Zum Alkohol. Ich habe nie gesoffen weil Bier da war. Ich habe auch nie getrunken weil ich konnte oder es mir erlaubt habe.
Also: doch nicht süchtig?
Wenn ich nur saufe wegen der Umstände, dann ist das keine Sucht, das ist Missbrauch. Sucht ist es erst, wenn ich trinken muss – unabhängig von Gründen, Stimmung oder Situation. Wer sich einredet, „ich trinke ja nur, weil …“, beschreibt exakt das Gegenteil von Sucht.
Das ist die "Komfortzone" des Missbrauchers, nicht die Realität eines Alkoholikers.
Man sagt ja Sucht ist nicht heilbar, nur Stoppbar. Ich habe für mich festgestellt, dass man erstmal zu sich kommen muss und dann gar nicht die Probleme verdrängen/ ertrinken muss.
„Zu sich kommen“ ist kein Ausstieg aus einer Sucht. Für einen Alkoholiker braucht es eine Notwendigkeit, geboren aus der klaren Erkenntnis, Alkoholiker zu sein. Alles andere ist ein Zusammenlegen von Gründen, ein Schönreden, ein Verschieben. Denn ob ich Probleme verdränge, erkenne, löse oder ob sie mal weg sind, ändert nichts an einer Sucht.
Und ob du ein Wrack bist oder nicht, das kann ich nicht beurteilen. Ob du das hier als „arme Sau“ verbreiten willst oder ob es stimmt, ist in diesem Rahmen nicht zu klären. Das gehört in ein Gespräch mit deinem Therapeuten, nicht in ein Forum, das deine Selbsteinschätzung weder prüfen noch korrigieren kann.
Warum ich so direkt schreibe? Weil es eben auch Irrtümer gibt und weil es möglich ist, dass jemand sich in eine Krankheit „hineinrettet“, die vielleicht gar nicht da ist. Ich hatte selbst jahrelang ein exzessives Trinkverhalten und war trotzdem nicht süchtig, nur stark gefährdet. Und genau das wünsche ich dir dass du "Nur" gefährdet warst aber nicht abhängig.
Es ist kein Weltuntergang, Alkoholiker zu sein zumindest ein trockener
. Schlimm ist nur, einer sein zu wollen, um eine Ausrede zu haben. Zum Beispiel: „Ich habe zu viel gesoffen, deswegen ist die Beziehung an die Wand gefahren.“
Das ist nicht fremdverschuldet, das ist eben nur eine bequeme Erklärung
Verstehst du, was ich meine?
Und bevor das falsch verstanden wird! Ich spreche niemandem eine Krankheit ab. Mir geht es nur darum, jedem Klarheit zu wünschen , das mache ich bei keiner anderen Erkrankung anders. Aber die Erfahrung zeigt eben auch hier.
Manche flüchten sich in Erklärungen, die einfacher zu ertragen sind als die Realität.