vielfalt der Regenschirme und Menschen, die trotz Nässe im Takt der Musik mitwippten. Rockiges vom blauen Planeten, dem Schwanenkönig, von sieben Brücken und davon, dass einer alt wie ein Baum werden möchte. Geigenklänge, die wie mit dem Wind zu wehen schienen und ein Sänger, der, da die Technik ob der Nässe eine kleine Pause brauchte, ganze ohne Begleitung eine Ballade sang, dass ich Gänsehaut bekam. Einfach schön!

    Und gut geschlafen habe ich hinterher, denn die ganze Zeit an der frischen Luft hatte mich ordentlich müde gemacht. Deshalb werde ich heute Abend sicherlich auch wieder gut schlafen, denn gleich mache ich mich auf den Weg. Allerdings wird es heute eine ganze andere, salzigere Luft sein.

    Bis denne

    Ette