Beiträge von Hartmut

    Hallo Matze,

    mal offen und ehrlich meine Gedanken dazu. Keine Kritik, sondern meine persönliche Betrachtung aus eigener Erfahrung.

    Klingt alles nett und schön, was da aufgezählt wird, was man nach einem Rückfall tun kann. Alle Hebel in Bewegung setzen, nach außen zeigen: Schaut her, was ich alles mache. Am Ende sind das aber erst mal nur leere Worte. Äußere Hilfe, Werkzeuge oder eine Selbsthilfegruppe halten mich nicht vom Saufen ab, wenn die innere Entscheidung dazu längst gefallen ist.

    Es muss im Inneren ankommen. Die entscheidende Frage ist: Ist es das bei dir schon? Dabei geht es nicht einmal primär um das Verstehen der Sucht, sondern um die Auswirkungen. Es gibt kein Zurück. Es gibt kein Probieren. Es gibt nur einen Weg.

    Dass dabei innere Zwiegespräche laufen, ist völlig normal. Die Sucht schreit: „Sauf.“ Du schreist dagegen: „Nein.“ Und wer am Ende gewinnt, sieht man am Ergebnis.

    Wenn Akzeptanz das A ist und Kapitulation das O, dann gilt. Fehlt das A oder das O, bist du raus. Das sind meine Erfahrungen.

    Wenn dir klar ist, dass du Alkoholiker bist und Suchtdruck aufkommt, den du nicht mehr händeln kannst, bleibt zumindest eine Option: rechtzeitig Kontakt zur SHG aufnehmen. Nicht, weil wir hier oder deine reale Gruppe dich vom Saufen abhalten könnten, sondern als Unterstützung.

    Wenn jemand saufen will, läuft das Programm im Kopf längst Tage vorher. Das entscheidet sich nicht in der letzten Minute.

    Ich sehe hier immer wieder dasselbe Muster. Austausch, dann plötzlicher Abbruch, Tage später ein Rückfall und danach wieder zurück. Das zeigt doch, dass im Kopf schon lange etwas abläuft.

    Ich kenne das von mir selbst. Ich hatte das ganze Wissen parat, was man nach einem Rückfall tun soll. Im Grunde ein mentales Notfallpaket für danach. Und genau da liegt der Knackpunkt. Wenn man sich innerlich schon auf „danach“ vorbereitet, ist die Entscheidung oft längst gefallen.

    Das ist kein Angriff. Alles Gute für deinen Weg.

    Meine eigenen Erfahrungen damit – und der Austausch mit anderen, auch wenn ich selbst davon weitgehend verschont geblieben bin, bis auf ein einziges Mal – zeigen mir. Suchtdruck kommt und geht. Er verschwindet eventuell nicht sofort und kann wieder auftauchen, verliert aber Macht, wenn ich ihn einordne statt ihn zu bekämpfen.

    Nicht dramatisieren, nicht diskutieren, nur registrieren. „Ah, da bist du wieder.“ Mehr nicht. Er ist temporär, kein Notfall und ganz sicher kein Chef mehr! ;) Denken ja, aber handeln ist wichtiger. Grübeln füttert die Sucht, Handlung nimmt ihr den Sauerstoff.

    Ob Notfallkoffer oder eigene Strategien ist egal . Hauptsache tun.

    Wie seht ihr das, wie habt ihr das erlebt?

    Meinst du damit auch eine Klarstellung über die unterschiedlichen Werte und Interessen,

    Ich verbinde diese Werte vor allem mit dem Selbstwert, und in diesem Thread geht es mir ausschließlich um die Perspektive der Co‑Betroffenen. Natürlich nicht aus Selbstlosigkeit;), sondern weil es ja oft heißt, dass nur Co wirklich Co verstehen können .

    Gerade in einer Beziehung mit einem nassen Alkoholiker ist der eigene Selbstwert häufig nicht besonders hoch. Viele Co‑Betroffene übernehmen anfangs die Vorstellung, sie seien schuld daran, dass der Alkoholiker säuft .Wenn einem das immer wieder vermittelt wird, übernimmt man diese Sicht irgendwann möglicherweise und verstärkt die eigenen Bemühungen, ihn trocken zu bekommen. Das habe ich hier im Forum auch schon öfter gelesen.

    Langfristig zehrt genau dieses auch am Selbstwert. Oder nicht? Und wenn der Alkoholiker dann trocken ist, liegt es nahe, ihn weiter zu kontrollieren was wiederum Auswirkungen auf den eigenen Selbstwert hat.

    Zu kompliziert, mein Denken?

    Mir ging es um eine Erklärung, aus der ich erkenne, dass er die Tragweite verstanden hat – dass die Abstinenz so wichtig ist, dass er sie nicht leichtfertig riskiert.

    Ich frage mich oft, ob wirklich bewusst ist, was in solchen Situationen eigentlich verlangt wird.

    Manchmal wirkt es so, als würde der Alkoholiker wie eine Art „Schutzbefohlener“ gesehen – als jemand, für den man Verantwortung mitträgt und von dem man Zugeständnisse erwartet, um seine Abstinenz zu bestätigen.

    Wenn das der Fall ist, klingt es für mich nach Co‑Abhängigkeit nach dem Trockenwerden, zumindest so, wie ich es verstehe. Am Ende bleiben es ohnehin nur hypothetische Zugeständnisse, weil Sucht und Verantwortung selten wirklich zusammenpassen und langfristige Abstinenz nur bei etwa fünf Prozent stabil gelingt.

    In diesem Zusammenhang frage ich mal in die Runde, ob es für Co‑Betroffene wirklich hilfreich wäre/ist , wenn er die „Erklärung“ bekommt, die Kontrolle loszulassen und keine weiteren Fragen mehr zur Abstinenz zu stellen.

    Fremdgehen ist ein anderes Thema – hier geht es ausschließlich um Co‑Verhalten.

    Ergänzung: Bei mir steht hier das Datum, damit sich Neue besser orientieren können.

    Wer kommt ganz frisch vom Stammtisch, und wer hat schon Erfahrung. Macht einen riesigen Unterschied.

    Aber ich kann mich noch erinnern, dass die Frau meines damaligen „Sauffreunds“ mich in den ersten Jahren immer angerufen hatte wie toll sie es fand und es sogar im Kalender vermerkte.

    (Theorie – These – sie ist CO , denn er säuft heute noch. Für ihn eventuell ein Wink mit dem Zaunpfahl, aufzuhören, oder Kontrolle, ob es ob mir noch Bestand hat )

    Im Gegensatz dazu würde ich aber niemanden mehr davon überzeugen wollen, seinen Alkoholkonsum zu überdenken bzw ihn "trockenlegen" zu wollen

    Wie kommt der „Co“ eigentlich zu so einer Erkenntnis?

    Bei mir war es simpel: „Da spricht die Sucht aus mir .“ Falls innerlich das Suchthirn aufschrie, weil es nichts mehr zu trinken bekam.

    Ich habe es lange als Rumgeeiere empfunden, nicht so richtig in die Gänge zu kommen. Was will der Co eigentlich? Er kommt doch hierher, also soll er auch etwas tun. Jetzt sehe ich es etwas differenzierter, denn die Frage ist ja wann beginnt eigentlich der Prozess, sich von seiner "Sucht" seinem Leid zu lösen

    Der Alkoholiker schlägt hier ein mit dem Ziel der Veränderung, aber die meisten Angehörigen sind noch nicht so weit.

    Bei Alkoholikern gibt es ja oft Verzichtsgedanken . Gibt es so etwas auch bei Co-Abhängigen? Nicht unbedingt wegen des Partners , der ist irgendwann austauschbar, grob gesagt.

    Aber bleibt nach dem Ausstieg noch ein Drang, anderen helfen oder sie trockenlegen zu wollen?

    ch war ja bereits getrennt und Liebe war auch keine mehr da. Das erleichtert es ungemein.

    Da sprichst du etwas an, das dann nichts mehr mit CO zu tun hat.

    Habe ich das richtig verstanden?

    Wenn die Liebe nicht mehr da ist, dann ist es einfacher, und wenn das Materielle abgesichert ist und der Lebensstandard bleibt, dann ist Handeln weniger ein Problem?

    Aber um sich noch einmal abzusichern, kommen auch diese entweder hierher oder gehen woanders hin, wo sie Hilfe bekommen, um zu erkennen, wo sie stehen. Ob Co oder nicht ?

    Damit wäre schon mal eine Frage beantwortet, die ich noch stellen wollte:saint:

    Erstmal, das ist der Alkoholiker-Bereich.

    Dieser Faden hat die Überschrift: Fragen an die Angehörigen.

    Nicht: Fangfragen an die Angehörigen. Oder: Rhetorische Fragen an die Angehörigen.

    Ich kann Fragen auch dazu benutzen, um meine Meinung auszudrücken. Dann interessiert mich die Antwort weniger, ich will auf etwas bestimmtes hinaus.

    Wir machen hier keine Analysen für die Fragesteller, du kannst dich beteiligen oder auch nicht. Dieser Thread hat keine Einschränkungen, es können alle Fragen gestellt werden. Wenn etwas nicht passt, kümmert sich das Team darum. Keiner wird hier gezwungen, sich zu beteiligen.

    Ich bin dann hier raus. Und wünsche einen konstruktiven Austausch.

    Danke.

    Marie04 , Danke erstmal, du hast es ja auch geschafft, andere sind noch mitten dabei.

    Ob CO-Abhängigkeit als Sucht bezeichnet wird oder als „nur Angehörige“, ändert nichts daran: Eine dauerhaft schädliche Verhaltensstruktur wird dadurch kein Stück harmloser. Und wenn es keine Abhängigkeit ist, dann steht realistischem Denken und Handeln erst recht nichts im Weg , im Gegenteil. Dann wäre es sogar nach meinem Verständnis leichter, Verantwortung zu übernehmen und konsequent zu handeln. Oder etwa nicht?

    Deshalb richte ich das bewusst an die Gruppe, die noch „mittendrin“ ist.

    Es gibt unterschiedliche Erfahrungen in der CO-Abteilung, die sich befreit haben, und andere, die jahrelang in einer Beziehung festhalten und sich einfach „arrangieren“. Unabhängig davon, ob Kinder im Spiel sind oder nicht, wird etwas künstlich am Leben erhalten. Materielle Dinge lassen sich regeln, aber die emotionalen Schäden bleiben und betreffen am Ende alle.

    Alkoholiker suchen nach dem Wegstellen des Glases, nach dem leichtesten Weg, weil das Saufhirn sie dorthin treibt, wo etwas zu saufen griffbereit ist. Das macht die Sucht aus. Deshalb wird Risikominimierung empfohlen.

    Woran orientiert sich der Co denn, wenn er hier ankommt? An diejenigen, die sich arrangiert haben, oder an jene, die einen kompletten Neuanfang gestartet haben?