Beiträge von Aurora

    Liebe Jule,

    natürlich ist es toll, wenn du deinen Mann auf seinem Weg in die Trockenheit auch unterstützt! Das ist ganz klar.

    Mein 2. Mann ist ja auch Alkoholiker und ich lebe mit ihm zusammen ein trockenes Leben. Unser Haushalt ist alkoholfrei, das war die Bedingung meines Mannes, als wir zusammen gezogen sind. Ich koche und backe alkoholfrei und trinke selbst auch keinen Alkohol mehr. Das mache ich aus Überzeugung und weil es mir gut damit geht. Gleichzeitig unterstütze ich aber auch indirekt meinen Mann damit auf seinem Weg.

    Für seine Trockenheit an sich sorgt aber mein Mann alleine. Also ich erinnere ihn nicht dauernd daran, das er ja auch aufpassen soll, was er isst, wenn er außer Haus irgendwo in ein Restaurant oder so geht. Dinge, die er kauft, die muss er auch selbst auf Alkohol nachgucken. Das ist das, was mir gerade spontan einfällt.

    Als Co bist du darauf trainiert, deinem Partner alles abzunehmen. Damit er ja keinen Grund zum Saufen findet oder weil er besoffen ist. Du übernimmst die Verantwortung für alles, weil es auch nicht anders geht.

    Und jetzt kommt es. Wird der Partner nun trocken ist er ja selbst wieder dazu in der Lage, für sich und sein Leben Verantwortung zu übernehmen. Er kann wieder Entscheidungen treffen und ist klar dabei. Das ist es dann, was uns Cos so schwer fällt. Diese Fürsorge und Verantwortung wieder abzugeben. Nicht für ihn mitzudenken. Ihn nicht dauernd zu kontrollieren und wie ein unmündiges Kind zu behandeln. Mal überspitzt gesagt.

    Du überlegst, dass du bestimmte Gläser entsorgen willst. Da kannst du nun mit deinem Mann dann darüber reden und er kann es (mit) entscheiden. Du musst nicht überlegen, was für ihn sinnvoll und gut sein könnte, das muss von ihm kommen.

    Alles, was mir unklar war, als ich mit meinem Mann zusammen kam, habe ich ihn gefragt und mit ihm besprochen. Und so ist das heute noch. Und das ist wichtig! Reden. Immer wieder reden. Und zuhören!

    Zum jetzigen Zeitpunkt ist dein Mann gut versorgt. Und genau das solltest du für dich auch tun, für dich sorgen. Alles andere ergibt sich wenn ihr bereit seid, offen und ehrlich miteinander umzugehen.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo,

    und weil es mir ja sooo gut ging, endlich, habe ich mich stark gefühlt und bin plumps, genau in alten Mustern gelandet.

    Da waren diverse Termine mit meinen alten Eltern, vor allem der Mutter. Bei Ärzten. Da bin ich natürlich mitgegangen. Dann war der Geburtstag der Mutter, den natürlich ich alleine stemmen wollte (gestemmt habe)... So wie früher.

    Da war wieder dieses Gefühl der Verantwortung und des Gesehenwerdenwollens. Das Gefühl, seht her, was ich alleine stemme.

    Ich höre ja auch immer wieder, wie schwer es meine Geschwister ja haben mit ihren Jobs. Wie viel Stress sie doch haben, wie aaaanstrengend und blabla. Sie erzählen es mir jedes Mal, auch die Mutter entschuldigt sie oft deswegen. Und dann denke ich, "hey, und du bist Rentnerin und hast ja Zeit, du musst dir das verdienen, dass du nicht beruftätig bist".

    Der typische Totschlaggedanke :twisted: , klasse :evil: .

    Und somit war voraus zu sehen, was passiert. Ich bin wieder völlig platt und depressiv. Meine Ärztin hat geschimpft... "Nun ging es ihnen so richtig gut, ein Glück, dass es ihnen dann jetzt endlich wieder schlecht geht!".

    Bamm, das hat gesessen. Recht hat sie. :? Ich habe viel darüber nachgedacht. Ich muss doch niemandem beweisen, dass ich wirklich krank bin und nicht mehr leistungsfähig. Meine Geschwister sehen mich so oder so nicht, weil sie es einfach nicht wollen. Sie grenzen sich ab, ich kann das nicht, darum bin ich wütend. Auf sie, aber eigentlich auch auf mich!

    Also übe ich nun wieder die Abgrenzung. Und da meine Psyche das kennt hat sie mich lahm gelegt.

    Mein Immunsystem ist im Keller und ich habe einen bösen Infekt. Der sich auch auf Magen/Darm ausgebreitet hat. Ich bin völlig außer Gefecht gesetzt, schlapp und zu nix zu gebrauchen. So geht das seit Dienstag. Ich bin also gezwungen, auszuruhen. Und das tu ich nun. Ich habe es verstanden.

    Hinzu kommt, dass am 13. der 35. Geburtstag meiner Tochter ist. Sie wäre 35 ... seit 5 Jahren lebt sie nun schon nicht mehr. Das kommt mit Sicherheit auch noch hinzu.

    Ich übe mich also im Ausruhen, Luft holen und Nixtun. Zum Glück habe ich meinen Mann, der sich liebevoll kümmert. Das ist die gute Seite daran. Eigentlich ist es doch toll, betüddelt zu werden...

    Aurora

    Liebe Tautropfen,

    wie ist es dir inzwischen ergangen?

    Familienkrankheit Alkoholismus, das ist immer wieder schlimm. Oft wird der Suchtmittelabhängige in Schutz genommen, ich habe das auch in meinem privaten Bereich bei jemandem so erlebt.

    Die Böse war die Frau, die ihre Verzweiflung oft raus schrie. Das arme Opfer war der Mann, der so hilflos war in seiner Trunkenheit. Er wurde bedauert, denn "bei der Frau muss man ja...saufen". Echt krass.

    Genau diese Hilflosigkeit ist eines der Hauptdinge, die uns Cos immer wieder fesselt. Und die Augen verschließen lässt. Du bist aus diesem System ausgebrochen, das ganze System ist damit in ein Ungleichgewicht geraten und alle , die noch daran hängen, schwanken nun und suchen ihren Fixpunkt. Zersplittert ist da nichts, da hängen noch immer die Fäden aneinander.

    Natürlich bist du da die Böse, du hast ja diese Unruhe rein gebracht. Kannst du denn mit deinen Kindern darüber reden? Ich meine, sie haben ja auch deine Seite mitbekommen. Es ist sehr schwer, das auszuhalten. Du scheinst das Opfer aller Situationen zu sein.

    Das bist du aber nicht, du bist die Gewinnerin. Auch wenn erst mal so viel für dich dabei kaputt zu sein scheint. Dass du deinen Enkel nicht sehen kannst ist schlimm. Würdest du aber immer noch im System mit drinnen hängen, könntest du das auch nicht so wirklich genießen, Oma zu sein. Es ist echt teuflisch...

    Ich drück dir ganz dolle die Daumen, dass da was positiv für dich passiert.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Jule,

    ich spüre deine Erleichterung regelrecht bis hier her.
    So war das auch bei mir damals, als mein Exmann endlich in der Klinik und unter ärztlicher Aufsicht war. Da konnte ich erst mal Luft holen.

    Professionelle Hilfe bekommst du bei Psychologen. Du kannst auch zu einer Beratungsstelle gehen, dort kannst du eventuell Adressen von Psychologen bekommen, die sich auch mit Sucht auskennen.

    Die Erfahrung, dass es für Angehörige wenig Möglichkeiten in SHGs gibt, habe ich auch gemacht. Ich war auch eine Zeit lang in einer realen SHG unterwegs, was da für Angehörige geboten wurde war grottig. Darum war ich so froh, dieses Forum hier zu haben. Wir sind ja auch eine Selbsthilfegruppe.

    Der Austausch unter den Cos (natürlich auch bei den Alkoholikern) ist hier sehr wertvoll. Hier im offenen Bereich ist es leider etwas ruhig, im geschlossenen Bereich aber kannst du direkter, offener schreiben und dich auch austauschen.

    Es ist gut, dass du deinen Mann erst mal nicht besuchst. Er muss nun zu sich kommen, genau wie du das musst. Das kostet Zeit und Kraft. Der Abstand ist da hilfreich für beide.

    Vielleicht fallen dir nun wieder Dinge ein, die du selbst gerne machst und vernachlässigt hast. Lass das aufleben, es wird dir helfen. Tu dir Gutes, so, wie es für dich passt. Es ist ja für jeden Menschen anders.

    Ich habe es damals genossen, ohne Angst nach Hause kommen zu können. Ich habe abends die Ruhe genossen und gelesen. Ich habe mir schöne Körpercreme gekauft um gut zu duften. Das hat mir gut getan. Ich habe meine neue Wohnung weiter eingerichtet. Ich hatte mich ja von meinem Mann damals getrennt, daraufhin ging er ja in die Klinik. Inzwischen sind wir auch schon lange geschieden und ich bin neu verheiratet :D . Bei uns hatte es damals nicht geklappt, zu viel war einfach kaputt.

    Wenn es geht schiebe einfach Gedanken an ihn erst mal in eine ruhige Ecke. Da können sie sich langweilen. Und mache für dich. Alles, was dir gut tut, mach das, es ist dein gutes Recht!

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Ritschi,

    herzlich willkommen, du bist zwar schon ein wenig hier aber jetzt sag ich doch mal "hallo".

    Ein Austausch mit Betroffenen ist eine sehr wichtige Sache auf dem Weg in ein trockenes und zufriedenes Leben. Niemand kann deine Gefühle so gut nachfühlen wie die Menschen, die das auch so erlebt haben.

    Ich bin keine Alkoholikerin, ich komme von der Seite der Coabhängigen. Auch da ist es so. Die besten Fachleute sind die, die das selbst erlebt haben.

    Du hast hier nun ein "Fädchen" oder auch thread eröffnet in einem Bereich, der eher für allgemeine Themen ist. Da kann es leider passieren, dass du nicht gesehen wirst. Ich kann, wenn du magst, dein Fädchen in den Bereich der Alkoholiker hier im offenen Forum verschieben, da findet ein besserer Austausch statt, weil da doch mehrere versammelt sind.

    Es gibt aber auch den Bereich der etwas kostet und das ist dann der geschlossene Bereich. Auch dort gibt es eine Sparte "Tagebücher für Alkoholiker", in der du eine Art Tagebuch-Fädchen eröffnest in dem dann ein Austausch statt findet. Auch du kannst, wenn du möchtest, in anderen Fädchen oder Tagebüchern schreiben.

    Der geschlossene Bereich hat den Vorteil, dass dort nicht das gesamte Internet mit lesen kann. Es gibt ja auch Themen, die sollen in dem Raum bleiben, wo sie besprochen werden/wurden. Es ist im geschlossenen Bereich wie in einer "richtigen" Selbsthilfegruppe, nur sitzen da nicht alle zu einer bestimmten Zeit um den Tisch herum sondern es ist jederzeit ein Austausch möglich.

    Dass du selbst noch nicht bei anderen etwas schreiben kannst geht so gut wie jedem so am Anfang. Sei mal nicht traurig deshalb! Es ist sogar erst einmal für dich sicher hilfreicher, wenn du dich in deinem eigenen Fädchen mit dir selbst beschäftigst, deine Gedanken und Gefühle aufschreibst. Dann bekommst du auch Meldungen und kannst darauf antworten. Du bist ja zu nichts verpflichtet.

    Mir hat es damals nach einer Weile geholfen, bei anderen Leuten, die mir gefallen haben, einfach nur mal "Hallo" zu sagen, ein "schönes Wochenende" zu wünschen oder so etwas in der Art. Damit war diese Hemmschwelle ein wenig niedriger geworden.

    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende und sag einfach,
    entweder per PN an uns Moderatoren oder hier in deinem Fädchen, ob das verschoben werden soll. Oder du überlegst dir das mit dem geschlossenen Bereich und wendest dich an Karsten. Mach es so, wie es sich gut für dich anfühlt.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo und herzlich willkommen ABC,

    ein gesunder Mensch ist normalerweise wirklich nicht so lange in einer geschlossenen Abteilung eines Krankenhauses. Nach dem, was du schreibst, sieht es tatsächlich so aus, als ob sie dort einen körperlichen Entzug gemacht hat. Ein körperlicher Entzug dauert so ca. 7 Tage. Dann ist der Körper vom Alkohol entgiftet.

    Deine Mutter möchte aber allem Anschein nach nicht, dass andere Menschen über sie und ihren Zustand etwas erfahren. Das hat sie ja mit der Informationssperre gezeigt und auch, dass sie dir auf sms nicht mehr antwortet.

    Da kannst du also nichts machen, denn deine Mutter ist erwachsen und kann das für sich so entscheiden. Du als Tochter kannst nun nur versuchen, für dich selbst da den nötigen Abstand zu bekommen. Das ist sehr schwer. Aber andererseits hast du da auch an nichts Schuld und auch keine Verantwortung ihr gegenüber.

    Viele Grüße
    Aurora

    Hallo Cookie,

    das kann ich gut verstehen, dass es wichtig für dich ist, endlich Beständigkeit in deinem Leben zu haben. Einfach so einen bestimmten Alltagsrahmen in dem du dich bewegen kannst und darin Sicherheit findest.
    Einen Ort, an dem du zur Ruhe kommen kannst.

    Ich finde es echt toll, wie du mit dir und deinem Leben umgehst! Da ist viel Selbstfürsorge und das ist das beste, was du dir geben kannst.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Micha,

    ich denke mal, es gibt da keine Zeiträume, in denen was passiert sein muss. Es ist ganz individuell, wie lange das dauert.

    Ich habe mich noch mit Gedanken um meinen Exmann rumgeschlagen, da war ich schon zwei/drei Jahre getrennt und längst in einer neuen und sehr glücklichen Beziehung. Es wurde aber im Laufe der Zeit immer weniger. Ich konnte mir Gedankenbilder setzen, die mir sagten, was Sache ist, also dass er erwachsen und für sich und sein Wohlbefinden selbst verantwortlich ist zum Beispiel.

    Auch heute ist es mir nicht alles egal, was mit ihm ist. Aber es ist eine andere Ebene geworden. Nun waren wir aber auch mehr als 26 Jahre zusammen, das spielt sicherlich auch eine Rolle. Ich kenne ihn ja auch gut.

    Es ist also Geduld erforderlich. Und nicht zu knapp. Und die Überzeugung, dass es im Laufe der Zeit besser wird und deine Gefühle nicht unnormal sind. Hauptsache ist ja nur, dass du nicht zurück rennst...

    Liebe Grüße
    Aurora

    Liebe Thalia,

    bis wohin ist es noch gut, ab wann ist es krank...

    Seit ich selbst erkannt hatte, dass ich in Coabhängigkeit lebte, bin ich sehr sensibel, was dieses Thema angeht. Denn in diesen Zustand möchte ich nicht mehr zurück!

    Ich fühle da oft in mich hinein. "Ist das nun "normal" oder hänge ich schon wieder drinnen?". Coabhängig ist man ja nicht nur von einem Suchtmittelabhängigen. Für mich kann solches Verhalten überall auftreten.

    Ich sehe mich zum Beispiel als typischen Co. Durch Prägungen in meiner Kindheit und dem Gesellschaftsideal meiner Kindheit und Jugend war da schon der erste dicke Stein gelegt. Dazu kommt noch, dass ich sehr sensibel bin, sehr empathisch und auch gutgläubig.

    Viele dieser Dinge kommen daher, dass ich kein gutes Selbstwertgefühl. Selbstbewusstsein entwickeln konnte. Siehe "Prägungen".

    Ich glaube heute, dass ich mich schon sehr, sehr lange coabhängig verhalten habe, schon meine Kinderfreundschaften waren davon geprägt, ganz deutlich aber meine Jugendliebe. Um "dazu zu gehören" habe ich mich verdreht, Dinge gemacht, die mir widerstrebten, habe ich mich um andere gekümmert und geholfen. Das Wörtchen "nein" gab es irgendwie nicht in meinem Wortschatz.

    In der Ehe mit dem alkoholabhängigen Exmann war es dann ganz extrem.

    Ähnlich wie slowly mache ich es jetzt. Es muss sich für mich gut anfühlen, dann ist es okay. Denn insgesamt bin ich immer noch eher ein Mensch, der gerne gibt und unterstützt, der sich Gedanken um seine Mitmenschen macht und niemanden verletzen möchte.

    Ich kümmer mich gerne.

    Es darf bloß nicht mehr so weit ausarten, dass ich mich verliere. Meine Persönlichkeit aufgebe. Mich nicht mehr als wichtig sehe.

    Das ist um so schwieriger, um so näher mir Menschen stehen. Aber das wiederum empfinde ich für mich als "normal". Für die Enkel mal was zurück stecken, für den Mann auch mal was machen, wo ich gerade nicht soooo Lust drauf habe. Solange ich mich nicht dabei quäle ist es für mich in Ordnung. Und ich glaube, dafür habe ich ein gutes Gespür entwickelt. Im Laufe der letzten 10 Jahre...

    Aurora

    Hallo Camomille,

    Zitat

    Momentan behelfe ich mir mit der Telefonseelsorge. Traurig Auch nicht optimal, weil ich mich immer schäme und denke, dass es andere nötiger hätten,

    Du musst dich nicht schämen und auch nicht denken, andere Leute hätten es nötiger! Das sind so die K.O.-Gedanken (kenne ich auch).

    Für dich ist dein "Zustand" dringend und schlimm. Was die Anderen für Dringlichkeiten haben soll dir wurscht sein. Denn für dich bist du wichtig. Du nutzt einen Service mit der Seelsorge, der allen bereit gestellt wird, auch dir!

    Und hier kannst du auch immer "Hilfe" rufen.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Liebe Jule,

    in deinem Beitrag stecken so viele Sachen, die ich damals genau so auch erlebt habe.

    Da sind die Gedanken, die hin und her springen und der Wunsch, alleine erst mal zu sortieren. Und vor allem, alleine auch erst mal zur Ruhe kommen können. Und dann verschiedene Ängste. Nun hast du in deinem Umfeld auch noch einen Todesfall erlebt, na klar macht das Angst. Aber wenn dein Mann einen Arzt an seiner Seite hat und moderat weiter trinkt kann nicht viel passieren. Wichtig ist nur, dass er nicht ganz aufhört, einfach so, das kann dann nämlich wirklich gefährlich werden.

    Ich kann mich noch erinnern, dass es damals einen Morgen gab, da wurde ich wach und wie eine Wucht erschlugen mich die Gedanken von Schuld und Scham und meiner Unfähigkeit, das nicht schon viel früher erkannt zu haben. Das so lange mitgemacht zu haben. Ich weiß nicht mehr, wie viele Stunden ich geweint habe an diesem Morgen...

    Aber es nutzt ja nichts. Es ist gelebte Zeit. Und die hast du so gelebt, wie es für dich in diesen Momenten möglich war. Du bist nicht zu blöd oder so, rede dir das mal nicht ein. Du hast funktioniert wie das sehr viele Menschen in diesen Beziehungen tun, bevor es "klick" macht. Es sind Muster und Verhaltensdinge die da ablaufen und es ist schwer, da raus zu kommen.

    Sei eher stolz, dass es nun bei dir so läuft! Denn das schafft auch nicht jeder!

    Ja klar möchtest du nicht, dass Hinz und Kunz nun über euch reden, weil dein Sohn ein Plappermäulchen ist. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass dein Sohn sich da schon auch selbst was zusammen gedacht hat, du sagst ja selbst, Kinder haben feine Antennen. Vielleicht bist du ganz erstaunt, was er alles so denkt. Vertrau dir jetzt einfach mal als Mutter, du und dein Sohn, ihr werdet schon eine gute Lösung finden.

    Hier ist heute super Wetter. Ich hoffe, bei dir auch. Genieße den Tag.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo,

    letzten Dienstag beim Frühstück haben wir spontan beschlossen, noch ein paar Tage an die Nordsee zu fahren. Dante hatte noch Urlaub und wir wollten einfach noch mal raus.

    Gesagt, getan. Er hat geguckt, wo das Wetter am vielversprechensten würde. Das war eben Nordsee, Norddeich. Da kommen wir mit dem Zug auch gut hin, Auto wollten wir nicht.

    Und so sind wir am letzten Donnerstag morgens um 4.30h losgegangen zum Bahnhof. Und um kurz vor halb 12h waren wir in der Pension. Und das Wetter war einmalig. Wir haben einen Strandkorb gemietet, darin gefaulenzt, gelesen, gedöst. Am Freitag war es nicht so schönes Wetter, das wussten wir aber vorher, da waren wir im Freizeitbad. Und haben es uns gut gehen lassen. Am Sonnabend war dann wieder besseres Wetter und wir waren den ganzen Tag am Meer. Sind hier lang und da lang gelaufen, haben Fisch gegessen und Sonne und Seeluft und Ruhe getankt.
    Sonntag früh ging es wieder heimwärts, mit viel Wehmut aber auch mit neuer Kraft.

    War das toll!

    Aurora

    Hallo Jule,

    herzlich willkommen im Forum.

    Ich drücke dir für den 6.6. gerne die Daumen.
    Wie geht es dir denn inzwischen?

    Wie sag ich's meinem Kinde... nicht so einfach, vor allem, wenn das Kind so mitteilungsbedürftig ist.

    Ich bin aber auf jeden Fall dafür, Kindern die Wahrheit so weit zu sagen, wie sie es verstehen können. Also altersgerecht. Rumgeeier verunsichert Kinder, sie merken ja doch schon auch, dass was los ist.

    Wir haben mit unserer Enkelin immer offen geredet, immer, wenn sie Fragen hatte. Das machen wir noch so. Sie weiß, dass ihr Opa (mein Exmann, aber auch der Opa väterlicherseits ist Alkoholiker, das weiß sie auch...) krank ist, dass er alkoholkrank ist. Dass daraus ja auch für sie Dinge resultieren, zum Beispiel dass er nicht lange mit ihr spielen mag oder auf sie aufpasst. Sie merkt das ja auch selbst, inzwischen ist sie 8, aber schon als sie 3 0der 4 war haben wir geredet. Wenn sie das wollte.

    Und sie weiß auch, dass mein Mann, der ja nicht ihr leiblicher Opa ist, auch alkoholkrank ist. Dass er aber nicht mehr trinken möchte. Daher gibt es bei uns nichts mit Alkohol und sie achtet inzwischen sogar auch darauf, dass sie ihm nur Schokolade oder so ohne Alkohol schenkt. Das ist für sie selbstverständlich.

    Wenn sie mag, darf sie es auch anderen erzählen, aber ich glaube, dadurch dass wir so offen und unaufgeregt darüber reden ist es für sie gar nicht wichtig, anderen davon zu erzählen. Es ist für sie normal so.

    Ich weiß jetzt gerade nicht, wie alt dein Kind ist. Aber wenn es schon in die Schule geht kannst du ja schon auf einer guten Ebene offen reden. Und auch sagen, dass der Papa krank ist. Dass er aber beschlossen hat, dagegen etwas zu tun. Dass das sehr mutig ist von ihm und aber auch sehr anstrengend. Dass er dafür eine Zeit lang in's Krankenhaus muss. Und dass dein Kind immer fragen darf, wenn es etwas wissen möchte darüber.

    Oft hat die Welt da draußen sowieso schon gemerkt, wenn in Familien Alkoholprobleme sind. Vielleicht hat dein Kind sogar darüber schon mal was erzählt? Oft ist es aber Kindern auch peinlich, solche Themen offen zu sagen. Oder unbewusst wird es ihnen auch so beigebracht, den Mund zu halten. Nach außen hin soll ja das Bild der heilen Familie weiter bestehen. Das ist für Kinder auch sehr anstrengend und verunsichert.

    Ich würde die Sache nicht dramatisieren. Je mehr Geheimnis und Drama darum gemacht wird, desto interessanter wird es ja irgendwo auch für Kinder. Einfach ruhig und offen sein, das finde ich wichtig.


    Zitat

    Mir macht es bissel Sorgen wie es danach weitergeht. Ich will mal garnicht an einen Rückfall denken. Einfach nur kann ich was falsch machen? Zu viel, zu wenig oder überhaupt Kontrolle? Besuch vorher sagen kein Alkohol mitbringen? Raus mit Euren konstruktive Ratschlägen oder Erfahrungen. Das ich selber nicht trinke erscheint mir logisch um nichts im Hause zu haben. Sollte ich während er weg ist sein Arbeitszimmer mal umkrempeln und alles was ich finde entsorgen? Ist das zu übergriffig?

    Menschen machen nun mal Fehler. Es gibt kein offizielles Reglement, wie du am besten umgehst. Vertraue dir einfach und deinem Gefühl. Und vor allem, rede mit deinem Mann! Was möchte er? Vielleicht könnt ihr ja zusammen das Arbeitszimmer umkrempeln, vielleicht möchte er das alleine machen? Vielleicht findet er es gut, wenn du das machst? Reden ist Gold in solchen Fällen.

    Ansonsten ist er ja für sich selbst zuständig, du musst ihn nicht dauernd erinnern. Kontrollieren. Das ist schwierig, sag ich dir. Denn du hast ja auch sehr lange in Coabhängigkeit gelebt. Da kann es schon auch zu Konflikten kommen, wenn dein Mann dann wieder Eigenverantwortung übernimmt. Wenn er wieder mit entscheiden will. Wenn er wieder anwesend ist, also klar im Kopf.

    Es ist gut, dass du dir da auch Hilfe holst! Das ist wichtig für dich! Ich freue mich, dass du hier gelandet bist.

    Liebe Grüße
    Aurora

    Hallo Eule,

    dem Beitrag von Hans ist nichts groß hinzu zu fügen. Da steht alles drin!

    In die Zukunft kann keiner sehen. Deshalb ist es unmöglich zu sagen, was sich und ob sich da was ändert. Bei deinem Freund, bei dir... Das hat jeder für sich in der Hand.

    Eines ist aber sicher. Ändert sich bei deinem Freund nichts in eine Richtung, in der er aufhört zu trinken, ist sein Weg schon ein Stück weit voraussehbar. Und deiner auch, solltest du dann immer noch hoffen. Da sind die Abläufe immer irgendwie ähnlich.

    Jetzt ist die Frage, was kannst du tun? Mit ihm reden, das ist ein Anfang. An seiner Reaktion kannst du ja schon viele Sachen merken, also in welche Richtung es bei ihm gehen könnte. Ob Taten folgen. Und dann kannst du überlegen, was für dich daraus folgt.

    Die Hoffnung hat auch in mir gesteckt. Jahr für Jahr. Das ist ja auch der Wunsch, nichts ändern zu wollen, sich etwas erhalten zu wollen, was vielleicht mal gut war. Die Wünsche und Vorstellungen für ein gemeinsames Leben, die man sich ausgemalt hat, gibt man ja nicht so einfach auf. So war das bei mir. Und so bin ich coabhängig geworden... natürlich kommen da noch viele andere Aspekte dazu, aber auf alle Fälle hat das bei mir eine große Rolle gespielt. Dieses Festhalten an meinen Träumen (und Ängsten).

    Liebe Grüße
    Aurora