Beiträge von Hartmut

    Moin Morgaine,

    Gedanken lesen kann ich leider nicht. Wäre hier manchmal ganz praktisch. ;)

    Aber so wahnsinnig gut versteckt war der Gedanke nun auch wieder nicht. Du hast geschrieben, dass deine Schwester nichts von deinem Alkoholismus weiß und gleichzeitig überlegt, wie du Weihnachten irgendwie geregelt bekommst.

    Dein „Ich mags ihr nicht sagen“ finde ich deshalb wesentlich interessanter als Kino, Hallenbad oder irgendwelche Weihnachtsstrategien.

    Und genau dafür ist für mich ein Suchtforum da. Wenn jemand um ein Risiko herumeiert und ich sehe da eines, dann schreibe ich es. Wäre ja ziemlich sinnfrei, wenn wir uns hier nur gegenseitig erzählen, dass alles schon irgendwie passen wird. ;)

    Was du daraus machst, ist deine Sache. Es lesen aber auch andere mit, die vielleicht gerade vor demselben Blödsinn stehen. Und wenn du nass keine Kartenhäuser gebraucht hast, umso besser. Dann fang trocken nicht damit an. Oder?

    Für mich war Offenheit auch Selbstschutz. Ich bin Alkoholiker. Fertig. Da gab es nichts mehr zu verstecken und wesentlich weniger herumzueiern.

    Dir alles Gute

    Für mich gehörte zum Trockenwerden irgendwann auch etwas ganz Einfaches" Ich bin Alkoholiker und ich trinke nicht mehr" Und zwar nicht nur für mich selbst, sondern auch gegenüber den Menschen, bei denen es für meine Trockenheit wichtig war.;)

    Früher habe ich mein Saufen versteckt. Trocken wollte ich nicht anfangen, meinen Alkoholismus zu verstecken. Denn solange niemand wissen darf, warum ich nicht trinke, brauche ich wieder Strategien. Ausreden. Erklärungen. Fluchtpläne. Irgendwelche Geschichten, warum ich heute früher gehe oder plötzlich mit Wasser dasitze.

    Dann hat sich zwar der Inhalt meines Glases verändert, aber ich verstecke mich immer noch hinter dem Alkohol.

    Und mal ehrlich. Wenn einer jahrelang mitsäuft und plötzlich nichts mehr trinkt, fällt das ohnehin auf. ;)

    Outen da wo notwenidig und ich musste nicht mehr um meine eigene Trockenheit herumtanzen.

    Denn je mehr Konstruktionen ich brauche, um meine Alkoholkrankheit vor anderen zu verstecken, desto mehr mache ich mir selbst wieder etwas vor. Und solche Kartenhäuser hatte ich in meiner nassen Zeit genug gebaut. Irgendwann fällt so ein Ding zusammen.

    Und darunter wollte ich nicht wieder mit einem Glas in der Hand sitzen.

    Hallo Estragon,

    wir empfehlen gerade im ersten Jahr nicht ohne Grund, Trinkveranstaltungen, alte Saufplätze und Saufkumpanen möglichst zu meiden.

    Und natürlich bist du jetzt plötzlich die Spaßbremse. Was denn sonst? Du spielst inzwischen in einer anderen Liga. Während die anderen weitertrinken wollen, stehst du auf und gehst. Damit hältst du dem einen oder anderen ganz nebenbei einen Spiegel vor. Nicht jeder möchte beim nächsten Bier unbedingt über sein eigenes Trinkverhalten nachdenken.

    Ich würde deshalb gar nicht so viel darüber nachdenken, ob richtige Freunde dich früher gehen lassen oder genügend Rücksicht nehmen.

    Die entscheidende Frage wäre für mich: Muss ich da überhaupt hin? Du hast jetzt an zwei Tagen erlebt, dass du zwischen ordentlich besoffenen Leuten sitzen und nichts saufen kannst.

    Schön. Probe bestanden? Nö. Das ist Kampf mit der Sucht. Aber wozu braucht es diese Probe überhaupt? Dieses „Ich muss doch irgendwann lernen, damit umzugehen“ oder „Ich muss ausprobieren, ob das schon geht“ haben vor uns schon genügend Alkoholiker versucht. Du bist gerade mal ein paar Tage ohne Alkohol. Da würde ich der Sucht noch nicht unbedingt ein Praktikum im betreuten Saufen anderer Leute anbieten.

    Bei vielen geht so etwas eine ganze Weile gut. Bis es einmal nicht mehr gutgeht. Mit der Sucht würde ich weder verhandeln noch Belastungstests veranstalten.

    Gerade am Anfang sind solche Situationen für viele schlicht unnötig.

    Ich kann mir vorstellen, dass das als sogenannter Quartalstrinker manchmal sogar schwieriger einzuordnen ist als für jemanden, der täglich gesoffen hat. Drei oder vier Wochen nichts zu saufen war bei dir schließlich nichts Ungewöhnliches.

    Nur am Ende bleibt das Ergebnis dasselbe. Wenn du angefangen hast, konntest du nicht zuverlässig aufhören. Ob vorher drei Stunden, drei Tage oder drei Wochen nichts getrunken wurde, ändert daran herzlich wenig.

    Man muss nicht herausfinden, wie viel Risiko man verträgt. Man kann auch lernen, auf welches Risiko man ganz verzichten kann.

    Dir alles Gute

    Hallo Morgaine,

    war ich schon einmal bei dir? Wenn nicht, willkommen von mir. ;) Vorweg. Ich schreibe meist recht direkt. Nicht gegen dich, sondern gegen das Suchtdenken. Deshalb können meine Beiträge manchmal etwas kantiger wirken, als sie gemeint sind.:saint:

    Hier werden jetzt einige Möglichkeiten genannt, wie du dich auf dieser Feier verhalten könntest. Ich würde es wesentlich einfacher machen. Ich würde gar nicht hingehen. Fertig.

    Gerade am Anfang halte ich solche Tipps für schwierig. Nicht weil sie grundsätzlich nicht funktionieren können, sondern weil jeder Alkoholiker anders auf solche Situationen reagiert.

    Wenn ich mir Wochen vorher schon Gedanken machen muss, wer wann trinken darf, wie lange ich bleibe und wann ich besser verschwinde, wäre das für mich bereits die Antwort. Weihnachten ist keine Pflichtveranstaltung. Das nächste kommt ziemlich zuverlässig wieder. ;)

    Natürlich könnte ich vorher darum bitten, dass nicht oder erst später getrunken wird. Nur was löse ich damit möglicherweise aus? Gespräche, Diskussionen, Rücksichtnahme, vielleicht Getuschel. Und hinterher frage ich mich noch, was geredet wird, wenn ich wieder weg bin. Brauchte ich alles nicht.

    Ich habe das früher ganz einfach gehalten. „Kommst du?“ „Ist da Alkohol im Spiel?“„Ja.“ „Danke, ein anderes Mal.“ Fertig.

    Ich musste niemandem vorschreiben, was er auf seiner Feier trinken darf. Und ich musste auch nicht begründen, warum ich nicht komme. Ich bin Alkoholiker. Dafür habe ich kein schlechtes Gewissen. Ich musste mir am Anfang auch nicht beweisen, dass ich auf einer Familienfeier trocken bleiben kann. Das Einzige, was ich musste, war trocken bleiben.

    Ja, das kann auch mal wehtun. Ja, da kann ein Verzichtsgefühl hochkommen und man kann es richtig beschissen finden, dass man gerade nicht dabei ist. Aber ich war es mir wert, trocken zu bleiben. Die nächste Feier kommt. Weihnachten auch.

    Meine Trockenheit wollte ich dafür nicht aufs Spiel setzen.

    Dir alles Gute

    Weiter im Text.

    Ich kann auf die tollste Feier gehen. Ich kann an der Bar stehen. Ich kann anderen beim Saufen zuschauen und mir vorher einen wunderbaren Fluchtplan zurechtlegen. Eigenes Auto, jederzeit gehen können, Notausgang im Blick. Liest sich vernünftig. Fast schon professionell. ;) Blöderweise hat sich meine Sucht nie besonders für meine Sicherheitskonzepte interessiert.

    Beim Lesen hier fiel mir gerade wieder Norderney ein. Reha, Anfangszeit. Gruppenzwang, dazugehören wollen, „mir macht das nichts“ und der ganze Blödsinn, den man sich eben so erzählen kann, wenn man etwas unbedingt für eine gute Idee halten möchte. Ein oder zwei Abende später bin ich allein in meinem Zimmer wie ein Bär im Käfig hin und her gelaufen.

    Einer der heftigsten Suchtdrücke meiner Trockenzeit. Hat mir als Feldversuch gereicht. :whistling:

    Seitdem sehe ich das ziemlich einfach. Wenn ich mir für eine Veranstaltung vorher schon überlegen muss, wie ich im Notfall möglichst schnell wieder verschwinde, könnte ich auch auf die revolutionäre Idee kommen, gar nicht erst hinzugehen. Ich musste mir schließlich nicht beweisen, dass ich trocken neben Alkohol stehen kann. Warum hingehen, wenn ich einen Fluchtplan brauche? Welchen Zweck hat das?

    Ich wollte mich vom Alkohol lösen. Mit den Jahren wurde ich natürlich sicherer. Alkohol nimmt heute kaum noch Raum in meinem Leben ein. Das ist schön.

    Nur bilde ich mir deshalb nicht ein, dass sich das Risiko gleich mit verabschiedet hat. Auf einer hohen Brücke kann ich anfangs mit weichen Knien am Geländer stehen. Zwanzig Jahre später laufe ich entspannt darüber und genieße die Aussicht.

    Die Brücke ist deshalb keinen Zentimeter niedriger geworden. So ist es für mich auch mit Alkohol. Ich habe heute keine Angst vor Alkohol, auch nicht, wenn ich welchen sehe. Vor meiner Sucht habe ich allerdings Respekt.;)

    Die Ganzen trockene Jahre haben mir Sicherheit und Erfahrung gebracht. Sie haben mich aber nicht unverwundbar gemacht. Der Alkohol ist heute derselbe wie in meinen nassen Jahren. Und ich bin immer noch Alkoholiker.

    Deshalb passt für mich auch das Bild mit der Brücke. Ich muss keine Angst vor der Höhe haben. Ich muss nur nicht ausprobieren, ob die Schwerkraft noch funktioniert.

    Glückwunsch zu den 1000 Tagen, Nayouk. :thumbup:

    Interessanter als die Zahl finde ich fast deinen Satz, dass du irgendwann aufgehört hast, unbedingt zufrieden abstinent sein zu wollen.

    Für mich hängt auch viel davon ab, wie ich als Alkoholiker an mein Trockenwerden herangehe. Sehe ich Abstinenz aufgrund meiner Erkenntnis als notwendige und einzige vernünftige Lösung für mich, oder sehe ich sie als lebenslangen Verzicht auf etwas, das ich eigentlich noch gerne hätte?

    Solange ich es als Verzicht empfinde, bleibt Alkohol etwas Wertvolles, das ich mir nur verbiete. Damit mache ich mir das trockene Leben selbst schwerer.

    Für mich war irgendwann klar: Ich bin Alkoholiker, normales Trinken funktioniert für mich nicht, also lasse ich es ganz. Natürlich bleibt irgendwo immer ein bisschen „Restfeuchte“ (dein eigenes, selbst kreiertes Wort :whistling:) im Kopf zurück. Aber gerade weil ich das weiß, weiß ich auch, dass trocken bleiben für mich die einzig richtige Option ist.

    Und zufrieden? Mal bin ich es, mal nicht. Das liegt inzwischen meistens am Leben und nicht daran, dass ich keinen Alkohol trinke.

    Glückwunsch , weiter so.

    Weiter im Text.

    Sauffreunde entsorgen ist das eine. Aber dann kommt das gute alte alkoholfreie Zuhause.;)

    Der Partner muss bei mir nicht saufen, Gäste müssen bei mir nicht saufen. Also was soll das Zeug dann überhaupt bei mir herumstehen?

    Der Klassiker ist natürlich: „Ich kann meinem Partner doch nicht verbieten, etwas zu trinken. Der trinkt doch nur ab und zu mal ein Glas.“ Stimmt. Verbieten kann und will ich einem erwachsenen Menschen gar nichts. Aber ich kann sehr wohl entscheiden, was in meinem Zuhause herumsteht. Das sind für mich zwei völlig verschiedene Dinge.;)

    Und meinem Suchtgedächtnis ist es herzlich egal, wem die Flasche gehört. Da steht schließlich kein Namensschild drauf: „Keine Sorge Hartmut, die ist für deine Frau.“ Für meine Suchtmechanik zählt erst einmal etwas viel Einfacheres: Alkohol ist da und Alkohol ist greifbar.

    Genau deshalb habe ich damals keine Ausnahmen gemacht. Bier, Wein, Whisky, Wodka, Likör, teuer, billig, für Gäste, für irgendwen irgendwann. Raus damit.:whistling:

    Ich hätte das Zeug natürlich auch verschenken können. Aber etwas zu verschenken, was mir selbst geschadet und mich süchtig gemacht hat, und es dann jemand anderem in die Hand zu drücken, dem das genauso passieren kann? Nö. Das war nicht meins. Wenn jemand anderes das anders handhabt, ist das seine Entscheidung. Für mich gab es keinen vernünftigen Grund dafür.

    Die entsprechenden Gläser kamen übrigens gleich mit weg. Was sollte ich noch mit Wein-, Whisky- oder sonstigen Alkoholgläsern? Für nostalgische Abende mit meinem Suchtgedächtnis brauchte ich jedenfalls kein passendes Service. 😉

    Und wegen des Geldes wurde ich auch nicht plötzlich sentimental. Ich hatte über Jahre Tausende Euro durch den Hals geschüttet. Da wäre es schon ziemlich bekloppt gewesen, ausgerechnet beim Aufhören den sparsamen Hartmut zu entdecken, weil eine Flasche mal 30, 50 oder 100 Euro gekostet hatte. Das Geld war sowieso weg.

    Später bekam ich geschäftlich auch mal Wein geschenkt. Obwohl bekannt war, dass ich keinen Alkohol trinke. Den habe ich einfach stehen lassen. Und gerade dabei merkte ich, wie schnell plötzlich wieder andere Begründungen auftauchen können: Ist doch ein Geschenk. Ist doch guter Wein. Ist doch teuer. Kannst du doch jemandem mitnehmen.

    Meine Sucht hatte mir lange genug gute Gründe fürs Saufen geliefert. Ich musste ihr trocken nicht auch noch dabei helfen, gute Gründe fürs Aufheben zu erfinden.

    Für mich bedeutete alkoholfreies Zuhause deshalb genau das, was draufsteht: kein Alkohol zu Hause. Keine Sternchen, kein Kleingedrucktes und keine Sondergenehmigung für Tante Erna.:whistling: Die gab es wirklich, Gott hab sie selig.

    Ich wollte trocken werden. Dann konnte ich mich auch so verhalten.

    Es ist ja etwas positives was man für sich selbst tut und das kann man genießen.
    Wenn ich den Tag nur ‚hinter mich bringe‘, wäre er genauso vergeudet wie ein Tag an dem ich saufen würde.
    Aber wahrscheinlich ist das für jeden unterschiedlich leicht/schwer.

    Servus Steevie,

    mit „den heutigen Tag hinter sich bringen“ meinte ich nun nicht, dass ich morgens die Zähne zusammenbeiße und abends erleichtert einen weiteren überlebten Tag im Kalender abstreiche. Ganz im Gegenteil. Ich lebe heute und deshalb möchte ich den heutigen Tag möglichst auch genießen. Nur muss ich heute eben nicht gleichzeitig die nächsten zwanzig Jahre meiner Abstinenz bewältigen.

    Und einen trockenen Tag würde ich für mich auch nicht als vergeudet betrachten, nur weil er vielleicht mal schwierig war oder ich ihn tatsächlich nur irgendwie hinter mich gebracht habe. Solche Tage gehören zum Leben genauso dazu.

    Wenn ich anfange, trockene Tage danach zu bewerten, ob sie sich gelohnt haben oder vergeudet waren, trage ich schon wieder ein kleines Stück Verzicht und Futter für das Suchtgedächtnis mit mir herum. Als müsste mir die Abstinenz jeden Tag etwas Schönes bringen, damit sie sich lohnt.

    Nö. Manchmal ist ein Tag schön, manchmal beschissen und manchmal einfach nur Donnerstag :whistling:

    Mir ging es vielmehr darum, mir nicht heute schon einzureden, dass mein weiterer Weg schwer werden muss. Was heute schön ist, genieße ich heute. Was heute schwierig ist, erledige ich heute. Und was in fünf Jahren kommt, darf freundlicherweise noch fünf Jahre warten. Das Trocken natürlich. Sonst wird die Planung wieder unnötig kompliziert.

    Ich lese hier auch öfter was über das Thema Entzug:

    Was du gemacht hast, Dirk, war ein kalter Entzug. Den empfehlen wir hier nicht, weil Alkoholentzüge gefährlich und im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein können. Deshalb raten wir grundsätzlich. Erst zum Arzt.

    Bei dir ist es gut gegangen, damit können wir es auch belassen.

    Die AA sind wie wir eine Selbsthilfegruppe. Jede Gruppe hat ihre eigenen Regeln und Sichtweisen. Was dort besprochen wird, bleibt dort. Genauso bleiben Inhalte aus unserem Forum hier.

    Kontrolliertes Trinken ist hier auch kein Thema.

    Ansonsten gibt es nichts Besonderes zu beachten. Deine Erfahrungen und Gedanken kannst du gerne einbringen. Trocken leben muss am Ende jeder selbst. Wir können uns dabei nur gegenseitig mit unseren Erfahrungen unterstützen.

    . Ich habe mich immer selber dazu gedrängt zu saufen.

    Woher kam denn dieser Drang eigentlich? Nur von dir? Oder hatte deine Sucht da längst ihre Finger mit im Spiel? ;) Solche Abläufe speichern sich ja nicht zufällig ab. Vorglühen. Losziehen. Andere trinken sehen. Selbst trinken. Weitermachen.

    Das waren irgendwann keine einzelnen Handlungen mehr, sondern ein eingespielter Ablauf. Und dann trocken werden, sich mitten in dieselbe Runde setzen und genüsslich sein Wasser trinken? Nö. Mir macht keiner weis, dass das nichts mit einem macht. :whistling:

    Was passiert denn, wenn irgendwann einer sagt: „Ach komm, du bist doch gar kein Alkoholiker.“ Oder: „Eins geht doch bestimmt.“ Oder das Ganze an einem richtig beschissenen Tag, an dem das Bier schon direkt vor deiner Nase steht?

    Genau deshalb habe ich am Anfang erst einmal möglichst viel von meinen alten Saufabläufen aussortiert. Sauffreunde. Saufveranstaltungen. Trinkrunden. Manche Hobbys gleich mit.

    Nicht für immer. Aber erst einmal.

    Ich habe mir lieber ein neues Leben rund um die Abstinenz aufgebaut, als das alte Leben rund um den Alkohol zu behalten und zu hoffen, dass diesmal alles anders läuft.

    Dem Suchtgedächtnis ständig die alten Filme vorzuspielen und darauf zu hoffen, dass es diesmal beim Zuschauen bleibt?

    Nee. Das geht nach meiner Erfahrung meistens nicht gut aus. Und ja, manches war am Anfang nicht besonders schön. Ja, auf manches habe ich verzichtet.

    Aber oft nur deshalb, weil die "neuen trockenen Abläufe" noch gar nicht entstehen konnten, solange die alten noch ständig liefen.

    Dir alles Gute.

    Hallo Hartmut,

    Danke für den Gedanken und deine Meinung. Das verstehe ich.
    Verhaltensmuster wie mein „Verhandeln“ sind noch sehr präsent und führen mich zu solchen Meinungen.

    Das war für mich weniger eine Meinung als eine Erfahrung.;) Mit Meinungen kann man diskutieren. Mit den Folgen meiner früheren Kompromisse hatte ich irgendwann deutlich weniger Diskussionsspielraum.

    Da geben mir manche Freunde nach wie vor genug Sicherheit dass ich den Kompromiss eingehen möchte.

    Und zum guten alte Kompromiss. 😉

    Nur interessiert der meine Sucht nicht. Mein Suchtgedächtnis freut sich eher darüber. Kompromisse haben mich schließlich erst zum Alkoholiker gemacht. Mal pausieren, etwas weniger trinken, alles im Griff haben. Die alten Geschichten eben.

    Und nachdem ich aufgehört hatte zu saufen, sollte ausgerechnet dieser alte Weg plötzlich dabei helfen, trocken zu bleiben? Ich musste nicht herausfinden, was vielleicht doch noch geht. Ich musste aufhören, mit meiner Sucht zu verhandeln.

    Ich kann nachvollziehen, dass sich mit der Abstinenz manches verändert und sich vielleicht auch der eine oder andere frühere Sauffreund verabschiedet.Aber genau da würde ich für mich unterscheiden: Will ich einen Freund behalten? Oder will ich die alte Saufsituation behalten?

    Und wenn eine Freundschaft ins Wanken gerät, weil einer keinen Alkohol mehr trinkt, dann frage ich mich irgendwann schon, was da eigentlich zusammengehalten wurde. Die Freundschaft? Oder das gemeinsame Saufen?

    Ich stelle jedenfalls keinen Freund, Bekannten oder Verwandten über einen möglichen Rückfall. Denn den müssen die anschließend nicht ausbaden. Im schlimmsten Fall können sie nur dabei zusehen, wie ich wieder daran verrecke.

    Das Risiko trage nämlich ich. Nicht sie.

    Hallo Dirk,

    willkommen bei uns. Sechs Monate sind ja schon mal ein guter Anfang. 👍

    Bei einem Punkt bin ich allerdings nicht bei dir.

    Es macht für mich einen riesigen Unterschied ob eine oder 3-4 Personen vor mir konsumieren.

    Woher weißt du nach gut sechs Monaten schon, dass eine Person etwas völlig anderes ist als drei oder vier? Ehrlich gesagt wusste ich das nach sechs Monaten nicht. Wenn ich ganz ehrlich bin: Ich weiß es nach 19 Jahren auch nicht.;)

    Allerdings nicht, weil ich ständig teste, was mir etwas ausmacht und was nicht. Sondern weil ich solche Unterschiede gar nicht mache. Für mich ist Alkohol erst einmal Alkohol. Meine Sucht hat weder Köpfe gezählt noch Trinkmengen ausgewertet. Und auch mein Suchtgedächtnis interessiert sich nicht dafür, ob da einer trinkt oder fünf.

    Sobald ich anfange zu sortieren, welche Trinksituationen gehen und welche nicht, fange ich für mich schon wieder an zu verhandeln. Und wohin mich das Verhandeln mit meiner Sucht gebracht hat, dafür brauche ich nur in den Rückspiegel auf meine nassen Jahre zu schauen.

    Ich musste nicht herausfinden, was möglich ist. Ich musste trocken bleiben.

    Und das reicht mir bis heute völlig.

    Dir einen guten Austausch

    Der typische Alkoholiker, deshalb will/kann ich mich nicht so benennen…..dies lese ich so oft und mein Bild eines typischen Alkoholikers ist ein völlig anderes.

    Solange ich selbst ein Bild vom „typischen Alkoholiker“ im Kopf hatte und da nicht reinpasste, war ich für mich keiner. So einfach war das.;)

    Dummerweise hat sich meine Sucht für dieses Bild überhaupt nicht interessiert.

    Und was andere Menschen für Vorstellungen vom Alkoholiker haben, macht mich weder zum Alkoholiker noch zum Nichtalkoholiker. Wenn jemand seine Kenntnisse aus Klischees, YouTube-Videos, Hörensagen, Stammtischgelaber oder Halbwissen bezieht, ist das nicht mein Problem.

    Gerade bei Angehörigen lese ich immer wieder, wie „der Alkoholiker“ angeblich ist, denkt und handelt. Manchmal ist es eben angenehmer, den Alkoholiker zu erforschen, als sich mit den eigenen Baustellen zu beschäftigen.

    Den typischen Alkoholiker gibt es nicht. Es gibt Alkoholiker.

    Und die sind erst einmal genauso unterschiedlich wie andere Menschen auch. Der eine lügt, der andere nicht. Der eine übernimmt Verantwortung, der andere nicht.

    Etiketten machen mich weder nüchtern noch halten sie mich trocken.

    Hilfe zur Selbsthilfe ist für mich der eigentliche Sinn dieses Forums. Und eigentlich auch der Kern jeder Selbsthilfegruppe.

    Wir geben Erfahrungen weiter. Was hat funktioniert? Wo bin ich auf die Fresse gefallen? Wo habe ich mir selbst etwas vorgemacht? Was habe ich daraus gelernt? Was der andere damit macht, ist seine Sache. Wenn ich meine Erfahrungen weitergebe, erwarte ich deshalb auch kein: „Du hast recht.“;)

    Wäre natürlich praktisch. Dann könnte ich mir noch einen weißen Kittel kaufen und Sprechstunden anbieten. :mrgreen:

    So funktioniert Selbsthilfe für mich aber nicht. Wer kommt schon gerne irgendwo an und hört ausgerechnet das, was er eigentlich nicht hören wollte? Vielleicht wollte ich erst einmal erzählen, jammern, Dampf ablassen und bestätigt bekommen, dass die anderen schuld sind. So eine Opferrolle kann schließlich ausgesprochen gemütlich sein. Ein paar Kissen rein, Füße hoch und ein Schild an die Tür:„Bitte nicht stören. Die anderen sind schuld.“

    Und dann kommt irgendein Depp daher und fragt „Und was kannst du selbst verändern?“ Frechheit. Da wird abgewehrt. Bei mir ist das anders. Das kann man nicht vergleichen.Du verstehst mich nicht.

    Oder der Klassiker „Das ist deine Meinung.“ Nö. Wenn ich erzähle, was ich erlebt habe, ist das zunächst meine Erfahrung. Über meine Schlussfolgerungen daraus können wir gerne diskutieren. „Bei mir war das anders“ ist Erfahrungsaustausch. „Deine Erfahrung stimmt nicht“ eher weniger.

    Natürlich kann es sein, dass ich etwas gerade nicht sehen kann oder nicht sehen will. Gerade bei Sucht können Scheuklappen ausgesprochen praktisch sein.Kenne ich. Ich war schließlich auch nicht schon immer dieses unglaublich vernünftige Kerlchen, das hier heute schreibt.;)

    Schwierig wird es für mich, wenn ich alles abwehre, nichts verändere und anschließend wieder am selben Punkt stehe. Ich kann mir jeden Tag eine neue Erklärung dafür ausdenken, warum ich mich im Kreis drehe. Es bleibt trotzdem ein Kreis. Und bei Sucht kann dieses Kreisen irgendwann verdammt ernste Folgen haben.

    Mir ist dabei relativ wurscht, ob mich jemand ernst nimmt oder in irgendeine Schublade steckt. Da war ich vermutlich sowieso schon in einigen. Hoffentlich wenigstens ordentlich beschriftet. :mrgreen: Es geht nicht ums Rechthaben.

    Es geht um Erfahrungsaustausch. Vielleicht widersprechen sich Erfahrungen. Na und? Meine trockenen Jahre machen meine Erfahrungen schließlich auch nicht zur Wahrheit für alle anderen.

    Respekt gehört dazu. Wattebauschpflicht nicht. Und wenn wir uns irgendwann mehr über die Verpackung unterhalten als über den Inhalt, haben wir vielleicht schon wieder eine hübsche Nebenbaustelle gefunden. Hilfe zur Selbsthilfe bedeutet für mich auch nicht, den anderen davon überzeugen zu wollen, was er gefälligst zu tun hat.

    Ich muss ihm weder meine Sicht auf Sucht überstülpen noch jedes frisch gelernte Therapiewissen um die Ohren hauen oder meine eigene Empörung über sein Leben bei ihm abladen.

    Ich kann meine Erfahrung weitergeben. Mehr nicht.

    Was davon für den anderen brauchbar ist, muss er selbst herausfinden.

    Tun muss es jeder selbst.

    So verstehe ich jedenfalls Hilfe zur Selbsthilfe. Vielleicht sehen andere das völlig anders. Gerade bei einem Thema wie Selbsthilfe würde mich allerdings wundern, wenn wir uns ausgerechnet darüber alle einig wären. Und vielleicht ist genau das schon wieder ein Teil davon.

    Echt jetzt? 2½ Jahre und ich habe es übersehen? Andere vergessen Hochzeitstage, ich übersehe Abstinenzjubiläen.:saint:

    Herzlichen Glückwunsch zu deinen 2½ Jahren. Die Glückwünsche kommen etwas verspätet, sind aber immerhin pünktlicher als meine Wahrnehmung. ;)

    So. Gewissen wieder beruhigt.

    Nicht umsonst wird hier im Forum der Standpunkt vertreten, dass nur die betroffene Person selbst wissen kann, ob sie bereits unumkehrbar süchtig ist.

    Genau deshalb halte ich die eigene Erkenntnis für so wichtig. Wir tauschen uns hier schließlich als Alkoholiker aus. Ein Arzt kann anhand meiner Symptome für sich feststellen und mir sagen, dass ich alkoholkrank bin. Aber er kann mir nicht die Erkenntnis abnehmen, das auch selbst so zu sehen und anzunehmen.

    Denn trocken leben muss am Ende nicht der Arzt, sondern ich.

    Und wenn ich für mich erkannt habe, dass ich Alkoholiker bin und nicht kontrolliert trinken kann, dann interessiert mich irgendwann auch nicht mehr besonders, welcher ICD-Schlüssel vor Jahren auf irgendeinem Formular stand.

    Der macht mich weder mehr noch weniger zum Alkoholiker.

    Entscheidend ist für mich, was ich aus dieser Erkenntnis für mein Leben mache.

    Sind wir jetzt beim Kaffeesatzlesen oder bei Ferndiagnosen? ;) „Narzisstisch, empathielos, psychisch krank“ über einen Menschen, den hier niemand kennt? Echt jetzt ? Nö. Und fremd geht er schließlich auch nicht alleine. Dazu gehören immer mindestens zwei.

    Bevor wir jetzt noch die Persönlichkeiten aller Beteiligten analysieren, macht das in Euren Threads

    Hier geht es um Fragen an Alkoholiker. Bitte zurück zum Thema.

    Danke

    Da gebe ich dir recht. Er macht es aber immer nur, wenn er Massiv getrunken hat

    Ich weiß nicht, ob er dir alles erzählt hat, ob es tatsächlich nur passiert, wenn er getrunken hat, oder woher du diese Gewissheit hast. Dass Alkohol enthemmt, keine Frage. Dafür muss ich allerdings kein Alkoholiker sein.;) Warum er dich betrügt, kann ich dir deshalb auch als Alkoholiker nicht beantworten.

    Pippi, schreib bitte etwas mehr dazu in deinem eigenen Thread. Dieser hier ist nur für konkrete Fragen an Alkoholiker gedacht..

    pippi83 - Der Alkohol begleitet mein Leben, dabei trinke ich nicht mal - Erste Schritte für Angehörige und Co Abhängige - Alkoholiker Forum

    Hey ich habe auch eine frage.

    ehrlich gesagt weiß ich nicht, was deine Frage mit Alkoholismus zu tun hat.

    Fremdgehen ist für mich keine typische Eigenschaft eines Alkoholikers, sondern erst einmal eine Frage des persönlichen Verhaltens und Charakters.

    Warum dein Mann das immer wieder gemacht hat, kann ich dir deshalb auch als Alkoholiker nicht beantworten.

    Das kann nur er.

    Weiter im Text.

    Was mir am Anfang ebenfalls im Weg stand, war mein eigenes Denken. Zum Glück eigentlich nur in den ersten zwei, drei Monaten.:saint:

    Schaffe ich das? Das wird ein langer Weg. Das wird schwer. Alles in meinem Tempo. Ich brauche Zeit. Und was einem sonst noch so alles einfällt, wenn man gedanklich schon die nächsten zwanzig Jahre bewältigen will, obwohl man noch nicht einmal den heutigen Tag hinter sich gebracht hat.

    Eine Zeit lang hat mich das tatsächlich beschäftigt.

    Dann fragte ich mich irgendwann: Was soll der Mist eigentlich? Woher wusste ich denn, dass es ein langer und schwerer Weg werden würde? Hellsehen konnte ich damals jedenfalls noch nicht. Heute übrigens auch nicht.

    Sonst hätte ich vermutlich längst andere Einnahmequellen.:mrgreen:

    Und dieses „Ich weiß nicht, ob ich das schaffe“ gefiel mir irgendwann ebenfalls nicht mehr. Denn was sagte ich mir damit eigentlich? Vielleicht schaffe ich es. Vielleicht aber auch nicht. Und falls ich irgendwann wieder saufen würde, hätte ich die passende Erklärung gleich mitgeliefert: Ich habe es eben nicht geschafft. Praktisch.

    Die Entschuldigung gleich vorsorglich mitbestellt und dem Suchtgedächtnis damit eine Steilvorlage gegeben. . Nö. Das war mir irgendwann zu nah an einer Hintertür.

    Also fing ich an, meine eigenen Einwände auf den Prüfstand zu stellen.

    Und selbst wenn ich heute lese: „Jeder geht in seinem Tempo“ oder „Alles braucht seine Zeit“, denke ich manchmal: Ja. Klingt gut. Macht sich bestimmt auch hervorragend auf einem Kalenderblatt. Nur konnte ich bei meiner Sucht damit wenig anfangen.

    Die hat schließlich auch nicht gesagt: „Mach langsam, Hartmut. Lass dir ruhig Zeit. Wir schauen in ein paar Jahren noch einmal, wie weit du bist.“ Bei meiner Abstinenz galt für mich deshalb erst einmal nicht irgendwann. Sondern jetzt.

    Ich lebe schließlich nicht heute schon die nächsten zwanzig Jahre. Ich lebe heute. Und das gilt nicht nur für meine Sucht, sondern für mein ganzes Leben. Ich weiß nicht, welche Krankheiten noch kommen, welche Aufgaben vor mir liegen, welche Entscheidungen ich treffen muss oder was mir das Leben sonst noch vor die Füße wirft.

    Damit beschäftige ich mich, wenn es da ist. Und am besten Trocken .

    Warum sollte ausgerechnet meine Abstinenz anders funktionieren?

    Also raus mit „Es wird ein langer und schwieriger Weg“. Weiß ich ja nicht. Raus mit „Ich weiß nicht, ob ich das schaffe“. Muss ich heute auch nicht wissen. Und raus mit all den Erklärungen, warum es vielleicht irgendwann doch nicht funktionieren könnte.

    Je mehr ich meine eigenen Einwände auf den Prüfstand stellte, desto weniger blieb davon übrig. Am Ende blieb eigentlich nur eine einzige Aufgabe.

    Heute trocken bleiben.

    Was morgen ist? Keine Ahnung. Morgen ist morgen. Und wenn es da ist, kümmere ich mich darum. Heute habe ich schließlich schon genug mit heute zu tun. :mrgreen:

    Guten Morgen,

    „Mir machte es nichts aus“ ist so ein Klassiker. Egal ob am Tisch neben mir Alkohol getrunken wird oder ich mich in einer Trinkrunde wiederfinde. Für mich klingt das immer erstmal nach einer Rechtfertigung für eine Situation, in die ich mich gerade begebe.

    Die brauche ich allerdings nicht. Denn wenn etwas schiefgeht, ziehe ich die Konsequenzen und saufe wieder nicht der Nachbar, der sich die zweite Flasche Wein bestellt.

    Du bewunderst die Leute, die bei einem Glas bleiben können, und stellst sofort die Verbindung zu früher her. Bei uns wäre es eine Flasche geworden. Oder mehr. Danach schreibst du, dass dein Suchthirn ganz genau registriert, wer wo was bestellt und trinkt.

    Nö, für mich klingt das nicht nach „macht mir nichts aus“. Die alten Verknüpfungen sind komplett noch da.

    Entscheidend ist für mich, was ich daraus mache. Wenn ich anfange, mir daraus herzuleiten, welche Situationen schon wieder problemlos gehen, bin ich ziemlich schnell in einer Verhandlung mit meiner Sucht.

    Und mit meiner Sucht verhandle ich nicht. Das heißt nicht, dass du Alkohol trinken wolltest, aber er war sehr präsent in deinem Kopf. Ein Nichtsüchtiger denkt ja so etwas nicht.

    Und solche Gednaken müssen sich nicht unbedingt in genau diesem Moment bemerkbar machen. Manchmal kommen sie Wochen später um die Ecke, wenn man längst glaubt, das Thema wäre erledigt. Genau deshalb war „macht mir nichts aus“ für mich nie automatisch gleichbedeutend mit „ist ungefährlich“.

    Du bist 51 Tage trocken. Da würde ich mir nicht beweisen wollen, wie problemlos ich schon neben einem Glas Wein sitzen kann. Gerade dann nicht, wenn die Nüchternheit, wie du selbst schreibst, Priorität Nummer eins hat.

    Kein Suchtdruck ist gut. Aber kein Suchtdruck bedeutet für mich noch lange nicht automatisch: alles im grünen Bereich.

    Dir alles Gute