Aus diesem Grund habe ich für mich die Entscheidung getroffen, komplett auf Alkohol zu verzichten. Nicht, weil ich immer trinken musste – sondern weil ich in bestimmten Momenten nicht zuverlässig „nein“ sagen oder stoppen konnte. Für mich ist „gar nichts trinken“ einfacher und klarer als der Versuch, es situativ zu kontrollieren.
Wenn du jederzeit aufhören kannst, keinen Druck verspürst und nur wegen anderer weitergetrunken hast, warum nennst du dich dann überhaupt Alkoholiker?
Bei uns im Betrieb wird regelmäßig ein Feierabendbier getrunken. Ich kann ja jetzt nicht einfach den Betrieb wechseln.
Wenn mein Leben davon abhängt – und das tut es, wenn Alkoholismus nicht gestoppt wird – dann wechsle ich auch den Betrieb. Fertig. Und wenn du jahrelang beim Feierabendbier dabei warst und plötzlich nicht mehr mittrinkst, wird sowieso geredet. Und es wird gefragt. Immer. Das hat nichts mit Interesse zu tun, sondern damit, dass du aus dem Ritual aussteigst.
Sagst du „Ich trinke heute nichts“, kommen die Nachfragen. Sagst du „Ich bin Alkoholiker“, ist das Thema offiziell und die meisten halten den Mund. Ein paar versuchen trotzdem, dich wieder ins Boot zu ziehen. Die kommen dann mit „War doch nicht so schlimm“ oder „Du bist doch kein Alkoholiker“. Das sagen sie nicht, um dir zu helfen. Das sagen sie, weil sie selbst ein Problem haben und dein Nein ihnen den Spiegel vorhält