Beiträge von Hartmut

    Dass es "funktionierende Alkoholiker" gibt: Ja natürlich, in Mengen! Da kenne ich genug davon

    Woher weißt du, dass sie Alkoholiker waren? Haben sie es dir alle einzeln gesagt oder war das eine Vermutung, ein Griff ins Blaue?
    Ich habe jahrelang getrunken und funktioniert. War ich da schon Alkoholiker? Wahrscheinlich nicht. Erst als es nicht mehr funktionierte, wurde mir klar, dass ich einer bin. Und genau da liegt der Unterschied: Nicht jeder, der regelmäßig Alkohol konsumiert, ist automatisch abhängig.

    Am besten bei sich bleiben, und wenn jemand so denkt und sein Leben trocken bleibt, shit happens, alles gut.

    Allerdings ist auch bekannt, dass sich die Denkweise mit der Dauer der Trockenheit verändert.

    Und falls es dein erstes Jahr ist, hast du ja noch viele Jahre vor dir , aber zum ersten Jahr schon mal eine Gratulation!

    Also ab 1.11.2024 gab es nichts mehr.

    Hat das noch Bestand?

    Das habe ich mal am Anfang gelesen, dann wäre heute dein erstes Jahr?

    Wichtig ist es meiner Ansicht eher, sich klar zu sein, dass es diese "Versuchungen" gibt - aber niemand gezwungen wird, sich ein Glas / einen Becher zu genehmigen.

    Wenn die Sucht dich nicht zwingt, dann ist ja alles in Ordnung, aber nicht jeder schafft es nur mit Willen.

    Aber ich muss immer sofort in Bewegung kommen und etwas machen. Sonst geht diese Unruhe nicht weg. Es ist nicht ständig da. Es kommt meistens, wenn ich eben gerade nichts mache.

    Ein zentraler Punkt, den du gut erkannt hast. Zeiten neu besetzen.

    Wenn Saufdruck aufkommt, ist das im Grunde nichts anderes als früher , ein Moment, in dem ich in der nassen Zeit einfach zum Glas gegriffen hätte. Diese Zeiten, in denen früher gesoffen wurde sollte bewusst und dauerhaft mit etwas anderem gefüllt werden.

    Nicht nur bei einem akutem Saufdruck, sondern auch dann, wenn bestimmte Rituale mit dem Trinken verbunden waren.

    - der Meinung, dass man sich ein "Outing" am Arbeitsplatz gut überlegen sollte, wenn man noch die Wahl hat.

    Du liegst aus meiner Sicht absolut richtig!

    Eben nicht , ich muss doch wissen, wo mein Schwerpunkt liegt. Wenn ich mich am Arbeitsplatz selbst in Gefahr bringe, weil dort das Saufen „gern gesehen“ wird , weil es immer was zum Anstoßen gibt oder irgendein Anlass konstruiert wird , dann muss ich eine Entscheidung treffen.

    Riskiere ich dabei, wieder rückfällig zu werden? Und da stellt sich die Frage: Was ist wichtiger? Das Gerede, das ständige Gejammer, das Mitmachen, die Karriere oder mein Leben? Am Ende geht es nicht ums Outen. Es geht um die Gefahr, durch das erneute Trinken möglicherweise sein Leben zu verlieren.

    Das ist die Realität für jeden, der weiß, was Sucht bedeutet. Wer trocken leben muss sollte auch bereit sein, unbequeme Entscheidungen zu treffen. Auch wenn sie wehtun. Aber nur, wenn er sich selbst das wert ist.;) Sucht ist kein Kuschelkurs

    Wenn es für mich keine Gefahr bedeutet – wenn es am Arbeitsplatz keine Umstände gibt, die mich zum Saufen bringen könnten dann ist die Frage des Outens irrelevant. Dann brauche ich es nicht. Alles andere würde bedeuten, den eigenen „Eigenwert“ zu verschieben.

    Sich über das zu definieren, was das Außenbild erzeugt, statt über das, was man sich selbst wert ist. Trockenheit ist kein Schild, das man hochhält. Sie ist kein Status, den man ständig verteidigen muss. Wenn der Alltag stabil ist, braucht es keine Outen .

    Dann zählt, was innen trägt nicht, was außen wirkt.;)

    Ich rede mir nicht ein "ich funktioniere", ich wollte einfach nur schreiben wie sich bei mir alles verhielt.

    Das habe ich schon verstanden, ich habe auch mein "Tagwerk verrichtet "so nenne ich das.

    Wenn ich mich selbst als „funktionierenden Alkoholiker“ bezeichne, öffne ich mir damit eine Hintertür. Denn ein Alkoholiker funktioniert eben nur mit Alkohol .Sobald der Saufdruck wiederkommt, ist die Ausrede schnell zur Hand: „War ja alles nicht so schlimm. Ich hab doch funktioniert. Ich kann ja wieder was saufen .“

    Genau da liegt die Gefahr. Diese Selbstdefinition ist eine Selbsttäuschung. Und ja, am Anfang sieht man das oft anders. Das ist völlig normal, es so zu sehen oder als Wortglauberei abzutun.

    Ich war ja auch nicht bescheuert , Ich wusste sehr wohl, dass ich Alkoholiker werden konnte. Und trotzdem habe ich es nicht geschafft, meine „nassen Gedanken“ alleine in dieser Zeit zu stoppen. Die habe ich mit hierher ins Forum gebracht und das war gut so.

    Denn wenn alles mit dem Kopf zu lösen wäre, warum liegt die Rückfallquote dann bei bis zu 95 %? Wenn ein Rückfall egal ist, brauche ich nicht hinzuschauen und nur meinem eigenen Denken vertrauen. :whistling:

    Aber wie schon anderswo geschrieben: Jede Beschönigung, jede Relativierung, jeder Versuch, irgendetwas mit Alkohol zu rechtfertigen selbst unterbewusst mit den "nassen Gedanken" geht in die falsche Richtung.

    @all .Ein Tipp an alle, die neu hier sind , ganz allgemein: Hängt euch an die länger trockenen , nicht an die, die noch in der der Anfangsfase des Trockenseins stecken. Die, die schon länger trocken sind, haben es ja bewiesen .

    Die anderen sind noch mittendrin und müssen es erst einmal zeigen. Sind aber eben noch nicht stabil. Wichtig und richtig ist, sich gegenseitig zu unterstützen. Genauso wichtig ist jedoch, darauf zu achten, dass es nicht in die falsche Richtung geht.

    Denn zwei Ertrinkende können sich nicht lange über Wasser halten. Da braucht es jemanden, der schon festen Boden unter den Füßen hat. Aber genug jetzt… Ich bin dann mal wieder weg... lasse den Thread jetzt wieder dir.:whistling:

    Deine Beiträge sind mir, vor der Anmeldung hier, am meisten aufgefallen.

    Und trotzdem hast du dich in die Höhle des Löwen gewagt. Hut ab.;):mrgreen:


    Manche machen aus meiner Art zu schreiben, aus meiner direkten Sprache, gleich ein eigenes Problem. Dabei ist es nicht das Mahnende, was nervt , es ist manchmal einfach die ungeschönte Wahrheit. Und die kann wehtun. Vor allem, wenn man sie selbst noch nicht wahrhaben will oder sie falsch einordnet, weil sich hier erstmal alles fremd anfühlt.

    Das auch normal istz . Wer aus einem nassen Zustand hier ankommt, bringt eben noch eine ganze Menge nasse Gedanken mit. Das bleibt eine Zeit lang so.

    Übrigens: In vielem, was du schreibst, finde ich mich selbst wieder. Ich war früher eine ziemlich bekannter " Partylöwe" – immer vorne dabei, immer laut, immer mit Glas in der Hand. Heute weiß ich Das war nur eine Fassade.

    Dann mache mal einfach weiter.

    Es bedarf auch keiner Rechtfertigung, wenn ich etwas schreibe. Auch wenn ich Erfahrung habe, bin ich nicht der Richter, sondern eher jemand, der einfach nur sagt, was er denkt, und ich interpretiere nie eine Vorgehensweise des Gegenübers willkürlich.

    Wie lange hat es bei dir gedauert, bis du dich selbst als „trocken“ bezeichnet hast?

    Ich wurde schon als trocken oder sogar staubtrocken bezeichnet,;) aber ich vermeide es, mich selbst zu beschreiben. Deswegen kann ich auch keine Zeitangaben machen, denn genau dort beginnt oft die Selbstüberschätzung. Das ist das Einzige, was ich mit Demut in Verbindung mit Sucht bringe.

    Für mich ist das ein Prozess: trocken zu werden, trocken zu bleiben. Und dieser Prozess ist eben nicht linear. Es gibt immer wieder Situationen, in denen die nasse Zeit oder Gedanken an Alkohol plötzlich wieder auftauchen. Nicht als Suchtdruck , aber als Erinnerung.

    Und genau diese Erinnerung zeigt mir. Es gibt kein „ganz trocken“. Es gibt nur den heutigen Tag, die aktuelle Haltung und die Entscheidung, nüchtern zu bleiben.

    Willkommen bei uns!

    ich bin da bei Alex_aufdemweg . Seitenlanger Text mit Begründungen und Rechtfertigungen, um nur einen Satz beim Arzt "Ich bin Alkoholiker" zu umgehen. Kann man machen, muss es aber nicht.

    Ob du dich beim Arzt outest , was eigentlich das oberste Prinzip sein sollte oder dich durchschleichst, ist deine Entscheidung. Aber spätestens bei der nächsten Narkose, beim Zahnarzt, bei der Spritze ins Bein oder bei sonstigen Medikamenten wird e s ernst. Da ist es verdammt wichtig, dass die Anästhesisten Bescheid wissen.

    Durch jahrelanges Saufen sind die Schmerzrezeptoren anders justiert. Der Körper reagiert nicht mehr wie im Lehrbuch. Und wer da schweigt, spielt mit seiner Gesundheit oder schlimmer auch mit einem Rückfall . Ehrlichkeit ist kein Luxus, sondern für Alkoholiker eine Überlebensstrategie. Wer trocken lebt, sollte auch medizinisch Klartext reden

    weil ich es sonst gleich in unser "Dorfblättle" setzen könnte und erkannt werde. Ich habe mich ja aufgrund der Anonymität hier angemeldet.

    Und du glaubst, es bleibt unbemerkt, von der Partymaus zum Abstinenten zu werden? Gerede wird es immer geben, egal was du machst. Auf dem Dorf ist das viel schlimmer als in der Anonymität einer Großstadt.

    Übrigens, einen „funktionierenden Alkoholiker“ gibt es für mich nicht. Das ist eine Illusion, eine Schutzbehauptung, mit der man versucht, das Elend zu beschönigen. Genau diese Selbsttäuschung hat mich damals in den Abgrund der Sucht getrieben.


    Solange ich mir heute noch einrede, ich hatte alles im Griff, weil „ich ja funktionierte“, bin ich immer noch mittendrin , nicht draußen. Trockenwerden beginnt da, wo ich aufhöre, mir selbst Märchen zu erzählen.

    Der erste Schritt in die Nüchternheit ist geschafft. Drei Monate sind zwar noch kein vollständiges Trockenwerden, aber es ist der richtige Weg dorthin. ;) Und ich finde es richtig gut, dass du alles aufschreibst. Denn genau da entsteht Struktur. Da kommt der richtige Input, um stabil zu werden.

    Und stabil ist am Anfang keiner auch wenn man sich manchmal so fühlt. In der Anfangszeit wird man oft von Euphorie getragen. Man denkt, man hat’s gepackt. Aber das ist noch kein Fundament das ist Schwung.

    Und Schwung ist gut, aber er trägt nicht dauerhaft. Was trägt, ist Ehrlichkeit, Klarheit und Austausch. Deshalb: Weitermachen, hinschauen, schreiben.

    Das mal am Rande aus meiner Erfahrung.

    Mal meine Gedanken dazu.

    Ich glaube, ich bin erst wirklich trocken, wenn ich merke, dass Alkohol keine Rolle mehr spielt. Wenn es mir egal ist, was andere trinken oder welche Rituale sie pflegen ob Bierbrauer, Weinkenner, Whisky-Liebhaber oder sonstige Genussapostel.

    Wenn das alles keinen Gedanken mehr auslöst, keine Diskussion, kein inneres Zucken, dann beginnt die echte Trockenheit.


    Solange ich mich noch über das ärgere, ist das irgendwie ein gefühltes "Nachtreten" Irgedwie Verzicht, der im Untergrund lodert. Und wo Verzicht lodert, da glimmt auch die Gefahr eines Rückfalls. ;)


    Ich bin nicht trocken, weil ich mich beherrsche. Ich bin trocken, weil es mir egal geworden ist. Alkohol hat seinen Reiz verloren. Er hat keinen Platz mehr in meinem Kopf.

    aber nur aus meiner 18-jährigen Sichtweise.

    Mal allgemein Sätze dazu, bevor es überhandnimmt.

    Auch wenn so manche hier [sicherlich: berechtigt] auf die sog. "Geschlossene" verweisen...

    Nein, es ist nicht berechtigt und auch nicht von uns erwünscht , dass irgendwer einfach auf den geschützten Bereich verweist, als wäre das ein offenes Angebot. Der Zugang ist keine Selbstverständlichkeit, sondern beruht auf Eigeninitiative, Vertrauen und einem klaren Prozess. Und es ist eben nicht garantiert, dass jeder dort aufgenommen wird.

    Das gilt grundsätzlich jetzt nicht auf dich persönlich.

    Wer meint, Tipps zur verteilen zu müssen, sollte sich bewusst machen: Wir haben etwas dagegen "Selbsthilfe nach zu tragen"

    Das hier ist kein Coaching, kein Ratgeberclub , das ist Selbsthilfe.

    Und wer sich in einer CO-Rolle sieht, sollte sich fragen, ob er wirklich verstanden hat, was das bedeutet. Und nein, wir machen keine Ausnahmen. Und wir lassen uns auf keine Diskussion ein.

    stef2303 also das hat nicht mir dir zu tun.

    nur mal allgemein ,ich kann nur empfehlen, sich häufiger hier auszutauschen, denn nur so kann das Gegenüber wirklich verstehen, was los ist. Nicht die einzelne Situation oder der eine Auslöser machen das Gesamtbild aus, sondern der Verlauf, das Alltagsgeschehen, das schleichende Muster. So funktioniert Sucht nun mal – nicht als plötzlicher Knall, sondern als schleichender Prozess.

    Mir hat geholfen, auch Banales mal aufzuschreiben. Dann können auch kritische Punkte sichtbar werden,– wo Stolpergesteine liegen, wo man sich selbst im Kreis dreht.


    Schön, dass du noch nüchtern bist.

    Ob ich damals wollte, kapituliert habe oder einfach nur zu platt war um weiterzusaufen spielt heute keine Rolle. Ich musste trocken werden, weil die Alternative war. Sterben oder weiter verrotten. Kein heroischer Ausstieg, kein spiritueller Neuanfang, sondern ein fast tödlicher Tiefpunkt .

    Da war auch kein Platz für Gedankenspiele über Willen, Kapitulation oder sonstige Selbstdeutungen. Da war nur noch: Mach was – oder geh unter. Alles, was ich später über Willenskraft, Kapitulationen, Motivation oder „den richtigen Moment“ gehört habe, war rückblickend.

    Und wer meint, bei ihm sei es nicht so schlimm gewesen, sollte sich nur den ungebremsten Verlauf mal anschauen. Ich kenne keinen nassen Alkoholiker, bei dem der Tiefpunkt nicht genauso aussah, entwürdigend, zerstörerisch, lebensgefährlich.

    Die Sucht verhandelt nicht. Sie macht keine Kompromisse, keine Ausnahmen, keine Gnade. Sie nimmt, was sie kriegen kann, und wenn du nicht rechtzeitig aussteigst, reißt sie dich ganz mit ob du willst oder nicht.

    Gratulation

    Unglaublich wie schnell die Zeit vergeht und wieviel sich in meinem Leben geändert hat.

    Und es verändert sich weiterhin, jetzt mit freier Planung, wenn du weiterhin auf deinem trocken Pfad bleibst.

    Wenn ich meinen Faden so durchlese, muss ich schmunzeln wie angegriffen ich mich oft fühlte

    Am Anfang sich angegriffen zu fühlen – das war normal, ist normal. Ich wäre eher irritiert, wenn es anders wäre. Wenn Realität auf Sucht trifft, knallt das ungebremst auf den frisch Trockenwerdenden. Das gehört zum Prozess.

    Ich habe mit der Zeit begriffen, dass genau dort mein Wendepunkt lag. Nicht mehr dem nassen Denken hinterherlaufen, sondern anfangen, Lösungen zu suchen. Weiter so!

    Aber möchte ich mich auch nicht ganz der Gesellschaft verschließen, Tochter und Freunde die nur zum Anlass trinken.

    Die Sucht interessiert sich nicht für Festlichkeiten, Wünsche oder gute Absichten. Sie macht keine Ausnahmen, denkt nicht nach, sie schlägt einfach zu, wenn sie die Gelegenheit bekommt. Sie sortiert nicht nach dir, sondern danach, wie sie ans nächste Glas kommt.

    Ich habe mich nicht von Menschen isoliert oder vor Gesellschaften verschlossen, sondern mich anfangs bewusst von Orten ferngehalten, an denen Alkohol getrunken wurde.

    Wer trocken bleiben will, muss auch mal Ansagen machen und ehrlich sagen können: „Ich kann das nicht ab.“ Fertig. Oder eben die Konsequenzen eines möglichen Rückfalls in Kauf nehmen , mit allem, was dranhängt. Und ich weiß nicht, wie toll es ist, wenn die Tochter später erfährt, dass die Mutter wegen dem Suchtdruck auf der Party wieder angefangen hat zu saufen.


    Erstmal stabil werden. Im ersten Jahr heißt das. Gesellschaft ja aber nur dort, wo kein Alkohol im Mittelpunkt steht. Nicht verschließen, aber auch nicht naiv reinlaufen. Die Sucht spielt nicht fair. Also musst du es tun. ;)

    Heute gehe ich zur Gesundenuntersuchung, meine Werte müssten jetzt eigentlich alle passen, ich freue mich.

    Alles Gute dazu!

    Ich erkenne meine Krankheit an bin aber froh sie gestoppt zu haben und ja ich bin schon ein kleines bisschen Stolz und dankbar auf mein 10 Monatige Abstinenz.

    War bei mir anfangs genauso, aber das habe ich mit der Zeit abgelegt ganz einfach, weil ich der Sucht nicht mehr Raum geben will, als unbedingt nötig. Es ist ja kein Wettbewerb, wie lange man nüchtern ist.

    Es ist eine Notwendigkeit, um sein Leben selbst bestimmen zu können.

    Mit Demut und Dankbarkeit in Bezug auf Krankheiten tu ich mich auch generell schwer. Und Stolz? Den verbinde ich eher mit sportlichen Leistungen oder bestandenen Prüfungen aber doch nicht mit einer Krankheit. Ich hatte neulich Corona, Omikron. Lief glimpflich ab. Aber stolz war ich darauf auch nicht.

    Am Anfang, wenn jemand noch etwas unsicher auf den Beinen steht, mag es auch mal gut sein, sich auf die Schulter zu klopfen, bis sich eine gewisse Stabilität eingestellt hat und wenn daraus eine Normalität entwickelt passt das alles .

    Für mich ist das keine Frage der Interpretation oder Auslegung, sondern eine nüchterne Erkenntnis. Der Wille allein reicht nicht aus, wenn es um Sucht geht.

    Jeder, der mal in seiner nassen Zeit abends beschlossen hat, nichts oder weniger zu trinken und es trotzdem getan hat, weiß, wie wenig der Wille gegen die Sucht ausrichtet. Auch die Versprechen gegenüber dem Partner, aufzuhören oder sich zu mäßigen, waren voller guter Absicht. Der Wille war da und hat trotzdem nichts verhindert.
    Und jetzt, beim Trockenbleiben, soll plötzlich derselbe Wille genügen? Oder hat der Süchtige zwei Persönlichkeiten ,eine, die im Rausch machtlos ist, und eine, die nüchtern alles im Griff hat? Wenn auf den Willen keine Handlung folgt, endet es im Rückfall.

    Ich frage mich auch, was es überhaupt bringt, darüber nachzudenken, ob ich aus Willenskraft oder aus Kapitulation trocken geworden bin. Und wenn es die Willenskraft war, wie lange hat es gedauert, bis die Kapitulation übernommen hat?

    Was will ich mir damit beweisen? Dass ich stark bin? Dass ich meine frühere Schwäche, suchtkrank geworden zu sein, relativieren kann? Das würde ja bedeuten, ich erkenne es nicht als Krankheit an. . Oder ich kein Opfer war, sondern ein Held? Ich weiß es nicht.

    Und ehrlich gesagt: Ich will es auch gar nicht mehr wissen. Ich bin einfach froh, dass ich heute trocken bin.

    Schönen Austausch noch.

    Aber man muss doch "wollen" Abstinent zu werden und zu bleiben und damit ist doch nicht automatisch ein Kampf damit verknüpft. I

    Der Wille war damals schon da, als ich dachte, die Sucht unter Kontrolle zu haben. Doch genau dieser Wille wurde von der Sucht ersetzt. Da konnte ich ankämpfen, so viel ich wollte, da war nichts mehr mit Willen. Und jetzt, in der Abhängigkeit, soll derselbe Wille ausreichen, um dauerhaft trocken zu bleiben?

    Nein, der Wille allein reicht nicht. Er ist zu schwach gegen eine Sucht, die sich tief ins Denken und den Alltag eingebrannt hat. Trocken zu bleiben bedeutet nicht, willentlich dagegen anzukämpfen. Es braucht Kapitulation statt Kampf.

    Es braucht eine echte Veränderung im Leben, anstelle eines bloßen „Ich will“. Ich muss handeln, nicht nur wollen, um trocken zu bleiben.

    ja bitte mach das, vielleicht liest du etwas ... das ich übersehe

    Wenn du mich fragst, ob du was übersehen hast, dann ist da meist schon ein Gedanke im Hinterkopf , entweder der Wunsch, wieder zu trinken, oder zumindest die Versuchung.;) Sonst würdest du nicht fragen. Oder liege ich da völlig daneben?

    Ich lese von ferngesteuertem Verhalten, mitgenommenem Wein, einem Freund, der sich über fehlenden Rum zum Kaiserschmarrn mokiert, und einer Hochzeit, bei der du glaubst, es habe dir nichts ausgemacht.

    Aber nüchtern werden ist eben kein Sprint , es ist ein Marathon. Und der verlangt mehr als sporadische Beschäftigung mit dem Thema. Austausch, Reflexion, ehrliche Auseinandersetzung.

    Auch wenn du schreibfaul bist, interessiert das die Sucht nicht. Sie schleicht sich in der nassen Zeit ein und tut das auch in der trockenen. Also such dir dann eine zusätzliche Gruppe. Stabilität entsteht nicht durch Schweigen, sondern durch ständigen Austausch.

    Mein Rat: Im ersten Jahr ein alkoholfreies Umfeld schaffen und ein Leben aufbauen, das mit der Sucht nichts mehr zu tun hat. Es bringt nichts, weiter in den alten nassen Kreisen, nassen Gedanken und nassen Tagesabläufen zu verharren. Und es hilft auch nicht, sich ständig zu fragen, ob man es schafft. Angst ist da kein Kompass.

    Mir hat es geholfen, mein Leben komplett zu verändern, neue Interessen zu entdecken und mich nicht mehr von den Erwartungen anderer abhängig zu machen. Nüchternheit hat oberste Priorität. Wer damit nicht klarkommt, kann gerne woanders hingehen.


    Zu direkt? Zu deutlich? Nimm es nicht persönlich es geht nicht um dich, sondern um die Sucht. Und wer sich am Austausch stört, hat noch nicht verstanden, worum es wirklich geht.

    Also, zuerst einmal habe ich nicht die Allround-Lösung, aber aus meiner Erfahrung und jahrelangem Austausch hier würde ich so beschreiben

    Hartmut du schreibst ja immer wieder ein Rückfall findet schon viel früher im Kopf statt

    Ein Rückfall beginnt nicht mit dem Griff zur Flasche, sondern mit einem Gedanken. Alltagssituationen wie Stress, Freude, Verzicht, Einsamkeit oder der Wunsch nach Belohnung lösen innere Dialoge aus wie: „Ein Glas wäre doch okay“, „Ich hab’s im Griff“ oder „Nur heute, zur Entspannung“.

    Diese Gedanken wirken vielleicht harmlos, sind aber aus nassen Zeiten nur allzu bekannt. Doch genau darin liegt die Gefahr. Die Sucht meldet sich nicht laut, sondern leise „nass gedacht“ mit Gedanken wie „Es wird schon nichts passieren“ und öffnet so die Tür zur Nachlässigkeit.

    Jeder hat sein eigenes System, um gegenzusteuern. Manche denken den Gedanken zu Ende, was passieren könnte. Ich halte davon wenig, denn ich weiß, was bei einem Rückfall passiert. Ich brauche keine Schreckensszenarien als Abschreckung, das war ich in der nassen Zeit selbst.

    Ein Rückfall ist auch kein plötzlicher Ausrutscher, sondern das Ergebnis eines mentalen Prozesses: Verharmlosung, Selbsttäuschung, Rechtfertigung.

    So, ich muss gestehen, dass ich deinen Thread nur überflogen habe, aber ich werde ihn mir mal in Ruhe durchlesen.