Liebe Ko,
was ich so von anderen Alkoholikern gehört habe, waren sie nicht glücklich mit ihrer Abhängigkeit. Na klar nicht! Eine Abhängigkeit ist Zwang auf der ganzen Linie.
Deshalb könnte ich mir schon vorstellen, dass dein Mann nicht wirklich glücklich ist. Aber du kannst nichts für ihn tun zur Zeit. Solange ihn seine Sucht im Griff hat, wird sich da nichts ändern. Er ist schon groß, er hat es selbst in der Hand. Jeder Mensch ist für sein Glück zuständig. Wenn ich immer nur andere Menschen für mein Glück oder Unglück verantwortlich mache, läuft bei mir ganz schön was schräg.
So, wie du für dich deinen Weg finden musst und ja auch möchtest, so kann er das ja auch. Aber das Problem dabei ist ja, dass so etwas nicht ohne Arbeit, Schmerz, Ärger, einhergeht, mit gefühltem Verlust erst mal. Den Gewinn kann man nicht immer gleich sehen oder spüren. Zuerst spürt man nur Trauer um eine verlorene Sache.
Ich bin damals ausgezogen. Und war so zweigespalten. Ich "musste" mein Zuhause verlassen. Meine geliebte Wohnung. Mein Heim. Ich "musste" finanzielle Dinge in Kauf nehmen. Ich "musste" nun ohne Mann weiter machen. Ich "musste" mich mit meiner Mutter auseinander setzen, die lieber wollte, dass ich das alte Bild fort führen sollte, erhalten sollte. Ja, ich "musste" so viel...
Ich habe das "musste" in Anführungszeichen gesetzt, denn es war ja kein Zwang, kein Muss an sich, ich wollte das ja. Aber dafür "musste" ich eben. Ich musste mich bewegen...
Bald habe ich gespürt, wie wohltuend es war. Morgens in Ruhe, ohne Gegrabsche und Alkoholgestank aufwachen zu können. Wie wohl es tat, mich bewegen zu können, wie ich wollte, ohne dass einer rummeckerte. Mich angriff. Oder ich sehen musste, wie die Pulle an den Hals gesetzt wurde...
Es war nicht schlimm, die finanziellen Dinge waren da, aber das Freiheitsgefühl wog alles auf. Das war und ist nicht mit Geld zu bezahlen!
Das kannst du haben. Und ebenso kann dein Mann das haben! Unglücklich sein, Opfer sein, das muss niemand auf Dauer. Genau so, wie du dich beginnst zu bewegen, kann er das auch. Oder eben nicht.
Es ist schon einfacher, zu verharren und zu jammern. Obwohl - nö, unglücklich zu sein ist auch mega anstrengend...
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Viele Grüße
Aurora