Beiträge von Hartmut

    Das find ich sehr demotivierend.

    Du findest die Antworten hier demotivierend. Kann passieren, wenn man sie persönlich liest.;) Ich habe solche Hinweise für mich allerdings immer anders eingeordnet, als Erfahrungen von Menschen, die den Weg schon vor mir gegangen sind.

    Die fallen ja nicht vom Himmel und werden auch nicht morgens beim Kaffee erfunden.

    Hier schreiben Leute, die vieles davon selbst durchhaben. Nähe zum Alkohol, Selbstbetrug, „Ich schaff das allein“, Urlaub als Stolperstein, Genussgedanken oder eine noch fehlende stabile Basis.

    Das kann hart klingen. Für mich ist es nichts anderes als gelebte Suchtrealität.

    Wenn ich das so einordne, verlieren solche Hinweise auch ihren „Demotivationsfaktor“. Dann sind sie keine Kritik an meiner Person, sondern vielleicht genau der Hinweis, den ich gerade nicht hören möchte.;)

    Und auch da beginnt für mich Eigenverantwortung. Wenn ich mich zurückziehe und alles lieber im stillen Kämmerlein mit mir selbst ausmache, weil hier etwas stehen könnte, das mir nicht gefällt, darf ich mich zumindest fragen: Schütze ich gerade mich – oder schütze ich einen Gedanken, den ich nicht hinterfragen möchte?

    Meine Sucht hat sich jedenfalls nie für Eitelkeiten interessiert. Die knüpft nicht daran an, ob ich mich verstanden, motiviert oder gekränkt fühle. Sie knüpft an die alten nassen Gedanken an, wenn ich ihnen wieder Platz gebe.

    Mehr steckt für mich hinter solchen Hinweisen nicht.

    Pass auf dich auf.

    Step, Stolz ersetzt keine Stabilität. Der Wunsch nach Normalität ist nachvollziehbar, aber genau diese „Normalität“ hat dich früher auch immer wieder zur Flasche greifen lassen.

    Du hattest ja schon mehrere Versuche, trocken zu werden. Und die Sucht beherrscht Wiederholungen aus dem Effeff. Die vergisst nichts – auch nicht das erste Glas.

    Natürlich ist Alkohol überall. Aber nur weil Alkohol überall ist, muss ich nicht überall sein.

    Die Gegenargumente, warum man dieses oder jenes angeblich „nicht ändern kann“, könnte ich dir inzwischen wahrscheinlich im Schlaf aufzählen. Sie sind fast immer dieselben. Und leider wiederholen sich auch die Wege zurück zur Flasche erstaunlich zuverlässig.

    Am Ende dienen viele dieser Argumente nur einem Zweck: möglichst wenig verändern zu müssen.

    Und ja, Verantwortung nach außen abzugeben bedeutet für mich auch, die eigene Verantwortung kleiner zu machen. Dein Umfeld bleibt dein Umfeld, egal wie schön du es dir erklärst.

    Ein Trigger wird nicht ungefährlicher, nur weil ich eine gute Begründung dafür habe, warum ich mich ihm aussetze.

    Dir alles Gute

    Uiii – das ist für mich klassische Verantwortung nach außen schieben.;)

    Es sind Richtlinien, keine Regeln – eher Wege als in Stein gemeißelte Gesetze. Dennoch zeigen sie klar, wie man Risiken bestmöglich minimieren kann.

    Und ja: Ich kann mich aus allem raushalten, wenn meine Trockenheit gefährdet ist. Familie, Freunde, Feiern, Erwartungen – völlig egal. Wenn meine Abstinenz auf der einen Seite steht, gibt es für mich auf der anderen nichts zu verhandeln.

    Alles andere sind für mich schnell vorgeschobene Gründe, um nicht das zu tun, was zur eigenen Sicherheit notwendig wäre. Die Sucht interessiert sich nämlich herzlich wenig für menschliche Bedürfnisse, Befindlichkeiten oder gesellschaftliche Höflichkeit. Die macht keine Sonderregelung, weil Tante Erna Geburtstag hat. ;)

    Wer nicht offen zu seiner Alkoholabhängigkeit steht, fängt leicht an, Kompromisse zu schließen. Erst einen kleinen, dann den nächsten und irgendwann wundert man sich, warum die Flasche wieder erstaunlich nah steht.

    Für mich gibt es deshalb eine Regel, die über allem steht: trocken bleiben.

    Wer dafür bewusst ein vermeidbares Risiko eingeht, muss diese Entscheidung auch selbst verantworten. Ich würde es nicht tun. In diesem Sinne wünsche ich dir genau das, trocken bleiben.

    Ich denke, dass Männer allgemein ein Problem haben, Gefühle zu zeigen oder zu äußern

    Männer können keine Gefühle zeigen? Das wäre bei einer Sucht vielleicht sogar gar nicht so schlecht, auch wenn ich bezweifle, dass es wirklich so ist. Ich zeige meine Gefühle nur nicht immer so, wie andere es sich vorstellen. :whistling:

    Aber mal ernsthaft: Hilft mir das auf meinem Weg beim Trockenwerden? Interessiert es meine Sucht, wie mein Umfeld auf meine Gefühle reagiert? Hilft es mir, ständig nach außen zu schauen und mich zu fragen, was der jetzt denkt, wie die darauf reagiert oder ob mich überhaupt jemand versteht? Nee. Ab in die Tonne damit. ;)

    Für mich gibt es beim Trockenwerden eine ganz einfache Wahrheit: Die Welt um mich herum wird nicht trockener, nur weil ich aufgehört habe zu saufen. Nicht für mich. Nicht für irgendwen.

    Familie bleibt, wie sie ist. Partner bleiben, wie sie sind. Freunde bleiben, wie sie sind. Und Alkohol bleibt sowieso überall. Der hat sich von meiner Abstinenz erstaunlich wenig beeindrucken lassen.

    Natürlich habe ich mir damals auch gewünscht, dass andere verstehen, was Abstinenz für mich bedeutet. Für mich wurde genau diese Hoffnung irgendwann zur Falle. Ich bin oft genug hineingelaufen, bis ich begriffen habe: Meine Abstinenz ist meine Baustelle. Nicht die meiner Familie, meines Partners oder meiner Freunde.

    Also habe ich irgendwann aufgehört, meine Energie dafür zu verwenden, andere zu überzeugen. Die Energie brauchte ich selbst, um mein Risiko so klein wie möglich zu halten. Wenn mich etwas triggert, gehe ich nicht hin. Wenn mir eine Situation nicht guttut, meide ich sie. Nicht, weil die anderen etwas falsch machen, sondern weil ich trocken bleiben will.

    Und dabei ist mir irgendwann egal geworden, wer auf der anderen Seite steht. Oma, Opa, Kinder, Familie, Freunde oder enge Partnerschaft. Die eigentliche Kunst war für mich, genau dort den nötigen Egoismus zu entwickeln.

    Ich muss trocken bleiben. Denn damit steht und fällt alles andere.

    Der andere muss das nicht verstehen, nicht gut finden und auch nicht beklatschen. Das ist seins. Meine Abstinenz ist meins. Das ist nicht immer schön, nicht immer fair und schon gar nicht immer harmonisch. Aber Harmonie hält mich nicht trocken.;)

    Nach fast zwanzig Jahren kann ich sagen. Genau diese Haltung hat mir Freiheit gegeben. Meine Abstinenz hing irgendwann nicht mehr davon ab, ob andere sich ändern, sondern davon, welche Entscheidungen ich selbst treffe.

    Ich habe mit 16 von meinem Opa einen Flachmann aus Edelstahl bekommen, damit ich auf der Baustelle im Winter nicht zu sehr fror.;)

    Und ja, ich gehörte auch zu denen, die gern gesoffen haben und mehr vertragen konnten als die meisten. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem nicht mehr ich das Saufen im Griff hatte, sondern das Saufen mich.

    Ich gehöre nicht zu den Menschen, die ihre nasse Zeit verteufeln oder dramatisieren. Sie war einfach ein Teil meines Lebens. Nicht immer ein guter Teil, aber eben ein Teil.

    Ich gehöre allerdings auch zu denen, die sagen: Hättest du nicht gesoffen, wären manche Entscheidungen nie gefallen. So einfach ist das.

    Ich trauere dieser Zeit nicht nach. Ich beschönige sie aber auch nicht. Ich muss sie weder verteufeln noch verklären. Sie war, wie sie war.

    Und das Aufhören?

    Ich bin kein Freund von Floskeln. „Aufhören war das Beste, was ich tun konnte.“ Klingt gut. Für mich war es etwas anderes.

    Es war notwendig. Nicht heroisch. Nicht romantisch. Einfach notwendig.

    Ich kenne nur zwei, die in den letzten fast 20 Jahren hier versucht haben, ein Buch zu schreiben — aber veröffentlicht hat am Ende keiner von ihnen etwas.

    --

    Erzähl mal mehr Hartmut ! 😆

    Ich tausche mich grundsätzlich nicht über User aus, die nicht mehr hier sind. Sie können nichts dazu schreiben, nichts richtigstellen, nichts erklären und ich bin kein Freund davon, über Menschen zu spekulieren.

    Soviel nur ganz sachlich: Der erste, der damals ein Buch schreiben wollte und auch angefangen hatte, ist später rückfällig geworden und — soweit ich mitbekommen habe — lebt heute nicht mehr. Das ist aber schon lange her.

    Der andere hat versucht, hier aus einer therapeutischen Sicht zu schreiben. Das hat zu Unstimmigkeiten geführt, und er ist nicht mehr im Forum.

    Mehr gibt es dazu nicht.

    Hat hier schon einmal jemand den Gedanken gehabt ein Buch/Text zu schreiben über Alkoholismus und den Weg in die Trockenheit?

    Ich kenne nur zwei, die in den letzten fast 20 Jahren hier versucht haben, ein Buch zu schreiben — aber veröffentlicht hat am Ende keiner von ihnen etwas.

    Ich würde gerne ein Buch von Hartmut lesen!

    Auch du lieber Himmel … ein Buch. :mrgreen: Aber danke für das Kompliment – sofern es eins ist.

    Dalida, wenn es irgendwann mal so weit sein sollte, sage ich Bescheid.

    Im Moment bleibe ich lieber hier, mitten in den Suchtthemen, direkt am User. Näher an der Front geht’s kaum. In Bücher wird oft mehr hineingelesen, als der Autor überhaupt geschrieben hat.

    Hier in der SHG zählt für mich etwas anderes, der direkte Austausch, unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen, Missverständnisse klären und manchmal auch miteinander ringen.:whistling:

    Das ist mir im Moment — auch nach fast 20 Jahren hier — wichtiger als jedes Buchprojekt.

    Aber seine Worte waren gestern, dass ich ja von jetzt auf gleich aufhöre Alkohol zu trinken und er damit erstmal zurechtkommen muss.
    Und ja.. ich verstehe es auch irgendwie. Ich hätte viel früher offener sein müssen…

    Uiiiiii… 😉 Aus meiner Erfahrung spielt er gerade erst einmal auf Zeit.

    Ein bisschen schlechtes Gewissen einreden. Ein bisschen Verständnis zeigen. Ein bisschen „Ich muss mich erst daran gewöhnen.“ Das klingt erst einmal verständnisvoll.

    Für mich heißt das aber: Er hat deine Entscheidung noch nicht angenommen.

    Du machst gerade nichts Besonderes. Du hast aufgehört, Alkohol zu trinken. Mehr ist es erstmal nicht.

    Für ihn gerät natürlich jetzt auch seine bisherige Sauf-Normalität ins Wanken. Ihm schwimmen die Felle davon, und genau das ist für mich das eigentliche Thema..

    Was dir viel mehr Sorgen machen sollte, bist du. Du hast schon mehrere Anläufe hinter dir. Jeder gescheiterte Versuch hat gezeigt, wie schnell die Sucht wieder übernimmt.

    Jetzt sitzt der Alkohol nicht irgendwo weit weg. Er sitzt regelmäßig mit am Tisch.

    Das ist kein gelegentlicher Trigger, das ist Alltag. Und gegen einen Alltagstrigger, eine Dauerbeschallung, kenne ich aus eigener Erfahrung keinen Notfallkoffer.

    Der hilft vielleicht in einer akuten Situation. Aber nicht, wenn die Sucht jeden Tag aufs Neue Futter bekommt.

    Welche Möglichkeiten hast du? Entweder er hört ebenfalls auf zu saufen, oder du musst damit leben, dass dieses Risiko jeden einzelnen Tag neben dir sitzt, oder Trennung.

    Das ist keine Bewertung eurer Beziehung, sondern meine Erfahrung als Alkoholiker.

    Am Anfang meines Weges musste ich nicht beweisen, wie stark ich bin. Ich musste dafür sorgen, dass meine Sucht möglichst wenig Gelegenheiten bekommt.

    Dir alles Gute.

    Hallo JEB,

    gut, dass du dich nach dem Rückfall wieder meldest. Viele verschwinden nach einem Rückfall ,du nicht. Mein Respekt.

    Ja der Wunsch aufzuhören war da. Aber die Grundbausteine, die Basics, die wir hier vermitteln, wurden eben nicht umgesetzt. Das ist nichts Ungewöhnliches –,am Anfang hat fast jeder mehr gute Vorsätze als den Mut, das wirklich umzusetzen, was notwendig ist.

    Wenn ich etwas falsch einordne, sag Bescheid. Mir geht es nicht darum, dir etwas vorzuwerfen. Ich möchte dir zeigen, warum Rückfälle oft nach dem gleichen Muster passieren – nicht, weil man „versagt“, sondern weil die Sucht genau die Stellen nutzt, an denen noch Lücken sind.

    Ein Punkt ist der Start. Der Arztbesuch am Anfang hat gefehlt. Für viele ist das der Moment, an dem der Weg wirklich beginnt, einmal offen aussprechen, was los ist, sich medizinisch absichern, sich zum Alkoholismus bekennen. Wenn dieser Baustein fehlt, fehlt ein Stück Stabilität.

    Auch die reale SHG war nur ein Plan. Du hast sie gefunden, aber bist nicht hingegangen

    Dann das "nasse" Umfeld. Deine Familie wusste nichts oder ? Dein Partner konnte die Tragweite nicht wirklich einschätzen. Das ist keine Schuldfrage. Aber es bedeutet, dass du am Anfang ohne eigenen Schutz unterwegs warst.

    Und genau das ist passiert. Biergarten, trinkende Familie, toxische Atmosphäre – das ist für die Sucht ein gefundenes Fressen. Nicht weil der Biergarten schuld ist, sondern weil die Sucht solche Situationen dankbar annimmt. Ich habe im ersten Jahr konsequent alles gemieden, wo Alkohol selbstverständlich dazugehört. Nicht aus Angst, sondern weil ich meiner Sucht möglichst wenig Angriffsfläche geben wollte.

    Auch die Schutzmechanismen wie HALT oder der Notfallkoffer helfen nur, wenn man sie im entscheidenden Moment auch nutzt. Man kann sie kennen und trotzdem nicht einsetzen. Und genau deshalb sind die Grundbausteine am Anfang so wichtig:.

    Sie fangen vieles ab, bevor es überhaupt kritisch wird.

    Das alles ist keine Bewertung deiner Person. Es zeigt nur, warum es schiefgehen konnte. Nicht der Wille hat gefehlt. Es haben die Schutzmechanismen gefehlt, die den Willen im Alltag tragen. Die gute Nachricht: Genau das lässt sich aufbauen. Ein Rückfall macht den Weg nicht unmöglich. Er zeigt nur sehr deutlich, wo die Sucht noch Lücken gefunden hat.

    Mein Umfeld kann ich nicht ändern. Wie sie reagieren, liegt nicht in meiner Hand. Aber ich kann mich auf meine Sucht einstellen – denn wenn ich das nicht tue, saufe ich halt wieder

    Leider hatte ich gestern einen Rückfall. Darf ich hier davon erzählen?

    Wegen eines Rückfalls wird hier niemand rausgeworfen. Entscheidend ist nur, was du jetzt vorhast.

    Weitersaufen – dann können wir dir nicht helfen, weil das Forum auf Abstinenz ausgerichtet ist.

    Sofort wieder aufhören – dann bleibst du hier, schreibst weiter und wir begleiten dich. Aber kläre das unbedingt mit deinem Arzt ab, wegen einer eventuell notwendigen erneuten Entgiftung.

    Mehr ist es nicht. Ein Rückfall ist kein Grund für einen Ausschluss, aber er markiert einen Wendepunkt. Du bestimmst, in welche Richtung es weitergeht.

    Mal meine Sicht

    Steevie, aus meiner Erfahrung ist nicht deine Wahrnehmung das Problem.;) Wenn man nüchtern wird, sieht man Dinge klarer, die vorher vom Alkohol überdeckt waren.

    Und du kennst das selbst. Du warst lange nass – du weißt, wie Alkohol Stimmung, Reizschwelle und Wahrnehmung verschiebt. Das passiert nicht erst seit du nüchtern bist. Das war immer da, nur weggeschüttet. Ganz normale Suchtmechanik.

    Ich habe es oft erlebt: In Beziehungen, in denen einer nüchtern wird und der andere weitersäuft, beginnt genau diese Entwicklung. Der Nüchterne wird ruhiger, klarer, stabiler. Der Trinkende wird unruhiger, gereizter, verzerrter. Die Klarheit des einen hält dem anderen den Spiegel vor. Und das wird verteidigt, sein Revier ist der Alkohol, dein Revier ist die Nüchternheit.

    Wenn sich daran nichts ändert, steht der nüchterne Alkoholiker irgendwann vor einer Entscheidung. Nicht aus Schwäche, sondern weil die Sucht solche Konstellationen ausnutzt: sich schützen oder über kurz oder lang wieder mitsaufen.

    Das Risiko ist nicht deine neue Wahrnehmung. Das Risiko ist das nasse Umfeld und das kennst du aus deiner eigenen nassen Zeit besser als jeder Außenstehende.

    Und jetzt komm ich zu meinem heiklen Punkt. Wann sag ich ihr daß?

    Ganz einfach: Ich bin Alkoholiker.

    Mehr ist es nicht. Warum willst du darum herumreden?

    Der Partner weiß im Grunde längst über das Trinkverhalten Bescheid. Ich glaube niemandem, der in einer Beziehung lebt, dass er das vollständig verheimlichen kann , zumindest nicht, wenn man zusammenlebt.

    Es mag sein, dass der Partner den Begriff Alkoholiker aus Unwissenheit falsch einordnet. Aber genau da geht es weiter. Das ist keine Schwäche, sondern eine Krankheit. Das hat nichts mit Willenskraft oder dem ganzen Blockmist zu tun, den man sonst so hört.

    Es nutz ja nichts denn um einen stabilen Abstinenz aufzubauen, gehören auch Maßnahmen dazu, die beide betreffen, Beisiel alkoholfreies Umfeld, alkoholfreies Zuhause und vieles mehr.

    Habt ihr denn einen Notfallplan, was ihr macht, wenn er an eurem 3-tägigen Hochzeitsfest trinkt?

    Wenn ein Alkoholiker trinken muss, gibt es nur zwei Optionen: tolerieren oder ausschließen. Alles andere sind emotionale Dramen, Ängste und Projektionen.

    Die Sucht kümmert das nicht – sie ist völlig gleichgültig und übernimmt die Rolle eines Alkoholikers.

    Ich fasse das mal nüchtern und aus meiner Sicht als trockener Alkoholiker zusammen.

    Es ist der beste Freund deines Mannes. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass dein Mann ihn anders sieht. Er hat selbst kein Alkoholproblem und erlebt seinen Freund aus einer anderen Perspektive.

    Ihr bewertet die Situation deshalb auch unterschiedlich. Du reagierst sensibler, weil du mit Alkohol schlechte Erfahrungen gemacht hast. Ob der Trauzeuge das weiß oder nicht, ist für mich zunächst zweitrangig.

    Dass ein nasser Alkoholiker Alkohol ins Spiel bringt, überrascht mich nicht. Das ist für mich typisches Suchtverhalten und kein Beweis dafür, dass er euch persönlich verletzen wollte. Die Sucht denkt nun einmal anders als ein nüchterner Mensch.

    Das entschuldigt sein Verhalten aber nicht.;)

    Eine „Dry Wedding“ bewusst zu ignorieren, bleibt eine klare Grenzüberschreitung. Dafür trägt er trotz seiner Suchterkrankung die Verantwortung.

    Mit einem nassen Alkoholiker über solche Dinge zu diskutieren, führt nach meiner Erfahrung selten weiter. Solange die Sucht das Denken bestimmt, haben vernünftige Argumente meist einen schweren Stand.

    Mich würde eher interessieren, wie dein Mann die Situation heute sieht. Sein Freund hatte die Chance, eure Entscheidung zu respektieren. Stattdessen hat er sich wie ein nasser Alkoholiker verhalten. Das macht ihn nicht zu einem schlechten Menschen, aber zu einem kranken Freund, dessen Verhalten von seiner Sucht geprägt ist.

    Dann melde ich mich kurz aus meiner Sommerpause – da unterbreche ich doch gerne. :mrgreen:

    Ein Jahr ist nicht „irgendwas“. Es ist eine Marke, die längst nicht jeder erreicht.
    Dazu meine herzliche Gratulation!

    Alles davor hast du dir selbst erarbeitet. Du hast dir Hilfe geholt, sie angenommen und etwas gefunden, das dir hilft. Wir hier sind nur die Plattform.

    Den Weg bist du selbst gegangen. Mach genauso weiter. Denn das erste Jahr ist kein Ziel.

    Es ist das Fundament für alles, was noch kommt.

    Ich wünsche dir, dass aus einem Jahr viele weitere werden.

    Ich bin nicht nach einem Rückfall wieder hierhergekommen.

    Die Rückfälle waren im letztem Jahr

    Das ist doch nach dem Rückfall, Aennie. Also das erste Mal, dass du hier wieder bist.

    Du warst lange hier, hast dich ausgetauscht, und es sah alles stabil aus. Da muss etwas passiert sein – das fällt nicht einfach vom Himmel.

    Es geht auch hier nicht darum, jeden Ratschlag anzunehmen. Es geht darum zu sehen, was die Sucht macht. Wir haben hier Risikominimierung in Form von Grundbausteinen. Kennst du noch? Das sind keine Ratschläge, das sind Wege, die Langzeittrockene zusammengetragen haben. Erfahrungen, die funktionieren.

    Getan habe ich: mich von allen die mir gut gemeinte Ratschläge gaben, ferngehalten.

    Ratschläge sind ja keine selbstgemachten Erfahrungen, und ich hatte mich am Anfang an die Füße der Langzeitrockner gehängt. Woher bekamst du die? Bei uns hier?

    Es machte Klick und seitdem trinke ich nicht mehr.

    Aufhören ist das eine, trocken bleiben das andere. Dazu gehört auch, zu verstehen, wie Sucht funktioniert.

    Alles Gute dafür.

    Das Forenteam
    17. Mai 2021 um 16:40

    Klar kannst du so sein, wie du bist. Aber ein paar Umgangsformen sollte man schon einhalten, findest du nicht?

    Du bist ja nach einem Rückfall wieder hierhergekommen, dann erzähl doch mal, wie es dazu kam.

    Warum hast du wieder das saufen angefangen,,?

    Das ist doch das, was hier interessiert und was machst du jetzt anders?

    Wie sieht dein alkoholfreies Umfeld aus? Hast du Alkohol zu Hause? Wie gehst du außerhalb der Therapie vor?

    Das sind doch die Fragen und Antworten, die jedem weiterhelfen.

    Schließlich hast du dich in einem Austauschforum angemeldet, aber wenn dir das wider ist, sag Bescheid und dann deaktiviere ich deinen Account und gut ist

    Hallo Aennie, ganz schön patzig.

    Ein Mindestmaß an Respekt gegenüber den Leuten, die sich hier melden und sich mit deinem Thema beschäftigen, darf man erwarten.

    Wenn du keinen Austausch willst – alles gut. Aber dann frage ich mich, warum du überhaupt um Freischaltung gebeten hast.

    Natürlich kannst du im stillen Kämmerlein sitzen, hinter dem Vorhang beobachten und schauen, was hier passiert. Dafür brauchst du keine Freischaltung. Lesen kannst du auch ohne.

    Überleg es dir.

    Ich schreibe jetzt im geschlossenen Bereich weiter

    Finde ich gut.

    Das Problem ist, dass du deine Themen immer wieder im offenen Bereich platzierst. Dort lesen viele aus dem geschlossenen Bereich gar nicht mit. ;) Und im Offenen gibt es klare Regeln.. Wortwahl, Ton, Persönlichkeitsrechte und keine erkennbaren Beschreibungen von Personen, die nicht anwesend sind. Außerdem solte es im offenen Bereich hauptsächlich suchtbezogen bleiben.

    Alles, was tiefer geht oder persönliche Konflikte betrifft, gehört in den geschlossenen Bereich. Dort kannst du offener schreiben, ohne dass Außenstehende mitlesen oder mitbewerten.

    Sonst blickt hier keiner mehr richtig durch, und daraus entsteht das Chaos.

    Absti hat ein Problem, er öffnet sich, teilt es uns mit.

    Meine Aufgabe ist es nicht zu bewerten, sondern zu zuhören.

    Bewertet wird doch immer. Selbst wenn ich schreibe, etwas wertfrei zu sehen, ist das am Ende schon wieder eine Bewertung. ;) Ganz ohne geht es gar nicht.

    Für mich bedeutet meine Aufgabe hier Selbsthilfe. Ich höre zu, ich schreibe aus meiner Erfahrung und ich sage, wie ich etwas sehe. Mehr nicht. Aber ich muss nicht für andere denken oder sprechen. Wir sind hier alle groß genug, den Mund selbst aufzumachen.

    Wenn jemand meint, für mich in die Bresche springen oder mich verteidigen zu müssen, werde ich eher „ungehalten“. :saint: Ich habe extra noch mal auf meinen Personalausweis geschaut, ich bin alt genug. Genauso wenig möchte ich für andere sprechen.Ich weiß schließlich gar nicht, was der andere wirklich denkt, fühlt oder sagen möchte.

    Deshalb spreche ich für mich. Der andere spricht für sich und ein „Wir sprechen alle gemeinsam“ gibt es für mich in der Selbsthilfe nicht. Es gibt nur viele "Ichs", die ihre eigenen Erfahrungen teilen.

    Auch wenn es schwer zu verstehen ist. Ein Co‑Abhängiger kann den Alkoholiker nicht trockenlegen. Nicht motivieren, nicht retten, nicht "helfen wollen"

    Das ist eine Never‑Ending‑Story.

    Ich habe ihm vorgeschlagen sich Hilfe bzw ein Gespräch durch eine Beratungsstelle zu vereinbaren aber dies wollte er auf gar keinen Fall.

    Was willst du denn noch wissen, was du nicht längst weißt? Er weiß doch, ob er ein Problem hat oder eben nicht. Oder brauchst du eine Bestätigung von außen, dass er ein Problem hat?

    Willst du ihm die Augen öffnen? Ihm irgendwas überstülpen, nur weil ein Berater etwas gesagt hat? Neue Karten in die Hand drücken, damit er endlich "einsieht", was du schon seit Monaten siehst?

    Ein Alkoholiker ist nicht bescheuert. Der weiß ganz genau über sein Trinkverhalten Bescheid oft besser als das Umfeld. Wenn er nicht will, bringt jedes Reden nichts.

    Nicht du, nicht die Familie, nicht das Umfeld entscheidet den Zeitpunkt. Wenn er irgendwann bereit ist, es zu sehen, dann holt er sich Hilfe.

    Alles andere ist Zeitverschwendung.